Deep Purple - April Part I

Deep Purple - April Part I
Deep Purple – April Part I
April Part I ist eine instrumentale, für die 1969 erschienene Single Hallelujah hergestellte Kurzfassung aus Deep Purples rund zwölfminütiger Suite April. Gerade diese B-Seite ist musikhistorisch ungewöhnlich: Sie verdichtet den kammermusikalisch wirkenden Beginn der Suite zu einem eigenständigen Single-Track, stammt aus der Mark-I-Phase der Band und erschien auf derselben Schallplatte wie Hallelujah, die bereits mit Ian Gillan und Roger Glover und damit der entstehenden Mark-II-Besetzung aufgenommen wurde.[1][2]
Du kannst April Part I deshalb zugleich als musikalische Miniatur, als Ausschnitt aus einer größeren Rocksuite und als Dokument eines personellen und stilistischen Übergangs untersuchen. Der vollständige Albumtitel April verbindet Progressive Rock, Psychedelic Rock, frühe Hard-Rock-Elemente und klassische beziehungsweise kammermusikalische Klangvorstellungen. Die Singlefassung konzentriert sich dagegen auf den weitgehend ruhigen, instrumentalen Beginn.
Das eingebettete Hörbeispiel stammt vom offiziellen Deep-Purple-Kanal und enthält die vollständige Albumfassung. Für die Untersuchung von April Part I konzentrierst Du Dich auf den Anfang der Aufnahme und vergleichst ihn anschließend mit dem weiteren Verlauf der Suite. Die offizielle Veröffentlichung nennt Ritchie Blackmore und Jon Lord als Komponisten, Derek Lawrence als Produzenten und Barry Ainsworth als Toningenieur.[3]
Medien- und Rechtehinweis
Die in diesem aiMOOC eingebundenen Bilder stammen aus Wikimedia Commons und sind dort als gemeinfrei oder unter freien Lizenzen dokumentiert. Die YouTube-Beispiele werden nicht als freie OER-Dateien kopiert, sondern über offizielle beziehungsweise eindeutig zugeordnete Kanäle eingebettet. Das historische Fernsehmaterial P2 wird aus urheberrechtlicher Vorsicht nicht als freie Datei übernommen; stattdessen werden seine nachprüfbaren Produktionsdaten beschrieben und verlinkt. Albumcover-Scans und Single-Cover werden hier nicht reproduziert, wenn für die konkrete Reproduktion keine freie Lizenz belegt ist.
Einleitung
April Part I eignet sich besonders gut für eine vertiefte Höranalyse, weil in wenigen Minuten mehrere für Deep Purples frühe Phase charakteristische Ideen zusammentreffen: eine zurückgenommene Orgel- und Klavierfarbe, akustische und elektrische Gitarren, ein harmonisch markanter Mollraum, schrittweiser Klangaufbau und eine Produktion, die trotz kammermusikalischer Wirkung mit Mehrspurtechnik arbeitet. Die vollständige Suite führt diese Idee später in einen reinen Orchesterabschnitt und anschließend in einen Rockteil mit Gesang weiter.
Die Aufnahme entstand im Umfeld des dritten Studioalbums Deep Purple, das von Januar bis März 1969 in den De Lane Lea Studios an der Kingsway in London aufgenommen wurde. Für den 28. Februar ist die Aufnahme des größten Teils von April belegt; der Orchesterteil wurde später von engagierten Studiomusikern eingespielt und war die letzte Aufnahme für das Album, bevor es Ende März abgemischt und abgeliefert wurde.[4]
In den USA erschien das Album bereits im Juni 1969, in Großbritannien erst später im Jahr. Die britische Single Hallelujah / April Part I erschien am 25. Juli 1969 auf Harvest unter der Katalognummer HAR 5006.[5] Damit begegnete das britische Publikum dem gekürzten April Part I auf Single noch vor der regulären britischen Albumveröffentlichung.
Das Bild zeigt Deep Purple in der späteren Mark-II-Besetzung und nicht die Besetzung der Aufnahme von April Part I. Gerade dieser Unterschied ist didaktisch wichtig: Die B-Seite stammt noch aus der Mark-I-Aufnahmephase, während die A-Seite Hallelujah bereits den Übergang zu Ian Gillan und Roger Glover dokumentiert.
Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext
Ritchie Blackmore hatte die Grundidee zu April bereits vor den eigentlichen Albumsessions entwickelt; der Monat April hatte für ihn auch eine persönliche Bedeutung, da er in diesem Monat geboren wurde. Jon Lord erweiterte das Material zu einer groß angelegten Form und komponierte beziehungsweise arrangierte den orchestralen Mittelteil.[6] Das Ergebnis steht in einer Phase, in der viele Rockmusiker nach Formen jenseits der klassischen Drei-Minuten-Single suchten und Elemente aus klassischer Musik, Jazz und psychedelischer Rockmusik in längere Strukturen einbanden.
1969 war für Deep Purple zugleich ein Umbruchjahr. Rod Evans und Nick Simper gehörten noch zur Mark-I-Besetzung des Albums; kurz darauf wurden sie durch Ian Gillan und Roger Glover ersetzt. Die Single Hallelujah / April Part I macht diesen Übergang auf besonders anschauliche Weise sichtbar: Die A-Seite gehört zur neuen personellen Phase, die B-Seite greift auf die ältere Albumaufnahme zurück.[7]
Das offizielle Video zu Hallelujah eignet sich als Kontextmedium: Du kannst hören und sehen, wie unmittelbar die Band nach der Aufnahme von April bereits in eine andere Besetzung und in eine stärker auf künftigen Hard Rock ausgerichtete Phase überging.[8]
Drei besonders gut belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme
- Instrumentale Single-Kürzung einer großen Suite: Die britische B-Seite April Part I läuft je nach Veröffentlichung ungefähr 3:53 bis 3:54 Minuten und ist als instrumentaler Edit der viel längeren Albumaufnahme April dokumentiert. Die vollständige Suite dauert ungefähr 12:10 Minuten und besteht aus drei größeren Abschnitten.[9][10]
- Eine Schallplatte verbindet zwei Deep-Purple-Besetzungen: Auf Hallelujah sind Ian Gillan und Roger Glover beteiligt, während April Part I aus den früheren Album-Sessions mit der Mark-I-Konstellation stammt. Die Single ist deshalb ein ungewöhnliches physisches Dokument des Personalwechsels von 1969.[11]
- Kammermusikalischer Eindruck trotz Mehrspurproduktion: Der originale Albumbegleittext beschreibt den ersten Abschnitt als vor allem von Jon Lord und Ritchie Blackmore getragen. Lord spielt Klavier und Orgel; Blackmore akustische Gitarre mit Rhythmusfigur und doppelt aufgenommener Leadspur sowie elektrische Gitarre. Außerdem werden ein später hinzugefügter Chor, ungefähr elf verwendete Spuren und Ian Paice an den Pauken erwähnt. Diese Produktionsweise erklärt, warum der Klang zugleich intim und räumlich geschichtet wirkt.[12]
Eine vierte Besonderheit: Vorgriff auf Rock und Orchester
Die vollständige Suite April enthält nach dem ersten Abschnitt einen eigenständigen Orchesterteil. Für diesen sind zwei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli dokumentiert. Dieser eher kammerorchestrale Klangapparat unterscheidet sich deutlich von einem voll besetzten Sinfonieorchester.[13] Wenige Monate später ging Jon Lord mit dem Concerto for Group and Orchestra den Gedanken der Verbindung von Rockgruppe und Orchester noch wesentlich weiter.

Das Englischhorn gehört zu den charakteristischen Holzbläserfarben des Orchesterteils der vollständigen Suite. In April Part I selbst steht dagegen noch die Band- beziehungsweise Mehrspurtextur des ersten Abschnitts im Mittelpunkt.
Stil und Genre
Musikalisch liegt April Part I an einer Schnittstelle. Die Aufnahme ist weder ein konventioneller Hard-Rock-Song noch reine klassische Musik. Sinnvoller ist eine Einordnung als früher Progressive Rock beziehungsweise Art Rock mit psychedelischen und klassisch geprägten Elementen. AllMusic beschreibt das Album insgesamt als Verbindung von früher Heavy-Rock-Intensität mit der Komplexität des Progressive Rock und hebt bei April besonders den ernsthaft ausgearbeiteten Orchesterabschnitt und die bewusste Nutzung unterschiedlicher Instrumentalfarben hervor.[14]
Der Begriff Klassik-Rock ist für die Suite ebenfalls gebräuchlich. Wichtig ist jedoch, nicht nur auf die Instrumente zu schauen. Klassisch geprägt wirkt auch die großräumige Form: Statt Strophe und Refrain sofort zu wiederholen, entwickelt sich das Stück in größeren Klangblöcken.
