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Der Raum als dritter Erzieher - Pädagogik

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Der Raum als dritter Erzieher - Pädagogik




Der Raum als dritter Erzieher - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik Niveau: Studium und pädagogische Ausbildung Zielgruppe: Studierende, pädagogische Fachkräfte und Lehrende Lernformat: wissenschaftlich fundierter aiMOOC mit Analyse-, Gestaltungs- und Forschungsaufgaben


Einleitung

Der Ausdruck „Raum als dritter Erzieher“ bezeichnet die pädagogische Annahme, dass Räume nicht bloß neutrale Behälter für Bildung sind. Ihre Architektur, Einrichtung, Materialität, Atmosphäre und Nutzungsordnung eröffnen oder begrenzen vielmehr bestimmte Formen des Lernens, Spielens, Forschens, Kommunizierens und Zusammenlebens. Ein Lernraum kann zu Bewegung einladen, Kooperation erleichtern, Rückzug ermöglichen, Neugier wecken, Selbstständigkeit unterstützen oder durch Lärm, Unübersichtlichkeit und starre Möblierung Teilhabe erschweren.

Die Formulierung wird besonders mit der Reggio-Pädagogik und dem Pädagogen Loris Malaguzzi verbunden. „Dritter Erzieher“ ist dabei keine starre Rangfolge. Die Metapher hebt hervor, dass Bildung in einem Beziehungsgefüge aus Kindern beziehungsweise Lernenden, Erwachsenen, Peers, Dingen, Orten und kulturellen Bedeutungen entsteht. Die offizielle Darstellung des Reggio-Emilia-Ansatzes betont das kompetente, mit Rechten ausgestattete Kind, seine vielfältigen Ausdrucksformen und das Lernen in Beziehungen.[1]

Piazza in Reggio Emilia als Vorbild für gemeinschaftlich gedachte Mitte
Piazza in Reggio Emilia als Vorbild für gemeinschaftlich gedachte Mitte

Die Piazza ist in reggianisch inspirierten Einrichtungen häufig ein Bild für die gemeinsame Mitte: Begegnung, Sichtbarkeit, Austausch und Zugehörigkeit werden räumlich unterstützt.

Dieser aiMOOC richtet sich an Studierende der Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik, Frühpädagogik, Schulpädagogik und Hochschuldidaktik. Du untersuchst Lernräume aus historischer, theoretischer, empirischer, inklusiver und gestaltungspraktischer Perspektive. Dabei geht es nicht um die Vorstellung, ein „schöner Raum“ erzeuge automatisch gute Bildung. Entscheidend ist die Passung zwischen Pädagogik, Raum, Zielgruppe, Tätigkeit, Zeitstruktur und institutionellen Bedingungen.


Lernziele

Nach Abschluss dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Raumpädagogische Grundannahmen erläutern und in pädagogische Theorien einordnen.
  2. Die Idee des Raumes als drittem Erzieher von der vorbereiteten Umgebung der Montessoripädagogik und anderen Konzepten unterscheiden.
  3. Lernräume hinsichtlich Barrierefreiheit, Akustik, Licht, Orientierung, Flexibilität, Materialzugang, Rückzug und sozialer Nutzung analysieren.
  4. Empirische Befunde zur Wirkung physischer Lernumgebungen kritisch beurteilen.
  5. Raumgestaltung mit Didaktik, Inklusion, Partizipation und Bildung für nachhaltige Entwicklung verbinden.
  6. Einen begründeten Entwurf für einen Lernraum entwickeln und mit Beobachtungsdaten evaluieren.


Historische und theoretische Grundlagen


Reggio-Pädagogik und Loris Malaguzzi

Die Reggio-Pädagogik entstand nach dem Zweiten Weltkrieg im norditalienischen Reggio Emilia aus kommunalen, zivilgesellschaftlichen und familienbezogenen Initiativen. Loris Malaguzzi wirkte maßgeblich an ihrer pädagogischen Entwicklung und internationalen Verbreitung mit. Zentrale Merkmale sind das Bild des kompetenten Kindes, Projektarbeit, Pädagogische Dokumentation, die Zusammenarbeit mit Familien, die Bedeutung der Gemeinschaft und die „hundert Sprachen“ als Metapher für vielfältige Ausdrucks- und Erkenntnisweisen.

Loris Malaguzzi
Loris Malaguzzi
Internationales Loris-Malaguzzi-Zentrum in Reggio Emilia
Internationales Loris-Malaguzzi-Zentrum in Reggio Emilia

In diesem Zusammenhang wird der Raum als aktiver Bestandteil des pädagogischen Geschehens verstanden. Transparenz, natürliche Materialien, Licht, Spiegel, Ateliers, Dokumentationsflächen, offene Verbindungen und eine gemeinsame Mitte sollen Beziehungen und Forschung anregen. Die Gestaltung bleibt veränderbar, damit Kinder Spuren hinterlassen und den Raum mitkonstruieren können.


Verwandte pädagogische Traditionen

Die Aufmerksamkeit für den Raum ist nicht auf Reggio Emilia beschränkt.

