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Hochmittelalterliche Stadt- und Burgschmieden

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Hochmittelalterliche Stadt- und Burgschmieden




Hochmittelalterliche Stadt- und Burgschmieden


Einleitung

Im Hochmittelalter wuchsen zahlreiche Städte, neue Märkte entstanden und Burgen wurden zu Herrschafts-, Verwaltungs-, Wohn- und Wirtschaftszentren ausgebaut. Für diese Entwicklung war Eisen unverzichtbar. Nägel, Klammern, Beschläge, Werkzeuge, Messer, Schlösser, Hufeisen, Wagenteile und Waffen mussten hergestellt, angepasst und immer wieder repariert werden. Diese Aufgaben übernahmen Schmiede in sehr unterschiedlichen Werkstätten.

Der Begriff hochmittelalterliche Stadt- und Burgschmiede bezeichnet daher keinen überall identischen Gebäudetyp. Eine Stadtschmiede konnte Teil eines Wohnhauses, eines Hinterhofes oder eines größeren Handwerkerviertels sein. Auf einer Burg konnte eine Schmiede dauerhaft in der Vorburg eingerichtet, nur während einer Bauphase betrieben oder bei Bedarf durch einen herbeigerufenen Handwerker ersetzt werden. Nicht jede Burg verfügte zu jeder Zeit über eine fest eingerichtete Schmiede.

In diesem aiMOOC untersuchst Du Schmieden ungefähr vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Die genauen Grenzen des Hochmittelalters unterscheiden sich je nach Region und wissenschaftlicher Tradition. Im Mittelpunkt stehen der deutschsprachige und mitteleuropäische Raum, ergänzt durch Vergleichsbeispiele aus anderen Teilen Europas.

Die Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert zeigt die Erzählung von Pythagoras in der Schmiede. Sie ist keine wirklichkeitsgetreue Dokumentation einer bestimmten Werkstatt. Als zeitgenössische Bildquelle vermittelt sie aber Vorstellungen von Hammer, Amboss, Arbeitsteilung und dem Klang einer Schmiede.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Schmiedewerkstätten in Stadt und Burg funktional unterscheiden.
  2. den Weg vom Eisenhalbzeug bis zum fertigen Werkstück erklären.
  3. wichtige Einrichtungen wie Esse, Blasebalg, Amboss und Abschreckgefäß beschreiben.
  4. archäologische Spuren einer Schmiede erkennen und kritisch deuten.
  5. die Bedeutung von Reparatur, Wiederverwertung und Spezialisierung beurteilen.
  6. Bildquellen, Schriftquellen, Grabungsbefunde und experimentelle Rekonstruktionen miteinander vergleichen.
  7. verbreitete Mittelalterbilder von wissenschaftlich gesicherten Aussagen unterscheiden.


Historischer Rahmen


Stadtwachstum und Handwerk

Die hochmittelalterliche Stadt war zugleich Wohnort, Markt, Rechtsraum und Produktionszentrum. Mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Handel stieg der Bedarf an Werkzeugen, Baueisen und Gebrauchsgegenständen. Viele handwerkliche Tätigkeiten spezialisierten sich stärker als zuvor. Schmiede konnten für einen lokalen Kundenkreis arbeiten, Waren für regionale Märkte herstellen oder sich auf bestimmte Produkte konzentrieren.

Die Bezeichnung Schmied umfasst dabei unterschiedliche Tätigkeiten. Neben eher breit arbeitenden Grobschmieden gab es regional und zeitlich verschieden spezialisierte Messer-, Nagel-, Waffen-, Huf- oder Feinschmiede. Eine vollständig ausgebildete und überall einheitliche Zunftordnung darf für das Hochmittelalter jedoch nicht vorausgesetzt werden. Viele ausführliche Zunftordnungen und Berufsbezeichnungen sind erst aus dem Spätmittelalter oder der Frühen Neuzeit überliefert.


Burgen als Wirtschaftsorte

Eine Burg war nicht nur eine Befestigung. In ihr lebten und arbeiteten Angehörige des Adels, Bedienstete, Handwerker, Wachpersonal und zeitweise Bauleute. Besonders in der Vorburg lagen häufig Ställe, Speicher, Küchen, Werkstätten und weitere Wirtschaftsgebäude.

Für den Bau und Unterhalt einer Burg wurden große Mengen an Eisen benötigt. Türen und Tore brauchten Beschläge, Baugerüste und Kräne benötigten Werkzeuge, Pferde und Wagen mussten versorgt werden, und beschädigte Ausrüstung war zu reparieren. Eine Burgschmiede konnte daher eine wichtige Dienstleistungswerkstatt sein. Sie war aber nicht automatisch eine große Waffenschmiede. Viele alltägliche Reparaturen waren für den Burgbetrieb wichtiger als die Herstellung eines vollständigen Schwertes.

Die Schmiede auf der Experimentalbaustelle Guédelon wurde für den Bau einer Burg mit rekonstruierten Techniken eingerichtet. Sie ist eine moderne Forschungs- und Vermittlungsanlage und kein unverändert erhaltenes Gebäude des 13. Jahrhunderts.

Das Video zeigt die Burgbaustelle Guédelon. Achte darauf, welche Werkzeuge direkt auf der Baustelle hergestellt oder repariert werden und welche Rohstoffe aus der Umgebung stammen.


Quellen und Forschungsmethoden


Warum die Archäologie besonders wichtig ist

Aus dem Hochmittelalter sind nur wenige Werkstattbeschreibungen erhalten. Schriftquellen berichten eher über Besitz, Abgaben, Rechte, Handel oder Konflikte als über den täglichen Arbeitsablauf eines Schmieds. Ausführlichere Zunftordnungen und Berufsregelungen stammen häufig aus späteren Jahrhunderten.

Deshalb ist die Mittelalterarchäologie besonders wichtig. Sie untersucht:

  1. Reste von Feuerstellen und Essen.
  2. Fragmente von Düsen oder Ofenwandungen.
  3. Schmiedeschlacke und feinen Hammerschlag.
  4. Holzkohle, Asche und verbrannten Lehm.
  5. Eisenabschnitte, Fehlstücke und Altmetall.
  6. Werkzeuge, Halbzeuge und fertige Produkte.
  7. Pfostenlöcher, Grubenhäuser, Mauern und Werkstattböden.
  8. die räumliche Beziehung zwischen Werkstatt, Wohnhaus, Straße, Tor, Stall oder Burgmauer.

