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Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte - Geschichte

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Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte - Geschichte




Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte - Geschichte

Die am 26. August 1789 von der französischen Nationalversammlung verabschiedete Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte gehört zu den bedeutendsten politischen Texten der Französischen Revolution. In einer Präambel und siebzehn Artikeln formuliert sie Grundsätze wie Freiheit, Rechtsgleichheit, nationale Souveränität, Gesetzmäßigkeit, Unschuldsvermutung, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Gewaltenteilung und den Schutz des Eigentums.

Der Text beanspruchte allgemeine Gültigkeit, entstand jedoch in einer Gesellschaft, in der Frauen, versklavte Menschen und große Teile der besitzlosen Bevölkerung politisch ausgeschlossen blieben. Gerade diese Spannung zwischen universalem Anspruch und historischer Begrenzung macht die Erklärung zu einer besonders ergiebigen Quelle für das Studienfach Geschichte.

Lernbereich Einordnung
Studienfach Geschichte, besonders Verfassungsgeschichte, Ideengeschichte, Rechtsgeschichte, Geschlechtergeschichte und Globalgeschichte
Epoche Aufklärung, Atlantische Revolutionen und Französische Revolution
Quellenart Normative politische Deklaration, Grundrechtstext und Verfassungsquelle
Zentrale Leitfrage Wie konnte ein Text universale Rechte verkünden und zugleich historische Ausschlüsse bestehen lassen?
Niveau Gymnasiale Oberstufe, Hochschule und geschichtswissenschaftliches Grundstudium


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. historischen Kontext: die Erklärung in die Ereignisse des Jahres 1789 und in die Krise des Ancien Régime einordnen.
  2. Ideengeschichtliche Grundlagen: Einflüsse von Naturrecht, Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau, den englischen Verfassungstraditionen und der Amerikanischen Revolution erklären.
  3. Quellenanalyse: Entstehung, Gattung, Sprache, Adressaten, Absichten und Grenzen der Erklärung untersuchen.
  4. Rechtsprinzipien: die wichtigsten Inhalte der siebzehn Artikel strukturiert erläutern.
  5. historisch urteilen: den universalen Anspruch des Textes mit dem Ausschluss von Frauen, Kolonisierten, Versklavten und politisch nicht Beteiligten vergleichen.
  6. Wirkungsgeschichte: Bezüge zu späteren Verfassungen und Menschenrechtserklärungen differenziert beurteilen.
  7. geschichtswissenschaftliche Perspektiven: sozial-, gender-, rechts-, begriffs- und globalgeschichtliche Fragestellungen miteinander verbinden.


Einleitung

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte war weder eine bloße philosophische Abhandlung noch bereits eine vollständige Verfassung. Sie war ein normativer Grundlagentext: Die Abgeordneten der Verfassunggebenden Nationalversammlung wollten festlegen, auf welchen Prinzipien eine neue politische Ordnung beruhen sollte. Damit wandten sie sich gegen die ständische, privilegienbasierte und monarchisch legitimierte Ordnung des Ancien Régime.

Der Text verschob die Begründung politischer Herrschaft. Nicht länger sollte die Autorität des Staates allein aus Dynastie, Tradition oder göttlichem Recht abgeleitet werden. Artikel 3 erklärte stattdessen die Nation zum Ursprung der Souveränität. Das Gesetz sollte nach Artikel 6 Ausdruck des allgemeinen Willens sein und für alle gleich gelten. Herrschaft wurde damit grundsätzlich rechtfertigungsbedürftig.

Die Erklärung ist zugleich ein Schlüsseltext der modernen Menschenrechte. Ihre Bedeutung liegt jedoch nicht darin, dass mit ihrer Verkündung sofort eine gerechte Gesellschaft entstanden wäre. Historisch bedeutsam ist vielmehr, dass politische Ansprüche nun in einer Sprache formuliert wurden, auf die sich sehr unterschiedliche Gruppen berufen konnten. Frauenrechtlerinnen, Gegner der Sklaverei, Revolutionäre in Saint-Domingue, liberale Bewegungen und spätere Verfassungsgeber griffen die Begriffe von Freiheit und Gleichheit auf, erweiterten sie oder kritisierten ihre Grenzen.

Das Video ordnet den Beginn der Französischen Revolution vom Zusammentritt der Generalstände bis zur Verkündung der Menschenrechte ein.


Historischer Kontext


Das Ancien Régime und seine Krise

Frankreich war vor 1789 eine Ständegesellschaft. Geistlichkeit und Adel verfügten über besondere Rechte, während der sogenannte Dritte Stand den größten Teil der Bevölkerung umfasste. Zu ihm gehörten sehr unterschiedliche Gruppen: wohlhabende Kaufleute und Juristen ebenso wie Handwerker, städtische Arme und Bauern. Die rechtliche Ungleichheit verlief daher nicht einfach zwischen Arm und Reich, sondern war mit ständischen Privilegien, regionalen Rechten und sozialen Unterschieden verschränkt.

Mehrere Krisen trafen zusammen:

  1. Staatsverschuldung: Kriege und ein ineffizientes Steuersystem belasteten die Monarchie schwer.
  2. Steuerprivileg: Privilegierte Gruppen waren von wichtigen Abgaben ganz oder teilweise ausgenommen.
  3. Versorgungskrise: Schlechte Ernten und steigende Brotpreise verschärften soziale Spannungen.
  4. Legitimationskrise: Aufklärerische Kritik stellte Absolutismus, Privilegien und Zensur infrage.
  5. Politische Öffentlichkeit: Druckschriften, Salons, Lesegesellschaften und Debatten verbreiteten neue politische Begriffe.
  6. Atlantischer Austausch: Die Amerikanische Revolution zeigte, dass Naturrechte und Verfassungsprinzipien politisch mobilisierend wirken konnten.


