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D9 G - Dialog zu Über kurz oder lang

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D9 G - Dialog zu Über kurz oder lang




D9 G - Dialog zu Über kurz oder lang


Einleitung

In diesem aiMOOC lernst Du, glaubwürdige Dialoge zu Marie-Aude Murails Jugendroman Über kurz oder lang zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf Dialoggestaltung, Figurenwissen, Konflikten, Entscheidungen und der Frage: Was kann eine Romanfigur in einer bestimmten Situation tatsächlich wissen, wollen, sagen und tun?

Der Kurs richtet sich an die Klasse 9 auf G-Niveau. Deshalb arbeitest Du mit klaren Schritten, Satzanfängen, kurzen Begründungen und vielen Modellsituationen. Die Aufgaben verlangen trotzdem genaues Lesen: Ein erfundener Dialog ist nur dann überzeugend, wenn er zum jeweiligen Stand der Handlung und zu den beteiligten Figuren passt.

Wichtig: Die Dialoge in diesem aiMOOC sind neu verfasste Modelldialoge. Sie sind keine wörtlichen Auszüge aus dem Roman. Du sollst an ihnen lernen, wie man einen möglichen zusätzlichen Dialog schreibt, ohne dem Roman Wissen, Ereignisse oder Aussagen unterzuschieben, die dort nicht angelegt sind.

Spoiler-Hinweis: Der aiMOOC bezieht auch spätere Konflikte und Entscheidungen des Romans ein.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, welche Interessen wichtige Figuren im Roman verfolgen. Du kannst einen Handlungsmoment genau eingrenzen, bevor Du einen Dialog erfindest. Du kannst unterscheiden zwischen gesichertem Figurenwissen, einer plausiblen Vermutung und einer unpassenden Erfindung. Außerdem kannst Du einen Konflikt in mehreren Gesprächsschritten entwickeln, passende Redemittel einsetzen und Deinen Dialog mit einem Figurenwissen-Check überprüfen.


Roman und Ausgangslage

Über kurz oder lang erzählt von dem vierzehnjährigen Louis Feyrières. In der Schule ist er wenig motiviert und hat noch keine klare Vorstellung von seiner Zukunft. Für ein Schülerpraktikum landet er im Friseursalon Marielou. Sein Vater, ein erfolgreicher Chirurg, betrachtet einen handwerklichen Beruf abwertend und erwartet von seinem Sohn einen anderen Lebensweg.

Im Salon verändert sich Louis. Er erlebt zum ersten Mal, dass andere Menschen ihm etwas zutrauen. Er entdeckt Freude an praktischer Arbeit und entwickelt Talent für das Friseurhandwerk. Dadurch entsteht der zentrale Konflikt des Romans: Soll Louis den Erwartungen seines Vaters folgen oder seinen eigenen beruflichen Weg wählen?

Gleichzeitig begegnet Louis im Salon Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensproblemen. Madame Marielou trägt schwere Verluste mit sich. Fifi wird für Louis zu einem fachlichen und menschlichen Unterstützer. Garance ist Auszubildende, aber nicht mit derselben Begeisterung bei der Sache wie Louis. Clara steckt in einer belastenden und gewaltvollen Beziehung. Louis lernt dadurch, dass Erwachsenwerden nicht nur bedeutet, einen Beruf zu wählen, sondern auch Verantwortung, Loyalität, Mut und Grenzen kennenzulernen.

Das Bild zeigt einen realen Friseursalon und dient nur als Anschauung. Es stellt nicht den fiktiven Salon Marielou dar.


Warum eignet sich der Roman besonders für Dialoge?

Viele wichtige Entwicklungen entstehen aus Spannungen zwischen Menschen. Louis möchte Anerkennung, kann aber zu Beginn kaum für sich selbst sprechen. Sein Vater spricht dagegen laut, bestimmend und abwertend. Fifi unterstützt Louis, ohne ihm jede Entscheidung abzunehmen. Madame Marielou wirkt streng und verlangt Eigenverantwortung. Garance provoziert Louis und bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Clara zeigt, dass hinter einem alltäglichen Auftreten große Probleme verborgen sein können.

Ein guter Dialog macht solche Gegensätze hörbar. Du sollst also nicht nur Informationen in Sprechblasen verteilen. Du musst zeigen, wer etwas will, was die andere Figur dagegenhält und wie sich dadurch die Situation verändert.


Figurenwissen: Wer kann was sagen?

Die folgende Übersicht ist Dein wichtigstes Werkzeug. Bevor Du einen Dialog schreibst, prüfst Du immer zuerst den Stand der Handlung.