  1. Montessoripädagogik: Die Vorbereitete Umgebung stellt geordnete, zugängliche und entwicklungsangemessene Materialien bereit. Sie soll selbstständige Tätigkeit und Konzentration ermöglichen.
  2. Fröbelpädagogik: Spielgaben, Beschäftigungsmittel, Garten und gemeinschaftliche Tätigkeiten verbinden Raum, Material und Bildung.
  3. Schörlpädagogik: Das Raumteilverfahren gliedert den Gruppenraum in überschaubare Funktionsbereiche und unterstützt vertieftes Spiel.
  4. Offener Unterricht: Lernbüros, Werkstätten, Stationen und Wahlmöglichkeiten verlangen eine räumliche Organisation, die verschiedene Arbeitsformen zulässt.
  5. Reformpädagogik: Viele reformpädagogische Ansätze verbinden Selbsttätigkeit, Gemeinschaft, Naturerfahrung und handlungsorientiertes Lernen mit einer veränderten Raumordnung.
  6. Erlebnispädagogik und Outdoor Education: Landschaft, Stadt, Werkstatt, Museum oder Betrieb werden als erweiterte Lernorte verstanden.
Montessori-Klassenraum als Beispiel einer vorbereiteten Umgebung
Montessori-Klassenraum als Beispiel einer vorbereiteten Umgebung

Vergleichend wichtig: In der Montessoripädagogik steht häufig die sorgfältig vorbereitete, geordnete Umgebung mit spezifischen Materialien im Vordergrund. Reggio-inspirierte Räume betonen stärker Beziehungen, Projektspuren, ästhetische Forschung, Dokumentation und fortlaufende Ko-Konstruktion. In der Praxis können sich Elemente überschneiden.


Raumtheoretische Perspektiven

Ein pädagogischer Raum lässt sich aus mehreren theoretischen Blickwinkeln betrachten:

  1. Konstruktivismus: Lernende konstruieren Wissen aktiv. Räume bieten Gelegenheiten für Exploration, Austausch und Reflexion.
  2. Sozialkonstruktivismus: Lernen entsteht in sozialen Praktiken. Sitzordnung, Sichtbeziehungen und Zugänglichkeit beeinflussen Kooperation und Beteiligung.
  3. Ökologische Psychologie: Dinge und Orte besitzen Affordanzen, also wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten. Eine breite Stufe kann Sitzplatz, Bühne oder Treffpunkt sein.
  4. Sozialraumorientierung: Bildungsorte sind in Nachbarschaften, Machtverhältnisse und Ressourcenverteilungen eingebettet.
  5. Phänomenologie: Räume werden leiblich, atmosphärisch und biografisch erfahren. Enge, Helligkeit, Geruch, Temperatur und Klang prägen Wohlbefinden.
  6. Soziomaterialität: Pädagogisches Handeln entsteht im Zusammenspiel von Menschen, Möbeln, Medien, Regeln, Zeitplänen und Dingen.
  7. Symbolischer Interaktionismus: Räume kommunizieren Erwartungen. Eine verschlossene Materialkammer sendet eine andere Botschaft als frei zugängliche Werkzeuge.


Was „erzieht“ am Raum?


Raum als Möglichkeitsstruktur

Ein Raum handelt nicht wie eine Person. Er wirkt indirekt, indem er Wahrnehmungen, Bewegungen und Entscheidungen wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher macht. Seine „pädagogische Stimme“ zeigt sich zum Beispiel in folgenden Botschaften:

  1. „Du darfst wählen.“ Verschiedene Arbeitsplätze und zugängliche Materialien unterstützen Autonomie.
  2. „Du gehörst dazu.“ Sichtbare Arbeiten, mehrsprachige Beschriftungen und repräsentierte Lebenswelten fördern Zugehörigkeit.
  3. „Du darfst Dich zurückziehen.“ Akustisch geschützte Nischen ermöglichen Regulation und Konzentration.
  4. „Wir arbeiten gemeinsam.“ Mobile Tische, große Arbeitsflächen und sichtbare Werkzeuge erleichtern Kooperatives Lernen.
  5. „Deine Ideen bleiben bedeutsam.“ Pädagogische Dokumentation macht Lernprozesse und Fragen sichtbar.
  6. „Fehler und Umwege sind erlaubt.“ Werkstattartige Bereiche unterstützen Erprobung, Revision und forschendes Lernen.
Interaktion in einem frühpädagogischen Lernraum
Interaktion in einem frühpädagogischen Lernraum


Die sechs Ebenen des Lernraums

Für eine differenzierte Analyse ist es hilfreich, sechs miteinander verbundene Ebenen zu unterscheiden:

  1. Physischer Raum: Grundriss, Möblierung, Licht, Luft, Temperatur, Farbe, Material, Akustik und Zugänglichkeit.
  2. Sozialer Raum: Beziehungen, Nähe, Distanz, Blickkontakt, Gruppenbildung, Konflikte und Zugehörigkeit.
  3. Didaktischer Raum: Lernziele, Aufgabenformen, Methoden, Medien und Leistungsanforderungen.
  4. Symbolischer Raum: Werte, Normen, Repräsentationen, Hierarchien und implizite Botschaften.
  5. Zeitlicher Raum: Rhythmen, Übergänge, Dauer, Verfügbarkeit und Möglichkeiten zur Umgestaltung.
  6. Digitaler Raum: Lernplattformen, hybride Teilnahme, digitale Werkzeuge, Datenschutz und mediale Sichtbarkeit.

Ein Raumkonzept ist dann besonders tragfähig, wenn diese Ebenen nicht getrennt geplant werden. Eine flexible Möblierung bleibt pädagogisch folgenlos, wenn Zeitpläne jede Umgestaltung verhindern. Ein digital ausgestatteter Raum bleibt exklusiv, wenn Geräte oder Inhalte nicht barrierefrei nutzbar sind.


