D9 G - Innerer Monolog zu Der Tunnelbauer

D9 G - Innerer Monolog zu Der Tunnelbauer
D9 G - Innerer Monolog zu Der Tunnelbauer
Der aiMOOC D9 G - Innerer Monolog zu Der Tunnelbauer richtet sich an Lernende der Klasse 9 auf G-Niveau. Im Mittelpunkt steht eine prüfungsnahe produktive Schreibaufgabe zur Ganzschrift Der Tunnelbauer von Maja Nielsen. Du trainierst, einen inneren Monolog aus der Sicht einer Romanfigur zu verfassen. Besonders wichtig sind dabei der Situationsbezug, passendes Figurenwissen, glaubwürdige Gefühle und Gedanken, eine klare Ich-Perspektive und ein nachvollziehbarer innerer Konflikt.
Der Roman erschien 2024 und beruht auf der Lebensgeschichte des Fluchthelfers Joachim „Achim“ Neumann. Die Handlung führt in das geteilte Berlin nach dem Bau der Berliner Mauer 1961. Achim flieht aus Ost-Berlin nach West-Berlin und beteiligt sich anschließend an mehreren Fluchttunneln. Ein wichtiges Motiv für ihn ist die Hoffnung, Menschen, die ihm nahestehen, in den Westen zu holen. Dazu gehört besonders Chris. Der Roman verbindet damit persönliche Konflikte, Liebe, Freundschaft, Angst, Überwachung, Flucht und die Frage nach Freiheit.
Für die Hauptschulabschlussprüfung 2027 in Baden-Württemberg gehört Der Tunnelbauer zu den vorgesehenen Ganzschriften. Eine produktive Schreibaufgabe ist Teil der lektürebezogenen Prüfungsvorbereitung. Dieser aiMOOC trainiert deshalb nicht nur kreatives Schreiben, sondern vor allem textnahes, situationsgerechtes und prüfbares Schreiben.

Einleitung
Ein innerer Monolog macht sichtbar, was eine Figur denkt, fühlt, befürchtet, hofft und entscheidet. Die Figur spricht dabei nicht wirklich laut mit einer anderen Person. Du schreibst ihre Gedanken so auf, als könntest Du direkt in ihren Kopf hören.
Bei einer prüfungsnahen Aufgabe genügt es nicht, möglichst dramatisch zu schreiben. Dein Text muss zum Roman passen. Eine gute Lösung verbindet vier Bereiche:
| Bereich | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Situation | Dein Monolog beginnt gedanklich genau an der vorgegebenen Stelle der Handlung. |
| Figurenwissen | Die Figur darf nur wissen, was sie zu diesem Zeitpunkt im Roman bereits erfahren hat. |
| Gefühle und Gedanken | Du zeigst nicht nur Gefühle, sondern erklärst gedanklich, woher sie kommen und welche Folgen sie haben. |
| Figurenstimme | Wortwahl, Ziele, Beziehungen und Entscheidungen müssen zur Figur passen. |
Ein innerer Monolog ist deshalb eine Form von Interpretation durch Schreiben. Du zeigst mit Deinem Text, dass Du die Figur und ihre Lage verstanden hast.
Romanwissen für die Schreibaufgabe
Für einen guten inneren Monolog brauchst Du nicht jedes Detail des Romans auswendig. Du musst aber die Figuren, ihre Beziehungen und den unmittelbaren Handlungszusammenhang sicher kennen.
Historischer Rahmen
Die Handlung beginnt in einer Zeit, in der Berlin politisch geteilt ist. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wird die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin für viele Menschen nahezu unüberwindbar. Reisefreiheit, persönliche Beziehungen und Zukunftspläne werden dadurch massiv eingeschränkt.
In der DDR überwacht das Ministerium für Staatssicherheit politische Gegner und andere Personen, die als verdächtig gelten. Verhöre, Einschüchterung, Bespitzelung und der Einsatz inoffizieller Mitarbeiter gehören zum historischen Hintergrund, den der Roman für die persönlichen Konflikte seiner Figuren nutzt.

Figurenwissen kompakt
| Figur | Was Du für innere Monologe wissen solltest |
|---|---|
| Achim | Er hat sein Abitur und einen Studienplatz, verliebt sich in Chris und erlebt nach dem Mauerbau zunehmenden politischen Druck. Nach Verhaftungen und eigenen Erfahrungen mit staatlicher Kontrolle entscheidet er sich zur Flucht. Im Westen beteiligt er sich an der Fluchthilfe und am Tunnelbau. |
| Chris | Sie ist Achim emotional eng verbunden, bleibt zunächst in Ost-Berlin und gerät unter Druck des MfS. Die Staatssicherheit zwingt sie zu einer schriftlichen Verpflichtung zur Mitarbeit. Besonders belastend ist, dass Menschen aus ihrem Umfeld als Druckmittel benutzt werden. |
| Bea | Sie ist Achims Schwester und mit Chris sowie Janna verbunden. Sie gehört zu den Menschen, um deren Sicherheit und Zukunft sich Achim und Chris Gedanken machen. |
| Janna | Sie gehört zum engen Freundeskreis. Für Chris ist sie wichtig, zugleich kann die Nähe zu ihr unter den Bedingungen staatlicher Überwachung gefährlich werden. |
| Hase | Er gehört zu Achims Freunden. Auch er erlebt staatlichen Druck und denkt über Flucht nach. |
| Lampe | Seine Verhaftung und harte Bestrafung machen den Freunden deutlich, wie schnell staatliche Willkür ihr eigenes Leben treffen kann. |
| Sascha | Er steht durch seine familiäre Nähe zum Machtapparat für eine andere Perspektive auf die DDR und wird für Chris in ihrer schwierigen Lage bedeutsam. |
Achim und Chris als besonders geeignete Perspektivfiguren
Achim eignet sich für einen inneren Monolog besonders in Situationen, in denen Freiheit und Verlust gleichzeitig spürbar werden. Nach seiner Flucht kann er erleichtert sein, aber zugleich an Chris, seine Familie und seine Freunde denken. Beim Tunnelbau können Hoffnung, Erschöpfung, Verantwortung und Angst vor Entdeckung aufeinandertreffen.
