D7 E - Einen eigenen literarischen Text bewusst gestalten

D7 E - Einen eigenen literarischen Text bewusst gestalten
D7 E - Einen eigenen literarischen Text bewusst gestalten
Mini-Beschreibung: Du schreibst einen kurzen literarischen Text und gestaltest seine Wirkung bewusst. Du entscheidest über Perspektive, Wortwahl, Satzrhythmus, Dialog und sprachliche Bilder. Bilder, Klänge, Musik und Videos liefern Schreibimpulse. Am Ende begründest Du, warum Deine sprachlichen Entscheidungen zu Deiner gewünschten Wirkung passen.
Zielgruppe: Deutsch, Klasse 7, E-Niveau, Baden-Württemberg.

Schreibwerkstatt in einem Satz: Nicht möglichst „schön“ schreiben, sondern gezielt schreiben: Form und Wirkung sollen zusammenpassen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Erzählperspektiven erkennen, vergleichen und bewusst auswählen.
- Wortwahl auf ihre Wirkung untersuchen und treffende Verben, Nomen und Adjektive einsetzen.
- Satzlänge und Satzrhythmus gezielt verändern.
- Dialoge so schreiben, dass Beziehung, Konflikt oder Spannung sichtbar werden.
- Vergleich, Metapher und Personifikation funktional einsetzen.
- einen eigenen literarischen Text planen, schreiben, überarbeiten und seine Wirkung mit Textbelegen begründen.
- KI-Unterstützung so nutzen, dass Dein eigenes Denken, Prüfen und Überarbeiten sichtbar bleibt.
Bildungsplanbezug Baden-Württemberg
Der Kurs orientiert sich am Bildungsplan Deutsch für die Sekundarstufe I, Klassen 7/8/9. Im Bereich Schreiben werden planvolles, ziel- und adressatenbezogenes Schreiben, kreative und produktiv gestaltende Schreibformen sowie die kriteriengestützte Überarbeitung eigener und fremder Texte betont. Im Bereich Literarische Texte werden Fachbegriffe, der Zusammenhang von Inhalt und Form, sprachliche Gestaltung, Mehrdeutigkeit sowie analytische und produktionsorientierte Verfahren aufgegriffen.
E-Niveau im Kurs: Du analysierst nicht nur ein Gestaltungsmittel, sondern begründest seine Funktion, vergleichst Alternativen, prüfst Mehrdeutigkeit und triffst eigenständige Gestaltungsentscheidungen.
Lernweg auf einen Blick
Impuls → Wirkungsidee → Perspektive → Wortwahl → Satzrhythmus → Dialog und Bildsprache → Entwurf → Feedback → Überarbeitung → Wirkungsreflexion
Einstieg: Der Raum nach dem Klingeln

Bildimpuls: Stell Dir vor, Du betrittst diesen Raum zehn Minuten nach Unterrichtsschluss. Auf einem Tisch liegt etwas, das dort nicht liegen sollte.
Klangimpuls: Höre kurz den Regen. Schließe dabei für einige Sekunden die Augen.
90-Sekunden-Schreiben: Schreibe ohne abzusetzen. Beginne mit: „Als ich die Tür öffnete, …“
Danach markieren: Unterstreiche ein Wort, das Stimmung erzeugt, kreise Deinen stärksten Satz ein und notiere am Rand: Welche Wirkung wollte ich?
Vorwissen aktivieren: Zwei Versionen, eine Szene
Text A – Eigenmaterial
„Mara ging über den Flur. Es regnete. Ihr Handy vibrierte. Sie schaute zur Tür.“
Text B – Eigenmaterial
„Mara schlich über den leeren Flur. Regen trommelte gegen die Scheiben. Das Handy zuckte in ihrer Hand. Die Tür am Ende des Gangs schien auf sie zu warten.“
- Markieren: Markiere in Text B drei Wörter oder Formulierungen, die stärker wirken als in Text A.
- Vergleichen: Entscheide, welcher Text eher Spannung erzeugt, und belege Deine Entscheidung mit zwei Textstellen.
- Kommentieren: Was könnte die wartende Tür bedeuten? Formuliere zwei plausible Deutungen.
Merkkasten: Eine Wirkung entsteht selten durch nur ein Stilmittel. Meist wirken Auswahl, Perspektive, Wortbedeutung, Rhythmus und Bildsprache zusammen.