Figur Gesichertes Wissen und wichtige Eigenschaften Typische Ziele im Konflikt Darauf musst Du beim Dialog achten
Louis Zu Beginn 14 Jahre alt, schulisch wenig motiviert, eher wortkarg und unsicher. Im Salon entdeckt er Arbeitsfreude, Talent und Selbstvertrauen. Anerkennung finden, Friseur werden, zum Salon gehören, später selbst über seine Zukunft entscheiden. Früher Louis spricht oft knapp, weicht aus oder schweigt. Später kann er klarer Stellung beziehen. Er darf am Anfang noch nicht wissen, wie erfolgreich er einmal sein wird.
Monsieur Feyrières Louis’ Vater ist Chirurg. Er denkt stark in Leistung, Status und gesellschaftlichem Ansehen und übt Druck auf seine Familie aus. Louis auf einen aus seiner Sicht angemessenen Bildungsweg bringen, Kontrolle behalten, sein eigenes Weltbild bestätigen. Er darf nicht plötzlich begeistert vom Friseurberuf sein. Seine spätere Unterstützung entsteht erst nach schweren Konflikten.
Madame Feyrières Louis’ Mutter führt den Haushalt, hat eine begonnene Berufsausbildung nicht abgeschlossen und widerspricht ihrem Mann zunächst nur vorsichtig. Louis schützen, Streit vermeiden, später stärker eine eigene Position entwickeln. Ihre Selbstständigkeit wächst schrittweise. Ein sehr offensiver Widerstand ganz am Romananfang wäre unplausibel.
Großmama Sie kennt den Salon und schlägt ihn für Louis’ Praktikum vor. Als ehemalige Bäckerin schätzt sie handwerkliche Arbeit. Louis unterstützen und praktische Wege ermöglichen. Sie kann Louis Mut machen, darf aber nicht über Erlebnisse im Salon sprechen, bevor Louis sie selbst erlebt hat.
Floriane Louis’ siebenjährige Schwester ist schulisch erfolgreich, bewundert ihren Bruder und unterstützt ihn. Louis stärken, neugierig sein, Nähe zu ihrem Bruder zeigen. Ihre Sprache sollte zu einem Kind passen. Sie analysiert nicht wie eine erwachsene Literaturkritikerin.
Madame Marielou Besitzerin des Salons. Sie wirkt zunächst streng und distanziert, erkennt später Louis’ Entwicklung und setzt sich für ihn ein. Sie lebt nach einem schweren Unfall mit großen Verlusten und körperlichen Folgen. Den Salon führen, Verantwortung verlangen, Mitarbeitende schützen, später Louis fördern. Sie schenkt Vertrauen nicht sofort. Persönliche Nähe wächst im Verlauf der Handlung.
Fifi Erfahrener, sehr fähiger Friseur und wichtige Bezugsperson für Louis. Er ist aufmerksam gegenüber Kundinnen und Kunden und unterstützt Louis fachlich und menschlich. Louis ermutigen, Kollegialität zeigen, Menschen nicht vorschnell verurteilen. Fifi ist kein allwissender Retter. Er kann Louis helfen, aber Entscheidungen nicht für ihn treffen.
Garance Junge Auszubildende. Sie ist weniger begeistert vom Beruf, kommt wiederholt zu spät und wirkt impulsiv. Zwischen ihr und Louis entstehen Unsicherheit und erste romantische Erfahrungen. Aufmerksamkeit bekommen, provozieren, Freiräume suchen, eigene Unsicherheit überspielen. Sie darf nicht wie eine besonders disziplinierte Muster-Auszubildende sprechen. Ihre spätere Lebensentwicklung kennt sie in frühen Szenen selbstverständlich noch nicht.
Clara Friseurin im Salon. Sie befindet sich in einer gewaltvollen Beziehung, versucht aber, ihr Leben wieder stärker selbst zu bestimmen. Sicherheit gewinnen, arbeiten, Würde bewahren, sich aus einer schwierigen Lage lösen. Ein Dialog darf ihre Lage ernst nehmen, aber nicht so tun, als könne Louis allein das Problem lösen.
Ludovic Mitschüler von Louis. Er ist schulisch stärker, eher angepasst und begegnet dem Friseurpraktikum zunächst skeptisch. Anerkennung sichern, sich an Erwartungen orientieren, Louis’ Entscheidung einordnen. Seine Haltung kann sich verändern, aber nicht ohne Anlass.


Das Zeitwissen-Prinzip

Ein Dialog kann sprachlich gut klingen und trotzdem falsch sein. Das passiert, wenn eine Figur Wissen besitzt, das sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht haben kann.

Beispiel: Ein Louis am ersten Praktikumstag darf nicht sagen: „Später werde ich eine große Friseurkette führen.“ Das wäre Wissen aus der Zukunft. Plausibel wäre dagegen: „Ich weiß nicht, warum, aber hier will ich morgen wieder her.“

Merksatz: Eine Figur kennt nur ihre Vergangenheit und Gegenwart – nicht den späteren Romanverlauf.


So baust Du einen glaubwürdigen Dialog

Ein guter Dialog entsteht in sieben Schritten.

  1. Handlungskontext: Bestimme genau, wann der Dialog stattfinden könnte.
  2. Figurenwissen: Notiere, was jede Figur zu diesem Zeitpunkt weiß.
  3. Gesprächsziel: Formuliere für jede Figur einen Wunsch, zum Beispiel „Louis will bleiben“ und „der Vater will ihn vom Salon fernhalten“.
  4. Konflikt: Suche den Punkt, an dem beide Ziele zusammenstoßen.
  5. Figurensprache: Überlege, ob die Figur knapp, vorsichtig, spöttisch, streng, warmherzig oder provozierend spricht.
  6. Gesprächsentwicklung: Lass nicht zehnmal dieselbe Meinung wiederholen. Ein guter Dialog verändert Druck, Nähe, Wissen oder eine Entscheidung.
  7. Plausibilitätscheck: Prüfe am Ende, ob eine Figur etwas sagt, was sie nicht wissen oder nicht glaubwürdig vertreten kann.


Video: Dialoge schreiben

Das folgende Lernvideo zeigt Grundideen zum Schreiben von Dialogen. Übertrage die Hinweise anschließend auf die Romanfiguren.


Sprache im Dialog

Direkte Rede macht Figuren hörbar. Wichtig sind aber auch Pausen, Ausweichbewegungen und kurze Begleithandlungen. Gerade Louis sagt nicht immer sofort, was er denkt. Ein glaubwürdiger Dialog darf deshalb stocken.

Verwende passende Sprechverben wie fragen, erwidern, murmeln, einwenden, flüstern, widersprechen, erklären oder zugeben. Vermeide eine endlose Reihe von „sagte“. Gleichzeitig solltest Du nicht jedes Mal ein besonders auffälliges Verb suchen. Der Schwerpunkt bleibt auf dem Inhalt.

Auch Subtext ist wichtig. Subtext bedeutet: Eine Figur sagt etwas, meint aber noch mehr. Wenn Louis zum Beispiel sagt „Im Salon brauche ich mich wenigstens nicht zu verstecken“, spricht er nicht nur über einen Arbeitsplatz. Er spricht auch über Anerkennung und Zugehörigkeit.


Video: Figurenanalyse als Grundlage für Dialoge


Dialogwerkstatt: Konflikt- und Entscheidungssituationen

Die folgenden Gespräche sind mögliche Ergänzungsdialoge. Sie behaupten nicht, im Roman genau so vorzukommen. Nach jedem Dialog wird geprüft, warum er zum Figurenwissen und Handlungskontext passt oder wo seine Grenzen liegen.


Louis und sein Vater: Welches Praktikum?

Handlungskontext: Die Familie spricht über das vorgeschriebene Schülerpraktikum. Großmama hat den Salon Marielou ins Spiel gebracht. Louis hat seine Begeisterung für das Friseurhandwerk noch nicht entdeckt.

Konfliktkern: Der Vater denkt an Ansehen und schulische Zukunft. Louis will nicht offen kämpfen, möchte sich aber auch nicht einfach vom Vater bestimmen lassen.

Möglicher Dialog:

Monsieur Feyrières: „Du kannst doch nicht ernsthaft eine Woche in einem Friseursalon verbringen wollen.“

Louis: „Ich hab nichts anderes.“

Monsieur Feyrières: „Dann suchst du etwas Vernünftiges.“

Louis: „Was ist denn vernünftig?“

Monsieur Feyrières: „Etwas, bei dem du siehst, warum du dich in der Schule anstrengen musst.“

Louis: „Vielleicht sehe ich da auch, wie Arbeit ist.“

Monsieur Feyrières: „Haare fegen nennst du Zukunft?“

Louis: „Ich hab nicht gesagt, dass das meine Zukunft ist.“

Monsieur Feyrières: „Dann sind wir uns ja wenigstens darin einig.“

Louis: „Hab ich auch nicht gesagt.“

Figurenwissen-Check: Louis verteidigt noch nicht den Beruf, denn er hat ihn noch gar nicht kennengelernt. Sein Widerstand ist knapp und unsicher. Der Vater bewertet Berufe nach Status und Nutzen für die Schullaufbahn. Das passt zu beiden Figuren.