Chris eignet sich besonders für Situationen, in denen sie zwischen verschiedenen Pflichten und Gefühlen steht. Sie will Menschen schützen, die ihr wichtig sind, wird aber von der Staatssicherheit unter Druck gesetzt. Dadurch entsteht ein starker innerer Konflikt: Was kann sie tun, ohne andere zu gefährden? Wem kann sie noch vertrauen? Wie lange kann sie die Kontrolle über ihr eigenes Leben behalten?
Gerade dieser Konflikt macht Chris für die zentrale Schreibübung dieses aiMOOCs besonders geeignet.
Vom Roman zur Gedankenstimme
Was ist ein innerer Monolog?
Ein innerer Monolog gibt die Gedanken einer Figur unmittelbar wieder. Typisch sind:
- Ich-Form: Die Figur denkt aus ihrer eigenen Perspektive.
- Meist Präsens: Das Denken wirkt unmittelbar. Erinnerungen können in einer passenden Vergangenheitsform stehen.
- Keine erklärende Erzählerstimme: Du schreibst nicht von außen über die Figur.
- Gedankenbewegung: Ein Gedanke führt zum nächsten, etwa von Angst zu Erinnerung, Zweifel und Entscheidung.
- Fragen und Ausrufe: Sie können Unsicherheit, Wut oder Verzweiflung sichtbar machen.
- Satzabbrüche und Ellipsen: Kurze unvollständige Sätze können starke Erregung ausdrücken.
- Textnähe: Die Gedanken müssen zur Situation und zum bisherigen Wissen der Figur passen.
- Entwicklung: Am Ende steht häufig ein Entschluss, eine Hoffnung, ein Plan oder ein ungelöster Konflikt.
Was ein innerer Monolog nicht ist
| Nicht passend | Besser |
|---|---|
| Eine Inhaltsangabe des Romans | Gedanken zu genau der aktuellen Situation |
| Ein Bericht für eine andere Person | Gedanken ohne äußeren Adressaten |
| Eine historische Erklärung zur DDR | Persönliche Wahrnehmung der Figur |
| Wissen aus späteren Kapiteln | Nur Wissen, das die Figur jetzt besitzen kann |
| Eine Liste von Gefühlen | Gefühle mit Gründen, Erinnerungen und Folgen |
| Möglichst viele Stilmittel | Wenige passende sprachliche Mittel mit Wirkung |
Die zentrale Prüfungsübung
Schreibsituation
Chris hat ein belastendes Verhör hinter sich. Das MfS hat sie unter Druck gesetzt. Sie hat eine schriftliche Verpflichtung zur Mitarbeit unterschrieben. Menschen, die ihr wichtig sind, wurden als Druckmittel benutzt. Kurz danach ist Chris allein und versucht zu begreifen, was gerade geschehen ist.
Prüfungsnahe Schreibaufgabe
Verfasse einen inneren Monolog aus der Sicht von Chris unmittelbar nach dieser Situation.
Dein Text soll deutlich machen, wie Chris ihre Lage erlebt. Beziehe dabei ihr Wissen über das Vorgehen der Staatssicherheit, ihre Beziehungen zu wichtigen Personen, ihre Gefühle und ihren inneren Konflikt ein. Entwickle ihre Gedanken so, dass am Ende eine für Chris nachvollziehbare Haltung, Absicht oder vorläufige Entscheidung sichtbar wird.
Wichtig: Du darfst den Roman kennen, aber Chris darf in Deinem Monolog nur das wissen, was sie zu diesem Zeitpunkt wissen kann.
Schreibgerüst 1: S-F-G-D-P
Nutze vor dem Schreiben die fünf Schritte Situation – Figurenwissen – Gefühle – Denken – Plan.
| Schritt | Leitfrage | Notizen für Chris |
|---|---|---|
| S – Situation | Was ist unmittelbar vorher passiert? | Verhör, Druck, Unterschrift, allein nach der belastenden Situation |
| F – Figurenwissen | Was weiß Chris jetzt sicher? | Das MfS kann sie unter Druck setzen und Menschen aus ihrem Umfeld gefährden. |
| G – Gefühle | Was fühlt sie? | Angst, Wut, Schuld, Hilflosigkeit, Sehnsucht, Misstrauen |
| D – Denken | Welche Fragen und Gegengedanken entstehen? | Wie kann ich andere schützen? Muss ich gehorchen? Wem kann ich noch vertrauen? |
| P – Plan | Wozu kommt sie am Ende? | Vorsicht, Schutz anderer, Informationen zurückhalten, Abstand als mögliche Schutzstrategie |
Merksatz: Ein guter innerer Monolog erzählt nicht nur, was passiert ist. Er zeigt, was dieses Ereignis im Kopf der Figur auslöst.
