D9 M - Prosatexte erschließen

D9 M - Prosatexte erschließen
D9 M - Prosatexte erschließen
Einleitung
Prosatexte begegnen Dir im Deutschunterricht in vielen Formen: als Kurzgeschichte, Erzählung, Novelle, Roman, Parabel oder als Ausschnitt aus einem längeren erzählenden Werk. Einen Prosatext zu erschließen bedeutet mehr, als nur herauszufinden, „was passiert“. Du untersuchst Schritt für Schritt, was der Text erzählt, wie er erzählt und welche Bedeutung sich daraus ableiten lässt.
In diesem aiMOOC trainierst Du das Erschließen von Prosatexten auf M-Niveau der Klasse 9. Im Mittelpunkt stehen vier Kompetenzen:
- Unterschiedliche Lesetechniken: Du wählst passend zu Deinem Leseziel zwischen orientierendem, selektivem, detailliertem, analytischem und navigierendem Lesen.
- Begründetes erstes Textverständnis: Du formulierst einen ersten Eindruck nicht nur als Gefühl, sondern begründest ihn mit Beobachtungen am Text.
- Strukturierte Texterschließung: Du untersuchst Inhalt, Aufbau, Figuren, Erzählsituation, Zeit, Raum und Sprache in einer sinnvollen Reihenfolge.
- Aussagekräftige Textstellen: Du findest selbstständig Belege, die eine Aussage wirklich stützen, und erklärst ihre Bedeutung.

Dein Ziel: Am Ende sollst Du einen unbekannten Prosatext weitgehend selbstständig erschließen können. Du sollst also nicht darauf warten, dass Dir jemand sagt, welche Stelle wichtig ist, sondern selbst entscheiden können, wo im Text Du Belege findest und warum gerade diese Textstellen aussagekräftig sind.
Was ist ein Prosatext?
Prosa ist Sprache, die nicht an ein regelmäßiges Vers- oder Reimschema gebunden ist. Literarische Prosatexte erzählen häufig von Figuren, Ereignissen, Konflikten und Veränderungen. Dabei entsteht die erzählte Welt nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die Art des Erzählens.
Für die Texterschließung ist deshalb wichtig, drei Ebenen auseinanderzuhalten:
- Inhalt: Was geschieht? Welche Figuren handeln? Welcher Konflikt entwickelt sich?
- Analyse: Wie wird das Geschehen dargestellt? Aus welcher Perspektive? In welcher Reihenfolge? Mit welchen sprachlichen Mitteln?
- Interpretation: Was könnte das bedeuten? Welche Aussage, welches Thema oder welche Wirkung lässt sich aus Inhalt und Gestaltung ableiten?
Eine gute Deutung verbindet diese Ebenen. Sie behauptet nicht einfach etwas über den Text, sondern entwickelt eine nachvollziehbare Erklärung aus Beobachtungen und Belegen.

Typische Formen literarischer Prosa
Zu den Prosatexten, die Dir im Deutschunterricht begegnen können, gehören unter anderem Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen, Romane, Parabeln und Fabeln. Die Grenzen zwischen einzelnen Formen sind nicht immer scharf. Für die Erschließung eines unbekannten Textes ist deshalb wichtiger, seine konkreten Merkmale zu untersuchen, als vorschnell eine Textsorte festzulegen.
Achte zum Beispiel auf den Umfang, den Einstieg, den Schluss, die Anzahl der Figuren, die Gestaltung von Zeit und Raum, die Art des Konflikts sowie darauf, ob der Text eher realistisch, symbolisch, humorvoll, offen oder überraschend wirkt.
Lesen mit Ziel: Lesetechniken unterscheiden
Lesestrategien sind bewusst eingesetzte Vorgehensweisen, mit denen Du ein bestimmtes Leseziel erreichst. Nicht jeder Text muss von Anfang an Wort für Wort gelesen werden. Gute Leserinnen und Leser wechseln ihre Lesetechnik abhängig von der Aufgabe.
Orientierendes Lesen
Beim orientierenden Lesen oder Skimming verschaffst Du Dir schnell einen Überblick. Du liest Überschrift, Anfang, auffällige Stellen, Absatzanfänge und Schluss besonders aufmerksam und überfliegst den übrigen Text zunächst.
Fragen beim orientierenden Lesen sind zum Beispiel: Wer kommt vor? Wo spielt die Handlung? Welche Stimmung entsteht? Welcher Konflikt zeichnet sich ab? Welche Wörter oder Motive fallen wiederholt auf?
Ziel: Du entwickelst eine erste Vorstellung vom Text, ohne bereits jedes Detail erklären zu müssen.
Selektives Lesen
Beim selektiven Lesen oder Scanning suchst Du gezielt nach bestimmten Informationen. Wenn die Aufgabe zum Beispiel lautet „Untersuche, wie sich die Beziehung zwischen zwei Figuren verändert“, suchst Du besonders nach Begegnungen, Gesprächen, Reaktionen, Gedanken und auffälligen Veränderungen.
