Zum Inhalt springen

IM6 - Medien manipulieren Wahrnehmung

Aus MOOCsWiki Staging
Die Druckversion wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.
aiMOOC-Siegel

IM6 - Medien manipulieren Wahrnehmung



IM6 - Medien manipulieren Wahrnehmung


Einleitung

Medien zeigen uns nicht einfach nur „die Wirklichkeit“. Sie wählen etwas aus, setzen einen Bildausschnitt, ordnen Informationen in einer bestimmten Reihenfolge, nutzen Ton und Musik und beschreiben Ereignisse mit bestimmten Wörtern. Dadurch kann derselbe Sachverhalt sehr unterschiedlich wirken.

Das bedeutet nicht, dass jede Zeitung, jedes Video oder jeder Social-Media-Post absichtlich lügt. Jede Darstellung muss auswählen, weil nie alles gleichzeitig gezeigt werden kann. Von Manipulation sprechen wir vor allem dann, wenn die Wahrnehmung gezielt in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll und wichtige Informationen dabei verschwiegen, verzerrt oder besonders einseitig dargestellt werden. Auch ohne absichtliche Täuschung können Gestaltungsmittel unsere Wahrnehmung beeinflussen.

In diesem aiMOOC untersuchst Du fünf besonders wichtige Werkzeuge:

  1. Auswahl: Was wird gezeigt und was wird weggelassen?
  2. Bildausschnitt: Wie verändert ein enger oder weiter Bildausschnitt die Wirkung?
  3. Reihenfolge: Was kommt zuerst, was später und was vielleicht gar nicht?
  4. Ton: Wie verändern Musik, Geräusche, Sprechtempo und Stimme unsere Gefühle?
  5. Sprachliche Rahmung: Welche Wörter lenken unsere Sicht auf ein Thema?

Du wendest diese fünf Fragen auf vier konkrete Bereiche an: Werbung, News, die Wahl eines Produkts und Social Media.

Wichtiger Merksatz: Medien können unsere Aufmerksamkeit lenken. Deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen: „Was sehe ich?“, sondern auch: „Warum sehe ich genau das – und was sehe ich nicht?“


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum Medienbeiträge immer eine Auswahl darstellen. Du kannst Bildausschnitte, Reihenfolgen, Tonspuren und sprachliche Rahmungen vergleichen und beschreiben, wie sie auf Dich wirken. Außerdem kannst Du Werbung, Nachrichten, Produktdarstellungen und Social-Media-Beiträge kritischer prüfen und eigene faire Medienbeiträge gestalten.


Wahrnehmung und Medien

Unsere Wahrnehmung nimmt nicht alle Reize gleichzeitig gleich stark auf. Auffällige Bilder, laute Geräusche, überraschende Wörter oder starke Gefühle ziehen unsere Aufmerksamkeit besonders schnell an. Medienmacherinnen und Medienmacher können solche Mittel bewusst einsetzen.

Ein Foto zeigt immer nur einen Teil einer Situation. Ein Video besteht aus ausgewählten Szenen. Eine Nachrichtensendung muss entscheiden, welche Ereignisse in wenigen Minuten vorkommen. Ein Online-Shop entscheidet, welche Produkte zuerst angezeigt werden. Ein Social-Media-Feed zeigt Dir nur einen kleinen Teil aller vorhandenen Posts.

Deshalb ist Auswahl unvermeidbar. Problematisch wird sie, wenn Auswahl so eingesetzt wird, dass ein falscher oder stark verzerrter Eindruck entsteht.


Der Wahrnehmungs-Check

Wenn Du einen Medienbeitrag siehst, kannst Du fünf Fragen stellen:

Prüffrage Worauf Du achtest
Auswahl Was wurde gezeigt? Welche Informationen fehlen?
Ausschnitt Was liegt außerhalb des Bildes oder Videos?
Reihenfolge Welche Information kommt zuerst und bekommt dadurch besonders viel Aufmerksamkeit?
Ton Welche Stimmung erzeugen Musik, Geräusche, Stimme oder Stille?
Sprache Welche Wörter wirken neutral, positiv, negativ, dramatisch oder beschönigend?