Entscheidungspunkt: Louis muss noch nicht entscheiden, ob er Friseur wird. Er entscheidet zunächst nur, ob er den Salon als Möglichkeit ausprobiert. Genau diese kleine Entscheidung ist für den frühen Handlungsmoment glaubwürdig.


Louis und Ludovic: Peinlich oder mutig?

Handlungskontext: Ludovic hat einen angesehen wirkenden Praktikumsplatz. Louis erwägt den Friseursalon und rechnet mit Spott.

Konfliktkern: Louis möchte nicht ausgelacht werden. Gleichzeitig will er sich nicht von Ludovics Urteil abhängig machen.

Möglicher Dialog:

Ludovic: „Sag nicht, dass du wirklich zu dem Friseur gehst.“

Louis: „Vielleicht.“

Ludovic: „Und was machst du da? Haare vom Boden kratzen?“

Louis: „Kann sein.“

Ludovic: „Mein Praktikum ist wenigstens bei einem Radiosender.“

Louis: „Freut mich für dich.“

Ludovic: „Du könntest deinen Vater doch fragen. Der kennt genug Leute.“

Louis: „Genau deshalb will ich ihn nicht fragen.“

Ludovic: „Du bist komisch.“

Louis: „Dann passt es doch.“

Figurenwissen-Check: Ludovic orientiert sich stärker an Leistung und Außenwirkung. Louis reagiert nicht mit einer langen Rede über Selbstbestimmung. Er wehrt sich kurz und trocken. Das passt zu seinem frühen Entwicklungsstand.

Entscheidungspunkt: Louis kann den leichteren Weg wählen und den Vater um Kontakte bitten. Oder er kann einen Ort ausprobieren, der zunächst wenig Ansehen verspricht. Der Roman gewinnt Spannung, weil Louis den zweiten Weg einschlägt.


Louis und Fifi: Nach dem misslungenen ersten Haarschnitt

Handlungskontext: Louis darf unter Aufsicht erstmals praktisch arbeiten. Das Ergebnis ist problematisch und eine Kundin reagiert unzufrieden. Louis ist enttäuscht.

Konfliktkern: Louis möchte zeigen, dass er etwas kann. Nach einem Fehler könnte er aufgeben. Fifi muss entscheiden, ob er ihn nur kritisiert oder aus dem Fehler lernen lässt.

Möglicher Dialog:

Louis: „Das war’s. Ich kann das nicht.“

Fifi: „Du hast heute zum ersten Mal eine Schere in der Hand gehabt.“

Louis: „Und gleich alles falsch gemacht.“

Fifi: „Nicht alles. Aber genug, damit du morgen genauer hinschaust.“

Louis: „Du hättest mich gar nicht lassen dürfen.“

Fifi: „Dann hättest du auch nichts gelernt.“

Louis: „Die Kundin war sauer.“

Fifi: „Deshalb arbeiten wir verantwortlich. Fehler sind nicht egal.“

Louis: „Also soll ich wieder nur fegen?“

Fifi: „Du sollst fegen, beobachten und fragen. Und wenn du bereit bist, probierst du wieder etwas.“

Figurenwissen-Check: Fifi wird als fachlich stark und unterstützend gezeigt. Er würde Louis nicht einfach einreden, der misslungene Versuch sei bedeutungslos. Louis nimmt Misserfolge persönlich, weil Anerkennung für ihn neu ist. Der Dialog verbindet deshalb Ermutigung mit Verantwortung.

Entscheidungspunkt: Aufgeben oder weiterlernen? Für Louis wird wichtig, dass ein Fehler nicht automatisch bedeutet, untalentiert zu sein.


Louis und Madame Marielou: Wer ist für das Zuspätkommen verantwortlich?

Handlungskontext: Nach einem anstrengenden Arbeitstag verschläft Louis und kommt zu spät. Er kann nicht mehr so tun, als seien immer andere für seinen Tagesablauf zuständig.

Konfliktkern: Louis sucht zunächst eine Erklärung. Madame Marielou verlangt Eigenverantwortung.

Möglicher Dialog:

Louis: „Ich hab verschlafen. Zu Hause hat mich keiner geweckt.“

Madame Marielou: „Und wer arbeitet hier? Ihre Familie oder Sie?“

Louis: „Ich.“

Madame Marielou: „Dann brauchen wir auch Sie pünktlich.“

Louis: „Es passiert nicht noch mal.“

Madame Marielou: „Das sagen viele. Interessant wird es morgen früh.“

Louis: „Soll ich länger bleiben?“

Madame Marielou: „Sie sollen Ihre Arbeit ordentlich machen. Strafe ist nicht mein Ziel.“

Louis: „Okay.“

Madame Marielou: „Und stellen Sie sich einen Wecker.“

Figurenwissen-Check: Madame Marielou ist zunächst eher sachlich und streng. Louis möchte im Salon ernst genommen werden. Er übernimmt deshalb eher Verantwortung, als dass er lange diskutiert.

Entscheidungspunkt: Louis kann den Fehler auf andere schieben oder sein Verhalten verändern. Diese Entscheidung zeigt seine Entwicklung stärker als eine große Heldentat.


Louis und Garance: Talent, Neid und Unsicherheit

Handlungskontext: Louis wird für eine Flechtarbeit gelobt. Garance merkt, dass der Praktikant Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommt.

Konfliktkern: Louis freut sich über Lob. Garance kann das als Konkurrenz erleben, obwohl sie selbst nicht dieselbe Begeisterung für die Ausbildung zeigt.

Möglicher Dialog:

Garance: „Na toll. Noch ein Tag hier und du willst meinen Platz.“

Louis: „Ich will gar nichts von dir.“

Garance: „Alle gucken schon, als wärst du das Wunderkind mit der Bürste.“

Louis: „Ich hab nur Zöpfe gemacht.“

Garance: „Und dafür gleich Applaus bekommen.“

Louis: „Dann mach du welche.“

Garance: „Vielleicht hab ich keine Lust.“

Louis: „Das ist dann nicht mein Fehler.“

Garance: „Du wirst ja richtig mutig.“

Louis: „Nur ein bisschen.“

Figurenwissen-Check: Garance kann gleichzeitig neugierig auf Louis und genervt von seiner schnellen Anerkennung sein. Louis gewinnt im Salon Selbstvertrauen, ist aber noch kein souveräner Wortführer. Seine letzte Antwort bleibt deshalb klein.

