D9 M - Texte selbstständig planen und überarbeiten

D9 M - Texte selbstständig planen und überarbeiten
D9 M - Texte selbstständig planen und überarbeiten
Einleitung
Gute Texte entstehen selten in einem einzigen Durchgang. Professionelles Schreiben bedeutet, einen Schreibprozess bewusst zu steuern: Du klärst zuerst den Schreibauftrag, sammelst und ordnest Ideen, entwickelst eine tragfähige Gliederung, formulierst einen ersten Entwurf und überarbeitest ihn anschließend gezielt. Dabei achtest Du darauf, für wen Du schreibst, welches Ziel Dein Text verfolgt, wie die Gedanken zusammenhängen und wie präzise Deine Sprache ist.
Dieser aiMOOC richtet sich an Lernende der Klasse 9 auf M-Niveau. Du trainierst hier nicht nur einzelne Regeln, sondern vor allem die Fähigkeit, Deinen eigenen Schreibprozess zunehmend selbstständig zu planen, zu kontrollieren und zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen Gliederung, Adressatenbezug, Textkohärenz, Wortwahl, Feedback, Überarbeiten und Schreibkompetenz.

Ein Schreibprozess verläuft nicht immer streng Schritt für Schritt. Oft gehst Du während des Schreibens zurück, ordnest einen Abschnitt neu, ergänzt eine Idee oder veränderst Deine Formulierung. Entscheidend ist, dass Du diese Entscheidungen bewusst triffst.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du einen Schreibauftrag systematisch untersuchen, Ideen mit passenden Schreibwerkzeugen sammeln und ordnen, eine sinnvolle Gliederung erstellen, Texte adressatengerecht formulieren, Absätze logisch miteinander verbinden, ungenaue Sprache präzisieren, kriteriengeleitet Feedback geben und Rückmeldungen für eine eigenständige Revision nutzen.
Den Schreibauftrag entschlüsseln
Bevor Du losschreibst, musst Du wissen, was genau verlangt wird. Viele schwache Texte scheitern nicht an Rechtschreibfehlern, sondern daran, dass Thema, Textsorte, Adressat oder Ziel nicht ausreichend geklärt wurden.
Ein nützliches Werkzeug ist der Schreibauftrag-Check:
| Frage | Was Du klärst | Beispiel |
|---|---|---|
| Was ist das Thema? | Gegenstand und zentrale Fragestellung | Soll es an unserer Schule einen Ruheraum für die Pausen geben? |
| Welche Textsorte ist verlangt? | Aufbau und typische Merkmale | Stellungnahme |
| Wer liest den Text? | Vorwissen, Interessen und Erwartungen | Schulleitung und Schülervertretung |
| Was soll der Text bewirken? | informieren, erklären, überzeugen, beurteilen oder anregen | Zustimmung für einen Ruheraum gewinnen |
| Welche Materialien muss ich nutzen? | Texte, Statistiken, Bilder, Aussagen oder eigene Erfahrungen | Ergebnisse einer Schülerumfrage |
| Welche formalen Vorgaben gelten? | Umfang, Abgabeform, Zeit, Überschrift oder Quellenangaben | etwa eine Seite |
Schreibwerkzeug: Auftrag in einem Satz
Formuliere vor dem Schreiben einen Kontrollsatz:
Ich schreibe eine Stellungnahme für die Schulleitung und die Schülervertretung, in der ich begründet dafür oder dagegen argumentiere, einen Ruheraum einzurichten.
Wenn Du diesen Satz klar formulieren kannst, hast Du bereits einen großen Teil der Schreibaufgabe verstanden.
Ideen sammeln, bevor Du formulierst
Wer sofort ganze Sätze schreibt, übersieht leicht wichtige Gedanken. Deshalb lohnt es sich, Ideen zunächst in einer offenen Form zu sammeln.

Schreibwerkzeug Mindmap
Schreibe das Thema in die Mitte. Ordne darum herum Hauptideen. Ergänze zu jedem Ast Beispiele, Begründungen, Gegenargumente oder Fachbegriffe.
