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Jugendstil und Schmiedeeisen - Schmied

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Jugendstil und Schmiedeeisen - Schmied




Jugendstil und Schmiedeeisen - Schmied


Einleitung

Der Jugendstil entwickelte sich in Europa ungefähr zwischen 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs. In Frankreich und Belgien wird er häufig als Art Nouveau, in Österreich als Teil der Secession und in Italien als Stile Liberty bezeichnet. Für das Schmiedehandwerk ist diese Epoche besonders wichtig, weil Geländer, Tore, Gitter, Leuchten, Beschläge und Treppenanlagen nicht nur technische Bauteile waren. Sie wurden als Bestandteile eines Gesamtkunstwerks verstanden, in dem Architektur, Innenraum, Möbel, Glas, Keramik und Metallgestaltung zusammenwirkten.

In diesem aiMOOC lernst Du, Jugendstilformen fachgerecht zu analysieren und in einen schmiedbaren Entwurf zu übersetzen. Der Schwerpunkt liegt auf der beruflichen Ausbildung im Schmiede- und Metallgestaltungsbereich. Du verbindest Kunst- und Stilgeschichte mit Werkstoffkunde, Freiformschmieden, Fügetechnik, Korrosionsschutz, Denkmalpflege und Arbeitssicherheit. Dabei wird zwischen historischem Schmiedeeisen und den heute meist verwendeten niedrig gekohlten Stählen unterschieden.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du typische Jugendstilmerkmale an Schmiedearbeiten erkennen, eine historische Vorlage fachsprachlich beschreiben und daraus einen fertigungsgerechten Entwurf entwickeln. Du kannst geeignete Profile, Schmiedeverfahren und Verbindungen auswählen, die Wirkung von Hammertextur, Zunder und Oberflächenbehandlung beurteilen und grundlegende Anforderungen an Sicherheit, Maßhaltigkeit, Korrosionsschutz und Bestandserhaltung erklären.


Jugendstil als Gestaltungsbewegung

Der Jugendstil wandte sich gegen die bloße Wiederholung historischer Stile. Statt gotische, barocke oder klassizistische Formen nur zu kopieren, suchten Gestalterinnen und Gestalter nach einer zeitgemäßen Formensprache. Naturbeobachtung, handwerkliche Qualität und die Einheit von Funktion und Gestaltung spielten eine zentrale Rolle. Typisch sind fließende Linien, pflanzliche Motive, asymmetrische Kompositionen und ein bewusster Wechsel zwischen dicht gestalteten und offenen Flächen.

Eine charakteristische Linie ist der Peitschenhieb: eine spannungsvolle Kurve, die sich beschleunigt, verjüngt und in eine Gegenbewegung übergehen kann. In Schmiedeeisen lässt sich diese Wirkung besonders gut durch auslaufende Querschnitte, Schnecken, S-Bögen, gestauchte Verdickungen und frei geschmiedete Blätter erzeugen. Regional existieren jedoch deutliche Unterschiede. Während der belgisch-französische Art Nouveau häufig organisch und bewegt erscheint, arbeitet die Wiener Secession oft strenger, geometrischer und stärker gerastert.


Naturformen, Rhythmus und Negativraum

Jugendstilornamente übernehmen Blüten, Stängel, Knospen, Blätter, Ranken, Libellen, Pfauenfedern oder Wasserbewegungen nicht einfach naturgetreu. Die Motive werden abstrahiert, verlängert, gespiegelt oder rhythmisch wiederholt. Für den Schmied ist entscheidend, dass die Linie zugleich eine tragende, verbindende oder aussteifende Aufgabe übernehmen kann.

Der Negativraum ist die freie Fläche zwischen den Stäben. Er bestimmt die Lesbarkeit und den Rhythmus eines Gitters genauso stark wie das Metall selbst. Bei einem guten Entwurf wechseln Hauptlinien, Nebenlinien und Ruheflächen. Zu viele Einzelmotive machen eine Arbeit unruhig; zu gleichmäßige Raster können die typische lebendige Bewegung abschwächen. Deshalb prüfst Du bereits in der Entwurfsphase Blickrichtung, Schwerpunkt, Wiederholung, Symmetrie und Asymmetrie.


