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Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Baden-Württemberg

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Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Baden-Württemberg



Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Baden-Württemberg


Einleitung

Die Geschichte der sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter gehört zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und besonders auch zur Geschichte Baden-Württembergs. Seit den 1950er-Jahren wuchs die westdeutsche Wirtschaft stark. Viele Betriebe suchten Arbeitskräfte. Deshalb schloss die Bundesrepublik Anwerbeabkommen mit mehreren Staaten. Menschen kamen unter anderem aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal, Tunesien, Marokko und Jugoslawien.

Der Begriff „Gastarbeiter“ ist ein historischer Begriff. Er zeigt, dass Politik und Wirtschaft zunächst davon ausgingen, die angeworbenen Menschen würden nur einige Jahre in Deutschland bleiben. Viele blieben jedoch dauerhaft, holten ihre Familien nach oder gründeten hier Familien. Deshalb ist es wichtig, sie nicht nur als Arbeitskräfte zu betrachten. Sie waren Menschen mit eigenen Plänen, Erfahrungen, Beziehungen und Rechten.

In diesem aiMOOC lernst Du, warum Arbeitskräfte angeworben wurden, wie Arbeit und Alltag in Baden-Württemberg aussahen und wie sich aus einem zunächst als vorübergehend gedachten Aufenthalt für viele ein dauerhaftes Leben entwickelte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Arbeit, Alltag und gesellschaftlicher Teilhabe.

Italienische Arbeitsmigranten am Freiburger Hauptbahnhof vor einer Weihnachtsreise im Jahr 1966. Historische Fotos zeigen nicht nur Ereignisse, sondern auch den Blick der Fotografierenden auf die dargestellten Menschen.


Begriff und historischer Kontext

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Industrieproduktion in Westdeutschland stark an. Gleichzeitig wurden Arbeitskräfte knapp. Das erste Anwerbeabkommen schloss die Bundesrepublik 1955 mit Italien. 1960 folgten Spanien und Griechenland, 1961 die Türkei. Später kamen weitere Abkommen hinzu.

Das Ziel war eine staatlich organisierte Arbeitsmigration. Deutsche Stellen und Behörden in den Herkunftsländern vermittelten Arbeitsplätze. Viele Bewerberinnen und Bewerber mussten ihre Gesundheit und berufliche Eignung prüfen lassen. Ursprünglich war häufig eine Rückkehr nach kurzer Zeit vorgesehen. In der Praxis war dieses sogenannte Rotationsprinzip für viele Betriebe unpraktisch, weil eingearbeitete Beschäftigte immer wieder ersetzt werden sollten.

Das Video ordnet das deutsch-türkische Anwerbeabkommen von 1961 in die Geschichte der Arbeitsmigration ein.


Baden-Württemberg als Ziel der Arbeitsmigration

Baden-Württemberg war ein stark industrialisiertes Bundesland mit großen Produktionsstandorten. Städte wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Ulm und andere Industrieregionen wurden wichtige Ziele der Arbeitsmigration. Nach Angaben von LEO-BW nahm die Zahl der Menschen mit ausländischem Pass im Land bis 1973 stark zu. In Stuttgart stieg die Zahl ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 1961 und 1973 von ungefähr 26.000 auf über 100.000.

Für viele italienische Arbeitsmigranten war Singen (Hohentwiel) eine wichtige Station. Sonderzüge kamen aus Italien. Von dort wurden die Menschen an ihre Arbeitsorte weitergeleitet, zum Beispiel nach Karlsruhe, Mannheim oder Stuttgart. Reisen aus Süditalien oder Anatolien konnten sehr lange dauern und waren häufig anstrengend.

Italienische Arbeitsmigranten in einem Zug am Freiburger Hauptbahnhof, 16. Dezember 1966. Das Bild erinnert daran, dass Mobilität, Heimreisen und Kontakte zum Herkunftsort zum Alltag vieler Familien gehörten.


