Danyel Gérard - Butterfly

Danyel Gérard - Butterfly
Einleitung
„Butterfly“ von Danyel Gérard gehört zu den international erfolgreichsten europäischen Popsongs des Jahres 1971. Der Titel verbindet Elemente von Chanson, Popmusik und – besonders in der deutschsprachigen Rezeption – Schlager. Für eine saubere Analyse ist wichtig, zwischen mehreren Fassungen zu unterscheiden: Als zentrale Referenz dient hier die französisch/international verbreitete CBS-Singlefassung CBS 5420 mit einer Laufzeit von ungefähr 3:23 Minuten; die deutschsprachige Selbstaufnahme Gérards erschien als CBS 7129 und dauert ungefähr 3:24 Minuten. Beide gehören eng zusammen, sind aber nicht einfach derselbe Tonträger mit ausgetauschtem Etikett.[1][2]
Du untersuchst in diesem aiMOOC nicht nur den Ohrwurm-Charakter des Refrains, sondern auch Entstehung, zeitgeschichtlichen Kontext, musikalische Gestaltung, Textbildsprache, Produktion, Fassungen, Rezeption und Urheberrecht. Vollständige Songtexte oder eine vollständige Partitur werden bewusst nicht wiedergegeben. Kurze Notenbeispiele mit der Extension Score sind selbst erstellt und dienen ausschließlich dazu, allgemeine musikalische Prinzipien zu veranschaulichen.

Das Porträt zeigt Gérard zwar erst 1983, ist aber ein rechtssicher nutzbares, frei lizenziertes Bild des Interpreten. Die Commons-Dateibeschreibung nennt Christian D’AUFIN als Urheber und die Lizenz CC BY-SA 3.0.[3]
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehung von „Butterfly“ aus einer älteren Gérard-Komposition erklären, dokumentierte Produktionsdaten von eigenen Höreindrücken unterscheiden, eine Strophe-Refrain-Form beschreiben, einfache harmonische und rhythmische Modelle zur Analyse verwenden, Textbilder sinngemäß deuten, verschiedene Sprachfassungen miteinander vergleichen, Chart- und Verkaufsangaben quellenkritisch bewerten und bei Musikbeispielen die Grenzen des Urheberrechts beachten.
Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext
Von „Hélas, trois fois hélas“ zu „Butterfly“
Eine der wichtigsten Besonderheiten von „Butterfly“ liegt in seiner Vorgeschichte. Gérard hatte bereits 1968 „Hélas, trois fois hélas“ veröffentlicht. Mehrere Quellen beschreiben „Butterfly“ als Überarbeitung dieser früheren Melodie. Deutschlandfunk Kultur fasst den Vorgang so zusammen, dass Gérard zwei Jahre später Text und Arrangement überarbeitete und daraus den späteren Welterfolg entwickelte.[4] Auch die deutschsprachige Wikipedia nennt die leicht veränderte Melodie des 1968er Titels als Ausgangspunkt.[5]
Damit ist „Butterfly“ ein gutes Beispiel dafür, dass Popgeschichte nicht nur aus völlig neuen Einfällen besteht. Komponierende können vorhandenes eigenes Material neu kontextualisieren: Eine Melodie erhält einen anderen Text, ein anderes Arrangement, eine neue emotionale Funktion und einen anderen Markt.
Aufnahme, Album und Single
Die Quellenlage zu einzelnen Veröffentlichungsdaten ist nicht völlig einheitlich. Eine französische Song-Dokumentation nennt die Aufnahme bereits für 1969, die Veröffentlichung der CBS-Single 5420 für 1970 und führt Claude Vallois sowie Hervé Roy für Arrangement und Orchester an.[6] Andere Diskografien führen die Single vor allem unter 1971. Sicher belegt ist: Der Titel war auf dem Album „Atmosphère“ vertreten und wurde spätestens 1971 international zu einem großen Single-Erfolg.[5]
Für historisches Arbeiten ist diese kleine Datierungsdifferenz lehrreich: Du solltest bei Popmusik zwischen Aufnahmedatum, Albumveröffentlichung, Singleveröffentlichung in einzelnen Ländern und Charteinstieg unterscheiden. Diese Ereignisse können mehrere Monate auseinanderliegen.