Ziel: Du findest Textstellen, die zu einer konkreten Fragestellung passen.
Detailliertes Lesen
Beim detaillierten Lesen arbeitest Du einen Abschnitt genau durch. Du klärst Wörter, Bezüge, Pronomen, Handlungsschritte und Zusammenhänge. Besonders wichtige Passagen liest Du mehrmals.
Ziel: Du verstehst genau, was gesagt oder erzählt wird.
Analytisches Lesen
Beim analytischen Lesen fragst Du zusätzlich danach, wie eine Textstelle gestaltet ist und welche Wirkung diese Gestaltung hat. Du untersuchst zum Beispiel Erzählperspektive, Satzbau, Wortwahl, Wiederholungen, Kontraste, Metaphern, Vergleiche, direkte Rede oder auffällige Leerstellen.
Ziel: Du stellst einen Zusammenhang zwischen sprachlicher Gestaltung und Bedeutung her.
Navigierendes Lesen
Beim navigierenden Lesen bewegst Du Dich gezielt durch einen längeren oder digitalen Text. Du nutzt Überschriften, Suchbegriffe, Inhaltsverzeichnisse, Seitenangaben oder Suchfunktionen, um relevante Stellen wiederzufinden.
Ziel: Du arbeitest effizient und verlierst bei umfangreicheren Texten nicht die Orientierung.

Die Grundidee: Mehrmals lesen, aber jedes Mal anders
Eine strukturierte Texterschließung gelingt besonders gut, wenn Du nicht versuchst, beim ersten Lesen alles gleichzeitig zu verstehen. Sinnvoll ist ein mehrstufiges Vorgehen:
- Leseauftrag klären: Was sollst Du herausfinden?
- Orientierendes Lesen: Überblick und ersten Eindruck gewinnen.
- Selektives Lesen: Passende Stellen zur Fragestellung finden.
- Detailliertes Lesen: Schlüsselszenen genau verstehen.
- Analytisches Lesen: Gestaltung und Wirkung untersuchen.
- Textstellen sichern: Aussagen mit passenden Belegen stützen.
- Interpretation überprüfen: Passt Deine Deutung zum gesamten Text oder widersprechen wichtige Stellen?
So entsteht aus einem ersten Leseeindruck schrittweise ein begründetes Textverständnis.
Das begründete erste Textverständnis
Nach dem ersten Lesen darf Dein Verständnis noch vorläufig sein. Es sollte aber nicht beliebig sein. Eine Aussage wie „Der Text ist irgendwie traurig“ bleibt zu ungenau. Besser ist eine Formulierung, die Eindruck, Beobachtung und erste Begründung verbindet.
Eine hilfreiche Formel lautet:
Eindruck + Beobachtung am Text + mögliche Bedeutung
Beispiel: „Die Begegnung wirkt angespannt, weil die Figuren nur sehr kurze Antworten geben und wichtigen Fragen ausweichen. Das könnte darauf hindeuten, dass zwischen ihnen ein ungelöster Konflikt besteht.“
Dabei ist das Wort könnte wichtig: Ein erstes Textverständnis ist eine Hypothese. Im weiteren Lesen musst Du prüfen, ob sie sich bestätigt, verändert oder verworfen werden muss.
Gute Formulierungen für ein erstes Textverständnis
Du kannst zum Beispiel so beginnen:
- Leseeindruck: „Auf mich wirkt die Szene zunächst ..., weil ...“
- Figurenbeziehung: „Zwischen den Figuren scheint ... zu bestehen, denn ...“
- Konflikt: „Ein möglicher zentraler Konflikt ist ..., weil ...“
- Stimmung: „Die Stimmung verändert sich von ... zu ..., was sich an ... erkennen lässt.“
- Deutungshypothese: „Der Text könnte zeigen, dass ..., weil ...“
Ein begründeter erster Eindruck ist also mehr als eine spontane Meinung, aber noch weniger als eine fertige Interpretation.
Markieren mit System
Viele Lernende markieren zu viel. Wenn fast der ganze Text farbig ist, hilft die Markierung nicht mehr bei der Orientierung. Markiere deshalb nur Stellen, die Du später wirklich brauchst.

Eine mögliche Markierstrategie ist:
- Schlüsselstellen: Stellen, an denen sich der Konflikt verändert.
- Figurenstellen: Verhalten, Gedanken, Aussagen und Reaktionen.
- Erzähltechnik: Auffällige Wechsel in Perspektive, Zeit oder Erzähltempo.
- Sprache: Wörter, Bilder, Wiederholungen oder Gegensätze mit erkennbarer Wirkung.
- Unklares: Stellen, die Du noch nicht verstehst oder später überprüfen willst.
Zusätzlich sind Randnotizen nützlich. Schreibe nicht „wichtig“ an den Rand, sondern benenne den Grund: „Konflikt beginnt“, „Misstrauen“, „Perspektivwechsel“, „Zeitdehnung“, „Wiederholung“, „Hinweis auf Schluss“.