Entscheidungspunkt: Louis könnte sein Können verstecken, um keinen Neid auszulösen. Oder er kann lernen, Anerkennung anzunehmen, ohne Garance abzuwerten.


Louis und Fifi: Nach der Modenschau

Handlungskontext: Louis begleitet Fifi zu einer Modenschau und versteht mehr über Fifis persönliches Leben. Beide müssen nicht alles aussprechen.

Konfliktkern: Louis ist neugierig und unsicher. Fifi möchte nicht auf eine einzige Eigenschaft reduziert werden.

Möglicher Dialog:

Louis: „War gut heute.“

Fifi: „Die Frisuren oder die Show?“

Louis: „Beides.“

Fifi: „Dann hat sich der Abend gelohnt.“

Louis: „Manfred ist dir wichtig, oder?“

Fifi: „Ja.“

Louis: „Mehr muss ich nicht fragen.“

Fifi: „Du darfst fragen. Ich muss nur nicht auf alles antworten.“

Louis: „Verstanden.“

Fifi: „Und jetzt erzähl mir lieber, warum du beim Finale nur auf die Haare geguckt hast.“

Louis: „Weil die besser waren als die Klamotten.“

Figurenwissen-Check: Fifi und Louis gehen respektvoll miteinander um. Louis kann etwas verstehen, ohne dass daraus ein großes Bekenntnisgespräch werden muss. Das passt zu der im Roman angelegten Diskretion zwischen beiden.

Entscheidungspunkt: Neugier kann zu Respekt oder zu Grenzüberschreitung führen. Ein glaubwürdiger Louis lernt hier, dass Nähe auch bedeutet, nicht jede Frage zu stellen.


Clara, Louis und Fifi: Hilfe annehmen oder alles verbergen?

Handlungskontext: Clara trägt sichtbare Spuren von Gewalt. Später bedroht ihr Partner auch den Salon. Louis erkennt, dass die Lage ernst ist.

Hinweis für den Unterricht: Gewalt in Beziehungen ist kein Problem, das Jugendliche allein lösen sollen. Bei realer Gefahr sind vertraute Erwachsene, Beratungsstellen und gegebenenfalls Polizei oder Notruf zuständig.

Konfliktkern: Clara möchte ihre Würde und Kontrolle behalten. Louis will helfen, darf sich aber nicht zum Retter machen. Fifi kann Unterstützung anbieten.

Möglicher Dialog:

Louis: „Soll ich irgendwas machen?“

Clara: „Nein. Nicht du.“

Louis: „Aber wenn er wiederkommt?“

Fifi: „Dann stehen wir nicht allein da. Wir holen Hilfe.“

Clara: „Ich will nicht, dass alle mein Leben besprechen.“

Fifi: „Müssen wir nicht. Aber Gefahr verschweigen ist etwas anderes.“

Louis: „Ich kann einfach hierbleiben.“

Clara: „Du bist vierzehn, Louis. Du bleibst nicht wegen mir in Gefahr.“

Fifi: „Clara entscheidet, was sie erzählen möchte. Und wir entscheiden gemeinsam, wie wir den Salon sicher halten.“

Clara: „Damit kann ich leben.“

Figurenwissen-Check: Clara bleibt handlungsfähig und wird nicht als hilfloses Objekt dargestellt. Louis zeigt Mitgefühl, bekommt aber eine Grenze gesetzt. Fifi unterstützt, ohne Clara zu bevormunden. Das ist für die Figuren glaubwürdiger als ein Dialog, in dem Louis allein den gewalttätigen Partner „besiegt“.

Entscheidungspunkt: Hilfe annehmen bedeutet nicht, die eigene Entscheidungsmacht abzugeben. Genau diese Unterscheidung ist für den Konflikt wichtig.


Louis und Floriane: Das heimliche Üben zu Hause

Handlungskontext: Louis übt Frisuren auch außerhalb des Salons und nutzt dafür Puppen seiner Schwester. Seine Begeisterung ist inzwischen deutlich größer als zu Beginn.

Konfliktkern: Louis möchte üben, aber seine neue Begeisterung vor dem Vater verbergen. Floriane möchte ihn unterstützen.

Möglicher Dialog:

Floriane: „Die da sieht jetzt besser aus als vorher.“

Louis: „Die eine Seite ist schief.“

Floriane: „Papa merkt das bei der Puppe bestimmt nicht.“

Louis: „Papa soll gar nichts merken.“

Floriane: „Warum sagst du ihm nicht, dass du gut bist?“

Louis: „Weil gut für ihn nicht reicht, wenn es das falsche Gut ist.“

Floriane: „Das ist doof.“

Louis: „Ja.“

Floriane: „Du darfst trotzdem meine andere Puppe nehmen.“

Louis: „Aber nur, wenn du nicht heulst, falls die Haare kürzer werden.“

Figurenwissen-Check: Floriane bewundert und unterstützt ihren Bruder. Ihre einfache, direkte Sicht steht im Gegensatz zu Louis’ Angst vor dem Vater. Louis kann jetzt erstmals formulieren, dass Anerkennung in seiner Familie an bestimmte Erwartungen gebunden ist.

Entscheidungspunkt: Geheimhalten schützt Louis kurzfristig vor Streit, vergrößert aber langfristig den Konflikt.


Louis und seine Mutter: Lügen, Schule und Schutz

Handlungskontext: Louis möchte nach dem Praktikum weiter im Salon sein und entfernt sich immer stärker von der Schule. Seine Ausreden und Lügen können nicht dauerhaft funktionieren.

Konfliktkern: Madame Feyrières möchte Louis schützen und gleichzeitig einen großen Streit mit ihrem Mann vermeiden. Louis will den Salon nicht aufgeben.

Möglicher Dialog:

Madame Feyrières: „Du kannst nicht einfach so tun, als gäbe es die Schule nicht.“

Louis: „Im Salon lerne ich mehr.“

Madame Feyrières: „Vielleicht lernst du dort viel. Aber das macht die Briefe der Schule nicht weg.“

Louis: „Wenn Papa die sieht, ist alles vorbei.“

Madame Feyrières: „Und wenn wir weiter verheimlichen, wird es schlimmer.“

Louis: „Dann sag ihm nichts.“

Madame Feyrières: „Du verlangst von mir, mich zwischen dir und deinem Vater zu entscheiden.“

Louis: „Er entscheidet doch sonst auch alles.“

Madame Feyrières: „Genau deshalb müssen wir irgendwann anders mit ihm reden.“

Louis: „Irgendwann ist zu spät.“

Figurenwissen-Check: Die Mutter steht zwischen Schutz, Angst und wachsendem Widerspruch. Sie spricht vorsichtiger als Louis. Louis denkt inzwischen stärker vom Salon aus, handelt aber noch nicht immer verantwortlich. Deshalb passt der Streit um die Schulpflicht zu seiner Entwicklung.