Die Abbildung zeigt bewusst nicht das möglicherweise urheberrechtlich geschützte Cover von „Butterfly“, sondern ein frei lizenziertes Beispiel für das damalige Singleformat. Die Commons-Datei steht unter CC BY-SA 3.0 beziehungsweise GFDL.[7]
Zeitgeschichtlicher Rahmen
Um 1970/71 waren europäische Musikmärkte stark von nationalen Sprachfassungen geprägt. Internationale Hits erschienen häufig in mehreren Sprachen; Interpretinnen und Interpreten nahmen teils selbst neue Versionen auf. Gérard tat genau das mit „Butterfly“: Neben der französischen Fassung entstanden unter anderem deutsche, englische, spanische und italienische Versionen; Quellen nennen darüber hinaus weitere Sprachfassungen.[5] Die deutschsprachige Version wurde von Ben Juris, einem Pseudonym von Jean Frankfurter, adaptiert.[2]
Gerade im deutschsprachigen Raum traf der Titel auf einen Markt, in dem melodisch eingängige, emotional klar verständliche Songs mit internationalem Flair gut funktionierten. Das englische Wort „Butterfly“ blieb als Titel und Wiedererkennungszeichen auch in nichtenglischen Fassungen bestehen.
Mindestens drei belegte Besonderheiten der historischen CBS-Aufnahme und ihrer Sprachfassungen
| Besonderheit | Beleg | Bedeutung für Deine Analyse |
|---|---|---|
| 1. Überarbeitete eigene Vorgängermelodie | Die Melodie geht auf Gérards 1968 veröffentlichtes „Hélas, trois fois hélas“ zurück; Text und Arrangement wurden später neu gefasst.[4][5] | Du kannst direkt untersuchen, wie ein musikalischer Kern durch neue Textbedeutung und neues Arrangement eine andere Wirkung bekommt. |
| 2. Dokumentierte Orchesterleitung durch zwei Arrangeure | Für die CBS-Fassung werden Claude Vallois und Hervé Roy als Orchesterleitung beziehungsweise Arrangement/Orchester genannt.[1][6] | Die Aufnahme ist nicht nur „Sänger plus Begleitung“, sondern ein bewusst orchestrierter Pop-Titel. Einzelne Sessionmusiker sind in den geprüften Quellen jedoch nicht vollständig dokumentiert. |
| 3. Kurze 7-Zoll-Singleform | Die französische CBS 5420 wird mit etwa 3:23 angegeben; die deutschsprachige CBS 7129 mit etwa 3:24.[1][2] | Die kompakte Dauer unterstützt eine klare, wiederholungsstarke Form mit schnell wiedererkennbarem Refrain. |
| 4. Mehrsprachige Selbstadaption | Gérard nahm den Song selbst in mehreren Sprachen auf; für die deutsche Fassung ist Ben Juris/Jean Frankfurter als Adapter belegt.[2][5] | Sprachrhythmus, Vokalfarbe und Bildsprache ändern sich, während der zentrale Hook erhalten bleibt. |
| 5. Pfeifende Schlussgeste | In historischen Hörfassungen ist am Ende eine Pfeifgeste zu hören; eine musikjournalistische Zusammenstellung weist ausdrücklich darauf hin, dass französische, deutsche und englische Fassungen dieses Pfeif-Element besitzen.[8] | Die Coda löst sich von gesungenem Text und verwandelt den Hook in ein nonverbales Erinnerungsmotiv. |
Stil und Genre
„Butterfly“ bewegt sich zwischen französischer Chanson-Tradition, orchestriertem Pop und dem im deutschsprachigen Raum gebräuchlichen Schlagerbegriff. Die französische CBS-Single wird diskografisch als Pop beziehungsweise Chanson geführt.[1] Die deutsche Fassung wirkt durch Sprache, Vermarktung und Rezeptionsumfeld stärker wie ein internationaler Schlager.
Typisch ist die Kombination aus sehr gut memorierbarer Melodie, klarer Tonalität, übersichtlicher Form und romantischer Erzählung. Die Musik vermeidet extreme dynamische oder harmonische Brüche; sie setzt auf Wiedererkennung.