Werkzeug 1: Auswahl

Stell Dir vor, bei einem Schulfest passieren gleichzeitig zehn Dinge: Kinder spielen Fußball, eine Band probt, jemand verschüttet Saft, Eltern unterhalten sich, ein Kuchenstand ist ausverkauft und eine Klasse sammelt Geld für ein Projekt.

Ein Video von nur 20 Sekunden kann unmöglich alles zeigen. Zeigt es nur das verschüttete Getränk und einen Streit daneben, wirkt das Fest vielleicht chaotisch. Zeigt es nur die Band, lachende Kinder und den Spendenstand, wirkt es besonders harmonisch.

Beides kann aus echten Bildern bestehen. Trotzdem entsteht durch die Auswahl ein anderer Eindruck.


Auswahl bei Nachrichten

Redaktionen entscheiden, welche Ereignisse berichtenswert sind. Das gehört zu journalistischer Arbeit. Wichtig ist, dass Nachrichten sorgfältig recherchiert, Quellen geprüft und unterschiedliche relevante Perspektiven berücksichtigt werden.

Auswahl kann aber auch einseitig werden. Wenn ein Beitrag nur Aussagen zeigt, die eine bestimmte Meinung bestätigen, fehlen wichtige Gegeninformationen.

Ein Fernsehbeitrag entsteht aus vielen möglichen Bildern, Tönen und Aussagen. Im Kontrollraum wird entschieden, was das Publikum am Ende tatsächlich sieht und hört.

Beobachtungsauftrag zum Video: Notiere drei Stellen, an denen Auswahl oder Hervorhebung beeinflussen kann, was Zuschauerinnen und Zuschauer für wichtig halten.


Werkzeug 2: Der Bildausschnitt

Ein Bildausschnitt ist der Teil einer Szene, den Du sehen kannst. Was außerhalb des Rahmens liegt, bleibt unsichtbar.


Bildlabor: Ein Supermarkt, verschiedene Eindrücke

Schau zuerst auf das gesamte Bild:

Nun wird derselbe Bildinhalt gedanklich „enger“ betrachtet. Die folgenden Kästen simulieren, wie ein enger Ausschnitt Aufmerksamkeit auf andere Bereiche lenken kann.

Ausschnitt A Ausschnitt B

Fragen an Dich: Welcher Ausschnitt wirkt voller? Wo erscheint die Produktauswahl besonders groß? Welche Informationen über den ganzen Laden fehlen jeweils?

Ein enger Ausschnitt ist nicht automatisch manipulativ. Er kann sinnvoll sein, wenn ein Detail erklärt werden soll. Manipulativ kann er werden, wenn er absichtlich wichtigen Kontext versteckt.


Nahaufnahme gegen Überblick

Eine Nahaufnahme kann ein Produkt frisch, groß und wichtig erscheinen lassen. Ein Überblick kann dagegen zeigen, dass es nur eines von vielen Angeboten ist.

Experiment: Halte zwei Papierblätter so vor den Bildschirm, dass nur ein kleines Rechteck eines Fotos sichtbar bleibt. Verschiebe dieses Fenster. Beschreibe, wie sich Deine Geschichte über das Bild verändert.


Werkzeug 3: Reihenfolge

Auch die Reihenfolge kann Wahrnehmung lenken. Informationen am Anfang bekommen oft besonders viel Aufmerksamkeit. Später genannte Nachteile können leichter übersehen werden.

Stell Dir ein erfundenes Produkt vor:

Darstellung A Darstellung B
Hält Getränke 12 Stunden kühl. Wiegt 420 Gramm. Kostet 24 Euro. Deckel ist austauschbar. Wiegt 420 Gramm. Kostet 24 Euro. Deckel ist austauschbar. Hält Getränke 12 Stunden kühl.

In beiden Spalten stehen dieselben Informationen. Trotzdem kann sich Dein erster Eindruck unterscheiden.