Schreibgerüst 2: Die sechs Prüfungsfragen
Beantworte vor dem Schreiben in Stichworten:
| Frage | Deine Notiz |
|---|---|
| 1. Wo bin ich gerade? | ______________________________ |
| 2. Was ist gerade passiert? | ______________________________ |
| 3. Was beschäftigt mich am meisten? | ______________________________ |
| 4. Um wen mache ich mir Sorgen? | ______________________________ |
| 5. Welche zwei Gefühle kämpfen gegeneinander? | ______________________________ |
| 6. Was will ich jetzt tun oder vermeiden? | ______________________________ |
Wenn Du diese sechs Felder sinnvoll ausfüllen kannst, hast Du bereits den Kern Deines Monologs geplant.
Schreibgerüst 3: Satzstarter für G-Niveau
Die Satzstarter sind Hilfen. Du musst sie nicht alle verwenden.
| Funktion | Mögliche Satzstarter |
|---|---|
| Schock | Was ist da gerade passiert? / Ich kann immer noch nicht glauben, dass ... / Diese Unterschrift ... |
| Angst | Was, wenn ...? / Ich habe Angst, dass ... / Wenn sie wirklich ... |
| Wut | Wie können sie es wagen ...? / Am liebsten würde ich ... / Es macht mich wütend, dass ... |
| Schuldgefühl | Habe ich jetzt ... gefährdet? / Was, wenn meine Entscheidung ...? / Ich wollte doch nur ... |
| Erinnerung | Noch vor kurzer Zeit ... / Ich muss an ... denken. / Wie anders war alles, als ... |
| Beziehung | Wenn Achim jetzt hier wäre ... / Bea darf auf keinen Fall ... / Janna ahnt bestimmt nicht ... |
| Abwägen | Einerseits ... andererseits ... / Wenn ich ..., dann ... / Aber was bleibt mir sonst? |
| Entscheidung | Ich muss jetzt ... / Eines steht fest: ... / Vielleicht ist der einzige Weg ... |
| Offenes Ende | Ob das gut gehen kann? / Ich darf nur keinen Fehler machen. / Mehr kann ich im Moment nicht tun. |
Schreibgerüst 4: Gefühle nicht nur nennen
Ein häufiger Fehler lautet: „Chris ist traurig. Chris hat Angst. Chris ist wütend.“ Das nennt Gefühle, entwickelt sie aber nicht.
Nutze besser die Formel:
Gefühl + Grund + Gedanke + mögliche Folge
| Gefühl | Grund | Gedanke | Mögliche Folge |
|---|---|---|---|
| Angst | Das MfS verfügt über Informationen und Druckmittel. | „Was wissen sie noch über uns?“ | Chris wird vorsichtiger. |
| Schuld | Sie hat eine Verpflichtung unterschrieben. | „Habe ich damit andere in Gefahr gebracht?“ | Sie will niemanden verraten. |
| Wut | Sie wurde nicht frei entscheiden gelassen. | „Sie behandeln mein Leben, als gehörte es ihnen.“ | Innerer Widerstand entsteht. |
| Sehnsucht | Achim ist nicht bei ihr. | „Wie sehr wünsche ich mir, einfach mit ihm reden zu können.“ | Der Wunsch nach Freiheit wird stärker. |
| Misstrauen | Überwachung macht Beziehungen unsicher. | „Wem kann ich überhaupt noch etwas sagen?“ | Chris zieht sich möglicherweise zurück. |
Schreibgerüst 5: Gedankenbewegung statt Gefühlsliste
Ein guter innerer Monolog kann sich wie eine kleine Gedankenreise entwickeln:
| Phase | Inhalt |
|---|---|
| 1. Sofortreaktion | Schock über das gerade Erlebte |
| 2. Persönliche Bedeutung | Was bedeutet die Unterschrift für Chris selbst? |
| 3. Beziehungsebene | Sorge um Bea, Janna, die Familie und Achim |
| 4. Innerer Konflikt | Gehorchen, täuschen, schweigen, Abstand halten oder Widerstand leisten? |
| 5. Konsequenz | Eine vorsichtige Entscheidung oder ein Plan |
So erhält Dein Text einen roten Faden, obwohl Gedanken spontan wirken dürfen.
Schreibgerüst 6: Wissensampel
Vor allem in einer Abschlussprüfung musst Du verhindern, dass Du späteres Romanwissen zu früh verwendest.
| Ampel | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Grün | Die Figur weiß es in der Situation sicher. | Chris weiß, dass sie unter Druck gesetzt wurde und unterschrieben hat. |
| Gelb | Die Figur kann es plausibel vermuten. | Chris kann befürchten, weiterhin überwacht zu werden. |
| Rot | Das erfährt die Figur erst später. | Ein späteres Ereignis darf nicht so erscheinen, als kenne Chris bereits dessen Ausgang. |
Prüfungstipp: Lies nach dem Schreiben jeden konkreten Handlungsfakt und frage: „Konnte die Figur das jetzt schon wissen?“
Schreibgerüst 7: Einfaches Absatzmodell
Für G-Niveau kann Dir dieses Vier-Absatz-Gerüst Sicherheit geben:
| Absatz | Aufgabe |
|---|---|
| Absatz 1 | Direkte Reaktion auf die Situation: Schock, körperliche Anspannung, erste Frage |
| Absatz 2 | Gedanken zu wichtigen Personen und zur eigenen Verantwortung |
| Absatz 3 | Innerer Konflikt: mehrere Möglichkeiten prüfen und Folgen bedenken |
| Absatz 4 | Vorläufiger Entschluss, Hoffnung oder offene Sorge |
Dieses Gerüst ist keine Pflicht. Es hilft Dir aber, in einer Prüfung nicht nur einzelne Gedanken aneinanderzureihen.
