D9 G - Eine Ganzschrift untersuchen und strukturiert beschreiben

D9 G - Eine Ganzschrift untersuchen und strukturiert beschreiben
D9 G - Eine Ganzschrift untersuchen und strukturiert beschreiben
Einleitung
Eine Ganzschrift ist ein vollständiges literarisches Werk, das Du ganz liest und nicht nur in einem kurzen Ausschnitt kennenlernst. Im Deutschunterricht kann das zum Beispiel ein Roman, ein Jugendroman, eine Novelle oder ein Drama sein. Wenn Du eine Ganzschrift untersuchst, reicht es nicht, nur zu sagen, ob Dir das Buch gefällt. Du sollst zeigen, dass Du die wichtigsten Teile des Werkes verstanden hast und geordnet beschreiben kannst.
In diesem aiMOOC trainierst Du auf G-Niveau in Klasse 9 einen klaren und sicheren Weg durch eine Ganzschrift. Im Mittelpunkt stehen sechs Bereiche: Handlung, Figuren, Konflikte, Schauplätze, Zeit und zentrale Themen. Du lernst die wichtigsten Fachbegriffe, einfache Leitfragen und Satzanfänge kennen. So kannst Du eine Ganzschrift Schritt für Schritt untersuchen und Deine Ergebnisse verständlich aufschreiben.
Das Lesen eines ganzen Buches verlangt Überblick. Deshalb arbeitest Du nicht nur mit einzelnen Szenen, sondern fragst immer wieder: Was ist für das ganze Werk wichtig? Genau dabei helfen Dir die Fachbegriffe dieses Kurses.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- Ganzschrift: erklären, was eine Ganzschrift ist und warum man beim Untersuchen das ganze Werk im Blick behalten muss.
- Handlung: die wichtigsten Handlungsschritte knapp und in sinnvoller Reihenfolge wiedergeben.
- Figur: Hauptfiguren und Nebenfiguren unterscheiden und wichtige Eigenschaften mit Textbelegen erklären.
- Figurenkonstellation: Beziehungen zwischen Figuren erkennen und übersichtlich darstellen.
- Konflikt: innere und äußere Konflikte benennen sowie ihre Bedeutung für die Handlung erklären.
- Schauplatz: wichtige Handlungsorte beschreiben und ihre Funktion für das Geschehen untersuchen.
- Zeitgestaltung: Handlungszeit, erzählte Zeit, chronologische Reihenfolge und Rückblenden erkennen.
- Thema: zentrale Themen des Werkes von einzelnen Ereignissen der Handlung unterscheiden.
- Textbeleg: Aussagen über Figuren, Konflikte oder Themen mit passenden Stellen aus dem Werk begründen.
- Inhaltsangabe: Ergebnisse sachlich, übersichtlich und überwiegend im Präsens formulieren.
Was bedeutet Ganzschrift?
Bei einer Ganzschrift liest Du ein Werk vollständig. Dadurch kannst Du Entwicklungen erkennen, die in einem kurzen Ausschnitt kaum sichtbar wären. Eine Figur kann sich zum Beispiel von unsicher zu selbstständig entwickeln. Ein Streit kann sich über viele Kapitel aufbauen. Ein Ort kann am Anfang bedrohlich und am Ende vertraut wirken. Ein Thema wie Freundschaft, Verantwortung oder Ausgrenzung kann an verschiedenen Stellen immer wieder auftauchen.

Beim Untersuchen einer Ganzschrift musst Du deshalb auswählen. Du kannst nicht jedes Detail nennen. Wichtig ist, dass Du zwischen Hauptsache und Nebensache unterscheidest.
Eine gute Grundregel lautet:
Nenne das Wichtigste – ordne es – belege es – erkläre den Zusammenhang.
Vom Lesen zum Verstehen
Beim ersten Lesen geht es darum, die Geschichte zu verstehen. Beim zweiten Blick auf wichtige Kapitel untersuchst Du genauer, wie Handlung, Figuren, Konflikte, Orte, Zeit und Themen zusammenhängen.

Ein einfaches Lesesystem kann Dir helfen:
- Lesetagebuch: Notiere nach einem Kapitel in ein bis drei Sätzen, was Wichtiges passiert.
- Figurenliste: Schreibe neue wichtige Figuren mit ihrer Beziehung zur Hauptfigur auf.
- Konfliktliste: Notiere, worüber gestritten wird oder womit eine Figur innerlich kämpft.
- Schauplatz: Halte fest, an welchen Orten entscheidende Ereignisse stattfinden.