Wichtig: Nicht alle Menschen reagieren gleich. Deshalb ist es spannend, solche Wirkungen in der Klasse zu testen statt einfach anzunehmen.


Reihenfolge bei News

Eine Nachricht kann mit einem Problem beginnen oder zuerst den Hintergrund erklären.

Beispiel für ein erfundenes Ereignis:

Reihenfolge 1 Reihenfolge 2
„Wegen Bauarbeiten fällt morgen ein Teil des Schulhofs aus. Die Arbeiten schaffen anschließend mehr Platz für Sport.“ „Die Schule schafft mehr Platz für Sport. Dafür fällt morgen wegen Bauarbeiten ein Teil des Schulhofs aus.“

Die Fakten sind ähnlich, aber der erste Gedanke ist ein anderer: Einschränkung oder Verbesserung.


Werkzeug 4: Ton, Geräusch und Musik

Bilder erreichen unsere Augen, Ton erreicht unsere Ohren und oft sehr schnell unsere Gefühle. Musik kann eine Szene fröhlich, traurig, spannend, gefährlich oder feierlich wirken lassen.

Nimm dieses neutrale Bild eines Fernsehstudios:

Höre nun nacheinander zwei sehr unterschiedliche Musikstücke und stelle Dir vor, beide würden unter dasselbe kurze Video gelegt.

Variante A – fröhlich und energiegeladen:

Variante B – bedrohlich und spannend:

Variante C – ohne Musik: Betrachte das Bild zwanzig Sekunden lang in Stille.

Welche Geschichte erwartest Du bei Variante A? Welche bei Variante B? Wie neutral wirkt Variante C?

Erkenntnis: Die Bildinformation bleibt gleich, aber die emotionale Deutung kann sich durch die Tonspur stark verändern.


Nicht nur Musik wirkt

Auch andere Tonmittel sind wichtig. Eine schnelle Stimme kann Dringlichkeit erzeugen. Lange Pausen können Spannung verstärken. Jubel im Hintergrund kann Zustimmung größer wirken lassen. Ein lauter Knall kann eine Szene dramatisieren. Stille kann ernst oder unsicher wirken.

Bei Nachrichten ist es deshalb wichtig, darauf zu achten, ob Ton sachlich informiert oder Gefühle besonders stark verstärkt.


Werkzeug 5: Sprachliche Rahmung

Framing bedeutet vereinfacht: Ein Thema wird sprachlich in einen bestimmten „Rahmen“ gesetzt. Verschiedene Wörter können denselben Vorgang unterschiedlich bewerten.

Vergleiche diese erfundenen Überschriften:

Überschrift Mögliche Wirkung
Viele Kinder diskutieren laut über die neue Pausenregel eher beschreibend
Chaos wegen neuer Pausenregel dramatisch und negativ
Kinder kämpfen für eine bessere Pause positiv und engagiert
Pausenregel sorgt für Ärger betont Konflikt

Keine Überschrift zeigt automatisch die ganze Wahrheit. Frage deshalb: Welche Wörter bewerten? Welche Informationen fehlen? Passt die Überschrift wirklich zum Inhalt?


Wörter als Rahmen

Vergleiche:

Neutraler Wertender
sagt behauptet
Veränderung Verbesserung
Gruppe Masse
günstig billig
teuer hochwertig

Manche Wörter passen je nach Situation besser als andere. Entscheidend ist, ob ihre Wertung durch überprüfbare Informationen begründet ist.


Use-Case 1: Werbung

Werbung möchte Aufmerksamkeit gewinnen und häufig erreichen, dass Menschen ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Marke positiv wahrnehmen.

Werbung kann mit allen fünf Werkzeugen arbeiten:

Werkzeug Beispiel in Werbung
Auswahl Nur besonders attraktive Produktseiten werden gezeigt.
Bildausschnitt Eine Nahaufnahme lässt ein Produkt groß und wichtig erscheinen.
Reihenfolge Vorteile werden zuerst genannt, Einschränkungen später.
Ton Fröhliche Musik verbindet das Produkt mit guter Stimmung.
Sprache Wörter wie neu, stark, clever oder beliebt geben eine positive Rahmung.