Gestaltungsdimensionen


Orientierung, Lesbarkeit und Transparenz

Orientierung bedeutet, dass Lernende erkennen können, wo sie sich befinden, welche Möglichkeiten bestehen und welche Regeln gelten. Sichtachsen, klare Zonen, Piktogramme, Farbcodierungen, gut lesbare Beschriftungen und wiederkehrende Ordnungsprinzipien reduzieren unnötige Such- und Übergangsbelastungen.

Transparenz kann Zusammenarbeit und Sicherheit fördern. Sie darf jedoch nicht mit permanenter Sichtbarkeit verwechselt werden. Pädagogisch gute Räume balancieren Überblick mit Privatsphäre und Rückzug. Besonders für Menschen mit erhöhter Reizempfindlichkeit können dauernde Bewegung und visuelle Offenheit belastend sein.

Gemeinschafts- und Bewegungsbereich in einer italienischen Kindertageseinrichtung
Gemeinschafts- und Bewegungsbereich in einer italienischen Kindertageseinrichtung


Licht, Luft, Temperatur und Akustik

Gute räumliche Bedingungen betreffen grundlegende körperliche Voraussetzungen des Lernens. Tageslicht, regulierbare Beleuchtung, angemessene Luftqualität, thermischer Komfort und verständliche Sprache sind keine dekorativen Extras. Sie beeinflussen Aufmerksamkeit, Ermüdung, Kommunikation und Wohlbefinden.

Die HEAD-Studie von Barrett und Kolleginnen beziehungsweise Kollegen untersuchte 153 Klassenräume in 27 englischen Grundschulen mit 3.766 Schülerinnen und Schülern. In ihrem Modell erklärten sieben Gestaltungsparameter – Licht, Temperatur, Luftqualität, Zugehörigkeit beziehungsweise „Ownership“, Flexibilität, Komplexität und Farbe – zusammen 16 Prozent der Variation des Lernfortschritts.[2]

Kritische Einordnung: Der Befund stammt aus einem bestimmten Grundschulkontext und darf nicht als universelles Kausalgesetz interpretiert werden. Er zeigt jedoch, dass die Qualität konkreter Klassenräume in Bildungsforschung und Planung ernst genommen werden muss.

Für die Akustik sind kurze Nachhallzeiten, lärmarme Möbel, absorbierende Flächen und räumliche Trennung widersprüchlicher Aktivitäten bedeutsam. Gleichzeitig muss Sprache auch für Lernende mit Hörbeeinträchtigung oder in einer Zweitsprache verständlich sein.


Flexibilität und pädagogische Passung

Flexibilität bedeutet nicht, möglichst viele Rollen unter Möbel zu schrauben. Entscheidend ist, ob ein Raum ohne unverhältnismäßigen Aufwand verschiedene Lernhandlungen unterstützt: konzentrierte Einzelarbeit, Partnerarbeit, Seminar, Bewegung, Präsentation, Werkstatt, Beratung und digitale Zuschaltung.

Die OECD beschrieb auf Grundlage eines Projekts mit Schulen aus sechs europäischen Ländern ein Lernraummodell, das flexibel, veränderbar und nachhaltig sein und unterschiedliche Lehr-Lern-Prozesse unterstützen soll.[3] Forschung zur Passung von Didaktik und Raum warnt zugleich davor, innovative Flächen ohne veränderte Lehrpraxis als Selbstzweck zu behandeln.[4]

Flexibler schulischer Lernbereich für unterschiedliche Gruppengrößen
Flexibler schulischer Lernbereich für unterschiedliche Gruppengrößen


Materialität, Ästhetik und Aufforderungscharakter

Materialien strukturieren Handlungen. Offen präsentierte Werkzeuge können Neugier und Selbstständigkeit fördern, sofern Auswahl, Sicherheit und Ordnung nachvollziehbar bleiben. Naturmaterialien, Alltagsgegenstände, technische Geräte und künstlerische Medien eröffnen verschiedene Zugänge zur Welt.

Ästhetik ist dabei nicht mit perfekter Dekoration gleichzusetzen. Ein pädagogisch anregender Raum wirkt bewohnt, bedeutsam und veränderbar. Zu viele Farben, Schriftzüge und Displays können jedoch zu visueller Überlastung führen. Eine gute Gestaltung balanciert Stimulation und Ruhe.

Makerspace als Werkstatt für kooperative und produktorientierte Lernprozesse
Makerspace als Werkstatt für kooperative und produktorientierte Lernprozesse


Zonen, Übergänge und Rückzug

Unterschiedliche Tätigkeiten benötigen unterschiedliche räumliche Qualitäten. Sinnvolle Zonen können sein:

  1. Gemeinschaftszone: Ankommen, Versammlung, Austausch und Präsentation.
  2. Atelier: Gestalten, Experimentieren, Bauen und materialbezogenes Forschen.
  3. Lernwerkstatt: Fachliche Materialien, Modelle, Werkzeuge und offene Aufgaben.
  4. Rückzugsraum: Konzentration, Erholung, Beratung oder sensorische Regulation.
  5. Bewegungsraum: Körpererfahrung, Spiel, Theater und wechselnde Lernarrangements.
  6. Dokumentationsfläche: Sichtbare Fragen, Hypothesen, Zwischenergebnisse und Reflexionen.
  7. Außenraum: Naturbeobachtung, Bewegung, Gestaltung und Lernen im Gemeinwesen.

Übergänge sind selbst pädagogische Situationen. Garderoben, Flure, Schwellen, Treppen oder Wartebereiche können Konflikte erzeugen oder Begegnung erleichtern. Gute Planung berücksichtigt deshalb nicht nur „Haupträume“, sondern auch Wege und Zwischenräume.

