Elton John - Candle in the Wind 1997

Elton John - Candle in the Wind 1997
Einleitung
Candle in the Wind 1997 von Elton John ist eine 1997 entstandene Neufassung des 1973 veröffentlichten Songs Candle in the Wind. Die Musik blieb im Kern die bekannte Komposition von Elton John, während Bernie Taupin den Text für die Trauerfeier von Diana, Princess of Wales vollständig auf den neuen Anlass ausrichtete. Diana starb am 31. August 1997 in Paris; die Trauerfeier fand am 6. September 1997 in der Westminster Abbey statt. Elton John sang dort die neue Fassung öffentlich. Noch am selben Tag wurde anschließend im Londoner Studio The Town House eine Studiofassung unter der Leitung des Produzenten George Martin aufgenommen.
Dieser aiMOOC untersucht nicht nur den historischen Anlass, sondern vor allem genau die Aufnahme von 1997: ihre besondere Besetzung, ihre Produktion, ihre Form, Harmonik und Klangdramaturgie, die Veränderung gegenüber der Version von 1973 sowie die Verbindung von privater Trauer, öffentlicher Erinnerung und globaler Popkultur. Geschützte Liedtexte werden dabei nicht vollständig wiedergegeben. Als kurzes Zitat genügt die eröffnende Wendung „Goodbye England’s rose“; die weitere Inhaltserschließung erfolgt sinngemäß auf Deutsch.


Die beiden Bilder stammen aus Wikimedia Commons und sind unter freien Creative-Commons-Lizenzen verfügbar. Bei einer Weiterverwendung gelten die Lizenz- und Namensnennungsbedingungen auf der jeweiligen Dateiseite.
Hörbeispiel: Studioaufnahme von 1997
Das folgende Hörbeispiel stammt aus dem offiziellen Künstlerkanal von Elton John und wird über YouTube eingebettet. Es enthält die Studioaufnahme der 1997er Fassung; die Aufnahme selbst bleibt urheberrechtlich geschützt und wird hier nicht kopiert, sondern über die Plattform eingebunden.
Beim Hören kannst Du zunächst auf fünf Ebenen achten: Klavier, Stimme, Streicher, Holzbläser und die Entwicklung der Lautstärke. Notiere, wann der Klang dichter wird und wann er wieder zurückgenommen wirkt.
Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext
Dianas Tod löste im Vereinigten Königreich und international eine außergewöhnlich sichtbare öffentliche Trauer aus. Blumen, Briefe und persönliche Botschaften wurden in großer Zahl an Orten wie dem Kensington Palace niedergelegt. In diesem Umfeld erhielt ein bereits bekannter Song eine neue gesellschaftliche Funktion: Aus einer Reflexion über Marilyn Monroe wurde eine musikalische Trauerrede für Diana.

Bernie Taupin überarbeitete den Text in sehr kurzer Zeit. Elton Johns offizielle Chronik beschreibt die 1997er Fassung als gemeinsame Würdigung Dianas und zitiert Taupins Absicht, nicht nur aus persönlicher Perspektive zu schreiben, sondern gleichsam eine Stimme für ein Land zu schaffen. Damit verändert sich die Sprecherposition gegenüber der ursprünglichen Fassung von 1973: Die neue Version formuliert kollektive Erinnerung statt vorwiegend individueller Beobachtung.
Zeitgenössische Berichte belegen, dass Elton John die neue Fassung am 6. September 1997 bei der Trauerfeier sang und anschließend am selben Nachmittag zur Studioaufnahme ging. Die Irish Times berichtete am 12. September 1997, die Aufnahme sei im Londoner Townhouse Studio mit George Martin am Mischpult entstanden. Genau diese zeitliche Nähe zwischen öffentlicher Aufführung und Studioaufnahme ist eine der wichtigsten Besonderheiten der Version von 1997.
Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme
- Aufnahme unmittelbar nach der Trauerfeier: Die Studiofassung wurde am Nachmittag des 6. September 1997 im Town House in London aufgenommen, also direkt nach Elton Johns Auftritt in Westminster Abbey. Die Entstehungssituation war damit ungewöhnlich eng an das öffentliche Ereignis gekoppelt.
