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D6 E - Schreibwerkstatt mit MOOCwiki und KI

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D6 E - Schreibwerkstatt mit MOOCwiki und KI



D6 E - Schreibwerkstatt mit MOOCwiki und KI


Einleitung

In dieser Schreibwerkstatt steuerst Du einen vollständigen Schreibprozess selbstständig: Du entwickelst eine Idee, planst Deinen Text, schreibst eine eigene Rohfassung, holst gezielt Feedback ein, entscheidest selbst über Änderungen, überarbeitest Inhalt und Sprache, korrigierst Deinen Text und veröffentlichst eine begründete Endfassung. Die Werkstatt richtet sich an die Klasse 6 auf E-Niveau und fordert Dich dazu auf, nicht nur „richtig“, sondern bewusst, adressatengerecht und wirkungsvoll zu schreiben.

Eine Schreibwerkstatt lebt davon, dass Texte entstehen, besprochen und weiterentwickelt werden. Auf MOOCwiki kannst Du dafür Lernmaterialien, interaktive Aufgaben, Rückmeldungen, interne Links und die Versionsgeschichte nutzen. Wichtig ist: Du bleibst Autorin oder Autor Deines Textes. Eine KI darf in diesem Kurs nur als kontrolliertes Feedback- und Variantenwerkzeug eingesetzt werden. Sie soll weder die Idee noch die Rohfassung noch die Endfassung für Dich schreiben.

Der Schreibprozess verläuft nicht immer streng nacheinander. Beim Schreiben kannst Du neue Ideen entwickeln, beim Überarbeiten noch einmal planen und beim Korrigieren feststellen, dass eine Szene unklar ist. Trotzdem hilft Dir eine sichtbare Prozessstruktur, Verantwortung für jeden Schritt zu übernehmen.


Deine Ziele

Nach dieser Werkstatt kannst Du einen anspruchsvolleren Text für Klasse 6 selbstständig planen, verfassen und überarbeiten. Du kannst Rückmeldungen nach Kriterien einholen, zwischen hilfreichem und unpassendem Feedback unterscheiden und begründet entscheiden, welche Hinweise Du annimmst. Du kannst digitale Werkzeuge in MOOCwiki sinnvoll nutzen und KI-Ausgaben kritisch prüfen. Außerdem kannst Du transparent dokumentieren, ob eine Änderung von Dir selbst entwickelt, durch Peer-Feedback angeregt oder durch KI-Feedback angestoßen wurde.


Grundsatz: Dein Text, Deine Entscheidungen

Eigenleistung zuerst: Bevor Du Feedback erhältst, müssen Idee, Schreibplan und Rohfassung von Dir selbst stammen. Das schützt Deinen eigenen Schreibprozess und macht sichtbar, was Du bereits kannst.

Feedback statt Ersatztext: Feedback beschreibt Wirkungen, stellt Fragen, benennt Stärken und weist auf mögliche Probleme hin. Es nimmt Dir die Entscheidung nicht ab. Ein gutes Feedback kann zum Beispiel sagen: „Die Spannung fällt hier ab, weil das Ziel der Figur unklar wird.“ Es sollte nicht einfach die gesamte Szene neu schreiben.

Varianten statt Übernahme: KI darf auf Deine ausdrückliche Anfrage kleine Varianten liefern, etwa drei mögliche Verben, drei Satzanfänge oder zwei alternative Überschriften. Du vergleichst diese Varianten, veränderst sie bei Bedarf und entscheidest selbst.

Transparenz: Jede größere Änderung wird in einem Änderungsprotokoll mit ihrer Herkunft festgehalten. So ist erkennbar, was Du selbst entwickelt hast und was durch Rückmeldung angeregt wurde.

Datenschutz und Rechte: Gib in KI-Systeme keine echten Namen, Adressen, Kontaktdaten, Fotos von Personen oder andere sensible Informationen ein. Nutze nur von der Schule freigegebene Zugänge und beachte die dort geltenden Regeln. Fremde Texte oder Bilder dürfen nicht einfach übernommen werden. Nutze für veröffentlichte Medien möglichst freie Inhalte und prüfe Lizenz und Quelle.