Musikalische Analyse
Melodie
Die Melodie ist überwiegend gesanglich gut erreichbar und in kurzen, klar gegliederten Phrasen organisiert. Der Refrain gewinnt seine Prägnanz vor allem durch die wiederholte Titelanrufung „Butterfly, my Butterfly“. Dieses sehr kurze Zitat genügt, um den Hook zu benennen; der vollständige geschützte Liedtext wird nicht wiedergegeben.
Auffällig ist die enge Verbindung von Sprachakzent und melodischer Wiederholung. Der Titelname funktioniert fast wie ein Ruf. Dadurch kann er auch dann im Gedächtnis bleiben, wenn die Hörenden den übrigen französischen oder deutschen Text nicht vollständig verstehen.
Harmonik
Die Wirkung basiert auf einer weitgehend konsonanten, funktionsharmonisch leicht nachvollziehbaren Sprache. Für den Unterricht reicht es, die Rolle von Tonika, Subdominante und Dominante zu verstehen. Das folgende Score-Beispiel ist keine Transkription der Melodie von „Butterfly“, sondern ein selbst erfundenes Vier-Takt-Modell, das nur die Wirkung einer einfachen I–IV–V–I-Folge demonstriert.

Dieses Modell zeigt, warum Primärdreiklänge in Popsongs so wirksam sein können: Sie erzeugen Stabilität, kurze Spannung und eine deutliche Rückkehr. Beim Hören von „Butterfly“ solltest Du nicht versuchen, das Beispiel Note für Note wiederzufinden, sondern auf das Prinzip Spannung – Rückkehr – Wiedererkennbarkeit achten.
Rhythmus und Tempo
Der Grundpuls wirkt ruhig bis mäßig und regelmäßig. Das unterstützt den erzählenden Charakter der Strophen und lässt dem Refrain genügend Raum. Statt rhythmischer Virtuosität steht die gleichmäßige Begleitung im Vordergrund. Für eine Unterrichtsübung kannst Du den Unterschied zwischen geraden Vierteln und einer leicht belebten Achtelbewegung vergleichen.
Auch dieses Score-Beispiel ist vollständig selbst erstellt:

Spiele beide Takte hintereinander. Der erste wirkt ruhiger und „getragen“, der zweite etwas bewegter. So kannst Du beschreiben, wie Begleitrhythmen einen Song emotional färben, ohne die geschützte Originalbegleitung zu kopieren.
Gesang
Gérards Vortrag liegt in einer mittleren Männerlage und verbindet gesungenen Ton mit erzählerischer Direktheit. Wichtiger als große vokale Virtuosität ist die Adressierung: Die angesprochene Person erscheint durch die wiederholte Titelzeile unmittelbar präsent. Leichte Dehnungen, Wiederholungen und die Coda mit Pfeifen verstärken den persönlichen, fast beiläufigen Charakter.
Achte beim Hören besonders auf:
- Phrasierung: Wo enden sprachliche und musikalische Gedanken gleichzeitig?
- Vibrato: Wird es dauerhaft oder nur an längeren Tönen eingesetzt?
- Artikulation: Wie deutlich trennt Gérard Erzählstrophe und Refrain?
- Coda: Was verändert sich, wenn die Stimme in eine Pfeifgeste übergeht?
Instrumentierung und Arrangement
Die Quellen belegen Orchesterleitung durch Claude Vallois und Hervé Roy, dokumentieren aber in den hier geprüften frei zugänglichen Quellen nicht vollständig die Namen aller Sessionmusiker oder jedes einzelne Instrument.[1] Deshalb ist eine wissenschaftlich saubere Formulierung wichtig: Belegt ist eine orchestrierte Produktion; hörend erschließbar sind eine rhythmische Pop-Begleitung, Saiteninstrumente und orchestrale Farbschichten sowie stützende Begleitstimmen. Wo ein Instrument nicht sicher isoliert werden kann, solltest Du von „hörbarer Klangfarbe“ statt von einem angeblich belegten Spieler sprechen.
Diese Unterscheidung zwischen Dokument und Hörbefund ist ein zentrales Werkzeug jeder Musikanalyse.