Werkzeugkasten für literarisches Schreiben
Perspektive: Wer sieht – und wer weiß was?

| Perspektive | Typisches Merkmal | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Ich-Erzähler | Eine Figur erzählt mit „ich“. | große Nähe, subjektiver Blick, begrenztes Wissen |
| Personaler Erzähler | Er- oder Sie-Form, aber die Wahrnehmung folgt vor allem einer Figur. | Nähe zur Figur, zugleich etwas mehr Abstand |
| Auktorialer Erzähler | Überblick, Kommentare oder Wissen über mehrere Figuren und Zusammenhänge. | Übersicht, Distanz, Vorausdeutung oder Einordnung |
Wichtig: Die grammatische Form allein entscheidet nicht alles. Frage immer: Wessen Wahrnehmung, Wissen und Bewertung bestimmen die Szene? Literarische Texte können Perspektiven außerdem mischen oder wechseln.
Mini-Versuch
Ausgangssatz: „Die Tür öffnete sich.“
Ich-nah: „Ich hörte erst das Klicken. Dann bewegte sich die Klinke.“
Personal: „Nika hörte das Klicken. Ihre Finger wurden kalt.“
Überschauend: „Nika ahnte nicht, dass hinter der Tür längst jemand wartete.“
Aufgabe: Schreibe denselben Moment in zwei Perspektiven. Begründe anschließend in zwei Sätzen, welche Version mehr Nähe oder Spannung erzeugt.
Videoauftrag: Notiere nach dem Video zu jeder Perspektive ein Schlüsselwort. Prüfe danach an Deinem eigenen Text, ob Perspektive und Wissensstand konsequent zusammenpassen.
Wortwahl: Präzise Wörter tragen Stimmung
| neutrales Wort | mögliche Alternative | mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| gehen | schleichen | vorsichtig, heimlich |
| gehen | stürmen | schnell, heftig |
| sagen | flüstern | leise, vertraulich oder ängstlich |
| sehen | mustern | prüfend, kritisch |
| Geräusch | Knacken | konkret und sinnlich |
Merkkasten – Konnotation: Wörter haben neben ihrer Grundbedeutung oft Nebenbedeutungen und Wertungen. „Haus“, „Hütte“ und „Villa“ bezeichnen Gebäude, erzeugen aber unterschiedliche Vorstellungen.
E-Niveau-Auftrag: Ersetze in einem eigenen Absatz drei allgemeine Verben durch präzisere Verben. Begründe bei jedem Austausch die gewünschte Wirkung. Ein schwieriges Wort prüfst Du in einem Wörterbuch.
Satzrhythmus: Tempo hörbar machen

Version 1: „Er wartete. Nichts. Ein Schritt. Noch einer.“
Version 2: „Während er wartete und versuchte, jedes Geräusch auseinanderzuhalten, schob sich ein langsamer Schritt durch den langen Flur.“
| Gestaltung | Häufige Wirkung | Achtung |
|---|---|---|
| kurze Hauptsätze | Tempo, Härte, Spannung, Klarheit | Zu viele wirken abgehackt. |
| längere Satzgefüge | Verlangsamung, Beobachtung, Nachdenken | Zu viele können schwer lesbar werden. |
| bewusster Wechsel | Rhythmus, Akzent, Überraschung | Wirkung immer am konkreten Text prüfen. |
Merkkasten: „Kurze Sätze = spannend“ ist keine feste Regel. Entscheidend ist der Kontext. Ein einzelner langer Satz kann ebenfalls Spannung aufbauen, wenn Informationen hinausgezögert werden.
Rhythmusprobe: Lies Deinen Absatz laut. Setze mit einem Stift Striche dort, wo Du beim Vorlesen automatisch pausierst. Überarbeite eine Stelle, deren Tempo nicht zu Deiner Wirkungsabsicht passt.
Dialog: Figuren zeigen sich beim Sprechen

Schwacher Informationsdialog
„Du bist meine Schwester und wir gehen seit drei Jahren auf diese Schule“, sagte Ava.
Funktionaler Dialog
„Du hast es also gewusst?“, fragte Ava.
„Nicht alles.“
„Das sagst du jedes Mal.“
Warum wirkt die zweite Version literarischer? Beziehung und Konflikt werden nicht erklärt, sondern aus den Äußerungen erschließbar.