- George Martin als Produzent: Produzent war George Martin, der vor allem durch seine jahrzehntelange Arbeit mit den Beatles bekannt geworden war. Für Candle in the Wind 1997 gestaltete er eine bewusst kammermusikalische Produktion.
- Besetzung ohne übliche Rock-Rhythmusgruppe: Apple Music nennt für die Aufnahme Elton John an Gesang und Klavier, Peter Manning und Keith Pascoe an den Violinen, Levine Andrade an der Viola, Andrew Shulman am Violoncello sowie Pippa Davies an Oboe und Flöte. Bassgitarre und Schlagzeug werden für diese Aufnahme nicht als Mitwirkende geführt. Das unterscheidet sie deutlich von der Bandaufnahme von 1973.
- Eigener Text für Diana bei weitgehend erhaltener Komposition: Bernie Taupin schrieb einen neuen Text für den Anlass, während die musikalische Grundgestalt der älteren Komposition erhalten blieb. Dadurch lässt sich besonders gut untersuchen, wie ein vorhandenes musikalisches Modell durch neue Worte eine neue kulturelle Funktion erhält.
- Studiofassung und Trauerfeier-Fassung sind nicht identisch: Bei der Trauerfeier war Elton John vor allem mit Stimme und Klavier zu hören. Die anschließend produzierte Single ergänzt dagegen Streichquartett sowie Flöte und Oboe. Dadurch wird aus der unmittelbaren Live-Trauerrede eine fein orchestrierte Studiofassung.
- Außergewöhnliche Stellung im Repertoire: Elton John hat die Diana-Fassung nach der Trauerfeier nicht zu einem normalen Bestandteil seiner Konzerte gemacht. Die Version blieb dadurch stark an ihren einmaligen Gedenkanlass gebunden.
Stil und Genre
Candle in the Wind 1997 lässt sich als Popballade beziehungsweise als zurückhaltend produzierter Adult-Contemporary-Pop beschreiben. Entscheidend ist weniger eine harte Genregrenze als die Kombination mehrerer Merkmale: langsame beziehungsweise in großen Pulsen empfundene Bewegung, deutliche Textverständlichkeit, harmonische Übersichtlichkeit, klavierzentrierte Begleitung und eine emotionale Steigerung ohne dominanten Rock-Groove.
Die Wirkung nähert sich stellenweise einer modernen Hymne oder einem Trauergesang an, ohne formal ein Kirchenlied zu sein. Der sakrale Eindruck entsteht vor allem aus dem Kontext, der getragenen Gesangsgestaltung, der sparsamen Rhythmik und der kammermusikalischen Klangfarbe.
Melodie und Harmonik
Veröffentlichte Notenausgaben führen die Fassung in E-Dur. Eine musikwissenschaftliche Untersuchung zur Form populärer Songs analysiert den ersten Vers als Bewegung vor allem zwischen der Tonika E-Dur und der Subdominante A-Dur; der Refrain setzt auffällig auf der Dominante B-Dur ein. Dadurch beginnt der Refrain harmonisch nicht einfach mit einer stabilen Rückkehr zur Tonika, sondern mit einer leichten Spannung, die erst im weiteren Verlauf wieder aufgelöst wird.

Die harmonische Sprache bleibt insgesamt tonal und gut nachvollziehbar. Wichtige Funktionen sind:
- Tonika: E-Dur als klangliches Zentrum.
- Subdominante: A-Dur als häufige Öffnung vom Zentrum weg.
- Dominante: B-Dur beziehungsweise B7 als Spannung vor der Rückkehr.
- Tonikaparallele: cis-Moll bringt im Refrain einen dunkleren Farbwechsel in die ansonsten klare Dur-Umgebung.
Die Melodie bewegt sich höranalytisch überwiegend in gut singbaren, verbundenen Linien mit Tonwiederholungen und überschaubaren Intervallsprüngen. Größere Spannungswirkungen entstehen weniger durch virtuose Melodiksprünge als durch Phrasenlänge, Register, Textakzent, Harmonie und Dynamik.
Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: harmonisches Modell
Das folgende Beispiel ist nicht die Melodie oder Partitur des Songs. Es ist ein neu geschaffenes Analysemodell, das nur die Grundidee einer Kadenz in E-Dur demonstriert.

Die Akkordfolge zeigt als abstraktes Modell die Funktionen I – IV – V – I. Solche tonalen Beziehungen helfen Dir, die Stabilität und Spannung beim Hören einzuordnen, ohne die geschützte Originalpartitur zu reproduzieren.
Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: melodische Spannung und Rückkehr
Auch dieses Beispiel ist vollständig neu erfunden und dient nur dazu, eine steigende und anschließend zurückkehrende melodische Kontur zu verdeutlichen.

Achte beim Original darauf, ob eine Phrase eher ansteigt, auf einem Ton verharrt oder zum tonalen Zentrum zurückführt. Beschreibe die Wirkung, ohne die Originalmelodie auszuschreiben.
Rhythmus und Metrum
Eine veröffentlichte Piano-Vocal-Guitar-Ausgabe notiert den Song im 2/2-Takt und nennt ungefähr Viertel = 118. Für das Hören ist wichtig, dass ein notierter Viertelpuls von etwa 118 nicht zwangsläufig schnell wirkt: In einem getragenen 2/2 lässt sich der musikalische Fluss als zwei große Schläge pro Takt empfinden. Dadurch entsteht ein ruhiger, weiter Puls.
Der Rhythmus wird nicht durch ein Schlagzeug dominiert. Stattdessen geben Klavieranschläge, Sprachrhythmus und Phrasenenden die Orientierung. Die fehlende, deutlich markierte Rock-Rhythmusgruppe trägt erheblich zur würdevollen und intimen Wirkung bei.
Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: großer Zweierpuls
Dieses rein rhythmische Modell stammt nicht aus dem Song. Klopfe zuerst alle Viertel, dann nur die beiden großen Halben-Schläge pro Takt. Vergleiche, welche Wahrnehmung besser zum Charakter einer getragenen Ballade passt.
Gesang
Elton Johns Gesang steht klanglich klar im Vordergrund. Die Artikulation ist deutlich, die Phrasierung textbezogen und weitgehend frei von virtuoser Verzierung. Das unterstützt die Funktion des Stücks als musikalische Ansprache. Besonders auffällig ist der Wechsel zwischen zurückgenommener Intimität und stärkerem emotionalem Druck in den Refrains.
Die Stimme wirkt nicht isoliert dramatisch, sondern ist eng mit dem Klavier verbunden. Klavier und Gesang bilden das Zentrum; die übrigen Instrumente erweitern den emotionalen Raum, ohne dieses Zentrum zu verdrängen.
Instrumentierung und Arrangement
Apple Music führt für die Studioaufnahme folgende Mitwirkende: Elton John – Gesang und Klavier; Peter Manning und Keith Pascoe – Violine; Levine Andrade – Viola; Andrew Shulman – Violoncello; Pippa Davies – Oboe und Flöte. Produzent ist George Martin.

Ein Streichquartett besitzt zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello. In der 1997er Aufnahme dient diese Besetzung nicht als selbständiges klassisches Ensemble, sondern als fein abgestufte Klangschicht um Stimme und Klavier. Die Flöte kann Helligkeit und Luftigkeit erzeugen, die Oboe eine fokussierte, leicht klagende Farbe. Die Wirkung hängt dabei nicht nur vom Instrument selbst, sondern von Lage, Dynamik, Artikulation und Mischung ab.
Bemerkenswert ist, was nicht im Zentrum steht: kein starkes Schlagzeug, keine markante Basslinie, kein Gitarrenriff. Dadurch bleibt die Aufmerksamkeit auf Text, Stimme und harmonischer Bewegung.
Produktion
George Martins Produktion nutzt Zurückhaltung als Gestaltungsmittel. Die Aufnahme wirkt nicht wie eine groß angelegte Pop-Produktion mit dichter Schichtung, sondern eher wie eine verfeinerte Kammerfassung einer Klavierballade. Die Streicher und Holzbläser werden eingesetzt, um emotionale Übergänge zu stützen, nicht um das Klavier zu ersetzen.