Vom Zusammentritt der Generalstände zur Erklärung

Die Erklärung entstand in einem beschleunigten revolutionären Prozess. Zwischen Mai und August 1789 wandelte sich ein Konflikt über Steuern und Repräsentation zu einer grundlegenden Auseinandersetzung über die Quelle politischer Herrschaft.

Datum Ereignis Bedeutung für die Menschen- und Bürgerrechte
5. Mai 1789 Zusammentritt der Generalstände in Versailles Die Frage nach Abstimmungsmodus und politischer Repräsentation tritt offen hervor.
17. Juni 1789 Der Dritte Stand erklärt sich zur Nationalversammlung Abgeordnete beanspruchen, die Nation und nicht nur einen Stand zu vertreten.
20. Juni 1789 Ballhausschwur Die Abgeordneten verpflichten sich, bis zur Schaffung einer Verfassung zusammenzubleiben.
14. Juli 1789 Sturm auf die Bastille Die Revolution erhält eine städtische und gewaltsame Dynamik; die königliche Autorität wird sichtbar erschüttert.
Nacht vom 4. auf den 5. August 1789 Beschlüsse gegen feudale und ständische Privilegien Die rechtliche Neuordnung wird mit dem Prinzip der Gleichheit verbunden, auch wenn manche Lasten zunächst nur gegen Ablösung verschwanden.
20. bis 26. August 1789 Beratung von Präambel und siebzehn Artikeln Die Nationalversammlung stimmt die Bestimmungen einzeln ab.
26. August 1789 Abschluss der Erklärung Der Text wird zum programmatischen Fundament der neuen Ordnung.
5. Oktober 1789 Anerkennung durch Ludwig XVI. Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse akzeptiert der König die Erklärung und Verfassungsbeschlüsse.

Das unvollendete Gemälde von Jacques-Louis David inszeniert den Ballhausschwur als Moment kollektiver politischer Selbstermächtigung. Für die Bildquellenanalyse ist wichtig: Das Gemälde ist keine neutrale Momentaufnahme. Gestik, Blickrichtungen, Lichtführung und die idealisierte Einigkeit erzeugen eine politische Deutung des Ereignisses.

Der Sturm auf die Bastille wurde zu einem Symbol für den Zusammenbruch willkürlicher Herrschaft. Die Bastille war zwar 1789 nur schwach belegt, stand aber in der politischen Vorstellungswelt für königliche Gewalt und geheime Haftbefehle. Damit berührte ihr Fall unmittelbar Themen der späteren Artikel 7 bis 9: Schutz vor willkürlicher Verhaftung, Bindung der Strafe an das Gesetz und Unschuldsvermutung.


Ideengeschichtliche und atlantische Wurzeln


Naturrecht und Aufklärung

Die Erklärung beruht auf der Vorstellung, dass Menschen bestimmte Rechte nicht erst durch einen Herrscher erhalten. Diese Rechte gelten als natürlich, unveräußerlich und der staatlichen Ordnung vorausliegend. Der Staat ist demnach nicht der Schöpfer aller Rechte, sondern soll sie sichern.

John Locke hatte das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum sowie die Bindung politischer Herrschaft an Zustimmung hervorgehoben. Montesquieu analysierte die Begrenzung von Macht durch die Trennung und gegenseitige Kontrolle staatlicher Gewalten. Jean-Jacques Rousseau prägte die Vorstellung, dass legitime Gesetze auf dem allgemeinen Willen beruhen. Die Erklärung übernahm diese Ansätze nicht unverändert, sondern verband unterschiedliche Traditionen zu einem politischen Programm.

Montesquieus Idee der Gewaltenteilung wird besonders in Artikel 16 sichtbar: Eine Gesellschaft ohne gesicherte Rechte und ohne bestimmte Gewaltenteilung besitzt demnach keine Verfassung im anspruchsvollen Sinn.

Rousseaus Begriff des allgemeinen Willens beeinflusste die Vorstellung, dass Gesetze nicht private Interessen privilegieren, sondern auf das gemeinsame politische Ganze bezogen sein sollen.


Englische und amerikanische Vorläufer

Die Erklärung stand in einer längeren Entwicklung von Freiheits- und Verfassungsrechten. Dazu gehörten die englische Bill of Rights von 1689, die Virginia Declaration of Rights von 1776 und die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten desselben Jahres. Diese Texte unterschieden sich in Entstehung, Rechtscharakter und Reichweite, boten aber Formulierungen und Modelle für Rechte, Repräsentation und Herrschaftsbegrenzung.

Der Marquis de Lafayette hatte im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft und brachte seine Erfahrungen in die französische Debatte ein. Seine Rolle verdeutlicht, dass die Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts nicht isoliert voneinander betrachtet werden sollten. Ideen, Personen, Druckschriften und politische Erfahrungen zirkulierten im atlantischen Raum.

Der Begriff der Atlantischen Revolutionen hilft, Verbindungen sichtbar zu machen. Er darf jedoch Unterschiede nicht verwischen: Die amerikanische Unabhängigkeit richtete sich gegen britische Kolonialherrschaft, während die Französische Revolution die soziale und politische Ordnung eines europäischen Königreichs umgestaltete.


Kollektive Autorschaft statt Einzelwerk

Die Erklärung besitzt keinen einzelnen Autor. Verschiedene Abgeordnete legten Entwürfe vor, darunter Lafayette und Emmanuel Joseph Sieyès. Ausschüsse berieten Formulierungen, und die Nationalversammlung stimmte die Artikel einzeln ab. Deshalb sollte die Quelle nicht wie ein philosophisches Werk einer einzigen Person gelesen werden. Sie ist das Ergebnis politischer Aushandlung, sprachlicher Verdichtung und konkurrierender Interessen.