Ein einzelnes Schlackestück beweist noch keine vollständige Werkstatt an genau dieser Stelle. Abfälle konnten verlagert, zum Auffüllen von Gruben verwendet oder später in andere Schichten eingetragen werden. Erst das Zusammenspiel mehrerer Befunde ermöglicht eine belastbare Deutung.


Vier Arten von Quellen

Quellenart Aussagekraft Grenze
Archäologische Befunde Zeigen Werkstattreste, Abfälle, Bauphasen und räumliche Zusammenhänge. Erhaltung und Grabungsfläche sind oft unvollständig.
Schriftquellen Nennen Personen, Berufe, Abgaben, Besitzrechte oder Handelsbeziehungen. Der Arbeitsalltag bleibt häufig unerwähnt; viele Texte sind jünger als die untersuchten Befunde.
Bildquellen Zeigen Werkzeuge, Körperhaltung, Kleidung und zeitgenössische Vorstellungen. Bilder können symbolisch, idealisiert oder erzählerisch gestaltet sein.
Experimentelle Archäologie Prüft, ob rekonstruierte Werkzeuge und Abläufe praktisch funktionieren. Ein funktionierender Versuch beweist nicht, dass im Mittelalter überall genau so gearbeitet wurde.


Archäologische Erkennungsmerkmale

Schmiedeschlacke entsteht beim Erhitzen und Bearbeiten von Eisen. Typisch können linsenförmige Schlacken aus dem Bereich einer Esse sein. Ihre Form allein reicht jedoch nicht immer für eine sichere Bestimmung aus.

Hammerschlag besteht aus sehr kleinen Eisenoxidplättchen und Kügelchen, die beim Hämmern glühenden Eisens abspringen. Weil er oft nur wenige Millimeter groß ist, wird er bei Ausgrabungen durch sorgfältiges Sieben, Bodenproben oder magnetische Untersuchungen erkannt.

Eisenabschnitte und Fehlstücke können Hinweise auf bestimmte Arbeitsschritte liefern. Auch stark korrodierte Objekte sind wichtig, weil Form, Schliff, Schweißnaht oder Materialstruktur Informationen zur Herstellung enthalten können.

Werkstattbefunde können aus einer Feuerstelle, einer Arbeitsgrube, Pfostenstellungen oder verbrannten Bodenzonen bestehen. Eine mittelalterliche Schmiede muss daher nicht als vollständig erhaltenes Gebäude sichtbar sein.


Rohstoffe und Energie


Vom Erz zum schmiedbaren Eisen

Eisenerz wurde nicht in jeder Stadt- oder Burgschmiede verhüttet. Die Gewinnung des Metalls und seine Weiterverarbeitung waren häufig räumlich getrennt.

In einem Rennofen entstand bei der Verhüttung eine feste, schlackenreiche Eisenluppe. Diese musste durch wiederholtes Erhitzen und Hämmern verdichtet werden. Danach konnte das Material als Barren, Stab, Platte oder anderes Halbzeug gehandelt und in einer Schmiede weiterverarbeitet werden.

Für eine Stadt- oder Burgschmiede kamen mehrere Materialquellen infrage:

  1. angeliefertes Eisenhalbzeug aus einer Montanregion.
  2. ältere oder beschädigte Eisenobjekte.
  3. Produktionsreste anderer Werkstätten.
  4. bereits vorgeformte Teile, die nur noch angepasst wurden.
  5. lokal gewonnenes Material, wenn Erzabbau und Verhüttung in erreichbarer Nähe lagen.

Die Wiederverwendung von Eisen war wirtschaftlich sinnvoll. Ein beschädigtes Werkzeug konnte ausgeschmiedet, ein Beschlag umgearbeitet und ein Reststück zu einem kleineren Gegenstand verarbeitet werden.


Eisen und Stahl

Mittelalterliches Eisen war kein völlig einheitlicher Werkstoff. Der Kohlenstoffgehalt und die Menge eingeschlossener Schlacke konnten innerhalb eines Werkstücks schwanken. Kohlenstoffreicheres Material konnte härter werden, war aber schwieriger zu bearbeiten. Kohlenstoffärmeres Eisen blieb meist weicher und zäher.

Schmiede arbeiteten ohne moderne Temperaturmessgeräte. Sie beurteilten das Material durch Erfahrung:

  1. Farbe und Helligkeit des glühenden Metalls.
  2. Verhalten unter dem Hammer.
  3. Klang beim Bearbeiten.
  4. Funkenbildung.
  5. Widerstand beim Feilen oder Schleifen.
  6. Reaktion beim Abschrecken.

Bei hochwertigen Schneiden konnte ein härterer Stahlanteil mit einem zäheren Eisenkörper verbunden werden. Solche Verbundtechniken sparten wertvolles Material und kombinierten unterschiedliche Eigenschaften.


Brennstoffe

Der wichtigste Brennstoff hochmittelalterlicher Schmieden war Holzkohle. Sie erreichte hohe Temperaturen und ließ sich mit geregelter Luftzufuhr gut steuern. Ihre Herstellung erforderte Holz, Fachwissen und Transport.

Steinkohle wurde im Mittelalter nicht überall verwendet. Archäologische Funde belegen ihren Einsatz regional bereits im Hochmittelalter, etwa in Gebieten mit gut zugänglichen Lagerstätten und Handelsverbindungen. Für Soest ist Steinkohle in Schmiedezusammenhängen des 13. Jahrhunderts nachgewiesen. Dieser Befund darf jedoch nicht auf alle europäischen Schmieden übertragen werden.

Beobachte im Video den Unterschied zwischen der Erzeugung des Eisens im Rennofen und der anschließenden Bearbeitung in der Schmiede. Beide Prozesse gehören zur Eisenwirtschaft, sind aber technisch nicht identisch.


Aufbau einer Schmiede


Die Esse

Die Esse war die zentrale Feuerstelle. In ihr wurde das Werkstück nicht geschmolzen, sondern auf Schmiedetemperatur erhitzt. Eine Esse konnte als flache Herdstelle, erhöhte Konstruktion oder in anderer regionaler Form angelegt sein.