Der vollständige Schreibprozess

  1. Ideenfindung: Sammle mehrere Ansätze, bevor Du Dich entscheidest. Nutze Beobachtungen, Fragen, Gegensätze, überraschende Orte oder Konflikte.
  2. Schreibplanung: Lege Ziel, Textsorte, Adressaten, Aufbau, zentrale Figuren oder Sachinformationen sowie die beabsichtigte Wirkung fest.
  3. Rohfassung: Schreibe den ersten vollständigen Text selbst. Unterbrich den Schreibfluss nicht wegen jeder Rechtschreibfrage.
  4. Selbstfeedback: Lies Deinen Text mit Abstand und markiere Stellen, auf die Du stolz bist, sowie Stellen, bei denen Du unsicher bist.
  5. Peer-Feedback: Lass eine Mitschülerin oder einen Mitschüler nach vorher vereinbarten Kriterien Rückmeldung geben.
  6. KI-Feedback: Nutze KI nur kontrolliert und nur mit klarer Aufgabe. Fordere Diagnose, Fragen oder kleine Varianten an, keinen Ersatztext.
  7. Überarbeitung: Entscheide selbst, welche Hinweise Du übernimmst. Verbessere zuerst Inhalt und Aufbau, dann Sprache.
  8. Korrektur: Prüfe Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und formale Einheitlichkeit.
  9. Veröffentlichung: Stelle die Endfassung in einem geeigneten Rahmen bereit, zum Beispiel als MOOCwiki-Beitrag, Klassenanthologie oder Lesetext.
  10. Reflexion: Vergleiche Plan, Rohfassung und Endfassung. Begründe mindestens drei wichtige Entscheidungen und dokumentiere die Herkunft der Änderungen.


Station 1: Ideen finden, ohne die erste Idee sofort festzuhalten

Eine starke Idee entsteht häufig durch Auswahl. Schreibe deshalb zunächst mindestens fünf Möglichkeiten auf. Du kannst Gegensätze verbinden: „vertrauter Ort + unerwartetes Ereignis“, „sichere Situation + plötzliches Risiko“ oder „kleines Problem + große Folge“. Für eine Erzählung hilft die Frage: Was will die Hauptfigur unbedingt, und was steht ihr im Weg?

Ideen-Sprint:

  1. Idee 1: Eine verschlossene Tür taucht an einem Ort auf, an dem gestern noch keine Tür war.
  2. Idee 2: Ein scheinbar unwichtiger Gegenstand führt zu einem Missverständnis.
  3. Idee 3: Zwei Figuren erinnern sich völlig unterschiedlich an dasselbe Ereignis.
  4. Idee 4: Eine Nachricht erreicht die falsche Person und löst eine Kette von Entscheidungen aus.
  5. Idee 5: Ein alltäglicher Schulweg verändert sich durch eine einzige Beobachtung.

Entscheide Dich anschließend für eine Idee und schreibe einen Ein-Satz-Kern: „Mein Text handelt davon, dass …, aber …, deshalb …“ Dieser Satz ist keine fertige Geschichte, sondern Dein Orientierungsanker.


Station 2: Anspruchsvollen Schreibauftrag wählen

Wähle einen der folgenden Aufträge. Alle drei verlangen einen erkennbaren Spannungs- oder Gedankengang, bewusste sprachliche Entscheidungen und eine nachvollziehbare Überarbeitung.

  1. Spannende Erzählung: Schreibe eine Erzählung mit dem Titel „Die Nachricht, die niemand lesen sollte“. Baue einen Konflikt auf, steuere das Erzähltempo und setze mindestens eine kurze direkte Rede gezielt ein.
  2. Perspektivwechsel: Erzähle ein schulisches Ereignis aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Beide Fassungen müssen dieselben Kernereignisse enthalten, aber Wahrnehmung, Wortwahl und Bewertung sollen sich unterscheiden.
  3. Ort mit Geheimnis: Beschreibe zunächst einen vertrauten Ort so, dass er gewöhnlich wirkt. Lass dann ein Detail auftauchen, das die Bedeutung des Ortes verändert. Verbinde Beschreibung und Handlung.

E-Niveau-Zusatz: Verwende nicht einfach möglichst viele Adjektive. Erzeuge Wirkung durch genaue Verben, ausgewählte Details, Satzrhythmus, Perspektive, sinnvolle Absätze und bewusste Auslassungen.


Station 3: Schreibplan erstellen

Ein Schreibplan entlastet Dich beim Formulieren. Für eine Erzählung kannst Du diese Leitfragen nutzen:

Bereich Leitfrage Deine Entscheidung
Wirkung Was sollen Lesende an der entscheidenden Stelle denken oder fühlen?
Hauptfigur Was will sie erreichen, vermeiden oder herausfinden?
Konflikt Was erschwert ihr Ziel?
Wendepunkt Welche neue Information oder Entscheidung verändert die Situation?
Schluss Was ist am Ende anders als zu Beginn?
Sprache Welche zwei sprachlichen Mittel passen zur Wirkung?