- Zeit: Achte auf Angaben wie Tage, Wochen, Jahreszeiten, frühere Ereignisse und Zeitsprünge.
- Thema: Sammle Begriffe, die im Werk immer wieder wichtig werden, zum Beispiel Freundschaft, Mut, Familie, Gerechtigkeit oder Ausgrenzung.
Das Video zur Inhaltsangabe unterstützt Dich dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Für eine Ganzschrift gilt besonders: Du fasst nicht jedes Kapitel einzeln ausführlich nach, sondern bildest einen roten Faden.
Der Analyse-Kompass
Eine Ganzschrift lässt sich mit sechs Leitfragen untersuchen.
| Bereich | Leitfrage | Wichtige Fachbegriffe | Einfacher Satzstarter |
|---|---|---|---|
| Handlung | Was passiert im Verlauf des Werkes? | Handlung, Ausgangssituation, Wendepunkt, Ende | „Zu Beginn … Danach … Entscheidend ist … Am Ende …“ |
| Figuren | Wer handelt und wie verändern sich Beziehungen? | Hauptfigur, Nebenfigur, Figurenkonstellation, Charakterisierung | „Die Hauptfigur … Sie steht zu … in der Beziehung …“ |
| Konflikte | Welche Ziele oder Wünsche stoßen auf Widerstand? | Konflikt, innerer Konflikt, äußerer Konflikt | „Der zentrale Konflikt entsteht, weil …“ |
| Schauplätze | Wo spielt die Handlung und warum ist der Ort wichtig? | Schauplatz, Handlungsort, Atmosphäre | „Ein wichtiger Schauplatz ist … Dort …“ |
| Zeit | Wann und über welchen Zeitraum spielt die Handlung? | Handlungszeit, Erzählte Zeit, Rückblende, Zeitsprung | „Die Handlung spielt … und umfasst ungefähr …“ |
| Themen | Worum geht es auf einer tieferen Ebene? | Thema, Leitfrage, Motiv | „Ein zentrales Thema des Werkes ist …“ |

Das Schaubild macht deutlich: Literatur kann aus vielen miteinander verbundenen Bereichen betrachtet werden. Für Deine Arbeit auf G-Niveau ist wichtig, dass Du die sechs Bereiche des Analyse-Kompasses sicher anwenden kannst.
Die Handlung untersuchen
Die Handlung ist die Folge der wichtigen Ereignisse eines Werkes. Eine gute Handlungsbeschreibung ist keine vollständige Nacherzählung. Sie nennt nur die Ereignisse, die für das Verständnis des ganzen Werkes wichtig sind.
Ausgangssituation, Entwicklung und Ende
Du kannst die Handlung in vier einfache Abschnitte gliedern:
- Ausgangssituation: Wer befindet sich am Anfang in welcher Lage?
- Entwicklung: Welche wichtigen Ereignisse verändern die Situation?
- Wendepunkt: Wo kommt es zu einer besonders wichtigen Entscheidung oder Veränderung?
- Ende: Wie endet der zentrale Handlungsverlauf?
Ein Wendepunkt muss nicht immer spektakulär sein. Es kann auch eine Erkenntnis, ein Gespräch, eine Entscheidung oder ein Verlust sein, nach dem die Handlung eine andere Richtung nimmt.
Haupt- und Nebenhandlung
Viele Ganzschriften besitzen mehr als einen Handlungsstrang. Die Haupthandlung ist der wichtigste Verlauf des Werkes. Eine Nebenhandlung ergänzt die Haupthandlung, zeigt weitere Figuren oder macht ein Thema deutlicher.
Auf G-Niveau genügt oft die Frage: Welche Ereignisse muss jemand kennen, damit er die Geschichte im Großen versteht?
Wenn ein Detail für diese Frage nicht wichtig ist, kannst Du es meistens weglassen.
Handlung sachlich beschreiben
Eine Handlungsbeschreibung sollte
- im Präsens stehen,
- sachlich formuliert sein,
- die wichtigsten Ereignisse in sinnvoller Reihenfolge nennen,
- keine unnötigen Einzelheiten enthalten,
- Beziehungen von Ursache und Folge deutlich machen.
Nützliche Verknüpfungen sind zum Beispiel: zunächst, danach, deshalb, dadurch, später, schließlich, am Ende.
Ein schwacher Satz wäre: „Dann passiert noch ganz viel und plötzlich streiten sie.“
Ein genauerer Satz wäre: „Nachdem die Hauptfigur die Wahrheit erfährt, verschärft sich der Konflikt mit ihrer Familie.“
Figuren untersuchen und beschreiben
Figuren tragen die Handlung. Sie haben Wünsche, Ziele, Ängste und Beziehungen. Besonders wichtig ist die Frage: Was tut eine Figur – und was zeigt dieses Verhalten über sie?