Arrangement und Dynamik
Das Arrangement arbeitet mit schrittweiser Verdichtung. Strophen lassen dem Erzählen Raum, während der Refrain stärker auf Wiederholung und gemeinsames Erinnern setzt. Die Schlussphase intensiviert den Wiedererkennungseffekt durch weitere Refrainwiederholung und die nonverbale Pfeifgeste. Dadurch entsteht keine dramatische Großform, sondern eine kreisende, bewusst eingängige Popform.
Produktion
Für die historische CBS-Fassung sind die kurze Singlelänge, die Orchesterleitung und die Veröffentlichung auf 7-Zoll-Schallplatte dokumentiert.[1] Das Produktionsideal entspricht damit der damaligen europäischen Hit-Single: kompakt, radiotauglich, melodieorientiert und mit einem Arrangement, das die Stimme klar im Zentrum hält.
Ein modernes Remaster oder eine spätere digitale Veröffentlichung kann klanglich anders wirken als eine originale 45-rpm-Single. Lautheit, Rauschanteil, Stereobreite und Höhen können durch spätere Masteringprozesse verändert worden sein. Wenn Du Klangproduktion untersuchst, notiere deshalb immer welche konkrete Ausgabe Du hörst.
Songform
Die Grundidee lässt sich als Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – erweiterter Schluss beschreiben. Die Wiederkehr des Refrains bindet die erzählenden Abschnitte zusammen. Der Schluss verlängert die Hook-Wirkung statt eine neue kontrastierende Bridge einzuführen.
Vereinfacht:
| Abschnitt | Funktion | Hörwirkung |
|---|---|---|
| Strophe | Erzählt Situation und Erinnerung | relativ textorientiert |
| Refrain | bündelt Anrede und Sehnsucht | stark wiedererkennbar |
| erneute Strophe | führt die Erzählung fort | variiert Text bei ähnlicher musikalischer Funktion |
| Schlussrefrains | steigern Wiederholung | gemeinschaftlich, einprägsam |
| Coda | löst sich teilweise vom Text | pfeifende Erinnerungsfigur |
Textthemen und Bildsprache
Französische Grundidee – sinngemäß
Die französische Fassung erzählt von räumlicher Trennung und dem Vertrauen, dass eine Liebesbeziehung trotz Entfernung bestehen bleibt. Der Sprecher widerspricht sinngemäß der Vorstellung, dass aus den Augen auch aus dem Herzen bedeute. Er versichert sich der fortdauernden Liebe und denkt an die Rückkehr.
„Butterfly“ ist dabei ein Kosename. Der Schmetterling trägt mehrere mögliche Assoziationen: Leichtigkeit, Schönheit, Bewegung, Verletzlichkeit und die Gefahr des Davonfliegens. Der Text muss diese Bedeutungen nicht alle ausdrücklich aussprechen; die Metapher öffnet einen Bildraum.

Die Zeichnung illustriert die Bildsprache, ohne geschütztes Plattencover zu verwenden.[9]
Deutsche Fassung – keine wörtliche Übersetzung
Die deutsche Version ist keine rein wörtliche Übersetzung der französischen Vorlage. Sie arbeitet stärker mit Natur- und Erinnerungsszenen: Landschaft, Licht, Wind, Vogelbewegung und die Sehnsucht nach Wiederbegegnung strukturieren die Bilder. Entscheidend bleibt aber das zentrale Motiv: Eine geliebte Person wird mit dem Schmetterlingsbild verbunden, während Trennung und Hoffnung auf Wiedersehen das emotionale Zentrum bilden.
Gerade hier kannst Du Übersetzungsästhetik untersuchen: Ein erfolgreicher internationaler Popsong muss nicht Wort für Wort übertragen werden. Häufig werden Singbarkeit, Silbenzahl, Reim, Vokalführung und kulturelle Verständlichkeit wichtiger als lexikalische Treue.
Urheberrechtlich zulässige Textarbeit
Für Unterricht und Analyse genügt es, sehr kurze Textausschnitte zu zitieren und den übrigen Inhalt zu paraphrasieren. Vollständige Lyrics werden hier nicht reproduziert. Auch bei selbst erstellten Aufgaben solltest Du keine komplette Strophe aus dem Original abdrucken. Arbeite stattdessen mit:
- einer sehr kurzen Hook-Zeile,
- eigenen Inhaltszusammenfassungen,
- selbst formulierten Übersetzungen des Sinns,
- Zeitmarken in legal zugänglichen Hörbeispielen.