Europäische Beispiele und Vorbilder

Bedeutende Jugendstilarchitekten wie Victor Horta, Hector Guimard, Otto Wagner und Antoni Gaudí planten Metallteile häufig als Teil der Gesamtarchitektur. Treppengeländer, Vordächer, Türen oder Lüftungsgitter nahmen Linien von Fassaden, Wandmalereien und Möbeln auf. Der Entwerfer Anton Seder veröffentlichte außerdem Vorlagen für Kunsthandwerk und Metallgestaltung. Solche Musterbücher waren für Werkstätten wichtig, dürfen bei heutigen Arbeiten aber nicht unkritisch kopiert werden. Ein Ausbildungsentwurf soll die Gestaltungslogik verstehen und daraus eine eigene, funktionale Lösung entwickeln.


Werkstoff: Schmiedeeisen und Stahl

Der Begriff Schmiedeeisen wird im Alltag für handwerklich geformte Eisenarbeiten verwendet. Werkstoffkundlich ist er genauer zu betrachten. Historisches Schmiedeeisen beziehungsweise Schweißeisen besitzt einen sehr niedrigen Kohlenstoffgehalt und kann schlackenhaltige Faserstrukturen aufweisen. Es wurde unter anderem durch Frischen und Puddeln hergestellt. Heute ist echtes historisches Schmiedeeisen kaum als Neumaterial verfügbar. In modernen Kunstschmiedearbeiten werden deshalb häufig gut schweiß- und umformbare, niedrig gekohlte Stähle eingesetzt, beispielsweise Baustähle geeigneter Güte.

Für Reparaturen an historischen Bauteilen muss der Bestand untersucht werden. Funkenprobe, Sichtprüfung, Gefügebeurteilung und gegebenenfalls eine Werkstoffanalyse helfen dabei, Schweißeisen, Stahl und Gusseisen zu unterscheiden. Gusseisen ist spröder und wird nicht wie Schmiedestahl frei ausgeschmiedet. Unsachgemäßes Erwärmen oder Schweißen kann historische Substanz zerstören.


Profile und Querschnitte

Typische Ausgangsformen sind Rundstahl, Vierkantstahl, Flachstahl, Bandstahl und Blech. Der Querschnitt beeinflusst nicht nur die Festigkeit, sondern auch die optische Wirkung. Eine aus einem Vierkant ausgeschmiedete Ranke zeigt andere Lichtkanten als ein Rundstab. Flachstahl kann blattartig wirken, muss aber gegen seitliches Ausknicken und scharfe Kanten konstruktiv beherrscht werden.

Jugendstilgerecht ist eine Form dann, wenn der Querschnitt mit der Linie mitarbeitet. Eine Ranke kann sich durch Ausspitzen verjüngen, an einem Knoten durch Stauchen verdicken oder durch kontrolliertes Absetzen klar gegliedert werden. Gleichförmig gekaufte Zierelemente wirken dagegen oft schematisch, wenn sie ohne gestalterische Anpassung zusammengesetzt werden.


Erwärmung und Schmiedbarkeit

Niedrig gekohlter Stahl wird im warmen Zustand plastisch umgeformt. Die geeignete Schmiedetemperatur hängt von Werkstoff, Querschnitt und Arbeitsschritt ab. In der Ausbildung beurteilst Du die Erwärmung nicht nur nach Farbtabellen, sondern arbeitest mit der betrieblichen Verfahrensanweisung und der Werkstoffkenntnis. Zu kaltes Schmieden kann Risse begünstigen; Überhitzen führt zu Grobkorn, starkem Zunder und im Extremfall zum Verbrennen des Werkstoffs.

Das Werkstück muss gleichmäßig genug erwärmt sein, die benötigte Umformzone darf aber nicht unnötig groß werden. Schmale Jugendstilranken überhitzen schneller als massive Knotenpunkte. Deshalb sind Feuerführung, Brennstoffbett, Luftzufuhr, Haltezeit und zügige Arbeitsfolge entscheidend.