Entscheidungspunkt: Der Dialog zeigt ein Dilemma: Wahrheit kann einen gefährlichen Konflikt auslösen, Lügen machen die Lage aber ebenfalls riskanter.


Louis, Fifi und der Schuldirektor: Schule oder Ausbildung?

Handlungskontext: Louis’ Schulschwänzen ist aufgefallen. Fifi setzt sich für ihn ein. Jetzt treffen zwei berechtigte Anliegen aufeinander: Schulpflicht und ernsthafte Berufsorientierung.

Konfliktkern: Louis möchte sofort in die Arbeitswelt. Die Schule darf sein Fehlen nicht einfach akzeptieren. Fifi möchte zeigen, dass Louis’ Berufswunsch mehr als eine Laune ist.

Möglicher Dialog:

Direktor: „Louis, Sie wissen, dass Sie nicht selbst entscheiden können, ob Unterricht stattfindet.“

Louis: „Ja.“

Direktor: „Warum sind Sie trotzdem weggeblieben?“

Louis: „Weil ich dort zum ersten Mal weiß, wofür ich morgens aufstehe.“

Direktor: „Das ist eine Erklärung. Noch keine Entschuldigung.“

Fifi: „Er hat Mist gebaut. Aber er arbeitet im Salon ernsthaft.“

Direktor: „Dann müsste er eigentlich gelernt haben, dass Zuverlässigkeit wichtig ist.“

Louis: „Hab ich.“

Direktor: „Dann beweisen Sie es auch in der Schule.“

Fifi: „Und wenn er das schafft, reden wir über einen vernünftigen Weg in die Ausbildung?“

Direktor: „Über einen legalen und realistischen Weg können wir reden.“

Louis: „Dann mach ich das.“

Figurenwissen-Check: Der Direktor wäre unglaubwürdig, wenn er Schulschwänzen einfach gutheißen würde. Fifi unterstützt Louis, entschuldigt aber nicht automatisch jedes Verhalten. Louis muss lernen, dass Selbstbestimmung und Verantwortung zusammengehören.

Entscheidungspunkt: Ein Berufswunsch wird glaubwürdiger, wenn Louis bereit ist, dafür auch unangenehme Pflichten zu erfüllen.


Louis und Madame Marielou: Was passiert mit Vertrauen?

Handlungskontext: Madame Marielou erfährt, dass der Vater über wichtige Absprachen nicht informiert wurde und dass Louis sowie andere Familienmitglieder Dinge verheimlicht haben.

Konfliktkern: Louis braucht Marielous Unterstützung. Marielou fühlt sich jedoch in ein Familiengeheimnis hineingezogen.

Möglicher Dialog:

Madame Marielou: „Sie hätten mir sagen müssen, dass Ihr Vater von alldem nichts weiß.“

Louis: „Dann hätten Sie mich nicht genommen.“

Madame Marielou: „Das konnten Sie nicht wissen.“

Louis: „Ich hatte Angst, dass alles aufhört.“

Madame Marielou: „Angst macht eine Lüge verständlicher. Richtig macht sie sie nicht.“

Louis: „Soll ich nicht mehr kommen?“

Madame Marielou: „Darüber entscheide ich nicht in fünf Sekunden.“

Louis: „Ich will hier wirklich lernen.“

Madame Marielou: „Dann lernen Sie jetzt etwas Schwierigeres als Haare schneiden.“

Louis: „Was?“

Madame Marielou: „Dass Vertrauen Arbeit ist.“

Figurenwissen-Check: Madame Marielou hat Gründe, sich getäuscht zu fühlen. Gleichzeitig ist Louis ihr bereits wichtig geworden. Ein sofortiges Verzeihen wäre zu einfach; ein sofortiger endgültiger Rauswurf würde ihre gewachsene Beziehung zu Louis ignorieren.

Entscheidungspunkt: Louis muss lernen, dass ein gutes Ziel nicht jedes Mittel rechtfertigt.


Louis und sein Vater: Der Konflikt erreicht die Straße

Handlungskontext: Der Vater hat erkannt, wie eng Louis mit dem Salon verbunden ist und dass Louis seinen Berufswunsch ernst meint. Im Roman eskaliert der Vater-Sohn-Konflikt später körperlich. Der folgende Dialog ist eine mögliche, neu geschriebene Zuspitzung vor einer solchen Eskalation.

Konfliktkern: Der Vater deutet den Salon als Scheitern. Louis erlebt ihn als ersten Ort echter Anerkennung.

Möglicher Dialog:

Monsieur Feyrières: „Du verbringst deine Zeit dort, obwohl du genau weißt, was ich davon halte.“

Louis: „Ja.“

Monsieur Feyrières: „Mehr fällt dir nicht ein?“

Louis: „Doch. Aber du hörst sowieso nur das, was du hören willst.“

Monsieur Feyrières: „Ich will verhindern, dass du deine Zukunft wegwirfst.“

Louis: „Meine Zukunft. Nicht deine.“

Monsieur Feyrières: „Du bist vierzehn.“

Louis: „Alt genug, um zu merken, wo ich etwas kann.“

Monsieur Feyrières: „In diesem Laden redet man dir das nur ein.“

Louis: „Nein. Da zeigen sie mir, was ich falsch mache. Und lassen mich trotzdem weiterlernen.“

Monsieur Feyrières: „Du wirst dich später dafür schämen.“

Louis: „Im Moment schäme ich mich eher dafür, dass ich dir nie sagen kann, was ich will.“

Figurenwissen-Check: Louis spricht jetzt klarer als am Romananfang, weil sein Selbstvertrauen gewachsen ist. Der Vater bleibt statusorientiert und kontrollierend. Trotzdem sollte Louis nicht plötzlich völlig gelassen sein: Die Beziehung zum Vater ist von Angst und Druck geprägt.

Entscheidungspunkt: Ein Dialog kann zeigen, wie Sprache eine Eskalation bremsen könnte. Er darf aber nicht verschweigen, dass der Roman an dieser Stelle einen sehr schweren familiären Konflikt zeigt.