Wichtige Bestandteile waren:

  1. ein feuerfester Bereich aus Lehm, Stein oder anderem hitzebeständigem Material.
  2. Brennstoff, meist Holzkohle.
  3. eine Luftzufuhr.
  4. eine Düse oder Öffnung, durch die Luft in das Feuer gelangte.
  5. ein Arbeitsbereich, in dem das Werkstück sicher eingelegt und entnommen werden konnte.

Form und Größe hingen vom Produkt, von der Dauer der Nutzung und von lokalen Bautraditionen ab.


Blasebalg und Luftzufuhr

Ein Blasebalg führte dem Feuer zusätzlichen Sauerstoff zu. Dadurch stieg die Temperatur. Die Luft musste so geregelt werden, dass das Werkstück gleichmäßig erhitzt wurde, ohne unnötig zu verbrennen.

Der Blasebalg konnte von einer zweiten Person bedient werden. In kleineren Werkstätten konnte der Schmied die Luftzufuhr selbst steuern und zwischen Esse und Amboss wechseln. Rekonstruktionen zeigen unterschiedliche Anordnungen; ein einheitlicher hochmittelalterlicher Standard ist nicht nachweisbar.


Amboss und Unterlage

Der Amboss nahm die Hammerschläge auf. Hochmittelalterliche Ambosse waren häufig kleiner und anders geformt als viele moderne Schmiedeambosse. Neben eisernen Ambossen konnten Steckambosse, spezielle Gesenke und andere Unterlagen verwendet werden.

Der Amboss musste fest stehen. Er konnte auf einem Holzblock, in einer massiven Unterlage oder in einer Bodenbefestigung sitzen. Seine Arbeitshöhe beeinflusste Kraft, Genauigkeit und Körperhaltung.


Weitere Ausstattung

Zur Grundausstattung gehörten je nach Aufgabe:

  1. Hämmer verschiedener Größe.
  2. Zangen für unterschiedliche Werkstückformen.
  3. Meißel, Durchschläge und Lochdorne.
  4. Feilen und Schleifmittel.
  5. Abschreck- und Kühlgefäße.
  6. Vorrichtungen zum Biegen und Richten.
  7. Behälter für Brennstoff, Halbzeuge und Altmetall.
  8. Beleuchtung und eine Öffnung zur Ableitung von Rauch.

Eine Werkstatt musste nicht alle Werkzeuge gleichzeitig besitzen. Spezialisierte Arbeiten erforderten zusätzliche Geräte, während eine einfache Reparaturschmiede mit kleinerem Bestand auskommen konnte.

Die eingerichtete Schmiede der Marksburg vermittelt anschaulich die räumliche Nähe von Esse, Blasebalg, Amboss und Werkzeugen. Die heutige Präsentation ist eine museale Rekonstruktion und darf nicht als vollständig unveränderter hochmittelalterlicher Originalzustand gelesen werden.


Arbeitsabläufe


Vom Halbzeug zum Werkstück

Ein typischer Arbeitsablauf konnte aus mehreren Schritten bestehen:

  1. Planen: Form, Materialmenge und Arbeitsschritte wurden festgelegt.
  2. Erhitzen: Das Eisen wurde in der Esse auf geeignete Temperatur gebracht.
  3. Halten: Eine Zange sicherte das Werkstück.
  4. Strecken oder Stauchen: Das Metall wurde länger und dünner oder kürzer und dicker geschmiedet.
  5. Biegen: Beschläge, Haken oder Ösen erhielten ihre Form.
  6. Spalten, Lochen oder Abschroten: Öffnungen und Trennstellen wurden hergestellt.
  7. Feuerschweißen: Stark erhitzte Flächen konnten durch Hämmern verbunden werden.
  8. Richten: Verzug wurde ausgeglichen.
  9. Härten und Anlassen: Geeigneter Stahl erhielt eine harte Schneide und zugleich ausreichende Zähigkeit.
  10. Schleifen und Montieren: Schneiden, Griffe, Holzstiele oder Lederteile wurden ergänzt.

Viele Werkstücke wurden wiederholt zwischen Esse und Amboss bewegt. Das Schmieden bestand daher nicht aus einem einzigen Hammerschlag, sondern aus einer Folge kontrollierter Erwärmungs- und Formungsschritte.


Härten und Anlassen

Beim Härten wurde kohlenstoffhaltiges Material erhitzt und anschließend rasch abgekühlt. Dadurch konnte es sehr hart, aber auch spröde werden. Beim anschließenden Anlassen wurde es erneut mäßig erwärmt, um innere Spannungen zu vermindern und die Zähigkeit zu erhöhen.

Nicht jedes Eisenstück ließ sich erfolgreich härten. Der Kohlenstoffgehalt, die Materialstruktur und die Form des Werkstücks waren entscheidend. Mittelalterliche Schmiede verfügten nicht über moderne Werkstofftheorien, konnten aber durch langjährige Erfahrung zuverlässige Verfahren entwickeln.


Feuerschweißen

Beim Feuerschweißen wurden zwei Metallflächen stark erhitzt, gereinigt und unter Hammerschlägen verbunden. Das Verfahren erforderte genaue Beobachtung der Temperatur. War das Material zu kalt, verband es sich nicht ausreichend. War es zu heiß, konnte es verbrennen oder stark geschädigt werden.

Feuerschweißen ermöglichte:

  1. das Schließen von Ringen.
  2. das Ansetzen zusätzlicher Materialstücke.
  3. die Verbindung unterschiedlicher Eisen- und Stahlqualitäten.
  4. die Reparatur beschädigter Werkstücke.
  5. die sparsame Nutzung hochwertigen Stahls.

Der Beitrag des Bayerischen Rundfunks zeigt historische Eisenforschung und Schwertrekonstruktion. Unterscheide dabei zwischen gesicherten archäologischen Befunden, handwerklicher Erfahrung und modernen Rekonstruktionsentscheidungen.


Stadtschmieden


Lage im Stadtgefüge

Stadtschmieden konnten an sehr unterschiedlichen Orten liegen. Archäologische Befunde zeigen Werkstätten in Hinterhöfen, an Straßen, in Randbereichen älterer Siedlungskerne oder in handwerklich geprägten Quartieren.

