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Buch - Dantons Tod - Büchner, Georg

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Originalwerk · Lesefassung

Dantons Tod

Büchner, Georg · 1834

Während der Französischen Revolution werden frühere Mitstreiter zu Gegnern. Danton und Robespierre stehen im Zentrum eines Dramas über politische Gewalt und Verantwortung.

DramaKlasse 11–136 Abschnitte
Künstlerische oder historische Darstellung zum Werk. Bildquelle und Textausgabe sind getrennt angegeben.
Bild zum Werk · Dantons Tod · Georg Büchner · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Politische Gewalt, Hinrichtungen und sexuelle Anspielungen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 6

1. Akt

1
1. Akt
Vorlage S. 8
2
Erster Akt
Vorlage S. 8
3
Hérault-Séchelles, einige Damen am Spieltisch.
Vorlage S. 8
4
Danton, Julie etwas weiter weg, Danton auf einem Schemel zu den Füßen von Julie.
Vorlage S. 8
5
DANTON.
Vorlage S. 8
6
Sieh die hübsche Dame, wie artig sie die Karten dreht! Ja wahrhaftig, sie versteht's; man sagt, sie halte ihrem Manne immer das cœur und anderen Leuten das carreau hin. – Ihr könntet einen noch in die Lüge verliebt machen.
Vorlage S. 8
7
JULIE.
Vorlage S. 8
8
Glaubst du an mich?
Vorlage S. 8
9
DANTON.
Vorlage S. 8
10
Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab, – wir sind sehr einsam.
Vorlage S. 8
11
JULIE.
Vorlage S. 8
12
Du kennst mich, Danton.
Vorlage S. 8
13
DANTON.
Vorlage S. 8
14
Ja, was man so kennen heißt. Du hast dunkle Augen und lockiges Haar und einen feinen Teint und sagst immer zu mir: lieber Georg! Aber Er deutet ihr auf Stirn und Augen. da, da, was liegt hinter dem? Geh, wir haben grobe Sinne. Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren. –
Vorlage S. 8
15
EINE DAME
Vorlage S. 8
16
zu Hérault.
Vorlage S. 8
17
Was haben Sie nur mit Ihren Fingern vor?
Vorlage S. 8
18
HÉRAULT.
Vorlage S. 8
19
Nichts!
Vorlage S. 8
20
DAME.
Vorlage S. 8
21
Schlagen Sie den Daumen nicht so ein, es ist nicht zum Ansehn!
Vorlage S. 8
22
HÉRAULT.
Vorlage S. 8
23
Sehn Sie nur, das Ding hat eine ganz eigne Physiognomie. –
Vorlage S. 8
24
DANTON.
Vorlage S. 8
25
Nein, Julie, ich liebe dich wie das Grab.
Vorlage S. 8
26
JULIE
Vorlage S. 8
27
sich abwendend.
Vorlage S. 8
28
O!
Vorlage S. 8
29
DANTON.
Vorlage S. 8
30
Nein, höre! Die Leute sagen, im Grab sei Ruhe, und Grab und Ruhe seien eins. Wenn das ist, lieg ich in deinem Schoß schon unter der Erde. Du süßes Grab, deine Lippen sind Totenglocken, deine Stimme ist mein Grabgeläute, deine Brust mein Grabhügel und dein Herz mein Sarg. –
Vorlage S. 8
31
DAME.
Vorlage S. 9
32
Verloren!
Vorlage S. 9
33
HÉRAULT.
Vorlage S. 9
34
Das war ein verliebtes Abenteuer, es kostet Geld wie alle andern.
Vorlage S. 9
35
DAME.
Vorlage S. 9
36
Dann haben Sie Ihre Liebeserklärungen, wie ein Taubstummer, mit den Fingern gemacht.
Vorlage S. 9
37
HÉRAULT.
Vorlage S. 9
38
Ei, warum nicht? Man will sogar behaupten, gerade die würden am leichtesten verstanden. – Ich zettelte eine Liebschaft mit einer Kartenkönigin an; meine Finger waren in Spinnen verwandelte Prinzen, Sie, Madame, waren die Fee; aber es ging schlecht, die Dame lag immer in den Wochen, jeden Augenblick bekam sie einen Buben. Ich würde meine Tochter dergleichen nicht spielen lassen, die Herren und Damen fallen so unanständig übereinander und die Buben kommen gleich hintennach.
Vorlage S. 9
39
Camille Desmoulins und Philippeau treten ein.
Vorlage S. 9
40
HÉRAULT.
Vorlage S. 9
41
Philippeau, welch trübe Augen! Hast du dir ein Loch in die rote Mütze gerissen? Hat der heilige Jakob ein böses Gesicht gemacht? Hat es während des Guillotinierens geregnet? Oder hast du einen schlechten Platz bekommen und nichts sehen können?
Vorlage S. 9
42
CAMILLE.
