D10 E - Kollaborativ und versionsbasiert schreiben

D10 E - Kollaborativ und versionsbasiert schreiben
D10 E - Kollaborativ und versionsbasiert schreiben
Mini-Beschreibung: Plane, verfasse und überarbeite einen anspruchsvolleren gemeinsamen Text mit klaren Rollen, Kommentaren und Versionsverlauf. Dokumentiere Quellen und mögliche KI-Unterstützung. Zielgruppe: Deutsch Klasse 10, Baden-Württemberg, E-Niveau.

Einleitung
Kollaboratives Schreiben bedeutet: Mehrere Personen entwickeln einen Text gemeinsam. Gute Zusammenarbeit ist nicht bloß gleichzeitiges Tippen. Ihr klärt Ziel, Rollen, Quellen, Überarbeitung und Entscheidungen. Ein Versionsverlauf macht Änderungen nachvollziehbar.
Dieser aiMOOC trainiert das E-Niveau: Du verbindest komplexere Materialien, wägest Formulierungen ab, begründest Überarbeitungen und überträgst das Verfahren auf neue Schreibsituationen.
Wichtig für Baden-Württemberg: Bildungspläne und Prüfungsregelungen werden fortgeschrieben. Prüfe für Deinen Jahrgang die an Deiner Schule geltende Fassung. Prüfungsjahr und angestrebter Schulabschluss sind nicht dasselbe. Verbindliche Vorgaben immer aktuell bei Schule und Kultusministerium prüfen.
Einstieg
Stell Dir vor, vier Personen schreiben an einem Text. Zwei ändern gleichzeitig denselben Absatz. Eine Quelle wird ersetzt. Eine KI schlägt eine starke Formulierung vor, nennt aber eine nicht überprüfbare Zahl. Am Ende sieht der Text glatt aus – aber niemand weiß mehr, warum etwas geändert wurde.
Leitfrage: Wie entsteht aus vielen Beiträgen ein gemeinsamer, belegter und verantworteter Text?

Beobachtungsauftrag zum Bild: Suche drei Informationen, die ein Versionsverlauf sichtbar machen kann. Notiere anschließend, welche davon für eine faire Gruppenarbeit besonders wichtig sind.
Lernziele
Nach dem aiMOOC kannst Du:
- kollaboratives Schreiben planen und Rollen sinnvoll verteilen.
- einen anspruchsvolleren gemeinsamen Text auf E-Niveau strukturieren, verfassen und gezielt überarbeiten.
- Kommentare so formulieren, dass sie beobachtbar, begründet und handlungsorientiert sind.
- Versionen vergleichen, Änderungen begründen und bei Konflikten eine nachvollziehbare Fassung auswählen.
- Quellen zu Texten, Bildern, Audios, Videos und Visualisierungen dokumentieren und Lizenzangaben prüfen.
- mögliche KI-Unterstützung transparent machen und KI-Ausgaben unabhängig auf Texttreue, Fakten, Logik und Quellen prüfen.
- fremde und eigene Medien funktional einsetzen, ohne unnötige personenbezogene Daten zu veröffentlichen.
- Deinen Arbeitsprozess reflektieren und auf Prüfungs-, Projekt- und Ausbildungssituationen übertragen.
Vorwissen
Du solltest bereits wissen, wie man:
- einen Text gliedert und Absätze sinnvoll verbindet.
- Aussagen mit Quellen belegt.
- zwischen Behauptung, Begründung und Beispiel unterscheidet.
- sachlich Feedback gibt.
- grundlegende Regeln von Urheberrecht und Creative Commons berücksichtigt.
Schnelltest: Erkläre in zwei Sätzen den Unterschied zwischen „Ich ändere den Satz“ und „Ich schlage eine begründete Änderung vor“.
Kernidee: Ein gemeinsamer Text braucht einen sichtbaren Prozess
Ein gutes Ergebnis entsteht in mehreren Schleifen. Die Gruppe arbeitet nicht nach dem Muster „jede Person schreibt einen Teil, dann kleben wir alles zusammen“. Sie entwickelt ein gemeinsames Textziel und überarbeitet Übergänge, Argumentation, Belege und Sprache als Ganzes.