Schmiedetechniken für Jugendstilformen


Ausspitzen, Recken und Stauchen

Beim Recken wird ein Werkstück länger und sein Querschnitt kleiner. Das Ausspitzen ist eine gezielte Form des Reckens, mit der ein Stab in eine Spitze, einen Blattstiel oder einen fließenden Übergang ausläuft. Beim Stauchen wird Material in Längsrichtung zusammengedrückt, sodass der Querschnitt zunimmt. Stauchungen eignen sich für Knoten, Knospen, Anschläge oder optische Schwerpunkte.

Für eine saubere Jugendstillinie müssen Übergänge weich, aber kontrolliert sein. Unbeabsichtigte Kerben, scharfe Absätze und eingehämmerte Zunderreste schwächen den Querschnitt und stören die Lichtführung. Der Hammer wird daher passend zur Form geführt; Bahn, Finne, Gesenke und Ambosskanten werden bewusst eingesetzt.


Biegen, Rollen und Gegenbögen

Bögen können am Amboss, am Horn, über Biegedorne oder in Vorrichtungen geformt werden. Eine Schnecke entsteht nicht durch bloßes Aufwickeln, sondern durch eine gleichmäßig kleiner werdende Krümmung. Gegenbögen und S-Linien benötigen einen fließenden Tangentenübergang. Knicke oder unkontrollierte Flachstellen lassen eine organische Linie technisch und gestalterisch schwach erscheinen.

Für Serienbauteile helfen Biegeschablonen und Anschläge. Trotzdem bleibt eine leichte handwerkliche Variation möglich. Bei paarigen Bauteilen werden Links- und Rechtsformen gespiegelt; bei einem bewusst asymmetrischen Jugendstilfeld muss dagegen die Gesamtbalance geprüft werden.


Torsion, Spalten, Lochen und Blätter

Eine Torsion verdreht einen meist kantigen Stab um seine Längsachse. Im Jugendstil wird sie sparsam eingesetzt, weil starke, gleichförmige Verdrehungen schnell historistisch oder seriell wirken können. Interessant ist eine Torsion besonders dann, wenn sie in einen glatten Bereich ausläuft oder mit einem veränderten Querschnitt kombiniert wird.

Beim Spalten wird Material geteilt, ohne dass ein Teil vollständig abgetrennt wird. So können zwei Ranken, Blattansätze oder Gabelungen aus einem Stück entstehen. Beim Lochen wird ein Durchbruch mit Lochdorn und Lochplatte hergestellt. Geschmiedete Blätter entstehen durch Ausbreiten, Strukturieren, Einziehen und kontrolliertes Wölben. Die Blattader darf die Oberfläche gliedern, soll aber keine schädliche Kerbe bilden.


Schmiedegerechte Verbindungen

Historische Kunstschmiedearbeiten zeigen ihre Konstruktion häufig offen. Niete, Bünde, Schellen, Zapfen, Durchsteckungen und Feuerschweißungen werden Teil der Gestaltung. Eine Verbindung muss Kräfte übertragen, Maßtoleranzen aufnehmen und zum Stil passen.

Ein Bund umfasst mehrere Stäbe und kann kalt oder warm geschlossen werden. Er wirkt nur überzeugend, wenn seine Kanten sauber anliegen und der Übergang nicht wie ein aufgesetztes Dekorteil erscheint. Eine Nietverbindung benötigt passende Lochung, Schaftlänge und Kopfform. Bei einem Durchsteckzapfen wird ein Stab durch ein gelochtes Gegenstück geführt und vernietet oder verstemmt. Das Feuerschweißen verbindet geeignete Werkstoffe im hohen Temperaturbereich durch saubere Fügeflächen, geeignete Feuerführung und Druck. Es verlangt viel Erfahrung und darf nicht mit einer bloßen Oberflächenverklebung verwechselt werden.

Moderne Schweißverfahren können bei Neuanfertigungen konstruktiv sinnvoll sein. Sichtbare Nähte, Schleifspuren und angeschweißte Serienornamente widersprechen jedoch häufig der handwerklichen Aussage eines Jugendstilentwurfs. Bei denkmalgeschützten Arbeiten bestimmt ein abgestimmtes Restaurierungskonzept, welche Verbindung zulässig ist.