Vorlage S. 9
43
Du parodierst den Sokrates. Weißt du auch, was der Göttliche den Alcibiades fragte, als er ihn eines Tages finster und niedergeschlagen fand: »Hast du deinen Schild auf dem Schlachtfeld verloren? Bist du im Wettlauf oder im Schwertkampf besiegt worden? Hat ein andrer besser gesungen oder besser die Zither geschlagen?« Welche klassischen Republikaner! Nimm einmal unsere Guillotinenromantik dagegen!
Vorlage S. 9
44
PHILIPPEAU.
Vorlage S. 9
45
Heute sind wieder zwanzig Opfer gefallen. Wir waren im Irrtum, man hat die Hebertisten nur aufs Schafott geschickt, weil sie nicht systematisch genug verfuhren, vielleicht auch, weil die Dezemvirn sich verloren glaubten, wenn es nur eine Woche Männer gegeben hätte, die man mehr fürchtete als sie.
Vorlage S. 9
46
HÉRAULT.
Vorlage S. 10
47
Sie möchten uns zu Antediluvianern machen. St. Just säh es nicht ungern, wenn wir wieder auf allen vieren kröchen, damit uns der Advokat von Arras nach der Mechanik des Genfer Uhrmachers Fallhütchen, Schulbänke und einen Herrgott erfände.
Vorlage S. 10
48
PHILIPPEAU.
Vorlage S. 10
49
Sie würden sich nicht scheuen, zu dem Behuf an Marats Rechnung noch einige Nullen zu hängen. Wie lange sollen wir noch schmutzig und blutig sein wie neugeborne Kinder, Särge zur Wiege haben und mit Köpfen spielen? Wir müssen vorwärts: der Gnadenausschuß muss durchgesetzt, die ausgestoßnen Deputierten müssen wieder aufgenommen werden!
Vorlage S. 10
50
HÉRAULT.
Vorlage S. 10
51
Die Revolution ist in das Stadium der Reorganisation gelangt. – Die Revolution muss aufhören, und die Republik muss anfangen. – In unsern Staatsgrundsätzen muss das Recht an die Stelle der Pflicht, das Wohlbefinden an die der Tugend und die Notwehr an die der Strafe treten. Jeder muss sich geltend machen und seine Natur durchsetzen können. Er mag nun vernünftig oder unvernünftig, gebildet oder ungebildet, gut oder böse sein, das geht den Staat nichts an. Wir alle sind Narren, es hat keiner das Recht, einem andern seine eigentümliche Narrheit aufzudringen. – Jeder muss in seiner Art genießen können, jedoch so, dass keiner auf Unkosten eines andern genießen oder ihn in seinem eigentümlichen Genuss stören darf.
Vorlage S. 10
52
CAMILLE.
Vorlage S. 10
53
Die Staatsform muss ein durchsichtiges Gewand sein, das sich dicht an den Leib des Volkes schmiegt. Jedes Schwellen der Adern, jedes Spannen der Muskeln, jedes Zucken der Sehnen muss sich darin abdrücken. Die Gestalt mag nun schön oder hässlich sein, sie hat einmal das Recht, zu sein, wie sie ist; wir sind nicht berechtigt, ihr ein Röcklein nach Belieben zuzuschneiden. – Wir werden den Leuten, welche über die nackten Schultern der allerliebsten Sünderin Frankreich den Nonnenschleier werfen wollen, auf die Finger schlagen. – Wir wollen nackte Götter, Bacchantinnen, olympische Spiele, und von melodischen Lippen: ach, die gliederlösende, böse Liebe! – Wir wollen den Römern nicht verwehren, sich in die Ecke zu setzen und Rüben zu kochen, aber sie sollen uns keine Gladiatorspiele mehr geben wollen. – Der göttliche Epikur und die Venus mit dem schönen Hintern müssen statt der Heiligen Marat und Chalier die Türsteher der Republik werden. – Danton, du wirst den Angriff im Konvent machen!
Vorlage S. 10
54
DANTON.
Vorlage S. 11
55
Ich werde, du wirst, er wird. Wenn wir bis dahin noch leben! sagen die alten Weiber. Nach einer Stunde werden sechzig Minuten verflossen sein. Nicht wahr, mein Junge?
Vorlage S. 11
56
CAMILLE.
Vorlage S. 11
57
Was soll das hier? Das versteht sich von selbst.
Vorlage S. 11
58
DANTON.
Vorlage S. 11
59
O, es versteht sich alles von selbst. Wer soll denn all die schönen Dinge ins Werk setzen?
Vorlage S. 11
60
PHILIPPEAU.
Vorlage S. 11
61
Wir und die ehrlichen Leute.
Vorlage S. 11
62
DANTON.
Vorlage S. 11
63
Das ›und‹ dazwischen ist ein langes Wort, es hält uns ein wenig weit auseinander; die Strecke ist lang, die Ehrlichkeit verliert den Atem, eh wir zusammenkommen. Und wenn auch! – den ehrlichen Leuten kann man Geld leihen, man kann bei ihnen Gevatter stehn und seine Töchter an sie verheiraten, aber das ist alles!
Vorlage S. 11
64
CAMILLE.
Vorlage S. 11
65
Wenn du das weißt, warum hast du den Kampf begonnen?
Vorlage S. 11
66
DANTON.