Die Visualisierung stammt aus der Versionskontrolle. Für das Schreiben ist die Idee nützlich: Ein Text kann verschiedene Entwicklungswege haben. Entscheidend ist, Unterschiede zu vergleichen und bewusst zusammenzuführen.
Ein einfacher Versionsplan
| Version | Zweck | Sichtbares Ergebnis |
|---|---|---|
| V0 Planung | Auftrag, Zielgruppe, Material und Rollen klären | Gliederung und Quellenliste |
| V1 Rohfassung | Gedanken vollständig formulieren | erster zusammenhängender Text |
| V2 Inhaltsrevision | Logik, Belege, Mehrdeutigkeit und Gegenpositionen prüfen | kommentierte und überarbeitete Fassung |
| V3 Sprachrevision | Stil, Präzision, Kohärenz und Normen prüfen | sprachlich geschärfte Fassung |
| V4 Freigabe | Quellen, Medien, KI-Dokumentation und letzte Änderungen prüfen | veröffentlichungsfähiger Text |
Regel: Eine neue Version braucht einen erkennbaren Grund. „Klingt besser“ reicht auf E-Niveau oft nicht. Benenne möglichst das Kriterium: Präzision, Beleglage, Textlogik, Adressatenbezug, Stil oder Verständlichkeit.
Rollen: Verantwortung statt bloßer Arbeitsteilung
Für eine Vierergruppe eignen sich zum Beispiel diese Rollen:
- Koordination: hält Ziel, Zeitplan und offene Entscheidungen im Blick.
- Recherche: prüft Quellen, Fundstellen, Daten und Lizenzen.
- Autorenschaft: formuliert, verbindet und strukturiert Textabschnitte.
- Redaktion: prüft Logik, Sprache, Kommentare, Versionsentscheidungen und Endfassung.
Rollen können wechseln. Wichtig ist, dass jede Entscheidung überprüfbar bleibt. Nutzt im Protokoll lieber Rollen oder Kürzel als private Daten.

Kommentare, die wirklich helfen
Ein Kommentar sollte nicht nur bewerten. Nutze die Formel:
Beobachtung → Wirkung → Vorschlag → Beleg
Beispiel: „Im zweiten Absatz steht die Folgerung vor dem Beleg. Dadurch wirkt die Argumentation sprunghaft. Verschiebe den Beleg vor die Schlussfolgerung und nenne dort die Quelle.“
Wenig hilfreich wäre: „Komisch formuliert.“

Kommentar oder direkte Änderung?
Direkt ändern kannst Du bei eindeutig kleinen Fehlern, wenn die Gruppenregel das erlaubt. Kommentiere dagegen, wenn die Änderung Inhalt, Deutung, Argumentationsrichtung, Quelle oder Ton deutlich verändert. So bleibt die Entscheidung gemeinsam.
Versionskonflikte lösen
Ein Versionskonflikt entsteht, wenn verschiedene Bearbeitungen nicht einfach zusammenpassen. Dann gilt:
- Unterschiede markieren.
- Kriterien nennen.
- Belege prüfen.
- beste Elemente verbinden.
- Entscheidung im Kommentar oder Versionshinweis kurz dokumentieren.
Nicht sinnvoll: die zuletzt gespeicherte Fassung automatisch für die beste halten.
Medienlabor: Bilder, Video, Audio und Visualisierung
Medien sind nicht bloß Schmuck. Frage immer: Was zeigt dieses Medium, was der Text allein schlechter zeigen würde?
Auftrag zum Video: Notiere zwei Funktionen eines Versionsverlaufs. Übertrage beide auf einen gemeinsamen Deutsch-Text.
Vergleichsauftrag: Unterscheide „Kommentar“, „Vorschlag“ und „direkte Änderung“. Entscheide für drei typische Überarbeitungssituationen, welche Form jeweils sinnvoll ist.