Entwurf und Arbeitsplanung


Vom Aufmaß zur Werkzeichnung

Am Anfang stehen Funktion, Einbauort, Maße, Lasten, Befestigungspunkte und geltende Anforderungen. Bei Geländern sind insbesondere Absturzsicherung, nutzungsabhängige Belastung, zulässige Öffnungen und sichere Handläufe zu beachten. Ein dekoratives Feld darf keine gefährlichen Fangstellen, scharfen Spitzen oder unzulässigen Kletterhilfen erzeugen.

Nach dem Aufmaß folgen Entwurfsskizzen, Variantenvergleich und eine maßstäbliche Zeichnung. Komplexe Linien werden zusätzlich im Maßstab 1:1 auf Reißboden, Papier oder Platte übertragen. Diese Werkstattzeichnung dient zum Kontrollieren von Radien, Achsen, Überdeckungen und Anschlüssen. Sie ist keine bloße Dekoration, sondern ein Prüfmittel während der Fertigung.


Gestaltungsanalyse vor der Fertigung

Vorbild und Eigenentwurf werden nach Hauptlinie, Nebenlinie, Rhythmus, Symmetrie, Negativraum, Profilwechsel und Verbindungspunkten untersucht. Danach wird jede Linie einer Fertigungsoperation zugeordnet. Ein enger Gegenbogen verlangt möglicherweise mehrere Erwärmungen; eine Gabelung kann aus einem gespaltenen Stab entstehen; ein Blatt kann separat gefertigt und mit einem Bund angeschlossen werden.

Eine gute Arbeitsplanung reduziert unnötige Erwärmungen und Richtarbeiten. Sie legt Materialzuschnitte, Zugaben, Schmiedefolge, Vorrichtungen, Prüfmaße, Fügefolge und Oberflächenaufbau fest. Bei Gruppenarbeit werden Zuständigkeiten und Kommunikationszeichen am Lufthammer oder Federhammer eindeutig vereinbart.


Beispielprojekt: Jugendstil-Füllstab

Als Ausbildungsprojekt eignet sich ein Füllstab für ein Musterfeld. Ausgangspunkt ist ein Vierkant- oder Rundstahl geeigneter Abmessung. Ein Ende wird zu einer auslaufenden Ranke gereckt und über eine Schablone in einen Gegenbogen gelegt. Ein gestauchter Bereich bildet einen optischen Knoten. Ein zweiter Abschnitt kann zu einem Blatt ausgeschmiedet oder über einen Bund angeschlossen werden.

Während der Fertigung kontrollierst Du Gesamtlänge, Achslage, Ebenheit, Profilübergänge und die Lage der Anschlusspunkte. Erst nach dem vollständigen Zusammenpassen werden Verbindungen endgültig geschlossen. Das fertige Stück wird nicht so stark verschliffen, dass Schmiedespuren und klare Kanten verschwinden.


Oberfläche, Korrosionsschutz und Restaurierung

Zunder ist eine Oxidschicht, die beim Erwärmen entsteht. Lockere Zunderschichten werden durch Bürsten, kontrolliertes Strahlen oder andere geeignete Verfahren entfernt. Eine bewusst erhaltene Hammertextur darf nicht mit Rostnarben oder Schlackeneinschlüssen verwechselt werden. Die Oberfläche muss zum geplanten Schutzsystem passen.

Für Innenräume kommen je nach Nutzung transparente Wachse, Öle oder Beschichtungen infrage. Im Außenbereich ist ein belastbarer, auf Konstruktion und Umgebung abgestimmter Korrosionsschutz erforderlich. Wasserfallen, enge unzugängliche Spalten und nach oben offene Hohlräume sind konstruktiv zu vermeiden. Feuerverzinken bietet einen wirksamen Schutz, kann aber feine Oberflächendetails beeinflussen und erfordert verzinkungsgerechte Konstruktion. Alternativ werden geeignete Beschichtungssysteme auf fachgerecht vorbereiteten Oberflächen eingesetzt.