Beispiel zum Thema Ruheraum in der Schule:
| Hauptast | Mögliche Ideen |
|---|---|
| Vorteile | weniger Lärm, Erholung, bessere Konzentration im Nachmittagsunterricht |
| Nachteile | zusätzlicher Raum nötig, Aufsicht muss geregelt werden, begrenzte Plätze |
| Zielgruppe | besonders Schülerinnen und Schüler mit langem Schultag |
| Umsetzung | Testphase, klare Regeln, begrenzte Personenzahl |
| Belege | Umfrage, Beobachtungen, Erfahrungen aus dem Schulalltag |
Schreibwerkzeug Stichwortkarten
Schreibe jede wichtige Idee auf eine eigene Karte oder Notiz. Danach sortierst Du die Karten. Der Vorteil: Die Reihenfolge ist noch nicht festgelegt und kann leicht verändert werden.
Beispielkarten: Erholung – Lärm – Aufsicht – Konzentration – Raumnutzung – Testphase – Schülerumfrage – Regeln.
Schreibwerkzeug Ideenfilter
Nicht jede Idee gehört in den fertigen Text. Prüfe jeden Gedanken mit drei Fragen:
| Prüffrage | Bedeutung |
|---|---|
| Passt die Idee zur Aufgabe? | Sie muss die Fragestellung tatsächlich beantworten. |
| Kann ich sie erklären oder belegen? | Eine bloße Behauptung reicht meistens nicht. |
| Bringt sie den Text weiter? | Wiederholungen oder Nebenthemen werden gestrichen. |
Eine tragfähige Gliederung entwickeln
Eine Gliederung ist mehr als eine Liste von Überschriften. Sie zeigt die gedankliche Architektur Deines Textes. Gute Gliederungen sorgen dafür, dass Leserinnen und Leser Deinen Gedankengang nachvollziehen können.
Das Drei-Ebenen-Modell
| Ebene | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Einleitung | Worum geht es und warum ist das Thema relevant? | Pausen dienen der Erholung, doch viele Aufenthaltsbereiche sind laut. |
| Hauptteil | Welche Informationen, Argumente oder Schritte müssen entfaltet werden? | Nutzen eines Ruheraums, mögliche Probleme, konkrete Umsetzung |
| Schluss | Welche Folgerung ergibt sich? | Einführung als zeitlich begrenzte Testphase |
Schreibwerkzeug Absatzplan
Plane nicht nur den ganzen Text, sondern jeden wichtigen Absatz. Ein Absatz sollte eine erkennbare Aufgabe erfüllen.
| Absatz | Funktion | Kernidee | Beleg oder Beispiel |
|---|---|---|---|
| 1 | Thema eröffnen | Pausen sind Erholungszeiten | Lärm in Aufenthaltsbereichen |
| 2 | erstes Argument entfalten | Ruhe unterstützt Erholung | Konzentration nach der Pause |
| 3 | Gegenargument berücksichtigen | Raum und Aufsicht sind begrenzt | Nutzungsregeln |
| 4 | Lösung entwickeln | Testphase ist realistisch | vierwöchige Erprobung |
| 5 | Schlussfolgerung ziehen | Ruheraum soll erprobt werden | Auswertung nach Testphase |
Schreibwerkzeug Rückwärtsgliederung
Die Rückwärtsgliederung benutzt Du nach dem ersten Entwurf. Schreibe neben jeden Absatz in höchstens sieben Wörtern, worum es dort geht. Wenn zwei Absätze dasselbe leisten oder ein Absatz mehrere Themen vermischt, solltest Du neu ordnen.
Beispiel:
Absatz 2: Nutzen für Konzentration
Absatz 3: plötzlich Kosten, Regeln und Lärm
Hier zeigt die Rückwärtsgliederung, dass Absatz 3 wahrscheinlich geteilt werden sollte.
Adressatengerecht schreiben
Ein Text ist adressatengerecht, wenn Wortwahl, Informationsmenge, Ton und Argumentation zu den Leserinnen und Lesern passen. Du schreibst also nicht nur über ein Thema, sondern immer auch für jemanden.