Zeichensetzung kurz
„Kommst du?“, fragte Sam.
Sam fragte: „Kommst du?“
„Später“, sagte Lio, „vielleicht.“
Videoauftrag: Formuliere nach dem Video zwei eigene Dialogsätze mit unterschiedlicher Stellung des Begleitsatzes. Prüfe Anführungszeichen, Komma und Satzzeichen.
Sprachliche Bilder: Nicht schmücken, sondern lenken
| Mittel | Eigenes Beispiel | mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Vergleich | „Der Regen klang wie eine Handvoll Kies.“ | macht eine Wahrnehmung anschaulich |
| Metapher | „Ein Knoten saß in ihrem Hals.“ | verdichtet Gefühl in einem Bild |
| Personifikation | „Der Flur schluckte das Echo.“ | belebt die Umgebung und verstärkt Atmosphäre |
Prüffrage: Passt das Bild zur Figur, Situation und Stimmung? Wenn nicht, streiche oder ersetze es.
Analyseauftrag: Wähle aus dem Video zwei sprachliche Mittel aus. Erfinde zu jedem ein eigenes Beispiel und erläutere die Wirkung in genau einem präzisen Satz.
Medienlabor: Sehen, hören, vergleichen, schreiben
Bildimpuls: Weg mit Entscheidung

- Markieren: Notiere fünf sichtbare Details, ohne sie zu deuten.
- Deuten: Wähle zwei Details und formuliere je eine mögliche symbolische Bedeutung.
- Vergleichen: Schreibe vier Sätze aus der Sicht einer mutigen und vier aus der Sicht einer unsicheren Figur.
- Belegen: Markiere in beiden Fassungen die Wörter, die Deine unterschiedliche Wirkung erzeugen.
Klangimpuls: Regen und Gewitter
Hörauftrag: Notiere beim ersten Hören nur Nomen, beim zweiten Hören nur Verben. Baue danach drei dieser Wörter in einen Absatz ein, ohne das Wort „Angst“ zu verwenden.
E-Niveau-Reflexion: Erkläre anschließend, wie Geräuschwörter und Satzrhythmus die Atmosphäre beeinflussen.
Musikimpuls: Schreiben im Takt
Musikexperiment: Schreibe 60 Sekunden zur Musik. Beim zweiten Durchgang schreibst Du dieselbe Szene ohne Musik. Vergleiche Satzlängen, Wortfelder und Tempo. Entscheide, welche Unterschiede wahrscheinlich durch den akustischen Impuls entstanden sind und welche nicht sicher zu erklären sind.
Medienvergleich
- Vergleichen: Wähle Bild, Klang oder Musik als stärksten Schreibimpuls für Dich.
- Begründen: Begründe Deine Wahl mit zwei konkreten Beobachtungen.
- Recherchieren: Suche auf Wikimedia Commons ein weiteres offen lizenziertes Bild oder Audio für dieselbe Szene.
- Belegen: Notiere Dateiname, Urheberangabe und Lizenz von der Dateibeschreibungsseite.
- Gestalten: Schreibe anschließend 80 bis 120 Wörter und kennzeichne, welches Medium Dein Ausgangsimpuls war.
Modelltext untersuchen
Eigenmaterial – „Die Nachricht“
„Lina blieb unter der flackernden Lampe stehen. Regen nagelte helle Punkte ans Fenster. Ihr Handy vibrierte. Keine neue Nachricht. Nur der schwarze Bildschirm. „Du kommst doch?“, hatte Noor vor zehn Minuten geschrieben. Lina tippte: „Bin gleich da.“ Sie sah die Wörter an und löschte sie wieder. Hinter der Sporthalle knallte etwas. Kurz. Hart. Zu nah. Der Flur hielt den Atem an. Lina steckte das Handy ein und ging trotzdem weiter.“
Arbeitsauftrag
- Perspektive: Bestimme die Perspektive und belege sie.
- Wortwahl: Markiere zwei Wörter mit starker Wirkung und erkläre ihre Funktion.
- Rhythmus: Untersuche „Kurz. Hart. Zu nah.“ im Zusammenhang.
- Dialog: Erkläre, was die Nachricht über Linas Situation verrät, ohne dass es direkt gesagt wird.
