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DER BEGOSSENE GÄRTNER - L‘ARROSEUR ARRO-SÉ

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DER BEGOSSENE GÄRTNER - L‘ARROSEUR ARRO-SÉ




Einleitung

DER BEGOSSENE GÄRTNER - L‘ARROSEUR ARRO-SÉ führt Dich zu einem der berühmtesten kurzen Filme aus der Frühzeit des Kinos. Der französische Film entstand 1895 unter der Regie von Louis Lumière. In nur rund einer Minute wird eine vollständige komische Geschichte erzählt: Ein Junge spielt einem Gärtner einen Streich, der zunächst gelingt, dann aber Folgen für den Jungen hat.

Der Film eignet sich besonders gut, um zu untersuchen, wie Geschichten schon vor gesprochenen Dialogen, aufwendiger Montage, Musikdramaturgie oder wechselnden Kameraperspektiven verständlich erzählt werden konnten. Du beobachtest Körperbewegungen, Blicke, Ursache und Wirkung, den Aufbau einer Pointe und die Nutzung des Bildraums.

Ein Schwerpunkt dieses aiMOOCs liegt auf der Plansequenz. Eine Plansequenz ist eine Handlungseinheit, die ohne sichtbaren Schnitt in einer einzigen durchgehenden Einstellung gezeigt wird. Bei Der begossene Gärtner bleibt die Kamera weitgehend unbewegt. Deshalb muss fast alles, was für die Geschichte wichtig ist, durch die Bewegungen der Figuren innerhalb des Bildes verständlich werden.

Hinweis zur Schreibweise: Der Seitentitel folgt exakt der vorgegebenen Form DER BEGOSSENE GÄRTNER - L‘ARROSEUR ARRO-SÉ. Der französische Originaltitel wird in filmhistorischen Quellen als L’Arroseur arrosé geschrieben.

Datei:Le Jardinier (l'Arroseur arrosé) (1895).webm


Lernziele

Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du zentrale Handlungsschritte des Films in eigenen Worten wiedergeben, den Jungenstreich als kurze Erzählung mit Ursache, Wendepunkt und Folge erschließen und erklären, wie aus einer einfachen Alltagssituation ein komischer Sketch entsteht. Du kannst außerdem die Bedeutung des Films für die frühe Filmgeschichte einordnen, den Begriff Plansequenz erklären und untersuchen, wie eine weitgehend unbewegte Kamera trotzdem eine verständliche, spannende und komische Handlung zeigen kann.

Du lernst dabei, zwischen dem Was der Geschichte und dem Wie ihrer filmischen Darstellung zu unterscheiden. Das Was betrifft Figuren, Handlung und Konflikt. Das Wie betrifft Kamera, Bildraum, Bewegung, Timing, Schauspiel und die Frage, ob und wo geschnitten wird.


Filmsteckbrief

Merkmal Information
Deutscher Titel Der begossene Gärtner
Französischer Originaltitel L’Arroseur arrosé
Produktionsjahr 1895
Produktionsland Frankreich
Regie Louis Lumière
Filmform sehr kurzer Stummfilm, Schwarz-Weiß-Film, komische Inszenierung
Dauer je nach überlieferter Fassung ungefähr eine Minute
Zentrale Figuren Gärtner und Junge
Zentrales Gestaltungsmittel eine nahezu durchgehende, weitgehend unbewegte Einstellung


Die Handlung erschließen

Ein Gärtner steht im Garten und gießt mit einem Wasserschlauch. Ein Junge nähert sich von hinten und tritt auf den Schlauch. Dadurch stoppt der Wasserfluss. Der Gärtner bemerkt, dass kein Wasser mehr kommt, und untersucht das Ende des Schlauchs. Genau in diesem Moment nimmt der Junge seinen Fuß wieder vom Schlauch. Das Wasser schießt heraus und trifft den Gärtner.