Plane außerdem zwei Stellen, an denen Du das Tempo bewusst steuerst: Eine Szene darf ausführlich und langsam erzählt werden, eine andere kann gerafft werden.


Station 4: Rohfassung schreiben

Schreibe nun Deine vollständige Rohfassung ohne KI-Textvorschläge. Nutze Deinen Plan, aber erlaube Dir Abweichungen, wenn beim Schreiben bessere Ideen entstehen. Markiere neue Einfälle am Rand oder in Kommentaren, statt sofort jeden Abschnitt umzubauen.

Eine sinnvolle Rohfassung für diese Werkstatt umfasst ungefähr 450 bis 800 Wörter. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern ob Dein Text eine vollständige, nachvollziehbare Entwicklung zeigt.

Rohfassungsregel: Erst vollständig schreiben, dann grundlegend überarbeiten. Wer jeden einzelnen Satz schon beim ersten Schreiben perfektionieren will, verliert leicht den Überblick über den Gesamttext.


Modelltext 1: Rohfassung

Aufgabe: Lies den Modelltext und markiere gedanklich eine starke Stelle sowie zwei Stellen, die Du überarbeiten würdest.

Der Zettel

Als Mira nach der Pause ins Klassenzimmer kam, lag ein gefalteter Zettel auf ihrem Platz. Darauf stand nur: „Komm um 13:10 Uhr in den alten Musikraum. Sag niemandem etwas.“ Mira fand das komisch. Sie fragte sich, wer so etwas geschrieben hatte. Neben ihr packte Jonas seine Sachen aus und fragte, warum sie so still sei. Mira sagte, es sei nichts.

Den ganzen Unterricht dachte sie an den Zettel. Der Musikraum wurde seit Monaten kaum benutzt. Früher hatte die Klasse dort geprobt, aber jetzt standen nur noch alte Stühle und Instrumentenkisten darin. Um 13:08 Uhr ging Mira den Gang hinunter. Sie war nervös. Vor der Tür blieb sie stehen. Dann hörte sie drinnen ein Geräusch. Es klang, als würde etwas auf den Boden fallen.

Mira öffnete die Tür. Im Raum war es dunkel. Sie sah zuerst nichts. Dann bewegte sich hinten etwas. „Hallo?“, fragte sie. Niemand antwortete. Sie ging einen Schritt weiter und sah auf einem Stuhl eine rote Mappe. Auf der Mappe lag ein zweiter Zettel.

Der Text ist verständlich und baut eine Situation auf, aber an mehreren Stellen bleibt die Wirkung allgemein. Wörter wie „komisch“ oder „nervös“ benennen Gefühle nur. Eine Überarbeitung könnte Gefühle durch Wahrnehmung, Handlung oder Gedanken zeigen. Außerdem könnte der Schluss des Ausschnitts eine präzisere Erwartung erzeugen.


Station 5: Selbstfeedback vor Fremdfeedback

Bevor jemand anderes Deinen Text liest, führe einen Autorinnen-/Autoren-Check durch:

Prüffrage Ja Noch nicht Markierte Stelle
Ist das Ziel oder Problem meiner Hauptfigur erkennbar?
Hat jeder wichtige Absatz eine Funktion?
Gibt es mindestens eine Stelle, an der ich Wirkung zeige statt nur benenne?
Steuert mein Satzbau das Tempo?
Ist der Wendepunkt vorbereitet, aber nicht zu früh verraten?
Verstehe ich selbst, warum der Schluss so gestaltet ist?

Markiere in Deiner Rohfassung außerdem:

  1. Stärke: eine Stelle, die unbedingt erhalten bleiben soll.
  2. Unsicherheit: eine Stelle, zu der Du eine konkrete Rückmeldung brauchst.
  3. Risiko: eine Stelle, bei der Du vermutest, dass Lesende etwas anders verstehen könnten als beabsichtigt.


Station 6: Peer-Feedback als Schreibkonferenz

Bei einer Schreibkonferenz soll die Rückmeldung den Text nicht „übernehmen“. Die schreibende Person bleibt entscheidungsberechtigt. Gute Rückmeldungen sind konkret, respektvoll und begründet.