Auftrag: Suche im Video nach Hinweisen, an denen Du Werbung erkennen kannst. Achte besonders auf Produktnennung, positive Sprache und Kennzeichnungen wie „Werbung“ oder „Anzeige“.


Werbe-Experiment: Gleicher Gegenstand, andere Wirkung

Nimm einen alltäglichen Gegenstand, zum Beispiel eine Trinkflasche, einen Stift oder einen Radiergummi.

Fotografiere ihn einmal sehr nah vor einem sauberen Hintergrund und einmal aus größerer Entfernung zwischen vielen anderen Gegenständen. Schreibe unter beide Fotos unterschiedliche Überschriften.

Beispiel:

Version A: „Der Stift für echte Profis!“

Version B: „Ein blauer Kugelschreiber aus dem Mäppchen.“

Welche Version wirkt begehrenswerter? Welche informiert sachlicher?


Use-Case 2: News

Nachrichten sollen informieren. Professioneller Journalismus prüft Quellen, trennt Nachricht und Meinung und versucht, wichtige Zusammenhänge verständlich zu machen.

Trotzdem muss jede Nachricht auswählen: Welche Bilder werden gezeigt? Welche Person wird zuerst zitiert? Welche Überschrift steht oben? Welche Hintergründe passen in die begrenzte Sendezeit?


Nachricht oder Dramatisierung?

Ein erfundenes Beispiel:

Fakten: Auf einem Schulhof fällt wegen Reparaturen ein Basketballkorb zwei Tage aus. Der zweite Korb bleibt nutzbar.

Mögliche Überschriften:

Überschrift Prüfung
Ein Basketballkorb wird zwei Tage repariert sachlich und genau
Sport-Chaos an der Schule! stark dramatisiert
Endlich wird der kaputte Korb repariert positive Rahmung
Schüler verlieren ihren Basketballplatz lässt den zweiten nutzbaren Korb weg

Quellen-Check: Bevor Du eine überraschende Meldung weiterleitest, prüfe Absender, Datum, Quelle und ob andere vertrauenswürdige Quellen dasselbe berichten.

Nach dem Video: Erkläre, warum Teilen nicht nur eine technische Handlung ist. Durch Teilen entscheidest Du mit, welche Meldungen mehr Menschen sehen.


Use-Case 3: Wahl eines Produktes

Wenn Du ein Produkt auswählst, beeinflusst nicht nur das Produkt selbst Deine Entscheidung. Auch Darstellung und Reihenfolge spielen eine Rolle.

Stell Dir drei erfundene Trinkflaschen vor:

Produkt Preis Gewicht Kühlzeit Besonderheit
Flasche A 18 Euro 300 Gramm 8 Stunden Deckel austauschbar
Flasche B 24 Euro 420 Gramm 12 Stunden große Öffnung
Flasche C 16 Euro 360 Gramm 6 Stunden besonders leicht zu reinigen

Nun kann eine Shop-Seite Flasche B zuerst anzeigen, mit dem Hinweis „12 Stunden kühl!“ und einem großen Foto. Der höhere Preis und das größere Gewicht stehen vielleicht weiter unten.

Das Produkt hat sich nicht verändert. Die Präsentation schon.


Produkt-Check ohne Werberahmen

Bevor Du auswählst:

  1. Lege fest, welches Merkmal Dir selbst wichtig ist.
  2. Vergleiche dieselben Merkmale bei allen Produkten.
  3. Lies nicht nur die erste hervorgehobene Aussage.
  4. Prüfe, ob Werbung, Empfehlung und unabhängiger Test voneinander getrennt sind.

So triffst Du eher eine Entscheidung nach Deinen eigenen Kriterien.