Louis und sein Vater im Krankenhaus: Eine riskante Operation

Handlungskontext: Nach dem Brand und weiteren Schicksalsschlägen ist Madame Marielou im Krankenhaus. Bei ihr wird eine gefährliche Erkrankung festgestellt. Louis’ Vater verfügt als Chirurg über die medizinische Kompetenz, die für ihre Behandlung entscheidend werden kann.

Konfliktkern: Monsieur Feyrières muss medizinisches Risiko abwägen. Louis denkt emotional an die Frau, die an ihn geglaubt hat.

Möglicher Dialog:

Louis: „Du kannst ihr helfen.“

Monsieur Feyrières: „So einfach ist das nicht.“

Louis: „Für dich ist nie etwas einfach, wenn es mit dem Salon zu tun hat.“

Monsieur Feyrières: „Ich rede von einer Operation. Nicht von Frisuren.“

Louis: „Dann rede als Arzt mit mir.“

Monsieur Feyrières: „Es gibt ein ernstes Risiko.“

Louis: „Und ohne Operation?“

Monsieur Feyrières: „Auch ein Risiko.“

Louis: „Dann soll sie wenigstens wirklich wählen können.“

Monsieur Feyrières: „Die Entscheidung liegt bei ihr.“

Louis: „Aber sie braucht einen Arzt, der sie nicht vorher aufgibt.“

Monsieur Feyrières: „Du verlangst viel.“

Louis: „Sie hat von mir auch mehr erwartet, als ich mir selbst zugetraut habe.“

Figurenwissen-Check: Louis darf die medizinische Entscheidung nicht selbst treffen. Er kann aber moralischen Druck ausüben, weil Marielou für ihn zu einer wichtigen Bezugsperson geworden ist. Der Vater muss dagegen medizinische Risiken ernst nehmen.

Entscheidungspunkt: Gute Dialoge zeigen manchmal zwei Wahrheiten gleichzeitig: Medizinische Vorsicht ist berechtigt, und trotzdem darf Angst nicht automatisch zur Aufgabe führen.


Louis und Madame Marielou: Wofür lohnt es sich weiterzumachen?

Handlungskontext: Madame Marielou hat nach Brand, Verlusten und der Diagnose wenig Kraft. Louis verbindet seine eigene Zukunft inzwischen fest mit dem Friseurberuf.

Konfliktkern: Marielou zweifelt, ob sie das Risiko einer Operation auf sich nehmen soll. Louis möchte ihr einen Zukunftsgrund zeigen, ohne über ihr Leben zu bestimmen.

Möglicher Dialog:

Madame Marielou: „Der Salon ist weg. Manchmal reicht es.“

Louis: „Für mich nicht.“

Madame Marielou: „Sie sind vierzehn. Für Sie fängt alles erst an.“

Louis: „Dann bringen Sie mir bei, wie es weitergeht.“

Madame Marielou: „Sie brauchen mich nicht für immer.“

Louis: „Nein. Aber ich brauche Sie jetzt.“

Madame Marielou: „Das ist ein unfairer Satz.“

Louis: „Dann ist er trotzdem wahr.“

Madame Marielou: „Und wenn die Operation schiefgeht?“

Louis: „Dann haben Sie entschieden, es zu versuchen. Aber die Entscheidung muss Ihre bleiben.“

Madame Marielou: „Sie werden langsam erwachsen.“

Louis: „Dann sagen Sie mir später, ob das ein Kompliment war.“

Figurenwissen-Check: Louis ist deutlich reifer als zu Beginn. Er kann Wünsche aussprechen und trotzdem anerkennen, dass Marielou selbst entscheidet. Marielou darf erschöpft und skeptisch sein. Ihre Bindung zu Louis macht es plausibel, dass seine Zukunftspläne für sie Bedeutung haben.

Entscheidungspunkt: Louis lernt einen Unterschied, der auch außerhalb des Romans wichtig ist: Jemanden überzeugen wollen ist nicht dasselbe wie für diese Person entscheiden dürfen.


Der Glaubwürdigkeits-Check

Nutze nach jedem eigenen Dialog diese Tabelle.

Prüffrage Grün: passt Gelb: prüfen Rot: ändern
Kennt die Figur diese Information schon? Die Information wurde vorher erlebt oder mitgeteilt. Die Figur könnte sie vermuten. Die Information stammt erst aus einem späteren Kapitel.
Passt das Ziel zur Figur? Das Ziel ergibt sich aus ihrer Situation. Das Ziel ist möglich, aber schwach begründet. Das Ziel widerspricht deutlich ihrer bisherigen Haltung.
Passt die Sprache? Wortwahl und Satzlänge passen zur Figur. Einzelne Stellen wirken zu erwachsen oder zu erklärt. Alle Figuren sprechen gleich.
Passt die Beziehung? Nähe, Angst, Macht oder Vertrauen werden berücksichtigt. Die Beziehung bleibt undeutlich. Eine konfliktreiche Beziehung wirkt plötzlich völlig harmonisch.
Entwickelt sich das Gespräch? Eine Entscheidung, Erkenntnis oder neue Spannung entsteht. Die Figuren wiederholen sich teilweise. Das Gespräch besteht nur aus Informationsabfrage.


Typische Fehler bei erfundenen Roman-Dialogen

Fehler 1: Zukunftswissen. Louis darf am ersten Praktikumstag noch nicht über seinen späteren beruflichen Erfolg sprechen.

Fehler 2: Plötzliche Charakterwechsel. Monsieur Feyrières kann nicht ohne Anlass zum begeisterten Unterstützer des Friseurberufs werden.

Fehler 3: Alle sprechen gleich. Floriane, Fifi, Marielou und Louis brauchen unterschiedliche sprachliche Haltungen.

Fehler 4: Konflikt ohne Grund. Eine Figur sollte nicht nur deshalb aggressiv sein, weil der Dialog „spannend“ wirken soll. Der Streit muss aus Interessen und Beziehungen entstehen.

Fehler 5: Infodumping. Figuren erzählen einander Dinge, die beide längst wissen, nur damit die Lesenden informiert werden. Das wirkt künstlich.

Fehler 6: Louis als allmächtiger Retter. Louis entwickelt Mut, bleibt aber ein Jugendlicher. Besonders bei Gewalt, Medizin und Schulpflicht gibt es Probleme, die Erwachsene und Fachpersonen mittragen müssen.

Fehler 7: Roman und eigener Text werden vermischt. Kennzeichne einen neu erfundenen Dialog als mögliche Ergänzung. Behaupte nicht, er stehe so im Buch.


Entscheidungssituationen für Deine eigene Schreibarbeit

In jeder der folgenden Situationen musst Du zuerst den Zeitpunkt im Roman bestimmen und dann eine Entscheidung treffen. Schreibe anschließend einen Dialog von ungefähr 12 bis 20 Sprechbeiträgen.