Hörbeispiel und Quellenkritik
Historisches Archivvideo
Das verifizierte YouTube-Angebot von RTS Archives zeigt Gérard am 25. März 1971 in Genf in einem historischen Fernsehbeitrag. Es eignet sich als audiovisuelle Primärquelle für Auftreten, Gestik, zeitgenössische Präsentation und die damals verbreitete Aufnahme des Songs. Aus einem Fernsehclip allein solltest Du jedoch nicht automatisch schließen, dass der Ton live gesungen und live begleitet wurde; historische Musiksendungen arbeiteten häufig mit Playback oder Mischformen.
Quelle: RTS Archives, verifizierter Kanal.[10]
Hörprotokoll
Führe beim ersten Hören nur Beobachtungen, noch keine Deutungen, auf. Ein mögliches Protokoll sieht so aus:
| Beobachtung | Mögliche Deutung | Sicherheit |
|---|---|---|
| Titelwort wird stark wiederholt | Hook soll schnell memorierbar sein | hoch |
| Begleitung bleibt regelmäßig | Fokus liegt auf Melodie und Text | mittel bis hoch |
| Refrain kehrt mehrfach zurück | Strophe-Refrain-Form prägt die Erinnerung | hoch |
| Pfeifen im Schlussbereich | nonverbale Verlängerung des Hooks | hoch |
| Orchestrale Klangfarbe | verweist auf arrangierte Studioproduktion | hoch, da auch dokumentarisch belegt |
Vergleich von Fassungen
1968: „Hélas, trois fois hélas“
Die ältere Fassung ist keine Coverversion von „Butterfly“, sondern ein Vorgänger aus Gérards eigenem Werk. Die melodische Verwandtschaft ist dokumentiert, während Textcharakter und Arrangement neu gefasst wurden.[4] Für die Analyse ist das besonders ergiebig: Eine ähnliche melodische Substanz kann durch neues Tempoempfinden, neue Orchestrierung und neuen Text völlig anders „gelesen“ werden.
Französische und deutsche Gérard-Fassung
Beide Fassungen bewahren den markanten Titel-Hook, unterscheiden sich aber in Sprache, Prosodie und Bildwelt. Die französische Fassung konzentriert sich stärker auf Distanz, Liebe und Rückkehr; die deutsche Fassung baut eine ausgeprägtere Naturkulisse und Erinnerungsszenerie auf. Der deutsche Text stammt von Ben Juris/Jean Frankfurter.[2]
Höre vergleichend auf:
- die Silbenlänge vor dem Refrain,
- die Aussprache des englischen Titelwortes,
- die Stellen, an denen deutsche Konsonanten dichter wirken als französische,
- die Frage, ob Begleitdetails in beiden Fassungen identisch oder neu gemischt erscheinen.
Fernsehauftritt versus Studioaufnahme
Das RTS-Video ist ein wertvoller historischer Auftrittsbeleg, aber kein automatischer Beweis für eine komplett live erzeugte Tonspur. Vergleiche deshalb die Tonspur des Videos mit einer legal zugänglichen Studioausgabe: Stimmen Timing, Hall, Instrumentbalance und Schluss exakt überein, spricht das eher für Playback oder die Nutzung eines Masters; hörbare Abweichungen können auf eine andere Mischung oder Liveelemente hindeuten. Formuliere nur, was Du tatsächlich hörst.
Spätere Neuaufnahme
Encyclopédisque verzeichnet außerdem eine „Butterfly“-Version von 1989 als Neuaufnahme.[1] Ohne eine eindeutig identifizierte, legal zugängliche Vergleichsquelle sollte man jedoch keine detaillierten klanglichen Behauptungen zu dieser Fassung aufstellen. Nutze sie als Rechercheauftrag: Suche nach einem offiziellen oder lizenzierten Stream und protokolliere erst dann Unterschiede in Instrumentierung, Synthesizeranteil, Stimmfarbe und Mastering.