Hauptfigur und Nebenfigur
Die Hauptfigur steht im Mittelpunkt der Handlung. Ihre Entscheidungen und Erfahrungen sind für das Werk besonders wichtig. Eine Nebenfigur steht weniger im Zentrum, kann aber die Hauptfigur unterstützen, behindern, beraten, spiegeln oder verändern.
Die Begriffe Protagonist und Antagonist können ebenfalls vorkommen. Der Protagonist ist die zentrale handelnde Figur. Ein Antagonist ist eine Gegenspielerin, ein Gegenspieler oder eine Gegenkraft. Eine Gegenkraft muss nicht immer eine Person sein. Auch gesellschaftliche Regeln, Angst oder eine schwierige Situation können Widerstand erzeugen.
Direkte und indirekte Charakterisierung
Bei einer direkten Charakterisierung sagt der Text ausdrücklich etwas über eine Figur. Das kann durch die Erzählinstanz, durch eine andere Figur oder durch die Figur selbst geschehen.
Bei einer indirekten Charakterisierung musst Du aus dem Verhalten Hinweise ableiten. Du achtest zum Beispiel darauf, was die Figur tut, wie sie spricht, wie sie auf andere reagiert und welche Entscheidungen sie trifft.
Ein hilfreiches Grundmuster lautet:
Beobachtung + Beleg + Erklärung
Beispiel: „Die Figur wirkt mutig. Das zeigt sich daran, dass sie trotz ihrer Angst allein zu dem schwierigen Gespräch geht. Dadurch wird deutlich, dass sie Verantwortung übernimmt.“
Figurenkonstellation
Eine Figurenkonstellation zeigt, wie wichtige Figuren miteinander verbunden sind. Pfeile und kurze Begriffe können Beziehungen sichtbar machen, zum Beispiel: befreundet mit, misstraut, hilft, liebt, bewundert, bedroht, ist abhängig von oder streitet mit.

Eine Figurenkarte zu einem bekannten Roman zeigt, wie komplex Beziehungen in einer Ganzschrift werden können. Für Deine eigene Arbeit reicht meist eine einfache Darstellung mit den wichtigsten Figuren.

Beim Beschreiben solltest Du nicht nur Pfeile zeichnen, sondern mindestens einen Zusammenhang formulieren: Wie beeinflusst eine Beziehung die Handlung oder einen Konflikt?
Figurenentwicklung
Eine Figur kann sich im Verlauf verändern. Dann sprichst Du von einer Figurenentwicklung. Vergleiche dafür eine frühe und eine späte Stelle des Werkes.
Frage Dich:
- Wie handelt die Figur am Anfang?
- Welche Erfahrung verändert sie?
- Wie handelt sie später?
- Was hat sie gelernt oder verloren?
- Bleibt sie in wichtigen Punkten gleich?
Konflikte untersuchen
Ein Konflikt entsteht, wenn Ziele, Wünsche, Werte oder Bedürfnisse auf Widerstand stoßen. Konflikte treiben viele Geschichten voran. Ohne Probleme, Entscheidungen oder Gegensätze gäbe es häufig wenig Entwicklung.

Äußerer Konflikt
Bei einem äußeren Konflikt stößt eine Figur auf einen Widerstand außerhalb ihrer selbst. Das kann ein Streit mit einer anderen Figur, eine Regel, eine Gruppe, eine Institution oder eine schwierige Lebenssituation sein.
Beispiel: Eine Jugendliche möchte selbst entscheiden, welchen Beruf sie wählt, ihre Familie erwartet aber etwas anderes.
Für die Analyse fragst Du:
- Wer oder was steht sich gegenüber?
- Welche Ziele haben die Beteiligten?
- Warum passen diese Ziele nicht zusammen?
- Wie verschärft oder löst sich der Konflikt?
- Welche Folgen hat er?
Innerer Konflikt
Bei einem inneren Konflikt kämpft eine Figur mit sich selbst. Sie kann zwischen zwei Möglichkeiten, Wünschen oder Pflichten schwanken.
Beispiel: Eine Figur weiß die Wahrheit, hat aber Angst davor, sie zu sagen.
Ein innerer Konflikt ist oft an Gedanken, Unsicherheit, widersprüchlichem Verhalten oder schwierigen Entscheidungen erkennbar.
Konflikt und Handlung verbinden
Eine starke Beschreibung nennt nicht nur den Konflikt, sondern erklärt seine Wirkung.