Zonierter frühpädagogischer Raum
Zonierter frühpädagogischer Raum
Überschaubarer Lernbereich für jüngere Kinder
Überschaubarer Lernbereich für jüngere Kinder


Partizipation, Inklusion und Gerechtigkeit


Partizipative Raumgestaltung

Partizipation bedeutet, dass Lernende nicht nur zwischen vorgegebenen Sitzsäcken wählen, sondern an Problemdefinition, Planung, Erprobung und Bewertung beteiligt werden. Geeignete Verfahren sind Raumspaziergänge, Fotodokumentationen, Kartierungen, Modellbau, Wunsch- und Kritiktafeln, Interviews, Beobachtung sowie Prototyping mit mobilen Elementen.

Ein partizipativer Prozess kann in fünf Schritten organisiert werden:

  1. Erkunden: Wer nutzt den Raum wann und wofür?
  2. Probleme sichtbar machen: Wo entstehen Lärm, Ausschluss, Wartezeiten oder Orientierungsschwierigkeiten?
  3. Ideen entwickeln: Welche räumlichen und organisatorischen Alternativen gibt es?
  4. Prototypen testen: Welche Veränderung lässt sich vorläufig und kostengünstig erproben?
  5. Evaluieren: Was verbessert sich, für wen und unter welchen Bedingungen?

Achtung vor Scheinpartizipation: Beteiligung ist unglaubwürdig, wenn zentrale Entscheidungen bereits feststehen oder Rückmeldungen folgenlos bleiben. Transparente Entscheidungsspielräume und nachvollziehbare Begründungen sind daher wesentlich.


Inklusive Lernräume und Universal Design for Learning

Inklusion verlangt mehr als Rampen und breite Türen. Ein Lernraum sollte unterschiedliche Körper, Wahrnehmungsweisen, Kommunikationsformen, Sprachen, Konzentrationsbedürfnisse und soziale Erfahrungen berücksichtigen. Das Universal Design for Learning zielt darauf, Barrieren von Beginn an zu reduzieren und vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung, Repräsentation und Handlung zu eröffnen.[5]

Prüffragen für inklusive Räume sind:

  1. Können alle Personen den Raum selbstständig erreichen, verstehen und nutzen?
  2. Gibt es kontrastreiche, taktile, sprachlich klare und digitale Orientierungshilfen?
  3. Sind Tische, Präsentationsflächen und Materialien in unterschiedlichen Höhen nutzbar?
  4. Existieren reizärmere Plätze, ohne Lernende sozial auszugrenzen?
  5. Sind Sicht- und Hörbedingungen für verschiedene Positionen geeignet?
  6. Können analoge und digitale Beiträge gleichwertig eingebracht werden?
  7. Repräsentiert die Gestaltung vielfältige Familienformen, Kulturen, Geschlechter und Lebensweisen?

Ein „offener“ Raum ist nicht automatisch inklusiv. Große, transparente Flächen können Kommunikation erleichtern, zugleich aber Lärm, Ablenkung und sozialen Druck erhöhen. Inklusive Planung braucht daher Wahlmöglichkeiten und gleichwertige Alternativen.


Raum, Macht und institutionelle Ordnung

Räume verteilen Rechte und Sichtbarkeit. Wer besitzt einen Schlüssel? Wer darf Möbel verschieben? Wessen Arbeiten hängen an der Wand? Wer sitzt am Rand? Wer verfügt über ein eigenes Büro, und wer arbeitet ständig öffentlich? Solche Fragen machen Macht und Institution räumlich analysierbar.

Auch die klassische Frontalordnung enthält eine pädagogische Botschaft: Wissen, Blickrichtung und Aufmerksamkeit werden auf eine zentrale Position ausgerichtet. Diese Ordnung kann für bestimmte Phasen sinnvoll sein, sollte aber nicht als einzig mögliche Form erscheinen. Pädagogische Professionalität zeigt sich darin, Raumordnungen begründet zu wählen und verändern zu können.


Der erweiterte Lernraum


Außenraum, Natur und Gemeinwesen

Der Raum als dritter Erzieher endet nicht an der Gebäudetür. Schulhof, Garten, Park, Stadtteil, Bibliothek, Museum, Betrieb und digitale Öffentlichkeit können zu Lernorten werden. Außerräumliches Lernen eröffnet reale Gegenstände, ökologische Zusammenhänge, Bewegung und Begegnung mit gesellschaftlicher Praxis.

Schulgarten als handlungsorientierter Außenlernraum
Schulgarten als handlungsorientierter Außenlernraum

Die Öffnung in das Gemeinwesen verlangt Vorbereitung: Zugänglichkeit, Aufsicht, Sicherheit, Kooperation, Mobilität und die Perspektiven der Beteiligten müssen berücksichtigt werden. Ein Ausflug wird erst dann zum pädagogischen Lernraum, wenn Beobachtung, Tätigkeit, Reflexion und Anschluss an Fragestellungen miteinander verbunden sind.


Digitale und hybride Lernräume

Digitale Lernräume besitzen ebenfalls Architektur: Navigation, Rechte, Sichtbarkeit, Interaktionsmöglichkeiten und Barrieren sind gestaltet. In hybriden Lernsettings müssen physische und digitale Teilnehmende wahrnehmbar, hörbar und handlungsfähig sein.