Schreibgerüst 8: Sprachliche Mittel mit Funktion
| Mittel | Beispiel | Wirkung |
|---|---|---|
| Rhetorische Frage | Was soll ich jetzt bloß tun? | Zeigt Zweifel und innere Suche. |
| Ellipse | Einfach unterschrieben. Keine Wahl. | Wirkt angespannt und unmittelbar. |
| Wiederholung | Vorsichtig. Ich muss vorsichtig sein. | Verstärkt einen Gedanken. |
| Ausruf | Das dürfen sie nicht! | Zeigt starke Emotion. |
| Gedankenstrich | Vielleicht könnte ich – nein, zu gefährlich. | Zeigt einen Gedankenabbruch. |
| Selbstkorrektur | Ich muss gehorchen. Nein. Ich muss zuerst überlegen. | Macht einen inneren Konflikt sichtbar. |
Verwende sprachliche Mittel nicht wie Dekoration. Jedes Mittel soll zeigen, wie die Figur gerade denkt.
Musteranalyse 1: Planung zur Chris-Aufgabe
Bevor ein Mustertext entsteht, wird die Aufgabe zerlegt.
| Prüfpunkt | Musteranalyse |
|---|---|
| Situation | Chris kommt aus einer Situation massiven staatlichen Drucks. Die Unterschrift unter die Verpflichtung wirkt unmittelbar nach. |
| Zentraler Konflikt | Sie soll für das MfS verfügbar sein, möchte aber Menschen aus ihrem Umfeld schützen und ihre Selbstbestimmung behalten. |
| Wichtige Beziehungen | Bea und Janna sind konkrete Sorgenpunkte. Ihre kleine Schwester kann ebenfalls zum Druckmittel werden. Achim steht für Nähe, Sehnsucht und zugleich die räumliche Trennung. |
| Passende Gefühle | Angst und Hilflosigkeit sind naheliegend. Gleichzeitig passen Wut, Schuldgefühl, Misstrauen und der Wunsch, nicht aufzugeben. |
| Möglicher Gedankengang | Schock → Angst um andere → Selbstvorwurf → Wut auf das MfS → Nachdenken über Handlungsmöglichkeiten → vorsichtiger Schutzplan |
| Passender Schluss | Chris entscheidet nicht plötzlich das ganze politische Problem. Glaubwürdiger ist ein kleiner nächster Schritt: vorsichtig sein, niemanden belasten, Informationen schützen. |
Mustertext: Innerer Monolog von Chris
Hinweis: Der folgende Text ist ein neu formulierter Übungstext und kein Auszug aus dem Roman.
Was habe ich da gerade unterschrieben? Meine Hand hat gezittert, aber am Ende steht mein Name trotzdem auf diesem Papier. Als hätte ich freiwillig gesagt: Ja, macht mit mir, was ihr wollt. Aber freiwillig war daran gar nichts.
Sie wissen genau, wo sie mich treffen können. Bea. Janna. Vielleicht irgendwann sogar meine kleine Schwester. Was, wenn wegen mir jemand von ihnen abgeholt wird? Nein. Daran darf ich gar nicht denken. Und doch denke ich an nichts anderes.
Ich bin so wütend. Sie tun so, als könnten sie über Freundschaft, Liebe und Angst bestimmen. Als gehörten meine Gedanken jetzt auch ihnen. Aber das tun sie nicht. Meine Gedanken gehören immer noch mir.
Achim ist drüben. Frei. Ob er ahnt, was hier passiert? Ich würde ihm so gern alles erzählen. Aber selbst ein falsches Wort kann gefährlich werden. Wem kann ich überhaupt noch vertrauen?
Vielleicht muss ich nach außen so wirken, als würde ich tun, was sie verlangen. Aber ich will niemanden verraten. Keinen Namen, keinen Plan, nichts, was jemanden in Gefahr bringt. Wenn Abstand meine Freunde schützt, muss ich vielleicht sogar Abstand halten. Auch wenn sie dann denken, ich hätte sie plötzlich vergessen.
Ich habe Angst. Mehr als ich zugeben will. Trotzdem muss ich jetzt klar denken. Vorsichtig sein. Keine überstürzte Entscheidung. Sie sollen nicht bestimmen, wer ich bin. Nicht ganz.
Musteranalyse 2: Warum der Mustertext funktioniert
| Textmerkmal | Funktion |
|---|---|
| „Was habe ich da gerade unterschrieben?“ | Der Text startet direkt in der konkreten Situation und nicht mit einer allgemeinen Einleitung. |
| Gedanken an Bea, Janna und die Schwester | Figurenwissen und Beziehungen werden in die Gedanken eingebaut. |
| Angst und Wut | Gefühle werden nicht nur genannt, sondern mit dem Druck des MfS begründet. |
| Gedanken an Achim | Die persönliche Beziehung erweitert den Konflikt um Sehnsucht und Trennung. |
| „Wem kann ich überhaupt noch vertrauen?“ | Eine Frage macht das Misstrauen unmittelbar hörbar. |
| Abwägung von Anpassung und Schutz | Die Figur denkt in Möglichkeiten und Folgen. |
| Vorsicht als Schluss | Der Monolog endet mit einem glaubwürdigen nächsten Schritt statt mit einer unrealistisch einfachen Lösung. |
Musteranalyse 3: Eine schwache Lösung verbessern
Schwache Fassung:
Ich bin Chris und lebe in der DDR. Die Berliner Mauer wurde 1961 gebaut. Die Stasi überwacht viele Menschen. Das ist schlecht. Ich bin traurig und wütend. Achim ist im Westen. Vielleicht fliehe ich später auch.