Vorlage S. 11
67
Die Leute waren mir zuwider. Ich konnte dergleichen gespreizte Katonen nie ansehn, ohne ihnen einen Tritt zu geben. Mein Naturell ist einmal so.
Vorlage S. 11
68
Er erhebt sich.
Vorlage S. 11
69
JULIE.
Vorlage S. 11
70
Du gehst?
Vorlage S. 11
71
DANTON
Vorlage S. 11
72
zu Julie.
Vorlage S. 11
73
Ich muss fort, sie reiben mich mit ihrer Politik noch auf. – Im Hinausgehn. Zwischen Tür und Angel will ich euch prophezeien: die Statue der Freiheit ist noch nicht gegossen, der Ofen glüht, wir alle können uns noch die Finger dabei verbrennen.
Vorlage S. 11
74
Ab.
Vorlage S. 11
75
CAMILLE.
Vorlage S. 11
76
Lasst ihn! Glaubt ihr, er könne die Finger davon lassen, wenn es zum Handeln kömmt?
Vorlage S. 11
77
HÉRAULT.
Vorlage S. 11
78
Ja, aber bloß zum Zeitvertreib, wie man Schach spielt.
Vorlage S. 11
79
Eine Gasse.
Vorlage S. 11
80
Simon. Sein Weib.
Vorlage S. 12
81
SIMON
Vorlage S. 12
82
schlägt das Weib.
Vorlage S. 12
83
Du Kuppelpelz, du runzliche Sublimatpille, du wurmstichischer Sündenapfel!
Vorlage S. 12
84
WEIB.
Vorlage S. 12
85
He, Hülfe! Hülfe!
Vorlage S. 12
86
Es kommen.
Vorlage S. 12
87
LEUTE
Vorlage S. 12
88
gelaufen.
Vorlage S. 12
89
Reißt sie auseinander, reißt sie auseinander!
Vorlage S. 12
90
SIMON.
Vorlage S. 12
91
Nein, lasst mich, Römer! Zerschellen will ich dies Geripp! Du Vestalin!
Vorlage S. 12
92
WEIB.
Vorlage S. 12
93
Ich eine Vestalin? Das will ich sehen, ich.
Vorlage S. 12
94
SIMON.
Vorlage S. 12
95
So reiß ich von den Schultern dein Gewand.
Vorlage S. 12
96
Nackt in die Sonne schleudr' ich dann dein Aas.
Vorlage S. 12
97
Du Hurenbett, in jeder Runzel deines Leibes nistet Unzucht.
Vorlage S. 12
98
Sie werden getrennt.
Vorlage S. 12
99
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 12
100
Was gibt's?
Vorlage S. 12
101
SIMON.
Vorlage S. 12
102
Wo ist die Jungfrau? Sprich! Nein, so kann ich nicht sagen. Das Mädchen! Nein, auch das nicht. Die Frau, das Weib! Auch das, auch das nicht! Nur noch ein Name; o, der erstickt mich! Ich habe keinen Atem dafür.
Vorlage S. 12
103
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 12
104
Das ist gut, sonst würde der Name nach Schnaps riechen.
Vorlage S. 12
105
SIMON.
Vorlage S. 12
106
Alter Virginius, verhülle dein kahl Haupt – der Rabe Schande sitzt darauf und hackt nach deinen Augen. Gebt mir ein Messer, Römer!
Vorlage S. 12
107
Er sinkt um.
Vorlage S. 12
108
WEIB.
Vorlage S. 12
109
Ach, er ist sonst ein braver Mann, er kann nur nicht viel vertragen; der Schnaps stellt ihm gleich ein Bein.
Vorlage S. 12
110
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 12
111
Dann geht er mit dreien.
Vorlage S. 12
112
WEIB.
Vorlage S. 12
113
Nein, er fällt.
Vorlage S. 12
114
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 12
115
Richtig, erst geht er mit dreien, und dann fällt er auf das dritte, bis das dritte selbst wieder fällt.
Vorlage S. 12
116
SIMON.
Vorlage S. 12
117
Du bist die Vampirzunge, die mein wärmstes Herzblut trinkt.
Vorlage S. 12
118
WEIB.
Vorlage S. 12
119
Lasst ihn nur, das ist so die Zeit, worin er immer gerührt wird; es wird sich schon geben.
Vorlage S. 12
120
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 12
121
Was gibt's denn?
Vorlage S. 12
122
WEIB.
Vorlage S. 13
123
Seht ihr: ich saß da so auf dem Stein in der Sonne und wärmte mich, seht ihr – denn wir haben kein Holz, seht ihr –
Vorlage S. 13
124
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 13
125
So nimm deines Mannes Nase.
Vorlage S. 13
126
WEIB.
Vorlage S. 13
127
Und meine Tochter war da hinuntergegangen um die Ecke – sie ist ein braves Mädchen und ernährt ihre Eltern.
Vorlage S. 13
Porträt von Büchner, Georg; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Büchner, Georg · Philipp August Joseph Hoffmann (1807 bis 1883) · Public domain Bildquelle ↗
128
SIMON.
Vorlage S. 13
129
Ha, sie bekennt!