Pädagogische Prüffragen sind:

  1. Werden digital zugeschaltete Personen als vollwertige Gruppenmitglieder beteiligt?
  2. Sind Kamerapositionen, Mikrofone und Bildschirme so angeordnet, dass Blickkontakt und Verständlichkeit möglich werden?
  3. Gibt es barrierefreie Dokumente, Untertitel und alternative Kommunikationskanäle?
  4. Sind Datenschutz, Einwilligung und Rückzug aus Aufzeichnungen geregelt?
  5. Unterstützt die Technik die Aufgabe oder lenkt sie von ihr ab?


Lernräume an Hochschulen

Im Studium werden Räume häufig als Hörsaal, Seminarraum, Bibliothek, Labor oder Lernplattform getrennt gedacht. Der Ansatz des dritten Erziehers regt dazu an, diese Orte als zusammenhängende Lernlandschaft zu betrachten. Ein pädagogisches Seminar kann beispielsweise zwischen Inputzone, Fallwerkstatt, Gruppenarbeitsinseln, stiller Lektüre, digitaler Recherche und Präsentationsbereich wechseln.

Gruppenarbeit als sozial-räumliches Lernarrangement
Gruppenarbeit als sozial-räumliches Lernarrangement

Für die Hochschuldidaktik ist wichtig, dass Studierende nicht nur flexible Räume erhalten, sondern auch räumliche Handlungskompetenz entwickeln. Dazu gehören das bewusste Umgestalten, das Aushandeln von Nutzungsregeln, die Rücksicht auf Barrieren und die Evaluation der gewählten Anordnung.


Planung und Evaluation


Vom pädagogischen Ziel zur Raumentscheidung

Eine professionelle Raumplanung beginnt nicht mit Möbelkatalogen, sondern mit Lern- und Teilhabezielen.

Pädagogisches Ziel Benötigte Handlung Mögliche räumliche Unterstützung Zu prüfendes Risiko
Kooperatives Lernen Aushandeln, gemeinsames Produzieren Bewegliche Gruppentische, gemeinsame Arbeitsfläche, Materialzugang Lärm, Dominanz einzelner Personen
Selbstreguliertes Lernen Planen, wählen, konzentrieren, reflektieren Unterschiedliche Arbeitsplätze, sichtbare Zeit- und Aufgabenstruktur Überforderung durch zu viele Optionen
Forschendes Lernen Beobachten, dokumentieren, experimentieren Werkstatt, Wasser- und Stromzugang, Präsentationsflächen Sicherheits- und Zugangsbarrieren
Inklusion Gleichberechtigt teilnehmen Barrierefreie Wege, Wahl zwischen reizarmen und kommunikativen Zonen Sonderbereiche, die stigmatisieren
Präsentation Sichtbar und hörbar kommunizieren Flexible Blickrichtung, gute Akustik, analoge und digitale Anzeige Fixierung auf eine zentrale Sprecherposition


Raumbeobachtung als Forschungsmethode

Zur Analyse eignen sich qualitative und quantitative Verfahren:

  1. Teilnehmende Beobachtung: Bewegungen, Aufenthaltsdauer, Interaktionen und Konflikte dokumentieren.
  2. Behavior Mapping: Aktivitäten und Personenpositionen in einem Grundriss markieren.
  3. Fotodokumentation: Räumliche Muster zu unterschiedlichen Zeiten vergleichen, sofern Datenschutz und Einwilligung geklärt sind.
  4. Interview und Gruppendiskussion: Erfahrungen verschiedener Nutzergruppen erheben.
  5. Fragebogen: Wahrnehmungen zu Komfort, Zugehörigkeit, Orientierung und Lernunterstützung erfassen.
  6. Post-Occupancy Evaluation: Einen Raum nach Inbetriebnahme systematisch bewerten.
  7. Aktionsforschung: Veränderung planen, erproben, beobachten und reflektieren.

Eine systematische Übersicht zu innovativen Lernumgebungen fand Hinweise auf positive Zusammenhänge mit Lernergebnissen, betonte aber zugleich die begrenzte Zahl methodisch robuster Studien und den Bedarf an längerfristiger Evaluation.[6]


Analysebogen für einen Lernraum

Bewerte einen realen Lernraum auf einer Skala von 1 bis 5 und begründe jede Einschätzung mit Beobachtungen.

Dimension Leitfrage Mögliche Indikatoren
Zugänglichkeit Können verschiedene Personen den Raum selbstständig nutzen? Wege, Türbreiten, Höhen, Beschilderung, digitale Barrierefreiheit
Orientierung Ist erkennbar, wo Materialien und Tätigkeiten verortet sind? Sichtachsen, Symbole, Beschriftungen, Ordnung
Akustik Sind Sprache, Konzentration und Ruhe möglich? Nachhall, Störquellen, Zonierung, Rückzugsplätze
Flexibilität Lässt sich der Raum passend zur Aufgabe verändern? Möbelgewicht, Umbauzeit, Lagerung, Anschlüsse
Partizipation Können Lernende Spuren hinterlassen und Entscheidungen treffen? Präsentationsflächen, veränderbare Elemente, Mitbestimmungsregeln
Zugehörigkeit Werden unterschiedliche Gruppen sichtbar und anerkannt? Repräsentation, Mehrsprachigkeit, persönliche Arbeiten
Naturbezug Gibt es Tageslicht, Ausblick, Pflanzen oder Außenbezug? Fenster, Grün, Außenlernorte, natürliche Materialien
Didaktische Passung Unterstützt der Raum die tatsächlichen Lernhandlungen? Beobachtbare Nutzung, Aufgabenformen, Medienzugang


Prototyping statt Sofortumbau

Viele Verbesserungen lassen sich zunächst als Prototyp testen: Klebeband markiert eine neue Zone, mobile Stellwände simulieren Rückzug, Kartons ersetzen geplante Regale oder eine Seminargruppe erprobt mehrere Sitzordnungen. So werden Wirkungen beobachtbar, bevor hohe Kosten entstehen.