Warum verliert diese Fassung Punkte?
| Problem | Verbesserung |
|---|---|
| Lexikonwissen statt Gedanken | Historische Informationen nur verwenden, wenn sie für Chris persönlich bedeutsam sind. |
| Gefühle ohne Grund | Zeigen, warum Chris gerade traurig, wütend oder ängstlich ist. |
| Zu wenig Situationsbezug | Direkt auf Verhör, Druck und Unterschrift reagieren. |
| Späteres Wissen | Nicht vorwegnehmen, was später tatsächlich geschehen wird. |
| Kaum innerer Konflikt | Mindestens zwei Möglichkeiten oder Wünsche gegeneinander abwägen. |
Verbesserte Kurzfassung:
Diese Unterschrift. Als wäre das meine freie Entscheidung gewesen. Was erwarten sie jetzt von mir? Dass ich über Bea und Janna spreche? Niemals. Aber wenn ich mich weigere, bringen sie dann meine Schwester ins Spiel? Ich muss einen Weg finden, sie zu schützen. Nur welchen?
Musteranalyse 4: Alternative Perspektive Achim
Eine zweite typische Übungssituation lautet:
Achim hat die Grenze mit einem fremden Pass überwunden und ist in West-Berlin angekommen. Schreibe einen inneren Monolog unmittelbar nach der gelungenen Flucht.
Eine passende Planung könnte so aussehen:
| Bereich | Mögliche Inhalte |
|---|---|
| Situation | Die unmittelbare Gefahr des Grenzübergangs liegt hinter ihm. |
| Gefühl 1 | Erleichterung, weil die Flucht gelungen ist. |
| Gefühl 2 | Schuld oder schlechtes Gewissen, weil wichtige Menschen zurückbleiben. |
| Beziehungen | Gedanken an Chris, Familie und Freunde. |
| Konflikt | Freiheit genießen oder Verantwortung für andere übernehmen? |
| Entwicklung | Aus der Erleichterung kann der Entschluss entstehen, anderen bei der Flucht zu helfen. |
Möglicher Anfang:
Geschafft. Wirklich geschafft? Eben noch musste ich darauf achten, nicht zu lange zu zögern, und jetzt soll ich plötzlich einfach frei sein. Warum fühlt sich Freiheit dann nicht nur leicht an? Chris ist noch dort. Meine Familie auch. Ich kann doch nicht so tun, als wäre mit meinem Schritt über die Grenze alles vorbei.
Dieser Anfang funktioniert, weil Erleichterung und Schuld gleichzeitig auftreten. Genau solche widersprüchlichen Gefühle machen einen inneren Monolog glaubwürdig.
Musteranalyse 5: Achim beim Tunnelbau
Der historische Tunnel 29 gehört zu den bekannten Fluchttunneln, an denen Joachim Neumann beteiligt war. Bei den Bauarbeiten kam es zu einem Wassereinbruch. Der Tunnel musste früher als geplant für die Flucht genutzt werden. Für einen inneren Monolog aus Achims Sicht ergibt sich daraus ein starker Konflikt: Menschen können gerettet werden, aber Chris kann die Gelegenheit nicht wie erhofft nutzen.
Geeignete Gedankenfelder:
| Gedankenfeld | Leitfrage |
|---|---|
| Enttäuschung | Warum trifft ihn der Fehlschlag persönlich so stark? |
| Verantwortung | Kann er aufhören, wenn andere weiterhin Hilfe benötigen? |
| Hoffnung | Welche Möglichkeit könnte es noch geben? |
| Erschöpfung | Wie lange kann er körperlich und seelisch weitermachen? |
| Entschluss | Gibt er auf oder versucht er einen neuen Weg? |

Historische Vertiefung: Tunnel 57
Der sogenannte Tunnel 57 wurde 1964 unter der Berliner Mauer hindurch gegraben. Durch ihn gelang 57 Menschen die Flucht nach West-Berlin. Joachim Neumann war an diesem Tunnel beteiligt. Der reale historische Hintergrund ist für die Romanlektüre wichtig, weil er zeigt, dass die Gefahren des Tunnelbaus und die Fluchthilfe nicht nur erfundene Spannungselemente sind.

Zeitzeugenperspektive
Joachim Neumann floh 1961 mit einem fremden Schweizer Pass nach West-Berlin. Danach beteiligte er sich an mehreren Fluchttunnelprojekten, darunter Tunnel 29 und Tunnel 57. Seine Erfahrungen bilden die historische Grundlage für Achims Geschichte.
Das folgende Zeitzeugeninterview des Gerstenberg Verlags entstand in Kooperation mit der Stiftung Berliner Mauer. Es hilft Dir, zwischen historischem Menschen Joachim Neumann und literarischer Gestaltung der Figur Achim zu unterscheiden.