Feedback in vier Schritten:

  1. Wirkung beschreiben: „An dieser Stelle war ich gespannt / verwirrt / überrascht, weil …“
  2. Stärke benennen: „Besonders gelungen finde ich …, weil …“
  3. Frage stellen: „Was soll ich hier über die Figur verstehen?“
  4. Vorschlag als Möglichkeit: „Du könntest prüfen, ob …; entscheide selbst, ob das zu Deiner Absicht passt.“

Nicht hilfreich sind pauschale Aussagen wie „gut“, „langweilig“ oder „schreib das anders“. Ebenso wenig hilfreich ist es, ganze Absätze ungefragt neu zu formulieren.


Feedbackvarianten

Variante Fokus Beispiel
Leserreaktion Wirkung „Beim zweiten Zettel erwarte ich eine Gefahr. War diese Erwartung beabsichtigt?“
Kriterienfeedback Aufbau „Der Wendepunkt ist erkennbar, aber der Konflikt davor könnte stärker zugespitzt werden.“
Fragefeedback Unklarheit „Warum entscheidet die Figur, allein in den Raum zu gehen?“
Sprachfeedback Ausdruck „In diesem Absatz kommen drei Formen von ‚gehen‘ vor. Prüfe genauere Verben.“
Positivfokus Stärken „Die kurze direkte Rede verlangsamt die Szene an einer passenden Stelle.“
Gegenlese-Feedback Verständlichkeit „Ich habe den letzten Satz anders verstanden als Deine Erklärung. Prüfe, ob ein Hinweis fehlt.“


Station 7: KI nur als kontrolliertes Feedback- und Variantenwerkzeug

KI darf erst eingesetzt werden, wenn Deine eigene Rohfassung vorliegt. Der Zweck ist nicht, Dir einen besseren Text zu schreiben. Der Zweck ist, Dir zusätzliche Rückfragen, Beobachtungen und kleine Varianten anzubieten, die Du kritisch beurteilst.

Geeignete KI-Aufträge:

  1. Diagnose: „Lies diesen Ausschnitt. Nenne zwei Stellen, an denen die Motivation der Figur unklar bleibt. Formuliere keine Ersatzsätze.“
  2. Fragen: „Stelle mir drei Rückfragen zum roten Faden. Schreibe meinen Text nicht um.“
  3. Varianten: „Gib mir fünf präzise Verben als Alternativen zu ‚gehen‘ in dieser Situation. Keine vollständigen Sätze.“
  4. Satzanfänge: „Nenne drei unterschiedliche Satzanfänge für diesen einen Satz. Erkläre kurz, welche Wirkung sie haben.“
  5. Spannungscheck: „Markiere, an welcher Stelle die Spannung vermutlich steigt oder fällt, und begründe die Einschätzung.“
  6. Korrekturhinweis: „Nenne Rechtschreib- und Zeichensetzungsstellen, die ich selbst prüfen sollte. Erkläre die Regel, statt nur die Lösung einzusetzen.“

Nicht erlaubt in dieser Werkstatt:

  1. Kompletttext: „Schreibe mir die Geschichte.“
  2. Umschreiben: „Mach meinen ganzen Text besser.“
  3. Ideenersatz: „Erfinde eine komplette Handlung für mich.“
  4. Verdeckte Übernahme: KI-Text kopieren und als eigene Leistung ausgeben.
  5. Sensible Daten: Namen, Fotos, Kontaktdaten oder andere personenbezogene Informationen eingeben.


Kontrollschleife für KI-Feedback

Jede KI-Rückmeldung durchläuft vier Fragen:

  1. Verstehen: Was behauptet oder empfiehlt die KI überhaupt?
  2. Prüfen: Passt die Rückmeldung zu meinem Text und zu meiner Schreibabsicht?
  3. Vergleichen: Stimmen Selbstfeedback und Peer-Feedback überein oder widersprechen sie?
  4. Entscheiden: Übernehme, verändere oder verwerfe ich den Hinweis? Warum?

KI kann sich irren, Anforderungen missverstehen oder einen Stil vorschlagen, der nicht zu Dir passt. Deshalb bleibt die letzte Entscheidung immer bei Dir.


Modelltext 2: Feedback vergleichen

Zum Rohfassungssatz „Mira war nervös.“ könnten unterschiedliche Rückmeldungen entstehen:

Herkunft Rückmeldung Mögliche Entscheidung
Selbstfeedback „Das Wort benennt das Gefühl nur.“ Stelle markieren und später prüfen
Peer-Feedback „Ich möchte merken, woran Mira ihre Nervosität selbst spürt.“ Körperliche Reaktion oder Handlung ergänzen
KI-Feedback „Mögliche Signale: stockender Atem, kalte Hände, zögernde Bewegung. Wähle höchstens ein passendes Detail.“ Nur als Variantenpool betrachten

Eine eigenständige Überarbeitung könnte lauten: „Mira legte die Hand auf die Klinke, zog sie wieder zurück und hörte, wie ihr eigener Atem im leeren Gang zu laut klang.“ Entscheidend ist nicht, dass diese Formulierung „perfekter“ ist. Entscheidend ist, dass die schreibende Person die Wirkung bewusst gestaltet und die konkrete Formulierung selbst verantwortet.