Produktion bedeutet hier deshalb vor allem:
- Klanghierarchie: Stimme und Klavier bleiben vorne.
- Dynamische Erweiterung: Streicher können Refrains vergrößern, ohne einen harten Lautstärkesprung zu erzeugen.
- Klangfarbenkontrast: Holzbläser setzen feinere Farbakzente.
- Raumwirkung: Die Aufnahme erhält mehr Tiefe und Weite als eine reine Piano-Vocal-Fassung.
- Respekt vor dem Anlass: Die Produktion vermeidet demonstrative Virtuosität und auffällige Effekte.
Songform
Die Fassung folgt einer klaren Strophe-Refrain-Organisation. Vereinfacht lässt sie sich als Intro – Strophe – Refrain – Zwischenspiel – Strophe – Refrain – Schlussstrophe – Refrain/Coda beschreiben. Die Wiederholung des Refrains stabilisiert das Erinnerungsmotiv, während die letzte Strophe den Abschiedscharakter verdichtet.
Eine musikwissenschaftliche Formanalyse beschreibt die Strophe als zwei verwandte Phrasen und hebt hervor, dass der Refrain harmonisch auf der Dominante beginnt. Diese kleine Abweichung von einer sofortigen Tonika-Rückkehr trägt zur Spannung des Formübergangs bei.
Textthemen und Bildsprache
Der Text von 1997 ist keine wörtliche Übertragung des Textes von 1973, sondern eine neue Würdigung Dianas. Aus urheberrechtlichen Gründen wird hier kein vollständiger Text wiedergegeben.
Die kurze eröffnende Formulierung „Goodbye England’s rose“ lässt sich sinngemäß als Abschied von einer Person verstehen, die als öffentliches Symbol Englands erinnert wird. Die Rose verbindet Schönheit, Verletzlichkeit und nationale Symbolik. Die zentrale Kerzenmetapher stellt Leben als leuchtend, aber gefährdet dar: Eine Flamme kann sichtbar strahlen und zugleich durch äußere Kräfte ausgelöscht werden.
Weitere Bildfelder lassen sich sinngemäß so erschließen:
- Naturbilder: Landschaft und Rose verbinden persönliche Erinnerung mit einem nationalen Raum.
- Lichtbilder: Kerze, Leuchten und Erinnerung markieren die Spannung zwischen Vergänglichkeit und Fortwirkung.
- Bewegungsbilder: Spuren und Schritte stehen für das, was von einem Menschen im kollektiven Gedächtnis bleibt.
- Transzendenz: Bilder von Himmel und Sternen verschieben die Perspektive vom Tod zur Erinnerung.
- Kollektive Stimme: Der Text spricht nicht nur aus der Sicht eines Einzelnen, sondern konstruiert ein gemeinsames „Wir“ der Trauernden.
Sinngemäße Inhaltserschließung auf Deutsch
In der ersten Strophe wird Diana als mitfühlende öffentliche Figur erinnert, die Menschen in schwierigen Situationen wahrnahm. Der Refrain verbindet ihre Sichtbarkeit mit der Verletzlichkeit eines kurzen Lebens und stellt dem Tod die fortdauernde Erinnerung gegenüber.
Die zweite Strophe richtet den Blick stärker auf die Leerstelle, die durch ihren Tod entstanden ist. Trauer wird nicht als privates Gefühl einer einzelnen Person dargestellt, sondern als gesellschaftlich geteilte Erfahrung.
Die Schlussstrophe kehrt zum Abschiedsmotiv zurück und bündelt die Wertschätzung ihrer öffentlichen Rolle. Die sinngemäße Kernaussage lautet: Ein Leben kann enden, während die Erinnerung an Mitgefühl, Wirkung und öffentliche Bedeutung fortbesteht.
Die Kerze als Metapher

Die Kerze ist als Bild besonders wirksam, weil sie mehrere Bedeutungen gleichzeitig trägt: Licht, Wärme, Erinnerung, Zerbrechlichkeit und Endlichkeit. In Gedenkkulturen werden Kerzen außerdem real verwendet, sodass die Metapher unmittelbar an vertraute Rituale anschließt.