Use-Case 4: Social Media

Social Media besteht aus viel mehr Inhalten, als Du jemals sehen könntest. Deshalb wählen Plattformen mithilfe von Algorithmen aus, welche Beiträge in Deinem Feed erscheinen.

Ein Feed ist deshalb kein neutrales Fenster auf „alles, was passiert“. Er ist eine Auswahl.

Beobachtungsauftrag: Notiere, welche Signale ein Algorithmus nutzen kann, um zu entscheiden, welche Inhalte Dir wahrscheinlich gefallen.


Social-Media-Lupe

In einem Post können mehrere Wirkungen zusammenkommen:

Element Mögliche Wirkung
enger Selfie-Ausschnitt Umgebung und Kontext verschwinden
Filter Farben, Haut oder Licht wirken anders
schneller Schnitt der Beitrag wirkt dynamischer
Trendmusik Gefühle werden verstärkt
viele Likes der Beitrag wirkt beliebt
Überschrift wie „Du glaubst nie, was dann passiert!“ Neugier und Klickdruck
Produkt gut sichtbar im Bild Werbung kann wie Alltag wirken

Frage: Wenn eine Plattform mit Werbung Geld verdient, warum ist Deine Aufmerksamkeit für sie wertvoll?


Bildausschnitte selbst untersuchen


Ausschnitt-Werkstatt 1: Smartphone

Betrachte das vollständige Bild:

Nun ein enger Ausschnitt:

Prüfe: Was erfährst Du im engen Ausschnitt über die Umgebung? Was geht verloren? Könnte dasselbe Bild je nach Ausschnitt „konzentriertes Arbeiten“, „ständige Handynutzung“ oder einfach „eine Person mit Smartphone“ erzählen?


Ausschnitt-Werkstatt 2: Fernsehstudio

Ein enger Ausschnitt kann eine Person oder ein Objekt wichtiger erscheinen lassen. Der weite Blick zeigt dagegen Technik, Raum und weitere Beteiligte.


Überschriften-Labor

Überschriften sind besonders mächtig, weil viele Menschen zuerst nur die Überschrift sehen. Manche lesen den ganzen Text gar nicht.

Formuliere zu demselben neutralen Ereignis vier Überschriften:

Ereignis: Die Schulbibliothek öffnet ab nächster Woche am Mittwoch eine Stunde länger.

Stil Beispiel
neutral Schulbibliothek mittwochs länger geöffnet
begeistert Mehr Zeit für Bücher!
dramatisch Stundenplan ändert sich wegen Bibliothek
neugierig machend Das ändert sich ab Mittwoch in der Schule

Vergleiche danach: Welche Überschrift macht neugierig? Welche gibt am meisten Information? Welche könnte einen falschen Eindruck erzeugen?


Musik- und Tonlabor

Nimm ein kurzes, selbst aufgenommenes Video ohne Sprache, zum Beispiel von einem leeren Schulflur, einer Tür, einem Ball auf dem Boden oder einem Blatt im Wind.

Erstelle drei Fassungen:

  1. ohne Musik
  2. mit fröhlicher Musik
  3. mit spannender Musik

Zeige die Fassungen anderen Personen in unterschiedlicher Reihenfolge. Lass sie jeweils drei Wörter zur Stimmung notieren.

Auswertung: Vergleiche die Wörter. Wenn sich die Beschreibungen deutlich unterscheiden, hast Du selbst beobachtet, wie Ton die Wahrnehmung desselben Bildmaterials verändern kann.


Reihenfolge-Labor

Schreibe fünf wahre, neutrale Informationen über einen erfundenen Pausenverkauf auf Karten:

„Es gibt Wasser.“ „Ein Getränk kostet zwei Euro.“ „Der Stand öffnet um 9:30 Uhr.“ „Es gibt drei Sorten.“ „Mitgebrachte Flaschen können benutzt werden.“

Gruppe A ordnet die Karten möglichst positiv, Gruppe B möglichst kritisch, Gruppe C möglichst neutral.

Vergleicht danach die Wirkung, obwohl alle Gruppen dieselben Fakten benutzt haben.