Station 8: Inhalt vor Oberfläche überarbeiten

Überarbeite in zwei Durchgängen.

Durchgang A – Inhalt und Aufbau: Prüfe Ziel, Konflikt, Reihenfolge, Perspektive, Übergänge, Wendepunkt und Schluss. Streiche auch gute Sätze, wenn sie dem Text nicht dienen.

Durchgang B – Sprache und Stil: Prüfe präzise Verben, Wiederholungen, Satzanfänge, Satzlängen, direkte Rede, treffende Details und unnötige Füllwörter.

Erst danach folgt die Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. So verhinderst Du, dass Du viel Zeit in Sätze investierst, die später ohnehin gestrichen werden.


Modelltext 3: Überarbeitung mit Begründung

Rohfassung: „Mira war nervös. Vor der Tür blieb sie stehen. Dann hörte sie drinnen ein Geräusch.“

Überarbeitete Fassung: „Mira legte die Hand auf die Klinke, zog sie wieder zurück. Hinter der Tür scharrte etwas über den Boden. Sie wartete. Noch einmal.“

Begründung: Die Überarbeitung zeigt die Unsicherheit durch Handlung statt sie nur zu benennen. Das genaue Geräusch erzeugt eine Vorstellung, ohne seine Ursache zu erklären. Die kurzen Sätze am Ende verlangsamen den Moment.

Wichtig: Eine andere Überarbeitung kann ebenso gut oder besser funktionieren. Entscheidend ist die begründete Wirkung.


Station 9: Digitale Schreibwerkzeuge in MOOCwiki

MOOCwiki eignet sich als fachliche und digitale Arbeitsumgebung, weil Texte bearbeitet, verknüpft, diskutiert und in ihrer Entwicklung nachvollzogen werden können. Nutze digitale Funktionen bewusst:

  1. Quelltext bearbeiten: Schreibe und formatiere Deinen Beitrag strukturiert.
  2. Versionsgeschichte: Vergleiche ältere und neuere Fassungen und mache Deinen Überarbeitungsprozess sichtbar.
  3. Diskussion: Sammle begründete Rückmeldungen, ohne sie automatisch in den Text zu übernehmen.
  4. Interne Links: Verknüpfe Fachbegriffe und Lernbereiche sinnvoll.
  5. Medien aus Wikimedia Commons einbetten: Nutze freie Medien mit überprüfbarer Dateiseite und Lizenz.
  6. Portfolio: Sammle Schreibplan, Rohfassung, Feedback, Änderungsprotokoll und Endfassung als Lernnachweis.

Ein digitales Schreibwerkzeug ist dann hilfreich, wenn es Deine Entscheidungen sichtbar macht. Es soll nicht an Deiner Stelle entscheiden.


Station 10: Änderungsprotokoll – Eigenes und angeregtes Überarbeiten unterscheiden

Das Änderungsprotokoll ist Pflichtbestandteil dieser Werkstatt. Trage mindestens acht bedeutsame Änderungen ein.

Stelle Änderung Herkunft des Impulses Meine Entscheidung Begründung
Anfang, Absatz 1 Einstieg gekürzt selbst entwickelt übernommen Handlung beginnt schneller
Absatz 2 Motivation der Figur präzisiert durch Peer-Feedback angeregt verändert übernommen Rückfrage war sinnvoll, Formulierung ist meine eigene
Absatz 3 drei Verben verglichen durch KI-Varianten angeregt eine eigene vierte Variante gewählt passt besser zur Figur
Schluss vorgeschlagene Überraschung nicht verwendet durch KI-Feedback angeregt verworfen hätte die vorbereitete Logik zerstört

Verwende bei Deinen eigenen Einträgen genau solche Herkunftsangaben: selbst entwickelt, durch Peer-Feedback angeregt oder durch KI-Feedback angeregt. Ein Feedbackimpuls bedeutet nicht automatisch, dass die konkrete Formulierung aus dem Feedback stammt.