Bei historischen Jugendstilarbeiten gilt der Grundsatz des möglichst weitgehenden Substanzerhalts. Vor jedem Eingriff werden Zustand, Verformungen, Korrosion, frühere Reparaturen und Oberflächenfassungen dokumentiert. Ergänzungen sollen technisch verträglich und als heutige Eingriffe nachvollziehbar sein, ohne die Gesamtwirkung unnötig zu stören.


Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung

Beim Schmieden wirken Hitze, Funkenflug, Lärm, Rauchgase, schwere Werkstücke und bewegte Maschinen zusammen. Du verwendest die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung, trägst geeignete Arbeitskleidung aus schwer entflammbarem Material und hältst Flucht- und Verkehrswege frei. Schutzbrille, Sicherheitsschuhe und Gehörschutz gehören zu den grundlegenden Maßnahmen. Absaugung und Lüftung müssen zur Feuerstelle und zum Brennstoff passen. Kohlenmonoxid ist unsichtbar und geruchlos; eine Feuerstelle darf daher nicht ohne wirksame Lüftung betrieben werden.

Heiße Werkstücke werden eindeutig abgelegt und gekennzeichnet. Zangen müssen zum Querschnitt passen und sicher greifen. Bei Maschinenarbeiten gelten gesonderte Regeln; insbesondere dürfen Handschuhe nicht unkritisch an rotierenden Maschinen getragen werden. Vor Montage- oder Schweißarbeiten auf Baustellen werden Brandgefährdung, Abschirmung, Löschmittel und gegebenenfalls eine Brandwache organisiert.

Qualität wird während des gesamten Prozesses geprüft. Dazu gehören Materialidentifikation, Maßkontrolle, Sichtprüfung auf Risse und Überhitzung, gleichmäßige Linienführung, sichere Verbindungen, funktionsgerechte Befestigungen und ein vollständiger Korrosionsschutz. Eine Jugendstilarbeit ist erst dann gelungen, wenn Gestaltung, Handwerk, Sicherheit und Dauerhaftigkeit zusammenpassen.


Fachbegriffe im Überblick

  1. Peitschenhieb: Spannungsvolle, schwingende Jugendstillinie mit dynamischem Richtungswechsel.
  2. Negativraum: Freie Fläche zwischen Stäben und Ornamenten.
  3. Recken: Verlängern eines Werkstücks bei gleichzeitiger Verringerung des Querschnitts.
  4. Stauchen: Verkürzen eines Werkstückabschnitts bei gleichzeitiger Querschnittsvergrößerung.
  5. Absetzen: Herstellen eines definierten Querschnitts- oder Höhenübergangs.
  6. Torsion: Kontrolliertes Verdrehen eines Stabs um seine Längsachse.
  7. Bund: Umfassendes Verbindungselement, das mehrere Bauteile zusammenhält.
  8. Feuerschweißen: Stoffschlüssiges Verbinden geeigneter Werkstücke bei hoher Schmiedetemperatur und unter Druck.
  9. Zunder: Beim Erhitzen entstehende Eisenoxidschicht.
  10. Patina: Durch Alterung oder gezielte Behandlung entstandene Oberflächenwirkung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Linienform ist besonders typisch für den organischen Jugendstil? (Peitschenhieb) (!Zahnlinie) (!Rasterlinie) (!Kreuzschraffur)




Welche Aussage beschreibt historisches Schmiedeeisen fachlich am besten? (Es kann sehr kohlenstoffarm und schlackenhaltig sein) (!Es ist immer hochlegierter Werkzeugstahl) (!Es ist grundsätzlich identisch mit Gusseisen) (!Es besteht überwiegend aus Aluminium)




Welcher Vorgang vergrößert beim Schmieden den Querschnitt? (Stauchen) (!Recken) (!Ausspitzen) (!Schlichten)




Wozu dient eine Werkstattzeichnung im Maßstab eins zu eins? (Zur Kontrolle von Linien Radien und Anschlüssen) (!Nur zur farblichen Gestaltung) (!Zum Ersetzen der Werkstoffprüfung) (!Zum Härten des Werkstücks)