Audio-Aufgabe: Nimm selbst ein 45- bis 60-sekündiges Audiofeedback zu einem Absatz auf. Verwende Beobachtung, Wirkung und Vorschlag. Tausche nur die Audiodatei aus, wenn die schulische Plattform und die Gruppe das erlauben. Nenne keine unnötigen personenbezogenen Daten.
Visualisierungs-Aufgabe: Gestalte eine eigene Versionsgrafik mit mindestens vier Zuständen und zwei begründeten Überarbeitungsschritten. Verwende eigene Symbole oder offen lizenzierte Elemente.
Quellen und Lizenzen
„Im Internet gefunden“ ist keine Quellenangabe. Dokumentiere mindestens: Urheber oder Institution, Titel, Fundort, Datum soweit vorhanden, Abrufdatum sowie bei Medien die Lizenz.

Gemeinfreie, offen lizenzierte oder eigene Materialien sind für Schulprojekte besonders praktisch. Bei CC BY ist Namensnennung nötig; bei CC BY-SA muss eine Bearbeitung zusätzlich unter einer kompatiblen Share-Alike-Lizenz weitergegeben werden. Prüfe die konkrete Lizenz immer auf der Dateiseite.
Bei geschützten Ganzschriften arbeitest Du mit eigenen Zusammenfassungen, Analysen und nur kurzen funktionalen Zitaten mit Quellenangabe. Gib geschützte Ganzschriften nicht vollständig wieder.
Mediencheck: Das Video ist älter. Prüfe deshalb aktuelle rechtliche Hinweise zusätzlich bei einer verlässlichen aktuellen Quelle. Gerade bei Rechtsfragen ersetzt ein Erklärvideo keine aktuelle Prüfung.
Mini-Quellenprotokoll
| Material | Urheber oder Institution | Fundort | Lizenz oder Nutzungsstatus | Verwendung im Text |
|---|---|---|---|---|
| Sachtext | Kernaussage oder Beleg | |||
| Bild | Analyse oder Veranschaulichung | |||
| Audio oder Video | Vergleich oder Erklärung | |||
| Visualisierung | Struktur oder Prozess |
Textüberarbeitung: zuerst Inhalt, dann Sprache
Überarbeite nicht alles gleichzeitig. Eine sinnvolle Reihenfolge ist:
- Texttreue und Aufgabe: Beantwortet der Text wirklich den Auftrag?
- Fakten und Quellen: Sind Aussagen belegt und korrekt wiedergegeben?
- Logik: Folgen Begründungen und Schlüsse nachvollziehbar?
- Aufbau: Sind Absätze, Übergänge und Gewichtung stimmig?
- Sprache: Sind Begriffe präzise, Sätze passend gebaut und Wiederholungen sinnvoll reduziert?
- Normen: Rechtschreibung, Zeichensetzung und Formales zuletzt prüfen.

Die Abbildung zeigt englische Korrekturzeichen. Du musst diese Zeichen nicht übernehmen. Untersuche stattdessen, welches Prinzip dahintersteht: Überarbeitung wird sichtbar und besprechbar.
Die KI-Spirale
KI kann unterstützen, aber sie ersetzt keine eigene Textarbeit. Arbeite in dieser Reihenfolge:
- Aufgabe verstehen: Kläre Schreibziel, Textsorte, Material und Kriterien.
- Selbst Material erschließen: Lies, markiere, vergleiche und dokumentiere Quellen ohne KI-Abkürzung.
- Eigenen Ansatz entwickeln: Formuliere Gliederung, These, Deutung oder Argumentationslinie selbst.
- KI gezielt befragen: Stelle eine begrenzte Frage, zum Beispiel zu Gegenargumenten, Verständlichkeit oder Varianten.
- Unabhängig prüfen: Prüfe Texttreue, Fakten, Logik und Quellen an den Originalmaterialien.
- Eigene Lösung verbessern: Übernimm nur, was Du verstanden, geprüft und angepasst hast.
- KI-Hilfe transparent machen: Dokumentiere Zweck, Umfang und wesentliche Nutzung.