Der Junge freut sich über seinen gelungenen Streich und versucht davonzulaufen. Der Gärtner erkennt, was passiert ist, verfolgt ihn, holt ihn ein und bestraft ihn. In der heute häufig gezeigten Fassung endet der Gag mit einer körperlichen Bestrafung des Jungen. Diese Schlussreaktion solltest Du historisch einordnen und zugleich kritisch betrachten: Körperliche Gewalt ist kein Vorbild für heutige Konfliktlösungen.


Vom Anfang zur Pointe

Die Handlung ist sehr kurz, aber klar gebaut. Zuerst wird eine normale Alltagssituation gezeigt. Dann führt der Junge eine Störung ein. Danach entsteht für einen Moment ein Rätsel: Der Gärtner versteht nicht, warum kein Wasser kommt. Das Publikum weiß mehr als die Figur, weil es gesehen hat, dass der Junge auf den Schlauch getreten ist. Daraus entsteht Erwartung.

Als der Gärtner direkt in die Schlauchöffnung schaut, ist die spätere Überraschung vorbereitet. Das Publikum kann schon ahnen, was gleich passieren könnte. Dann löst der Junge den Schlauch wieder frei. Der Wasserstrahl trifft den Gärtner. Das ist die komische Umkehrung: Derjenige, der eigentlich nur gießen wollte, wird selbst begossen.

Die abschließende Verfolgung bildet die Folge des Streichs. Der Junge hat eine Handlung ausgelöst, die zu einer Gegenreaktion führt. Damit besitzt die Geschichte eine einfache, aber vollständige Kette aus Ausgangslage – Störung – Erwartung – Überraschung – Folge.


Erzählstruktur als Tabelle

Erzählphase Was geschieht? Wirkung auf das Publikum
Ausgangslage Der Gärtner gießt ruhig. Die Situation ist leicht verständlich.
Störung Der Junge tritt auf den Schlauch. Das Publikum erkennt den Streich.
Irrtum Der Gärtner untersucht den Schlauch. Das Publikum weiß mehr als der Gärtner.
Pointe Der Junge gibt den Schlauch frei und der Gärtner wird nass. Erwartung und Überraschung treffen zusammen.
Folge Der Gärtner verfolgt den Jungen. Der Streich bleibt nicht ohne Konsequenz.


Jungenstreich, Ursache und Folgen

Der Streich funktioniert, weil der Junge eine einfache Ursache-Wirkungs-Kette ausnutzt. Solange er auf den Schlauch tritt, kann das Wasser nicht weiterfließen. Der Gärtner sucht die Ursache jedoch am falschen Ort. Er schaut auf das Schlauchende, obwohl die eigentliche Ursache hinter ihm liegt.

Das Publikum befindet sich dadurch in einer besonderen Wissensposition. Du weißt, was der Junge tut, während der Gärtner es nicht weiß. Diese Wissensdifferenz erzeugt Spannung und Komik zugleich. Du kannst den kommenden Wasserstrahl vorhersehen, aber der Gärtner kann es nicht.

Der Witz beruht deshalb nicht nur auf dem Wasser. Er beruht auf Informationsverteilung. Die Kamera zeigt beide Figuren so, dass das Publikum den heimlichen Eingriff des Jungen beobachten kann. Wäre nur das Gesicht des Gärtners zu sehen, würde dieser Effekt anders funktionieren.


Die Folge des Streichs kritisch betrachten

Für die Geschichte ist wichtig, dass der Junge nicht einfach verschwindet. Der Gärtner reagiert. Dadurch bekommt der Streich eine Konsequenz. Filmisch entsteht eine zweite kleine Steigerung: Nach dem Wasserschwall folgt eine Verfolgung.

Für die heutige Betrachtung kannst Du zwischen erzählerischer Funktion und Bewertung unterscheiden. Erzählerisch schließt die Gegenreaktion die Geschichte ab. Ethisch musst Du die körperliche Bestrafung nicht gutheißen. Gerade im Unterricht lässt sich daran zeigen, dass alte Filme auch historische Vorstellungen von Erziehung und Komik spiegeln können.