Was bezeichnet der Negativraum bei einem Gitter? (Die freie Fläche zwischen den Metallteilen) (!Die Rückseite des Ambosses) (!Den Bereich unter der Esse) (!Eine fehlerhafte Schweißnaht)




Welche Verbindung ist für historische Schmiedearbeiten besonders charakteristisch? (Nietverbindung) (!Klebefolie) (!Kunststoffclip) (!Steckverbinder aus Gummi)




Warum darf niedrig gekohlter Stahl nicht zu kalt geschmiedet werden? (Weil dadurch Risse begünstigt werden können) (!Weil er sofort flüssig wird) (!Weil er sich in Gusseisen verwandelt) (!Weil jede Hammerwirkung verschwindet)




Was ist bei einer Jugendstilranke gestalterisch besonders wichtig? (Ein fließender Übergang der Krümmungen) (!Möglichst viele scharfe Knicke) (!Überall der gleiche Abstand ohne Rhythmus) (!Eine vollständig verdeckte Linienführung)




Welches Ziel hat ein denkmalgerechter Eingriff? (Möglichst viel historische Substanz erhalten) (!Alle Schmiedespuren vollständig abschleifen) (!Jedes Bauteil durch Serienware ersetzen) (!Die ursprüngliche Oberfläche verdecken)




Welche Maßnahme vermindert Korrosionsrisiken bereits in der Konstruktion? (Wasserfallen vermeiden) (!Hohlräume nach oben offen lassen) (!Spalten möglichst unzugänglich ausführen) (!Beschichtungsflächen stark verunreinigen)





Memory

Peitschenhieb Dynamisch geschwungene Jugendstillinie
Stauchen Querschnitt durch Verkürzen vergrößern
Ausspitzen Werkstück zu einem verjüngten Ende recken
Bund Mehrere Bauteile schmiedegerecht umfassen
Niete Dauerhafte mechanische Fügeverbindung
Schablone Kontur im Maßstab eins zu eins prüfen
Zunder Oxidschicht auf erhitztem Stahl
Patina Gealterte oder gezielt erzeugte Oberflächenwirkung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Fachliche Zuordnung
Aufmaß und Entwurf Funktion Maße Stilmerkmale und Befestigungspunkte erfassen
Schablonenbau Radien Achsen und Gegenbögen in Originalgröße prüfen
Materialvorbereitung Profile auswählen zuschneiden und Zugaben festlegen
Warmumformung Recken stauchen biegen lochen und spalten
Fügen und Schützen Verbindungen schließen Oberfläche vorbereiten und Korrosionsschutz aufbauen






Kreuzworträtsel

Peitschenhieb Wie heißt die dynamisch geschwungene Leitlinie des Jugendstils?
Stauchen Wie heißt das Verkürzen bei gleichzeitiger Querschnittsvergrößerung?
Zunder Wie heißt die beim Erhitzen entstehende Oxidschicht?
Schablone Welches Hilfsmittel prüft eine Kontur in Originalgröße?
Nieten Wie heißt das Fügen mit einem plastisch umgeformten Verbindungselement?
Korrosion Wie heißt die schädigende Reaktion eines Metalls mit seiner Umgebung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der Jugendstil wird in Frankreich und Belgien häufig als

bezeichnet. Eine typische dynamische Kurve heißt

. Die freie Fläche zwischen den Stäben eines Gitters nennt man

. Beim Recken wird ein Werkstück

. Das Stauchen führt zu einer Vergrößerung des

. Eine Kontur in Originalgröße wird mit einer

geprüft. Beim Erhitzen bildet sich auf Stahl häufig

. Ein geschlossener Metallstreifen zum Umfassen mehrerer Stäbe heißt

. Historische Bauteile sollen bei einer Restaurierung möglichst weitgehend

werden. Wasserfallen sind durch eine geeignete

zu vermeiden. Vor dem Schmieden muss der Werkstoff eindeutig

werden. Qualität entsteht durch das Zusammenwirken von Gestaltung Handwerk Sicherheit und

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Formanalyse: Fotografiere ein Geländer oder Tor in Deiner Umgebung und markiere Hauptlinie, Nebenlinie und Negativräume.
  2. Motivsammlung: Zeichne vier Naturmotive und vereinfache jedes Motiv zu einer schmiedbaren Linienform.
  3. Fachwortkarte: Erstelle eine Lernkarte mit den Begriffen Recken, Stauchen, Absetzen, Bund und Zunder.
  4. Sicherheitscheck: Prüfe einen Ausbildungsarbeitsplatz anhand einer selbst erstellten Liste zu Hitze, Lüftung, Verkehrswegen und persönlicher Schutzausrüstung.


