Faust - Prolog im Himmel Menschenbilder und Bewährungsprobe

Faust - Prolog im Himmel Menschenbilder und Bewährungsprobe
Faust - Prolog im Himmel: Menschenbilder und Bewährungsprobe

Einleitung
Der „Prolog im Himmel“ eröffnet die Handlung von Goethes Faust I. Im Mittelpunkt stehen nicht Fausts Taten, sondern zwei gegensätzliche Sichtweisen auf den Menschen: die des Herrn und die Mephistos. Faust wird dabei zum Gegenstand einer Bewährungsprobe.
Die Szene greift Motive aus dem biblischen Buch Hiob auf. Mephisto behauptet, Faust vom rechten Weg abbringen zu können. Der Herr lässt die Prüfung zu, vertraut aber darauf, dass ein strebender Mensch trotz Irrwegen Orientierung finden kann.
Ausgangssituation
Der Prolog folgt auf die „Zueignung“ und das „Vorspiel auf dem Theater“. Er gehört bereits zur eigentlichen Handlung. Zunächst preisen die Erzengel Raphael, Gabriel und Michael die Ordnung der Schöpfung. Danach tritt Mephisto auf und richtet den Blick auf die Schwächen des Menschen.

Goethes Faust I erschien 1808. Der Prolog gibt dem folgenden Drama einen Deutungsrahmen: Fausts Suche nach Erkenntnis, Erfahrung und Erfüllung wird von Anfang an als Prüfung menschlichen Strebens sichtbar.
Zwei Menschenbilder
Mephistos Menschenbild ist pessimistisch. Er betrachtet den Menschen als schwach, lächerlich und leicht verführbar. Die Vernunft habe ihn nicht verbessert, sondern mache ihn nur komplizierter.
Das Menschenbild des Herrn ist zuversichtlicher. Menschen können irren, aber gerade ihr Streben eröffnet Entwicklung. Der bekannte Satz „Es irrt der Mensch, solang er strebt“ verbindet Fehler und Fortschritt.
| Der Herr | Mephisto |
|---|---|
| vertraut auf Entwicklung | betont Schwäche |
| sieht Irrtum als Teil des Strebens | sieht Irrtum als Beweis menschlichen Versagens |
| erwartet Orientierung | erwartet Verführbarkeit |
| betrachtet Faust als Suchenden | betrachtet Faust als mögliches Opfer |
Faust als Bewährungsfall
Faust selbst tritt im Prolog nicht auf. Trotzdem steht er im Zentrum des Gesprächs. Der Herr bezeichnet ihn als seinen „Knecht“, während Mephisto glaubt, ihn auf seinen Weg ziehen zu können.
Die häufig als Wette bezeichnete Vereinbarung ist genauer eine zugelassene Prüfung: Mephisto erhält die Freiheit, Faust zu versuchen. Damit entsteht die Leitfrage des Dramas:
Kann ein Mensch, der sucht, zweifelt, irrt und sich verführen lässt, dennoch zu einer sinnvollen Orientierung gelangen?

Die spätere Darstellung von Faust und Mephisto beim Schachspiel eignet sich als Bild für die Bewährungsprobe: Entscheidungen haben Folgen, und Mephisto versucht fortlaufend, Faust zu lenken.
Mephisto als Gegenkraft
Mephisto ist nicht nur ein Gegenspieler. Im Prolog erhält er eine paradoxe Funktion: Seine Versuchungen können Bewegung erzeugen. Der Herr erklärt sinngemäß, dass menschliche Tätigkeit leicht erschlafft und deshalb eine reizende, antreibende Gegenkraft eine Funktion im Weltganzen haben kann.
Damit wird das Böse nicht einfach gut. Mephistos Absicht bleibt zerstörerisch. Doch seine Wirkung kann unbeabsichtigt dazu beitragen, dass Faust handelt, entscheidet und sich bewähren muss.

Die Bewährungsprobe als Struktur des Dramas
Der Prolog nimmt zentrale Konflikte vorweg:
- Erkenntnis: Faust will mehr wissen, als gewöhnliches Wissen leisten kann.
- Streben: Stillstand erscheint ihm unerträglich.
- Versuchung: Mephisto bietet Erfahrungen, Genuss und Grenzüberschreitungen an.
- Verantwortung: Faust muss für Entscheidungen und ihre Folgen einstehen.
- Irrtum: Fehler gehören zum Weg, entschuldigen aber nicht automatisch jedes Handeln.