Melodie und Harmonik
Eine prägende harmonische Bewegung lässt sich um den Molltonraum von G herum hören. Häufig wird die Folge G-Moll – F-Dur – Es-Dur – D-Dur transkribiert.[15] Funktional kann man diese Folge vereinfacht als i – VII – VI – V in G-Moll lesen. Der Bass beziehungsweise die Grundtöne sinken schrittweise von G über F und Es nach D. Das erzeugt einen klagenden, nach unten ziehenden Charakter und ist mit dem Modell der sogenannten andalusischen Kadenz verwandt.
Die Dominante D-Dur enthält mit Fis einen Ton außerhalb der reinen natürlichen G-Moll-Tonleiter. Dieser Leitton verstärkt die Rückkehr nach G und gibt der ansonsten weich abwärts gleitenden Folge eine klare Spannung.
Wichtig: Das folgende Notenbeispiel ist keine Transkription der geschützten Originalmelodie. Es ist ein selbst erstelltes Analysemodell, das nur die beschriebene harmonische Bewegung demonstriert.

Die Melodiebildung der Aufnahme wirkt demgegenüber frei und gesanglich, obwohl kein eigentlicher Leadgesang vorhanden ist. Die akustische Gitarre übernimmt lange melodische Linien; später erweitert eine höher registrierte elektrische Gitarre das Klangbild. Dadurch entsteht ein deutlicher Registerbogen von warmen, mittleren Klanglagen hin zu einer stärker leuchtenden Oberstimme.

Ritchie Blackmore ist für die akustischen und elektrischen Gitarrenschichten des ersten Abschnitts zentral. Das Foto entstand später und ist keine Aufnahme der Studiositzung.
Selbst erstelltes Melodiebeispiel zur Registerwirkung
Das folgende Beispiel ist ebenfalls neu komponiert. Es ahmt nicht Blackmores Originalmelodie nach, sondern zeigt nur, wie eine ruhige Linie durch einen Sprung in ein höheres Register an Intensität gewinnen kann.

Vergleiche beim Hören, wie die echte Aufnahme ihren Spannungsbogen nicht nur durch neue Akkorde, sondern vor allem durch Klangfarbe, Register und Schichtdichte gestaltet.
Rhythmus und Tempo
April Part I ist kein rhythmisch aggressiver Rocktitel. Das metrische Grundgefühl lässt sich überwiegend als gerader Viererpuls wahrnehmen, doch die Phrasierung wirkt atmend und weniger strikt als bei einem späteren Deep-Purple-Riffstück. Automatische und populäre Transkriptionsquellen verorten das Tempo grob im Bereich der hohen 80er bis niedrigen 90er Schläge pro Minute; solche Zahlen sind bei einem dynamisch und frei gestalteten Beginn nur Annäherungen.[16]
Ian Paices Beitrag ist im ersten Abschnitt besonders subtil. Statt eines durchgehenden Drumset-Grooves hebt die Pauke tiefe Spannungsmomente hervor. Dadurch entsteht eine orchestral gedachte Dynamik, obwohl der Abschnitt noch nicht der eigentliche Orchesterteil ist.

Gesang und Text
Die Zielaufnahme April Part I ist instrumental. Deshalb gibt es in dieser Singlefassung keinen eigentlichen gesungenen Liedtext, den man vollständig erschließen könnte. Gerade das ist ein wichtiger Unterschied zur vollständigen Suite: Erst der dritte große Abschnitt enthält Rod Evans' Gesang.
Für die inhaltliche Einordnung des Gesamtwerks genügt ein sehr kurzes, rechtlich zulässiges Zitat aus dem späteren Gesangsteil: „April is a cruel time“. Die Formulierung erinnert deutlich an T. S. Eliots berühmten Anfang von The Waste Land, „April is the cruellest month“.[17]
Sinngemäße Inhaltserschließung statt vollständiger Übersetzung: Der Text der vollständigen Suite stellt den Frühling nicht als ungebrochen positive Jahreszeit dar. Sonne, Regen, grauer Himmel und das Erwachen der Natur werden mit Verlust, Einsamkeit und innerem Schmerz verbunden. Eine fehlende oder unerreichbare Person überschattet die Jahreszeit. Der äußere Frühling und die innere Dunkelheit stehen damit gegeneinander. Die Bildsprache arbeitet vor allem mit Wetter, Licht, Farbe und Jahreszeit.
Textthemen und Bildsprache der vollständigen Suite
- Jahreszeitenmotiv: Der April steht für Wandel und Übergang, aber nicht automatisch für Hoffnung.
- Wetter als Symbol: Regen und grauer Himmel spiegeln seelische Belastung.