Fair gestalten statt tricksen

Mediengestaltung ist nicht automatisch schlecht. Bilder, Musik und gute Überschriften helfen, Inhalte verständlich und interessant zu machen.

Fair wird Gestaltung, wenn sie das Publikum nicht absichtlich über wichtige Tatsachen täuscht.

Ein fairer Medienbeitrag:

  1. unterscheidet Fakten und Meinung,
  2. nennt wichtige Zusammenhänge,
  3. kennzeichnet Werbung,
  4. vermeidet irreführende Bildausschnitte,
  5. benutzt Musik nicht, um falsche Gefahr oder falsche Sicherheit vorzutäuschen,
  6. nennt Quellen, wenn Informationen überprüfbar sein sollen.


Der Fünf-Fragen-Check für Deinen Alltag

Bevor Du klickst, kaufst oder teilst, frage:

Was wurde ausgewählt?

Was fehlt außerhalb des Ausschnitts?

Warum ist diese Reihenfolge gewählt?

Was macht der Ton mit meiner Stimmung?

Welche Wörter rahmen das Thema?

Wenn Du diese fünf Fragen regelmäßig stellst, wirst Du Medien nicht automatisch misstrauisch sehen. Du wirst sie aufmerksamer und selbstständiger beurteilen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt ein Bildausschnitt? (Der sichtbare Teil einer größeren Szene) (!Die Lautstärke eines Videos) (!Die Reihenfolge von Nachrichten) (!Die Anzahl der Kommentare)




Warum ist Auswahl in Medien unvermeidbar? (Weil nicht alles gleichzeitig gezeigt werden kann) (!Weil Medien immer absichtlich täuschen) (!Weil Bilder keine Informationen enthalten) (!Weil nur Werbung auswählen darf)




Was kann Musik in einem Video besonders beeinflussen? (Die wahrgenommene Stimmung) (!Das Gewicht eines Produkts) (!Das Aufnahmedatum eines Fotos) (!Die Länge eines gedruckten Textes)




Was bedeutet sprachliche Rahmung? (Wortwahl lenkt die Sicht auf ein Thema) (!Ein Foto bekommt einen Holzrahmen) (!Ein Video wird automatisch kürzer) (!Eine Nachricht wird ohne Wörter gezeigt)




Welche Überschrift wirkt am sachlichsten? (Ein Basketballkorb wird zwei Tage repariert) (!Sport Chaos an der Schule) (!Unglaublicher Schulhof Skandal) (!Endlich Rettung für alle Sportfans)




Was solltest Du vor einer Produktwahl tun? (Dieselben Merkmale mehrerer Produkte vergleichen) (!Nur das größte Produktfoto ansehen) (!Immer das zuerst angezeigte Produkt wählen) (!Nur die Werbeüberschrift lesen)




Warum ist ein Social Media Feed eine Auswahl? (Weil Algorithmen nur einen Teil aller Beiträge anzeigen) (!Weil dort niemals Videos vorkommen) (!Weil alle Nutzer denselben Feed sehen) (!Weil Beiträge keine Reihenfolge haben)




Wann kann ein enger Bildausschnitt problematisch sein? (Wenn wichtiger Kontext absichtlich verborgen wird) (!Wenn ein Detail erklärt werden soll) (!Wenn das Bild scharf ist) (!Wenn das Foto quer aufgenommen wurde)




Was hilft beim Prüfen einer überraschenden Nachricht? (Quelle Datum und weitere Berichte vergleichen) (!Sofort weiterleiten) (!Nur die Überschrift lesen) (!Nur auf die Zahl der Likes achten)




Welche Aussage über Mediengestaltung ist richtig? (Gestaltung kann informieren und zugleich Wahrnehmung beeinflussen) (!Jede Gestaltung ist eine Lüge) (!Musik hat nie eine Wirkung) (!Reihenfolge ist immer unwichtig)