Kritische Perspektiven


Grenzen des Konzepts

Die Metapher vom dritten Erzieher ist anregend, kann aber missverstanden werden.

  1. Räumlicher Determinismus: Räume verursachen nicht automatisch bestimmte Lernleistungen. Nutzung, Beziehung, Aufgabe und Kontext vermitteln ihre Wirkung.
  2. Ästhetisierung: Ein fotografisch attraktiver Raum kann unpraktisch, exklusiv oder überstimulierend sein.
  3. Innovation als Etikett: Offene Flächen und mobile Möbel sind nicht automatisch lernwirksam.
  4. Ungleichheit: Finanzstarke Einrichtungen verfügen oft über bessere Gebäude, Technik und Außenflächen. Raumfragen sind daher auch Fragen der Bildungsgerechtigkeit.
  5. Überwachung: Transparenz kann Schutz und Kooperation fördern, aber ebenso Kontrolle und fehlende Privatsphäre.
  6. Standardisierung: Ein Konzept aus Reggio Emilia lässt sich nicht ohne Weiteres aus seinem kommunalen und kulturellen Kontext lösen.
  7. Ökologie: Häufige Neubauten und Möbelaustausch können Ressourcen verschwenden. Nachhaltige Umnutzung ist oft pädagogisch und ökologisch sinnvoller.


Pädagogische Antinomien im Raum

Professionelle Raumgestaltung bewegt sich zwischen Spannungen, die nicht endgültig aufgelöst, sondern reflektiert bearbeitet werden:

  1. Offenheit und Rückzug
  2. Flexibilität und Verlässlichkeit
  3. Sichtbarkeit und Privatsphäre
  4. Anregung und Reizreduktion
  5. Gemeinschaft und individuelle Wahl
  6. Sicherheit und eigenständiges Risiko
  7. Ordnung und kreative Aneignung
  8. institutionelle Effizienz und persönliche Zugehörigkeit

Die Qualität einer Lösung zeigt sich nicht darin, nur einen Pol zu maximieren, sondern unterschiedliche Bedürfnisse situativ auszubalancieren.


Fallbeispiel: Ein Seminarraum wird zum pädagogischen Lernlabor

Ein universitärer Seminarraum besitzt fest ausgerichtete Tische, eine Projektionsfläche und kaum freie Wände. Eine Gruppe im Studienfach Pädagogik soll Fallanalysen, Theoriearbeit, Rollenspiele und Projektpräsentationen durchführen.

Eine mögliche Umgestaltung umfasst:

  1. Eine gemeinsame Mitte für kurze Inputs und Reflexionskreise.
  2. Drei Arbeitsinseln für Fallanalyse, Literaturvergleich und Materialentwicklung.
  3. Eine ruhige Zone für Einzelarbeit und digitale Zuschaltung.
  4. Eine Dokumentationswand mit Forschungsfragen, Begriffskarten und Zwischenständen.
  5. Einen Materialwagen mit Moderationsmaterial, Literatur, Aufnahmegerät und barrierearmen Hilfsmitteln.
  6. Eine Feedbackstation, an der Studierende nach jeder Sitzung räumliche Hindernisse und hilfreiche Elemente notieren.

Die Gruppe beobachtet vier Wochen lang, welche Zonen tatsächlich genutzt werden, welche Personen sich beteiligen, wo Störungen auftreten und wie lange Umbauten dauern. Danach verändert sie den Raum erneut. So wird der Seminarraum selbst zum Gegenstand forschenden Lernens.


Zusammenfassung

Der Raum als dritter Erzieher ist eine pädagogische Denkfigur, die Lernumgebungen als aktive Möglichkeitsstrukturen begreift. Räume beeinflussen, welche Handlungen leicht, sichtbar, anerkannt oder erschwert werden. Besonders bedeutsam sind die Passung von Raum und Didaktik, die Beteiligung der Nutzenden, barrierearme Wahlmöglichkeiten, gute sinnliche Bedingungen, veränderbare Zonen und eine fortlaufende Evaluation.

Ein professioneller Blick fragt daher nicht nur: „Wie sieht der Raum aus?“ Er fragt: „Welche Beziehungen, Handlungen, Zugehörigkeiten und Lernwege ermöglicht dieser Raum – und für wen?“


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Mit welchem pädagogischen Ansatz wird die Metapher vom Raum als drittem Erzieher besonders verbunden? (Reggio-Pädagogik) (!Behaviorismus) (!Programmiertes Lernen) (!Instruktionalismus)




Was beschreibt eine Affordanz im räumlichen Kontext? (Eine wahrgenommene Handlungsmöglichkeit) (!Eine gesetzlich festgelegte Raumgröße) (!Eine Form der Leistungsbewertung) (!Eine ausschließlich dekorative Eigenschaft)




Welche Aussage entspricht einer kritischen Sicht auf Lernräume? (Räume wirken im Zusammenspiel mit Pädagogik und Nutzung) (!Mobile Möbel garantieren bessere Leistungen) (!Offene Flächen sind für alle Lernenden ideal) (!Ästhetik ersetzt didaktische Planung)




Welcher Faktor gehört zu den sieben Parametern der HEAD-Studie? (Luftqualität) (!Schuluniform) (!Hausaufgabenmenge) (!Lehrergehalt)