Rezeption und Bedeutung
Chart-Erfolg
Im deutschsprachigen Raum war der Song besonders erfolgreich. Die deutschsprachige Wikipedia nennt 15 Wochen auf Platz 1 in Deutschland, sechs Wochen auf Platz 1 in der Schweiz und vier Wochen auf Platz 1 in Österreich.[5] Für Großbritannien dokumentiert die Official Charts Company einen Höchststand auf Platz 11 und zwölf Chartwochen im Zeitraum September bis Dezember 1971.[11]
Die weltweiten Verkaufszahlen werden in Sekundärquellen unterschiedlich angegeben. Statt eine einzelne Zahl unkritisch zu übernehmen, solltest Du festhalten: „Butterfly“ war ein internationaler Millionenseller; die exakten kumulierten Verkaufszahlen variieren je nach Quelle und Zählweise. Das ist wissenschaftlich sauberer als eine scheinpräzise Zahl ohne einheitliche Datengrundlage.
Bedeutung im Werk von Danyel Gérard
„Butterfly“ wurde Gérards international bekanntester Titel und prägte sein Image dauerhaft. Der Erfolg zeigt zugleich seine Doppelrolle als Singer-Songwriter und als Künstler, der Musik für unterschiedliche Sprachmärkte adaptieren konnte. Dass die Melodie aus einem weniger erfolgreichen Vorgängertitel hervorging, macht den Song zu einem besonders anschaulichen Beispiel für kreative Revision im Pop.
Fernsehen und Erinnerungskultur
Der Song wurde 1971 in mehreren Fernsehsendungen präsentiert und blieb über Jahrzehnte als Evergreen präsent. Die deutsche Wikipedia nennt unter anderem Auftritte in „Disco“ und der „ZDF-Hitparade“.[5] Die langfristige Erinnerung wird durch Oldiesender, Kompilationen, Neuaufnahmen und Coverversionen verstärkt.
Medien- und Urheberrechtshinweise
Die hier eingebundenen Medien erfüllen unterschiedliche Rechtsbedingungen:
- Danyel Gérard 1983.jpg: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.[3]
- 45rpm.jpg: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0/GFDL; dient nur als Beispiel für das Singleformat.[7]
- Butterfly Drawing.jpg: historische Illustration, auf Commons als Public-Domain-Datei geführt.[9]
- RTS-YouTube-Video: offizielles Archivangebot zum Einbetten; es ist kein frei lizenzierter OER-Download. Rechte am Video bleiben beim jeweiligen Rechteinhaber.[10]
- Score-Beispiele: eigens für diesen aiMOOC erstellte Analysemodelle; sie geben weder Originalmelodie noch vollständige Originalbegleitung wieder.
Verwende keine aus dem Internet kopierten Singlecover oder vollständigen Notenausgaben, nur weil sie leicht auffindbar sind. Sichtbarkeit im Netz bedeutet nicht automatisch freie Lizenz.
Quellen und Nachprüfbarkeit
Die wichtigsten Aussagen wurden gegen mehrere voneinander unabhängige Quellen geprüft. Besonders zuverlässig für konkrete Einzelaspekte sind die diskografischen Angaben auf Encyclopédisque, die offiziellen britischen Chartdaten, die Commons-Lizenzseiten sowie das verifizierte RTS-Archivvideo. Wikipedia eignet sich als Ausgangspunkt, sollte bei strittigen Detaildaten aber mit weiteren Quellen abgeglichen werden.