- Bildsprache: Untersuche „Der Flur hielt den Atem an.“
- Mehrdeutigkeit: Formuliere zwei plausible Vermutungen darüber, warum Lina die Nachricht löscht. Belege beide nur mit dem Text.
Musterlösung zum Modelltext
Mögliche Lösung – nicht die einzig denkbare Deutung: Der Text ist überwiegend personal erzählt, weil Wahrnehmung und Unsicherheit eng an Lina gebunden sind. „nagelte“ verstärkt die Härte des Regens, „knallte“ macht das Geräusch plötzlich und unbestimmt. Die drei sehr kurzen Einheiten „Kurz. Hart. Zu nah.“ verdichten Wahrnehmung und steigern das Tempo. Die Nachricht zeigt, dass Lina erwartet wird; das Löschen ihrer Antwort erzeugt Unsicherheit über ihre Entscheidung. „Der Flur hielt den Atem an“ personifiziert den Raum und überträgt die Spannung auf die Umgebung. Warum Lina löscht, bleibt offen: Sie könnte Angst haben, zögern oder bewusst niemanden informieren wollen. Eine gute Deutung muss am Text belegbar bleiben.
Dein Schreibauftrag
Schreibe einen literarischen Kurztext mit etwa 250 bis 350 Wörtern.
Wähle einen Impuls: leeres Klassenzimmer, Waldweg, Regen, Gewitter, Musik oder ein selbst recherchiertes offen lizenziertes Medium.
Dein Text soll:
- eine bewusst gewählte und weitgehend konsequente Perspektive haben.
- mindestens drei auffällige, aber passende Entscheidungen der Wortwahl enthalten.
- Satzlängen gezielt variieren.
- einen kurzen Dialog enthalten, der Beziehung oder Konflikt zeigt.
- mindestens ein funktionales sprachliches Bild enthalten.
- eine Stelle bewusst mehrdeutig lassen.
- anschließend mit einer kurzen Wirkungsreflexion von 80 bis 120 Wörtern erklärt werden.
Wirkungsziel vor dem Schreiben: Ergänze zuerst den Satz: „Meine Lesenden sollen an der entscheidenden Stelle vor allem ______ empfinden oder denken.“
Schreibplan als Visualisierung
| Entscheidung | Meine Notiz |
|---|---|
| Figur und Situation | Wer ist wo und was steht auf dem Spiel? |
| Wirkungsziel | Spannung, Nähe, Unruhe, Wärme, Irritation oder anderes? |
| Perspektive | Wer nimmt wahr? Was weiß die Figur nicht? |
| Wortfeld | Welche Wörter passen zur Atmosphäre? |
| Rhythmus | Wo beschleunige, wo verlangsame ich? |
| Dialog | Was wird gesagt und was bleibt unausgesprochen? |
| Bildsprache | Welches Bild trägt wirklich zur Wirkung bei? |
| offener Punkt | Welche Frage darf am Ende noch offen sein? |
KI-Spirale: Du bleibst Autorin oder Autor
Grundregel: KI kann ein Werkzeug sein. Die zentrale Idee, Auswahl, Prüfung und Endfassung bleiben Deine Verantwortung.
- Selbst denken: Formuliere Wirkungsziel, Figur, Konflikt und Perspektive ohne KI.
- Eigene Lösung beginnen: Schreibe mindestens den Anfang oder einen Kernabsatz selbst.
- Gezielt fragen: Frage nicht „Schreib mir die Geschichte“, sondern zum Beispiel: „Nenne fünf präzisere Verben für gehen, die Unsicherheit ausdrücken.“
- Prüfen: Vergleiche Vorschläge mit Deinem Originaltext, der gelernten Regel, einem Wörterbuch oder einer verlässlichen Quelle.
- Fehler und Unsicherheiten erkennen: Prüfe unpassende Bedeutungen, Perspektivfehler, Klischees, erfundene Fakten und Stilbrüche.
- Eigene Lösung verbessern: Entscheide selbst, was Du veränderst, verwirfst oder neu formulierst.
- Unterstützung transparent machen: Notiere kurz, wofür Du KI genutzt hast und was Du selbst verändert oder geprüft hast.