Datei:Assemblée nationale - Projet de Déclaration des droits de l'homme et du citoyen, 1789.pdf

Der Entwurfscharakter solcher Dokumente erinnert daran, dass historische Grundlagentexte nicht plötzlich fertig vorliegen. Sie entstehen durch Auswahl, Änderung, Streichung und Kompromiss.


Die Quelle als historische Gattung

Die Erklärung ist eine normative Quelle. Sie beschreibt nicht einfach, wie die französische Gesellschaft 1789 tatsächlich funktionierte. Sie legt fest, wie legitime politische Ordnung beschaffen sein sollte. Für die Quellenkritik bedeutet das:

  1. Norm und Wirklichkeit: Eine verkündete Gleichheit beweist nicht, dass reale Ungleichheiten verschwunden waren.
  2. Adressat: Der Text richtete sich an die französische Öffentlichkeit, an staatliche Institutionen und zugleich an eine vorgestellte universale Menschheit.
  3. Intention: Rechte sollten sichtbar gemacht, Herrschaft begrenzt und die kommende Verfassung legitimiert werden.
  4. Sprache: Abstrakte Begriffe wie Freiheit, Nation und Gesetz erlaubten breite Zustimmung, blieben aber auslegungsbedürftig.
  5. Schweigen der Quelle: Nicht genannte Gruppen und Probleme sind für die Analyse ebenso wichtig wie ausdrücklich formulierte Rechte.
  6. Rezeption: Die Bedeutung eines Textes entsteht nicht nur bei seiner Verabschiedung, sondern auch durch spätere Nutzung, Kritik und Umdeutung.


Aufbau und Grundgedanken der siebzehn Artikel

Die Erklärung besteht aus einer Präambel und siebzehn Artikeln. Die Präambel erklärt Unwissenheit, Vergessen oder Missachtung der Menschenrechte zu Ursachen öffentlichen Unglücks und staatlicher Verderbnis. Die Artikel verbinden individuelle Freiheitsrechte mit Prinzipien staatlicher Organisation.

Artikel Kernaussage Historische Bedeutung
1 Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren; soziale Unterschiede bedürfen einer Begründung durch das Gemeinwohl. Die ständische Ungleichheit verliert ihre selbstverständliche Legitimation.
2 Politische Gemeinschaften sollen Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung schützen. Rechte werden als Zweck staatlicher Ordnung definiert.
3 Der Ursprung aller Souveränität liegt in der Nation. Dynastische und göttlich begründete Herrschaft wird durch nationale Legitimation ersetzt.
4 Freiheit umfasst Handlungen, die anderen nicht schaden; Grenzen dürfen nur durch Gesetz bestimmt werden. Individuelle Freiheit und rechtliche Begrenzung werden miteinander verbunden.
5 Das Gesetz darf nur gesellschaftlich schädliche Handlungen verbieten. Staatliche Eingriffe werden begründungsbedürftig.
6 Das Gesetz ist Ausdruck des allgemeinen Willens; alle Bürger dürfen an seiner Entstehung mitwirken; Ämter sollen nach Eignung zugänglich sein. Rechtsgleichheit, Repräsentation und Leistungsprinzip werden gegen Privilegien gestellt.
7 Verhaftung und Anklage dürfen nur in gesetzlich vorgesehenen Fällen und Formen erfolgen. Willkürliche Haft soll verhindert werden.
8 Strafen müssen notwendig, gesetzlich bestimmt und vor der Tat festgelegt sein. Das Prinzip Keine Strafe ohne Gesetz wird gestärkt.
9 Jeder gilt bis zur Verurteilung als unschuldig; unnötige Härte bei Festnahmen ist unzulässig. Die Unschuldsvermutung wird zum Grundsatz rechtsstaatlicher Strafverfolgung.
10 Meinungen, auch religiöse, dürfen nicht verfolgt werden, solange ihre Äußerung die gesetzliche Ordnung nicht stört. Gewissens- und Religionsfreiheit werden anerkannt, aber gesetzlich begrenzt.
11 Gedanken und Meinungen dürfen frei mitgeteilt werden; Missbrauch kann gesetzlich verantwortet werden. Pressefreiheit und Meinungsfreiheit erhalten Verfassungsrang.
12 Die Sicherung der Rechte erfordert eine öffentliche Gewalt, die dem allgemeinen Nutzen dient. Polizei und Militär sollen nicht privaten Herrschaftsinteressen dienen.
13 Öffentliche Gewalt und Verwaltung benötigen gemeinschaftliche Abgaben, die nach Leistungsfähigkeit verteilt werden sollen. Steuerpflicht wird mit Gleichheit und öffentlichem Zweck verbunden.
14 Bürger dürfen Notwendigkeit, Höhe, Verwendung und Erhebung öffentlicher Abgaben selbst oder durch Vertreter kontrollieren. Besteuerung wird an Zustimmung und parlamentarische Kontrolle gebunden.
15 Die Gesellschaft darf von öffentlichen Amtsträgern Rechenschaft verlangen. Rechenschaftspflicht wird zu einem Prinzip öffentlicher Verwaltung.
16 Ohne gesicherte Rechte und bestimmte Gewaltenteilung besteht keine Verfassung. Grundrechte und Organisationsrecht werden miteinander verknüpft.
17 Eigentum gilt als unverletzlich; Enteignung ist nur bei öffentlicher Notwendigkeit und gegen Entschädigung zulässig. Eigentum wird besonders geschützt und zugleich an gesetzliche Bedingungen gebunden.