Einen Prosatext strukturiert erschließen
Bei einer vollständigen Erschließung hilft Dir eine feste Reihenfolge. Du musst nicht jeden Punkt gleich ausführlich behandeln. Entscheidend ist, welche Aspekte für den jeweiligen Text bedeutsam sind.
Schritt 1: Inhalt und Konflikt erfassen
Fasse jeden Sinnabschnitt in wenigen eigenen Worten zusammen. Vermeide zunächst Deutungen. Schreibe also zuerst, was geschieht.
Achte besonders auf:
- Ausgangssituation: Wie beginnt der Text?
- Ereignis: Was setzt die Handlung in Bewegung?
- Konflikt: Welche Interessen, Wünsche oder Erwartungen geraten aneinander?
- Wendepunkt: Wo verändert sich die Situation entscheidend?
- Schluss: Wird der Konflikt gelöst, verschärft oder offengelassen?
Eine Inhaltsangabe ist dabei kein Nacherzählen aller Einzelheiten. Sie reduziert den Text auf die für das Verständnis wesentlichen Handlungsschritte.
Schritt 2: Sinnabschnitte und Aufbau untersuchen
Teile den Text nach inhaltlichen Veränderungen in Sinnabschnitte. Gib jedem Abschnitt eine kurze Überschrift oder eine Randnotiz.
Mögliche Gliederungsmerkmale sind Ortswechsel, Zeitsprünge, neue Figuren, Wechsel im Gespräch, neue Gedanken, Wendepunkte oder deutliche Stimmungsänderungen.
Die Gliederung hilft Dir später, eine Entwicklung zu erkennen. Besonders wichtig ist die Frage: Was ist am Ende anders als am Anfang?
Schritt 3: Figuren untersuchen
Eine Figurenanalyse stützt sich auf beobachtbares Material. Trenne deshalb zwischen Information und Deutung.
Direkte Informationen sind Aussagen, mit denen der Erzähler oder andere Figuren Eigenschaften ausdrücklich benennen. Indirekte Informationen ergeben sich aus Handlungen, Sprache, Gedanken, Körperhaltung, Entscheidungen und Reaktionen.
Eine hilfreiche Kette lautet:
Beobachtung → Schlussfolgerung → Textbeleg
Beispiel: „Nora vermeidet den Blickkontakt und antwortet nur einsilbig. Dadurch wirkt sie unsicher oder abweisend. Besonders deutlich wird dies in der Szene, in der ...“
Achte auch auf Beziehungen zwischen Figuren: Nähe, Abhängigkeit, Konkurrenz, Vertrauen, Macht, Konflikt oder Veränderung.
Schritt 4: Erzähler und Perspektive untersuchen
Der Erzähler ist nicht automatisch mit dem Autor gleichzusetzen. Er ist die Vermittlungsinstanz innerhalb des Textes.
Wichtige Fragen sind:
- Wer erzählt: ein Ich-Erzähler oder ein Erzähler in der dritten Person?
- Aus wessen Wahrnehmung wird das Geschehen vermittelt?
- Weiß der Erzähler mehr als die Figuren?
- Werden Gedanken und Gefühle einer oder mehrerer Figuren gezeigt?
- Bleiben Informationen bewusst verborgen?
- Wie beeinflusst die Perspektive Deine Einschätzung des Geschehens?
Bei einem personalen Erzählen ist die Wahrnehmung häufig an eine Figur gebunden. Beim auktorialen Erzählen kann der Erzähler einen größeren Wissensstand besitzen, kommentieren oder vorausdeuten. Beim neutralen Erzählen tritt die vermittelnde Erzählinstanz stärker zurück und zeigt vor allem beobachtbares Geschehen.
Schritt 5: Zeit und Raum untersuchen
Die erzählte Zeit ist nicht immer identisch mit der Reihenfolge, in der Ereignisse tatsächlich stattfinden würden. Achte auf Rückblenden, Vorausdeutungen, Zeitsprünge und besonders ausführlich erzählte Momente.
Wichtige Fragen sind:
- Wie lange dauert das Geschehen?
- Welche Momente werden ausführlich dargestellt?
- Welche Zeiträume werden übersprungen?
- Gibt es Erinnerungen oder Vorausdeutungen?
- Welche Wirkung hat das Erzähltempo?
Auch der Raum kann Bedeutung tragen. Ein enger Raum kann beispielsweise eine bedrückende Situation verstärken, während ein Bahnhof, eine Tür, eine Brücke oder eine Grenze Übergänge symbolisieren kann. Eine solche Deutung ist aber nur überzeugend, wenn sie zum Text passt.
Schritt 6: Sprache untersuchen
Sprachliche Analyse bedeutet nicht, möglichst viele Stilmittel aufzuzählen. Entscheidend ist die Frage: Was bewirkt die sprachliche Gestaltung an dieser Stelle?
Achte zum Beispiel auf:
- Wortwahl: sachlich, emotional, wertend, umgangssprachlich, auffällig neutral.