Station 11: Endkorrektur

Prüfe nach der inhaltlichen Überarbeitung gezielt:

  1. Rechtschreibung: Groß- und Kleinschreibung, schwierige Wörter, Getrennt- und Zusammenschreibung.
  2. Zeichensetzung: Satzschlusszeichen, Kommas an bekannten Stellen und Zeichen bei direkter Rede.
  3. Grammatik: Zeitform, Bezüge von Pronomen, vollständige Sätze.
  4. Absätze: Jeder Absatz hat eine erkennbare Funktion.
  5. Formatierung: Überschrift, Textkörper und Hervorhebungen sind einheitlich.
  6. Quellen und Medien: Fremde Inhalte sind kenntlich gemacht; freie Medien sind nachvollziehbar ausgewählt.

Lies Deinen Text zum Schluss langsam laut oder halblaut. Viele fehlende Wörter, holprige Übergänge und zu lange Sätze fallen dabei leichter auf.


Station 12: Veröffentlichen und reflektieren

Zur Abgabe gehören nicht nur die Endfassung, sondern auch Teile des Weges dorthin. Dadurch wird Schreibkompetenz als Prozess sichtbar.

Dein Werkstattpaket enthält:

  1. Schreibplan
  2. Rohfassung
  3. Selbstfeedback
  4. Peer-Feedback
  5. eine dokumentierte KI-Rückmeldung, falls KI eingesetzt wurde
  6. Änderungsprotokoll
  7. Endfassung
  8. abschließende Reflexion

Beantworte in der Reflexion: Welche Änderung hat den Text am stärksten verbessert? Welche Rückmeldung hast Du verworfen und warum? Welche Formulierung oder Strukturentscheidung stammt eindeutig von Dir selbst? Wo musstest Du zwischen verschiedenen Möglichkeiten abwägen?


Rechtssichere und lernförderliche Medien

Die in diesem aiMOOC verwendeten Bilder stammen aus Wikimedia Commons. Beispiele wie Escribe.jpg und Wikipedia notebook pencil puzzles.jpg sind als CC0 gekennzeichnet; Student writing in field notebook (25564115031).jpg ist als gemeinfreies Material ausgewiesen; Peer Review.png und Keyboard laptop.jpg stehen auf ihren Dateiseiten unter freien Creative-Commons-Lizenzen. Vor einer eigenen Weiterverwendung prüfst Du trotzdem immer die aktuelle Dateiseite und die dort genannten Lizenzbedingungen.

YouTube-Videos werden nur eingebettet und nicht kopiert. Für eigene Veröffentlichungen gilt: Nutze bevorzugt eigene oder frei lizenzierte Materialien und beachte die Regeln Deiner Schule sowie die Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wann darf KI in dieser Schreibwerkstatt erstmals eingesetzt werden? (Nachdem eine eigene Rohfassung vorliegt) (!Bevor eine eigene Idee entwickelt wurde) (!Während die KI die gesamte Geschichte schreibt) (!Statt eines eigenen Schreibplans)




Welche Aufgabe gehört zuerst zur grundlegenden Überarbeitung? (Aufbau und Inhalt prüfen) (!Nur Tippfehler suchen) (!Nur die Schriftart ändern) (!Nur alle Adjektive verstärken)




Was kennzeichnet hilfreiches Peer-Feedback am besten? (Es beschreibt konkret Wirkung und stellt begründete Fragen) (!Es schreibt den ganzen Text neu) (!Es bewertet nur mit gut oder schlecht) (!Es entscheidet verbindlich über jede Änderung)




Welche KI-Anfrage passt zu den Regeln dieser Werkstatt? (Nenne drei Verbalternativen und erkläre kurz ihre Wirkung) (!Schreibe meine ganze Geschichte besser) (!Erfinde die komplette Handlung für mich) (!Formuliere die Endfassung ohne Rückfragen)




Warum wird ein Änderungsprotokoll geführt? (Es macht Herkunft und Begründung wichtiger Änderungen sichtbar) (!Es ersetzt die Endfassung) (!Es sammelt nur Rechtschreibfehler) (!Es verhindert jede Änderung nach Feedback)




Welche Angabe zeigt eine selbst verantwortete Überarbeitung? (selbst entwickelt) (!automatisch richtig) (!von der KI übernommen) (!ohne Prüfung eingefügt)




Was ist beim Einsatz von KI mit persönlichen Daten zu tun? (Keine sensiblen persönlichen Daten eingeben) (!Möglichst viele echte Namen ergänzen) (!Private Fotos immer hochladen) (!Kontaktdaten zur besseren Textwirkung hinzufügen)