Was ist ein zentrales Ziel partizipativer Raumgestaltung? (Nutzende an Analyse, Planung und Bewertung beteiligen) (!Alle Entscheidungen an Architekturbüros abgeben) (!Räume ohne Regeln verwenden) (!Jede Person erhält einen eigenen Klassenraum)




Welche räumliche Lösung unterstützt sensorische Regulation besonders? (Eine reizärmere Rückzugsmöglichkeit) (!Dauerhaft laute Hintergrundmusik) (!Vollständig transparente Wände) (!Möglichst viele blinkende Anzeigen)




Was bedeutet didaktische Passung eines Lernraums? (Der Raum unterstützt die vorgesehenen Lernhandlungen) (!Der Raum folgt einem aktuellen Einrichtungstrend) (!Der Raum besitzt möglichst viele digitale Geräte) (!Der Raum bleibt immer unverändert)




Welches Verfahren markiert Aktivitäten und Positionen in einem Grundriss? (Behavior Mapping) (!Intelligenztest) (!Notenkonferenz) (!Literaturreview)




Welche Spannung gehört zu pädagogischen Antinomien der Raumgestaltung? (Offenheit und Rückzug) (!Teppich und Parkett) (!Altbau und Neubau) (!Sommer und Winter)




Wodurch wird ein Außenort zu einem pädagogischen Lernraum? (Durch die Verbindung von Tätigkeit, Beobachtung und Reflexion) (!Allein durch das Verlassen des Gebäudes) (!Durch möglichst lange Anfahrtswege) (!Durch den Verzicht auf Fragestellungen)





Memory

Reggio-Pädagogik Raum als aktiver Teil des Bildungsprozesses
Piazza Gemeinschaftliche Mitte
Atelier Materialbezogenes Forschen und Gestalten
Affordanz Wahrgenommene Handlungsmöglichkeit
Rückzugszone Reizreduktion und Konzentration
Partizipation Mitwirkung an Planung und Bewertung
Behavior Mapping Kartierung räumlicher Aktivitäten
Didaktische Passung Abstimmung von Raum und Lernhandlung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Piazza Begegnung und gemeinsame Öffentlichkeit
Atelier Gestalten, Experimentieren und Materialforschung
Rückzugsraum Konzentration und sensorische Regulation
Dokumentationsfläche Sichtbarmachung von Fragen und Lernwegen
Außenlernort Natur-, Bewegungs- und Gemeinwesenerfahrung






Kreuzworträtsel

Malaguzzi Welcher Pädagoge ist eng mit der Reggio-Pädagogik verbunden?
Piazza Wie heißt die gemeinschaftliche Mitte in vielen reggianisch inspirierten Einrichtungen?
Atelier Wie heißt ein Raum für materialbezogenes Forschen und Gestalten?
Akustik Welche Raumdimension betrifft Hörbarkeit, Nachhall und Lärm?
Partizipation Welcher Begriff bezeichnet die Mitwirkung an Entscheidungen?
Flexibilität Welche Eigenschaft ermöglicht verschiedene räumliche Nutzungen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Metapher vom Raum als drittem Erzieher wird besonders mit der

verbunden. Ein Raum bietet wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten, die als

bezeichnet werden. Gute Raumgestaltung verbindet physische Bedingungen mit der

. Eine gemeinschaftliche Mitte wird häufig

genannt. Für konzentriertes Arbeiten und sensorische Regulation sind

bedeutsam. Die Mitwirkung der Nutzenden an Planung und Bewertung heißt

. Inklusive Planung reduziert Barrieren und eröffnet unterschiedliche Formen der

. Die systematische Kartierung von Aktivitäten in einem Grundriss wird

genannt. Flexible Möbel sind nur dann sinnvoll, wenn sie zu den vorgesehenen

passen. Eine professionelle Evaluation prüft, welche Veränderung für welche Gruppe unter welchen

wirksam ist.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Raumbeobachtung: Fotografiere oder skizziere einen Lernraum ohne Personen und beschreibe fünf Botschaften, die seine Anordnung an Lernende sendet.
  2. Sitzordnung: Erprobe in einer Lerngruppe zwei unterschiedliche Sitzordnungen und protokolliere, wie sich Blickkontakt, Redeanteile und Bewegung verändern.
  3. Affordanz: Wähle drei Gegenstände eines Seminarraums und notiere jeweils mindestens vier mögliche Handlungen, zu denen sie auffordern.
  4. Geräuschkarte: Erstelle während einer Lehrveranstaltung eine einfache Karte der Lärmquellen und entwickle zwei realistische Verbesserungen.


Standard

  1. Raumanalyse: Untersuche einen Lernraum mit dem Analysebogen dieses aiMOOCs und begründe jede Bewertung durch konkrete Beobachtungen.
  2. Partizipatives Interview: Befrage mindestens drei unterschiedliche Nutzende zu Barrieren, Lieblingsorten und Veränderungswünschen. Vergleiche die Perspektiven.
  3. Raumprototyp: Baue ein Modell oder einen digitalen Grundriss für einen inklusiven Seminarraum mit Gemeinschafts-, Arbeits- und Rückzugszonen.
  4. Pädagogische Dokumentation: Gestalte eine Dokumentationsfläche, die nicht nur Ergebnisse, sondern Fragen, Irrwege und Lernfortschritte sichtbar macht.