- Satzbau: kurze Hauptsätze, lange Satzgefüge, Satzabbrüche, Fragen.
- Wiederholung: Welche Wörter, Sätze oder Motive kehren wieder?
- Kontrast: Welche Gegensätze werden aufgebaut?
- Bildliche Sprache: Welche Vergleiche, Metaphern oder Symbole prägen die Vorstellung?
- Direkte Rede: Was sagen Figuren und was verschweigen sie?
- Leerstelle: Welche Information bleibt offen und muss erschlossen werden?
Aus einer Beobachtung muss eine Erklärung folgen. Statt „Es gibt kurze Sätze“ solltest Du schreiben: „Die kurzen Sätze beschleunigen den Rhythmus und lassen die Figur angespannt wirken.“
Schritt 7: Thema und Deutung entwickeln
Das Thema ist allgemeiner als der konkrete Handlungsinhalt. Wenn eine Geschichte von zwei Freunden handelt, die nach einem Missverständnis nicht miteinander sprechen, kann das Thema zum Beispiel Vertrauen, Schweigen, Verantwortung oder Kommunikation sein.
Eine Deutungshypothese verbindet mehrere Beobachtungen zu einer übergeordneten Aussage. Sie sollte:
- zum gesamten Text passen,
- durch mehrere Textstellen gestützt werden,
- wichtige Gestaltungsmittel berücksichtigen,
- Widersprüche ernst nehmen,
- nicht mehr behaupten, als der Text hergibt.
Eine gute Deutung ist deshalb keine „versteckte Musterlösung“, die erraten werden muss. Sie ist eine begründete Lesart.
Aussagekräftige Textstellen selbstständig finden
Eine Textstelle ist nicht schon deshalb gut, weil sie auffällig klingt. Ein aussagekräftiger Textbeleg muss zu Deiner Aussage passen.
Prüfe jede ausgewählte Stelle mit fünf Fragen:
- Relevanz: Belegt die Stelle wirklich meine Behauptung?
- Genauigkeit: Gibt es eine noch treffendere Stelle?
- Kontext: Verändert der Zusammenhang die Bedeutung?
- Kürze: Kann ich nur den entscheidenden Teil zitieren?
- Erklärung: Kann ich erläutern, warum diese Stelle wichtig ist?
Besonders ergiebig sind häufig Wendepunkte, wiederholte Formulierungen, auffällige Reaktionen, Widersprüche, Veränderungen im Sprachverhalten, Gedanken einer Figur oder Stellen, an denen Informationen bewusst zurückgehalten werden.
Die Belegkette: Behauptung – Beleg – Erklärung
Eine Analyse wird überzeugend, wenn drei Schritte miteinander verbunden sind:
Behauptung: Was stellst Du fest?
Beleg: Welche Textstelle zeigt das?
Erklärung: Wie genau stützt die Textstelle Deine Aussage und welche Wirkung oder Bedeutung ergibt sich?
Beispiel:
„Zwischen den Figuren wächst das Misstrauen. Das zeigt sich daran, dass eine Figur eine direkte Frage nicht beantwortet, sondern das Thema wechselt. Der Gesprächsabbruch macht deutlich, dass offene Kommunikation vermieden wird und der Konflikt dadurch bestehen bleibt.“
Ein Zitat erklärt sich niemals von selbst. Nach einem Zitat muss deshalb in der Regel ein Satz folgen, der die Verbindung zu Deiner Aussage herstellt.
Richtig zitieren und auf Textstellen verweisen
Wenn Zeilennummern vorhanden sind, kannst Du kurze wörtliche Belege mit Zeilenangabe verwenden. Beispiel: „Sie bezeichnet den Raum als ‚zu still‘ (Z. 18).“
Wenn Du einen längeren Zusammenhang nur sinngemäß wiedergibst, kannst Du auf die Stelle verweisen: „Die Figur vermeidet anschließend jede weitere Erklärung (vgl. Z. 19–23).“
Wichtig ist nicht die Anzahl der Zitate, sondern ihre Aussagekraft. Zwei gut ausgewählte und erklärte Belege sind meist wertvoller als sechs unkommentierte Zitate.
Übungstext: „Die Nachricht um 7:14“
Der folgende Prosatext wurde für diesen aiMOOC als Übungstext erstellt. Lies ihn zunächst orientierend und arbeite danach mit den Erschließungsschritten.
Die Nachricht um 7:14
01 Mara stand schon seit sieben Minuten an der Haltestelle, obwohl der Bus erst in fünf kommen sollte.
02 Auf dem Display ihres Handys leuchtete noch immer dieselbe Nachricht.
03 „Ich hab’s gesagt. Tut mir leid.“
04 Mehr hatte Elias nicht geschrieben.
05 Am Morgen hatten sie gemeinsam ihr Referat gehalten.
06 Danach hatte Frau Kern Mara gebeten, in der Pause kurz zu bleiben.
07 „Es geht nur um die Quellen“, hatte die Lehrerin gesagt.