Für die Standortwahl waren mehrere Faktoren wichtig:

  1. Zugang zu Kundschaft und Markt.
  2. Versorgung mit Eisen und Brennstoff.
  3. Platz für Werkstatt, Lager und Abfälle.
  4. Rauchabzug und Brandschutz.
  5. Nähe zu Bauplätzen, Toren, Ställen oder Verkehrswegen.
  6. bestehende Besitz- und Parzellengrenzen.

Die oft wiederholte Aussage, Schmieden hätten wegen der Brandgefahr grundsätzlich außerhalb der Stadtmauer liegen müssen, ist zu pauschal. Viele Metallwerkstätten sind archäologisch innerhalb mittelalterlicher Städte nachgewiesen. Gleichzeitig konnten besonders feuergefährliche Arbeiten in Hof- oder Randbereichen konzentriert werden.


Das Beispiel Soest

In Soest wurden mehrere Bereiche mittelalterlicher Metallverarbeitung untersucht. Besonders wichtig ist der sogenannte Isenacker. Dort arbeiteten im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert Eisenschmiede.

Die Ausgrabungen zeigen:

  1. Wohn- und Arbeitsbereiche lagen in enger Nachbarschaft.
  2. Hinter Wohnhäusern befanden sich Grubenhäuser und Abfallgruben.
  3. große Mengen an Schmiedeschlacke belegen intensive Eisenverarbeitung.
  4. unterschiedliche Parzellen deuten auf mehrere Werkstatteinheiten.
  5. die räumliche Organisation unterschied sich von älteren reinen Arbeitsbereichen.
  6. einzelne Befunde weisen auf regional besondere Brennstoffnutzung hin.

Das Beispiel zeigt, dass eine hochmittelalterliche Stadtschmiede Teil eines Haushalts und einer städtischen Grundstücksstruktur sein konnte. Wohnen, Lagern, Produzieren und Verkaufen waren nicht immer räumlich streng getrennt.


Produkte für die Stadt

Stadtschmiede fertigten oder reparierten ein breites Spektrum:

Bereich Beispiele
Bauwesen Nägel, Klammern, Scharniere, Türbänder, Haken, Gitterteile und Werkzeugbeschläge
Haushalt Messer, Pfannenbestandteile, Kesselhaken, Feuergeräte, Schlüssel und Schlösser
Landwirtschaft Sicheln, Sensenbestandteile, Pflugteile, Hacken, Beile und Reparaturstücke
Transport Achsbeschläge, Reifen, Ketten, Wagenbeschläge und Verbindungsteile
Pferdehaltung Hufeisen, Hufnägel, Gebiss- und Zaumzeugteile, soweit regional und zeitlich üblich
Militär Pfeil- und Bolzenspitzen, Schildbeschläge, Rüstungsteile sowie Reparaturen an Waffen
Andere Handwerke Werkzeuge für Zimmerleute, Steinmetze, Gerber, Schneider, Müller und Bauleute

Die Herstellung eines einfachen Nagels war keine bedeutungslose Nebenarbeit. Große Bauvorhaben benötigten sehr viele Nägel, Klammern und Beschläge. Gleichförmige Serienprodukte verlangten Routine, Materialplanung und Zeitorganisation.


Spezialisierung und Organisation

Mit wachsender Nachfrage konnten sich Schmiede auf bestimmte Produkte konzentrieren. Eine Spezialisierung war besonders dort sinnvoll, wo genügend Kundschaft, Handel und Rohmaterial vorhanden waren.

Bei der Beschreibung hochmittelalterlicher Verhältnisse ist Vorsicht nötig:

  1. Nicht jede Stadt besaß dieselben Berufsgruppen.
  2. Berufsbezeichnungen konnten regional unterschiedliche Bedeutungen haben.
  3. Zünfte entwickelten sich nicht überall zur gleichen Zeit.
  4. spätere Zunftordnungen dürfen nicht unverändert auf das 12. Jahrhundert übertragen werden.
  5. neben selbstständigen Meistern arbeiteten Gesellen, Lehrlinge, Familienangehörige und Hilfskräfte.
  6. einige Arbeitsschritte konnten an andere Werkstätten vergeben werden.


Burgschmieden


Aufgaben auf einer Burg

Eine Burgschmiede diente vor allem der Funktionsfähigkeit des Burgbetriebs. Typische Aufgaben waren:

  1. Bauwerkzeuge schärfen und reparieren.
  2. Nägel, Klammern und Maueranker herstellen.
  3. Tor-, Tür- und Fensterbeschläge anpassen.
  4. Schlösser, Schlüssel und Ketten warten.
  5. Wagen- und Pferdeausrüstung ausbessern.
  6. Küchen-, Stall- und Landwirtschaftsgeräte reparieren.
  7. Waffen und Schutzbewaffnung instand setzen.
  8. beschädigtes Eisen wiederverwerten.

Während einer großen Bauphase konnte die Nachfrage stark steigen. Nach Abschluss der Arbeiten konnte eine Werkstatt kleiner weiterbetrieben, verlegt oder zeitweise aufgegeben werden.


Standort in der Burganlage

Eine Schmiede benötigte Brennstoff, Material, Arbeitsraum und einen sicheren Umgang mit Feuer. Daher bot sich häufig ein Wirtschaftsbereich oder die Vorburg an. Dort lagen vielfach Ställe, Speicher und andere Werkstätten.

Archäologische Befunde der Falkenburg bei Detmold-Berlebeck zeigen Schlacken im nordwestlichen Teil der Vorburg. Dadurch lässt sich die Burgschmiede ungefähr lokalisieren, obwohl ihre genaue Gebäudeform nicht sicher rekonstruiert werden kann. Dieses Beispiel zeigt zugleich, wie vorsichtig archäologische Aussagen formuliert werden müssen.

Die heutige Schmiedeeinrichtung auf der Marksburg macht die Einbindung einer Werkstatt in eine Burg anschaulich. Für die wissenschaftliche Auswertung muss zwischen erhaltenem Baubestand, späterer Einrichtung und musealer Rekonstruktion unterschieden werden.