Memory

Auswahl entscheidet was gezeigt wird
Bildausschnitt begrenzt den sichtbaren Kontext
Reihenfolge ordnet Informationen
Tonspur erzeugt oder verstärkt Stimmung
Framing rahmt ein Thema durch Wortwahl
Algorithmus sortiert mögliche Beiträge für einen Feed
Quellencheck prüft Herkunft und Glaubwürdigkeit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Auswahl Zeigen oder Weglassen
Ausschnitt Sichtbarer Bildbereich
Reihenfolge Abfolge von Informationen
Ton Musik Stimme Geräusch
Rahmung Wirkung durch Wortwahl





Kreuzworträtsel

Auswahl Wie heißt die Entscheidung darüber, was gezeigt und was weggelassen wird?
Ausschnitt Wie nennt man den sichtbaren Teil einer größeren Bildszene?
Reihenfolge Wie heißt die Abfolge, in der Informationen präsentiert werden?
Tonspur Wie nennt man Musik, Sprache und Geräusche eines Videos zusammen?
Framing Welcher englische Begriff bezeichnet sprachliche Rahmung?
Algorithmus Was sortiert auf vielen Plattformen mögliche Beiträge für einen Feed?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Medien müssen Informationen

, weil sie nicht alles gleichzeitig zeigen können.
Ein enger

kann wichtigen Kontext unsichtbar machen.
Die

entscheidet mit darüber, welche Information zuerst Aufmerksamkeit erhält.
Musik und Geräusche gehören zur

eines Videos.
Eine sprachliche

kann einen Sachverhalt positiv oder negativ erscheinen lassen.
Bei Werbung werden Vorteile eines Produkts häufig besonders

.
Professionelle Nachrichten sollten Fakten und

unterscheidbar machen.
Vor einer Kaufentscheidung lohnt sich ein

derselben Merkmale.
Ein Social Media Feed zeigt nur eine

möglicher Beiträge.
Algorithmen können anhand von Signalen Inhalte

.
Eine überraschende Meldung sollte vor dem Teilen durch einen

geprüft werden.
Wer Medien kritisch untersucht, kann bewusster eigene

treffen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildausschnitt-Detektiv: Suche ein frei nutzbares Foto und beschreibe drei unterschiedliche Ausschnitte, die jeweils einen anderen Eindruck erzeugen könnten.
  2. Überschriften-Labor: Schreibe zu einem neutralen Schulereignis eine sachliche, eine positive und eine dramatische Überschrift und markiere die wertenden Wörter.
  3. Tonspur-Test: Höre die beiden Musikvarianten aus dem aiMOOC und notiere jeweils fünf Wörter zur Stimmung.
  4. Werbe-Check: Untersuche eine Werbung und finde je ein Beispiel für Bild, Sprache und Reihenfolge, die das Produkt attraktiv erscheinen lassen.


Standard

  1. Produktvergleich: Erstelle eine Tabelle für drei ähnliche Produkte und ordne die Informationen einmal nach Preis, einmal nach Leistung und einmal nach Aussehen. Befrage Mitschülerinnen und Mitschüler, welche Reihenfolge ihre Wahl verändert.
  2. News-Doppel: Verfasse zu denselben fünf Fakten zwei kurze Meldungen mit unterschiedlicher Reihenfolge, aber ohne Fakten zu verändern. Lass die Klasse die Wirkung vergleichen.
  3. Social-Media-Feed: Zeichne zwei fiktive Feeds für dieselbe Person. Feed A zeigt nur Sportinhalte, Feed B eine Mischung aus Sport, Schule, Musik und Nachrichten. Erkläre, wie sich das Bild von der Welt unterscheiden könnte.
  4. Werbung-erkennen: Analysiere einen Social-Media-Beitrag auf Hinweise für Werbung, Produktplatzierung, positive Rahmung und Kaufdruck. Verwende keine persönlichen Daten aus privaten Accounts.