Arbeit: gebraucht, aber nicht immer anerkannt

Viele angeworbene Männer und Frauen arbeiteten in Bereichen, in denen Arbeitskräfte fehlten. Dazu gehörten industrielle Produktion, Bau, Metallverarbeitung, Fahrzeugbau, Textilproduktion und andere körperlich belastende Tätigkeiten. Die Arbeit war häufig durch Schichtdienst, Lärm, monotone Abläufe oder schwere körperliche Belastung geprägt. Gleichzeitig waren die Beschäftigten ein wichtiger Teil des wirtschaftlichen Wachstums.

Rechtlich sollten ausländische Beschäftigte deutschen Beschäftigten in wichtigen arbeits- und sozialrechtlichen Fragen gleichgestellt sein. Im Alltag gab es dennoch große Unterschiede. Manche hatten tariflich geregelte und gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze, andere erlebten niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen oder Benachteiligung. Sprachprobleme und fehlende Kenntnisse über Rechte konnten die Situation zusätzlich erschweren.


Gastarbeiterinnen: Frauen als eigenständige Arbeitsmigrantinnen

In vielen Erinnerungen erscheint vor allem der junge männliche „Gastarbeiter“. Dieses Bild ist unvollständig. Auch Frauen wurden gezielt als Arbeitskräfte angeworben. Sie kamen also keineswegs nur als Ehefrauen im Rahmen des Familiennachzugs.

Bundesweit stieg der Anteil von Frauen an den vermittelten Arbeitskräften in den 1960er-Jahren deutlich. Viele arbeiteten in Branchen mit niedrigen Löhnen, zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Textil- oder Elektroindustrie. Für Frauen konnten sich Erwerbsarbeit, Familienverantwortung und die Trennung von Kindern oder anderen Angehörigen überlagern. Die Geschichte der Arbeitsmigration muss deshalb immer auch als Frauengeschichte und Geschlechtergeschichte betrachtet werden.


Wohnen: vom Wohnheim zur eigenen Wohnung

Arbeitgeber mussten Unterkünfte bereitstellen. Viele Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten lebten zunächst in Wohnheimen in der Nähe des Betriebs. Dort gab es oft Mehrbettzimmer, Gemeinschaftsküchen und gemeinsame Waschräume. Privatsphäre war begrenzt. Häufig galten strenge Hausordnungen.

Ein Bauplan für zwei Wohnheime für Gastarbeiter in Stuttgart-Zuffenhausen aus dem Jahr 1970. Solche Pläne sind historische Quellen: Sie zeigen, wie Wohnen organisatorisch geplant wurde.

Als immer mehr Menschen länger blieben und Familien nachzogen, wurde eine eigene Wohnung wichtiger. Gleichzeitig herrschte in vielen Städten Wohnungsmangel. Migrantische Familien erlebten zusätzlich Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Dadurch entstanden häufig räumliche Konzentrationen in bestimmten Stadtvierteln.


Alltag zwischen Baden-Württemberg und Herkunftsort

Der Alltag bestand nicht nur aus Arbeit. Viele Menschen schrieben Briefe, telefonierten später häufiger, hörten Musik aus ihren Herkunftsländern und fuhren im Urlaub zu ihren Familien. Bahnhöfe wurden zu wichtigen Treffpunkten. Geld wurde gespart oder an Familienangehörige geschickt.

Auch Essen spielte eine Rolle. Zutaten wie Olivenöl, bestimmte Käsesorten, Gewürze oder andere vertraute Lebensmittel waren anfangs schwer erhältlich. Mit der Zeit eröffneten Migrantinnen und Migranten eigene Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und andere Betriebe. Dadurch veränderte sich auch der Alltag in baden-württembergischen Städten.

Der historische Film zeigt italienische „Gastarbeiter“ in Ulm im Jahr 1964. Er enthält seltene Aufnahmen vom Bahnhof und aus Unterkünften und eignet sich besonders für eine Quellenanalyse.


Familie, Kinder und Schule

Weil viele Menschen nicht wie geplant nach kurzer Zeit zurückkehrten, zogen Ehepartnerinnen, Ehepartner und Kinder nach. Der Familiennachzug veränderte die Arbeitsmigration grundlegend: Aus einem vorübergehenden Aufenthalt wurde für viele ein dauerhaftes Leben.