Warnsignal: Eine KI nennt eine Quelle, die Du nicht öffnen und überprüfen kannst. Dann darf sie nicht als Beleg in Deinen Text.
KI-Protokoll ohne unnötige Daten
| Zeitpunkt | Zweck | eigene Vorarbeit | KI-Frage kurz beschrieben | Prüfung | Übernahme |
|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel | Gegenargumente testen | eigene Gliederung vorhanden | drei mögliche Einwände erfragt | mit Quellen und Textauftrag geprüft | ein Einwand umformuliert |
Keine privaten Chatverläufe, vollständigen Namen oder sensiblen Angaben in das Protokoll kopieren, wenn sie für den Lernnachweis nicht nötig sind.
E-Niveau: Mehrdeutigkeit und Transfer
Auf E-Niveau genügt es nicht, nur Fehler zu beseitigen. Du sollst auch mit Mehrdeutigkeit umgehen. Eine Formulierung kann grammatisch korrekt sein und trotzdem die Aussage verzerren. Eine Quelle kann seriös sein und trotzdem für eine konkrete Behauptung ungeeignet. Ein KI-Vorschlag kann elegant klingen und trotzdem logisch schwach sein.
E-Frage: Welche Überarbeitung verändert nur die Form – und welche verändert bereits die Deutung?
Beispielwerkstatt
Eigener Übungstext für diesen aiMOOC:
„Digitale Schreibwerkzeuge erleichtern Gruppenarbeit, weil alle denselben Text bearbeiten können. Dadurch wird Zusammenarbeit automatisch fair und die beste Formulierung setzt sich durch.“
Auftrag: Überarbeitet diese zwei Sätze zu einer differenzierten Fassung. Berücksichtigt mindestens einen Einwand, eine Bedingung und einen Hinweis auf Nachvollziehbarkeit durch Versionsverläufe.
Hilfestufen
Hilfe 1 – Denkfrage: Welche Wörter im Ausgangstext sind zu absolut?
Hilfe 2 – Struktur: Vorteil → Bedingung → Risiko → Absicherung.
Hilfe 3 – Satzstarter: „Digitale Schreibwerkzeuge können …, wenn … . Ein Versionsverlauf hilft dabei, … . Dennoch …“
Musterlösung
Eine mögliche Lösung lautet: „Digitale Schreibwerkzeuge können Gruppenarbeit erleichtern, wenn Zuständigkeiten, Kommentierregeln und gemeinsame Qualitätskriterien geklärt sind. Ein Versionsverlauf macht Änderungen und Rücknahmen nachvollziehbar. Er garantiert jedoch nicht automatisch faire Beteiligung oder sprachliche Qualität; beides muss die Gruppe aktiv sichern.“
Feedback: Eine gute Lösung vermeidet absolute Aussagen, nennt Bedingungen und unterscheidet technische Möglichkeiten von der Qualität der Zusammenarbeit.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wozu dient ein Versionsverlauf beim gemeinsamen Schreiben besonders? (Änderungen nachvollziehbar zu machen) (!alle Formulierungen automatisch zu verbessern) (!Quellenprüfung zu ersetzen) (!Rollen in der Gruppe überflüssig zu machen)
Welche Reihenfolge passt zur KI-Spirale? (Zuerst selbst erschließen und einen eigenen Ansatz entwickeln) (!Zuerst KI fragen und danach den Auftrag lesen) (!Zuerst KI-Text übernehmen und dann Quellen suchen) (!Zuerst private Daten eingeben und danach kürzen)
Wann ist ein Kommentar besonders sinnvoll? (Wenn eine Änderung Inhalt oder Deutung deutlich verändern würde) (!Wenn ein eindeutiger Tippfehler entfernt wird) (!Wenn eine Datei nur umbenannt wird) (!Wenn eine Überschrift fett gesetzt wird)
Was gehört zu einer brauchbaren Quellenangabe für ein Bild? (Urheber oder Institution sowie Lizenzangabe) (!nur die Suchmaschine) (!nur der Dateiname) (!nur das Thema des Bildes)