Schwach: „Die beiden Figuren haben einen Konflikt.“
Besser: „Der Konflikt zwischen den beiden Figuren entsteht durch unterschiedliche Vorstellungen von Verantwortung. Er verschärft sich, als eine Figur eine wichtige Entscheidung ohne die andere trifft. Dadurch wird der weitere Handlungsverlauf ausgelöst.“
Schauplätze untersuchen
Ein Schauplatz ist ein Ort, an dem die Handlung stattfindet. Manche Ganzschriften spielen überwiegend an einem Ort, andere wechseln zwischen vielen Orten.

Die Karte aus Robert Louis Stevensons Treasure Island zeigt besonders anschaulich, dass Orte für eine Geschichte wichtig sein können. Ein Schauplatz ist nicht nur eine Adresse. Er kann Handlung ermöglichen, Grenzen schaffen, Sicherheit geben oder Gefahr ausstrahlen.
Wichtige Fragen zum Schauplatz
- Wo findet ein wichtiges Ereignis statt?
- Welche Figuren treffen dort aufeinander?
- Welche Stimmung entsteht an diesem Ort?
- Verändert sich der Ort im Verlauf?
- Passt der Ort zum Konflikt oder zum Thema?
- Gibt es einen Gegensatz zwischen zwei Orten?
Beispiele für einfache Deutungen sind: Ein Zuhause kann Schutz bedeuten. Eine Schule kann für Gemeinschaft, aber auch für Druck stehen. Ein Bahnhof kann für Aufbruch oder Abschied stehen. Solche Bedeutungen musst Du jedoch immer am konkreten Werk prüfen.
Atmosphäre
Die Atmosphäre beschreibt die Stimmung, die ein Ort oder eine Szene erzeugt. Sie kann zum Beispiel freundlich, angespannt, bedrückend, hektisch, vertraut oder bedrohlich wirken.
Achte auf Beschreibungen von Licht, Geräuschen, Wetter, Enge, Weite, Farben, Gegenständen und dem Verhalten der Figuren.
Zeit untersuchen
Bei der Zeit unterscheidest Du vor allem zwischen der Frage Wann spielt die Handlung? und der Frage Wie viel Zeit vergeht innerhalb der Geschichte?

Handlungszeit
Die Handlungszeit bezeichnet den zeitlichen Rahmen, in dem die Geschichte spielt. Das kann eine bestimmte historische Zeit, ein Jahr, eine Jahreszeit oder auch die Gegenwart sein.
Mögliche Hinweise sind technische Geräte, Kleidung, politische Ereignisse, Datumsangaben, Schulformen, Verkehrsmittel oder direkte Jahresangaben.
Erzählte Zeit
Die erzählte Zeit ist der Zeitraum, der innerhalb der Handlung vergeht. Eine Ganzschrift kann zum Beispiel nur einen Tag, mehrere Wochen oder viele Jahre umfassen.
Für Deine Beschreibung reicht oft eine Formulierung wie: „Die erzählte Zeit umfasst ungefähr einen Sommer.“ oder „Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre.“
Chronologie, Rückblende und Zeitsprung
Wenn Ereignisse in der Reihenfolge erzählt werden, in der sie passieren, ist die Handlung überwiegend chronologisch aufgebaut.
Eine Rückblende führt zu einem früheren Ereignis zurück. Sie kann erklären, warum eine Figur heute so handelt.
Ein Zeitsprung überspringt einen Zeitraum. So kann ein Werk schnell von einem Lebensabschnitt zum nächsten wechseln.
Auf G-Niveau ist vor allem wichtig: Erkenne, wenn die zeitliche Reihenfolge unterbrochen wird, und erkläre kurz warum diese Stelle wichtig ist.
Zentrale Themen erkennen
Das Thema eines Werkes ist nicht dasselbe wie seine Handlung.
Die Handlung beantwortet: Was passiert?
Das Thema beantwortet: Worum geht es dabei grundsätzlich?
Eine Geschichte kann davon handeln, dass eine Schülerin die Schule wechselt. Ein zentrales Thema kann aber Zugehörigkeit sein. Eine Geschichte kann von einem Streit zwischen zwei Freunden handeln. Ein Thema kann Vertrauen oder Loyalität sein.
Typische zentrale Themen
Mögliche Themen in Ganzschriften sind Freundschaft, Familie, Erwachsenwerden, Identität, Liebe, Ausgrenzung, Vorurteile, Verantwortung, Freiheit, Gerechtigkeit, Mut, Schuld, Verlust oder Zusammenhalt. Diese Begriffe sind aber nur Beispiele. Entscheidend ist immer das konkrete Werk.