Kinder gingen in baden-württembergische Schulen. In manchen Städten entstanden sogenannte „Ausländerklassen“. Sie sollten besondere Unterstützung ermöglichen, konnten Kinder aber zugleich vom regulären Unterricht trennen und den gemeinsamen Spracherwerb erschweren. Schulabschlüsse und Berufsausbildungen wurden für viele Angehörige der zweiten Generation zu wichtigen Wegen gesellschaftlicher Teilhabe und sozialen Aufstiegs.


Gesellschaftliche Teilhabe

Teilhabe bedeutet, am gesellschaftlichen Leben mitzuwirken und es mitzugestalten. Das geschah nicht nur durch Wahlen oder staatliche Politik. Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten engagierten sich am Arbeitsplatz, in Gewerkschaften, Vereinen, religiösen Gemeinden, Nachbarschaften und kulturellen Initiativen. Sie gründeten Geschäfte und Restaurants, organisierten Treffpunkte und schufen soziale Netzwerke.

Gleichzeitig waren die Möglichkeiten politischer Mitbestimmung für viele Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit begrenzt. Sie erlebten zudem Vorurteile, Ausgrenzung und Rassismus. Deshalb gehört zur Geschichte der Teilhabe auch die Geschichte von Konflikten um Anerkennung und gleiche Rechte.

Zeitzeugenaussagen helfen dabei, die Geschichte nicht nur aus Sicht von Behörden und Betrieben zu betrachten, sondern auch aus der Perspektive der Menschen selbst.


1973: Anwerbestopp und dauerhafte Einwanderung

Im Jahr 1973 beendete die Bundesregierung im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Krise nach dem Ölpreisschock die reguläre Anwerbung aus vielen Nicht-EG-Anwerbestaaten. Bestehende Arbeitsverhältnisse blieben jedoch bestehen.

Der Anwerbestopp führte nicht einfach dazu, dass alle zurückkehrten. Im Gegenteil: Für manche wurde eine Rückkehr unattraktiver, weil eine spätere erneute Einreise zur Arbeit schwieriger geworden wäre. Familiennachzug und dauerhafte Niederlassung gewannen deshalb an Bedeutung. In den industriellen Ballungsräumen Baden-Württembergs wurden besonders italienische, türkische, griechische und jugoslawische Familien dauerhaft ansässig.


Vom „Gast“ zum Teil der Gesellschaft

Spätestens seit den 1970er- und 1980er-Jahren wurde immer deutlicher, dass die Vorstellung eines nur vorübergehenden Aufenthalts nicht zur Wirklichkeit vieler Familien passte. In Stuttgart erklärte die Stadtpolitik Ende der 1970er-Jahre ausländische Einwohnerinnen und Einwohner ausdrücklich zu einem dauerhaften Bestandteil der Stadtbevölkerung.

Das bedeutete nicht, dass Ausgrenzung damit beendet war. Debatten über Migration und Zugehörigkeit blieben konfliktreich. Trotzdem veränderten die Zugewanderten und ihre Kinder Baden-Württemberg dauerhaft: wirtschaftlich, kulturell, sprachlich, religiös und gesellschaftlich.

Die Stuttgarter Königstraße im Jahr 1981. Auch die Bezeichnung des Archivbildes ist eine Quelle: Sie zeigt, dass Menschen noch lange nach ihrer Ankunft hauptsächlich als „Gastarbeiter“ beschrieben wurden.


Quellen kritisch lesen: Wer erzählt Geschichte?

Viele erhaltene Fotos, Verwaltungsakten und Zeitungsberichte wurden von Behörden, Unternehmen oder deutschen Journalistinnen und Journalisten erstellt. Deshalb zeigen sie oft einen Blick auf Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten. Eigene Stimmen der Betroffenen wurden seltener gesammelt.

Für historischen Unterricht ist deshalb ein Perspektivenwechsel wichtig. Zeitzeugeninterviews, Briefe, Musik, private Fotos und Erinnerungen können zeigen, wie Menschen ihre eigene Geschichte verstanden. Eine gute Quellenanalyse fragt immer: Wer hat die Quelle erstellt? Wann? Für wen? Was wird gezeigt? Was fehlt?