Vorlage S. 13
130
WEIB.
Vorlage S. 13
131
Du Judas! hättest du nur ein paar Hosen hinaufzuziehen, wenn die jungen Herren die Hosen nicht bei ihr hinunterließen? Du Branntweinfaß, willst du verdursten, wenn das Brünnlein zu laufen aufhört, he? – Wir arbeiten mit allen Gliedern, warum denn nicht auch damit; ihre Mutter hat damit geschafft, wie sie zur Welt kam, und es hat ihr weh getan; kann sie für ihre Mutter nicht auch damit schaffen, he? und tut's ihr auch weh dabei, he? Du Dummkopf!
Vorlage S. 13
132
SIMON.
Vorlage S. 13
133
Ha, Lukretia! ein Messer, gebt mir ein Messer, Römer! Ha, Appius Claudius!
Vorlage S. 13
134
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 13
135
Ja, ein Messer, aber nicht für die arme Hure! Was tat sie? Nichts! Ihr Hunger hurt und bettelt. Ein Messer für die Leute, die das Fleisch unserer Weiber und Töchter kaufen. Weh über die, so mit den Töchtern des Volkes huren! Ihr habt Kollern im Leib, und sie haben Magendrücken; ihr habt Löcher in den Jacken, und sie haben warme Röcke; ihr habt Schwielen in den Fäusten, und sie haben Samthände. Ergo, ihr arbeitet, und sie tun nichts; ergo, ihr habt's erworben, und sie haben's gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum ein paar Heller wiederhaben wollt, müsst ihr huren und betteln; ergo, sie sind Spitzbuben, und man muss sie totschlagen!
Vorlage S. 13
136
DRITTER BÜRGER.
Vorlage S. 13
137
Sie haben kein Blut in den Adern, als was sie uns ausgesaugt haben. Sie haben uns gesagt: schlagt die Aristokraten tot, das sind Wölfe! Wir haben die Aristokraten an die Laternen gehängt. Sie haben gesagt: das Veto frisst euer Brot; wir haben das Veto totgeschlagen. Sie haben gesagt: die Girondisten hungern euch aus; wir haben die Girondisten guillotiniert. Aber sie haben die Toten ausgezogen, und wir laufen wie zuvor auf nackten Beinen und frieren. Wir wollen ihnen die Haut von den Schenkeln ziehen und uns Hosen daraus machen, wir wollen ihnen das Fett auslassen und unsere Suppen mit schmelzen. Fort! Totgeschlagen, wer kein Loch im Rock hat!
Vorlage S. 13
138
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 14
139
Totgeschlagen, wer lesen und schreiben kann!
Vorlage S. 14
140
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 14
141
Totgeschlagen, wer auswärts geht!
Vorlage S. 14
142
ALLE
Vorlage S. 14
143
schreien.
Vorlage S. 14
144
Totgeschlagen! Totgeschlagen!
Vorlage S. 14
145
Einige schleppen einen jungen Menschen herbei.
Vorlage S. 14
146
EINIGE STIMMEN.
Vorlage S. 14
147
Er hat ein Schnupftuch! ein Aristokrat! an die Laterne! an die Laterne!
Vorlage S. 14
148
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 14
149
Was? er schneuzt sich die Nase nicht mit den Fingern? An die Laterne!
Vorlage S. 14
150
Eine Laterne wird heruntergelassen.
Vorlage S. 14
151
JUNGER MENSCH.
Vorlage S. 14
152
Ach, meine Herren!
Vorlage S. 14
153
ZWEITER BÜRGER.
Vorlage S. 14
154
Es gibt hier keine Herren! An die Laterne!
Vorlage S. 14
155
EINIGE
Vorlage S. 14
156
singen.
Vorlage S. 14
157
Die da liegen in der Erden,
Vorlage S. 14
158
Von de Würm gefresse werden;
Vorlage S. 14
159
Besser hangen in der Luft,
Vorlage S. 14
160
Als verfaulen in der Gruft!
Vorlage S. 14
161
JUNGER MENSCH.
Vorlage S. 14
162
Erbarmen!
Vorlage S. 14
163
DRITTER BÜRGER.
Vorlage S. 14
164
Nur ein Spielen mit einer Hanflocke um den Hals! 's ist nur ein Augenblick, wir sind barmherziger als ihr. Unser Leben ist der Mord durch Arbeit; wir hängen sechzig Jahre lang am Strick und zapplen, aber wir werden uns losschneiden. – An die Laterne!
Vorlage S. 14
165
JUNGER MENSCH.
Vorlage S. 14
166
Meinetwegen, ihr werdet deswegen nicht heller sehen.
Vorlage S. 14
167
DIE UMSTEHENDEN.
Vorlage S. 14
168
Bravo! Bravo!
Vorlage S. 14
169
EINIGE STIMMEN.
Vorlage S. 14
170
Lasst ihn laufen! Er entwischt.
Vorlage S. 14
171
Robespierre tritt auf, begleitet von Weibern und Ohnehosen.
Vorlage S. 14
172
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 14
173
Was gibt's da, Bürger?