Für Deine Analyse ist wichtig, zwischen Textbedeutung und kultureller Symbolik zu unterscheiden. Die Kerze ist im Song ein poetisches Bild; zugleich besitzt sie außerhalb des Songs bereits eine lange Tradition als Zeichen des Gedenkens.
Vergleich mit der Originalfassung von 1973
Das Original von 1973 entstand für das Album Goodbye Yellow Brick Road und bezieht sich auf Marilyn Monroe. Die offizielle Elton-John-Seite beschreibt es als Ballade in E-Dur mit nachdenklichem Klavierpart und Gitarrenbegleitung. Die Credits der Originalaufnahme nennen Elton John an Klavier und Gesang, Davey Johnstone an Gitarren, Dee Murray am Bass und Nigel Olsson am Schlagzeug; Johnstone, Murray und Olsson sangen außerdem die charakteristischen Backing Vocals. Produzent war Gus Dudgeon.
Hörbarer Unterschied 1973 zu 1997: Die 1973er Version ist stärker als Bandaufnahme gestaltet. Gitarre, Bass, Schlagzeug und mehrstimmige Hintergrundstimmen erzeugen einen deutlich pop-rockigeren Klangkörper. Die 1997er Studiofassung reduziert dagegen die Rhythmusgruppe und ersetzt den Bandcharakter durch Klavier, Streichquartett und Holzbläser. Dadurch wirkt sie weniger groove-orientiert und stärker wie eine Gedenkballade.
Textlicher Unterschied: Die Fassung von 1973 reflektiert den Mythos Marilyn Monroe und den Umgang der Öffentlichkeit mit einem früh verstorbenen Star. 1997 wird die gleiche Grundkomposition auf Diana bezogen und als kollektiver Abschied umgedeutet.
Vergleich mit der Livefassung bei Dianas Trauerfeier
Die Livefassung vom 6. September 1997 besitzt eine besondere dokumentarische Funktion, weil sie Teil der realen Trauerfeier war. Im Unterschied zur später am selben Tag aufgenommenen Studiofassung steht dort Elton John allein beziehungsweise fast ausschließlich mit Stimme und Klavier im Mittelpunkt. Die Studioversion fügt anschließend die kammermusikalischen Farben von Streichquartett, Flöte und Oboe hinzu.
Höre beide Fassungen möglichst direkt nacheinander. Prüfe dabei:
- Wie verändert sich die Wirkung durch die zusätzlichen Streicher?
- Welche Version wirkt unmittelbarer, welche stärker gestaltet?
- Wie unterscheiden sich Tempoempfinden, Rubato und Phrasenenden?
- Welche Rolle spielt das Wissen um den Aufführungsort für Deine Wahrnehmung?
Vergleich mit der Live-Single der 1980er Jahre
Eine weitere interessante Vergleichsebene ist die 1986 in Sydney aufgenommene Livefassung des ursprünglichen Candle in the Wind. Elton Johns offizielle Website weist darauf hin, dass diese Fassung zwar mit dem Hinweis auf das Melbourne Symphony Orchestra vermarktet wurde, die tatsächliche Darbietung des Songs aber als Solo mit Klavier stattfand, während das Orchester pausierte.
Damit entstehen drei deutlich unterschiedliche Klangkonzepte:
- 1973: Bandaufnahme mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Backing Vocals.
- 1986: konzertante Solo-Piano-Fassung des Marilyn-Monroe-Texts.
- 1997: Diana-Neutextierung; bei der Trauerfeier Piano und Stimme, in der Studio-Single zusätzlich Streichquartett und Holzbläser.
Der Vergleich zeigt, dass ein Song nicht nur durch Melodie und Akkorde definiert wird. Arrangement, Aufführungskontext, Text und Produktion können seine Bedeutung grundlegend verändern.