Standard

  1. Schablonenbau: Entwickle eine Jugendstilranke und übertrage sie im Maßstab eins zu eins auf eine Werkstattplatte.
  2. Schmiedeprobe: Fertige aus demselben Ausgangsprofil je eine Probe zum Ausspitzen, Stauchen und Biegen und dokumentiere Maßänderungen.
  3. Verbindungsvergleich: Stelle Niet, Bund und moderne Schweißverbindung zeichnerisch gegenüber und bewerte Wirkung, Fertigungsaufwand und Reparierbarkeit.
  4. Oberflächendokumentation: Erzeuge an Probestücken unterschiedliche gebürstete oder beschichtete Oberflächen und vergleiche Textur, Glanz und Schutzwirkung.


Schwer

  1. Musterfeld: Plane und fertige ein kleines Jugendstil-Gitterfeld mit mindestens zwei unterschiedlichen Profilen und einer sichtbaren schmiedegerechten Verbindung.
  2. Restaurierungskonzept: Untersuche ein beschädigtes historisches Gitter anhand von Fotos und entwickle eine dokumentierte Strategie für Sicherung, Ergänzung und Korrosionsschutz.
  3. Konstruktionskritik: Überarbeite einen dekorativen Geländerentwurf so, dass Gestaltung, Absturzsicherung, Befestigung und Wasserablauf zusammenpassen.
  4. Ausbildungsfilm: Produziere ein kurzes Fachvideo, das Entwurf, Erwärmung, Warmumformung, Maßkontrolle und Endprüfung eines Jugendstilelements erklärt.




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Lernkontrolle

  1. Entwurfsbegründung: Analysiere zwei unterschiedliche Jugendstilgitter und begründe, welches sich mit weniger Material und dennoch klarer Linienwirkung fertigen lässt.
  2. Fertigungsplanung: Entwickle für eine Ranke mit Blatt und Gegenbogen eine sinnvolle Arbeitsfolge und erkläre, warum Du bestimmte Bereiche zuerst schmiedest.
  3. Fehleranalyse: Ein Werkstück zeigt Knicke, eingehämmerten Zunder und ungleiche Radien. Leite Ursachen ab und beschreibe geeignete Korrekturmaßnahmen.
  4. Werkstoffentscheidung: Vergleiche historisches Schmiedeeisen, modernen niedrig gekohlten Stahl und Gusseisen hinsichtlich Umformbarkeit, Reparatur und Einsatz im Bestand.
  5. Verbindungsauswahl: Wähle für drei unterschiedliche Knotenpunkte jeweils Niet, Bund, Zapfen oder Schweißverbindung und begründe die Entscheidung technisch und gestalterisch.
  6. Korrosionsschutzkonzept: Entwickle für ein Außengitter ein System aus konstruktivem Schutz, Oberflächenvorbereitung und Beschichtung und berücksichtige spätere Wartung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Eine fachsprachlich korrekte Analyse eines historischen oder neu entworfenen Jugendstil-Schmiedewerks.
  2. Eine maßstäbliche Werkzeichnung und eine kontrollierbare Schablone im Maßstab eins zu eins.
  3. Eine begründete Auswahl von Werkstoff, Profilen, Schmiedeverfahren und Verbindungen.
  4. Ein praktisch gefertigtes Probestück mit sauberen Übergängen, sicheren Verbindungen und dokumentierter Maßkontrolle.
  5. Eine Gefährdungsbeurteilung für die wesentlichen Arbeitsschritte.
  6. Ein geeigneter Plan für Oberflächenvorbereitung, Korrosionsschutz und Wartung.
  7. Eine Reflexion über Gestaltung, Funktion, Ressourceneinsatz und Erhaltungswert.




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