Vorlage S. 14
174
DRITTER BÜRGER.
Vorlage S. 14
175
Was wird's geben? Die paar Tropfen Bluts vom August und September haben dem Volk die Backen nicht rot gemacht. Die Guillotine ist zu langsam. Wir brauchen einen Platzregen!
Vorlage S. 14
176
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 15
177
Unsere Weiber und Kinder schreien nach Brot, wir wollen sie mit Aristokratenfleisch füttern. He! totgeschlagen, wer kein Loch im Rock hat!
Vorlage S. 15
178
ALLE.
Vorlage S. 15
179
Totgeschlagen! Totgeschlagen!
Vorlage S. 15
180
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 15
181
Im Namen des Gesetzes!
Vorlage S. 15
182
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 15
183
Was ist das Gesetz?
Vorlage S. 15
184
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 15
185
Der Wille des Volks.
Vorlage S. 15
186
ERSTER BÜRGER.
Vorlage S. 15
187
Wir sind das Volk, und wir wollen, dass kein Gesetz sei; ergo ist dieser Wille das Gesetz, ergo im Namen des Gesetzes gibt's kein Gesetz mehr, ergo totgeschlagen!
Vorlage S. 15
188
EINIGE STIMMEN.
Vorlage S. 15
189
Hört den Aristides! hört den Unbestechlichen!
Vorlage S. 15
190
EIN WEIB.
Vorlage S. 15
191
Hört den Messias, der gesandt ist, zu wählen und zu richten; er wird die Bösen mit der Schärfe des Schwertes schlagen. Seine Augen sind die Augen der Wahl, seine Hände sind die Hände des Gerichts.
Vorlage S. 15
192
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 15
193
Armes, tugendhaftes Volk! Du tust deine Pflicht, du opferst deine Feinde. Volk, du bist groß! Du offenbarst dich unter Blitzstrahlen und Donnerschlägen. Aber, Volk, deine Streiche dürfen deinen eignen Leib nicht verwunden; du mordest dich selbst in deinem Grimm. Du kannst nur durch deine eigne Kraft fallen, das wissen deine Feinde. Deine Gesetzgeber wachen, sie werden deine Hände führen; ihre Augen sind untrügbar, deine Hände sind unentrinnbar. Kommt mit zu den Jakobinern! Eure Brüder werden euch ihre Arme öffnen, wir werden ein Blutgericht über unsere Feinde halten.
Vorlage S. 15
194
VIELE STIMMEN.
Vorlage S. 15
195
Zu den Jakobinern! Es lebe Robespierre!
Vorlage S. 15
196
Alle ab.
Vorlage S. 15
197
SIMON.
Vorlage S. 15
198
Weh mir, verlassen!
Vorlage S. 15
199
Er versucht sich aufzurichten.
Vorlage S. 15
200
WEIB.
Vorlage S. 15
201
Da!
Vorlage S. 15
202
Sie unterstützt ihn.
Vorlage S. 15
203
SIMON.
Vorlage S. 15
204
Ach, meine Baucis! du sammelst Kohlen auf mein Haupt.
Vorlage S. 15
205
WEIB.
Vorlage S. 15
206
Da steh!
Vorlage S. 15
207
SIMON.
Vorlage S. 15
208
Du wendest dich ab? Ha, kannst du mir vergeben, Porcia? Schlug ich dich? Das war nicht meine Hand, war nicht mein Arm, mein Wahnsinn tat es.
Vorlage S. 15
209
Sein Wahnsinn ist des armen Hamlet Feind.
Vorlage S. 16
210
Hamlet tat's nicht, Hamlet verleugnet's.
Vorlage S. 16
211
Wo ist unsre Tochter, wo ist mein Sannchen?
Vorlage S. 16
212
WEIB.
Vorlage S. 16
213
Dort um das Eck herum.
Vorlage S. 16
214
SIMON.
Vorlage S. 16
215
Fort zu ihr! Komm, mein tugendreich Gemahl.
Vorlage S. 16
216
Beide ab.
Vorlage S. 16
217
Der Jakobinerklub.
Vorlage S. 16
218
EIN LYONER.
Vorlage S. 16
219
Die Brüder von Lyon senden uns, um in eure Brust ihren bittren Unmut auszuschütten. Wir wissen nicht, ob der Karren, auf dem Ronsin zur Guillotine fuhr, der Totenwagen der Freiheit war, aber wir wissen, dass seit jenem Tage die Mörder Chaliers wieder so fest auf den Boden treten, als ob es kein Grab für sie gäbe. Habt ihr vergessen, dass Lyon ein Flecken auf dem Boden Frankreichs ist, den man mit den Gebeinen der Verräter zudecken muss? Habt ihr vergessen, dass diese Hure der Könige ihren Aussatz nur in dem Wasser der Rhone abwaschen kann? Habt ihr vergessen, dass dieser revolutionäre Strom die Flotten Pitts im Mittelmeere auf den Leichen der Aristokraten muss stranden machen? Eure Barmherzigkeit mordet die Revolution. Der Atemzug eines Aristokraten ist das Röcheln der Freiheit. Nur ein Feigling stirbt für die Republik, ein Jakobiner tötet für sie. Wisst: finden wir in euch nicht mehr die Spannkraft der Männer des 10. August, des September und des 31. Mai, so bleibt uns, wie dem Patrioten Gaillard, nur der Dolch des Kato.