Situation Figur A will … Figur B will … Schwierige Entscheidung
Louis nach einem Fehler mit Fifi ernst genommen werden sorgfältiges Lernen sichern aufgeben oder weiterüben
Louis mit Garance Anerkennung annehmen nicht in den Hintergrund geraten provozieren oder offen sprechen
Louis mit seiner Mutter weiter in den Salon ihn schützen und Streit vermeiden Wahrheit sagen oder weiter verheimlichen
Louis mit dem Direktor schnell in den Beruf Schulpflicht sichern Regeln brechen oder einen legalen Weg suchen
Clara mit Fifi Selbstbestimmung behalten Sicherheit ermöglichen Hilfe annehmen, ohne bevormundet zu werden
Louis mit seinem Vater den eigenen Weg vertreten Kontrolle und Statusvorstellungen durchsetzen schweigen oder widersprechen
Louis mit Marielou Vertrauen zurückgewinnen nicht erneut getäuscht werden entschuldigen oder rechtfertigen
Marielou im Krankenhaus mit Louis über das eigene Risiko entscheiden Hoffnung geben Operation wagen oder ablehnen


Satzstarter für das G-Niveau

Wenn Dir der Einstieg schwerfällt, kannst Du mit diesen Satzmustern arbeiten.

Widersprechen: „Das sehe ich anders, weil …“ – „Du denkst nur an …“ – „Für mich bedeutet das aber …“

Unsicherheit zeigen: „Ich weiß nicht, ob …“ – „Vielleicht …“ – „Ich wollte eigentlich nur …“

Eine Grenze setzen: „Darüber möchte ich nicht sprechen.“ – „Das entscheide ich selbst.“ – „So kannst du nicht mit mir reden.“

Eine Entscheidung fordern: „Was willst du jetzt tun?“ – „Willst du wirklich …?“ – „Dann sag mir, was dir wichtiger ist.“

Verantwortung übernehmen: „Das war mein Fehler.“ – „Ich hätte früher …“ – „Ich kann es nicht rückgängig machen, aber …“

Unterstützung anbieten: „Ich kann dir helfen, wenn …“ – „Du musst das nicht allein klären.“ – „Ich höre dir zu.“

Auch dieses Bild ist nur ein Symbolfoto eines Pariser Friseurbetriebs und nicht der fiktive Salon aus dem Roman.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum beginnt Louis sein Praktikum im Salon Marielou? (Weil die Schule ein Praktikum verlangt und der Salon als Möglichkeit vorgeschlagen wird) (!Weil Louis seit seiner Kindheit sicher Friseur werden will) (!Weil sein Vater den Salon für ihn gekauft hat) (!Weil Fifi sein Klassenlehrer ist)




Welchen Beruf hat Louis Vater? (Chirurg) (!Friseur) (!Radiomoderator) (!Bäcker)




Was entdeckt Louis im Salon besonders deutlich? (Er hat Freude und Talent am Friseurhandwerk) (!Er möchte möglichst nie wieder arbeiten) (!Er will unbedingt Chirurg werden) (!Er möchte Ludovics Praktikum übernehmen)




Welche Figur unterstützt Louis fachlich besonders im Salon? (Fifi) (!Ludovic) (!Monsieur Feyrières) (!Der Schuldirektor)




Was muss bei einem erfundenen Romandialog zuerst geklärt werden? (Der genaue Handlungskontext und das Figurenwissen) (!Die spätere Zukunft aller Figuren) (!Eine möglichst große Zahl von Fremdwörtern) (!Ein überraschendes Ende ohne Bezug zum Roman)




Warum wäre ein begeisterter Vater schon am Romananfang unglaubwürdig? (Weil Monsieur Feyrières den Friseurberuf zunächst stark abwertet) (!Weil er den Salon selbst leitet) (!Weil er Louis noch nie gesehen hat) (!Weil er keine Meinung zu Berufen hat)




Was bedeutet Subtext in einem Dialog? (Eine Aussage transportiert zusätzlich eine nicht direkt ausgesprochene Bedeutung) (!Jede Figur sagt genau alles, was sie denkt) (!Der Dialog enthält nur Regieanweisungen) (!Die Figuren wechseln in eine andere Sprache)




Wie sollte Louis am Beginn des Romans eher sprechen? (Eher knapp, unsicher oder ausweichend) (!Wie ein selbstsicherer erwachsener Unternehmer) (!Wie ein allwissender Erzähler) (!Wie sein Vater in jeder Einzelheit)




Was ist bei Claras Konflikt besonders wichtig? (Louis kann Mitgefühl zeigen, aber das Gewaltproblem nicht allein lösen) (!Louis muss allein gegen Claras Partner kämpfen) (!Clara darf niemals selbst entscheiden) (!Der Konflikt ist nur eine lustige Nebenhandlung)




Wann ist ein zusätzlicher Dialog besonders glaubwürdig? (Wenn Wissen, Ziele, Sprache und Beziehung der Figuren zum Zeitpunkt passen) (!Wenn alle Figuren dieselbe Meinung vertreten) (!Wenn möglichst viele spätere Ereignisse vorweggenommen werden) (!Wenn der Handlungskontext keine Rolle spielt)





Memory

Louis Selbstbestimmung
Fifi Unterstützung
Marielou Salonleitung
Garance Auszubildende
Clara Beziehungskonflikt
Monsieur Feyrières Leistungsdruck
Floriane Geschwisterhalt
Ludovic Anpassung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
wortkarg und zunehmend selbstbewusst Louis
streng und statusorientiert Monsieur Feyrières
fachlich stark und unterstützend Fifi
zunächst distanziert und verantwortungsfordernd Madame Marielou
impulsiv und wenig begeistert von der Ausbildung Garance
schutzsuchend und zugleich selbstbestimmt Clara






Kreuzworträtsel

Louis Wie heißt der vierzehnjährige Protagonist?
Fifi Welcher Friseur unterstützt Louis fachlich besonders?
Garance Wie heißt die junge Auszubildende im Salon?
Marielou Wie heißt die Besitzerin des Salons?
Chirurg Welchen Beruf hat Louis Vater?
Praktikum Welche schulische Aufgabe führt Louis in den Salon?