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat beispielsweise in einem Projekt frühere „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ aus der Türkei mit jüngeren Menschen zusammengebracht. In den Gesprächen ging es um Ankunft, Arbeitsplatz, Wohnen, Erfahrungen von Frauen, Anerkennung und die Verbindung zur früheren Heimat.


Begriffe kurz erklärt

  1. Arbeitsmigration: Wanderung in ein anderes Land oder eine andere Region mit dem Ziel, dort zu arbeiten.
  2. Anwerbeabkommen: Vereinbarung zwischen Staaten zur geregelten Vermittlung von Arbeitskräften.
  3. Familiennachzug: Zuzug enger Familienangehöriger zu einer bereits eingewanderten Person.
  4. Integration: Prozess des Zusammenlebens und der Teilhabe in einer vielfältigen Gesellschaft.
  5. Teilhabe: Möglichkeit, soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Bereiche mitzugestalten.
  6. Migration: Dauerhafte oder vorübergehende Verlagerung des Lebensmittelpunkts.
  7. Zeitzeugin oder Zeitzeuge: Person, die historische Ereignisse selbst erlebt hat und darüber berichtet.


Zusammenfassung

Die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Baden-Württemberg ist mehr als Wirtschaftsgeschichte. Sie verbindet Arbeit, Migration, Alltagsgeschichte, Familiengeschichte, Bildung, Rassismus, Teilhabe und die Frage, wer zur Gesellschaft gehört. Aus Menschen, die ursprünglich nur für kurze Zeit als Arbeitskräfte kommen sollten, wurden Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Vereinsmitglieder, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bürgerinnen und Bürger einer sich verändernden Gesellschaft.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum warb die Bundesrepublik seit den 1950er-Jahren Arbeitskräfte aus dem Ausland an? (Weil in der wachsenden Wirtschaft Arbeitskräfte fehlten) (!Weil alle deutschen Fabriken geschlossen wurden) (!Weil die Bundesrepublik keine eigene Bevölkerung hatte) (!Weil nur ausländische Arbeitskräfte Steuern zahlen durften)




Mit welchem Staat schloss die Bundesrepublik 1955 das erste Anwerbeabkommen? (Italien) (!Türkei) (!Jugoslawien) (!Portugal)




Welche Rolle spielte Singen Hohentwiel für viele italienische Arbeitsmigranten? (Es war eine wichtige Station zur Weiterleitung an Arbeitsorte) (!Es war der Sitz der Bundesregierung) (!Dort endeten alle Arbeitsverträge) (!Dort wurden nur deutsche Urlauber kontrolliert)




Warum ist das Bild vom ausschließlich männlichen Gastarbeiter unvollständig? (Auch Frauen wurden gezielt als Arbeitskräfte angeworben) (!Frauen durften grundsätzlich nicht arbeiten) (!Frauen kamen erst nach dem Jahr 2000 nach Deutschland) (!Nur Männer lebten in Baden-Württemberg)




Wie waren viele frühe Wohnheime organisiert? (Mit Gemeinschaftsräumen und wenig Privatsphäre) (!Als große Einfamilienhäuser für jede Person) (!Als kostenlose Hotels mit Einzelzimmern) (!Als Ferienanlagen ohne Hausordnung)




Was veränderte der Familiennachzug? (Für viele wurde aus einem vorübergehenden Aufenthalt ein dauerhaftes Leben) (!Alle Betriebe mussten sofort schließen) (!Kinder durften nicht mehr zur Schule gehen) (!Die Anwerbeabkommen wurden automatisch verlängert)




Was geschah im Jahr 1973? (Die reguläre Anwerbung aus vielen Nicht-EG-Anwerbestaaten wurde gestoppt) (!Das erste Anwerbeabkommen mit Italien wurde geschlossen) (!Baden-Württemberg wurde gegründet) (!Alle ausländischen Beschäftigten mussten Deutschland verlassen)




Was bedeutet gesellschaftliche Teilhabe? (Am gesellschaftlichen Leben mitwirken und es mitgestalten) (!Nur in einem Betrieb beschäftigt zu sein) (!Ausschließlich eine deutsche Zeitung zu lesen) (!Den Wohnort jedes Jahr zu wechseln)