Rezeption und Bedeutung im Werk Elton Johns
Die Veröffentlichung erschien in vielen Ländern als Doppel-A-Seite mit Something About the Way You Look Tonight. Guinness World Records nennt weltweit rund 33 Millionen verkaufte physische Exemplare und bezeichnet die Veröffentlichung als meistverkaufte physische Single seit Beginn der britischen und US-amerikanischen Singlecharts in den 1950er Jahren. Für Großbritannien weist Guinness rund 4,9 Millionen Verkäufe aus.
Die Veröffentlichung war zugleich als Benefizprojekt angelegt; Guinness zufolge gingen Erlöse und Tantiemen an den Diana, Princess of Wales Memorial Fund. Die RIAA führt die Single als erste physische US-Single, die im Gold-&-Platinum-Programm eine Diamond-Auszeichnung erreichte, später 11-fach Platin.
Bei den Grammy Awards 1998 erhielt Elton John für Candle in the Wind 1997 den Preis für Best Male Pop Vocal Performance.
Im Werk Elton Johns besitzt die Aufnahme deshalb eine ungewöhnliche Doppelstellung: Sie gehört zu seinen kommerziell erfolgreichsten Veröffentlichungen, wurde aber gerade nicht zu einem dauerhaft wiederholten Konzertstandard in der Diana-Fassung. Ihre Bedeutung beruht auf der Bindung an einen konkreten historischen Moment.
Rechtssichere Mediennutzung im aiMOOC
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Quellen und Nachweise
- Elton John: 1990s – offizieller Zeitstrahl – zur Bedeutung der Diana-Fassung und zu Bernie Taupins Aussage über die kollektive Perspektive.
- Elton John: Diamond Moments – Candle in the Wind – zum Original von 1973, E-Dur, Besetzung und zur 1986er Livefassung.
- The Irish Times, 12. September 1997 – zeitgenössischer Beleg für die Aufnahme im Townhouse Studio am Nachmittag nach der Trauerfeier und George Martin als Produzent.
- Apple Music: Candle In the Wind 1997 – Credits der 1997er Studioaufnahme mit Elton John, Peter Manning, Keith Pascoe, Levine Andrade, Andrew Shulman, Pippa Davies und George Martin.
- Official Charts – britische Chart- und Verkaufsgeschichte.
- Guinness World Records – 33 Millionen physische Verkäufe weltweit, Doppel-A-Seite und Benefizzweck.
- RIAA: Gold & Platinum Turns 60 – Diamond-Status der US-Single.
- Grammy Awards 1998 – Best Male Pop Vocal Performance.
- Musicnotes – veröffentlichte Tonart E-Dur und Taktangabe 2/2 der Piano-Vocal-Guitar-Ausgabe.
- Drew Nobile: Form in Popular Song, 1990–2009 – musikwissenschaftliche Analyse der Strophe, des Refrainbeginns auf der Dominante und der Kadenzstruktur.
- MusicBrainz: Goodbye Yellow Brick Road – Personal und Aufnahmeangaben zur 1973er Originalfassung.
- Wikipedia: Candle in the Wind – Überblick über Original und 1997er Neufassung.
- Wikipedia: Candle in the Wind 1997 – ergänzende Übersicht zu Entstehung, Aufnahme und Veröffentlichung.
Mediennachweise Wikimedia Commons
- Diana, Princess of Wales 1997 (2) (cropped).jpg – CC BY-SA 2.0.
- Flowers for Princess Diana's Funeral.jpg – CC BY 2.0.
- Westminster Abbey2.jpg – CC BY-SA 4.0.
- Circle of fifths with musical keyboard.svg – CC BY 4.0.
- Candle burning.jpg – CC BY-SA 3.0 und GFDL.
- Haenflein-Quartett.jpg – gemeinfrei.