Eine moderne Neufassung könnte dieselbe Grundstruktur behalten und trotzdem anders enden: Der Junge könnte sich entschuldigen, den Schaden wiedergutmachen oder selbst beim Gießen nass werden. So bleibt die komische Umkehrung erhalten, ohne körperliche Bestrafung zu zeigen.


Was macht den Film zu einem Sketch?

Ein Sketch ist eine kurze komische Szene, die sich häufig auf eine überschaubare Situation, wenige Figuren und eine klare Pointe konzentriert. Der begossene Gärtner funktioniert fast wie ein visueller Sketch ohne Worte.

Der Film benötigt nur wenige Bausteine. Es gibt einen Gärtner, einen Jungen, einen Schlauch, einen Garten und eine einzige zentrale Idee. Aus dieser Idee wird Schritt für Schritt ein Gag aufgebaut.

Die Komik entsteht besonders durch Slapstick. Slapstick bezeichnet Körperkomik, bei der Bewegungen, Missgeschicke, Überraschungen, Verfolgungen oder Zusammenstöße wichtig sind. Hier sind es das Stoppen des Wassers, der unerwartete Wasserstrahl und die anschließende Verfolgung.

Der Film zeigt, dass ein Sketch nicht unbedingt gesprochenen Text braucht. Körperhaltung, Blickrichtung, Bewegung und Timing reichen aus, um die Situation zu verstehen.


Frühe Filmgeschichte

Als der Film 1895 entstand, war das Kino noch ein sehr junges Medium. Die Brüder Auguste und Louis Lumière gehörten zu den wichtigsten Pionieren des frühen Films. Ihr Cinématographe konnte bewegte Bilder aufnehmen und vorführen.

Der begossene Gärtner gehörte zu den Lumière-Filmen, die 1895 öffentlich gezeigt wurden. Am 28. Dezember 1895 war er Teil des Programms der berühmten kommerziellen Filmvorführungen im Salon Indien du Grand Café in Paris.

Viele frühe Lumière-Filme zeigen beobachtete Alltagssituationen. Der begossene Gärtner fällt besonders auf, weil eine komische Handlung gezielt vorbereitet und gespielt wird. Deshalb wird der Film häufig als eine der frühesten inszenierten Filmkomödien und als wichtiger Schritt zur fiktionalen Filmerzählung beschrieben.


Louis Lumière als Regisseur

Louis Lumière war nicht nur an der technischen Entwicklung des frühen Kinos beteiligt. Bei Der begossene Gärtner übernimmt er die Regie und gestaltet damit auch eine gespielte Handlung.

Regie bedeutet hier besonders, festzulegen, wann der Junge in das Bild kommt, wo er stehen muss, wann er den Schlauch blockiert, wann der Gärtner reagiert und wie beide Figuren sich durch den Bildraum bewegen. Weil die Kamera kaum hilft, indem sie ihre Position verändert, müssen die Figuren sehr genau handeln.


Inszenierung statt bloßer Beobachtung

Eine Kamera kann einfach ein Ereignis aufnehmen, das ohnehin stattfindet. Bei einer Inszenierung wird dagegen geplant, was vor der Kamera geschehen soll. Der begossene Gärtner zeigt eine bewusst vorbereitete Abfolge.

Der Junge muss im richtigen Moment auftreten. Der Gärtner muss so zum Schlauch blicken, dass der Gag verständlich wird. Der Wasserstrahl muss genau dann einsetzen, wenn der Gärtner die Düse untersucht. Danach muss die Verfolgung innerhalb des sichtbaren Bereichs funktionieren.

Diese Planung nennt man auch Mise-en-scène. Gemeint ist die Gestaltung dessen, was vor der Kamera im Bild erscheint: Figuren, Gegenstände, Raum, Bewegungen und ihre Anordnung.