Vier Fragen zum Adressaten
| Frage | Beispiel |
|---|---|
| Was weiß die Zielgruppe bereits? | Die Schulleitung kennt die räumliche Situation der Schule. |
| Was muss ich erklären? | Warum Ruhephasen für Lernende mit langem Schultag wichtig sein können. |
| Welche Einwände könnte die Zielgruppe haben? | Aufsicht, Raumknappheit, Regeln. |
| Welcher Ton ist angemessen? | sachlich, respektvoll und lösungsorientiert. |
Beispiel: gleiche Idee, unterschiedliche Adressaten
An die Schulleitung:
Ein vierwöchiger Probelauf könnte zeigen, ob ein Ruheraum tatsächlich genutzt wird und ob sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält. Dadurch ließe sich vor einer dauerhaften Entscheidung prüfen, welche Regeln notwendig sind.
An den Klassenchat:
Wir könnten den Ruheraum erst einmal vier Wochen testen. Dann sehen wir, ob genug Leute ihn nutzen und welche Regeln überhaupt sinnvoll sind.
Beide Texte vertreten dieselbe Idee. Der erste Text ist formeller und erklärt die Entscheidung genauer. Der zweite ist knapper und direkter.
Kohärenz: Gedanken sichtbar verbinden
Kohärenz bedeutet, dass die inhaltlichen Beziehungen eines Textes nachvollziehbar sind. Ein Text kann grammatisch richtig sein und trotzdem sprunghaft wirken. Leserinnen und Leser müssen erkennen können, wie ein Satz mit dem vorherigen zusammenhängt.
Schreibwerkzeug Verknüpfungswörter
| Beziehung | Geeignete Wörter und Wendungen |
|---|---|
| Begründung | weil, da, denn, der Grund dafür ist |
| Folge | deshalb, daher, folglich, dadurch |
| Gegensatz | aber, jedoch, dagegen, dennoch |
| Ergänzung | außerdem, zusätzlich, darüber hinaus |
| Beispiel | zum Beispiel, beispielsweise, etwa |
| Schlussfolgerung | insgesamt, daraus folgt, somit, abschließend |
Verknüpfungswörter helfen, aber sie ersetzen keinen logischen Zusammenhang. Deshalb macht zwei unverbundene Aussagen nicht automatisch sinnvoll.
Beispiel: sprunghaft und kohärent
Sprunghaft:
Die Pausenhalle ist oft laut. Viele Schülerinnen und Schüler essen dort. Ein Ruheraum wäre gut. Nachmittags findet Unterricht statt. Die Schule hat wenig freie Räume.
Überarbeitet:
Die Pausenhalle ist häufig laut, weil dort viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig essen und sprechen. Deshalb fehlt besonders an langen Schultagen ein ruhiger Ort zur Erholung. Ein Ruheraum könnte diese Lücke schließen. Allerdings verfügt die Schule nur über wenige freie Räume. Daher wäre zunächst eine zeitlich begrenzte Testphase sinnvoll.
Die Überarbeitung verbessert nicht nur einzelne Wörter. Sie macht Beziehungen zwischen Ursache, Problem, Einwand und Lösung sichtbar.
Schreibwerkzeug Themenkette
Wiederhole nicht immer dasselbe Wort, aber sorge dafür, dass der Gegenstand erkennbar bleibt.
Beispiel:
Ein Ruheraum könnte die Pausen entspannter machen. Dieser Rückzugsort wäre besonders für Lernende mit langem Schultag hilfreich. Er müsste jedoch so organisiert werden, dass andere Räume nicht blockiert werden.
Die Begriffe Ruheraum – Rückzugsort – er bilden eine Themenkette.
Sprachlich präzise formulieren
Präzise Sprache hilft Leserinnen und Lesern, Deine Gedanken ohne Rätselraten zu verstehen. Häufige Schwächen sind ungenaue Verben, leere Verstärker, unnötige Wiederholungen und sehr allgemeine Wörter.