Schwer

  1. Aktionsforschung: Plane einen vierwöchigen Veränderungszyklus für einen realen Lernraum, erhebe Vorher-Nachher-Daten und reflektiere Grenzen Deiner Untersuchung.
  2. Inklusionsaudit: Analysiere einen Hochschul- oder Schulraum aus den Perspektiven von Mobilität, Sehen, Hören, Neurodiversität, Sprache und digitaler Teilhabe.
  3. Raumethnografie: Beobachte einen Übergangsraum wie Flur, Foyer oder Mensa zu mehreren Zeitpunkten und rekonstruiere informelle Regeln, Machtverhältnisse und Aneignungen.
  4. Entwurfsdebatte: Entwickle zwei gegensätzliche Raumkonzepte für dasselbe pädagogische Ziel und verteidige in einer wissenschaftlich gestützten Debatte jeweils Chancen und Risiken.




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Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Lernraum: Eine Schule eröffnet eine große offene Lernlandschaft. Nach drei Monaten berichten einige Lernende von besserer Kooperation, andere von Lärm und fehlendem Rückzug. Entwickle eine mehrperspektivische Diagnose und begründe kurzfristige sowie strukturelle Maßnahmen.
  2. Transfer Reggio Hochschule: Übertrage drei Prinzipien der Reggio-Pädagogik auf ein universitäres Seminar, ohne den frühpädagogischen Ansatz lediglich zu kopieren. Erläutere notwendige Anpassungen.
  3. Didaktik-Raum-Matrix: Vergleiche einen Vortrag, ein Rollenspiel, eine Fallberatung und eine Forschungswerkstatt. Entwirf für jede Methode eine begründete Raumordnung und benenne mögliche Barrieren.
  4. Gerechtigkeitsanalyse: Untersuche, wie ungleiche räumliche Ressourcen zwischen Bildungseinrichtungen Lernchancen beeinflussen können. Entwickle Maßnahmen, die nicht ausschließlich auf teure Neubauten setzen.
  5. Kritik räumlicher Innovation: Beurteile die Aussage „Flexible Möbel machen Unterricht automatisch lernendenzentriert“. Nutze mindestens drei theoretische oder empirische Argumente.
  6. Evaluationsdesign: Entwickle ein Mixed-Methods-Design, mit dem Du die Wirkung einer neuen Rückzugszone untersuchen würdest. Bestimme Fragestellung, Indikatoren, Datenquellen und ethische Anforderungen.
  7. Antinomien bearbeiten: Wähle die Spannung Transparenz und Privatsphäre. Entwickle eine räumliche Lösung, die beide Ansprüche berücksichtigt, und diskutiere unvermeidbare Zielkonflikte.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:

  1. Eine fachlich korrekte Erklärung der Metapher vom Raum als drittem Erzieher.
  2. Eine Einordnung in Reggio-Pädagogik, verwandte Ansätze und raumtheoretische Perspektiven.
  3. Eine begründete Analyse eines realen Lernraums mit nachvollziehbaren Beobachtungsdaten.
  4. Die Verbindung von Raumgestaltung mit Didaktik, Inklusion, Partizipation und Bildungsgerechtigkeit.
  5. Ein eigener Raum- oder Veränderungsentwurf mit klaren pädagogischen Zielen.
  6. Eine kritische Reflexion von Wirkannahmen, Zielkonflikten und Grenzen.
  7. Eine Evaluation, die unterschiedliche Nutzerperspektiven und ethische Anforderungen berücksichtigt.




OERs zum Thema



Literatur und Einzelnachweise

  1. Barrett, Peter; Davies, Fay; Zhang, Yufan; Barrett, Lucinda: The impact of classroom design on pupils’ learning. Building and Environment 89, 2015.
  2. Byers, Terry; Mahat, Marian; Liu, Kirra; Knock, Anne; Imms, Wesley: A Systematic Review of the Effects of Learning Environments on Student Learning Outcomes. University of Melbourne, 2018.
  3. Kuuskorpi, Marko; Cabellos González, Nuria: The Future of the Physical Learning Environment: School Facilities that Support the User. OECD, 2011.
  4. van Merriënboer, Jeroen J. G.; McKenney, Susan; Cullinan, Dominic; Heuer, Jos: Aligning pedagogy with physical learning spaces. European Journal of Education 52, 2017.
  5. Knauf, Tassilo: Pädagogische Ansätze für die Kita: Reggio. Cornelsen, Berlin.
  6. Schäfer, Gerd E.; von der Beek, Angelika: Didaktik in der frühen Kindheit. Verlag das Netz.
  7. Lingenauber, Sabine: Einführung in die Reggio-Pädagogik. Projektverlag.
  1. Reggio Children: Reggio Emilia Approach. https://www.reggiochildren.it/en/reggio-emilia-approach/
  2. Barrett, P.; Davies, F.; Zhang, Y.; Barrett, L. (2015): The impact of classroom design on pupils’ learning. Building and Environment 89, 118–133. https://doi.org/10.1016/j.buildenv.2015.02.013
  3. Kuuskorpi, M.; Cabellos González, N. (2011): The Future of the Physical Learning Environment: School Facilities that Support the User. OECD CELE Exchange. https://doi.org/10.1787/5kg0lkz2d9f2-en
  4. van Merriënboer, J. J. G.; McKenney, S.; Cullinan, D.; Heuer, J. (2017): Aligning pedagogy with physical learning spaces. European Journal of Education 52, 253–267. https://doi.org/10.1111/ejed.12225
  5. CAST: Universal Design for Learning Guidelines. https://udlguidelines.cast.org/
  6. Byers, T.; Mahat, M.; Liu, K.; Knock, A.; Imms, W. (2018): A Systematic Review of the Effects of Learning Environments on Student Learning Outcomes. University of Melbourne, Technical Report 4/2018. https://www.iletc.com.au/wp-content/uploads/2018/07/TR4_Web.pdf


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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