Ein Thema ist besonders wahrscheinlich zentral, wenn es
- an mehreren wichtigen Stellen auftaucht,
- mehrere Figuren betrifft,
- mit wichtigen Konflikten verbunden ist,
- für Entscheidungen der Hauptfigur bedeutsam ist,
- bis zum Ende des Werkes eine Rolle spielt.
Motiv und Thema unterscheiden
Ein Motiv ist ein wiederkehrendes Element in einem Werk. Das kann ein Gegenstand, ein Bild, eine Situation oder eine Handlung sein. Ein Motiv kann helfen, ein Thema sichtbar zu machen.
Beispiel: Wiederkehrende Türen oder Grenzen könnten in einem Werk mit dem Thema Freiheit verbunden sein. Eine solche Deutung ist aber nur überzeugend, wenn der Text genügend Hinweise liefert.
Textbelege verwenden
Eine Beschreibung wird stärker, wenn Du wichtige Aussagen am Text belegst. Ein Textbeleg zeigt, woher Deine Beobachtung kommt.
Du kannst
- eine kurze Stelle sinngemäß wiedergeben,
- auf ein Kapitel oder eine Szene verweisen,
- ein kurzes passendes Zitat verwenden.
Ein Beleg allein genügt nicht. Er braucht eine Erklärung.
Behauptung → Beleg → Erklärung
Beispiel: „Die Hauptfigur fühlt sich ausgeschlossen. Dies wird deutlich, als die anderen sie bei einer gemeinsamen Entscheidung übergehen. Dadurch erkennt man, dass Zugehörigkeit für sie zu einem wichtigen Problem wird.“
Gespräche als Belege nutzen
Dialoge verraten viel über Beziehungen und Konflikte. Achte darauf, wer Fragen stellt, wer ausweicht, wer befiehlt, wer schweigt und welche Wörter häufig verwendet werden.

Bei der Figurenbeschreibung ist deshalb nicht nur wichtig, was eine Figur sagt, sondern auch wie sie spricht und wie andere darauf reagieren.
Eine strukturierte Beschreibung schreiben
Deine Ergebnisse müssen am Ende in einer sinnvollen Reihenfolge stehen. Ein klarer Aufbau hilft Leserinnen und Lesern, Deinem Text zu folgen.
Schreibplan für G-Niveau
| Abschnitt | Inhalt | Leitfrage |
|---|---|---|
| 1. Einleitung | Titel, Autorin oder Autor, Textsorte, Erscheinungsjahr wenn bekannt, zentrales Thema in einem Satz | Welches Werk untersuche ich? |
| 2. Handlung | Ausgangssituation, wichtigste Entwicklung, Wendepunkt, Ende | Was passiert im Großen? |
| 3. Figuren | Hauptfigur, wichtige Nebenfiguren, Eigenschaften, Beziehungen, Entwicklung | Wer handelt und wie verändern sich die Figuren? |
| 4. Konflikte | zentraler äußerer und gegebenenfalls innerer Konflikt | Welche Ziele stoßen auf Widerstand? |
| 5. Schauplätze | wichtige Orte, Atmosphäre, Bedeutung | Wo spielt Entscheidendes? |
| 6. Zeit | Handlungszeit, erzählte Zeit, Rückblenden oder Zeitsprünge | Wann spielt das Werk und wie verläuft die Zeit? |
| 7. Themen | ein bis drei zentrale Themen mit kurzen Begründungen | Worum geht es grundsätzlich? |
| 8. Schluss | wichtigster Zusammenhang und kurze Gesamtaussage | Was zeigt meine Untersuchung insgesamt? |
Satzstarter
Nützliche Satzanfänge können Dir beim Schreiben Sicherheit geben.
- Einleitung: „Die Ganzschrift … von … handelt von …“
- Handlung: „Zu Beginn befindet sich …“ / „Ein wichtiger Wendepunkt ist …“
- Figuren: „Die Hauptfigur … wird zunächst als … dargestellt.“ / „Im Verlauf verändert sie sich, weil …“
- Figurenkonstellation: „Zwischen … und … besteht zunächst …“
- Konflikt: „Der zentrale Konflikt entsteht, weil …“
- Schauplatz: „Ein wichtiger Schauplatz ist …, da dort …“
- Zeit: „Die Handlung spielt … und umfasst …“
- Thema: „Ein zentrales Thema ist … Dies zeigt sich besonders an …“
- Textbeleg: „Das wird deutlich, als …“ / „Daran erkennt man, dass …“
- Schluss: „Insgesamt wird deutlich, dass …“
Sprache und Form
Für eine strukturierte Beschreibung gelten einfache Regeln:
- Schreibe überwiegend im Präsens.