Schreibwerkzeug Präzisionsleiter
| Ungenau | Genauer | Präzise im Zusammenhang |
|---|---|---|
| machen | einrichten | einen Ruheraum einrichten |
| gut | hilfreich | förderlich für konzentriertes Weiterarbeiten |
| viele | zahlreiche | 68 Prozent der Befragten |
| Sache | Maßnahme | vierwöchige Testphase |
| Problem | Schwierigkeit | fehlende Aufsicht in der Mittagspause |
Schreibwerkzeug Verbentest
Prüfe Sätze mit Verben wie machen, tun, haben, sein und kommen. Diese Verben sind nicht grundsätzlich falsch, aber oft gibt es eine genauere Formulierung.
Vorher: Die Schule macht neue Regeln für den Raum.
Nachher: Die Schule legt verbindliche Nutzungsregeln für den Raum fest.
Schreibwerkzeug Füllwort-Check
Streiche probeweise Wörter wie eigentlich, irgendwie, halt, sozusagen, wirklich oder sehr. Wenn der Satz ohne sie klarer bleibt, brauchst Du sie nicht.
Vorher: Ein Ruheraum wäre eigentlich wirklich sehr sinnvoll.
Nachher: Ein Ruheraum könnte die Erholung in langen Schultagen verbessern.
Absätze überzeugend ausbauen
Ein guter Absatz besteht nicht nur aus einer Behauptung. Besonders bei argumentierenden Texten hilft ein einfaches Bauprinzip:
| Baustein | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Aussage | Was behaupte ich? | Ein Ruheraum kann die Erholung in der Pause verbessern. |
| Begründung | Warum ist das plausibel? | In lauten Bereichen können sich Lernende nur eingeschränkt zurückziehen. |
| Beispiel oder Beleg | Woran lässt sich das zeigen? | Besonders nach sechs Unterrichtsstunden suchen viele einen ruhigeren Aufenthaltsort. |
| Rückbindung | Was bedeutet das für meine Fragestellung? | Deshalb spricht der Erholungsaspekt für einen begrenzten Probelauf. |
Dieses Muster darf nicht mechanisch wirken. Es dient als Kontrollwerkzeug: Fehlt eine Begründung? Bleibt ein Beispiel ohne Auswertung? Wird der Bezug zur Fragestellung deutlich?
Vom Erstentwurf zur Revision
Der Erstentwurf muss noch nicht perfekt sein. Seine Aufgabe ist, Deine geplanten Gedanken zunächst vollständig in Text zu verwandeln. Die eigentliche Qualität entsteht häufig während der Revision.

Vier Revisionsrunden
Überarbeite nicht alles gleichzeitig. Nutze vier getrennte Durchgänge:
| Runde | Schwerpunkt | Leitfragen |
|---|---|---|
| 1 | Inhalt | Beantworte ich die Aufgabe? Fehlt ein wichtiger Gedanke? Ist etwas überflüssig? |
| 2 | Aufbau und Kohärenz | Stimmt die Reihenfolge? Hat jeder Absatz eine Funktion? Sind Übergänge verständlich? |
| 3 | Adressat und Sprache | Passt der Ton? Sind Wörter präzise? Sind Sätze verständlich und abwechslungsreich? |
| 4 | Sprachrichtigkeit | Stimmen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? |
Diese Reihenfolge ist wichtig: Es lohnt sich kaum, einen Satz perfekt zu korrigieren, wenn Du den ganzen Absatz später streichst.
Schreibwerkzeug Revisionszeichen
Du kannst beim Überarbeiten einfache Zeichen verwenden:
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| ? | unklar |
| + | ergänzen |
| – | streichen oder kürzen |
| ↔ | Reihenfolge prüfen |
| W | Wortwahl präzisieren |
| Ü | Übergang verbessern |
| A | Adressatenbezug prüfen |
Schreibwerkzeug Lautlese-Test
Lies Deinen Text langsam laut. Dabei bemerkst Du häufig zu lange Sätze, fehlende Wörter, holprige Übergänge oder Wiederholungen. Markiere jede Stelle, an der Du selbst ins Stocken gerätst.