Zentrale Begriffe im historischen Zusammenhang


Freiheit

Die Erklärung versteht Freiheit nicht als grenzenlose Willkür. Freiheit endet dort, wo die Rechte anderer verletzt werden. Entscheidend ist, dass Grenzen nicht durch spontane Befehle, sondern durch allgemeine Gesetze festgelegt werden sollen. Der moderne Freiheitsbegriff der Erklärung verbindet daher individuellen Handlungsspielraum mit Rechtsstaatlichkeit.

Historisch offen blieb, wer an der Gesetzgebung tatsächlich beteiligt sein durfte. Ein Gesetz konnte formal allgemein sein und dennoch aus einer politisch begrenzten Bürgerschaft hervorgehen. Freiheit als Recht und politische Beteiligung als institutionelle Praxis müssen deshalb analytisch unterschieden werden.


Gleichheit

Artikel 1 verkündet Rechtsgleichheit, nicht vollständige wirtschaftliche oder soziale Gleichheit. Unterschiede werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sollen aber durch den gemeinsamen Nutzen gerechtfertigt sein. Die Erklärung zielte vor allem gegen ererbte Standesprivilegien und rechtliche Sonderstellungen.

Die Gleichheit vor dem Gesetz war revolutionär, konnte aber Besitzunterschiede fortbestehen lassen. Artikel 17 schützte Eigentum ausdrücklich. Daraus entstand ein langfristiges Spannungsverhältnis zwischen liberalen Freiheitsrechten, Eigentumsordnung und Forderungen nach sozialer Gleichheit.


Nation und Souveränität

Mit Artikel 3 wurde die Nation zum Träger der Souveränität. Der König sollte nicht mehr aus eigenem Recht herrschen, sondern innerhalb einer durch die Nation legitimierten Ordnung. Der Begriff Nation war jedoch abstrakt: Er konnte das politische Gemeinwesen bezeichnen, ohne jedem einzelnen Bewohner unmittelbar gleiche Mitbestimmung zu garantieren.

Die Erklärung spricht deshalb eher von Nationalsouveränität als von unmittelbarer Volksherrschaft. Repräsentative Institutionen konnten beanspruchen, den Willen der Nation auszudrücken.


Gesetz und allgemeiner Wille

Artikel 6 bezeichnet das Gesetz als Ausdruck des allgemeinen Willens. Das Gesetz soll allgemein gelten und darf keine ständischen Sonderrechte schaffen. Zugleich entsteht eine zentrale Frage moderner Demokratien: Wie wird aus vielen Interessen ein allgemeiner Wille?

Die Erklärung gibt darauf keine vollständige institutionelle Antwort. Erst Verfassungen, Wahlordnungen und politische Praxis legen fest, wer repräsentiert wird, wie Mehrheiten entstehen und welche Rechte auch gegen Mehrheiten geschützt bleiben.


Gewaltenteilung

Gewaltenteilung soll verhindern, dass gesetzgebende, ausführende und rechtsprechende Macht unkontrolliert in einer Hand liegen. Artikel 16 macht die Trennung der Gewalten gemeinsam mit gesicherten Rechten zum Kennzeichen einer Verfassung. Damit werden individuelle Freiheit und staatliche Organisationsform untrennbar miteinander verbunden.


Eigentum

Die starke Stellung des Eigentums zeigt die gesellschaftliche Dimension des Textes. Eigentum sollte vor willkürlichem Zugriff geschützt werden und galt als Voraussetzung persönlicher Unabhängigkeit. Kritikerinnen und Kritiker fragten später, ob ein formales Freiheitsrecht genügt, wenn Besitz und Lebenschancen extrem ungleich verteilt sind.


Universalität und historische Ausschlüsse


Frauen und politische Bürgerschaft

Die Erklärung verwendete das französische Wort homme, das sowohl Mensch als auch Mann bedeuten kann. Der Anspruch klang universal, doch Frauen erhielten keine gleichberechtigte politische Bürgerschaft. Sie beteiligten sich an Protesten, politischen Klubs, Petitionen und öffentlichen Debatten, blieben aber von zentralen politischen Rechten ausgeschlossen.

Olympe de Gouges reagierte 1791 mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin. Sie übernahm Aufbau und Sprache des Textes von 1789, machte Frauen ausdrücklich sichtbar und zeigte dadurch, dass angeblich allgemeine Begriffe männlich begrenzt angewandt wurden.

Die Gegenüberstellung beider Erklärungen eignet sich für eine Diskursanalyse: De Gouges widerlegt die Sprache von 1789 nicht, sondern nutzt deren eigenen Gleichheitsanspruch als Maßstab der Kritik.


Aktive und passive Bürger

Die Erklärung selbst enthält keine ausgearbeitete Wahlordnung. Die Französische Verfassung von 1791 unterschied später jedoch zwischen sogenannten aktiven und passiven Bürgern. Politische Mitwirkung wurde an Geschlecht, Alter, Steuerleistung und weitere Bedingungen geknüpft. Dadurch entstand eine Differenz zwischen allgemeinen bürgerlichen Rechten und ungleicher politischer Partizipation.

Für die historische Analyse ist diese Unterscheidung zentral: Man darf die Deklaration nicht unmittelbar mit ihrer späteren institutionellen Umsetzung gleichsetzen.


Kolonien, Sklaverei und Haitianische Revolution

Die Erklärung schaffte die Sklaverei in den französischen Kolonien nicht automatisch ab. In Saint-Domingue, der wirtschaftlich bedeutenden französischen Kolonie in der Karibik, beruhte die Plantagenwirtschaft auf der Gewalt gegen versklavte Menschen. Freie People of Color, Versklavte, weiße Pflanzer und Vertreter der Kolonialmacht deuteten Freiheit und Gleichheit auf gegensätzliche Weise.