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Encyclopédisque: Danyel Gérard – Butterfly, CBS 5420
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 hitparade.ch: Butterfly deutsch, CBS 7129
- ↑ 3,0 3,1 Wikimedia Commons: Danyel Gérard 1983.jpg
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Deutschlandfunk Kultur: Sonntagsrätsel, Hinweis auf Hélas trois fois hélas und Butterfly
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 Wikipedia: Butterfly (Danyel-Gérard-Lied)
- ↑ 6,0 6,1 Histoire des Chansons: Danyel Gérard – Butterfly
- ↑ 7,0 7,1 Wikimedia Commons: 45rpm.jpg
- ↑ Any Major Whistle Vol. 1: Hinweis auf das Pfeif-Interlude in Butterfly
- ↑ 9,0 9,1 Wikimedia Commons: Butterfly Drawing.jpg
- ↑ 10,0 10,1 RTS Archives: Danyel Gérard – Butterfly (1971)
- ↑ Official Charts Company: Butterfly – Danyel Gerard
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher ältere Titel gilt als melodischer Vorläufer von „Butterfly“? (Hélas trois fois hélas) (!Petit Gonzales) (!Harlekin) (!Une rose blanche)
Wer ist für die Orchesterleitung der dokumentierten CBS-Fassung belegt? (Claude Vallois und Hervé Roy) (!George Martin und Phil Spector) (!James Last und Bert Kaempfert) (!Michel Legrand und Ennio Morricone)
Unter welchem Label erschien die international bekannte Singlefassung? (CBS) (!Motown) (!Island) (!Polydor)
Wer schrieb beziehungsweise adaptierte den deutschen Text unter dem Namen Ben Juris? (Jean Frankfurter) (!Ralph Siegel) (!Michael Kunze) (!Udo Jürgens)
Welche Grundform beschreibt den Song am treffendsten? (Strophen mit wiederkehrendem Refrain und Schlusscoda) (!Durchkomponierte Opernarie ohne Wiederholung) (!Zwölftaktiger Blues ohne Refrain) (!Instrumentale Sonatenhauptsatzform)
Warum werden im aiMOOC keine vollständigen Lyrics abgedruckt? (Weil der Liedtext urheberrechtlich geschützt ist) (!Weil der Song keinen Text besitzt) (!Weil nur Instrumentalmusik analysiert werden darf) (!Weil französische Texte grundsätzlich verboten sind)
Was zeigen die Score-Beispiele in diesem aiMOOC? (Selbst erstellte Analysemodelle) (!Die vollständige Originalpartitur) (!Eine kopierte Verlagsausgabe) (!Das originale Studiomaster)
Welche höchste Position erreichte „Butterfly“ laut Official Charts im Vereinigten Königreich? (Platz 11) (!Platz 1) (!Platz 37) (!Platz 72)
Welche Funktion hat das Schmetterlingsbild im Lied vor allem? (Kosename und mehrdeutige Metapher für Liebe Bewegung und Entfernung) (!Bezeichnung eines Musikinstruments) (!Name des Plattenlabels) (!Hinweis auf einen politischen Verband)
Welche Aussage ist quellenkritisch am sinnvollsten? (Verkaufszahlen und einzelne Veröffentlichungsdaten müssen je nach Quelle unterschieden werden) (!Jede Internetseite nennt immer dieselben Verkaufszahlen) (!Ein Fernsehauftritt beweist automatisch Livegesang) (!Eine digitale Remasterfassung klingt immer identisch zur Originalsingle)
Memory
| Hélas trois fois hélas | melodischer Vorgängertitel |
| Claude Vallois | Orchesterleitung |
| Hervé Roy | Arrangement und Orchester |
| Ben Juris | deutsche Textadaption |
| CBS 5420 | französische Singlefassung |
| CBS 7129 | deutschsprachige Singlefassung |
| RTS Archives | historisches Fernseharchiv |
| Schmetterling | zentrale Bildmetapher |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Hélas trois fois hélas | Vorgängerfassung |
| Claude Vallois und Hervé Roy | Orchesterleitung |
| Ben Juris | deutsche Adaption |
| CBS 5420 | internationale französische Single |
| Pfeifcoda | nonverbaler Schluss |
Kreuzworträtsel
| Gerard | Welcher Nachname gehört zum Sänger von Butterfly? |
| Bernet | Welcher Nachname gehört zum französischen Textautor? |
| Vallois | Welcher Arrangeur leitete gemeinsam mit Hervé Roy das Orchester? |
| Refrain | Wie heißt der wiederkehrende Hauptabschnitt eines Popsongs? |
| Chanson | Welcher französische Genrebegriff passt zu einer Einordnung des Liedes? |
| Schmetterling | Was bedeutet das englische Titelwort auf Deutsch? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre das RTS-Archivvideo einmal ohne Unterbrechung und notiere fünf rein hörbare Beobachtungen, ohne sie sofort zu deuten.
- Bildsprache: Gestalte eine eigene Zeichnung oder Collage zum Motiv „Schmetterling und Entfernung“, ohne Plattencover zu kopieren.