Was ist beim E-Niveau besonders wichtig? (Mehrdeutigkeit und unterschiedliche Deutungen begründet zu prüfen) (!nur möglichst viele Fremdwörter zu verwenden) (!jede Quelle gleich zu gewichten) (!Überarbeitungen möglichst unsichtbar zu machen)
Wie sollte ein Versionskonflikt gelöst werden? (Unterschiede nach Kriterien vergleichen und die Entscheidung dokumentieren) (!immer die letzte Fassung behalten) (!beide Fassungen ungeprüft aneinanderhängen) (!den gesamten Abschnitt löschen)
Was prüfst Du bei KI-Ausgaben unabhängig? (Texttreue Fakten Logik und Quellen) (!nur die Satzlänge) (!nur die Rechtschreibung) (!nur die Anzahl der Absätze)
Welche Rückmeldung ist am hilfreichsten? (Der Beleg steht nach der Folgerung verschiebe ihn davor und nenne die Quelle) (!Der Absatz ist irgendwie schlecht) (!Mach alles neu) (!Ich mag den Stil nicht)
Welche Materialien sind für eigene Veröffentlichungen besonders praktikabel? (Gemeinfreie offene oder eigene Materialien) (!beliebige Bilder ohne Lizenzprüfung) (!vollständige geschützte Bücher) (!unbekannte Dateien aus privaten Chats)
Warum sollte die Inhaltsrevision vor der Rechtschreibkorrektur stehen? (Weil zuerst Aussage Logik und Belege stimmen müssen) (!Weil Rechtschreibung unwichtig ist) (!Weil Kommentare danach verboten sind) (!Weil Versionen nur Sprache speichern)
Memory
| Versionsverlauf | dokumentiert Änderungen |
| Kommentar | begründeter Überarbeitungshinweis |
| Quellenprotokoll | hält Herkunft und Nutzung fest |
| Redaktion | prüft Gesamttext und Kohärenz |
| Freigabe | kontrollierte Endfassung |
| KI-Protokoll | macht Unterstützung transparent |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Auftrag klären | Schreibziel und Kriterien |
| Material erschließen | Quellen lesen und markieren |
| Rohfassung | Gedanken zusammenhängend formulieren |
| Inhaltsrevision | Logik und Belege prüfen |
| Sprachrevision | Präzision und Stil verbessern |
| Freigabe | Quellen Medien und Dokumentation prüfen |
Kreuzworträtsel
| Version | Wie heißt eine gespeicherte Entwicklungsstufe eines Textes? |
| Kommentar | Wie heißt ein begründeter Hinweis zur Überarbeitung? |
| Redaktion | Welche Rolle prüft Kohärenz und Endfassung? |
| Recherche | Welche Tätigkeit prüft Quellen und Belege? |
| Lizenz | Was regelt die erlaubte Nutzung eines offenen Mediums? |
| Transparenz | Welches Prinzip macht KI-Hilfe und Änderungen nachvollziehbar? |
LearningApps
Lückentext
Interaktive Fallaufgabe mit Feedback
Situation: In V2 ersetzt ein Gruppenmitglied einen vorsichtigen Satz durch „Studien beweisen eindeutig, dass kollaboratives Schreiben immer bessere Texte erzeugt“. Als Quelle steht nur „KI“.
Deine Entscheidung: Formuliere einen Kommentar, der die Änderung sachlich stoppt und einen nächsten Arbeitsschritt nennt.
Feedbackkriterien: Dein Kommentar ist stark, wenn er erstens die absolute Aussage markiert, zweitens einen überprüfbaren Beleg verlangt und drittens eine vorsichtigere Formulierung vorschlägt.
Muster: „Die Wörter ‚beweisen eindeutig‘ und ‚immer‘ sind ohne überprüfbare Quelle zu stark. Bitte prüfe eine geeignete Original- oder Fachquelle. Bis dahin sollten wir die Aussage abschwächen oder streichen.“
Selbstkontrolle
Prüfe vor der Abgabe:
- Ist das gemeinsame Schreibziel erkennbar?
- Sind Rollen und Zuständigkeiten geklärt?