08 Nur um die Quellen.
09 Mara schob das Handy in die Jackentasche und zog es sofort wieder heraus.
10 Auf der anderen Straßenseite ging Elias aus dem Schultor.
11 Er sah sie.
12 Für einen Moment blieb er stehen.
13 Dann hob er die Hand, nicht richtig zum Winken, eher wie jemand, der prüfen wollte, ob er gesehen worden war.
14 Mara blickte auf die Fahrplantafel.
15 Montag bis Freitag. Alle zehn Minuten.
16 Sie kannte den Plan längst auswendig.
17 Elias kam über die Straße.
18 „Du hast die Nachricht gelesen?“
19 „Welche Nachricht?“
20 Er verzog den Mund.
21 „Mara.“
22 Ein Lieferwagen fuhr zwischen ihnen vorbei und nahm den Satz mit.
23 Als es wieder leiser wurde, sagte Elias: „Ich wollte nicht, dass sie es von jemand anderem hört.“
24 Mara sah ihn an.
25 „Was genau?“
26 Jetzt kam der Bus um die Ecke.
27 Elias trat einen Schritt zurück.
28 „Dass der eine Absatz nicht von uns war.“
29 Die Türen öffneten sich.
30 Mara dachte an gestern Abend, an das geöffnete Dokument und an den Absatz, den sie kopiert und später noch hatte umschreiben wollen.
31 Sie hatte es vergessen.
32 „Warum hast du nichts gesagt?“ fragte sie.
33 Elias sah zur Bustür.
34 „Gerade eben habe ich doch.“
35 Hinter Mara räusperte sich jemand.
36 Sie stieg ein.
37 Durch die Scheibe sah sie Elias kleiner werden.
38 Erst als der Bus anfuhr, bemerkte sie, dass sie sein „Tut mir leid“ die ganze Zeit falsch verstanden hatte.
Erster Leseeindruck zum Übungstext
Ein mögliches erstes Textverständnis lautet:
„Die Szene wirkt zunächst wie ein Konflikt zwischen Mara und Elias, weil seine knappe Nachricht und sein zögerndes Verhalten Misstrauen erzeugen. Im Verlauf wird jedoch deutlich, dass Mara einen kopierten Absatz nicht überarbeitet hat und Elias dies der Lehrerin mitgeteilt hat. Der Text könnte deshalb nicht nur von Verrat, sondern auch von Verantwortung und vorschnellen Deutungen handeln.“
Diese Deutung ist noch nicht abgeschlossen. Sie muss an mehreren Textstellen überprüft werden.
Den Übungstext in Sinnabschnitte gliedern
Eine mögliche Gliederung ist:
- Erwartung: Zeilen 1–9 – Mara wartet und deutet die Nachricht, ohne den genauen Hintergrund zu kennen.
- Begegnung: Zeilen 10–23 – Elias nähert sich, beide kommunizieren unsicher.
- Aufklärung: Zeilen 24–34 – Der Grund für Elias’ Nachricht wird deutlich.
- Erkenntnis: Zeilen 35–38 – Mara erkennt, dass ihre ursprüngliche Deutung falsch war.
Andere sinnvolle Gliederungen sind möglich, wenn Du sie am Text begründest.
Aussagekräftige Stellen im Übungstext
Für die Deutung sind beispielsweise folgende Stellen ergiebig:
- Mehrdeutigkeit: „Ich hab’s gesagt. Tut mir leid.“ – Die Nachricht nennt nicht, was Elias gesagt hat. Dadurch entsteht eine Leerstelle.
- Verunsicherung: Mara steckt das Handy ein und holt es „sofort wieder heraus“. Ihr Verhalten zeigt, dass die Nachricht sie beschäftigt.
- Ausweichen: Mara antwortet auf „Du hast die Nachricht gelesen?“ mit „Welche Nachricht?“. Obwohl sie die Nachricht kennt, weicht sie aus.
- Unterbrechung: Der Lieferwagen „nahm den Satz mit“. Das äußere Geschehen verstärkt die misslingende Kommunikation.
- Wendepunkt: „Dass der eine Absatz nicht von uns war.“ – Erst hier wird klar, worum es tatsächlich geht.
- Selbsterkenntnis: Im letzten Satz erkennt Mara, dass sie „Tut mir leid“ falsch verstanden hat. Damit verändert sich die Bedeutung der Anfangsnachricht rückwirkend.
Vom Textbeleg zur Deutung
Eine vollständige Analyse könnte so aussehen:
Behauptung: Der Text zeigt, wie eine Informationslücke zu einer vorschnellen Bewertung führen kann.
Beleg: Elias’ Nachricht lautet nur „Ich hab’s gesagt. Tut mir leid.“ und lässt offen, was er gesagt hat.
Erklärung: Weil Mara den fehlenden Zusammenhang selbst ergänzt, deutet sie die Nachricht zunächst als persönlichen Angriff. Erst die spätere Aufklärung verändert ihre Sicht. Die Leerstelle ist deshalb nicht nur spannend, sondern bildet den Kern des Missverständnisses.