Vorlage S. 16
220
Beifall und verwirrtes Geschrei.
Vorlage S. 16
221
EIN JAKOBINER.
Vorlage S. 16
222
Wir werden den Becher des Sokrates mit euch trinken!
Vorlage S. 16
223
LEGENDRE
Vorlage S. 16
224
schwingt sich auf die Tribüne.
Vorlage S. 16
225
Wir haben nicht nötig, unsere Blicke auf Lyon zu werfen. Die Leute, die seidne Kleider tragen, die in Kutschen fahren, die in den Logen im Theater sitzen und nach dem Diktionär der Akademie sprechen, tragen seit einigen Tagen die Köpfe fest auf den Schultern. Sie sind witzig und sagen, man müsse Marat und Chalier zu einem doppelten Märtyrertum verhelfen und sie in effigie guillotinieren. Heftige Bewegung in der Versammlung.
Vorlage S. 16
226
EINIGE STIMMEN.
Vorlage S. 17
227
Das sind tote Leute, ihre Zunge guillotiniert sie.
Vorlage S. 17
228
LEGENDRE.
Vorlage S. 17
229
Das Blut dieser Heiligen komme über sie! Ich frage die anwesenden Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses, seit wann ihre Ohren so taub geworden sind ...
Vorlage S. 17
230
COLLOT D'HERBOIS
Vorlage S. 17
231
unterbricht ihn.
Vorlage S. 17
232
Und ich frage dich, Legendre, wessen Stimme solchen Ge danken Atem gibt, dass sie lebendig werden und zu sprechen wagen? Es ist Zeit, die Masken abzureißen. Hört! Die Ursache verklagt ihre Wirkung, der Ruf sein Echo, der Grund seine Folge. Der Wohlfahrtsausschuß versteht mehr Logik, Legendre. Sei ruhig! Die Büsten der Heiligen werden unberührt bleiben, sie werden wie Medusenhäupter die Verräter in Stein verwandlen.
Vorlage S. 17
233
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 17
234
Ich verlange das Wort.
Vorlage S. 17
235
DIE JAKOBINER.
Vorlage S. 17
236
Hört, hört den Unbestechlichen!
Vorlage S. 17
237
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 17
238
Wir warteten nur auf den Schrei des Unwillens, der von allen Seiten ertönt, um zu sprechen. Unsere Augen waren offen, wir sahen den Feind sich rüsten und sich erheben, aber wir haben das Lärmzeichen nicht gegeben; wir ließen das Volk sich selbst bewachen, es hat nicht geschlafen, es hat an die Waffen geschlagen. Wir ließen den Feind aus seinem Hinterhalt hervorbrechen, wir ließen ihn anrücken; jetzt steht er frei und ungedeckt in der Helle des Tages, jeder Streich wird ihn treffen, er ist tot, sobald ihr ihn erblickt habt.
Vorlage S. 17
239
Ich habe es euch schon einmal gesagt: in zwei Abteilungen, wie in zwei Heerhaufen, sind die inneren Feinde der Republik zerfallen. Unter Bannern von verschiedener Farbe und auf den verschiedensten Wegen eilen sie alle dem nämlichen Ziele zu. Die eine dieser Faktionen ist nicht mehr. In ihrem affektierten Wahnsinn suchte sie die erprobtesten Patrioten als abgenutzte Schwächlinge beiseite zu werfen, um die Republik ihrer kräftigsten Arme zu berauben. Sie erklärte der Gottheit und dem Eigentum den Krieg, um eine Diversion zugunsten der Könige zu machen. Sie parodierte das erhabne Drama der Revolution, um dieselbe durch studierte Ausschweifungen bloßzustellen. Héberts Triumph hätte die Republik in ein Chaos verwandelt, und der Despotismus war befriedigt. Das Schwert des Gesetzes hat den Verräter getroffen. Aber was liegt den Fremden daran, wenn ihnen Verbrecher einer anderen Gattung zur Erreichung des nämlichen Zwecks bleiben? Wir haben nichts getan, wenn wir noch eine andere Faktion zu vernichten haben.
Vorlage S. 17
240
Sie ist das Gegenteil der vorhergehenden. Sie treibt uns zur Schwäche, ihr Feldgeschrei heißt: Erbarmen! Sie will dem Volk seine Waffen und die Kraft, welche die Waffen führt, entreißen, um es nackt und entnervt den Königen zu überantworten.