Die Haitianische Revolution ab 1791 machte den Widerspruch zwischen universaler Rechtssprache und kolonialer Sklavenordnung unübersehbar. Die französische Nationalkonvention schaffte die Sklaverei 1794 in den Kolonien ab, Napoleon führte sie 1802 wieder ein, und Haiti erklärte 1804 seine Unabhängigkeit. Die Ereignisse zeigen, dass die Bedeutung von Menschenrechten nicht allein in Paris festgelegt wurde. Kolonisierte und versklavte Menschen eigneten sich die Sprache der Rechte an und radikalisierten ihren Anspruch.


Religion und Minderheiten

Artikel 10 schützte religiöse Meinungen, solange ihre Äußerung die gesetzlich definierte öffentliche Ordnung nicht störte. Damit wandte sich der Text gegen religiöse Verfolgung, ohne bereits eine vollständig säkulare Ordnung auszuformulieren. Die rechtliche Gleichstellung religiöser Minderheiten entwickelte sich in weiteren politischen Entscheidungen.


Soziale Rechte

Die Erklärung konzentriert sich auf bürgerliche Freiheitsrechte, Rechtsschutz, Eigentum und politische Legitimation. Rechte auf Arbeit, Bildung, soziale Sicherung oder materielle Existenz werden nicht als eigenständige Grundrechte formuliert. Spätere Menschenrechtskataloge erweiterten den Rechtebegriff um wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte.


Wirkungsgeschichte


Die Verfassung von 1791

Die Erklärung wurde der Verfassung von 1791 vorangestellt. Frankreich wurde zu einer konstitutionellen Monarchie. Der König blieb Teil der Staatsordnung, seine Macht wurde jedoch rechtlich begrenzt. Die neue Ordnung verband Grundrechte mit repräsentativer Gesetzgebung, blieb aber politisch und sozial exklusiv.


Die Erklärung von 1793

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1793 umfasste fünfunddreißig Artikel und betonte Gleichheit, soziale Pflichten und das Recht auf Aufstand stärker. Die zugehörige Verfassung trat wegen Krieg und revolutionärer Ausnahmepolitik nicht regulär in Kraft. Der Vergleich von 1789 und 1793 zeigt, dass der Begriff der Menschenrechte bereits innerhalb der Revolution umstritten war.


Das 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde die Erklärung zu einem Bezugspunkt liberaler und republikanischer Bewegungen. Gleichzeitig standen ihre Prinzipien in Konflikt mit restaurativen Monarchien, eingeschränktem Wahlrecht, Kolonialismus, sozialer Ungleichheit und wiederkehrender politischer Gewalt. Ihre Wirkung verlief deshalb nicht geradlinig, sondern durch Brüche, Rücknahmen und Neuinterpretationen.


Moderne Menschenrechtserklärungen

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 steht in einer langen Geschichte von Naturrecht, Revolutionen, Verfassungen und Kämpfen gegen Unterdrückung. Zwischen 1789 und 1948 besteht kein einfacher direkter Entwicklungspfad. Der spätere Text formuliert Rechte ausdrücklich für alle Menschen, ergänzt soziale und kulturelle Rechte und reagiert auf die Erfahrungen von Weltkrieg, Nationalsozialismus und Völkermord.

Auch das deutsche Grundgesetz von 1949 verbindet Grundrechte, Menschenwürde, Gesetzesbindung und Gewaltenteilung. Ein Vergleich zeigt Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche historische Kontexte und Rechtswirkungen.


Verfassungsrang in Frankreich

Die Präambel der französischen Verfassung von 1958 bezieht sich auf die Erklärung von 1789. Dadurch gehört sie zum französischen Verfassungsblock und besitzt bis in die Gegenwart rechtliche Bedeutung. Ein revolutionärer Text des 18. Jahrhunderts ist somit zugleich historische Quelle und Bestandteil moderner Verfassungsrechtsprechung.


Vergleich ausgewählter Rechtstexte

Text Historischer Kontext Schwerpunkt Zentrale Begrenzung oder Besonderheit
Virginia Declaration of Rights von 1776 Amerikanische Revolution Naturrechte, Volkssouveränität, Freiheitsrechte Entstand in einer Gesellschaft mit Sklaverei und begrenzter politischer Teilhabe.
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 Beginn der Französischen Revolution Freiheit, Rechtsgleichheit, Nation, Gesetz, Eigentum Universaler Anspruch bei fortbestehenden Ausschlüssen.
Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791 Kritik an der männlich begrenzten Revolution Gleichberechtigung von Frauen und Männern Politisch kaum umgesetzt, aber grundlegende feministische Intervention.
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1793 Radikalisierung der Revolution Gleichheit, soziale Verantwortung, Widerstandsrecht Die zugehörige Verfassung wurde nicht regulär angewandt.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 Reaktion auf Weltkrieg und Menschheitsverbrechen Universale bürgerliche, politische, soziale und kulturelle Rechte Als Erklärung zunächst kein völkerrechtlicher Vertrag.
Grundgesetz von 1949 Demokratischer Neubeginn nach Nationalsozialismus und Krieg Menschenwürde, Grundrechte, Rechtsstaat, Demokratie Verbindliche Verfassungsnorm mit gerichtlicher Kontrolle.


Geschichtswissenschaftliche Deutungen


Liberale und verfassungsgeschichtliche Deutung

Eine liberale Interpretation betont den Bruch mit ständischen Privilegien, Willkür und absolutistischer Herrschaft. Die Erklärung erscheint als Ausgangspunkt moderner Grundrechte, rechtsstaatlicher Begrenzung und verfassungsmäßiger Legitimation.