Erzählweise genauer untersuchen
Im Übungstext wird das Geschehen überwiegend aus Maras Wahrnehmungsnähe vermittelt. Du erfährst, worauf sie blickt, woran sie denkt und was sie zunächst nicht versteht. Dadurch weißt Du als lesende Person lange nicht mehr als Mara.
Diese Begrenzung ist für die Wirkung entscheidend: Wenn der Text gleich am Anfang erklären würde, welchen Absatz Elias meint, gäbe es kein Missverständnis. Die Perspektive steuert also, welche Information wann verfügbar wird.
Die wiederholte Formulierung „Nur um die Quellen“ und Maras Blick auf die Fahrplantafel zeigen außerdem, dass sie versucht, ihre Aufmerksamkeit auf etwas scheinbar Sicheres zu lenken. Der Fahrplan ist eindeutig, die Nachricht dagegen mehrdeutig.
Typische Fehler bei der Prosatexterschließung
Fehler: Zu schnell interpretieren
Problematisch ist eine Deutung, die schon nach dem ersten Absatz feststeht und danach nur noch bestätigt werden soll. Suche bewusst auch nach Stellen, die Deiner ersten Vermutung widersprechen.
Besser: Formuliere zunächst eine Hypothese und überprüfe sie am gesamten Text.
Fehler: Inhaltsangabe und Analyse vermischen
Wenn Du nur nacherzählst, erklärst Du noch nicht die Gestaltung. Wenn Du nur Stilmittel nennst, erklärst Du noch nicht den Inhalt.
Besser: Verbinde Beobachtung und Wirkung: „Die Information wird erst spät gegeben. Dadurch bleibt die Situation zunächst mehrdeutig.“
Fehler: Zitate sammeln, aber nicht erklären
Ein Zitat ist kein Ersatz für eine Analyse.
Besser: Nutze die Kette Behauptung – Beleg – Erklärung.
Fehler: Alles markieren
Zu viele Markierungen verhindern Orientierung.
Besser: Markiere nur Stellen, die eine konkrete Funktion für Deine Fragestellung haben.
Fehler: Autor und Erzähler gleichsetzen
Der Erzähler ist eine Gestaltung des Textes. Aussagen des Erzählers oder einer Figur sind nicht automatisch die Meinung der Autorin oder des Autors.
Besser: Formuliere präzise: „Der Erzähler zeigt ...“, „Die Figur behauptet ...“, „Der Text legt nahe ...“
Selbstständig am Text arbeiten
Selbstständige Texterschließung bedeutet, dass Du Deinen Arbeitsprozess kontrollierst. Eine einfache Arbeitsroutine besteht aus drei Phasen.
Vor dem Lesen
Klär den Auftrag. Unterstreiche die Operatoren wie beschreiben, untersuchen, erläutern, deuten, vergleichen oder beurteilen. Überlege, welche Informationen Du dafür brauchst.
Während des Lesens
Markiere gezielt, notiere Fragen, gliedere in Sinnabschnitte und kennzeichne Stellen, die Deine Vermutungen bestätigen oder widerlegen. Wenn eine Stelle besonders wichtig erscheint, notiere am Rand sofort, warum sie wichtig ist.

Nach dem Lesen
Prüfe Deine Notizen:
- Kannst Du den zentralen Konflikt in wenigen Sätzen erklären?
- Kannst Du die Entwicklung der wichtigsten Figur beschreiben?
- Kennst Du mindestens zwei aussagekräftige Textstellen für Deine zentrale Deutung?
- Kannst Du erklären, warum die Erzählperspektive wichtig ist?
- Hast Du Beobachtung und Deutung klar getrennt?
- Gibt es eine Stelle, die Deiner Deutung widerspricht und die Du berücksichtigen musst?
Vom Erschließen zum Schreiben
Wenn Du Deine Ergebnisse schriftlich darstellen sollst, ist diese Grundstruktur hilfreich:
Einleitung: Textsorte, Titel, Autor oder Autorin, Thema und gegebenenfalls Erscheinungsjahr nennen, soweit diese Angaben vorliegen.
Hauptteil: Inhalt knapp zusammenfassen, zentrale Analyseaspekte untersuchen, Textbelege einbauen und ihre Bedeutung erklären.
Schluss: Deutung bündeln, Entwicklung oder Aussage des Textes erläutern und gegebenenfalls begründet bewerten.
Nicht jede Aufgabe verlangt eine vollständige Textanalyse. Lies deshalb immer zuerst den Operator. „Untersuche die Beziehung der Figuren“ verlangt etwas anderes als „Fasse den Inhalt zusammen“.