Beispiel für Transparenz: „KI genutzt für Wortalternativen zu zwei Verben. Keine ganzen Sätze übernommen. Bedeutungen im Wörterbuch geprüft und drei Vorschläge verworfen.“
Datenschutz: Verwende in KI-Anfragen keine unnötigen personenbezogenen Daten. Für literarische Übungen reichen erfundene Namen und Situationen.
Überarbeiten statt nur korrigieren
Die 5-Pässe-Methode
- Perspektiv-Pass: Prüfe Pronomen, Wissen und Wahrnehmung. Gibt es ungewollte Perspektivsprünge?
- Wort-Pass: Streiche leere Verstärker und ersetze allgemeine Verben nur dort, wo Präzision hilft.
- Rhythmus-Pass: Lies laut. Markiere monotone Satzfolgen und verändere mindestens zwei Stellen.
- Dialog-Pass: Streiche Erklärungen, die Figuren natürlicherweise nicht sagen würden.
- Bild-Pass: Prüfe jedes sprachliche Bild: passend, verständlich, notwendig?
Danach: Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung separat kontrollieren.
Differenzierte Hilfen
| Hilfestufe | Unterstützung |
|---|---|
| Hilfe 1 – Start | Satzstarter: „Ich bemerkte zuerst …“ / „Plötzlich …“ / „„Warte“, sagte …“ / „Der Raum wirkte wie …“ |
| Hilfe 2 – Auswahl | Entscheide für jede Szene nur eine Hauptwirkung und markiere Wörter, die dazu passen. |
| Hilfe 3 – Überarbeitung | Nimm einen schwachen Absatz. Ändere nur Perspektive, dann nur Verben, dann nur Satzrhythmus. Vergleiche jede Version. |
| E-Plus | Erzeuge bewusst eine Mehrdeutigkeit, bei der zwei Deutungen durch unterschiedliche Textbelege gestützt werden können. |
Peer-Feedback mit Belegen
Regel: Feedback nennt zuerst eine Wirkung und dann den sprachlichen Beleg.
Gutes Feedback: „Die Stelle wirkt hektisch, weil die drei kurzen Sätze das Tempo erhöhen.“
Zu ungenau: „Das ist spannend.“
| Prüffrage | Feedbacksatz |
|---|---|
| Perspektive | „Ich erkenne die Perspektive an …“ |
| Wortwahl | „Das Wort … wirkt auf mich …, weil …“ |
| Rhythmus | „Der Wechsel von … zu … bewirkt …“ |
| Dialog | „Zwischen den Figuren wird sichtbar, dass …“ |
| Bildsprache | „Das Bild … passt / passt weniger, weil …“ |
| Mehrdeutigkeit | „Ich kann die Stelle so deuten …; dafür spricht …“ |
Selbstkontrolle vor der Abgabe
| Ich kann … | sicher | teilweise | noch überarbeiten |
|---|---|---|---|
| meine Perspektive benennen und belegen. | □ | □ | □ |
| drei sprachliche Entscheidungen mit ihrer Wirkung erklären. | □ | □ | □ |
| Satzrhythmus an mindestens zwei Stellen begründet einsetzen. | □ | □ | □ |
| Dialog und Bildsprache funktional statt nur dekorativ nutzen. | □ | □ | □ |
| eine Mehrdeutigkeit am Text begründen. | □ | □ | □ |
| Quellen und KI-Unterstützung transparent angeben. | □ | □ | □ |
Wiederholung, Transfer und Reflexion
3-Minuten-Wiederholung
Ohne nachzuschauen: Schreibe die fünf Gestaltungsbereiche Perspektive – Wortwahl – Satzrhythmus – Dialog – Bildsprache auf und notiere zu jedem einen Wirkungsbegriff. Prüfe anschließend mit dem Werkzeugkasten.
Transfer: Gleiche Handlung, andere Wirkung
Nimm fünf bis sieben Sätze aus Deinem Text. Verändere das Wirkungsziel deutlich, zum Beispiel von bedrohlich zu komisch oder von hektisch zu ruhig. Du darfst die Handlung nicht ändern. Verändere nur sprachliche Gestaltung. Markiere anschließend, welche Mittel den größten Unterschied erzeugt haben.