- Formuliere sachlich und verständlich.
- Verwende Fachbegriffe nur, wenn Du sie erklären und passend anwenden kannst.
- Vermeide Umgangssprache wie „voll gemein“, „mega spannend“ oder „irgendwie komisch“.
- Verbinde Beobachtung und Erklärung.
- Erzähle nicht jedes Detail nach.
- Prüfe, ob jeder Absatz eine klare Aufgabe hat.
Ein kurzes Modellbeispiel
Stell Dir eine erfundene Ganzschrift vor: Eine Jugendliche namens Samira zieht mit ihrer Familie in eine neue Stadt. Sie möchte schnell dazugehören, verschweigt aber aus Angst vor Ablehnung einen wichtigen Teil ihrer Vergangenheit. Eine neue Freundschaft gerät dadurch in Gefahr.
Eine einfache Untersuchung könnte so aussehen:
Handlung: Samira kommt in eine neue Stadt, findet Anschluss, verschweigt etwas Wichtiges und gerät dadurch in einen Konflikt. Als die Wahrheit bekannt wird, muss sie entscheiden, ob sie weiter ausweicht oder offen spricht.
Figuren: Samira ist die Hauptfigur. Anfangs handelt sie unsicher und vermeidet offene Gespräche. Später übernimmt sie mehr Verantwortung.
Konflikt: Äußerlich gerät Samira mit einer Freundin in Streit. Innerlich schwankt sie zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Wunsch, ehrlich zu sein.
Schauplatz: Die neue Schule ist ein wichtiger Ort, weil dort Zugehörigkeit und Ausgrenzung sichtbar werden.
Zeit: Die Handlung umfasst die ersten Wochen nach dem Umzug.
Thema: Ein zentrales Thema ist Ehrlichkeit in Freundschaften.
Dieses Beispiel zeigt: Die sechs Bereiche gehören zusammen. Eine gute Beschreibung macht diese Zusammenhänge sichtbar.
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu viel nacherzählen
Wenn Du jedes kleine Ereignis nennst, geht der Überblick verloren. Frage immer: Ist dieses Ereignis für die Entwicklung, den Konflikt oder das Thema wichtig?
Fehler 2: Eigenschaften ohne Beleg nennen
„Die Figur ist nett“ ist zu ungenau. Besser ist: „Die Figur handelt hilfsbereit, weil sie …“
Fehler 3: Thema mit Handlung verwechseln
„Ein Junge fährt in eine andere Stadt“ ist eine Handlung. „Selbstständigkeit“ könnte ein Thema sein.
Fehler 4: Konflikt nur als Streit verstehen
Auch ein stilles Problem kann ein Konflikt sein. Eine Figur kann mit Angst, Schuld, Erwartungen oder einer Entscheidung kämpfen.
Fehler 5: Orte nur aufzählen
Nenne nicht nur „Schule, Wohnung, Park“. Erkläre, welcher Ort für welches Ereignis oder welche Stimmung wichtig ist.
Fehler 6: Zeitangaben übersehen
Eine Rückblende kann erklären, warum sich eine Figur so verhält. Ein Zeitsprung kann zeigen, dass sich etwas langfristig verändert.
Selbstcheck vor der Abgabe
Nutze diese Fragen für Deine letzte Kontrolle:
- Habe ich Titel und Autorin oder Autor richtig genannt?
- Habe ich die Handlung knapp statt ausführlich nacherzählt?
- Habe ich die wichtigsten Figuren und Beziehungen beschrieben?
- Habe ich mindestens einen wichtigen Konflikt erklärt?
- Habe ich bedeutsame Schauplätze genannt und ihre Funktion beschrieben?
- Habe ich die zeitliche Einordnung beachtet?
- Habe ich zentrale Themen von einzelnen Ereignissen unterschieden?
- Habe ich wichtige Aussagen mit Textbelegen gestützt?
- Schreibe ich überwiegend im Präsens?