Warum sind Zeitzeugeninterviews für die Migrationsgeschichte wichtig? (Sie machen Erfahrungen und Sichtweisen der Betroffenen sichtbar) (!Sie ersetzen jede andere historische Quelle) (!Sie enthalten immer vollkommen fehlerfreie Erinnerungen) (!Sie dürfen nur von Behörden geführt werden)




Warum sollte der Begriff Gastarbeiter historisch kritisch betrachtet werden? (Er kann den Eindruck erwecken dass der Aufenthalt nur vorübergehend gewesen sei) (!Er bezeichnet ausschließlich Touristinnen und Touristen) (!Er wurde erst nach 2000 erfunden) (!Er bedeutet dass Menschen nicht arbeiten durften)





Memory

Anwerbeabkommen staatlich geregelte Arbeitskräftevermittlung
Singen wichtige Weiterleitungsstation im Südwesten
Wohnheim einfache betriebliche Unterkunft
Familiennachzug Zuzug enger Angehöriger
Anwerbestopp Ende der regulären Anwerbung 1973
Selbstorganisation Vereine Initiativen und eigene Netzwerke
Teilhabe Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Italienabkommen Beginn der staatlich geregelten Anwerbung
Türkeiabkommen Ausweitung der Arbeitsmigration
Ankunft über Singen Weiterleitung zu Arbeitsorten in Baden-Württemberg
Familiennachzug Übergang zu einem dauerhafteren Lebensmittelpunkt
Anwerbestopp Ende neuer regulärer Anwerbungen aus vielen Nicht-EG-Staaten




...


Kreuzworträtsel

Singen Welche Stadt war für viele italienische Arbeitsmigranten eine wichtige Weiterleitungsstation?
Wohnheim Wie hieß eine typische betriebliche Unterkunft für angeworbene Arbeitskräfte?
Anwerbestopp Wie heißt das Ende der regulären Arbeitskräfteanwerbung von 1973?
Teilhabe Welcher Begriff bezeichnet die Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben?
Migration Wie heißt die Verlagerung des Lebensmittelpunkts über räumliche Grenzen?
Industrie Welcher Wirtschaftsbereich benötigte besonders viele zusätzliche Arbeitskräfte?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Das erste Anwerbeabkommen der Bundesrepublik wurde 1955 mit

geschlossen.
Viele angeworbene Menschen kamen nach Baden-Württemberg, weil die wachsende

Arbeitskräfte benötigte.
Für zahlreiche italienische Arbeitsmigranten war die Stadt

eine wichtige Station auf dem Weg zum Arbeitsort.
Viele Beschäftigte wohnten anfangs in einem betrieblichen

.
Auch

wurden eigenständig als Arbeitskräfte angeworben.
Durch den

wurde aus einem vorübergehenden Aufenthalt für viele ein dauerhaftes Leben.
Im Jahr 1973 endete die reguläre Anwerbung durch den

.
Die Mitwirkung am sozialen kulturellen und politischen Leben wird als

bezeichnet.
Historische Interviews mit selbst beteiligten Personen nennt man häufig

.
Bei der Analyse historischer Bilder ist die Frage nach der

besonders wichtig.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildanalyse: Wähle eines der historischen Fotos im aiMOOC aus und beschreibe genau, was zu sehen ist. Trenne Beobachtung und Deutung.
  2. Begriffsgeschichte: Erkläre in eigenen Worten, warum der Begriff „Gastarbeiter“ heute häufig in Anführungszeichen gesetzt oder kritisch erläutert wird.
  3. Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste mit den wichtigsten Stationen von 1955 bis 1973 und ergänze für jedes Ereignis einen kurzen Erklärungssatz.
  4. Alltagsgeschichte: Schreibe einen fiktiven Tagebucheintrag aus Sicht einer jungen Arbeitsmigrantin oder eines jungen Arbeitsmigranten. Kennzeichne klar, welche Teile historisch belegt und welche erfunden sind.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche das Foto vom Freiburger Hauptbahnhof mit dem historischen Film aus Ulm. Welche Informationen liefert jeweils das Medium, welche nicht?
  2. Ortsgeschichte: Recherchiere in Deiner Stadt oder Gemeinde nach Spuren der Arbeitsmigration, zum Beispiel Betrieben, Vereinen, Restaurants, Wohnheimen oder Zeitungsartikeln.
  3. Zeitzeugeninterview: Entwickle zehn respektvolle Fragen für ein Interview über Ankunft, Arbeit, Wohnen, Schule oder gesellschaftliche Teilhabe. Führe ein Interview nur mit freiwilliger Zustimmung.
  4. Familiengeschichte: Untersuche, wie Familiennachzug das Leben einer Familie verändern konnte. Erstelle dazu eine Schaubildfolge mit Ursachen und Folgen.