Was ist eine Plansequenz?

Eine Plansequenz ist eine Szene oder zusammenhängende Handlungseinheit, die in nur einer einzigen ununterbrochenen Einstellung gezeigt wird. Es gibt innerhalb dieser Einheit keinen normalen Schnitt zu einer anderen Kameraposition.

Eine Plansequenz muss nicht bedeuten, dass die Kamera stillsteht. In späteren Filmen kann sich die Kamera während einer Plansequenz bewegen, mit Figuren mitfahren oder Räume durchqueren. Entscheidend ist der ununterbrochene Aufnahmefluss.

Bei Der begossene Gärtner ist die Situation besonders übersichtlich: Die Kamera bleibt weitgehend unbewegt, während die Figuren innerhalb des Bildfelds handeln. Dadurch entsteht die Bedeutung vor allem aus der Aktion im Bild und nicht aus dem Wechsel zwischen verschiedenen Einstellungen.

Der Fachbegriff Plansequenz ist eine spätere filmwissenschaftliche Bezeichnung. Du kannst ihn heute nutzen, um die Gestaltung dieses frühen Films zu beschreiben.


Einstellung, Szene und Sequenz

Eine Einstellung ist der Abschnitt eines Films, der ohne Unterbrechung aufgenommen wurde. Sobald geschnitten wird, beginnt normalerweise eine neue Einstellung.

Eine Szene ist eine zusammengehörige Handlungssituation. Eine Szene kann aus einer einzigen Einstellung bestehen oder aus vielen geschnittenen Einstellungen.

Eine Sequenz ist eine größere zusammenhängende Handlungseinheit. Wenn eine solche Einheit in nur einer einzigen Einstellung gezeigt wird, spricht man von einer Plansequenz.

Bei diesem Film ist die Unterscheidung besonders anschaulich, weil fast die gesamte kurze Geschichte in einer einzigen, kontinuierlichen Aufnahme erfahrbar wird.


Wie erzählt die unbewegte Kamera die ganze Handlung?

Die Kamera erzählt hier nicht dadurch, dass sie ständig neue Ausschnitte zeigt. Stattdessen wird der feste Bildraum wie eine kleine Bühne genutzt. Der Zuschauer kann gleichzeitig beobachten, was der Gärtner tut und wie der Junge seinen Streich vorbereitet.

Das ist entscheidend für die Komik. Der Junge ist für das Publikum sichtbar, obwohl der Gärtner ihn nicht bemerkt. Die Kamera schafft damit keine Überraschung durch einen Schnitt, sondern durch die unterschiedliche Aufmerksamkeit der Figuren.


Bewegung im Bild statt Bewegung der Kamera

Die Figuren übernehmen Aufgaben, die in späteren Filmen oft durch Schnitt und Kamerawechsel unterstützt werden.

Der Junge kommt in das Bild, nähert sich dem Schlauch und positioniert sich hinter dem Gärtner. Der Gärtner verändert seine Körperhaltung, als das Wasser stoppt. Er beugt sich zum Schlauch. Danach verändert der Wasserstrahl die Situation. Schließlich verschieben sich beide Figuren durch die Verfolgung erneut im Bildraum.

Die Handlung bleibt verständlich, weil jede Bewegung eine klare Funktion hat. Der Zuschauer muss erkennen können, wer etwas tut, was dadurch passiert und wie die andere Figur darauf reagiert.


Der Bildraum als Bühne

Die weitgehend feste Kamera erinnert an eine Theaterperspektive. Das bedeutet nicht, dass der Film einfach nur abgefilmtes Theater ist. Der Bildrahmen setzt klare Grenzen. Wer hinausläuft, verlässt die sichtbare Welt des Films. Wer eintritt, bringt neue Handlung in das Bild.