Sozialgeschichtliche und marxistische Deutung

Sozialgeschichtliche und marxistische Ansätze heben hervor, dass die Erklärung besonders bürgerliche Freiheit und Eigentum schützte. Sie fragen, ob formale Rechtsgleichheit soziale Klassenunterschiede verdeckte und die Interessen besitzender Gruppen begünstigte.


Revisionistische und kulturgeschichtliche Deutung

Revisionistische und kulturgeschichtliche Forschungen untersuchen politische Sprache, Symbole und Praktiken. Sie betrachten die Revolution nicht nur als Ergebnis sozialer Klassenkonflikte, sondern auch als Krise politischer Legitimation und als Entstehung einer neuen politischen Kultur.


Geschlechtergeschichtliche Deutung

Die Geschlechtergeschichte untersucht, wie der scheinbar allgemeine Bürger männlich gedacht wurde. Sie macht die politische Aktivität von Frauen sichtbar und analysiert, wie Rechte, Öffentlichkeit, Familie und Staatsbürgerschaft geschlechtlich geordnet waren.


Global- und postkoloniale Deutung

Globalgeschichtliche und postkoloniale Ansätze beziehen Kolonien, Sklaverei, Handel und die Haitianische Revolution ein. Sie zeigen, dass die Reichweite der Rechte nicht allein in Europa entschieden wurde und dass koloniale Akteure die revolutionäre Sprache eigenständig verwendeten.

Diese Deutungen schließen einander nicht vollständig aus. Eine anspruchsvolle historische Analyse prüft, welche Fragen ein Ansatz sichtbar macht und welche Aspekte er möglicherweise vernachlässigt.


Methode: Eine Menschenrechtserklärung historisch analysieren

Analyseschritt Leitfragen
Äußere Quellenkritik Wann, wo und in welchem politischen Verfahren entstand die Quelle? Welche Fassung liegt vor?
Autorenschaft Handelt es sich um einen Einzelautor, ein Gremium oder einen kollektiv ausgehandelten Text?
Quellengattung Ist der Text beschreibend, argumentativ, gesetzgebend, programmatisch oder propagandistisch?
Adressatenanalyse Wer sollte den Text lesen, anerkennen oder befolgen?
Begriffsanalyse Was bedeuten Freiheit, Gleichheit, Nation, Bürger, Gesetz und Eigentum im damaligen Kontext?
Argumentationsanalyse Welche Rechte werden behauptet, wie werden sie begründet und welche Grenzen werden genannt?
Kontextualisierung Welche Krisen, Konflikte und Vorbilder beeinflussten die Formulierungen?
Exklusionsanalyse Wer wird nicht ausdrücklich genannt oder praktisch ausgeschlossen?
Wirkungsanalyse Wie wurde der Text umgesetzt, kritisiert, erweitert oder später rechtlich verwendet?
Sachurteil und Werturteil Wie ist die Quelle aus ihrem historischen Kontext zu erklären, und wie begründest Du eine heutige Bewertung?

Methodischer Merksatz: Verwechsle niemals den normativen Anspruch einer Quelle mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Frage sowohl: Was sollte gelten? als auch: Für wen galt es tatsächlich?


Fallanalysen


Meinungsfreiheit und ihre Grenzen

Artikel 10 und 11 schützen Meinung, Religion und öffentliche Kommunikation. Zugleich erlauben sie gesetzliche Grenzen und Verantwortung für Missbrauch. Daraus entsteht ein bis heute relevantes Problem: Freiheitsrechte benötigen Schutz vor staatlicher Zensur, können aber mit dem Schutz anderer Personen und der öffentlichen Ordnung kollidieren.

Eine historische Analyse fragt, wer 1789 festlegte, was als Missbrauch galt, welche Presseorgane Zugang zur Öffentlichkeit besaßen und wie sich revolutionäre Ausnahmesituationen auf die tatsächliche Pressefreiheit auswirkten.


Eigentum und soziale Ungleichheit

Artikel 17 schützt Eigentum besonders stark. Dies richtete sich gegen willkürliche Enteignung und feudale Zugriffe. Gleichzeitig blieb unklar, wie Menschen ohne Eigentum ihre Freiheit materiell verwirklichen sollten. Die Debatte um Eigentum zeigt, dass Menschenrechte nicht nur juristische, sondern auch soziale Ordnungsfragen berühren.


Strafrecht und staatliche Gewalt

Die Artikel 7 bis 9 formulieren Schutz vor willkürlicher Verhaftung, rückwirkender Bestrafung und Vorverurteilung. Diese Prinzipien reagieren auf Erfahrungen mit königlichen Haftbefehlen und unkontrollierter Staatsgewalt. Ihre historische Bedeutung lässt sich nur verstehen, wenn man die vorherige Rechtswirklichkeit und die späteren revolutionären Ausnahmepraktiken gemeinsam betrachtet.


Repräsentation und politische Teilhabe

Artikel 6 verspricht Beteiligung an der Gesetzgebung persönlich oder durch Vertreter. Die spätere Wahlordnung begrenzte diese Beteiligung. Der Fall zeigt, wie abstrakte Rechte durch institutionelle Regeln erweitert oder eingeschränkt werden können.


Zusammenfassung

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 war ein grundlegender Versuch, politische Herrschaft aus allgemeinen Rechten statt aus Stand, Tradition oder göttlicher Legitimation abzuleiten. Ihre siebzehn Artikel verbanden Naturrechte, Rechtsgleichheit, Nationalsouveränität, Gesetzesbindung, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung, Rechenschaftspflicht und Eigentumsschutz.