- Kontrast: Erwartetes Frühlingslicht trifft auf innere Dunkelheit.
- Verlust: Die Abwesenheit eines Menschen prägt die Wahrnehmung der Umgebung.
- Literarische Anspielung: Die Eröffnung erinnert an T. S. Eliots The Waste Land, ohne dessen Gedicht einfach nachzuerzählen.
Instrumentierung
Der erste Abschnitt ist ungewöhnlich transparent. Nach dem originalen Begleittext dominieren Jon Lords Klavier und Orgel sowie Ritchie Blackmores akustische und elektrische Gitarren. Ian Paices Pauke ergänzt tiefe Akzente; ein später hinzugefügter Chor wird ebenfalls genannt. Der Klang entsteht also weniger durch eine voll spielende Rockband als durch Studio-Schichtung einzelner Farben.[18]

Jon Lord ist für das klangliche und formale Konzept von April entscheidend. Das Foto zeigt ihn 1970 an der Orgel und dient als freies historisches Porträt, nicht als Dokument der April-Session.

Die Hammond-Orgel wurde zu einem Markenzeichen von Deep Purple. In April Part I wird sie jedoch nicht primär als aggressives Rockinstrument eingesetzt, sondern als tragende, atmosphärische Klangfläche.
Arrangement
Das Arrangement von April Part I lässt sich als schrittweise Verdichtung hören:
- Vorspiel: Ein kurzer Orgelimpuls öffnet einen ruhigen, tonalen Raum.
- Akustische Exposition: Die Gitarre trägt die melodische Entwicklung, während Tasteninstrumente den harmonischen Hintergrund formen.
- Schichtung: Zusätzliche Orgel-, Gitarren- und gegebenenfalls Chorlagen erweitern die Textur; Pauken setzen Tiefenakzente.
- Registersteigerung: Die elektrische Leadgitarre tritt deutlicher in hoher Lage hervor.
- Editionsschluss: Die Singlefassung beendet den Ausschnitt, während die Albumfassung in die weitere großformale Entwicklung der Suite übergeht.
Der Reiz liegt darin, dass die Musik nicht durch einen klassischen Rock-Refrain, sondern durch Klangfarbenentwicklung organisiert wird.
Produktion
Produzent der Albumaufnahme und der B-Seite war Derek Lawrence, als Toningenieur ist Barry Ainsworth belegt.[19] Die Studios waren die De Lane Lea Studios an der Kingsway in London. Die Aufnahme gehört damit in eine Zeit, in der Mehrspurtechnik eine immer stärkere Rolle für Rockarrangements spielte.
Besonders aufschlussreich ist die Diskrepanz zwischen Hörerwartung und Produktionsweise: April Part I klingt stellenweise fast wie ein kleiner Live-Kammermusikmoment, ist aber nach dem ursprünglichen Begleittext sehr bewusst aus mehreren Spuren aufgebaut. Das doppelte Aufnehmen von Gitarrenlinien verstärkt die räumliche Tiefe, ohne dass der Charakter sofort wie ein dichter Rockmix wirkt.
Songform und Verhältnis zur vollständigen Suite
Die Albumfassung April wird üblicherweise als dreiteilige Suite beschrieben:
- Teil I: instrumentaler Band- beziehungsweise Studioteil mit Orgel, Klavier, akustischer und elektrischer Gitarre sowie zurückhaltender Perkussion.
- Teil II: eigenständiger kammerorchestraler Abschnitt mit Holzbläsern und Streichern.
- Teil III: Rückkehr der Rockband mit Schlagzeug, Bass, Gitarre, Orgel und Rod Evans' Gesang.
April Part I ist somit kein gewöhnlicher „Songteil“, sondern eine für das Singleformat herausgelöste Fassung aus einer zyklisch gedachten Großform.
Der Orchesterteil als Kontrastfolie

Der Mittelteil der Albumfassung nutzt zwei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, zwei Violinen, Viola und zwei Celli.[20] Das ist ein relativ kleines, farblich gezielt zusammengesetztes Ensemble. Die Instrumentation zeigt, dass Jon Lord nicht bloß Streicherflächen als Dekoration einsetzte, sondern mit verschiedenen Holzbläser- und Streicherfarben arbeitete.