Du kannst den Bildraum deshalb wie einen Plan lesen. Frage Dich: Wo befindet sich der Gärtner? Wo taucht der Junge auf? Wo liegt der Schlauch? Wann stehen beide Figuren gleichzeitig so im Bild, dass der Gag verständlich wird?

Diese Anordnung wird oft als Blocking bezeichnet. Gemeint ist die geplante Position und Bewegung von Darstellenden innerhalb einer Szene.


Warum der fehlende Schnitt wichtig ist

In einem modernen Film könnte dieselbe Geschichte aus vielen Einstellungen zusammengesetzt werden: Totale des Gartens, Nahaufnahme des Jungenfußes auf dem Schlauch, Nahaufnahme des irritierten Gärtners, Detail der Düse, Reaktion auf den Wasserstrahl und Verfolgung.

Der begossene Gärtner benötigt diese Zerlegung nicht. Die Zuschauer sehen Ursache und Wirkung im selben räumlichen Zusammenhang. Gerade dadurch lässt sich sehr gut beobachten, wie eine Geschichte durch Choreografie im Bild erzählt wird.

Der fehlende Schnitt verlangsamt die Orientierung nicht unbedingt. Im Gegenteil: Weil der Raum stabil bleibt, weißt Du jederzeit, wo sich die Figuren befinden.


Spannung und Komik

Spannung entsteht nicht nur in Krimis oder Abenteuergeschichten. Auch ein kurzer Gag kann Spannung erzeugen. Beim Gartenschlauch weißt Du mehr als der Gärtner und wartest darauf, was geschehen wird.

Dieser Wissensvorsprung wird manchmal mit dem Begriff Suspense beschrieben. Das Publikum erkennt eine Gefahr oder ein kommendes Ereignis früher als eine Figur im Film. In diesem Fall ist die Situation nicht bedrohlich, sondern komisch.

Die Pointe funktioniert besonders gut, weil sie vorbereitet wird. Wenn der Gärtner die Schlauchöffnung untersucht, versteht das Publikum sofort, dass das Wasser genau dort wieder herauskommen könnte. Die folgende Überraschung ist deshalb zugleich vorhersehbar und lustig.


Umkehrung als Gag-Prinzip

Der französische Titel L’Arroseur arrosé lässt sich sinngemäß als Der Begießer wird begossen verstehen. Darin steckt schon die Umkehrung.

Zu Beginn kontrolliert der Gärtner das Wasser. Kurz darauf kontrolliert der Junge den Wasserfluss. Am Ende bekommt der Gärtner selbst das Wasser ab. Rollen und Erwartungen verschieben sich.

Solche Umkehrungen sind ein häufiges Prinzip der Komik: Eine Figur plant oder erwartet etwas, doch das Ergebnis fällt anders aus.


Fassungen und Überlieferung

Von dem Stoff existieren mehrere frühe Lumière-Fassungen. Deshalb können Filmkopien im Internet in Länge, Besetzung oder Schlussdetails voneinander abweichen. Für die Filmanalyse ist es sinnvoll, immer die konkrete Fassung zu beschreiben, die Du tatsächlich gesehen hast.

Wenn Du zwei Fassungen findest, vergleiche nicht nur die Dauer. Untersuche auch Bewegungswege, Positionen im Bild, Zeitpunkt des Wasserstrahls und die Art des Endes.

So lernst Du, dass Filmgeschichte nicht nur aus Jahreszahlen besteht. Sie beschäftigt sich auch damit, welche Version eines Films überliefert wurde und wie wir historische Bilder heute sehen.


Methode zur Filmanalyse

Bei einem so kurzen Film kannst Du sehr genau beobachten. Schaue ihn zunächst ohne Unterbrechung. Notiere danach in einem Satz, worum es geht.

Beim zweiten Sehen achtest Du nur auf die Figurenbewegungen. Beim dritten Sehen beobachtest Du die Kamera. Frage Dich, ob sie schwenkt, fährt, näher kommt oder weitgehend an ihrem Platz bleibt.