- Ist meine Beschreibung klar gegliedert?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist eine Ganzschrift? (Ein vollständig gelesenes literarisches Werk) (!Nur ein einzelner Absatz aus einem Werk) (!Eine Liste mit schwierigen Wörtern) (!Eine Sammlung beliebiger Zitate)
Was gehört in eine knappe Handlungsbeschreibung? (Die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen) (!Jedes kleine Detail des Werkes) (!Nur die eigene Meinung zum Buch) (!Nur die Namen der Figuren)
Was ist eine Hauptfigur? (Eine Figur, die für die zentrale Handlung besonders wichtig ist) (!Immer die älteste Figur im Werk) (!Eine Figur, die nur einmal erwähnt wird) (!Immer die Erzählerin oder der Erzähler)
Was zeigt eine Figurenkonstellation? (Die Beziehungen zwischen wichtigen Figuren) (!Die Seitenzahlen aller Kapitel) (!Die Länge der einzelnen Sätze) (!Die Reihenfolge der Buchstaben im Titel)
Was ist ein innerer Konflikt? (Eine Figur schwankt zwischen unterschiedlichen Wünschen oder Entscheidungen) (!Zwei Orte liegen weit auseinander) (!Ein Kapitel ist besonders lang) (!Ein Buch besitzt mehrere Ausgaben)
Was bezeichnet der Schauplatz? (Einen Ort, an dem Handlung stattfindet) (!Die Überschrift eines Kapitels) (!Die Meinung der Lesenden) (!Die Länge der erzählten Zeit)
Was ist eine Rückblende? (Ein Rückgriff auf ein früheres Ereignis) (!Eine vollständige Wiederholung des Buches) (!Ein Wechsel von einem Ort zum anderen) (!Eine Beschreibung nur des Buchcovers)
Worin unterscheidet sich ein Thema von der Handlung? (Ein Thema beschreibt eine grundlegende inhaltliche Frage des Werkes) (!Ein Thema nennt immer nur den ersten Handlungsschritt) (!Ein Thema besteht nur aus den Namen der Figuren) (!Ein Thema ist immer identisch mit dem Titel)
Wozu dient ein Textbeleg? (Er stützt eine Aussage über das Werk) (!Er ersetzt jede eigene Erklärung) (!Er macht eine Handlung automatisch spannend) (!Er nennt nur die Seitenzahl ohne Zusammenhang)
Welche Zeitform wird für eine sachliche Inhaltsbeschreibung meist verwendet? (Präsens) (!Futur) (!Plusquamperfekt) (!Imperativ)
Memory
| Ganzschrift | vollständiges literarisches Werk |
| Handlung | Folge wichtiger Ereignisse |
| Hauptfigur | zentrale Figur des Geschehens |
| Figurenkonstellation | Beziehungsnetz wichtiger Personen |
| Konflikt | Zusammenstoß verschiedener Ziele |
| Schauplatz | Ort des Geschehens |
| Erzählte Zeit | Zeitraum innerhalb der Geschichte |
| Thema | grundlegende inhaltliche Frage |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Handlung | wichtigste Ereignisse in sinnvoller Reihenfolge |
| Figuren | Personen und ihre Beziehungen |
| Konflikt | Ziele Wünsche und Widerstände |
| Schauplatz | wichtige Orte und ihre Bedeutung |
| Zeit | Zeitraum Reihenfolge und Rückgriffe |
Kreuzworträtsel
| Handlung | Wie nennt man die Folge wichtiger Ereignisse eines Werkes? |
| Hauptfigur | Wie heißt die Figur, die besonders im Mittelpunkt des Geschehens steht? |
| Konflikt | Wie nennt man das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ziele oder Wünsche? |
| Schauplatz | Wie heißt ein wichtiger Ort des Geschehens? |
| Rückblende | Wie nennt man einen Rückgriff auf ein früheres Ereignis? |
| Thema | Wie heißt die grundlegende inhaltliche Frage eines Werkes? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Handlungsstreifen: Wähle eine gelesene Ganzschrift und notiere sechs bis acht besonders wichtige Handlungsschritte auf einzelne Karten. Bringe sie in eine sinnvolle Reihenfolge und streiche anschließend zwei Karten, auf die man für einen sehr knappen Überblick verzichten könnte.
- Figurensteckbrief: Erstelle zu einer Hauptfigur einen Steckbrief mit Rolle, Zielen, wichtigen Beziehungen und drei Eigenschaften. Ergänze zu jeder Eigenschaft einen passenden Textbeleg.
- Schauplatzkarte: Zeichne drei wichtige Schauplätze Deiner Ganzschrift. Schreibe zu jedem Ort einen Satz dazu, welches wichtige Ereignis dort stattfindet.
- Themenwortschatz: Sammle fünf mögliche Themen Deiner Ganzschrift. Entscheide anschließend, welche zwei wirklich zentral sind, und begründe Deine Auswahl mit je einem Beispiel.