AllMusic hebt genau diese Eigenschaft hervor: Der Orchesterteil werde nicht nur als „schöne Melodie“ verwendet, sondern nutze die verschiedenen Klangfarben der Instrumente und des Ensembles als musikalisches Material.[21]
Vergleich mit dem Concerto for Group and Orchestra
April kann als Vorstufe zu Jon Lords im selben Jahr uraufgeführtem Concerto for Group and Orchestra verstanden werden. Der wesentliche Unterschied liegt in der Form: In April folgen Bandabschnitt, Orchesterabschnitt und erneuter Bandabschnitt weitgehend nacheinander. Im Concerto werden Rockgruppe und Orchester über längere Strecken als eigenständige Klangkörper gegenübergestellt und miteinander verzahnt.
Das offizielle Hörbeispiel zeigt eine spätere Aufführung eines Concerto-Satzes. Es ist keine Fassung von April, eignet sich aber zum Transfer: Achte darauf, wie viel stärker dort das Gegeneinander und Miteinander von Rockgruppe und Orchester zum eigentlichen Formprinzip wird.[22]
Vergleich von Single-, Album- und Remaster-Fassung
| Fassung | Umfang | Besondere Hörperspektive |
|---|---|---|
| April Part I – Single B-Seite 1969 | ungefähr vier Minuten | Instrumentaler Edit; Fokus auf dem ersten Klang- und Gitarren/Keyboard-Komplex |
| April – Albumfassung 1969 | ungefähr zwölf Minuten | Vollständige Dreiteiligkeit mit Kammerorchester und späterem Gesangsteil |
| April – Remaster 2000 | vollständige Albumfassung | Gleiche historische Darbietung, aber digital restauriert und remastert; keine neue Einspielung |
Das Remastering wurde von Peter Mew in den Abbey Road Studios durchgeführt.[23] Beim Vergleich solltest Du daher Interpretation und Klangaufbereitung auseinanderhalten: Ein Remaster kann Frequenzbalance, Pegel und wahrgenommene Details verändern, ohne dass die Musiker neu spielen.
Das Fernsehmaterial P2: keine echte Live-Audiofassung
Ein besonders spannender Vergleichsfall ist der 1969 in Süddeutschland produzierte Fernsehkunstfilm P2. Region Stuttgart dokumentiert eine Szene mit Deep Purple und dem Radio-Symphonieorchester Stuttgart in einem Steinbruch bei Erkenbrechtsweiler.[24] Die Deep-Purple-Archivseite The Highway Star präzisiert jedoch, dass die Band in diesem Film zu bereits vorhandenen Aufnahmen mimte; dort ist ausdrücklich von „April, also mimed“ die Rede.[25]
Das bedeutet: Das Bildmaterial ist musikhistorisch wertvoll, aber Du solltest es nicht als eigenständige Live-Audioaufnahme behandeln. Besonders interessant ist, dass dort bereits Mark II zu einem Mark-I-Studiotitel mimt. Auch die Deep Purple Tour Page führt April für P Zwo mit dem Radio-Symphonieorchester Stuttgart auf.[26]
Rezeption
Zeitgenössisch wurde das Album als ambitioniert wahrgenommen. Eine Rezension im Beat Instrumental von 1969 beschreibt den Abschluss des Albums als dreiteiliges Konzert über den April und hebt die Beteiligung von Streichern, Oboen, Klarinetten, Flöten und Englischhorn hervor.[27]
Retrospektiv bewertet AllMusic April als ernsthaften Progressive-Rock-Entwurf und vergleicht die Größenordnung mit The Nices Five Bridges Suite.[28] Andere Rückblicke lesen das gesamte dritte Album als Übergang zwischen der psychedelisch-progressiven Mark-I-Phase und der späteren härteren Richtung von Deep Purple in Rock.
Bedeutung im Werk von Deep Purple
April ist aus mehreren Gründen ein Schlüsselstück der frühen Bandgeschichte. Erstens gehört es zu den ambitioniertesten Kompositionen der Mark-I-Phase. Zweitens zeigt es Jon Lords Interesse an der Verbindung von Rock und klassischer beziehungsweise orchestraler Musik unmittelbar vor dem Concerto for Group and Orchestra. Drittens markiert die Singlefassung April Part I durch ihre Kopplung mit Hallelujah den personellen Übergang von Mark I zu Mark II.
Die vollständige Suite ist mit ungefähr zwölf Minuten außerdem eine der längsten Studioaufnahmen im Deep-Purple-Katalog. Gerade die B-Seite zeigt, wie Plattenfirmen und Bands damals lange Albumformen durch Edits für das 7-Zoll-Singleformat nutzbar machten.