Beim vierten Sehen untersuchst Du die Komik. Markiere den Moment, in dem Du als Zuschauer mehr weißt als der Gärtner. Bestimme anschließend die Pointe und die Folge des Streichs.

Schließlich formulierst Du eine Deutung: Erkläre, warum der Gag auch ohne Dialog und fast ohne Kamerabewegung verständlich ist.


Beobachtungsraster

Beobachtungsbereich Leitfrage Mögliche Beobachtung
Figuren Wer handelt und wer reagiert? Der Junge löst den Streich aus, der Gärtner reagiert.
Raum Wo findet die Handlung statt? Die Geschichte bleibt in einem überschaubaren Gartenbereich.
Kamera Wie stark verändert sich die Kameraposition? Sie bleibt weitgehend unbewegt.
Schnitt Werden verschiedene Einstellungen verbunden? Die Handlung wird nahezu vollständig kontinuierlich gezeigt.
Komik Wo liegt die Pointe? Im überraschenden Wasserstrahl und der Rollenverkehrung.
Spannung Was weiß das Publikum früher? Es erkennt den Schlauchstreich vor dem Gärtner.


Vom Film zur Kurzgeschichte

Du kannst den Film auch als Ausgangspunkt für eine eigene Kurzgeschichte verwenden. Dabei musst Du Informationen ergänzen, die der Stummfilm nicht ausspricht.

Du könntest beschreiben, was der Gärtner denkt, als plötzlich kein Wasser mehr kommt. Du könntest die Gedanken des Jungen formulieren, bevor er auf den Schlauch tritt. Du könntest Geräusche, Temperatur, Garten und Bewegungen sprachlich gestalten.

So wird deutlich, dass Film und Literatur unterschiedlich erzählen. Literatur kann Gedanken direkt beschreiben. Der Film zeigt vor allem sichtbares Verhalten. In Der begossene Gärtner müssen Gedanken deshalb aus Gesten und Handlungen erschlossen werden.


Medien zum Vertiefen

Das folgende historische Plakat zeigt, wie der Cinématographe als neues Medium beworben wurde. Auffällig ist, dass gerade die komische Gartenszene als Blickfang verwendet wird.

Die Wikimedia-Commons-Kategorie zum Film enthält weitere Standbilder, Plakate und eine frei zugängliche Filmdatei. Dadurch eignet sich der Film besonders gut für schulische Bild- und Szenenanalysen.


Quellen und weiterführende Informationen

  1. Wikipedia: Der begossene Gärtner: Überblick zu Handlung, Filmgeschichte, Fassungen und Rezeption.
  2. Wikimedia Commons: L'Arroseur arrosé: freie Filmdatei, Standbilder und historische Plakate.
  3. Lexikon der Filmbegriffe: Plansequenz: Definition der Plansequenz und Bedeutung der Handlung innerhalb des Bildes.
  4. kinofenster: Plansequenz: filmsprachliche Erklärung für die Bildungsarbeit.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Jahr entstand Der begossene Gärtner? (1895) (!1905) (!1915) (!1925)




Wer führte bei dem Film Regie? (Louis Lumière) (!Georges Méliès) (!Charlie Chaplin) (!Buster Keaton)




Wie bringt der Junge den Wasserfluss zunächst zum Stillstand? (Er tritt auf den Schlauch) (!Er dreht einen Wasserhahn zu) (!Er schneidet den Schlauch durch) (!Er nimmt dem Gärtner die Düse weg)




Was kennzeichnet eine Plansequenz? (Eine zusammenhängende Handlung wird ohne Schnitt in einer Einstellung gezeigt) (!Viele sehr kurze Einstellungen werden schnell zusammengeschnitten) (!Nur Nahaufnahmen werden verwendet) (!Die Kamera muss sich ständig bewegen)