- Gibt es mindestens mehrere sinnvolle Versionen statt nur einer Enddatei?
- Sind wichtige Änderungen begründet?
- Wurden Gegenpositionen oder Mehrdeutigkeiten angemessen geprüft?
- Sind Fakten und Belege unabhängig kontrolliert?
- Sind Text-, Bild-, Audio- und Videoquellen dokumentiert?
- Sind Lizenzen und Nutzungsbedingungen geprüft?
- Ist KI-Unterstützung transparent und knapp dokumentiert?
- Enthält die Dokumentation keine unnötigen personenbezogenen Daten?
Kompetenzcheck
| Ich kann … | sicher | teilweise | noch nicht |
|---|---|---|---|
| Rollen für einen komplexeren Schreibprozess begründen | □ | □ | □ |
| zwei Versionen nach Inhalt Logik und Sprache vergleichen | □ | □ | □ |
| konstruktive Kommentare mit Kriterien formulieren | □ | □ | □ |
| Quellen und Lizenzen für verschiedene Medien dokumentieren | □ | □ | □ |
| KI-Ausgaben unabhängig prüfen und die Nutzung transparent machen | □ | □ | □ |
| eine Gruppenentscheidung bei widersprüchlichen Fassungen begründen | □ | □ | □ |
Ziel auf E-Niveau: Du kannst nicht nur verbessern, sondern auch begründen, welche Änderung für Aufgabe, Quelle, Kontext und Zielgruppe am tragfähigsten ist.
Transfer
Übertrage das Verfahren auf eine neue Situation: Eure Gruppe soll aus einem Sachtext, einer Statistik, einem Bild und einem kurzen Audio einen gemeinsamen erklärend-argumentierenden Beitrag erstellen.
Plane dafür:
- Rollen und Versionen.
- Kriterien für Quellen und Medien.
- eine Stelle, an der unterschiedliche Deutungen möglich sind.
- eine sinnvolle KI-Frage erst nach eigener Materialerschließung.
- einen Nachweis, wie Ihr die KI-Antwort geprüft habt.
Reflexion
Beantworte knapp:
- Welche Änderung am gemeinsamen Text war fachlich am wichtigsten?
- Welcher Kommentar hat tatsächlich zu einer besseren Fassung geführt?
- Wo zeigte der Versionsverlauf einen Konflikt oder Lernfortschritt?
- Welche Quelle war besonders tragfähig und warum?
- Wo war KI hilfreich und wo musste sie korrigiert oder verworfen werden?
- Was würdest Du beim nächsten kollaborativen Schreibprojekt anders organisieren?
Folgekurs-Empfehlung
Als nächster Schritt passt ein Kurs zu materialgestütztem Schreiben, Quellenkritik oder Argumentation. Sinnvoll ist besonders ein Projekt, in dem mehrere Medienarten zusammengeführt und ihre Aussagen gegeneinander geprüft werden.
Offene Aufgaben
Leicht
- Rollenkarte: Erstelle für vier Rollen jeweils eine Karte mit Aufgabe, Entscheidungsspielraum und Prüffrage.
- Kommentartraining: Verwandle vier unklare Rückmeldungen wie „komisch“ oder „zu lang“ in konkrete Überarbeitungskommentare.
- Versionsetiketten: Entwirf sinnvolle Namen für fünf Textversionen und notiere jeweils das Ziel der Fassung.
- Medienfund: Finde ein offen lizenziertes Bild zum Thema Zusammenarbeit und dokumentiere Urheber, Quelle und Lizenz.
Standard
- Schreibkonferenz: Überarbeitet in einer Dreier- oder Vierergruppe einen eigenen Sachtext in mindestens drei dokumentierten Fassungen.
- Audiofeedback: Produziere ein kurzes Audiofeedback zu einem Absatz und überführe es anschließend in einen präzisen schriftlichen Kommentar.
- Quellenvergleich: Vergleiche zwei Quellen zur gleichen Sachfrage hinsichtlich Aktualität, Autorenschaft, Belegbarkeit und Eignung für Euren Text.