Prüfungsstrategie in fünf Phasen
Für eine Übungsprüfung kannst Du mit diesem Ablauf trainieren. Die Zeitangaben sind Trainingswerte, keine amtliche Vorgabe.
| Phase | Trainingszeit | Aufgabe |
|---|---|---|
| 1. Situation klären | etwa 3 Minuten | Stelle fest, wann und wo der Monolog beginnt. |
| 2. Figurenwissen sammeln | etwa 4 Minuten | Notiere 4 bis 6 sichere Fakten, die für die Figur wichtig sind. |
| 3. Gefühle und Konflikt planen | etwa 4 Minuten | Wähle 2 bis 4 Gefühle und verbinde sie mit Gründen. |
| 4. Schreiben | etwa 15 bis 20 Minuten | Entwickle die Gedanken vom unmittelbaren Anlass zu einer Konsequenz. |
| 5. Prüfen | etwa 5 Minuten | Kontrolliere Perspektive, Zeitwissen, Situationsbezug und Sprache. |
Prüfungsraster für die Selbstkontrolle
Die produktive Schreibaufgabe wird in der Hauptschulabschlussprüfung mit wenigen, aber wichtigen Punkten bewertet. Das folgende 8-Punkte-Übungsraster ist ein Lernraster und kein amtlicher Erwartungshorizont.
| Bereich | 0 Punkte | 1 Punkt | 2 Punkte |
|---|---|---|---|
| Situationsbezug | Situation verfehlt | teilweise passend | klar und durchgehend passend |
| Figurenwissen | widersprüchlich oder unpassend | teilweise passend | sicher, textnah und zeitlich korrekt |
| Gefühle und Gedanken | kaum entwickelt | einige nachvollziehbare Gedanken | differenziert, begründet und konfliktbezogen |
| Form und Sprache | keine erkennbare Gedankenrede | teilweise passende Ich-Perspektive | durchgehend glaubwürdige Gedankenstimme |
Ziel: 6 bis 8 Punkte im Übungsraster zeigen, dass Dein Text die Kernanforderungen gut erfüllt.
Die 10-Sekunden-Kontrolle
Bevor Du abgibst, frage Dich:
- Bin ich wirklich die Figur?
- Beginnt mein Denken genau in der vorgegebenen Situation?
- Kennt meine Figur alle Informationen, die ich verwende?
- Haben meine Gefühle erkennbare Gründe?
- Denke ich über mehrere Möglichkeiten oder Folgen nach?
- Endet mein Text mit einer passenden Entwicklung?
Fehlerwerkstatt
| Typischer Fehler | Warum problematisch? | Reparatur |
|---|---|---|
| „Ich bin Chris und wohne in der DDR.“ | Klingt wie eine Vorstellung vor Publikum. | Direkt mit einem Gedanken zur Situation beginnen. |
| „Ich bin traurig, wütend, ängstlich und verzweifelt.“ | Gefühle werden nur aufgezählt. | Zwei Gefühle auswählen und jeweils begründen. |
| „Später werde ich durch Tunnel 57 fliehen.“ | Unzulässiges Wissen aus der Zukunft. | Nur Hoffnungen oder Befürchtungen formulieren. |
| „Die Stasi war der Geheimdienst der DDR.“ | Sachtext statt Gedankenrede. | Persönlich denken: Was bedeutet die Überwachung für mich? |
| „Dann passierte ..., danach passierte ...“ | Inhaltsangabe statt innerer Monolog. | Ereignisse nur kurz erinnern und ihre Wirkung ausarbeiten. |
| Zu viele Ausrufezeichen | Wirkt künstlich und eintönig. | Fragen, Pausen, kurze Sätze und ruhigere Gedanken mischen. |
Trainingsleiter: von viel Hilfe zur Prüfung
Stufe A: Starkes Gerüst
Fülle zuerst die Lücken mit eigenen Ideen und formuliere anschließend daraus einen zusammenhängenden Text:
Heute ist __________________ passiert. Ich kann kaum glauben, dass __________________. Am meisten Angst macht mir __________________, weil __________________. Ich muss an __________________ denken. Wenn __________________, dann könnte __________________. Gleichzeitig will ich __________________. Vielleicht sollte ich __________________. Aber was, wenn __________________? Eines weiß ich: __________________.
Stufe B: Mittleres Gerüst
Schreibe fünf Gedankenblöcke:
- Unmittelbare Reaktion auf die Situation
- Ein Gedanke an eine wichtige Person
- Ein begründetes Gefühl
- Ein inneres Abwägen zwischen zwei Möglichkeiten
- Ein vorläufiger Entschluss
Stufe C: Prüfungsmodus
Du erhältst nur die Schreibsituation und den Operator. Plane selbstständig, schreibe ohne Satzstarter und kontrolliere Deinen Text anschließend mit dem 8-Punkte-Raster.
Weitere prüfungsnahe Schreibsituationen
Übung 1: Achim nach der Flucht
Achim ist in West-Berlin angekommen. Die unmittelbare Gefahr der Flucht liegt hinter ihm, doch Menschen, die ihm wichtig sind, befinden sich weiterhin im Osten.
Auftrag: Verfasse einen inneren Monolog aus Achims Sicht. Zeige Erleichterung, Verlustgefühl, Gedanken an Chris und die Frage, welche Verantwortung er nun empfindet.
Übung 2: Chris nach dem Kontakt mit dem MfS
Chris erkennt, dass sie nicht einfach zu ihrem früheren Alltag zurückkehren kann.
Auftrag: Verfasse einen inneren Monolog, in dem sie über Vertrauen, Freundschaft und mögliche Schutzstrategien nachdenkt.