Dauerhafte und zeitweilige Werkstätten

Nicht jede als Burgschmiede bezeichnete Arbeitsstelle war dauerhaft besetzt. Es lassen sich mehrere Modelle unterscheiden:

Modell Kennzeichen
Dauerhafte Versorgungsschmiede Regelmäßige Reparaturen und Herstellung alltäglicher Eisenwaren für eine größere Burganlage
Bauschmiede Zeitweilige Werkstatt während Errichtung, Ausbau oder Reparatur der Burg
Spezialwerkstatt Herstellung oder Bearbeitung bestimmter Produkte, etwa Geschosse, Beschläge oder hochwertige Ausrüstung
Mobile handwerkliche Versorgung Ein Schmied kam nur bei Bedarf auf die Burg oder arbeitete in einer nahen Siedlung
Kombinierte Werkstatt Metallbearbeitung wurde mit anderen handwerklichen Tätigkeiten räumlich verbunden


Burgschmiede und Waffenherstellung

Burgen werden in Filmen und Spielen oft als Orte umfangreicher Waffenproduktion dargestellt. Dafür gibt es keine allgemeine Regel. Die Herstellung hochwertiger Schwerter, Helme oder Panzerungen erforderte spezialisiertes Wissen, geeignete Materialien und viel Arbeitszeit. Solche Produkte konnten in städtischen oder regionalen Zentren hergestellt und zur Burg geliefert werden.

Eine Burgschmiede konnte Waffen:

  1. schärfen.
  2. richten.
  3. neu befestigen.
  4. mit Griff- oder Beschlagteilen versehen.
  5. anpassen.
  6. aus beschädigten Teilen ergänzen.

Die vollständige Neuanfertigung war möglich, aber nicht zwingend die wichtigste oder häufigste Aufgabe.


Stadt- und Burgschmiede im Vergleich

Vergleichsmerkmal Stadtschmiede Burgschmiede
Kundschaft Bürger, Bauherren, Händler, andere Handwerker, Bauern aus dem Umland Burgherrschaft, Burgpersonal, Bauleute, Stall- und Wachpersonal
Absatz Markt, Laden, Auftrag, regionaler Handel überwiegend Eigenbedarf und herrschaftliche Aufträge
Lage Wohnparzelle, Hinterhof, Handwerkerviertel, Straßen- oder Randlage Vorburg, Wirtschaftshof, Baustellenbereich oder nahe Siedlung
Produkte großes Alltagsspektrum und mögliche Spezialisierung Reparatur, Bau- und Versorgungsgüter, teilweise militärische Ausrüstung
Arbeitsdauer häufig kontinuierlicher Betrieb dauerhaft, saisonal oder nur während einer Bauphase
Organisation Haushalt, Werkstatt, Marktbeziehungen und später teilweise Zunftbindung Abhängigkeit von Burgbedarf, Herrschaft und Bauorganisation
Rohstoffversorgung Händler, regionale Produzenten, Altmetall und Markt Lieferung durch Herrschaft, lokale Beschaffung, Wiederverwertung
Archäologischer Nachweis Werkstattquartiere, Parzellen, Abfallgruben und Schriftquellen Schlacke, Feuerstellen und Werkstattspuren in Wirtschaftsbereichen

Die Grenze war durchlässig. Eine Burg konnte Waren aus der Stadt beziehen, ein städtischer Schmied konnte für eine Burg arbeiten und eine Siedlung konnte sich direkt an eine Burg anschließen.


Arbeit, Ausbildung und soziale Stellung


Lernen durch Beobachtung und Übung

Schmieden erforderte Körperkraft, Ausdauer, Materialkenntnis und genaue Beobachtung. Viele Fähigkeiten waren schwer schriftlich festzuhalten. Sie wurden durch Vormachen, Nachahmen und wiederholte Übung vermittelt.

Zu den Lerninhalten gehörten:

  1. Feuerführung.
  2. Auswahl der richtigen Zange.
  3. kontrollierte Hammerschläge.
  4. Erkennen der Arbeitstemperatur.
  5. sparsamer Materialeinsatz.
  6. Herstellung gleichförmiger Serien.
  7. Reparatur und Wiederverwertung.
  8. Beurteilung der Werkstückqualität.

Aus späteren Zeiten bekannte Bezeichnungen wie Lehrling, Geselle und Meister können historische Entwicklungen beschreiben. Ihre konkrete hochmittelalterliche Ausgestaltung war jedoch regional verschieden und ist nicht für jede Werkstatt nachweisbar.


Der Schmiedehaushalt

Eine Werkstatt war häufig Teil eines Haushalts. Arbeit konnte durch mehrere Personen unterstützt werden:

  1. Bedienung des Blasebalgs.
  2. Vorbereitung und Sortierung des Brennstoffs.
  3. Transport von Wasser und Material.
  4. Verkauf und Abrechnung.
  5. Pflege von Werkzeugen.
  6. Weiterbearbeitung mit Feile, Schleifstein, Holz oder Leder.

Schriftquellen nennen meist männliche Schmiede. Daraus folgt nicht, dass Frauen und Kinder im Werkstattumfeld keine Aufgaben übernahmen. Ihre Tätigkeiten sind in den Quellen jedoch oft schwer sichtbar. Aussagen über konkrete Rollen müssen deshalb vorsichtig bleiben.


Ansehen und Abhängigkeit

Schmiede waren für Bau, Landwirtschaft, Verkehr und Verteidigung unentbehrlich. Gleichzeitig benötigten sie teure Werkzeuge, Brennstoff und Zugang zu Eisen. Ihre wirtschaftliche Lage konnte daher sehr unterschiedlich sein.

Ein städtischer Spezialist mit überregionalem Absatz hatte andere Möglichkeiten als ein abhängiger Burg- oder Hofhandwerker. Auch das Bild des geheimnisvollen Schmieds gehört eher zur Kultur- und Sagengeschichte als zu einer einheitlichen sozialen Realität.


Brandschutz, Umwelt und Gesundheit


Feuergefahr

Eine Schmiede arbeitete bewusst mit offenem Feuer und glühendem Metall. Risiken waren:

  1. Funkenflug.
  2. überhitzter Brennstoff.
  3. brennbare Holzbauten.
  4. trockene Vorräte.
  5. heißes Metall auf dem Boden.
  6. beschädigte Blasebälge oder Luftleitungen.