Kompetenzcheck
| Aussage | sicher | teilweise | noch üben |
|---|---|---|---|
| Ich kann eine Erzählperspektive nicht nur benennen, sondern ihre Wirkung am Text erklären. | □ | □ | □ |
| Ich kann zwischen bloßer Behauptung und begründeter Wirkungsaussage unterscheiden. | □ | □ | □ |
| Ich kann mehrere sprachliche Mittel miteinander in Beziehung setzen. | □ | □ | □ |
| Ich kann eine alternative Deutung zulassen und mit Textbelegen prüfen. | □ | □ | □ |
| Ich kann meinen eigenen Text nach Kriterien überarbeiten und Änderungen begründen. | □ | □ | □ |
Reflexion
- Entscheidung: Welche sprachliche Entscheidung hat Deinen Text am stärksten verändert?
- Beleg: Welche Stelle zeigt Deine gewünschte Wirkung am deutlichsten?
- Revision: Welche Änderung nach Feedback war wirklich hilfreich, welche nicht?
- Deutung: Wo können Lesende Deinen Text anders verstehen als Du geplant hast?
- KI-Reflexion: Falls Du KI genutzt hast: Was konntest Du übernehmen, was musstest Du prüfen oder verwerfen, und warum?
Folgekurs-Empfehlung
Als nächster Schritt passt D7 E - Einen literarischen Text kriteriengeleitet überarbeiten und Wirkung begründen. Dort steht nicht mehr der erste Entwurf, sondern die präzise Revision mit begründeten Änderungen im Mittelpunkt.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt einen personalen Erzähler am treffendsten? (Die Wahrnehmung folgt überwiegend einer Figur in der Er- oder Sie-Form) (!Der Erzähler verwendet immer die Ich-Form) (!Der Erzähler kennt grundsätzlich keine Gedanken) (!Der Erzähler berichtet nur in wörtlicher Rede)
Was ist bei bewusster Wortwahl besonders wichtig? (Das gewählte Wort soll zur beabsichtigten Wirkung passen) (!Möglichst jedes Verb soll ungewöhnlich sein) (!Adjektive müssen in jedem Satz vorkommen) (!Fremdwörter erzeugen automatisch literarische Qualität)
Welche Aussage zum Satzrhythmus ist richtig? (Die Wirkung von Satzlängen muss im konkreten Zusammenhang geprüft werden) (!Kurze Sätze sind immer spannend) (!Lange Sätze sind immer langweilig) (!Gute literarische Texte verwenden nur eine Satzlänge)
Was leistet ein funktionaler Dialog besonders gut? (Er kann Beziehung oder Konflikt zwischen Figuren sichtbar machen) (!Er erklärt immer die gesamte Vorgeschichte) (!Er ersetzt jede Beschreibung) (!Er muss ausschließlich aus Fragen bestehen)
Welches Beispiel ist eine Personifikation? (Der Flur schluckte das Echo) (!Der Flur war zehn Meter lang) (!Der Flur hatte drei Türen) (!Der Flur wurde um acht Uhr geöffnet)
Was ist eine Metapher? (Eine bildliche Bedeutungsübertragung ohne ausdrückliches Vergleichswort) (!Eine sachliche Quellenangabe) (!Eine wörtliche Wiederholung) (!Eine Zeitangabe am Satzanfang)
Was gehört zu einer guten Wirkungsbegründung? (Eine Wirkungsaussage mit einem konkreten Textbeleg verbinden) (!Nur schreiben dass die Stelle gut ist) (!Nur den Inhalt nacherzählen) (!Möglichst viele Fachbegriffe ohne Beispiel nennen)
Wie gehst Du mit Mehrdeutigkeit auf E-Niveau sinnvoll um? (Du formulierst mehrere plausible Deutungen und prüfst sie an Textbelegen) (!Du entscheidest sofort dass nur Deine erste Deutung stimmt) (!Du vermeidest jede offene Stelle) (!Du ersetzt Deutungen durch persönliche Vorlieben)
Welcher Schritt gehört zur KI-Spirale? (KI-Ausgaben mit Regeln Wörterbuch oder verlässlicher Quelle prüfen) (!Die vollständige Geschichte ungeprüft übernehmen) (!Eigene Entwürfe vor der ersten Idee vermeiden) (!KI-Unterstützung in der Abgabe verschweigen)
Was ist beim Überarbeiten zuerst sinnvoll wenn Du die Wirkung prüfen willst? (Sprachliche Entscheidungen kriteriengeleitet untersuchen und gezielt verändern) (!Nur die Schriftgröße ändern) (!Alle kurzen Sätze verlängern) (!Alle bildhaften Formulierungen löschen)