Feedback geben, ohne den Text zu übernehmen
Peer-Feedback ist dann hilfreich, wenn es konkret, begründet und auf Kriterien bezogen ist. Die Person, die Feedback gibt, übernimmt nicht die Autorenschaft. Die Entscheidung über Änderungen bleibt bei der schreibenden Person.

Schreibwerkzeug Stärke – Frage – Vorschlag
Ein hilfreiches Feedback kann aus drei Schritten bestehen:
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Stärke | Deine Einleitung macht die Problemstellung sofort deutlich. |
| Frage | Warum ist die Testphase auf vier Wochen begrenzt? |
| Vorschlag | Ergänze einen Satz, der erklärt, warum vier Wochen für eine erste Auswertung sinnvoll sind. |
Unbrauchbares Feedback lautet dagegen nur: Gut, Komisch, Mach es besser oder Das würde ich anders schreiben. Solche Rückmeldungen zeigen nicht, wo und warum eine Überarbeitung nötig ist.
Feedback-Regeln
- Kriterienorientierung: Beziehe Dich auf Inhalt, Aufbau, Kohärenz, Adressatenbezug oder sprachliche Präzision.
- Textbezug: Nenne eine konkrete Stelle.
- Begründung: Erkläre Deinen Leseeindruck.
- Vorschlag: Zeige eine mögliche Richtung, ohne den Text vollständig umzuschreiben.
- Autorenschaft: Die schreibende Person entscheidet selbst über die Revision.
Feedback eigenständig nutzen
Nicht jeder Vorschlag muss übernommen werden. Prüfe Rückmeldungen in drei Schritten:
| Schritt | Leitfrage |
|---|---|
| Verstehen | Was genau hat die lesende Person nicht verstanden oder vermisst? |
| Bewerten | Passt die Rückmeldung zu meiner Aufgabe und meinem Schreibziel? |
| Entscheiden | Übernehme ich den Vorschlag, verändere ich ihn oder lasse ich meinen Text bewusst stehen? |
Schreibwerkzeug Revisionsprotokoll
| Rückmeldung | Meine Entscheidung | Begründung |
|---|---|---|
| Der Übergang zu den Nachteilen ist abrupt. | Ich ergänze einen Gegensatz. | Der Gedankensprung ist tatsächlich schwer nachvollziehbar. |
| Die Einleitung soll länger werden. | Ich ändere sie nicht. | Thema und Schreibziel sind bereits knapp und klar eingeführt. |
| Das Wort gut ist ungenau. | Ich ersetze es. | förderlich beschreibt die Wirkung genauer. |
Ein Revisionsprotokoll macht sichtbar, dass Überarbeiten eine bewusste Entscheidung ist und nicht bloß das Befolgen fremder Korrekturen.
Beispiel: einen Text vollständig überarbeiten
Schreibauftrag: Verfasse für die Schülervertretung und die Schulleitung eine kurze Stellungnahme dazu, ob ein Ruheraum in einer vierwöchigen Testphase eingerichtet werden sollte.
Erstfassung
Ich finde einen Ruheraum gut. In der Pause ist es laut und das nervt. Viele wollen bestimmt Ruhe. Die Schule hat aber wenig Räume. Man könnte es trotzdem machen. Dann sieht man, ob es klappt. Es wäre auch gut für den Unterricht danach. Deshalb sollte man das machen.
Diagnose der Erstfassung
| Bereich | Beobachtung | Revisionsziel |
|---|---|---|
| Inhalt | mehrere sinnvolle Ideen, aber kaum erläutert | Begründungen und Bedingungen ergänzen |
| Gliederung | Vorteil, Einwand und Lösung stehen nur lose nebeneinander | Problem – Nutzen – Einwand – Lösung ordnen |
| Adressatenbezug | Formulierungen wie das nervt sind für die Schulleitung zu umgangssprachlich | sachlichen Ton wählen |
| Kohärenz | Beziehungen zwischen Aussagen bleiben teilweise offen | passende Übergänge einsetzen |
| Präzision | gut und machen sind ungenau | genauere Verben und Bewertungen nutzen |
Überarbeitete Fassung
Die Pausen sollen Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich zwischen Unterrichtsphasen zu erholen. In den großen Aufenthaltsbereichen ist es jedoch häufig laut, sodass ein ruhiger Rückzugsort fehlt. Ein Ruheraum könnte besonders an langen Schultagen dazu beitragen, dass Lernende nach der Pause konzentrierter weiterarbeiten.