Mögliche Schutzmaßnahmen waren ein geeigneter Werkstattboden, Abstand zu leicht brennbaren Vorräten, Wasserbehälter, kontrollierter Rauchabzug und eine sorgfältige Organisation des Arbeitsplatzes. Archäologische Befunde aus Soest deuten darauf hin, dass einzelne Bauweisen möglicherweise aus Brandschutzgründen gewählt wurden.


Rauch und Ressourcenverbrauch

Holzkohle musste hergestellt und transportiert werden. Ein größerer Metallstandort war daher mit Waldnutzung, Köhlerei, Fuhrdiensten und Handel verbunden. Schmiedearbeit erzeugte Rauch, Asche, Schlacke und Lärm.

Die Werkstatt war Teil einer längeren Produktionskette:

  1. Erzabbau.
  2. Holzeinschlag.
  3. Holzkohleherstellung.
  4. Verhüttung.
  5. Verdichtung der Luppe.
  6. Handel mit Halbzeug.
  7. Schmieden.
  8. Nutzung.
  9. Reparatur.
  10. Wiederverwertung oder Entsorgung.


Belastungen für die Arbeitenden

Schmiede waren Hitze, Rauch, Lärm und Verletzungsgefahren ausgesetzt. Verbrennungen, Augenverletzungen, Quetschungen und körperliche Überlastung waren mögliche Folgen. Moderne Schutzbrillen, Gehörschutz und geregelte Arbeitsschutzsysteme existierten nicht.

Dennoch bedeutete dies nicht, dass mittelalterliche Handwerker unvorsichtig arbeiteten. Erfahrung, Werkzeugpflege, abgestimmte Bewegungen und feste Arbeitsroutinen reduzierten Risiken.


Archäologische Fallbeispiele


Soest: Isenacker

Der Isenacker gilt als bedeutender Befund für ein hochmittelalterliches städtisches Schmiedezentrum. Im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert lagen dort Wohn- und Arbeitsbereiche mehrerer Schmiede. Abfallgruben und große Schlackenmengen belegen eine intensive Produktion.

Das Beispiel zeigt:

  1. Schmiedearbeit konnte innerhalb der Stadt stattfinden.
  2. Werkstatt und Haushalt konnten verbunden sein.
  3. mehrere Betriebe konnten benachbart arbeiten.
  4. Abfall ist eine zentrale archäologische Quelle.
  5. spätere Bebauung kann ältere Werkstattspuren überlagern.


Villingen: Nagelschmiede des 13. Jahrhunderts

Auf dem Werkplatz des Franziskanerklosters in Villingen wurde eine Nagelschmiede des 13. Jahrhunderts untersucht. Der Befund verdeutlicht die Bedeutung spezialisierter Serienproduktion. Nägel wurden für Dächer, Türen, Möbel, Gerüste und zahlreiche andere Konstruktionen benötigt.

Eine Nagelschmiede war technisch anspruchsvoll, obwohl das Endprodukt klein erscheint. Gleichmäßige Länge, geeigneter Schaft, brauchbare Spitze und ein stabiler Kopf mussten schnell und wiederholbar erzeugt werden.


Falkenburg: Schmiede in der Vorburg

Die Falkenburg wurde ab dem späten 12. Jahrhundert errichtet. Schlackenfunde in der Vorburg erlauben eine ungefähre Lokalisierung der Schmiede. Die genaue Werkstattform bleibt unsicher.

Das Beispiel lehrt:

  1. Vorburgen waren wichtige Wirtschaftsbereiche.
  2. Schlacken können einen Tätigkeitsbereich anzeigen.
  3. fehlende Gebäudereste bedeuten nicht automatisch, dass keine Werkstatt existierte.
  4. eine Lokalisierung kann möglich sein, ohne den vollständigen Grundriss zu kennen.
  5. archäologische Aussagen besitzen unterschiedliche Grade an Sicherheit.


Guédelon: Experimentelle Burgbaustelle

Guédelon ist keine ausgegrabene mittelalterliche Burg, sondern eine moderne Baustelle, auf der eine Burg mit historischen Materialien und rekonstruierten Arbeitsweisen errichtet wird.

Für die Forschung und Bildung ist das Projekt wertvoll, weil sich untersuchen lässt:

  1. wie viele Werkzeuge eine Baustelle benötigt.
  2. wie häufig Werkzeuge nachgeschärft werden müssen.
  3. wie Schmied, Steinmetz und Zimmermann zusammenarbeiten.
  4. welche Transportprobleme entstehen.
  5. wie viel Zeit einzelne Arbeitsschritte beanspruchen.
  6. welche Rekonstruktionen praktisch funktionieren.

Die Ergebnisse müssen mit archäologischen und schriftlichen Quellen verglichen werden.

Das Video des LWL-Freilichtmuseums behandelt historische Schmiedetechniken. Prüfe, welche Arbeitsschritte sich archäologisch nachweisen lassen und welche durch praktische Rekonstruktion ergänzt werden.


Mythen und gesicherte Aussagen

Behauptung Historische Einordnung
Jede Burg hatte eine große Waffenschmiede. Nicht gesichert. Manche Burgen besaßen Werkstätten, andere wurden durch nahe Orte oder mobile Handwerker versorgt.
Schmiede lagen immer außerhalb der Stadtmauer. Zu pauschal. Archäologische Befunde zeigen auch Werkstätten innerhalb von Städten.
Alle Schmiede gehörten im Hochmittelalter einer Zunft an. Falsch. Zunftentwicklung verlief regional und zeitlich unterschiedlich.
Schmiede stellten Eisen aus Erz und fertige Geräte immer am selben Ort her. Häufig falsch. Verhüttung und Weiterverarbeitung waren oft getrennt.
Ein Schwert bestand vollständig aus gleichartigem Stahl. Nicht allgemein zutreffend. Verbundkonstruktionen und unterschiedliche Materialqualitäten waren möglich.
Rekonstruktionsschmieden zeigen exakt den mittelalterlichen Zustand. Nein. Sie sind begründete Modelle, die Quellen interpretieren und praktisch erproben.
Reparatur war weniger wichtig als Neuproduktion. Wahrscheinlich falsch. Eisen war wertvoll, und Reparatur sowie Wiederverwertung gehörten zum Alltag.