Bezug zum Buch Hiob
Der Prolog erinnert an die Rahmenerzählung des Buchs Hiob. Auch dort erhält ein Widersacher die Erlaubnis, einen Menschen zu prüfen. Goethe übernimmt dieses Grundmotiv, verändert aber den Schwerpunkt: Bei Faust geht es besonders um Streben, Irrtum, Versuchung und Entwicklung.
So wird aus dem religiösen Prüfungsmotiv zugleich eine anthropologische Frage: Was macht den Menschen aus?
Deutung in einem Satz
Der „Prolog im Himmel“ stellt zwei gegensätzliche Menschenbilder gegenüber und macht Fausts Lebensweg zu einer Bewährungsprobe, in der sich zeigen soll, ob menschliches Streben trotz Irrtum und Verführung Orientierung ermöglichen kann.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer spricht im Prolog besonders abwertend über den Menschen? (Mephisto) (!Faust) (!Wagner) (!Gretchen)
Welche Figur vertraut grundsätzlich auf die Entwicklungsmöglichkeit des Menschen? (Der Herr) (!Mephisto) (!Faust) (!Wagner)
Welche Figur steht im Mittelpunkt der Bewährungsprobe, obwohl sie im Prolog nicht selbst auftritt? (Faust) (!Gretchen) (!Marthe) (!Valentin)
Welches biblische Buch ist eine wichtige Vorlage für den Prolog? (Buch Hiob) (!Buch Exodus) (!Buch Rut) (!Buch Jona)
Was kennzeichnet das Menschenbild Mephistos? (Pessimismus) (!Fortschrittsoptimismus) (!Idealismus) (!Humanismus)
Was gehört nach dem Menschenbild des Herrn zum menschlichen Streben? (Irrtum) (!Stillstand) (!Vollkommenheit) (!Unfehlbarkeit)
Welche Funktion hat der Prolog für das Drama? (Er gibt einen Deutungsrahmen) (!Er beendet die Handlung) (!Er erzählt Gretchens Kindheit) (!Er schildert Fausts Tod)
Was will Mephisto gegenüber Faust erreichen? (Ihn vom rechten Weg abbringen) (!Ihn zum König machen) (!Ihn zum Priester machen) (!Ihn mit Wagner versöhnen)
Welche zentrale Eigenschaft verbindet der Herr mit Faust? (Streben) (!Gleichgültigkeit) (!Gehorsam) (!Zufriedenheit)
Welche Frage stellt der Prolog für das weitere Drama besonders heraus? (Ob Orientierung trotz Irrtum möglich ist) (!Ob Faust König wird) (!Ob Wagner Mephisto besiegt) (!Ob Gretchen nach Italien reist)
Memory
| Der Herr | Vertrauen in menschliches Streben |
| Mephisto | Zweifel am Menschen |
| Faust | Gegenstand der Bewährungsprobe |
| Hiob | Biblisches Vorbild |
| Irrtum | Bestandteil menschlicher Entwicklung |
| Prolog | Deutungsrahmen des Dramas |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Der Herr | Vertrauen in Entwicklung |
| Mephisto | Menschenverachtung |
| Faust | Streben und Suche |
| Hiob | Prüfungsmotiv |
| Prolog | Rahmen der Handlung |
Kreuzworträtsel
| Mephisto | Wer bezweifelt die Fähigkeit des Menschen zur Orientierung? |
| Streben | Welcher Begriff kennzeichnet Fausts dauernde Suche? |
| Irrtum | Was gehört nach dem Herrn zum menschlichen Weg? |
| Hiob | Welche biblische Figur steht hinter dem Prüfungsmotiv? |
| Prolog | Wie heißt die einleitende Szene im Himmel? |
| Faust | Wer wird zum Gegenstand der Bewährungsprobe? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Menschenbild: Beschreibe das Menschenbild des Herrn in fünf eigenen Sätzen.
- Mephisto: Sammle drei Aussagen, mit denen Mephistos Haltung zum Menschen deutlich wird.
- Faust: Erstelle ein Standbild oder eine Zeichnung zum Begriff „Bewährungsprobe“.
- Prolog im Himmel: Formuliere eine Überschrift für jede Phase der Szene.
Standard
- Streben: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wann Irrtum zu Entwicklung führen kann.
- Buch Hiob: Vergleiche das Prüfungsmotiv in Hiob und Faust in einer kleinen Tabelle.
- Menschenbild: Gestalte ein Streitgespräch zwischen dem Herrn und Mephisto in moderner Sprache.
- Bildanalyse: Untersuche eine der eingebundenen Faust-Illustrationen und erkläre ihre Wirkung.
Schwer
- Faust und Mephisto: Prüfe anhand einer späteren Szene, ob sich Mephistos Menschenbild bestätigt.
- Verantwortung: Diskutiere, ob Streben moralische Fehlentscheidungen entschuldigen kann.
- Theodizee: Untersuche, welche Rolle das Böse innerhalb der Ordnung des Prologs erhält.
- Inszenierung: Entwickle ein kurzes Regiekonzept für den „Prolog im Himmel“ mit Licht, Raum und Körpersprache.


Lernkontrolle
- Menschenbilder vergleichen: Erkläre, wie sich die Vorstellungen des Herrn und Mephistos vom Menschen unterscheiden, und belege dies mit der Szene.
- Bewährungsprobe: Zeige, warum Fausts späterer Weg bereits im Prolog als Prüfung lesbar wird.
- Irrtum und Verantwortung: Beurteile an einem Beispiel aus dem Drama das Verhältnis von menschlichem Irrtum und persönlicher Verantwortung.
- Hiob-Motiv: Erkläre, welche Wirkung die Übernahme und Veränderung des biblischen Prüfungsmotivs hat.
- Gegenkraft: Analysiere, warum Mephisto zugleich Gegenspieler und antreibende Kraft sein kann.
- Transfer: Übertrage die beiden Menschenbilder auf eine heutige Situation, in der ein Mensch scheitert und einen neuen Versuch unternimmt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du:
- die Positionen des Herrn und Mephistos unterscheiden können,
- Fausts Rolle als Gegenstand der Bewährungsprobe erklären,
- die Begriffe Streben, Irrtum, Versuchung und Verantwortung miteinander verbinden,
- den Bezug zum Buch Hiob erläutern,
- die Funktion des Prologs für das gesamte Drama begründen,
- Textaussagen für eine eigene Interpretation nutzen können.
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