Albumgestaltung und visuelle Kultur
Das Cover des dritten Albums greift auf einen Ausschnitt aus Hieronymus Boschs Der Garten der Lüste zurück. Statt das urheberrechtlich nicht eindeutig freie historische Albumlayout zu reproduzieren, zeigt dieser aiMOOC das gemeinfreie zugrunde liegende Kunstwerk.

Der düstere rechte Flügel mit seinen grotesken Musikinstrumenten passt atmosphärisch zur dunkleren, ambivalenten Seite der Musik. Gleichzeitig solltest Du Bild und Musik nicht vorschnell als direkte Illustration voneinander interpretieren: Das Gemälde stammt aus einem völlig anderen historischen und religiösen Kontext.
Hörleitfaden
Beim Hören von April Part I kannst Du nacheinander auf fünf Ebenen achten:
- Klangfarbe: Wann hörst Du Orgel, Klavier, akustische Gitarre, elektrische Gitarre und tiefe Perkussion besonders deutlich?
- Harmonik: Wo empfindest Du die absteigende Mollbewegung als stabil, wo als spannungsvoll?
- Dynamik: Wie wird Lautstärke nicht plötzlich, sondern schrittweise aufgebaut?
- Register: Wann verlagert sich die Aufmerksamkeit von mittleren in höhere Tonlagen?
- Produktion: Welche Passagen klingen nach einem einzelnen Instrument, welche nach mehreren übereinandergelegten Spuren?
Kurze Analyseübung mit Extension:Score
Das folgende, selbst erfundene Vier-Takt-Modell verwendet denselben grundlegenden Moll-Denkraum, aber keine Originalmelodie von Deep Purple. Spiele oder höre es und beschreibe, warum der letzte Akkord nach Auflösung verlangt.

Mögliche Beobachtung: Der D-Dur-Klang mit Fis verstärkt die Dominantspannung und führt das Ohr zurück nach G-Moll. Übertrage dieses Prinzip anschließend auf Deine Hörbeobachtung der historischen Aufnahme.
Quellen und Nachweise
- ↑ MusicBrainz: Deep Purple – Hallelujah, Aufnahme- und Besetzungsangaben zu April Part 1
- ↑ 45cat: Harvest HAR 5006, Hallelujah / April Part 1
- ↑ Deep Purple Official: April
- ↑ Wikipedia: Deep Purple album, recording history
- ↑ 45cat: HAR 5006
- ↑ Wikipedia: Deep Purple album
- ↑ MusicBrainz: Hallelujah release
- ↑ Deep Purple Official: Hallelujah 1969
- ↑ 45cat: April Part 1
- ↑ hitparade.ch: April, Versions- und Längenangaben
- ↑ MusicBrainz: Besetzungsangaben
- ↑ Deep Purple: Deep Purple, Begleittext der UK-LP Harvest SHVL 759, 1969; wiedergegeben unter Vinyl Records: Deep Purple III
- ↑ Wikipedia: April Lied
- ↑ AllMusic: Deep Purple review by Bruce Eder
- ↑ Chordify: April Parts 1–2
- ↑ Chordify: Instrumental Parts 1–2
- ↑ Wikipedia: April Lied
- ↑ Deep Purple: Deep Purple, Harvest SHVL 759, 1969, Begleittext.