- KI-Protokoll: Stelle nach eigener Vorarbeit eine gezielte KI-Frage, prüfe die Antwort unabhängig und dokumentiere, was Du übernommen oder verworfen hast.
Schwer
- Versionskonflikt: Erzeuge bewusst zwei unterschiedliche Überarbeitungen desselben Absatzes und führe sie anhand expliziter Kriterien zu einer begründeten Endfassung zusammen.
- Multimodaler Beitrag: Entwickelt einen gemeinsamen Beitrag aus Text, offen lizenziertem Bild, eigener kurzer Audioaufnahme und einer selbst gestalteten Visualisierung.
- Redaktionsaudit: Prüfe einen Gruppenprozess im Nachhinein: Welche Entscheidungen sind im Versionsverlauf belegbar, welche nicht und wie ließe sich die Dokumentation verbessern?
- Transferprojekt: Übertrage das Verfahren auf eine schulische oder berufliche Schreibsituation und begründe, welche Rollen, Versionen und Prüfungen dort nötig wären.


Lernkontrolle
- Versionsanalyse: Vergleiche zwei Fassungen eines Absatzes. Erkläre, welche Änderung die Argumentationslogik verbessert und welche nur stilistisch wirkt.
- Quellenentscheidung: Wähle aus drei unterschiedlich geeigneten Quellen zwei für einen gemeinsamen Text aus und begründe die Auswahl anhand nachvollziehbarer Kriterien.
- Konfliktlösung: Entwickle für zwei unvereinbare Textfassungen ein Verfahren, mit dem die Gruppe zu einer begründeten gemeinsamen Version kommt.
- KI-Prüfung: Analysiere eine KI-Antwort auf mögliche Probleme bei Texttreue, Fakten, Logik und Quellen. Formuliere anschließend eine verbesserte eigene Fassung.
- Medientransfer: Entscheide, ob eine Information besser als Fließtext, Bild, Audio, Video oder Visualisierung dargestellt werden sollte, und begründe Deine Wahl.
- Prozessreflexion: Erkläre, wie Rollen, Kommentare und Versionsverlauf zusammenwirken, damit Verantwortung im Schreibprozess sichtbar bleibt.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis wichtig sind:
- ein klarer gemeinsamer Schreibauftrag auf E-Niveau.
- eine dokumentierte Planung mit Rollen.
- mindestens mehrere nachvollziehbare Textversionen.
- ausgewählte Kommentare mit sichtbarer Wirkung auf die Überarbeitung.
- eine kurze Begründung wichtiger Versionsentscheidungen.
- überprüfte und vollständig dokumentierte Quellen.
- rechtlich passende Medien mit Lizenzangaben.
- ein knappes KI-Protokoll, falls KI genutzt wurde.
- eine Reflexion über Mehrdeutigkeit, Konflikte, Qualität und Transfer.
- eine Endfassung, die in Inhalt, Logik, Sprache und Quellenführung geprüft ist.
Baden-Württemberg: Bildungsplan und Prüfungsbezug
Der gemeinsame Bildungsplan der Sekundarstufe I unterscheidet Niveaustufen. Für diesen aiMOOC wird ausschließlich das E-Niveau ausgearbeitet. Schreibkompetenz umfasst dabei nicht nur das Verfassen, sondern auch das Planen, Strukturieren, Überarbeiten, Begründen und den reflektierten Umgang mit Medien.
Stand September 2026: Überarbeitete Bildungsplanfassungen werden stufenweise eingeführt. Welche Fassung in Deiner Klasse verbindlich ist, hängt vom Schuljahr und der Einführung an Deiner Schule ab. Prüfe aktuelle Angaben im offiziellen Bildungsplanportal Baden-Württemberg und beim Kultusministerium.
Prüfungsjahr ≠ Schulabschluss: Ein Unterrichtsthema kann auf Kompetenzen vorbereiten, ohne damit automatisch eine bestimmte Abschlussprüfung zu bezeichnen. Verbindlich sind die jeweils aktuellen Vorgaben Deiner Schule und des Kultusministeriums.
Medien- und Quellenhinweise
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