Mini-Werkzeugkasten für Klasse 9 M
| Werkzeug | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Orientierendes Lesen | Worum geht es ungefähr? | Erster Überblick |
| Selektives Lesen | Wo finde ich etwas zur Aufgabe? | Relevante Textstellen |
| Sinnabschnitte | Wo verändert sich Inhalt oder Situation? | Textstruktur |
| Figurenanalyse | Was tut, sagt, denkt oder vermeidet eine Figur? | Begründete Charakterisierung |
| Erzähleranalyse | Wer weiß und zeigt was? | Wirkung der Perspektive |
| Sprachanalyse | Welche Formulierung fällt auf und warum? | Zusammenhang von Sprache und Wirkung |
| Belegkette | Welche Stelle stützt meine Aussage? | Behauptung – Beleg – Erklärung |
| Deutungshypothese | Was könnte der Text insgesamt zeigen? | Begründetes Textverständnis |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Lesetechnik eignet sich besonders, um zuerst einen Überblick über einen Prosatext zu gewinnen? (Orientierendes Lesen) (!Detailliertes Zitieren) (!Alphabetisches Lesen) (!Nur lautes Lesen)
Was gehört zu einem begründeten ersten Textverständnis? (Ein Eindruck mit einer Beobachtung am Text) (!Nur eine spontane Gefühlsäußerung) (!Eine fertige Musterinterpretation) (!Eine Liste aller unbekannten Wörter)
Wozu dient selektives Lesen besonders? (Zum gezielten Finden aufgabenrelevanter Informationen) (!Zum Auswendiglernen jedes Satzes) (!Zum Überspringen aller schwierigen Stellen) (!Zum Ersetzen einer Textanalyse)
Was macht einen Textbeleg besonders aussagekräftig? (Er passt genau zur aufgestellten Behauptung) (!Er ist möglichst lang) (!Er stammt immer aus dem ersten Absatz) (!Er enthält ein Fremdwort)
Welche Reihenfolge beschreibt eine überzeugende Belegkette? (Behauptung Beleg Erklärung) (!Zitat Überschrift Inhaltsangabe) (!Meinung Frage Wiederholung) (!Autor Titel Seitenzahl)
Was untersuchst Du bei einer Figurenanalyse besonders? (Handlungen Aussagen Gedanken und Reaktionen) (!Nur das Alter der Figur) (!Nur die Länge des Textes) (!Nur den Titel der Geschichte)
Warum ist die Erzählperspektive für das Textverständnis wichtig? (Sie steuert welche Informationen die Lesenden erhalten) (!Sie legt die Schriftgröße fest) (!Sie bestimmt die Seitenzahl) (!Sie ersetzt den Handlungsverlauf)
Was ist eine Deutungshypothese? (Eine vorläufige begründete Erklärung zur Bedeutung des Textes) (!Eine wörtliche Abschrift des Schlusses) (!Eine Liste aller Figuren) (!Eine Vermutung ohne Bezug zum Text)
Was solltest Du nach einem Zitat in einer Analyse meistens tun? (Erklären wie der Beleg die Aussage stützt) (!Sofort ein neues Thema beginnen) (!Das gleiche Zitat noch einmal wiederholen) (!Die Zeilenangabe weglassen)
Welche Aussage beschreibt analytisches Lesen am besten? (Gestaltung und Wirkung einer Textstelle werden untersucht) (!Der Text wird nur möglichst schnell überflogen) (!Es werden nur Personennamen gesucht) (!Es wird ausschließlich der Schluss gelesen)
Memory
| Orientierendes Lesen | Überblick gewinnen |
| Selektives Lesen | gezielt Informationen finden |
| Sinnabschnitt | inhaltlich zusammengehöriger Textteil |
| Deutungshypothese | vorläufige begründete Lesart |
| Textbeleg | aussagekräftige Stelle zur Absicherung |
| Randnotiz | knappe Funktion einer Textstelle |
| Erzählperspektive | Blickwinkel der Vermittlung |
| Wendepunkt | entscheidende Veränderung im Handlungsverlauf |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Überblick gewinnen | Orientierendes Lesen |
| Gezielt nach Figurenreaktionen suchen | Selektives Lesen |
| Eine Schlüsselstelle genau verstehen | Detailliertes Lesen |
| Gestaltung und Wirkung erklären | Analytisches Lesen |
| Eine Behauptung am Text absichern | Textbeleg |
| Eine vorläufige Gesamtdeutung formulieren | Deutungshypothese |
...
Kreuzworträtsel
| Skimming | Wie heißt das überfliegende Lesen zur schnellen Orientierung mit einem englischen Fachbegriff? |
| Scanning | Wie heißt die gezielte Suche nach bestimmten Informationen mit einem englischen Fachbegriff? |
| Randnotiz | Wie heißt eine knappe Bemerkung am Seitenrand? |
| Textbeleg | Wie heißt eine ausgewählte Stelle, die eine Aussage absichert? |
| Perspektive | Wie heißt der Blickwinkel, aus dem ein Geschehen vermittelt wird? |
| Gliederung | Wie heißt die strukturierte Einteilung eines Textes in sinnvolle Abschnitte? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Leseeindruck: Lies „Die Nachricht um 7:14“ noch einmal und formuliere in drei Sätzen Deinen ersten Leseeindruck. Begründe jede Aussage mit einer Beobachtung aus dem Text.