Wozu dient die Versionsgeschichte in MOOCwiki besonders? (Änderungen zwischen Textfassungen nachvollziehbar machen) (!Texte automatisch erfinden lassen) (!Feedback ohne Lesen übernehmen) (!Rechtschreibung vollständig ersetzen)




Was bedeutet beim Schreiben zeigen statt benennen? (Eine Wirkung durch Handlung Wahrnehmung oder Detail erfahrbar machen) (!Jedes Gefühl mit einem Adjektiv benennen) (!Möglichst viele Ausrufezeichen verwenden) (!Den Text ohne Absätze schreiben)




Wer trifft die letzte Entscheidung über eine Textänderung? (Die schreibende Person selbst) (!Die KI allein) (!Die erste Person die Feedback gibt) (!Das digitale Schreibprogramm)





Memory

Schreibplan Struktur vor dem Formulieren
Rohfassung erster vollständiger eigener Text
Peerfeedback Rückmeldung durch Mitschreibende
Variantenpool mehrere kleine sprachliche Möglichkeiten
Änderungsprotokoll Herkunft und Begründung von Überarbeitungen
Versionsgeschichte Vergleich früherer und späterer Fassungen
Autorenentscheidung begründete Auswahl oder Ablehnung eines Hinweises
Endkorrektur Prüfung von Sprache und Form nach der Überarbeitung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Ideenfindung mehrere Möglichkeiten sammeln und auswählen
Schreibplanung Wirkung Aufbau und Ziel festlegen
Selbstfeedback eigenen Text vor Fremdrückmeldung prüfen
Peer-Feedback begründete Leserreaktionen erhalten
KI-Feedback kontrollierte Diagnose Fragen oder kleine Varianten nutzen
Überarbeitung Inhalt Aufbau und Sprache bewusst verändern
Reflexion Entscheidungen und Lernweg begründen






Kreuzworträtsel

Schreibplan Wie heißt die strukturierte Vorbereitung eines Textes?
Rohfassung Wie heißt der erste vollständige Entwurf?
Feedback Wie nennt man eine begründete Rückmeldung zu einem Text?
Varianten Wie heißen mehrere mögliche Formulierungsalternativen?
Autorschaft Welcher Begriff bezeichnet die Verantwortung für den eigenen Text?
Quellenkritik Welche Fähigkeit hilft beim Prüfen fremder und KI-generierter Aussagen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Am Anfang eines vollständigen Schreibprozesses steht die

.
Vor dem Formulieren hilft ein

dabei, Ziel und Aufbau festzulegen.
Der erste vollständige eigene Text heißt

.
Vor Fremdrückmeldungen führst Du zunächst ein

durch.
Eine Rückmeldung durch Mitschülerinnen oder Mitschüler heißt

.
KI darf in dieser Werkstatt nur als kontrolliertes

eingesetzt werden.
Nach einer Rückmeldung triffst Du selbst die

über eine Änderung.
Größere Veränderungen hältst Du im

fest.
Die Herkunft selbst entwickelter Änderungen wird als

gekennzeichnet.
MOOCwiki kann frühere Fassungen in der

sichtbar machen.
Nach der inhaltlichen Überarbeitung folgt die sprachliche

.
Am Ende begründest Du wichtige Entscheidungen in einer

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Ideenfächer: Entwickle zu einem Schreibimpuls fünf unterschiedliche Geschichtenideen und begründe, welche davon das größte Entwicklungspotenzial hat.
  2. Wirkungsdetektiv: Suche in Deinem eigenen Text drei Stellen, an denen Du Gefühle nur benennst, und überarbeite eine davon so, dass die Wirkung durch Handlung oder Wahrnehmung entsteht.
  3. Feedbackfrage: Formuliere zu Deiner Rohfassung drei konkrete Fragen, auf die Du von einer Partnerin oder einem Partner wirklich hilfreiche Antworten erhalten könntest.
  4. Versionsvergleich: Vergleiche zwei Fassungen eines Absatzes und beschreibe in fünf Sätzen, welche Änderung die Wirkung am stärksten verändert.


Standard

  1. Spannungskurve: Zeichne für Deine Erzählung eine Spannungskurve und ordne mindestens fünf Textstellen zu. Überarbeite anschließend eine Stelle, an der die Spannung unbeabsichtigt abfällt.
  2. Perspektivwechsel: Schreibe eine zentrale Szene aus der Sicht einer zweiten Figur neu und erkläre anschließend, welche Informationen gleich bleiben und welche Wahrnehmungen sich ändern.
  3. Feedbacklabor: Hole Selbstfeedback, Peer-Feedback und kontrolliertes KI-Feedback zu derselben Textstelle ein. Vergleiche Gemeinsamkeiten und Widersprüche und triff eine begründete Entscheidung.
  4. MOOCwiki-Schreibseite: Gestalte eine übersichtliche Werkstattseite mit Überschrift, internem Link, frei lizenziertem Bild und einer kurzen Erklärung Deines Schreibziels.