Vorlage S. 18
241
Die Waffe der Republik ist der Schrecken, die Kraft der Republik ist die Tugend – die Tugend, weil ohne sie der Schrecken verderblich, der Schrecken, weil ohne ihn die Tugend ohnmächtig ist. Der Schrecken ist ein Ausfluß der Tugend, er ist nichts anders als die schnelle, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Sie sagen, der Schrecken sei die Waffe einer despotischen Regierung, die unsrige gliche also dem Despotismus. Freilich! aber so, wie das Schwert in den Händen eines Freiheitshelden dem Säbel gleicht, womit der Satellit des Tyrannen bewaffnet ist. Regiere der Despot seine tierähnlichen Untertanen durch den Schrecken, er hat recht als Despot; zerschmettert durch den Schrecken die Feinde der Freiheit, und ihr habt als Stifter der Republik nicht minder recht. Die Revolutionsregierung ist der Despotismus der Freiheit gegen die Tyrannei.
Vorlage S. 18
242
Erbarmen mit den Royalisten! rufen gewisse Leute. Erbarmen mit Bösewichtern? Nein! Erbarmen für die Unschuld, Erbarmen für die Schwäche, Erbarmen für die Unglücklichen, Erbarmen für die Menschheit! Nur dem friedlichen Bürger gebührt von seiten der Gesellschaft Schutz.
Vorlage S. 18
243
In einer Republik sind nur Republikaner Bürger, Royalisten und Fremde sind Feinde. Die Unterdrücker der Menschheit bestrafen, ist Gnade; ihnen verzeihen, ist Barbarei. Alle Zeichen einer falschen Empfindsamkeit scheinen mir Seufzer, welche nach England oder nach Östreich fliegen.
Vorlage S. 19
244
Aber nicht zufrieden, den Arm des Volkes zu entwaffnen, sucht man noch die heiligsten Quellen seiner Kraft durch das Laster zu vergiften. Dies ist der feinste, gefährlichste und abscheulichste Angriff auf die Freiheit. Das Laster ist das Kainszeichen des Aristokratismus. In einer Republik ist es nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Verbrechen; der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit, er ist ihr um so gefährlicher, je größer die Dienste sind, die er ihr scheinbar erwiesen. Der gefährlichste Bürger ist derjenige, welcher leichter ein Dutzend rote Mützen verbraucht, als eine gute Handlung vollbringt.
Vorlage S. 19
245
Ihr werdet mich leicht verstehen, wenn ihr an Leute denkt, welche sonst in Dachstuben lebten und jetzt in Karossen fahren und mit ehemaligen Marquisinnen und Baronessen Unzucht treiben. Wir dürfen wohl fragen: ist das Volk geplündert, oder sind die Goldhände der Könige gedrückt worden, wenn wir Gesetzgeber des Volks mit allen Lastern und allem Luxus der ehemaligen Höflinge Parade machen, wenn wir diese Marquis und Grafen der Revolution reiche Weiber heiraten, üppige Gastmähler geben, spielen, Diener halten und kostbare Kleider tragen sehen? Wir dürfen wohl staunen, wenn wir sie Einfälle haben, schöngeistern und so etwas vom guten Ton bekommen hören. Man hat vor kurzem auf eine unverschämte Weise den Tacitus parodiert, ich könnte mit dem Sallust antworten und den Katilina travestieren; doch ich denke, ich habe keine Striche mehr nötig, die Porträts sind fertig.
Vorlage S. 19
246
Keinen Vertrag, keinen Waffenstillstand mit den Menschen, welche nur auf Ausplünderung des Volkes bedacht waren, welche diese Ausplünderung ungestraft zu vollbringen hofften, für welche die Republik eine Spekulation und die Revolution ein Handwerk war! In Schrecken gesetzt durch den reißenden Strom der Beispiele, suchen sie ganz leise die Gerechtigkeit abzukühlen. Man sollte glauben, jeder sage zu sich selbst: »Wir sind nicht tugendhaft genug, um so schrecklich zu sein. Philosophische Gesetzgeber, erbarmt euch unsrer Schwäche! Ich wage euch nicht zu sagen, dass ich lasterhaft bin; ich sage euch also lieber: seid nicht grausam!«
Vorlage S. 19
247
Beruhige dich, tugendhaftes Volk, beruhigt euch, ihr Patrioten! Sagt euren Brüdern zu Lyon: das Schwert des Gesetzes roste nicht in den Händen, denen ihr es anvertraut habt! – Wir werden der Republik ein großes Beispiel geben. Allgemeiner Beifall.
Vorlage S. 20
248
VIELE STIMMEN.
Vorlage S. 20
249
Es lebe die Republik! Es lebe Robespierre!
Vorlage S. 20
250
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 20
251
Die Sitzung ist aufgehoben.
Vorlage S. 20
252
Eine Gasse.
Vorlage S. 20
253
Lacroix. Legendre.
Vorlage S. 20
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
254
LACROIX.
Vorlage S. 20
255
Was hast du gemacht, Legendre! Weißt du auch, wem du mit deinen Büsten den Kopf herunterwirfst?
Vorlage S. 20
256
LEGENDRE.
Vorlage S. 20
257
Einigen Stutzern und eleganten Weibern, das ist alles.
Vorlage S. 20
258
LACROIX.
Vorlage S. 20
259
Du bist ein Selbstmörder, ein Schatten, der sein Original und somit sich selbst ermordet.
Vorlage S. 20
260
LEGENDRE.
Vorlage S. 20
261
Ich begreife nicht.