- Songform: Erstelle aus farbigen Karten ein Formschema für Strophe, Refrain und Coda.
- Quellenvergleich: Vergleiche zwei seriöse Quellen zur Veröffentlichung und markiere, welche Angaben übereinstimmen und welche voneinander abweichen.
Standard
- Sprachvergleich: Vergleiche die französische und deutsche Fassung anhand von drei selbst gewählten Zeitmarken und beschreibe Unterschiede in Prosodie und Bildsprache.
- Arrangement: Erstelle mit eigenen Klängen eine acht Takte lange Begleitung, die nur das Prinzip „ruhige Strophe – dichter Refrain“ demonstriert, ohne die Originalmelodie zu übernehmen.
- Interview: Befrage eine Person, die Musik der frühen 1970er Jahre bewusst erlebt hat, nach Radio, Fernsehen, Singles und mehrsprachigen Hits. Prüfe Erinnerungen anschließend mit Quellen.
- Medienrecht: Erstelle eine Tabelle mit drei erlaubten und drei problematischen Nutzungsformen von Bildern, Videos, Lyrics und Noten in einem Schulprojekt.
Schwer
- Versionsanalyse: Recherchiere eine legale Aufnahme von „Hélas, trois fois hélas“ und vergleiche Form, Textcharakter und Arrangement mit „Butterfly“, ohne längere geschützte Passagen zu zitieren.
- Musikproduktion: Vergleiche eine frühe Vinyl-Digitalisierung mit einem späteren Remaster. Untersuche Lautheit, Rauschen, Stereobreite und Frequenzeindruck und dokumentiere die jeweilige Quelle.
- Rezeptionsgeschichte: Rekonstruiere den internationalen Erfolg mit mindestens vier nationalen Chartquellen und erkläre, warum dieselbe Aufnahme in verschiedenen Ländern unterschiedlich erfolgreich sein konnte.
- Kreative Revision: Komponiere aus einer eigenen älteren Melodie einen neuen Song mit völlig neuem Text und Arrangement. Reflektiere anschließend schriftlich, welche Veränderungen die Wirkung am stärksten verändert haben.


Lernkontrolle
- Transfer Musikanalyse: Erkläre an einem anderen Popsong, wie Wiederholung und Refrainbildung musikalische Erinnerung unterstützen. Nutze dabei mindestens drei Begriffe aus diesem aiMOOC.
- Quellenkritik: Du findest zwei Webseiten mit deutlich unterschiedlichen weltweiten Verkaufszahlen zu demselben Hit. Entwickle ein Verfahren, wie Du die Angaben prüfen würdest, ohne einfach den höheren Wert zu übernehmen.
- Arrangement und Wirkung: Beschreibe, wie derselbe melodische Kern einmal humoristisch und einmal romantisch wirken kann. Beziehe Text, Tempo, Instrumentierung und Gesang ein.
- Übersetzungsästhetik: Begründe, warum eine singbare Sprachadaption von einer wörtlichen Übersetzung abweichen darf, und nenne mindestens drei musikalische Zwänge.
- Urheberrecht: Plane eine Präsentation zu einem noch geschützten Popsong. Lege fest, welche Medien Du selbst erzeugst, welche Du nur einbettest und welche Inhalte Du lediglich paraphrasierst.
- Produktionsvergleich: Erkläre, warum ein historischer Fernsehauftritt nicht automatisch beweist, dass die Musik live gespielt wurde, und nenne drei Indizien, mit denen Du Playback und Liveelemente unterscheiden würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- die Entstehung von „Butterfly“ aus „Hélas, trois fois hélas“ erklären kannst,
- dokumentierte Fakten von eigenen Höreindrücken trennst,
- Strophe, Refrain, Coda, Hook, Tonika, Subdominante und Dominante fachgerecht verwendest,
- zentrale Textthemen und die Schmetterlingsmetapher sinngemäß deutest,
- französische und deutsche Fassung quellenbezogen vergleichst,
- Chartdaten und Verkaufszahlen kritisch einordnest,
- bei Lyrics, Noten, Bildern und Videos urheberrechtliche Grenzen beachtest,
- eigene kurze Analysebeispiele erstellen kannst, ohne die geschützte Originalmelodie oder vollständige Partitur zu kopieren.
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