- ELTON JOHN.jpg – CC BY-SA 4.0.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Für wen wurde der Text von Candle in the Wind 1997 neu geschrieben? (Diana, Princess of Wales) (!Marilyn Monroe) (!Elizabeth II) (!Audrey Hepburn)
Wer schrieb den neuen Liedtext der Fassung von 1997? (Bernie Taupin) (!George Martin) (!Gus Dudgeon) (!Davey Johnstone)
Wer produzierte die Studioaufnahme von Candle in the Wind 1997? (George Martin) (!Gus Dudgeon) (!Nigel Olsson) (!Dee Murray)
Wo wurde die Studiofassung von 1997 aufgenommen? (Im Londoner Town House Studio) (!Im Chateau d Herouville) (!In den Abbey Road Studios) (!Im Madison Square Garden)
Welche Besetzung ist für die Studioaufnahme von 1997 belegt? (Gesang und Klavier mit Streichquartett sowie Flöte und Oboe) (!Rockband mit zwei Schlagzeugen und Bläsersatz) (!Nur Gesang und Akustikgitarre) (!Sinfonieorchester mit großem Chor)
In welcher Tonart wird die Fassung in veröffentlichten Notenausgaben geführt? (E Dur) (!C Moll) (!F Dur) (!H Moll)
Auf wen bezog sich die ursprüngliche Fassung von 1973? (Marilyn Monroe) (!Diana Spencer) (!Janis Joplin) (!Judy Garland)
Welche Aussage zur Rezeption der Single ist belegt? (Sie gehört zu den meistverkauften physischen Singles seit Beginn der Charts) (!Sie erschien nur als unverkäufliche Radiosendung) (!Sie erreichte nie Platz eins in Großbritannien) (!Sie wurde erst nach dem Jahr 2000 veröffentlicht)
Welchen Grammy erhielt Elton John 1998 für die Aufnahme? (Best Male Pop Vocal Performance) (!Best New Artist) (!Best Rap Performance) (!Best Classical Album)
Welche harmonische Besonderheit hebt eine musikwissenschaftliche Formanalyse hervor? (Der Refrain beginnt auf der Dominante) (!Der Song ist vollständig atonal) (!Jede Strophe moduliert in eine neue Tonart) (!Der Refrain besteht nur aus einem einzigen Akkord)
Memory
| George Martin | Produktion der Studiofassung |
| Bernie Taupin | Neuer Liedtext für Diana |
| Town House | Londoner Aufnahmestudio |
| E-Dur | Tonales Zentrum |
| Streichquartett | Zwei Violinen Viola Violoncello |
| Pippa Davies | Flöte und Oboe |
| Westminster Abbey | Ort der Trauerfeier |
| Marilyn Monroe | Bezugsperson der Fassung von 1973 |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Kammermusikalische Klangfarbe | Studiofassung von 1997 |
| Bandklang mit Rhythmusgruppe | Originalaufnahme von 1973 |
| Piano und Stimme im Trauerkontext | Aufführung in Westminster Abbey |
| Kollektive Trauerperspektive | Neutextierung durch Bernie Taupin |
| Dominantbeginn | Refrainharmonik |
Kreuzworträtsel
| Westminster | In welcher Abtei wurde die Diana-Fassung öffentlich aufgeführt? |
| Taupin | Wie lautet der Nachname des Textautors? |
| Martin | Wie lautet der Nachname des Produzenten der Studiofassung? |
| Streichquartett | Welche kammermusikalische Besetzung ergänzt Klavier und Stimme? |
| Kerze | Welches Lichtobjekt steht im Zentrum der Titelmetapher? |
| Trauer | Welcher emotionale und gesellschaftliche Kontext prägt die Fassung von 1997? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die Studiofassung und notiere für drei Zeitpunkte, welche Instrumente Du wahrnimmst und wie sich die Lautstärke verändert.
- Bildsprache: Gestalte eine kleine Collage mit drei frei lizenzierten Bildern, die die Begriffe Erinnerung, Licht und Vergänglichkeit darstellen. Gib alle Lizenzen korrekt an.
- Songform: Erstelle ein Formdiagramm mit Kästen für Intro, Strophen, Refrains, Zwischenspiele und Schluss. Verwende keine Liedtextzeilen.
- Instrumentenkunde: Zeichne oder fotografiere ein selbst erstelltes Schaubild eines Streichquartetts und beschrifte die vier Instrumente.
Standard
- Versionsvergleich: Vergleiche die Aufnahme von 1973 und die Studiofassung von 1997 anhand von Besetzung, Dynamik, Klangdichte und Wirkung.