Wie verhält sich die Kamera in Der begossene Gärtner überwiegend? (Sie bleibt weitgehend unbewegt) (!Sie fährt ständig um die Figuren herum) (!Sie wechselt nach jedem Handlungsschritt den Standort) (!Sie filmt nur aus der Vogelperspektive)




Warum weiß das Publikum zeitweise mehr als der Gärtner? (Es sieht den Jungen auf den Schlauch treten) (!Es hört einen erklärenden Erzähler) (!Es liest Zwischentitel mit der Lösung) (!Es sieht eine Rückblende)




Worin liegt die zentrale komische Umkehrung? (Der Gärtner wird selbst vom Wasser getroffen) (!Der Junge beginnt den Garten zu bepflanzen) (!Der Schlauch verschwindet) (!Der Garten wird plötzlich dunkel)




Warum ist der Film auch ohne gesprochenen Dialog verständlich? (Die Handlung wird durch sichtbare Bewegungen und Reaktionen erzählt) (!Alle Gedanken erscheinen als Text) (!Ein Sprecher erklärt jeden Schritt) (!Die Figuren zeigen Schilder in die Kamera)




Warum ist Der begossene Gärtner filmhistorisch wichtig? (Er ist ein sehr frühes Beispiel für inszenierte Filmkomik) (!Er war der erste Farbfilm der Geschichte) (!Er führte den Tonfilm ein) (!Er war der erste abendfüllende Spielfilm)




Was ersetzt in diesem Film häufig den Wechsel zwischen verschiedenen Einstellungen? (Die Bewegung der Figuren innerhalb des Bildes) (!Computereffekte) (!Zeitraffer) (!Animation)





Memory

Louis Lumière Regie
Plansequenz ununterbrochene Einstellung
Schlauch Werkzeug des Streichs
Gärtner Opfer des Jungenstreichs
Junge Auslöser der Handlung
Slapstick Körperkomik





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Handlung
Ausgangslage Der Gärtner gießt den Garten
Störung Der Junge tritt auf den Schlauch
Irrtum Der Gärtner untersucht die Schlauchöffnung
Pointe Der Wasserstrahl trifft den Gärtner
Folge Der Gärtner verfolgt den Jungen






Kreuzworträtsel

Lumiere Wie heißt der Regisseur mit Nachnamen?
Schlauch Welcher Gegenstand ermöglicht den Streich?
Plansequenz Wie heißt eine Handlungseinheit in einer ungeschnittenen Einstellung?
Slapstick Wie nennt man eine Form körperbetonter Komik?
Gaertner Welche Figur gießt zu Beginn die Pflanzen?
Stummfilm Zu welcher frühen Filmform gehört das Werk?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der Film entstand im Jahr

. Regie führte

. Zu Beginn gießt ein

den Garten. Der Junge stoppt das Wasser, indem er auf den

tritt. Das Publikum erkennt den Streich früher als die Hauptfigur und besitzt dadurch einen

. Eine ununterbrochene Handlungseinheit in nur einer Einstellung nennt man

. Die Kamera bleibt im Film weitgehend

. Die sichtbaren Bewegungen der Figuren im Bild übernehmen deshalb eine wichtige Aufgabe der

. Die komische Wirkung beruht stark auf körperlicher Handlung und gehört damit zum Bereich des

. Die Pointe entsteht, als der Gärtner selbst vom

getroffen wird.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Handlungsfolge: Zeichne sechs Bilder, mit denen Du die Filmhandlung vom ruhigen Gießen bis zur Folge des Streichs als Storyboard erzählst.
  2. Figurenperspektive: Schreibe die Handlung in 120 bis 180 Wörtern aus der Sicht des Gärtners oder des Jungen als kurze Geschichte.
  3. Bildanalyse: Wähle ein Standbild aus dem Film und beschreibe genau, wo sich Figuren, Schlauch und wichtige Gegenstände im Bild befinden.
  4. Geräuschgestaltung: Erstelle eine Liste passender selbst erzeugter Geräusche, mit denen Du den Stummfilm begleiten würdest, und begründe Deine Auswahl.