Schwer

  1. Medienexperiment: Produziere einen 20-sekündigen neutralen Videoclip und drei Fassungen mit unterschiedlicher Musik. Führe eine kleine anonyme Befragung zur Wirkung durch und werte die Ergebnisse aus.
  2. Ausschnitt-vs-Kontext: Erstelle aus einem eigenen Foto zwei enge Ausschnitte und eine Gesamtansicht. Schreibe drei mögliche Bildunterschriften und erkläre, welche Kombination besonders irreführend wäre.
  3. Nachrichtenredaktion: Simuliere mit einer Gruppe eine Redaktion. Ihr bekommt zehn erfundene Ereignisse, dürft aber nur drei auswählen. Begründet Eure Auswahl und vergleicht sie mit einer anderen Gruppe.
  4. Fairer-Medienbeitrag: Gestalte zu einem Schulthema einen kurzen Informationsbeitrag mit Bild, Überschrift und Ton. Ergänze eine Reflexion, in der Du erklärst, wie Du Manipulation vermieden und wichtigen Kontext erhalten hast.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkungsvergleich: Du erhältst zwei Beiträge mit denselben Fakten, aber unterschiedlichen Überschriften, Bildern und Tonspuren. Erkläre, welche Gestaltungsmittel die Wirkung verändern und warum.
  2. Kontextprüfung: Ein Foto zeigt eine sehr kleine Menschengruppe in enger Nahaufnahme. Entwickle zwei mögliche Gesamtbilder außerhalb des Ausschnitts und erkläre, warum Du ohne Kontext keine sichere Aussage über die Größe der gesamten Gruppe machen kannst.
  3. Produktentscheidung: Drei Produkte werden in unterschiedlicher Reihenfolge präsentiert. Lege zuerst eigene Entscheidungskriterien fest und begründe anschließend Deine Wahl unabhängig von der Präsentationsreihenfolge.
  4. News-Transfer: Formuliere eine stark wertende Überschrift in eine möglichst sachliche Überschrift um, ohne den überprüfbaren Inhalt zu verändern. Erkläre Deine Wortwahl.
  5. Ton-Analyse: Beschreibe, wie fröhliche, bedrohliche und fehlende Musik dasselbe Bildmaterial unterschiedlich rahmen können. Nenne auch eine Situation, in der Musik sachlich unpassend wäre.
  6. Feed-Reflexion: Erkläre, warum zwei Personen auf derselben Plattform unterschiedliche Eindrücke davon bekommen können, was gerade „wichtig“ oder „beliebt“ ist.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern Gestaltungsmittel an konkreten Beispielen untersuchen kannst.

Du solltest zeigen können, dass Du:

  1. Auswahl und Weglassen in einem Medienbeitrag erkennst,
  2. die Wirkung eines engen und weiten Bildausschnitts vergleichst,
  3. verschiedene Reihenfolgen derselben Informationen beurteilst,
  4. die Wirkung von Musik, Geräuschen und Stimme beschreibst,
  5. neutrale und wertende Sprache unterscheidest,
  6. Framing an einer Überschrift erklären kannst,
  7. Werbung von möglichst sachlicher Information unterscheidest,
  8. Nachrichten vor dem Teilen durch Quellenvergleich prüfst,
  9. Produktentscheidungen nach eigenen Kriterien statt nur nach Hervorhebungen triffst,
  10. einen Social-Media-Feed als algorithmisch ausgewählte Darstellung verstehst,
  11. einen eigenen Medienbeitrag fair und transparent gestaltest.




OERs zum Thema


Weitere freie und schulgeeignete Medien

Wikimedia Commons bietet die in diesem aiMOOC verwendeten frei lizenzierten Bilder und Audiodateien mit Angaben zu Urheber und Lizenz.

SRF Kids erklärt kindgerecht, wie Influencer-Werbung, Social-Media-Algorithmen und die Finanzierung von YouTube funktionieren.

klicksafe bietet Materialien zu Falschmeldungen, Quellenkritik und Medienkompetenz.

so geht MEDIEN von ARD, ZDF und Deutschlandradio bietet Unterrichtsmaterialien zu Nachrichten, Meinung, Desinformation und Mediengestaltung.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte