FERNSEHN

FERNSEHN
FERNSEHN
FERNSEHN ist ein etwa einminütiges Video von Herbert Wentscher aus dem Jahr 1983. Der Film arbeitet als scheinbar naiver und zugleich ironischer Musikclip mit einer schnellen Folge von Fernsehbildern, farbigen Fernsehgeräten, Musik und knappen sprachlichen Aussagen. Gerade die fröhlich-leichte Oberfläche macht die kritische Wirkung möglich: Das Fernsehen erscheint als selbstverständlicher Begleiter des Alltags, während die rasante Bilderflut, die rückwärts laufende Uhr und der schwarze Bildschirm Fragen nach TV-Konsum, Zeit, Unterhaltung, Information und Mediennutzung aufwerfen.
Regie und künstlerische Konzeption: Herbert Wentscher Entstehung: BRD, 1983 Form: Videokunst / Videolied / ironischer Musikclip Dauer: ca. 1 Minute Zielgruppe dieses aiMOOCs: Klasse 8–12

Einleitung
Fernsehen war lange das Leitmedium des häuslichen Alltags. Nachrichten, Sport, Unterhaltung, Spielfilme und Werbung kamen nacheinander über denselben Bildschirm ins Wohnzimmer. FERNSEHN greift diese Alltagserfahrung auf, verdichtet sie jedoch so stark, dass das Vertraute plötzlich merkwürdig wirkt. In sehr kurzer Zeit erscheinen unterschiedliche Programmgattungen. Die Bilder wechseln so schnell, dass kaum Zeit bleibt, sie zu verarbeiten. Genau darin liegt ein wichtiger Zugang zur Ironie des Films: Was wie eine harmlose Feier des Fernsehens aussehen und klingen kann, lässt zugleich die Überfülle, Austauschbarkeit und Flüchtigkeit des Gesehenen hervortreten.
Der Film gehört zu Herbert Wentschers Reihe Alles bestens – Videolieder, die zwischen 1982 und 1985 entstand. Wentscher verbindet darin einfache, eingängige Formen mit satirischer Distanz. Die Videolieder reagieren auf Alltagsroutinen, Technikbegeisterung, Konsum und die zunehmende Präsenz elektronischer Medien. FERNSEHN ist deshalb nicht nur ein Clip über ein Haushaltsgerät, sondern auch eine Reflexion darüber, wie Medien Wahrnehmung, Zeitgefühl und Gewohnheiten strukturieren.
Für die Klassen 8–9 kannst Du zunächst genau beschreiben, was Du siehst und hörst, und anschließend Widersprüche zwischen fröhlicher Oberfläche und kritischer Wirkung entdecken. In den Klassen 10–12 kannst Du zusätzlich Begriffe wie Montage, Medienkritik, Videokunst, Popkultur, Reizüberflutung und Medienreflexivität verwenden und den Film kunsthistorisch einordnen.
Lernziele
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du FERNSEHN präzise beschreiben, Gestaltungsmittel unterscheiden und ihre Wirkung begründen. Du kannst erklären, wie Musik, Sprache und Bildmontage zusammen einen ironischen Kommentar erzeugen. Außerdem kannst Du den historischen Sendeschluss als Bestandteil des Filmendes deuten, den dargestellten TV-Konsum mit heutiger Mediennutzung vergleichen und den Film als Beispiel für Videokunst einordnen.
Der Film in einer Minute
Die Kürze ist kein Nebeneffekt, sondern ein zentrales Gestaltungsmittel. FERNSEHN komprimiert sehr unterschiedliche Fernseherfahrungen in ungefähr sechzig Sekunden. In wechselnden farbigen Fernsehgeräten erscheinen vorwiegend schwarz-weiße Fernsehbilder. Zu erkennen sind Ausschnitte aus Bereichen wie Nachrichten, Sport, Unterhaltung, Western und Science-Fiction. Dadurch entsteht keine zusammenhängende Handlung. Stattdessen wird das Prinzip des Fernsehens selbst zum Thema: Programm folgt auf Programm, Bild folgt auf Bild, Aufmerksamkeit muss ständig umschalten.

Die farbigen Geräte bilden einen auffälligen Rahmen für die überwiegend schwarz-weißen Programmbilder. Diese Differenz kann als bewusster Kontrast gelesen werden. Das Fernsehgerät wirkt bunt, modern und attraktiv; sein Inhalt erscheint dagegen als rasch wechselndes Material. Das Gerät wird damit nicht bloß zum neutralen Träger von Bildern, sondern selbst zu einem Zeichen für Konsum, Technik und häusliche Unterhaltung.
Beobachtungsauftrag vor der Analyse
Sieh den Film zunächst einmal ohne Notizen. Beim zweiten Durchgang achtest Du nur auf das Bild. Beim dritten Durchgang konzentrierst Du Dich auf Musik und Sprache. Beim vierten Durchgang beobachtest Du die Zeitstruktur: Wie schnell wechseln die Bilder? Wann erscheint die Uhr? Was verändert der schwarze Bildschirm am Schluss?
Wenn Du mit einer Online-Fassung arbeitest, vergleiche sie immer mit der im Unterricht bereitgestellten Version. Das folgende YouTube-Fundstück ist unter dem Titel TV – Herbert Wentscher veröffentlicht und kann als Vergleichsmaterial dienen:
Bildanalyse
Farbige Fernsehgeräte und schwarz-weiße Bilder
Der Film zeigt nicht einfach nur Fernsehinhalte. Er zeigt sie in Fernsehgeräten. Damit wird der Bildschirm als Rahmen sichtbar. Das ist für die Videokunst wichtig, weil das Medium seine eigenen Bedingungen thematisiert. Du siehst nicht nur Nachrichten, Sport oder Unterhaltung, sondern gleichzeitig die Apparatur, durch die diese Bilder in den Alltag gelangen.
Die wechselnden Geräte können als Konsumobjekte verstanden werden. Farbe, Gehäuse und Form machen den Fernseher zu einem sichtbaren Gegenstand des Wohnens. Der Fernseher ist damit zugleich Möbelstück, Technikprodukt, Unterhaltungsmaschine und Bildfenster. Die schnelle Abfolge unterschiedlicher Inhalte verstärkt die Frage, ob der einzelne Inhalt noch wichtig ist oder ob vor allem das dauernde Weiterschauen zählt.
Montage und Bilderflut
Montage bezeichnet die Auswahl und Verbindung einzelner Einstellungen oder Bildsegmente. In FERNSEHN erzeugt die schnelle Montage eine hohe Informationsdichte. Nachrichten, Sport, Unterhaltung und fiktionale Genres stehen dicht nebeneinander. Die Unterschiede zwischen ernst, spannend, lustig, wirklich und erfunden werden in der Wahrnehmung nivelliert, weil kaum Zeit für Verarbeitung bleibt.
| Gestaltungsmittel | Beobachtung | Mögliche Wirkung | Deutung |
|---|---|---|---|
| Schnelle Montage | Viele kurze Fernsehbilder folgen rasch aufeinander. | Unruhe, Beschleunigung, Überforderung | Der Film macht die Flüchtigkeit medialer Aufmerksamkeit erfahrbar. |
| Wechselnde Fernsehgeräte | Die Bildrahmen und Geräte verändern sich. | Abwechslung, Attraktivität, Konsumcharakter | Fernsehen erscheint auch als Produkt- und Alltagskultur. |
| Unterschiedliche Programmgattungen | Information, Sport und Fiktion stehen direkt nebeneinander. | Gleichzeitigkeit und Austauschbarkeit | Inhaltliche Unterschiede drohen in der Bilderfolge zu verschwimmen. |
| Schwarz-weiße Programmbilder | Viele Inhalte wirken älter als die farbigen Geräte. | Distanz und Materialcharakter | Das Fernsehbild wird als vorgefundenes Medienmaterial sichtbar. |
Musik und Text
Das Prinzip des Videolieds
Wentscher bezeichnete die Werkgruppe als Videolieder. Diese Bezeichnung ist hilfreich, weil Bild, Musik und knappe sprachliche Aussagen nicht getrennt funktionieren. Die Musik gibt der schnellen Bildfolge einen Rhythmus und kann die Oberfläche leicht, eingängig und unterhaltsam erscheinen lassen. Gerade diese Eingängigkeit steht in Spannung zu dem, was die Bildmontage sichtbar macht: Informationsfülle, Routine, Medienabhängigkeit und die schnelle Ablösung eines Eindrucks durch den nächsten.
In Beschreibungen der Werkgruppe wird die musikalische Gestaltung als minimalistisch charakterisiert und in die Nähe der damals aktuellen Neuen Deutschen Welle gerückt. Entscheidend für die Analyse ist jedoch nicht das Etikett allein, sondern die Funktion: Die Musik erleichtert den Zugang und kann gleichzeitig eine kritische Distanz verdecken.
Scheinbare Naivität und Ironie
Ironie entsteht, wenn eine Äußerung oder Darstellung nicht einfach wörtlich genommen werden kann, weil Oberfläche und gemeinte Aussage auseinanderfallen. Bei FERNSEHN entsteht diese Spannung aus mehreren Ebenen. Die Form eines kurzen, eingängigen Musikclips kann wie Zustimmung zur Fernsehwelt wirken. Die schnelle Bildfolge, die rückwärts laufende Uhr und der abrupte schwarze Schluss unterlaufen jedoch eine rein positive Lesart.
Wentschers Videolieder arbeiten mit scheinbar einfachen, optimistischen oder alltäglichen Aussagen. Ihre Wiederholung und Zuspitzung kann so wirken, als würden sie die dargestellte Lebensweise feiern. Gleichzeitig macht die Inszenierung sichtbar, wie banal, routiniert oder überfordernd diese Lebensweise sein kann. Die Ironie entsteht deshalb weniger aus einem einzelnen Witz als aus dem Widerspruch zwischen Tonfall, Rhythmus, Bildmaterial und Gesamtsituation.
Musik, Text und Bild als Dreieck
Für eine genaue Analyse solltest Du nicht fragen: „Was sagt der Text?“ und danach getrennt: „Was zeigt das Bild?“ Spannender ist die Frage: Was passiert zwischen den Ebenen?
| Ebene | Funktion im Film | Analytische Frage |
|---|---|---|
| Musik | Gibt Tempo, Leichtigkeit und Wiedererkennbarkeit. | Unterstützt die Musik den Inhalt oder macht sie ihn erst ironisch? |
| Sprache/Text | Verdichtet die Haltung in knappen, scheinbar einfachen Aussagen. | Klingt das Gesagte zustimmend, übertrieben oder doppeldeutig? |
| Bild | Liefert die eigentliche Überfülle und den Wechsel der Fernsehwelten. | Bestätigen die Bilder den Text oder widersprechen sie ihm? |
| Montage | Verbindet alle Ebenen in hoher Geschwindigkeit. | Wie verändert das Tempo Deine Fähigkeit, einzelne Inhalte zu erinnern? |
Die Uhr, die rückwärts läuft
Gegen Ende des Films läuft eine Uhr rückwärts; zugleich ist es kurz nach zwölf. Dieses Motiv unterbricht die scheinbar normale Zeitordnung. Fernsehen strukturiert Alltag häufig über feste Sendezeiten, Programmschemata und Rituale. Die rückwärts laufende Uhr kann deshalb als Störung dieser Ordnung gelesen werden. Sie macht Zeit selbst zum Thema.
Eine mögliche Deutung lautet: Beim Fernsehen vergeht Zeit, ohne dass sie bewusst wahrgenommen wird. Eine andere Deutung betont die Künstlichkeit des Fernsehprogramms: Medien ordnen Zeit, wiederholen Ereignisse, schneiden Vergangenheit und Gegenwart zusammen und erzeugen ihre eigene Taktung. Wichtig ist, dass Du eine Deutung mit konkreten Beobachtungen am Film begründest.
Sendeschluss und schwarzer Bildschirm
Zur Entstehungszeit des Films endete das Fernsehprogramm in Deutschland noch täglich mit einem Sendeschluss. Anders als heutige Streamingplattformen oder rund um die Uhr sendende Programme bot das Fernsehen also einen sichtbaren Endpunkt. In FERNSEHN wird der Bildschirm am Schluss schwarz. Dadurch wird der Konsum nicht nur beendet, sondern als begrenzte Routine sichtbar.

Ein Testbild oder ein schwarzer Bildschirm gehört zur Geschichte des analogen Fernsehens. Für heutige Zuschauerinnen und Zuschauer kann das ungewohnt sein. Gerade deshalb ist der historische Kontext wichtig: Der Film spielt mit einer Fernsehkultur, in der das Gerät zwar zentral im Alltag stand, aber nicht jederzeit unendlich viele Inhalte bereitstellte.
TV-Konsum als Alltagsroutine
Der Film fragt nicht statistisch, wie viele Stunden Menschen fernsehen. Er beobachtet vielmehr eine kulturelle Gewohnheit: Fernsehen ist da. Es begleitet Freizeit, strukturiert Abende, liefert Gesprächsstoff und mischt Information mit Unterhaltung. Die vielen Programmgattungen im Film zeigen, dass Fernsehen sehr unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig bedient.

Der kritische Kommentar richtet sich deshalb nicht einfach gegen Unterhaltung. Er fragt vielmehr, was passiert, wenn der Wechsel der Inhalte selbst zur Routine wird. Wenn Nachrichten, Sport, Western und Science-Fiction im selben Tempo vorbeiziehen, kann die Grenze zwischen Bedeutung und bloßem Reiz unscharf werden.
Vom Umschalten zum Scrollen
Heute stehen neben linearem Fernsehen auch Streaming, Kurzvideo-Plattformen, soziale Netzwerke und Mediatheken zur Verfügung. Dadurch verändert sich zwar die Form des Medienangebots, doch Wentschers Grundfrage bleibt anschlussfähig: Wie verändert eine schnelle Folge attraktiver Inhalte unsere Aufmerksamkeit?
Der Vergleich darf nicht vorschnell lauten „Früher war Fernsehen schlecht, heute sind soziale Medien schlecht“. Sinnvoller ist eine strukturelle Analyse. Beim linearen Fernsehen entscheidet ein Programmschema über die Folge; beim Feed entscheiden Plattformlogiken, Empfehlungen und eigenes Scrollen mit. Gemeinsam ist beiden Formen, dass ein Inhalt sehr schnell durch den nächsten ersetzt werden kann.
Einordnung als Videokunst
Videokunst nutzt elektronische Bewegtbilder nicht bloß als Aufnahmeverfahren, sondern als künstlerisches Ausdrucks- und Reflexionsmedium. Seit den 1960er-Jahren experimentierten Künstlerinnen und Künstler mit Fernsehgeräten, Kameras, Monitoren, elektronischer Bildverarbeitung und Übertragung. Häufig wurde dabei das Fernsehen selbst zum Gegenstand der Kunst.

Herbert Wentscher zählt zu den frühen deutschen Künstlern, die Video als eigenständiges künstlerisches Medium untersuchten. Seine Arbeiten verbinden Humor, Ironie und Elemente der Popkultur mit einer Reflexion über elektronische Medien. FERNSEHN ist dafür ein gutes Beispiel: Der Film benutzt die Ästhetik eines Musikclips, untersucht aber gleichzeitig das Fernsehen als Apparat, Bildlieferant und Alltagsroutine.
Abgrenzung zum klassischen Musikvideo
Ein klassisches Musikvideo dient häufig dazu, ein Musikstück visuell zu präsentieren oder zu bewerben. FERNSEHN übernimmt zwar die Kürze, Eingängigkeit und rhythmische Bildgestaltung eines Clips, richtet die Aufmerksamkeit aber auf das Medium selbst. Es geht nicht nur darum, Musik zu bebildern. Die Verbindung von Ton und Bild erzeugt eine künstlerische Aussage über Medienkonsum.
Darin liegt die Nähe zu Medienkunst: Das Werk thematisiert die Bedingungen seiner eigenen Sichtbarkeit. Der Fernseher zeigt Fernsehen, und die Videokunst benutzt Videotechnik, um über Fernsehtechnik und Fernsehkultur nachzudenken.
Kunsthistorischer Kontext: Video als neues Medium
Für die Geschichte der Videokunst ist Nam June Paik eine zentrale Figur. Er arbeitete mit Fernsehgeräten, Videosignalen und elektronischen Bildern und zeigte, dass der Bildschirm nicht nur ein Massenmedium, sondern auch künstlerisches Material sein kann. Ein Vergleich hilft Dir, Wentschers Arbeit in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Das folgende Video des Smithsonian American Art Museum zeigt, wie elektronische Technik, Bildschirme und Popkultur in Paiks Werk zusammenkommen:
Historischer Kontext: Fernsehen um 1983
1983 befand sich das westdeutsche Fernsehen in einer deutlich anderen Medienlandschaft als heute. Lineare Programme, feste Sendezeiten und eine begrenzte Programmauswahl prägten die Nutzung; On-Demand-Angebote wie heutige Streamingdienste gab es nicht. Der tägliche Sendeschluss war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Mediennutzung zeitlich begrenzt war. Genau deshalb kann der schwarze Schluss von FERNSEHN als historisches Detail und als künstlerisches Zeichen zugleich gelesen werden.

Die schnelle Bildmontage erinnert gleichzeitig an den Boom des Musikclips zu Beginn der 1980er-Jahre. Wentscher übernimmt eine populäre Form, ohne sie bloß nachzuahmen. Er nutzt sie, um das Versprechen ständiger Unterhaltung und den Reiz des schnellen Wechsels zu untersuchen.
Analysemodell für den Unterricht
Eine überzeugende Filmanalyse verbindet Beobachtung, Wirkung und Deutung. Vermeide Aussagen wie „Die Szene ist hektisch, weil sie hektisch ist“. Benenne zuerst ein konkretes Mittel, beschreibe dann seine Wirkung und begründe anschließend eine Interpretation.
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Beobachtung | Mehrere sehr kurze Fernsehausschnitte folgen direkt aufeinander. |
| Wirkung | Einzelne Inhalte lassen sich nur schwer festhalten und erinnern. |
| Deutung | Die Montage kann als Kritik an einer Mediennutzung gelesen werden, bei der der Wechsel wichtiger wird als der einzelne Inhalt. |
Eine gute Analyse lässt auch Alternativen zu. Die bunten Geräte können beispielsweise als attraktive Konsumobjekte, als nostalgische Designobjekte oder als bewusst künstliche Bühnen für das Fernsehbild gedeutet werden. Entscheidend ist, dass Du Deine Lesart am Film belegst.
Leitfragen zur Interpretation
- Ironie erkennen: Welche Elemente wirken zunächst fröhlich oder harmlos, und wodurch kippt diese Wirkung?
- Montage untersuchen: Wie verändert die Geschwindigkeit der Bildwechsel Deine Wahrnehmung?
- Fernsehen als Alltag: Welche Rolle hat das Fernsehgerät als Gegenstand im Film?
- Zeit deuten: Was kann die rückwärts laufende Uhr bedeuten?
- Schluss analysieren: Welche Wirkung erzeugt der schwarze Bildschirm?
- Videokunst einordnen: Inwiefern reflektiert der Film sein eigenes Medium?
- Transfer leisten: Welche Parallelen und Unterschiede gibt es zu heutigen Feeds, Shorts und Streamingangeboten?
Quellen und Hinweise
- AG Kurzfilm: 100 Kurzfilme für die Bildung: Einordnung von FERNSEHN als Videokunst, Filmdaten und Beschreibung zentraler Motive.
- Herbert Wentscher: Videoarbeiten: Werkverzeichnis und Kontext der Reihe Alles bestens – Videolieder.
- Wikipedia: Herbert Wentscher: Biografischer und werkbezogener Überblick.
- Wikipedia: Videokunst: Überblick zur Entwicklung und zu Grundformen der Videokunst.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr entstand FERNSEHN? (1983) (!1963) (!1993) (!2003)
Wie lang ist FERNSEHN ungefähr? (Eine Minute) (!Zehn Minuten) (!Eine halbe Stunde) (!Eine Stunde)
Welcher Kontrast prägt die Bildgestaltung besonders? (Farbige Fernsehgeräte und vorwiegend schwarzweiße Programmbilder) (!Stumme Naturaufnahmen und handgeschriebene Briefe) (!Eine einzige Kamerafahrt durch ein Fernsehstudio) (!Nur blaue Flächen ohne erkennbare Motive)
Was geschieht mit der Uhr gegen Ende des Films? (Sie läuft rückwärts) (!Sie zerbricht) (!Sie bleibt bei sechs Uhr stehen) (!Sie wird durch einen Kalender ersetzt)
Was verweist der schwarze Bildschirm am Ende historisch mit an? (Auf den damaligen Sendeschluss) (!Auf den Beginn des Farbfernsehens) (!Auf eine Kinopause) (!Auf einen Stromausfall im Studio)
Wodurch entsteht die Ironie des Films besonders? (Durch die Spannung zwischen eingängiger Oberfläche und kritischer Wirkung) (!Durch eine ausschließlich traurige Musik ohne Bilder) (!Durch eine sachliche Nachrichtensendung ohne Montage) (!Durch eine realistische Spielfilmhandlung mit Dialogen)
Welches Thema wird durch die schnelle Bildfolge besonders sichtbar? (Die Flüchtigkeit medialer Aufmerksamkeit) (!Die Herstellung eines Fernsehgeräts) (!Die Geschichte der Raumfahrttechnik) (!Die Regeln eines Sportwettbewerbs)
Warum lässt sich FERNSEHN als Videokunst einordnen? (Weil Video und Fernsehen zugleich Mittel und Gegenstand der künstlerischen Reflexion sind) (!Weil der Film vollständig ohne elektronische Bilder auskommt) (!Weil er ausschließlich eine Werbeanzeige für Fernsehgeräte ist) (!Weil er nur eine Theateraufführung dokumentiert)
Welche Funktion hat die schnelle Montage? (Sie verdichtet unterschiedliche Inhalte und erschwert ihre Verarbeitung) (!Sie verlängert jede Einstellung auf mehrere Minuten) (!Sie verhindert jeden Wechsel zwischen Programmgattungen) (!Sie macht den Film zu einer ungeschnittenen Liveaufnahme)
Welcher heutige Medienvergleich passt besonders gut zur Grundfrage des Films? (Der Vergleich mit schnell wechselnden Feeds und Kurzvideos) (!Der Vergleich mit einem gedruckten Wörterbuch) (!Der Vergleich mit einer unbeschriebenen Leinwand) (!Der Vergleich mit einem ausgeschalteten Radio ohne Empfang)
Memory
| Rückwärtsuhr | gestörte Zeitordnung |
| Sendeschluss | Ende des Programms |
| Montage | schnelle Bildfolge |
| Ironie | Spannung zwischen Oberfläche und Aussage |
| Videokunst | künstlerische Reflexion elektronischer Bilder |
| Reizüberflutung | Übermaß an rasch wechselnden Eindrücken |
| Fernsehgerät | Medium und Alltagsobjekt |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Farbige Fernsehgeräte | sichtbarer Rahmen der Programmbilder |
| Schwarzweiße Ausschnitte | wechselnde Fernsehinhalte |
| Schnelle Montage | beschleunigte Wahrnehmung |
| Rückwärtsuhr | Störung der normalen Zeitordnung |
| Schwarzer Bildschirm | Ende und Sendeschluss |
| Eingängige Musik | scheinbar leichte Oberfläche |
Kreuzworträtsel
| Ironie | Welche Darstellungsweise entsteht aus der Spannung zwischen scheinbarer Zustimmung und Kritik? |
| Montage | Wie heißt die Verbindung und Anordnung einzelner Einstellungen? |
| Fernseher | Welches Alltagsgerät wird im Film selbst sichtbar inszeniert? |
| Sendeschluss | Wie heißt das frühere tägliche Ende des Fernsehprogramms? |
| Videokunst | Zu welcher Kunstform lässt sich FERNSEHN einordnen? |
| Konsum | Welcher Begriff bezeichnet die Nutzung und den Verbrauch medialer Angebote? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildprotokoll: Halte den Film in sechs bis acht Stichwortbildern fest und notiere, welche Programmgattung Du jeweils erkennst.
- Klangbeobachtung: Beschreibe in einem kurzen Absatz, wie die Musik auf Dich wirkt, ohne bereits eine Deutung zu geben.
- Ironie-Signal: Wähle drei Momente aus, die zunächst harmlos erscheinen, und erkläre, wodurch sie eine doppeldeutige Wirkung bekommen.
- Medientagebuch: Beobachte einen Tag lang, wie oft Du zwischen Medienangeboten wechselst, und vergleiche Deine Erfahrung mit der schnellen Montage des Films.
Standard
- Einstellungsprotokoll: Erstelle für mindestens 20 Sekunden des Films ein Protokoll aus Bildinhalt, Dauer, Ton und möglicher Wirkung.
- Vergleich 1983 und heute: Vergleiche lineares Fernsehen mit einem heutigen Streamingdienst oder Kurzvideo-Feed und arbeite mindestens drei Unterschiede und zwei Gemeinsamkeiten heraus.
- Storyboard: Entwirf ein eigenes sechzigsekündiges Storyboard zum Thema „Scrollen“, das mit scheinbar positiver Oberfläche eine kritische Aussage entwickelt.
- Bild-Ton-Montage: Schneide aus selbst aufgenommenem oder frei lizenziertem Material einen kurzen Clip, bei dem fröhliche Musik und kritische Bilder bewusst gegeneinander arbeiten.
Schwer
- Videokunst-Essay: Begründe in einem strukturierten Essay, warum FERNSEHN mehr ist als ein Musikclip und als medienreflexive Videokunst gelesen werden kann.
- Vergleich mit Nam June Paik: Wähle ein Werk von Nam June Paik und vergleiche, wie dort und bei Wentscher der Fernseher als künstlerisches Material oder Thema eingesetzt wird.
- Rezeptionsforschung: Befrage mindestens fünf Personen aus zwei Altersgruppen dazu, welche Rolle Fernsehen früher und heute im Alltag spielt, und werte die Antworten im Hinblick auf FERNSEHN aus.
- Kuratorisches Projekt: Konzipiere eine kleine Ausstellung mit FERNSEHN und drei weiteren Medienkunstwerken zum Thema „Bildschirmalltag“ und verfasse für jedes Werk einen kurzen Wandtext.


Lernkontrolle
- Ironie analysieren: Erkläre anhand von mindestens drei Gestaltungsmitteln, wie der Film eine scheinbar positive Oberfläche erzeugt und diese zugleich kritisch unterläuft.
- Zeit und Medien: Entwickle zwei unterschiedliche Deutungen der rückwärts laufenden Uhr und entscheide anschließend, welche Du überzeugender findest.
- Historischer Transfer: Zeige, wie sich die Bedeutung des schwarzen Schlussbildes verändert, wenn eine Zuschauerin den historischen Sendeschluss kennt oder nicht kennt.
- Medienvergleich: Vergleiche die schnelle Fernsehbildfolge des Films mit einem heutigen Kurzvideo-Feed. Untersuche dabei Auswahl, Tempo, Aufmerksamkeit und Kontrolle durch die Nutzenden.
- Videokunst begründen: Formuliere eine Definition von Videokunst und prüfe an vier Merkmalen, inwiefern FERNSEHN diese Definition erfüllt.
- Gegenposition entwickeln: Formuliere die These, der Film sei keine Medienkritik, sondern eine humorvolle Feier des Fernsehens. Prüfe diese Gegenposition fair und widerlege oder bestätige sie mit Beobachtungen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu FERNSEHN ist wichtig, dass Du nicht nur den Inhalt wiedergibst, sondern Zusammenhänge zwischen Gestaltung und Aussage herstellst. Ein überzeugender Lernnachweis sollte zeigen, dass Du:
- Filmbeschreibung: zentrale Bildelemente, die schnelle Montage, die Uhr und den Schluss präzise beschreiben kannst.
- Bild-Ton-Analyse: erklären kannst, wie Musik, Sprache, Bild und Schnitt zusammenwirken.
- Ironie: den Unterschied zwischen scheinbarer Oberfläche und kritischer Lesart nachvollziehbar begründest.
- Mediengeschichte: die Bedeutung des historischen Sendeschlusses für das Filmende erklären kannst.
- Videokunst: den Film als medienreflexive künstlerische Arbeit einordnen kannst.
- Transfer: einen begründeten Vergleich zwischen TV-Konsum um 1983 und heutiger digitaler Mediennutzung herstellen kannst.
- Argumentation: Beobachtung, Wirkung und Deutung voneinander unterscheiden und mit konkreten Beispielen verbinden kannst.
OERs zum Thema
Für die kunstgeschichtliche Einordnung eignen sich besonders die Wikipedia-Artikel zu Videokunst und Herbert Wentscher.
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