Memory
| Ich-Erzähler | Figur erzählt mit Ich-Form aus subjektiver Sicht |
| Personaler Erzähler | Wahrnehmung ist überwiegend an eine Figur gebunden |
| Konnotation | Nebenbedeutung und Wertung eines Wortes |
| Satzrhythmus | Wirkung durch Länge Bau und Wechsel von Sätzen |
| Dialog | direkte Figurenrede mit Beziehung oder Konflikt |
| Metapher | bildliche Bedeutungsübertragung |
| Personifikation | Menschliche Eigenschaft für Nichtmenschliches |
| Wirkungsabsicht | geplante Wirkung auf Lesende |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| subjektive Nähe | Ich-Erzähler |
| präzise Bewegung | starkes Verb |
| beschleunigtes Lesen | kurze Satzfolge |
| Figurenbeziehung | Dialog |
| bildliche Verdichtung | Metapher |
| begründete Deutung | Textbeleg |
Kreuzworträtsel
| Perspektive | Wie heißt der Blickwinkel aus dem erzählt und wahrgenommen wird? |
| Metapher | Welches Stilmittel überträgt eine Bedeutung bildlich? |
| Dialog | Wie nennt man ein Gespräch zwischen Figuren im Text? |
| Rhythmus | Wie heißt die hörbare Wirkung von Satzlänge Pausen und Wechsel? |
| Konnotation | Wie heißt die Nebenbedeutung oder Wertung eines Wortes? |
| Personifikation | Welches Stilmittel gibt Nichtmenschlichem menschliche Eigenschaften? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildblitz: Wähle eines der Bilder im Kurs und schreibe zehn Sätze. Mindestens drei Sätze müssen eine Sinneswahrnehmung enthalten.
- Verbtausch: Suche in einem eigenen Absatz fünf allgemeine Verben und teste je zwei präzisere Alternativen. Entscheide begründet, welche bleiben.
- Rhythmusduell: Schreibe eine hektische Version mit überwiegend kurzen Sätzen und eine ruhigere Version derselben Handlung mit stärker ausgebauten Sätzen.
- Untertext: Schreibe acht Dialogzeilen zwischen zwei Figuren, die sich über etwas anderes streiten als über das Thema, das sie ausdrücklich nennen.
Standard
- Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe Szene einmal als Ich-Erzählung und einmal personal. Markiere anschließend drei Wirkungsunterschiede.
- Klanggeschichte: Nutze Regen oder Gewitter als Impuls und verfasse 180 Wörter, in denen kein Gefühlswort wie Angst Freude oder Wut vorkommt.
- Bildsprache prüfen: Erfinde drei Vergleiche, drei Metaphern und drei Personifikationen zu einem Ort. Wähle nur zwei für Deinen Text und begründe die Auswahl.
- Schreibkonferenz: Tauscht Texte. Gebt zu Perspektive, Wortwahl, Rhythmus, Dialog und Bildsprache jeweils einen belegten Kommentar und überarbeitet danach gezielt.
Schwer
- Doppelte Lesart: Schreibe eine Szene, in der ein Gegenstand zwei plausible Bedeutungen erhält. Verfasse danach zwei Deutungen mit Textbelegen.
- OER-Recherche: Finde auf Wikimedia Commons ein passendes Bild oder Audio, prüfe Lizenz und Urheberangabe und dokumentiere Deine Quelle vollständig.
- Stilvergleich: Erstelle drei Fassungen eines Kernabsatzes mit jeweils verändertem Schwerpunkt: Perspektive, Wortwahl und Satzrhythmus. Beurteile, welche Fassung Dein Wirkungsziel am besten erfüllt und begründe dies am Text.
- KI-Audit: Lass Dir von einer KI nur Alternativen für eine klar begrenzte Stelle vorschlagen. Prüfe jeden Vorschlag mit Regel, Wörterbuch oder Quelle, dokumentiere Fehler oder Unpassendes und verfasse eine deutlich verbesserte eigene Endfassung.


Lernkontrolle
- Form und Wirkung: Analysiere einen unbekannten Kurzabsatz. Zeige an mindestens drei sprachlichen Entscheidungen, wie Form und Wirkung zusammenhängen.