- ↑ MusicBrainz: April Part 1 credits
- ↑ Wikipedia: April Lied
- ↑ AllMusic: Deep Purple
- ↑ Deep Purple Official: Concerto for Group and Orchestra – Movement I
- ↑ Wikipedia: personnel and production
- ↑ Region Stuttgart: Legendäres Konzert
- ↑ The Highway Star: P2
- ↑ Deep Purple Tour Page: Radio and TV shows 1969
- ↑ Beat Instrumental, November 1969
- ↑ AllMusic: Deep Purple
- MusicBrainz: Deep Purple – Hallelujah
- 45cat: Deep Purple – Hallelujah / April Part 1, Harvest HAR 5006
- Wikipedia: Deep Purple album
- Wikipedia: April Lied
- AllMusic: Deep Purple review
- The Highway Star: P2
- Verband Region Stuttgart: Legendäres Konzert
- Deep Purple Tour Page: Radio and TV shows
- Beat Instrumental, November 1969
- Deep Purple: Deep Purple, Harvest SHVL 759, Original-LP-Begleittext, 1969.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt April Part I am genauesten? (Eine instrumentale Single-Kürzung aus der längeren Suite April) (!Eine Liveaufnahme aus der Royal Albert Hall) (!Ein Cover eines Songs von The Nice) (!Ein Stück aus dem Album Machine Head)
Auf welcher Seite der britischen Single HAR 5006 erschien April Part I? (Auf der B-Seite zu Hallelujah) (!Auf der A-Seite zu Hush) (!Auf der B-Seite zu Black Night) (!Auf der A-Seite zu Child in Time)
Welche personelle Besonderheit macht die Single Hallelujah und April Part I historisch interessant? (Die beiden Seiten dokumentieren unterschiedliche Deep-Purple-Besetzungsphasen) (!Beide Seiten wurden von völlig unterschiedlichen Bands aufgenommen) (!Die Single enthält nur Solomusik von Jon Lord) (!Auf beiden Seiten spielt ein Sinfonieorchester ohne Rockband)
Wer komponierte April? (Ritchie Blackmore und Jon Lord) (!Ian Gillan und Roger Glover) (!Rod Evans und Ian Paice) (!Derek Lawrence und Barry Ainsworth)
Welche harmonische Folge prägt die Analyse des Mollraums? (G-Moll F-Dur Es-Dur D-Dur) (!C-Dur G-Dur A-Dur E-Dur) (!F-Dur B-Dur C-Dur G-Dur) (!A-Moll C-Dur F-Dur H-Moll)
Welche Aussage zum Gesang in April Part I ist richtig? (Die Singlefassung ist instrumental) (!Ian Gillan singt die gesamte Fassung) (!Rod Evans beginnt sofort mit einer Strophe) (!Ein Sprecher rezitiert ein Gedicht)
Welches Schlaginstrument wird für den ersten Abschnitt besonders erwähnt? (Pauke) (!Vibraphon) (!Marimba) (!Bongos)
Was folgt in der vollständigen Albumsuite auf den ersten instrumentalen Abschnitt? (Ein kammerorchestraler Abschnitt) (!Ein Schlagzeugsolo ohne Begleitung) (!Ein Jazzstandard) (!Eine reine A-cappella-Passage)
Wie ist das P2-Fernsehmaterial musikalisch einzuordnen? (Als Filmperformance mit Playback zur vorhandenen Aufnahme) (!Als unabhängige Live-Studioaufnahme von April Part I) (!Als Coverversion einer deutschen Band) (!Als spätes Konzert aus den neunziger Jahren)
Welche übergeordnete Entwicklung kündigt April im Werk Deep Purples an? (Die intensivere Verbindung von Rock und orchestraler Musik) (!Den vollständigen Verzicht auf Keyboards) (!Den Wechsel zu rein elektronischer Tanzmusik) (!Die Aufgabe längerer musikalischer Formen)
Memory
| April Part I | instrumentaler Single-Edit |
| HAR 5006 | britische Harvest-Single |
| Derek Lawrence | Produzent der B-Seite |
| Jon Lord | Klavier und Orgel |
| Ritchie Blackmore | akustische und elektrische Gitarre |
| Ian Paice | Paukenakzente |
| Mark I | Aufnahmephase mit Evans und Simper |
| P2 | Fernsehkunstfilm mit Playback |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Single-B-Seite | April Part I |
| Album-Großform | dreiteilige Suite |
| Harmonischer Spannungsakkord | D-Dur |
| Orchesterfarbe | Englischhorn |
| Fernsehfilm | P2 |
Kreuzworträtsel
| Harvest | Welches britische Label veröffentlichte die Single HAR 5006? |
| Blackmore | Welcher Gitarrist schrieb April gemeinsam mit Jon Lord? |
| Lawrence | Wie lautet der Nachname des Produzenten der B-Seite? |
| Orgel | Welches Tasteninstrument prägt Jon Lords Klangbild besonders? |
| Pauke | Welches tiefe Schlaginstrument spielt Ian Paice im ersten Abschnitt? |
| Orchester | Welcher Klangkörper übernimmt den Mittelteil der vollständigen Suite? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die ersten vier Minuten der offiziellen Albumfassung und notiere fünf Klangereignisse mit ungefähren Zeitangaben.
- Instrumentenkarte: Erstelle eine beschriftete Grafik mit Orgel, Klavier, akustischer Gitarre, elektrischer Gitarre und Pauke und ordne jedem Instrument eine hörbare Funktion zu.
- Mollwirkung: Spiele die Akkorde G-Moll, F-Dur, Es-Dur und D-Dur auf einem Instrument oder in einer Musik-App und beschreibe die Spannungswirkung in eigenen Worten.
- Bildanalyse: Untersuche Boschs Höllenflügel aus dem Garten der Lüste und trenne sachliche Bildbeschreibung von Deiner persönlichen Assoziation zur Musik.