Fachbegriffe

Begriff Erklärung
Amboss Feste Unterlage, auf der Metall mit dem Hammer geformt wird
Blasebalg Gerät zur geregelten Luftzufuhr in die Esse
Esse Feuerstelle zum Erhitzen des Werkstücks
Feuerschweißen Verbinden stark erhitzter Metallflächen durch Druck und Hammerschläge
Halbzeug Vorbereitetes Metallstück, das weiterverarbeitet wird
Hammerschlag Kleine Oxidplättchen und Kügelchen, die beim Schmieden abspringen
Härteprozess Wärmebehandlung zur Veränderung der Werkstoffeigenschaften
Luppe Im Rennofen entstandene schwammartige Masse aus Eisen und Schlacke
Rennofen Ofen zur direkten Gewinnung einer festen Eisenluppe aus Erz
Schmiedeschlacke Abfallprodukt aus dem Bereich der Esse und Metallbearbeitung
Steckamboss Kleiner Amboss, der in einer Unterlage befestigt wird
Vorburg Wirtschafts- und Versorgungsbereich einer Burganlage


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was geschieht beim Schmieden? (Erhitztes Metall wird durch Druck und Schläge geformt) (!Eisenerz wird vollständig zu flüssigem Metall geschmolzen) (!Holzkohle wird ohne Luftzufuhr in Stahl verwandelt) (!Ein Werkstück wird ausschließlich durch Schleifen hergestellt)




Welche Einrichtung bildet das Zentrum einer Schmiede? (Die Esse) (!Der Bergfried) (!Der Marktbrunnen) (!Der Webstuhl)




Welcher Fund kann auf Schmiedearbeit hinweisen? (Schmiedeschlacke) (!Getreidepollen allein) (!Ein unverzierter Dachziegel allein) (!Eine einzelne Tierknochenperle)




Welche Aufgabe hatte der Blasebalg? (Er führte dem Feuer Luft zu) (!Er kühlte den Amboss mit Wasser) (!Er schliff die Schneide) (!Er wog das Eisen)




Was war eine wichtige Aufgabe vieler Burgschmieden? (Werkzeuge und Beschläge reparieren) (!Ausschließlich Goldmünzen prägen) (!Handschriften kopieren) (!Steinmauern ohne Werkzeuge errichten)




Welcher Brennstoff war in hochmittelalterlichen Schmieden besonders verbreitet? (Holzkohle) (!Erdgas) (!Benzin) (!Koks aus industriellen Hochöfen)




Warum ist bei Aussagen über hochmittelalterliche Zünfte Vorsicht nötig? (Die Entwicklung verlief regional unterschiedlich und viele Quellen sind jünger) (!Im Mittelalter gab es überhaupt keine Handwerker) (!Alle Zunftordnungen wurden im 11. Jahrhundert europaweit vereinheitlicht) (!Zünfte waren ausschließlich militärische Verbände)




Was unterscheidet eine Stadt- häufig von einer Burgschmiede? (Die Stadtschmiede arbeitete stärker für Markt und unterschiedliche Kundschaft) (!Die Stadtschmiede durfte niemals Werkzeuge herstellen) (!Die Burgschmiede verwendete grundsätzlich kein Eisen) (!Die Stadtschmiede befand sich immer außerhalb jeder Siedlung)




Welche Aussage über Burgschmieden ist richtig? (Nicht jede Burg besaß dauerhaft eine eigene Schmiede) (!Jede Burg hatte zwingend eine große Schwertfabrik) (!Burgschmieden lagen immer im Bergfried) (!Burgschmieden arbeiteten ausschließlich mit Bronze)




Was kann experimentelle Archäologie leisten? (Sie kann prüfen, ob rekonstruierte Arbeitsabläufe praktisch funktionieren) (!Sie beweist automatisch den einzigen historischen Arbeitsablauf) (!Sie ersetzt alle Grabungsbefunde) (!Sie macht Quellenkritik überflüssig)





Memory

Esse Feuerstelle zum Erhitzen
Blasebalg Geregelte Luftzufuhr
Amboss Unterlage für Hammerschläge
Schmiedezange Sicheres Halten des Werkstücks
Schmiedeschlacke Abfall der Metallbearbeitung
Hammerschlag Feine Oxidplättchen
Vorburg Wirtschaftsbereich einer Burg
Härten Rasches Abkühlen geeigneten Stahls





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung
Stadtschmiede Werkstatt mit Marktbeziehungen und unterschiedlicher Kundschaft
Burgschmiede Werkstatt zur Versorgung einer Burganlage
Rennofen Anlage zur Gewinnung einer festen Eisenluppe
Esse Feuerstelle zur Erwärmung des Werkstücks
Feuerschweißen Verbindung stark erhitzter Metallflächen
Hammerschlag Archäologisch nachweisbare kleine Oxidreste






Kreuzworträtsel

Holzkohle Welcher Brennstoff war in vielen hochmittelalterlichen Schmieden besonders wichtig?
Blasebalg Welches Gerät verstärkte durch Luftzufuhr das Feuer?
Amboss Auf welcher Unterlage wurde das glühende Metall geformt?
Vorburg In welchem Burgbereich lagen häufig Wirtschaftsgebäude und Werkstätten?
Schlacke Wie heißt ein wichtiges Abfallprodukt der Metallbearbeitung?
Halbzeug Wie heißt ein vorbereitetes Metallstück zur weiteren Verarbeitung?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Im Hochmittelalter benötigten Städte und Burgen große Mengen an bearbeitetem

. Die zentrale Feuerstelle einer Schmiede hieß

. Ein

erhöhte durch Luftzufuhr die Temperatur des Feuers. Das erhitzte Werkstück wurde auf dem

geformt. Als Brennstoff diente besonders häufig

. Die Gewinnung des Metalls im Rennofen und die Weiterverarbeitung in der Schmiede waren oft räumlich

. Kleine Oxidplättchen aus dem Werkstattboden werden als

bezeichnet. In Städten konnten Schmieden in Hinterhöfen oder besonderen

liegen. Auf Burgen befanden sich Werkstätten häufig in der

. Eine wichtige Tätigkeit war die

beschädigter Werkzeuge und Beschläge. Beim Feuerschweißen wurden stark erhitzte Metallflächen durch Hammerschläge