Übung 3: Achim nach einem Rückschlag beim Tunnelbau
Ein Tunnelprojekt verläuft nicht so, wie Achim gehofft hat. Sein persönliches Ziel rückt wieder in die Ferne.
Auftrag: Schreibe einen inneren Monolog über Enttäuschung, Erschöpfung, Verantwortung und die Entscheidung, ob er weitermacht.
Übung 4: Hase nach einem Verhör
Hase hat erlebt, dass schon Kontakte, Briefe und Verdächtigungen staatlichen Druck auslösen können.
Auftrag: Schreibe einen inneren Monolog, in dem Hase seine Lage einschätzt und über Bleiben oder Fliehen nachdenkt.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist die wichtigste Aufgabe eines inneren Monologs? (Die Gedanken und Gefühle einer Figur unmittelbar sichtbar zu machen) (!Den gesamten Roman zusammenzufassen) (!Historische Fakten vollständig aufzuzählen) (!Eine andere Figur direkt zu überzeugen)
Welche Perspektive ist für einen inneren Monolog typisch? (Ich-Perspektive) (!Er-Perspektive eines allwissenden Erzählers) (!Wir-Perspektive einer ganzen Klasse) (!Sachliche Lexikonperspektive)
Was bedeutet Situationsbezug? (Die Gedanken knüpfen direkt an die vorgegebene Handlungssituation an) (!Der Text beginnt mit der Biografie der Autorin) (!Der Monolog erklärt zuerst die gesamte DDR-Geschichte) (!Die Figur erzählt nur von ihrer Kindheit)
Welche Information darf eine Figur im inneren Monolog verwenden? (Nur Wissen das sie zu diesem Zeitpunkt besitzen kann) (!Alle Informationen aus späteren Kapiteln) (!Informationen aus einem heutigen Geschichtsbuch) (!Das Ende des Romans als sichere Zukunft)
Warum eignet sich Chris besonders für einen inneren Monolog nach dem Verhör? (Sie erlebt einen starken Konflikt zwischen staatlichem Druck und dem Schutz wichtiger Menschen) (!Sie kennt zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten weiteren Verlauf) (!Sie arbeitet freiwillig und begeistert für das MfS) (!Sie hat mit niemandem im Roman eine persönliche Beziehung)
Auf welcher realen Person beruht die Figur Achim? (Joachim Neumann) (!Walter Ulbricht) (!Egon Schultz) (!Reinhard Furrer)
Was macht Gefühle in einem inneren Monolog besonders glaubwürdig? (Wenn Gefühle mit Gründen Gedanken und möglichen Folgen verbunden werden) (!Wenn möglichst viele Gefühlswörter hintereinander stehen) (!Wenn jede Zeile mit einem Ausrufezeichen endet) (!Wenn die Figur ihre Gefühle nie hinterfragt)
Was ist eine sinnvolle Gedankenentwicklung? (Schock dann Abwägung dann vorläufige Entscheidung) (!Inhaltsangabe dann Lexikontext dann Jahreszahlen) (!Begrüßung dann Dialog dann Verabschiedung) (!Überschrift dann Stichwortliste dann Quellenangabe)
Was geschah beim historischen Tunnel 57? (57 Menschen gelangten durch den Tunnel nach West-Berlin) (!57 Tunnel wurden gleichzeitig gebaut) (!57 Grenzübergänge wurden geöffnet) (!57 Jahre lang blieb der Tunnel in Betrieb)
Welcher Schluss passt besonders gut zu einem inneren Monolog? (Ein nachvollziehbarer Entschluss eine Hoffnung oder ein offener Konflikt) (!Eine sachliche Quellenliste) (!Eine Zusammenfassung aller Kapitel) (!Eine direkte Ansprache an die Prüfer)
Memory
| Situationsbezug | unmittelbarer Anlass |
| Figurenwissen | textnahe Kenntnisse |
| Ichform | Perspektivtreue |
| Chris | Loyalitätskonflikt |
| Achim | Fluchthilfe |
| MfS | Überwachung |
| Tunnel29 | Wassereinbruch |
| Tunnel57 | Massenflucht |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Wirkung im inneren Monolog |
|---|---|
| Rhetorische Frage | Zweifel |
| Ellipse | Erregung |
| Wiederholung | Nachdruck |
| Gedankenstrich | Gedankenbruch |
| Ausruf | starke Emotion |
| Präsens | Unmittelbarkeit |
...
Kreuzworträtsel
| Monolog | Wie heißt die Textform in der eine Figur ihre Gedanken unmittelbar ausdrückt? |
| Chris | Welche Figur gerät unter Druck des MfS und eignet sich besonders für die zentrale Schreibaufgabe? |
| Achim | Welche Figur flieht nach West-Berlin und beteiligt sich an der Fluchthilfe? |
| Stasi | Welche umgangssprachliche Bezeichnung wird für das Ministerium für Staatssicherheit verwendet? |
| Mauer | Welches Bauwerk trennt ab 1961 Ost- und West-Berlin? |
| Tunnel | Welcher unterirdische Fluchtweg steht im Zentrum des Romans? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Figurenkarte Chris: Erstelle eine Figurenkarte mit den Bereichen Beziehungen, Wünsche, Ängste, Konflikte und wichtige Erfahrungen. Verwende nur Informationen, die Du mit der Lektüre belegen kannst.
- Gefühlsthermometer: Ordne Chris in der zentralen Schreibsituation fünf passende Gefühle von schwach bis stark zu und begründe jedes Gefühl mit einem Satz.