- Sinnabschnitte: Gliedere den Übungstext anders als im Beispiel. Gib jedem Abschnitt eine eigene Überschrift und begründe Deine Einteilung.
- Schlüsselstellen: Wähle drei Textstellen aus, die für das Verständnis besonders wichtig sind. Schreibe zu jeder Stelle einen Satz, warum sie aussagekräftig ist.
- Randnotizen: Erstelle für mindestens acht Stellen des Übungstextes präzise Randnotizen wie „Ausweichen“, „Missverständnis“, „Wendepunkt“ oder eigene passende Begriffe.
Standard
- Figurenanalyse: Untersuche Maras Verhalten im Übungstext. Erstelle eine Tabelle aus Beobachtung, Schlussfolgerung und Textbeleg.
- Erzählperspektive: Schreibe die Zeilen 18 bis 28 aus Elias’ Perspektive neu. Vergleiche anschließend, welche Informationen in Deiner Version früher sichtbar werden.
- Textbeleg: Formuliere drei Behauptungen zur Beziehung zwischen Mara und Elias und suche jeweils einen möglichst kurzen, aber aussagekräftigen Textbeleg.
- Lesestrategie: Nimm einen unbekannten Prosatext aus Deinem Schulbuch. Dokumentiere, wann Du orientierend, selektiv, detailliert und analytisch liest und warum Du jeweils wechselst.
Schwer
- Deutungshypothese: Entwickle zwei unterschiedliche Deutungen zu „Die Nachricht um 7:14“. Prüfe anschließend, welche Deutung durch mehr und stärkere Textbelege gestützt wird.
- Leerstelle: Untersuche, welche Informationen der Übungstext zunächst verschweigt. Erkläre, wie diese Leerstellen die Wirkung der Geschichte steuern.
- Vergleichende Analyse: Vergleiche zwei Prosatexte hinsichtlich Konflikt, Erzählperspektive und Schlussgestaltung. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit Textbelegen heraus.
- Kurzfilm: Produziere in einer Kleingruppe einen zwei- bis dreiminütigen Kurzfilm zu einer selbst gewählten Prosaszene. Entscheidet bewusst über Kameraperspektive, Informationsvergabe und Wendepunkt und erläutert anschließend, wie Eure filmischen Entscheidungen einer Erzählperspektive entsprechen.


Lernkontrolle
- Strategiewahl: Du sollst in einem unbekannten Prosatext herausfinden, warum eine Figur ihre Meinung ändert. Erkläre, welche Lesetechniken Du in welcher Reihenfolge einsetzen würdest und begründe die Wahl.
- Belegqualität: Vergleiche zwei mögliche Textbelege zu derselben Behauptung. Entscheide, welcher aussagekräftiger ist, und entwickle Kriterien für Deine Entscheidung.
- Perspektivwirkung: Beschreibe, wie sich die Wirkung einer Schlüsselszene verändern würde, wenn sie statt aus personaler Perspektive von einem allwissenden Erzähler erzählt würde.
- Deutung prüfen: Eine Mitschülerin behauptet, eine Figur sei „egoistisch“. Entwickle ein Verfahren, mit dem Du diese Behauptung am Text überprüfen kannst, ohne Dich nur auf Deinen ersten Eindruck zu verlassen.
- Sprache und Bedeutung: Wähle eine sprachlich auffällige Stelle aus einem Prosatext. Erkläre zuerst die Gestaltung, dann die Wirkung und schließlich ihren Beitrag zur Gesamtaussage des Textes.
- Transfer: Übertrage die Belegkette Behauptung – Beleg – Erklärung auf eine Filmszene oder einen Comic. Zeige, was dort an die Stelle eines wörtlichen Textzitats tritt.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- unterschiedliche Lesetechniken passend zum Leseziel auswählst,
- einen ersten Leseeindruck formulierst und am Text begründest,
- einen Prosatext in sinnvolle Sinnabschnitte gliederst,
- den zentralen Konflikt und wichtige Entwicklungen herausarbeitest,
- Figuren anhand von Handlungen, Aussagen, Gedanken und Reaktionen untersuchst,
- Erzählperspektive, Zeitgestaltung und Raumfunktion beschreibst,
- sprachliche Auffälligkeiten nicht nur benennst, sondern ihre Wirkung erklärst,
- eine nachvollziehbare Deutungshypothese entwickelst,
- selbstständig aussagekräftige Textbelege auswählst,
- Belege korrekt in eigene Aussagen einbindest und erklärst,
- zwischen Inhalt, Analyse und Interpretation unterscheiden kannst,
- Deine Deutung an widersprüchlichen oder mehrdeutigen Textstellen überprüfst.
OERs zum Thema
Freie und weiterführende Materialien
- Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Lesetechniken, Lesestrategien und Lesehaltungen
- Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Kompetenzen beim Erschließen von Texten
- Wikipedia: Lesekompetenz
- Wikipedia: Lesestrategie
- Wikimedia Commons: Reading
- Wikimedia Commons: Reading comprehension
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
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