Ihre historische Bedeutung liegt in drei Ebenen:

  1. Revolutionärer Bruch: Sie stellte Privilegien, Willkür und dynastische Souveränität grundsätzlich infrage.
  2. Normative Sprache: Sie schuf einen politischen Maßstab, mit dem Herrschaft kritisiert und Rechte eingefordert werden konnten.
  3. Offener Konflikt: Frauen, Versklavte, Kolonisierte und politisch ausgeschlossene Männer machten sichtbar, dass universale Begriffe nicht automatisch universale Wirklichkeit erzeugen.

Die Erklärung ist deshalb weder nur als gefeierter Ursprung moderner Freiheit noch nur als Ausdruck bürgerlicher Begrenzung zu verstehen. Sie ist ein umkämpfter Text, dessen Bedeutung durch Anwendung, Kritik und Erweiterung entstand.


Quellen und vertiefende Hinweise

  1. Conseil constitutionnel: Deutsche Fassung der Erklärung vom 26. August 1789
  2. Assemblée nationale: Entstehungsgeschichte der Erklärung
  3. Assemblée nationale: Olympe de Gouges und die Erklärung der Rechte der Frau
  4. Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
  5. Französische Revolution
  6. Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
  7. Haitianische Revolution
  8. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

An welchem Tag wurde die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte abgeschlossen? (26. August 1789) (!14. Juli 1789) (!20. Juni 1789) (!21. Januar 1793)




Wie viele Artikel umfasst die Erklärung von 1789? (Siebzehn) (!Zehn) (!Vierundzwanzig) (!Fünfunddreißig)




Welches Organ verabschiedete die Erklärung? (Die französische Nationalversammlung) (!Der französische König allein) (!Der Wiener Kongress) (!Der amerikanische Senat)




Welche Rechte nennt Artikel 2 als natürliche und unveräußerliche Rechte? (Freiheit Eigentum Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung) (!Arbeit Bildung Wohnung und Urlaub) (!Wahlrecht Pressezensur Adel und Kirche) (!Eroberung Handel Kolonien und Militärdienst)




Wo liegt nach Artikel 3 der Ursprung aller Souveränität? (In der Nation) (!Im König) (!Im Adel) (!In der Kirche)




Was ist das Gesetz nach Artikel 6? (Der Ausdruck des allgemeinen Willens) (!Ein geheimer Befehl des Monarchen) (!Ein ausschließlich religiöses Gebot) (!Eine Vereinbarung des Adels)




Welche beiden Merkmale kennzeichnen nach Artikel 16 eine Verfassung? (Gesicherte Rechte und bestimmte Gewaltenteilung) (!Erbmonarchie und Staatskirche) (!Kolonialbesitz und stehendes Heer) (!Zensur und Steuerprivilegien)




Wer veröffentlichte 1791 die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin? (Olympe de Gouges) (!Marie Antoinette) (!Charlotte Corday) (!Madame de Staël)




Welche Gruppe blieb trotz des universalen Anspruchs von gleichberechtigter politischer Bürgerschaft ausgeschlossen? (Frauen) (!Alle Adligen in jedem Rechtsbereich) (!Alle Geistlichen in jedem Rechtsbereich) (!Alle Einwohner von Paris)




Welche Quellenart ist die Erklärung vor allem? (Eine normative politische Deklaration) (!Ein privates Tagebuch) (!Ein militärischer Lagebericht) (!Eine mittelalterliche Chronik)





Memory

Naturrechte Freiheit Eigentum Sicherheit und Widerstand
Nation Ursprung der Souveränität
Allgemeiner Wille Grundlage des Gesetzes
Gewaltenteilung Begrenzung staatlicher Macht
Unschuldsvermutung Schutz vor Vorverurteilung
Pressefreiheit Freie Mitteilung von Gedanken
Olympe de Gouges Rechte der Frau und Bürgerin
Lafayette Atlantischer Ideentransfer





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung
Freiheit Handeln ohne die Rechte anderer zu verletzen
Gleichheit Gleiche Geltung des Gesetzes ohne Standesprivileg
Sicherheit Schutz vor willkürlicher staatlicher Gewalt
Widerstand Gegenwehr gegen Unterdrückung
Eigentum Geschütztes Recht mit geregelter Enteignung
Souveränität Oberste politische Autorität der Nation






Kreuzworträtsel

Naturrecht Wie heißt die Vorstellung vorstaatlicher und unveräußerlicher Rechte?
Nation Wer gilt in der Erklärung als Ursprung der Souveränität?
Freiheit Welches Recht endet dort, wo die Rechte anderer verletzt werden?
Eigentum Welches Recht schützt Artikel siebzehn besonders?
Gouges Wie lautet der Nachname der Verfasserin der Frauenrechtserklärung?
Verfassung Was besteht nach Artikel sechzehn nur bei Rechtsschutz und Gewaltenteilung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte wurde am

abgeschlossen. Sie entstand während der

. Der Text umfasst eine Präambel und

Artikel. Der Ursprung aller Souveränität liegt nach der Erklärung in der

. Das Gesetz gilt als Ausdruck des

. Zu den natürlichen Rechten gehört neben Freiheit und Sicherheit auch das

. Schutz vor Vorverurteilung bietet die

. Eine Gesellschaft ohne gesicherte Rechte und Gewaltenteilung besitzt nach Artikel sechzehn keine

. Die Erklärung gewährte Frauen keine gleichberechtigte

. Olympe de Gouges veröffentlichte deshalb 1791 die Erklärung der Rechte der

. In den Kolonien beseitigte der Text die

nicht automatisch. Als historische Quelle muss die Erklärung als normativer Anspruch und nicht als Beschreibung der gesellschaftlichen

gelesen werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte Menschenrechte: Gestalte eine Begriffskarte zu Freiheit, Gleichheit, Nation, Gesetz, Gewaltenteilung, Eigentum und Widerstandsrecht. Verbinde jeden Begriff mit einem Artikel der Erklärung.
  2. Zeitleiste 1789: Erstelle eine bebilderte Zeitleiste vom Zusammentritt der Generalstände bis zur Anerkennung der Erklärung durch Ludwig XVI. Erkläre zu jedem Ereignis seine Bedeutung.
  3. Artikel in Alltagssprache: Wähle drei Artikel aus und formuliere sie in heutiger Alltagssprache neu, ohne ihren Sinn zu verändern.
  4. Bildanalyse Ballhausschwur: Untersuche Davids Darstellung des Ballhausschwurs nach Komposition, Gestik, Symbolen und politischer Aussage.