- Kontextanalyse: Erkläre in einem kurzen Essay, wie ein historisches Ereignis die Bedeutung eines bereits existierenden Songs verändern kann.
- Harmonieanalyse: Markiere in einem selbst erstellten Funktionsschema Tonika, Subdominante, Dominante und Tonikaparallele in E-Dur und erkläre ihre mögliche Wirkung in einer Ballade.
- Medienkritik: Untersuche drei zeitgenössische oder spätere Berichte über die Veröffentlichung. Trenne überprüfbare Fakten, Wertungen und emotionale Sprache.
Schwer
- Arrangementprojekt: Entwickle für eine selbst komponierte acht- bis sechzehntaktige Ballade zwei Arrangements: einmal als Rockband, einmal für Klavier und Streichquartett. Vergleiche die Wirkung.
- Produktion: Produziere mit eigenen Tönen eine kurze Aufnahme, in der Du durch Dynamik und Instrumentation von Intimität zu klanglicher Weite übergehst. Verwende keine Melodie aus Candle in the Wind.
- Erinnerungskultur: Führe ein Interview darüber, welche Rolle Musik bei öffentlichen Gedenkereignissen spielen kann. Werte die Antworten thematisch aus und beachte Datenschutz und Einwilligung.
- Forschungsaufgabe: Rekonstruiere anhand von mindestens fünf nachprüfbaren Quellen die Entstehung der 1997er Fassung vom Tod Dianas bis zur Veröffentlichung. Kennzeichne Widersprüche zwischen Quellen ausdrücklich.


Lernkontrolle
- Transfer Klang und Kontext: Erkläre, warum dieselbe Melodie in einer Bandfassung, einer Solo-Piano-Fassung und einer kammermusikalischen Studiofassung unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann.
- Harmonie und Form: Begründe, wie ein Refrainbeginn auf der Dominante Spannung erzeugen kann, obwohl der gesamte Song klar in E-Dur verankert bleibt.
- Produktion als Bedeutungsträger: Entwickle eine Hypothese dazu, warum George Martin bei der 1997er Aufnahme auf Streichquartett und Holzbläser statt auf eine dominante Rock-Rhythmusgruppe setzte. Stütze Deine Antwort auf hörbare Merkmale und Credits.
- Text und Erinnerungskultur: Analysiere, wie Natur-, Licht- und Erinnerungsbilder einen privaten Verlust in ein öffentliches Gedenken überführen können.
- Quellenkritik: Vergleiche einen offiziellen Künstlertext, eine Chartquelle und einen zeitgenössischen Zeitungsbericht. Welche Informationen kann jede Quellengattung besonders gut belegen?
- Urheberrecht und Analyse: Entwirf Regeln für eine schulische Songanalyse, die musikalisch aussagekräftig bleibt, ohne vollständige geschützte Lyrics oder Partituren zu kopieren.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Fakten kennst, sondern musikalische, historische und medienbezogene Zusammenhänge erklären kannst.
- Du kannst die Entstehung der 1997er Fassung zeitlich einordnen.
- Du kannst mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Studioaufnahme nennen und mit Quellen verbinden.
- Du kannst die Besetzung der 1973er und 1997er Studiofassungen vergleichen.
- Du kannst die Grundfunktionen von Tonika, Subdominante, Dominante und Tonikaparallele in E-Dur erläutern.
- Du kannst erklären, wie Arrangement und Produktion die emotionale Wirkung verändern.
- Du kannst zentrale Textthemen und Bildfelder sinngemäß erschließen, ohne den vollständigen Liedtext zu reproduzieren.
- Du kannst Rezeption und Verkaufserfolg mit belastbaren Quellen beschreiben.
- Du kannst freie Medien von geschützten Inhalten unterscheiden und Lizenzbedingungen beachten.
- Du kannst aus Hörbeobachtungen eigene begründete Interpretationen entwickeln.
OERs zum Thema
Die deutschsprachige Wikipedia behandelt sowohl die ursprüngliche Fassung von 1973 als auch die Neufassung von 1997. Für Detailfragen zur 1997er Single kann ergänzend der englischsprachige Artikel herangezogen werden.
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