Standard

  1. Plansequenz drehen: Filme mit einer Gruppe eine harmlose Alltagsszene von 30 bis 60 Sekunden in nur einer Einstellung und ohne Schnitt.
  2. Filmvergleich: Erzähle dieselbe kurze Handlung einmal als Plansequenz und einmal mit mindestens fünf Schnitten. Vergleiche anschließend die Wirkung.
  3. Filmplakat: Gestalte ein eigenes Plakat für Der begossene Gärtner und zeige darin die zentrale komische Umkehrung, ohne die ganze Pointe zu verraten.
  4. Komik untersuchen: Befrage mindestens drei Personen dazu, an welcher Stelle sie den Film komisch finden, und vergleiche ihre Begründungen.


Schwer

  1. Inszenierungsplan: Zeichne den Garten als Grundriss und markiere mit Pfeilen die Bewegungswege des Jungen und des Gärtners während der gesamten Einstellung.
  2. Historischer Vergleich: Recherchiere einen weiteren frühen komischen Stummfilm und vergleiche Handlung, Kameraposition, Schnitt und Körperkomik.
  3. Moderne Neuverfilmung: Entwickle eine heutige Version des Jungenstreichs, bei der die Geschichte eine Folge hat, aber ohne körperliche Bestrafung endet.
  4. Filmanalyse: Schreibe eine ausführliche Analyse darüber, wie Wissensvorsprung, Timing, Bildraum und fehlende Schnitte zusammen die Pointe vorbereiten.




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Lernkontrolle

  1. Plansequenz und Wirkung: Erkläre an drei konkreten Momenten des Films, wie die Handlung trotz fehlender Schnittwechsel verständlich bleibt.
  2. Ursache und Wirkung: Zeige, wie aus einer einzigen Handlung des Jungen mehrere weitere Reaktionen entstehen, und beurteile, warum diese Kette komisch wirkt.
  3. Wissensvorsprung: Begründe, warum der Gag schwächer wäre, wenn das Publikum den Jungen beim Blockieren des Schlauchs nicht sehen könnte.
  4. Inszenierung: Entwirf für dieselbe Handlung eine Version mit Nahaufnahmen und Schnitten und erkläre, wie sich die Zuschauerlenkung gegenüber der Originalinszenierung verändern würde.
  5. Historische Perspektive: Erörtere, was der Film über Möglichkeiten und Grenzen sehr früher Filmerzählung zeigt, ohne Dich nur auf Jahreszahlen zu beziehen.
  6. Ethik und Adaption: Entwickle ein alternatives Ende, das die komische Umkehrung erhält, aber eine heutige gewaltfreie Konfliktlösung verwendet, und begründe Deine Entscheidung.




Lernnachweis

Für einen gelungenen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du die kurze Handlung sicher in eigenen Worten erklären und ihre Ursache-Wirkungs-Struktur sichtbar machen kannst.

  1. Filmerzählung: Du kannst Ausgangslage, Störung, Pointe und Folge voneinander unterscheiden.
  2. Plansequenz: Du kannst den Begriff fachlich richtig erklären und auf den Film anwenden.
  3. Kamera: Du kannst beschreiben, wie die weitgehend unbewegte Kamera den Bildraum organisiert.
  4. Inszenierung: Du kannst zeigen, wie Figurenbewegung, Timing und Positionen im Bild Bedeutung erzeugen.
  5. Filmgeschichte: Du kannst den Film als frühes Beispiel inszenierter Filmkomik einordnen.
  6. Komik: Du kannst Wissensvorsprung, Umkehrung und Slapstick als Wirkungsprinzipien erläutern.
  7. Transfer: Du kannst eine eigene kurze Szene, Analyse oder Neuverfilmung entwickeln und Deine gestalterischen Entscheidungen begründen.




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