- Satzstarter-Werkstatt: Schreibe zu den Funktionen Angst, Zweifel, Erinnerung und Entscheidung jeweils drei eigene Satzstarter für einen inneren Monolog.
- Gedanken-Audio: Sprich einen selbst verfassten inneren Monolog von etwa einer Minute als Audio ein. Höre ihn anschließend an und prüfe, ob er wirklich wie Gedanken und nicht wie ein Vortrag klingt.
Standard
- Perspektivwechsel Achim: Schreibe dieselbe Konfliktidee einmal aus Chris' und einmal aus Achims Sicht. Markiere anschließend drei Unterschiede im Figurenwissen.
- Storyboard zum Gedankenverlauf: Gestalte sechs Bilder oder Felder, die den Weg von Schock über Zweifel bis zu einer Entscheidung zeigen.
- Peer-Feedback: Tausche einen inneren Monolog mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner und bewertet euch gegenseitig mit dem 8-Punkte-Übungsraster.
- Historisches Bild als Schreibimpuls: Wähle ein Bild zur Berliner Mauer oder zu einem Fluchttunnel. Formuliere zuerst sachlich, was sichtbar ist, und übertrage anschließend die mögliche Wirkung der Umgebung in Achims Gedankenwelt.
Schwer
- Doppelte Musteranalyse: Vergleiche zwei selbst geschriebene Monologe zur gleichen Szene. Untersuche, welcher Text Situation, Figurenwissen und inneren Konflikt überzeugender verbindet.
- Zeitzeugenfragen: Entwickle acht respektvolle Interviewfragen an einen Zeitzeugen der deutschen Teilung. Trenne Fragen nach historischen Fakten von Fragen nach persönlichen Wahrnehmungen.
- Multimediale Erklärung: Produziere ein kurzes Lernvideo mit dem Titel „Vom Romanfakt zum inneren Gedanken“. Zeige an drei selbst erfundenen Beispielen, wie aus Figurenwissen glaubwürdige Gedanken entstehen.
- Prüfungssimulation: Bearbeite eine unbekannte Schreibsituation in begrenzter Zeit. Plane, schreibe und überarbeite ohne Satzstarter. Bewerte Dich danach mit dem Übungsraster und formuliere zwei konkrete Verbesserungsziele.


Lernkontrolle
- Transfer auf eine neue Szene: Wähle eine Romanszene, in der keine Gedanken ausführlich dargestellt werden. Begründe, welche Figur sich dort für einen inneren Monolog eignet, und entwickle einen passenden Konflikt.
- Gefühle begründen: Behaupte für Chris in einer bestimmten Situation zwei unterschiedliche Gefühle. Belege jeweils mit einem Handlungsfakt, warum beide gleichzeitig plausibel sein können.
- Wissensfehler erkennen: Verfasse absichtlich drei Sätze, in denen eine Figur Wissen aus späteren Kapiteln verwendet. Erkläre anschließend, warum diese Sätze unzulässig sind, und verbessere sie.
- Schwachen Text überarbeiten: Nimm einen inneren Monolog, der hauptsächlich Handlung nacherzählt. Forme mindestens fünf Sätze so um, dass statt äußerer Handlung innere Reaktion sichtbar wird.
- Perspektiven vergleichen: Erkläre, wie derselbe Mauerbau von Achim und Chris unterschiedlich erlebt werden kann. Berücksichtige Lebenssituation, Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten.
- Literatur und Geschichte: Erkläre an Tunnel 57, warum historisches Wissen beim Verständnis des Romans hilft, aber in einem inneren Monolog nicht einfach als Sachwissen aufgezählt werden darf.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu D9 G - Innerer Monolog zu Der Tunnelbauer solltest Du zeigen, dass Du:
- die Grundsituation des Romans und den historischen Rahmen einordnen kannst,
- Achim und Chris mit wichtigen Beziehungen, Zielen und Konflikten charakterisieren kannst,
- eine vorgegebene Schreibsituation zeitlich richtig im Roman verortest,
- zwischen sicherem Figurenwissen, plausiblen Vermutungen und späterem Wissen unterscheiden kannst,
- Gedanken konsequent aus der Ich-Perspektive entwickelst,
- Gefühle mit Ursachen und Folgen verbindest,
- einen inneren Konflikt durch Fragen, Abwägungen und Selbstkorrekturen sichtbar machst,
- einen nachvollziehbaren Gedankenverlauf mit einem passenden Schluss gestaltest,
- sprachliche Mittel gezielt und nicht übertrieben einsetzt,
- Deinen eigenen Text mithilfe eines Kriterienrasters überarbeiten kannst.
OERs zum Thema
Zum Roman selbst gibt es nicht in jedem Fall einen eigenen ausführlichen Wikipedia-Artikel. Besonders hilfreich für den historischen Hintergrund sind die Artikel zu Joachim Neumann, Tunnel 57 und zur Berliner Mauer.
Quellen und Vertiefung
- Gerstenberg Verlag: Unterrichtsmaterial zu Der Tunnelbauer
- Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Unterrichtsmaterial zu Der Tunnelbauer
- Kultusministerium Baden-Württemberg: Ausführungsbestimmungen und Vorbereitung auf die Hauptschulabschlussprüfung 2027
- Gerstenberg Verlag: Zeitzeugeninterview mit Joachim Neumann
- Wikipedia: Tunnel 57
- Wikipedia: Achim Neumann
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