- Begründete Wahl: Du möchtest eine Szene gleichzeitig nah und unsicher wirken lassen. Wähle eine Perspektive, skizziere zwei Alternativen und begründe Deine Entscheidung.
- Überarbeiten: Überarbeite einen absichtlich monoton geschriebenen Absatz. Verändere Wortwahl und Satzrhythmus, ohne die Handlung zu ändern. Kommentiere jede größere Änderung.
- Untertext erkennen: Schreibe zu einem kurzen Dialog zwei mögliche Beziehungsdeutungen und belege beide mit sprachlichen Signalen.
- Grenzen der Deutung: Formuliere eine plausible und eine wenig plausible Deutung zu einer offenen Textstelle. Erkläre anhand von Belegen, wo die Grenze der Plausibilität liegt.
- Medienwechsel: Übertrage einen Bild- oder Klangimpuls in eine literarische Szene. Begründe danach, welche Eigenschaften des Ausgangsmediums Du sprachlich übernommen und welche Du bewusst verändert hast.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis ist wichtig:
- Eigenständiger literarischer Kurztext mit klarer Gestaltungsidee.
- bewusste und weitgehend konsequente Perspektive.
- gezielte Wortwahl und variierter Satzrhythmus.
- funktionaler Dialog mit erkennbarem Untertext oder Konflikt.
- passende sprachliche Bilder statt bloßer Dekoration.
- mindestens eine begründbar offene Stelle.
- sichtbare Überarbeitung auf Grundlage von Kriterien oder Feedback.
- Wirkungsreflexion mit konkreten Textbelegen.
- korrekte Angaben zu genutzten externen Medien.
- transparente KI-Dokumentation falls KI verwendet wurde.
Lösungen und Feedback zur Selbstkontrolle
Vorwissen Text A/B: In Text B wirken unter anderem „schlich“, „trommelte“, „zuckte“ und „schien auf sie zu warten“ stärker atmosphärisch. Eine mögliche Spannungsbegründung verbindet diese Wörter mit Unsicherheit und personifizierter Umgebung.
Rhythmus: „Kurz. Hart. Zu nah.“ isoliert Wahrnehmungen und kann den Lesefluss beschleunigen oder stoßweise machen. Entscheidend ist die Einbettung in die Szene.
Dialog: Eine gute Lösung erklärt nicht nur Zeichensetzung, sondern zeigt, welche Beziehung oder Spannung zwischen den Figuren entsteht.
Bildsprache: Nicht die Anzahl zählt. Ein einzelnes passendes Bild kann stärker wirken als mehrere unverbundene Metaphern.
Feedback für kreative Lösungen: Mehrere Lösungen können richtig sein. Prüfe immer: Ist die Deutung am Text belegbar? Passt das Gestaltungsmittel zum Wirkungsziel? Ist die Entscheidung nachvollziehbar begründet?
OERs zum Thema
Wikipedia – Kreatives Schreiben
Verlässliche Grundlagen und Quellen
- Bildungsplan Baden-Württemberg – Deutsch Sekundarstufe I – Prozessbezogene Kompetenz Schreiben
- Bildungsplan Baden-Württemberg – Deutsch Klassen 7/8/9 – Literarische Texte
- Wikipedia – Kreatives Schreiben
- Wikipedia – Ich-Perspektive
Medien- und Lizenzhinweise
Die im Kurs eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien wurden als offen lizenziert oder gemeinfrei ausgewählt. Prüfe bei eigener Weiterverwendung immer die aktuelle Dateibeschreibungsseite und erfülle die dort genannte Lizenz.
- Old typewriter – CC0.
- Eye 01 – gemeinfrei.
- Empty classroom 2020 – CC BY-SA 4.0.
- Forest path and trees – CC BY-SA 4.0.
- Speech bubble icon – CC0.
- Animated metronome cropped – GPLv3.
- Rain – gemeinfrei.
- Thunder and rain on a veranda – gemeinfrei.
- Rain von Monplaisir – CC0.
Die YouTube-Videos werden nur eingebettet und nicht neu hochgeladen. Für eigene Veröffentlichungen übernimmst Du keine Video- oder Toninhalte ohne passende Nutzungsrechte.
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