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Lückentext

Vervollständige den Text.
Louis ist zu Beginn des Romans vierzehn Jahre alt und muss ein schulisches

absolvieren.
Sein Vater arbeitet als

.
Im Salon entdeckt Louis sein Interesse am

.
Ein wichtiger Unterstützer für Louis ist der Friseur

.
Die Besitzerin des Salons heißt Madame

.
Die junge Auszubildende im Salon heißt

.
Clara befindet sich in einer Beziehung, die von

geprägt ist.
Ein glaubwürdiger Dialog muss zum aktuellen

passen.
Eine Figur darf nur Informationen verwenden, die zu ihrem damaligen

gehören.
Louis entwickelt im Verlauf der Handlung immer mehr

.
Sein zentraler Familienkonflikt besteht vor allem mit seinem

.
Ein guter Dialog führt zu einer neuen Spannung, Erkenntnis oder

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurenstimme Louis: Schreibe acht Sprechbeiträge zwischen Louis und Floriane. Louis übt heimlich eine Frisur. Floriane möchte wissen, warum er seine Begeisterung vor dem Vater versteckt.
  2. Konfliktkarte: Wähle Louis und Monsieur Feyrières. Schreibe für beide je drei kurze Sätze: „Ich will …“, „Ich fürchte …“, „Ich weiß bereits …“. Forme daraus anschließend einen Mini-Dialog.
  3. Dialogfehler finden: Erfinde absichtlich drei unpassende Aussagen einer Romanfigur und verbessere sie danach mit einem kurzen Figurenwissen-Check.
  4. Sprechverben: Schreibe einen kurzen Dialog zwischen Louis und Fifi. Verwende dabei mindestens fünf passende Sprechverben, ohne die Figuren übertrieben wirken zu lassen.


Standard

  1. Praktikumskonflikt: Schreibe einen Dialog zwischen Louis und Ludovic kurz vor Beginn der Praktikumswoche. Zeige Gruppendruck, Unsicherheit und eine kleine Entscheidung.
  2. Vertrauen im Salon: Entwickle ein Gespräch zwischen Louis und Madame Marielou, nachdem eine Lüge aufgefallen ist. Louis soll sich erklären, ohne dass Marielou sofort alles verzeiht.
  3. Schule oder Beruf: Schreibe eine Szene mit Louis, Fifi und dem Schuldirektor. Finde einen Kompromiss, der Louis’ Berufswunsch ernst nimmt und die Schulpflicht nicht ignoriert.
  4. Comicdialog: Gestalte eine Comicseite mit sechs bis acht Bildern zu einer Konfliktsituation im Salon. Verwende Sprech- und Denkblasen und markiere danach zwei Stellen, an denen Subtext entsteht.


Schwer

  1. Vater-Sohn-Konflikt: Schreibe zwei Versionen derselben Auseinandersetzung zwischen Louis und seinem Vater. Version A eskaliert sprachlich, Version B wird durch eine bewusste Gesprächsstrategie entschärft. Begründe, welche Version näher am Roman liegt.
  2. Claras Entscheidung: Entwickle einen sensiblen Dialog zwischen Clara und einer erwachsenen Vertrauensperson aus dem Salon. Zeige, wie Hilfe angeboten werden kann, ohne Clara die Entscheidung aus der Hand zu nehmen.
  3. Krankenhausentscheidung: Schreibe einen Dialog zwischen Louis, Monsieur Feyrières und Madame Marielou zur riskanten Operation. Jede Figur braucht ein eigenes Ziel und eine nachvollziehbare Begründung.
  4. Figurenwissen-Regie: Drehe in einer Gruppe ein kurzes Video zu einer selbst geschriebenen Szene. Stoppt nach jeder dritten Äußerung und blendet ein, welches Figurenwissen die Aussage erlaubt. Markiert mindestens eine Stelle, die Ihr beim Proben verändert habt, weil sie nicht zum Handlungskontext passte.




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Lernkontrolle

  1. Dialoganalyse: Du erhältst einen neu erfundenen Dialog zwischen Louis und seinem Vater. Untersuche nicht nur den Inhalt, sondern erkläre an drei Stellen, ob Wortwahl, Machtverhältnis und Wissensstand zu beiden Figuren passen.
  2. Transfer Selbstbestimmung: Vergleiche Louis’ Berufskonflikt mit einer heutigen Situation, in der Jugendliche zwischen Familienerwartungen und eigenem Berufswunsch stehen. Zeige zwei Gemeinsamkeiten und einen wichtigen Unterschied.
  3. Konfliktlösung: Entwickle für eine Auseinandersetzung zwischen Louis und Madame Marielou zwei mögliche Gesprächsverläufe. Begründe, welcher Verlauf die bestehende Beziehung der Figuren besser berücksichtigt.
  4. Perspektivwechsel: Schreibe denselben Konflikt zuerst als Dialog aus der Nähe zu Louis und anschließend aus der Nähe zu seinem Vater. Erkläre, wie sich die Wirkung verändert, obwohl die Fakten gleich bleiben.
  5. Verantwortung: Beurteile die Aussage: „Weil Louis endlich seinen Traumberuf gefunden hat, sind seine Lügen gegenüber Schule und Familie gerechtfertigt.“ Begründe Deine Position mit mindestens zwei Zusammenhängen aus der Handlung.
  6. Figurenentwicklung: Zeige an einem frühen und einem späten möglichen Dialog, wie sich Louis’ Sprache verändert. Erkläre anschließend, welche Erfahrungen diese Veränderung ausgelöst haben.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Du kannst die wichtigsten Figuren Louis, Monsieur Feyrières, Madame Feyrières, Floriane, Madame Marielou, Fifi, Garance, Clara und Ludovic in ihrer Funktion für Louis’ Entwicklung einordnen.
  2. Du kannst einen Dialog zeitlich im Roman verorten.
  3. Du kannst erklären, was die beteiligten Figuren zu diesem Zeitpunkt wissen und noch nicht wissen können.
  4. Du kannst für jede Figur ein Gesprächsziel formulieren.
  5. Du kannst einen Konflikt in mehreren Schritten entwickeln, statt nur Meinungen zu wiederholen.
  6. Du kannst direkte Rede, passende Sprechverben, Pausen und Subtext sinnvoll einsetzen.
  7. Du kannst begründen, warum eine Aussage zu einer Figur passt oder nicht passt.
  8. Du kannst zwischen einer neu erfundenen Ergänzung und einem tatsächlichen Ereignis des Romans unterscheiden.
  9. Du kannst Louis’ Entwicklung von Unsicherheit und Gleichgültigkeit hin zu größerer Eigenverantwortung und Selbstbestimmung erklären.
  10. Du kannst bei sensiblen Themen wie Gewalt oder medizinischen Entscheidungen zeigen, wo die Handlungsmacht einer jugendlichen Figur begrenzt ist.




OERs zum Thema

Weitere freie Lernwege findest Du über Direkte Rede, Dialog, Figurencharakterisierung, Jugendroman, Berufsorientierung, Selbstbestimmung und Konflikt.



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