Standard
- Figurenkonstellation erstellen: Zeichne die wichtigsten Figuren als Kreise und verbinde sie mit beschrifteten Pfeilen. Erkläre danach in einem Absatz, welche Beziehung für die Handlung am wichtigsten ist.
- Konfliktanalyse: Untersuche einen zentralen Konflikt. Beschreibe die beteiligten Ziele, den Auslöser, eine Verschärfung und die Folgen für die Handlung.
- Zeitstrahl: Erstelle einen Zeitstrahl zur Ganzschrift. Markiere Rückblenden und Zeitsprünge besonders und erkläre bei zwei Stellen, warum die zeitliche Gestaltung für das Verständnis wichtig ist.
- Strukturierte Buchbeschreibung: Verfasse eine Seite zu Deiner Ganzschrift und gliedere sie in Handlung, Figuren, Konflikt, Schauplatz, Zeit und Thema. Verwende mindestens fünf Fachbegriffe aus diesem Kurs.
Schwer
- Figurenentwicklung vergleichen: Wähle eine frühe und eine späte Textstelle zur Hauptfigur. Zeige anhand der beiden Stellen, ob und wie sich die Figur verändert.
- Schauplatz und Thema verbinden: Untersuche, ob ein wichtiger Ort ein zentrales Thema des Werkes sichtbar macht. Begründe Deine Deutung mit mindestens zwei Textstellen.
- Alternative Entscheidung: Verändere eine wichtige Entscheidung der Hauptfigur. Beschreibe, wie sich dadurch Handlung, Konflikt und Ende wahrscheinlich verändern würden, und begründe Deine Überlegungen aus der bisherigen Figurenzeichnung.
- Videoanalyse Ganzschrift: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Erklärvideo zur gelesenen Ganzschrift. Stelle Handlung, Figuren, Konflikte, Schauplätze, Zeit und zentrale Themen so vor, dass eine andere neunte Klasse den Aufbau des Werkes verstehen kann.


Lernkontrolle
- Zusammenhang Handlung und Konflikt: Erkläre an einer Ganzschrift, wie ein zentraler Konflikt mindestens zwei wichtige Handlungsschritte auslöst. Zeige die Ursache-Wirkungs-Beziehung.
- Figur und Thema: Wähle eine Hauptfigur und erkläre, wie ihre Entscheidungen ein zentrales Thema des Werkes sichtbar machen. Verwende mindestens zwei konkrete Beispiele.
- Perspektivwechsel Schauplatz: Stelle Dir vor, ein entscheidendes Ereignis würde an einem anderen Ort stattfinden. Erkläre, wie sich Stimmung, Verhalten der Figuren oder Bedeutung der Szene verändern könnten.
- Zeitstruktur verändern: Nimm eine wichtige Rückblende oder einen Zeitsprung aus dem Werk und ordne die Handlung streng chronologisch. Beurteile, welche Wirkung dadurch verloren gehen oder entstehen würde.
- Konfliktlösung prüfen: Entwickle eine alternative Lösung für einen zentralen Konflikt. Prüfe anschließend, ob diese Lösung zur bisherigen Gestaltung der Figuren passt.
- Themen begründen: Zwei Lernende nennen unterschiedliche zentrale Themen für dasselbe Werk. Formuliere Kriterien, mit denen entschieden werden kann, welche Deutung besser am Text belegt ist.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du zeigen kannst:
- Du kannst eine Ganzschrift knapp vorstellen und zentrale Werkdaten korrekt nennen.
- Du kannst die Handlung auf wesentliche Schritte reduzieren und sinnvoll ordnen.
- Du kannst Hauptfiguren und wichtige Nebenfiguren unterscheiden.
- Du kannst Figuren mit Beobachtungen und Textbelegen beschreiben.
- Du kannst wichtige Beziehungen in einer Figurenkonstellation erklären.
- Du kannst innere und äußere Konflikte erkennen und ihre Folgen beschreiben.
- Du kannst wichtige Schauplätze nicht nur nennen, sondern ihre Bedeutung für Handlung oder Stimmung erläutern.
- Du kannst Handlungszeit, erzählte Zeit und auffällige Rückblenden oder Zeitsprünge beschreiben.
- Du kannst zentrale Themen von einzelnen Ereignissen unterscheiden und am Werk begründen.
- Du kannst Handlung, Figuren, Konflikte, Schauplätze, Zeit und Themen in einer geordneten Gesamtbeschreibung miteinander verbinden.
- Du verwendest grundlegende Fachbegriffe passend und schreibst überwiegend sachlich im Präsens.
- Du prüfst Deine Aussagen am Text und vermeidest unbelegte Behauptungen.
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