Gegen eine sofortige dauerhafte Einrichtung spricht, dass an unserer Schule nur wenige freie Räume zur Verfügung stehen und auch die Aufsicht geklärt werden müsste. Dieses Problem lässt sich jedoch zunächst begrenzen: In einer vierwöchigen Testphase könnte ein vorhandener Raum nur in ausgewählten Pausen geöffnet werden. Klare Nutzungsregeln und eine begrenzte Personenzahl würden die Organisation erleichtern.
Ich schlage deshalb vor, einen Ruheraum für vier Wochen zu erproben und die Nutzung anschließend gemeinsam auszuwerten. So könnte die Schule eine Entscheidung auf Grundlage konkreter Erfahrungen treffen.
Was wurde verbessert?
Die überarbeitete Fassung ist nicht einfach länger. Sie ist zielgerichteter. Der Nutzen wird erklärt, ein Gegenargument wird ernst genommen und in eine Lösung überführt. Übergänge wie jedoch, dieses Problem und deshalb machen den Gedankengang sichtbar. Außerdem passen Formulierungen wie erproben, auswerten und klare Nutzungsregeln besser zu einem sachlichen Schreiben an schulische Entscheidungsträger.
Die persönliche Schreibwerkzeug-Box
Nutze je nach Problem das passende Werkzeug:
| Wenn Du dieses Problem hast ... | ... nutze dieses Schreibwerkzeug |
|---|---|
| Ich weiß nicht, was verlangt wird. | Schreibauftrag-Check |
| Mir fehlen Ideen. | Mindmap oder Stichwortkarten |
| Meine Ideen sind ungeordnet. | Absatzplan |
| Mein Entwurf wirkt sprunghaft. | Rückwärtsgliederung und Verknüpfungswörter |
| Mein Text klingt zu allgemein. | Präzisionsleiter und Verbentest |
| Ich weiß nicht, ob der Ton passt. | Adressatenfragen |
| Ich erkenne eigene Schwächen nicht. | Lautlese-Test oder Peer-Feedback |
| Ich bekomme viele Rückmeldungen. | Revisionsprotokoll |
| Ich korrigiere nur Rechtschreibung. | Vier Revisionsrunden |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Frage gehört zuerst zum Schreibauftrag-Check? (Wer soll meinen Text lesen und was soll er bewirken?) (!Wie viele schwierige Wörter kann ich verwenden?) (!Welche Schriftart wirkt am modernsten?) (!Wie lang kann mein längster Satz werden?)
Wozu dient eine Gliederung vor allem? (Sie ordnet die Gedanken in eine nachvollziehbare Reihenfolge.) (!Sie ersetzt den vollständigen Text.) (!Sie sammelt nur Rechtschreibregeln.) (!Sie legt alle Formulierungen endgültig fest.)
Was bedeutet adressatengerechtes Schreiben? (Sprache und Informationen werden an die Zielgruppe angepasst.) (!Jeder Text wird möglichst umgangssprachlich geschrieben.) (!Alle Leser erhalten immer dieselben Erklärungen.) (!Der Text enthält möglichst viele Fremdwörter.)
Welche Formulierung zeigt einen Gegensatz? (jedoch) (!deshalb) (!beispielsweise) (!außerdem)
Welche Überarbeitung sollte zuerst erfolgen? (Prüfen, ob Inhalt und Schreibauftrag zusammenpassen.) (!Jedes Komma einzeln kontrollieren.) (!Alle Sätze gleich lang machen.) (!Möglichst viele Adjektive ergänzen.)
Was leistet eine Rückwärtsgliederung? (Sie zeigt nach dem Entwurf die Funktion der einzelnen Absätze.) (!Sie korrigiert automatisch Rechtschreibfehler.) (!Sie ersetzt jede Ideensammlung.) (!Sie bewertet nur die Handschrift.)