Schwer

  1. Perspektivenwechsel: Untersuche, ob eine historische Quelle eher Fremdrepräsentation oder Selbstrepräsentation ist. Begründe Deine Einordnung mit mindestens drei Kriterien.
  2. Migrationspolitik: Erörtere, ob der Anwerbestopp von 1973 eher das Ende oder eine neue Phase der Arbeitsmigration markierte.
  3. Ausstellung: Plane eine kleine Schulausstellung mit dem Titel „Arbeit – Alltag – Teilhabe“. Nutze mindestens drei Quellentypen und begründe deren Auswahl.
  4. Podcast: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast über die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in Baden-Württemberg. Verbinde wirtschaftliche Entwicklung, Alltagserfahrungen und die Frage nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursache und Wirkung: Erkläre, wie wirtschaftliches Wachstum, Arbeitskräftemangel und staatliche Anwerbeabkommen zusammenhingen.
  2. Dauerhafte Einwanderung: Begründe, warum aus einer als vorübergehend geplanten Arbeitsmigration für viele Menschen ein dauerhafter Lebensmittelpunkt in Baden-Württemberg wurde.
  3. Arbeit und Alltag: Zeige an zwei Beispielen, wie Arbeitsbedingungen den Alltag außerhalb des Betriebs beeinflussen konnten.
  4. Geschlechterperspektive: Erkläre, wie sich die Geschichte verändert, wenn Gastarbeiterinnen als eigenständige Arbeitsmigrantinnen berücksichtigt werden.
  5. Teilhabe und Ausgrenzung: Analysiere, wie gesellschaftliche Teilhabe gleichzeitig wachsen konnte, obwohl Migrantinnen und Migranten Diskriminierung erlebten.
  6. Quellenkritik: Beurteile, warum ein Behördenfoto und ein Zeitzeugeninterview zu demselben Thema unterschiedliche historische Aussagen liefern können.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Jahreszahlen kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären kannst.

  1. Du kannst die wichtigsten Gründe für die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte erklären.
  2. Du kannst die Bedeutung der Anwerbeabkommen und des Anwerbestopps einordnen.
  3. Du kannst Arbeit, Wohnen, Familie und Schule als Teile der Migrationsgeschichte miteinander verbinden.
  4. Du kannst erklären, warum Frauen in der Geschichte der Arbeitsmigration eigenständig berücksichtigt werden müssen.
  5. Du kannst Formen gesellschaftlicher Teilhabe und Erfahrungen von Ausgrenzung gegenüberstellen.
  6. Du kannst historische Fotos, Filme und Zeitzeugeninterviews quellenkritisch untersuchen.
  7. Du kannst erläutern, warum die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter ein Teil der Geschichte Baden-Württembergs ist.




OERs zum Thema


Quellen und Vertiefung

  1. LEO-BW: Arbeitskräfte aus der Fremde – mit besonderem Blick auf Baden-Württemberg, Ankunft, Wohnen und Alltag.
  2. LEO-BW: Menschen oder Arbeitskräfte? – zur Frage von Fremd- und Selbstrepräsentation.
  3. Haus der Geschichte Baden-Württemberg – Informationen zum Projekt „#60 Jahre Menschengeschichten: Erzähl' mir was“ mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Baden-Württemberg.
  4. Bundeszentrale für politische Bildung: Erstes Anwerbeabkommen – Überblick über die Anwerbepolitik und ihre Folgen.
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Gastarbeiterinnen – Schwerpunkt auf Frauen in der Arbeitsmigration.
  6. Wikimedia Commons – frei lizenzierte historische Medien und Archivmaterialien.


Verknüpfte Lernbereiche


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