Standard

  1. Quellenvergleich 1776 und 1789: Vergleiche die Virginia Declaration of Rights mit der französischen Erklärung hinsichtlich Naturrechten, Souveränität und gesellschaftlichen Ausschlüssen.
  2. Olympe de Gouges: Stelle zwei Artikel von 1789 den entsprechenden Formulierungen von 1791 gegenüber und erkläre die Strategie der Kritik.
  3. Revolutionszeitung: Verfasse eine fiktive Zeitungsseite aus Paris vom August 1789 mit Bericht, Kommentar und Leserbrief aus unterschiedlichen sozialen Perspektiven.
  4. Podcast Menschenrechte: Produziere einen acht- bis zehnminütigen Podcast zur Frage, ob die Erklärung von 1789 als universell gelten kann.


Schwer

  1. Universalismus und Exklusion: Verfasse einen wissenschaftsnahen Essay, der den universalen Anspruch der Erklärung mit dem Ausschluss von Frauen, Versklavten und politisch nicht Wahlberechtigten abwägt.
  2. Haitianische Revolution: Erarbeite eine Fallstudie darüber, wie Akteure in Saint-Domingue Freiheit und Gleichheit deuteten und politisch durchsetzten.
  3. Historiografischer Vergleich: Vergleiche eine liberale, eine sozialgeschichtliche und eine geschlechtergeschichtliche Deutung der Erklärung. Prüfe Erkenntnisgewinn und Grenzen jedes Ansatzes.
  4. Digitale Ausstellung: Konzipiere eine digitale Ausstellung mit mindestens acht Objekten zu Entstehung, Inhalt, Ausschlüssen und Wirkungsgeschichte der Erklärung. Verfasse zu jedem Objekt einen quellenkritischen Katalogtext.




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Lernkontrolle

  1. Grundrechtsprüfung: Eine Regierung lässt kritische Flugblätter ohne Gerichtsentscheidung beschlagnahmen und ihre Verfasser festnehmen. Prüfe den Fall anhand mehrerer Artikel der Erklärung und begründe mögliche Konflikte.
  2. Freiheitskonflikt: Entwickle ein Beispiel, in dem Meinungsfreiheit und Schutz anderer Personen miteinander kollidieren. Formuliere eine historisch plausible Lösung im Sinne der Erklärung.
  3. Universalitätsurteil: Beurteile die These: „Die Erklärung war universal in ihrer Sprache, aber partikular in ihrer Anwendung.“ Nutze mindestens drei historische Belege.
  4. Verfassungsvergleich: Vergleiche Artikel 16 der Erklärung mit einem modernen Verfassungsprinzip des Grundgesetzes. Erkläre Gemeinsamkeiten und Unterschiede im historischen Kontext.
  5. Kausalmodell Revolution: Erstelle ein Wirkungsdiagramm, das Finanzkrise, Ständekonflikt, politische Öffentlichkeit, revolutionäre Ereignisse und Verabschiedung der Erklärung miteinander verbindet.
  6. Norm und Wirklichkeit: Zeige an zwei Artikeln, wie sich normativer Anspruch und politische Praxis zwischen 1789 und 1791 unterschieden.
  7. Historisches Beratungsgutachten: Versetze Dich in eine beratende Rolle im August 1789. Empfiehl zwei zusätzliche Artikel, die damalige Ausschlüsse verringert hätten, und begründe ihre historische Plausibilität.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:

  1. Kontextwissen: sichere Einordnung der Erklärung in die Ereignisse und Krisen des Jahres 1789.
  2. Quellenkompetenz: Unterscheidung zwischen normativem Anspruch, politischer Umsetzung und gesellschaftlicher Wirklichkeit.
  3. Begriffskompetenz: historisch präzise Verwendung von Freiheit, Gleichheit, Nation, Souveränität, Gesetz, Gewaltenteilung und Eigentum.
  4. Analysekompetenz: strukturierte Untersuchung ausgewählter Artikel und ihrer Argumentationslogik.
  5. Vergleichskompetenz: begründeter Vergleich mit mindestens einem früheren und einem späteren Menschenrechtsdokument.
  6. Urteilskompetenz: differenziertes Sachurteil zu Bedeutung und Grenzen der Erklärung.
  7. Perspektivenvielfalt: Einbezug von Frauen, Kolonisierten, Versklavten, Besitzlosen und politischen Minderheiten.
  8. Wissenschaftspropädeutik: nachvollziehbare Fragestellung, Quellenbelege, klare Gliederung und reflektierte Schlussfolgerung.

Ein möglicher Lernnachweis besteht aus einer schriftlichen Quellenanalyse mit anschließendem Vergleichsessay und einer mündlichen Verteidigung des eigenen historischen Urteils.




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Prüfungsliteratur 2026
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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

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Bayern

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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Berlin/Brandenburg

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
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Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

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  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

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The Monkey DanceaiMOOCs

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