. Für Aussagen über die genaue Werkstattorganisation sind archäologische und schriftliche

gemeinsam auszuwerten. Experimentelle Archäologie prüft, ob eine Rekonstruktion praktisch

. Sie beweist jedoch nicht automatisch, dass überall genau dieselbe Methode verwendet

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Werkzeugskizze: Zeichne Esse, Blasebalg, Amboss, Hammer und Zange. Beschrifte jedes Element und notiere seine Funktion.
  2. Produktliste: Suche in einem Raum zehn Gegenstände, die mittelalterliche Eisenbeschläge oder Werkzeuge benötigt hätten. Ordne sie den Bereichen Bau, Haushalt oder Transport zu.
  3. Bildquellenanalyse: Untersuche die Buchmalerei zu Pythagoras in der Schmiede. Trenne sichtbare Details von Vermutungen über den Arbeitsalltag.
  4. Geräuschkulisse: Verfasse eine kurze Beschreibung der Geräusche, Gerüche und Temperaturen in einer Schmiede, ohne moderne Maschinen einzubauen.


Standard

  1. Werkstattgrundriss: Entwirf einen maßstäblichen Grundriss einer kleinen Stadtschmiede. Plane Arbeitsweg, Brennstofflager, Rauchabzug und Brandschutz.
  2. Stadt und Burg im Vergleich: Erstelle eine Vergleichsgrafik zu Kundschaft, Produkten, Standort und Rohstoffversorgung.
  3. Interviewprojekt: Befrage eine heutige Schmiedin, einen Schmied oder eine Metallbauerin zu Werkzeugen, Materialgefühl und Arbeitsschutz. Markiere, was auf das Mittelalter übertragbar ist und was nicht.
  4. Rekonstruktionskritik: Analysiere ein Video einer historischen Schmiedevorführung. Notiere für fünf Beobachtungen, ob sie durch Quellen belegt, plausibel ergänzt oder modern bedingt sind.


Schwer

  1. Archäologischer Grabungsbericht: Verfasse zu einem erfundenen Befund mit Esse, Schlacke, Hammerschlag und Pfostenlöchern einen wissenschaftlich vorsichtigen Kurzbericht. Unterscheide Befund, Deutung und offene Frage.
  2. Versorgungsplan einer Burg: Berechne ohne konkrete historische Zahlen, welche Produktgruppen beim Bau und Betrieb einer Burg regelmäßig ersetzt oder repariert werden mussten. Begründe Prioritäten.
  3. Debatte zur Burgschmiede: Diskutiere die These „Jede hochmittelalterliche Burg brauchte eine eigene Schmiede“. Formuliere Argumente, Gegenargumente und ein differenziertes Urteil.
  4. Digitale Ausstellung: Gestalte eine virtuelle Ausstellung mit sechs Stationen vom Eisenerz bis zur Wiederverwertung eines beschädigten Werkzeugs. Kennzeichne Originalquelle, Rekonstruktion und eigene Illustration.




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Lernkontrolle

  1. Befunddeutung: In einer Vorburg werden Schlacke, Holzkohle und ein einzelner Eisenmeißel gefunden. Erkläre, welche Aussagen möglich sind und welche zusätzlichen Befunde für den sicheren Nachweis einer Schmiede benötigt werden.
  2. Standortentscheidung: Eine Stadt plant im 13. Jahrhundert ein neues Handwerksquartier. Beurteile drei mögliche Standorte nach Kundennähe, Brennstoffversorgung, Rauch, Feuergefahr und Transport.
  3. Produktionskette: Erkläre am Beispiel eines Türbands die Schritte von der Rohstoffgewinnung bis zur Montage. Benenne beteiligte Berufe und mögliche Transportwege.
  4. Quellenkritik: Vergleiche eine mittelalterliche Buchmalerei mit einer modernen Museumsrekonstruktion. Zeige, warum keine der beiden Quellen allein den historischen Werkstattalltag vollständig abbildet.
  5. Technologietransfer: Begründe, wie die Spezialisierung städtischer Schmiede den Burgenbau beeinflussen konnte, obwohl die Werkstatt nicht auf der Burg lag.
  6. Nachhaltigkeit: Übertrage Reparatur und Wiederverwertung mittelalterlicher Eisenobjekte auf heutige Diskussionen über Ressourcenverbrauch. Arbeite Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs heraus.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu hochmittelalterlichen Stadt- und Burgschmieden ist wichtig, dass Du:

  1. den Unterschied zwischen Verhüttung und Schmieden erklärst.
  2. die Funktionen von Esse, Blasebalg, Amboss, Hammer und Zange beschreibst.
  3. Stadt- und Burgschmieden vergleichst, ohne starre Gegensätze zu konstruieren.
  4. mehrere Produktgruppen und Reparaturaufgaben nennst.
  5. die Bedeutung von Holzkohle, Eisenhalbzeug und Altmetall erläuterst.
  6. archäologische Spuren wie Schlacke und Hammerschlag auswertest.
  7. zwischen Befund, Interpretation und Rekonstruktion unterscheidest.
  8. die Zunftentwicklung zeitlich und regional vorsichtig einordnest.
  9. ein Fallbeispiel wie Soest, Villingen oder Falkenburg sachgerecht verwendest.
  10. eine eigene begründete Aussage zur wirtschaftlichen Bedeutung des Schmiedehandwerks formulierst.




Quellen und Forschungsgrundlage

  1. Schmiedehandwerk in Mittelalter und Neuzeit, Soester Beiträge zur Archäologie 5: Fachbeiträge zu Werkstätten, Schlacken, Spezialisierung und städtischer Metallverarbeitung.
  2. Schmied: Überblick zu Geschichte, Werkzeugen und Spezialisierungen.
  3. Handwerk: Entwicklung des Handwerks und der städtischen Produktion.
  4. Zunft: Entstehung und regionale Unterschiede handwerklicher Zusammenschlüsse.
  5. Mittelalterarchäologie: Methoden zur Untersuchung von Werkstätten und Alltagsleben.
  6. Wikimedia Commons: Pythagoras in der Schmiede: Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert.
  7. Wikimedia Commons: Schmiede von Guédelon: moderne Experimental- und Rekonstruktionsschmiede.
  8. Wikimedia Commons: Schmiede der Marksburg: museal eingerichtete Burgschmiede.


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