Welche Formulierung ist sprachlich präziser? (Die Schule legt verbindliche Nutzungsregeln fest.) (!Die Schule macht da etwas mit Regeln.) (!Die Schule macht Regeln irgendwie besser.) (!Die Schule macht sehr gute Sachen.)
Was zeichnet hilfreiches Peer-Feedback aus? (Es bezieht sich konkret und begründet auf Kriterien.) (!Es schreibt den gesamten Text für die andere Person neu.) (!Es besteht nur aus einer Note.) (!Es nennt ausschließlich Rechtschreibfehler.)
Wer entscheidet am Ende über die Überarbeitung eines eigenen Textes? (Die Autorin oder der Autor des Textes.) (!Immer die Person mit der längsten Rückmeldung.) (!Ausschließlich ein zufällig ausgewählter Mitschüler.) (!Niemand, denn Feedback muss vollständig übernommen werden.)
Warum ist ein Lautlese-Test beim Überarbeiten hilfreich? (Holprige Sätze und unklare Übergänge fallen leichter auf.) (!Er ersetzt jede inhaltliche Prüfung.) (!Er macht automatisch alle Argumente richtig.) (!Er verhindert grundsätzlich jede Wiederholung.)
Memory
| Schreibauftrag-Check | klärt Thema, Textsorte, Adressat und Ziel |
| Mindmap | sammelt und vernetzt Ideen |
| Absatzplan | ordnet die Funktion einzelner Textabschnitte |
| Rückwärtsgliederung | prüft nachträglich den Aufbau eines Entwurfs |
| Themenkette | hält den Gegenstand über mehrere Sätze hinweg erkennbar |
| Präzisionsleiter | ersetzt allgemeine Wörter durch genauere Formulierungen |
| Lautlese-Test | macht sprachliche Stolperstellen hörbar |
| Revisionsprotokoll | dokumentiert bewusste Entscheidungen nach Feedback |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Auftrag klären | Schreibziel und Adressat bestimmen |
| Ideen ordnen | Gliederung und Absatzplan entwickeln |
| Kohärenz herstellen | Gedanken logisch miteinander verbinden |
| Sprache präzisieren | allgemeine Wörter gezielt ersetzen |
| Revision entscheiden | Rückmeldungen prüfen und eigenständig nutzen |
Kreuzworträtsel
| Kohärenz | Wie nennt man den nachvollziehbaren inhaltlichen Zusammenhang eines Textes? |
| Gliederung | Wie heißt die geordnete Struktur eines geplanten Textes? |
| Adressat | Wie nennt man die Person oder Gruppe, für die ein Text bestimmt ist? |
| Feedback | Wie heißt eine begründete Rückmeldung zu einem Text? |
| Revision | Wie heißt die bewusste Überarbeitung eines bereits geschriebenen Entwurfs? |
| Präzision | Welcher Begriff bezeichnet eine möglichst genaue sprachliche Formulierung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Schreibauftrag-Check: Nimm eine aktuelle Schreibaufgabe aus Deinem Deutschunterricht und formuliere Thema, Textsorte, Adressat, Schreibziel und formale Vorgaben in einer übersichtlichen Tabelle.
- Mindmap: Erstelle zu der Frage „Soll unsere Schule einen zusätzlichen Projekttag einführen?“ eine Mindmap mit mindestens vier Hauptästen und passenden Unterideen.
- Sprachliche Präzision: Sammle zehn ungenaue Wörter aus typischen Schülertexten und ersetze sie jeweils durch zwei genauere Formulierungen.
- Kohärenz: Schreibe fünf einzelne Aussagen zu einem Schulthema und überarbeite sie anschließend zu einem zusammenhängenden Absatz mit erkennbaren logischen Beziehungen.
Standard
- Adressatengerechtes Schreiben: Formuliere dieselbe Bitte einmal an Deine Klasse und einmal an die Schulleitung. Markiere anschließend mindestens fünf sprachliche Unterschiede und begründe sie.