Schwer

  1. Dreifachüberarbeitung: Überarbeite denselben Absatz einmal mit Fokus auf Spannung, einmal mit Fokus auf sprachliche Präzision und einmal mit Fokus auf Perspektive. Wähle danach begründet die stärkste Fassung.
  2. Feedbackkritik: Untersuche eine KI-Rückmeldung auf Nützlichkeit, Genauigkeit und Passung zu Deiner Schreibabsicht. Widerlege mindestens einen unpassenden Hinweis mit Bezug auf Deinen Text.
  3. Autorschaftsnachweis: Erstelle ein ausführliches Änderungsprotokoll mit mindestens acht Einträgen und kennzeichne genau, welche Änderungen selbst entwickelt sowie durch Peer- oder KI-Feedback angeregt wurden.
  4. Werkstattpräsentation: Präsentiere Schreibplan, Rohfassung, zwei zentrale Überarbeitungen und Endfassung. Erkläre Deiner Lerngruppe, warum Du mindestens einen Feedbackvorschlag bewusst nicht übernommen hast.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Schreibprozess: Du erhältst eine Rohfassung, deren Anfang spannend ist, deren Mitte aber unübersichtlich wird. Entwickle einen Überarbeitungsplan mit drei priorisierten Schritten und begründe die Reihenfolge.
  2. Feedback bewerten: Vergleiche drei Rückmeldungen zu demselben Absatz: eine pauschale, eine konkrete Peer-Rückmeldung und eine KI-Rückmeldung. Entscheide, welche Hinweise Du nutzen würdest, und begründe Deine Auswahl.
  3. Autorschaft sichern: Erkläre an einem eigenen Beispiel, wie ein Text durch Feedback besser werden kann, ohne dass die schreibende Person ihre Autorschaft abgibt.
  4. Varianten entscheiden: Formuliere selbst drei unterschiedliche Versionen eines Schlüsselsatzes. Beschreibe jeweils die Wirkung und entscheide Dich für eine Fassung.
  5. Prozess rekonstruieren: Vergleiche Roh- und Endfassung eines Textes und leite daraus mindestens vier mögliche Überarbeitungsentscheidungen ab. Ordne jeder Entscheidung eine plausible Herkunft des Impulses zu.
  6. KI-Grenzen: Entwirf eine Regelkarte mit drei erlaubten und drei nicht erlaubten KI-Nutzungen für eine Schreibwerkstatt und begründe jede Regel mit Blick auf Lernen, Fairness oder Datenschutz.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Bestandteile wichtig:

  1. Eigene Planung: Ein nachvollziehbarer Schreibplan mit Ziel, Aufbau und gewünschter Wirkung.
  2. Eigene Rohfassung: Eine vollständige Fassung, die vor dem KI-Feedback entstanden ist.
  3. Feedbackkompetenz: Mindestens ein dokumentiertes Peer-Feedback und bei KI-Nutzung eine klar begrenzte KI-Rückmeldung.
  4. Überarbeitungskompetenz: Sichtbare inhaltliche und sprachliche Verbesserungen zwischen Roh- und Endfassung.
  5. Änderungsdokumentation: Ein Protokoll, das zwischen selbst entwickelten, durch Peer-Feedback angeregten und durch KI-Feedback angeregten Änderungen unterscheidet.
  6. Begründete Entscheidungen: Mindestens drei angenommene oder verworfene Hinweise werden erklärt.
  7. Sprachliche Sorgfalt: Die Endfassung wurde nach der inhaltlichen Überarbeitung korrigiert.
  8. Medienkompetenz: Verwendete digitale Werkzeuge, Quellen und Medien werden verantwortungsvoll und nachvollziehbar genutzt.
  9. Reflexion: Du erklärst, was Du beim Schreiben gelernt hast und welche Strategie Du beim nächsten Text wieder oder anders einsetzen würdest.




OERs zum Thema

Für die Arbeit im Kurs sind außerdem die MOOCwiki-Lernbereiche Schreibwerkstatt, Schreibförderung, Kreatives Schreiben mit KI im Deutschunterricht, KI-Feedback, Reflexion, Portfolio und Selbstorganisiertes Lernen (SOL) relevant.


Verknüpfte Lernbereiche


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