Standard
- Edit-Vergleich: Vergleiche die ungefähre Länge von April Part I mit dem ersten Abschnitt der Albumfassung und entwickle eine Hypothese, warum ein Label eine solche Kürzung für eine 7-Zoll-Single anfertigte.
- Klangfarbenanalyse: Erstelle ein Zeitdiagramm, in dem Du den Aufbau von leiser akustischer Textur zu dichterer elektrischer Klangfarbe darstellst.
- Literatur und Popmusik: Recherchiere den Beginn von T. S. Eliots The Waste Land und erkläre, warum die April-Metapher in Deep Purples späterem Gesangsteil ähnlich und zugleich anders funktioniert.
- Produktionsgeschichte: Recherchiere Mehrspurtechnik um 1969 und erkläre, wie doppelt aufgenommene Gitarren eine scheinbar natürliche Klangfläche verändern können.
Schwer
- Formanalyse: Erstelle ein Formschema der vollständigen Suite mit Abschnitten, Instrumentengruppen, Dynamik und musikalischer Funktion und markiere, welcher Ausschnitt für April Part I relevant ist.
- Quellenkritik: Vergleiche MusicBrainz, 45cat, Wikipedia, AllMusic und den originalen LP-Begleittext. Kennzeichne, welche Quelle Primärquelle, Datenbank, Enzyklopädie oder Rezension ist und wo Aussagen voneinander abweichen.
- P2-Filmanalyse: Untersuche verfügbare seriöse Beschreibungen des Fernsehfilms P2 und erkläre, wie Bild, Playback und tatsächliche Aufnahmebesetzung auseinanderfallen.
- Eigene Mini-Suite: Komponiere eine zwei- bis dreiminütige eigene Mini-Suite aus einem ruhigen Instrumentalteil, einem kontrastierenden Klangfarbenabschnitt und einer Rückkehr. Verwende ausschließlich eigenes melodisches Material.


Lernkontrolle
- Transfer Harmonik: Erkläre an einem selbst gewählten Mollstück, wie eine absteigende Basslinie emotionale Wirkung erzeugen kann, und vergleiche das Prinzip mit dem Analysemodell zu April Part I.
- Form und Medium: Begründe, wie das Format einer 7-Zoll-Single die Wahrnehmung einer ursprünglich langen Suite verändert. Beziehe Dauer, Dramaturgie und Hörerwartung ein.
- Besetzungswechsel: Zeige, warum die Kombination von Hallelujah und April Part I auf einer Single mehr über die Bandgeschichte verrät als eine bloße Liste der Mitglieder.
- Produktion und Wahrnehmung: Erkläre, wie Mehrspurtechnik eine kammermusikalisch intime Wirkung erzeugen kann, obwohl mehrere Tonspuren beteiligt sind.
- Quelle und Interpretation: Wähle zwei Quellen zum Stück und zeige, welche Aussagen überprüfbare Fakten sind und welche bereits Interpretation oder Wertung enthalten.
- Musik und Bild: Entwickle eine begründete Deutung, wie Boschs Bildwelt als visuelles Umfeld des Albums wirken kann, ohne eine direkte inhaltliche Gleichsetzung von Gemälde und Musik zu behaupten.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Daten auswendig kennst, sondern Aufnahme, Form und Quellen kritisch miteinander verbinden kannst.
- Du kannst erklären, was April Part I von der vollständigen Suite April unterscheidet.
- Du kannst mindestens drei Besonderheiten der konkreten Singleaufnahme mit Quellen belegen.
- Du kannst die Rollen von Blackmore, Lord, Paice, Lawrence und Ainsworth im Produktionszusammenhang erläutern.
- Du kannst die Mollharmonik mit der Folge G-Moll, F-Dur, Es-Dur und D-Dur funktional beschreiben.
- Du kannst zwischen Originalaufnahme, Remaster und Playback-Film unterscheiden.
- Du kannst zentrale Textthemen der vollständigen Suite sinngemäß wiedergeben, ohne geschützte Lyrics vollständig zu reproduzieren.
- Du kannst die Verbindung von Rock und klassisch-orchestralen Verfahren im historischen Kontext von 1969 einordnen.
- Du kannst Quellen nach Primärquelle, Datenbank, Enzyklopädie, Pressequelle und Rezension unterscheiden.
- Du kannst eigene kurze musikalische Analysebeispiele erstellen, ohne die geschützte Originalmelodie oder vollständige Partitur zu kopieren.
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