- Absatzplan: Plane eine Stellungnahme zum Thema „Soll es an einem Schultag eine längere Mittagspause geben?“ mit mindestens fünf Absätzen und notiere zu jedem Absatz Funktion, Kernidee und Beispiel.
- Peer-Feedback: Tausche einen eigenen Text mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler. Gib zu drei Stellen jeweils eine Stärke, eine Frage und einen konkreten Verbesserungsvorschlag.
- Revisionsprotokoll: Überarbeite einen eigenen älteren Text und dokumentiere mindestens sechs Änderungen mit den Spalten Rückmeldung oder Beobachtung, Entscheidung und Begründung.
Schwer
- Textrevision: Schreibe eine bewusst schwache Erstfassung von etwa 180 Wörtern und erstelle danach eine zweite Fassung, in der Du Aufbau, Kohärenz, Adressatenbezug und sprachliche Präzision systematisch verbesserst.
- Schreibkonferenz: Organisiert in einer Gruppe eine Schreibkonferenz mit verteilten Prüfschwerpunkten. Dokumentiert, welche Rückmeldungen tatsächlich zu Textänderungen geführt haben und warum.
- Erklärvideo: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Erklärvideo mit dem Titel „Vom Schreibauftrag zur Revision“. Zeige mindestens fünf Schreibwerkzeuge an einem eigenen Beispiel.
- Schreibportfolio: Lege ein Portfolio mit Schreibplan, Erstfassung, Peer-Feedback, Revisionsprotokoll und Endfassung an. Verfasse abschließend eine Reflexion darüber, welche Überarbeitungsentscheidung Deinen Text am stärksten verbessert hat.


Lernkontrolle
- Schreibprozess analysieren: Du erhältst einen fertigen Text ohne Vorarbeiten. Rekonstruiere eine mögliche Gliederung und erkläre, an welchen Stellen vermutlich Planungsentscheidungen getroffen wurden.
- Adressatenwechsel: Überarbeite einen sachlichen Informationstext für eine deutlich jüngere Zielgruppe. Begründe mindestens vier Änderungen an Wortwahl, Satzbau oder Informationsauswahl.
- Kohärenz verbessern: Ordne einen absichtlich zerstückelten Absatz neu. Ergänze nur so viele Verknüpfungen wie nötig und erkläre, wodurch der Zusammenhang entsteht.
- Revision priorisieren: In einem Entwurf findest Du einen inhaltlichen Widerspruch, zwei unklare Übergänge, vier Wortwiederholungen und fünf Rechtschreibfehler. Lege eine sinnvolle Reihenfolge der Überarbeitung fest und begründe sie.
- Feedback bewerten: Vergleiche drei unterschiedliche Rückmeldungen zu demselben Absatz. Entscheide, welches Feedback am hilfreichsten ist, und begründe Deine Entscheidung anhand klarer Kriterien.
- Transferaufgabe: Plane einen Text für einen realistischen außerschulischen Adressaten, zum Beispiel einen Verein, eine Jugendorganisation oder eine lokale Einrichtung. Zeige, wie Schreibziel, Gliederung und Sprachstil durch diesen Adressaten beeinflusst werden.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du einen Schreibprozess nicht nur beschreiben, sondern selbstständig steuern kannst.
- Auftragsanalyse: Du klärst Thema, Textsorte, Adressat, Ziel und formale Vorgaben.
- Planung: Du dokumentierst eine sinnvolle Ideensammlung und entwickelst daraus eine nachvollziehbare Gliederung.
- Adressatenbezug: Du passt Ton, Wortwahl und Informationsauswahl an die Zielgruppe an.
- Kohärenz: Du gestaltest nachvollziehbare Übergänge zwischen Sätzen und Absätzen.
- Sprachliche Präzision: Du ersetzt unklare oder allgemeine Formulierungen durch passende, genaue Sprache.
- Feedbackkompetenz: Du gibst konkretes, begründetes und kriterienorientiertes Feedback.
- Eigenständige Revision: Du entscheidest selbst, welche Rückmeldungen Du übernimmst, veränderst oder begründet ablehnst.
- Reflexion: Du kannst erklären, welche Überarbeitung Deinen Text verbessert hat und warum.
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