Vorlage S. 20
262
LACROIX.
Vorlage S. 20
263
Ich dächte, Collot hätte deutlich gesprochen.
Vorlage S. 20
264
LEGENDRE.
Vorlage S. 20
265
Was macht das? Er war wieder betrunken.
Vorlage S. 20
266
LACROIX.
Vorlage S. 20
267
Narren, Kinder und – nun? – Betrunkne sagen die Wahrheit. Wen glaubst du denn, dass Robespierre mit dem Katilina gemeint habe?
Vorlage S. 20
268
LEGENDRE.
Vorlage S. 20
269
Nun?
Vorlage S. 20
270
LACROIX.
Vorlage S. 20
271
Die Sache ist einfach. Man hat die Atheisten und Ultrarevolutionärs aufs Schafott geschickt; aber dem Volk ist nicht geholfen, es läuft noch barfuß in den Gassen und will sich aus Aristokratenleder Schuhe machen. Der Guillotinenthermometer darf nicht fallen; noch einige Grade, und der Wohlfahrtsausschuß kann sich sein Bett auf dem Revolutionsplatz suchen.
Vorlage S. 20
272
LEGENDRE.
Vorlage S. 21
273
Was haben damit meine Büsten zu schaffen?
Vorlage S. 21
274
LACROIX.
Vorlage S. 21
275
Siehst du's noch nicht? Du hast die Contrerevolution offiziell bekannt gemacht, du hast die Dezemvirn zur Energie gezwungen, du hast ihnen die Hand geführt. Das Volk ist ein Minotaurus, der wöchentlich seine Leichen haben muss, wenn er sie nicht auffressen soll.
Vorlage S. 21
276
LEGENDRE.
Vorlage S. 21
277
Wo ist Danton?
Vorlage S. 21
278
LACROIX.
Vorlage S. 21
279
Was weiß ich! Er sucht eben die Mediceische Venus stückweise bei allen Grisetten des Palais-Royal zusammen; er macht Mosaik, wie er sagt. Der Himmel weiß, bei welchem Glied er gerade ist. Es ist ein Jammer, dass die Natur die Schönheit, wie Medea ihren Bruder, zerstückt und sie so in Fragmenten in die Körper gesenkt hat. – Gehn wir ins Palais-Royal! Beide ab.
Vorlage S. 21
280
Ein Zimmer.
Vorlage S. 21
281
Danton. Marion.
Vorlage S. 21
282
MARION.
Vorlage S. 21
283
Nein, lass mich! So zu deinen Füßen. Ich will dir erzählen.
Vorlage S. 21
284
DANTON.
Vorlage S. 21
285
Du könntest deine Lippen besser gebrauchen.
Vorlage S. 21
286
MARION.
Vorlage S. 21
287
Nein, lass mich einmal so. – Meine Mutter war eine kluge Frau; sie sagte mir immer, die Keuschheit sei eine schöne Tugend. Wenn Leute ins Haus kamen und von manchen Dingen zu sprechen anfingen, hieß sie mich aus dem Zimmer gehn; frug ich, was die Leute gewollt hätten, so sagte sie mir, ich solle mich schämen; gab sie mir ein Buch zu lesen, so musst ich fast immer einige Seiten überschlagen. Aber die Bibel las ich nach Belieben, da war alles heilig; aber es war etwas darin, was ich nicht begriff. Ich mochte auch niemand fragen, ich brütete über mir selbst. Da kam der Frühling; es ging überall etwas um mich vor, woran ich keinen Teil hatte. Ich geriet in eine eigne Atmosphäre, sie erstickte mich fast. Ich betrachtete meine Glieder; es war mir manchmal, als wäre ich doppelt und verschmölze dann wieder in eins. Ein junger Mensch kam zu der Zeit ins Haus; er war hübsch und sprach oft tolles Zeug; ich wusste nicht recht, was er wollte, aber ich musste lachen. Meine Mutter hieß ihn öfters kommen, das war uns beiden recht. Endlich sahen wir nicht ein, warum wir nicht ebensogut zwischen zwei Bettüchern beieinander liegen, als auf zwei Stühlen nebeneinander sitzen durften. Ich fand dabei mehr Vergnügen als bei seiner Unterhaltung und sah nicht ab, warum man mir das geringere gewähren und das größere entziehen wollte. Wir taten's heimlich. Das ging so fort. Aber ich wurde wie ein Meer, was alles verschlang und sich tiefer und tiefer wühlte. Es war für mich nur ein Gegensatz da, alle Männer verschmolzen in einen Leib. Meine Natur war einmal so, wer kann da drüber hinaus? Endlich merkt' er's. Er kam eines Morgens und küsste mich, als wollte er mich ersticken; seine Arme schnürten sich um meinen Hals, ich war in unsäglicher Angst. Da ließ er mich los und lachte und sagte: er hätte fast einen dummen Streich gemacht; ich solle mein Kleid nur behalten und es brauchen, es würde sich schon von selbst abtragen, er wolle mir den Spaß nicht vor der Zeit verderben, es wäre doch das einzige, was ich hätte. Dann ging er; ich wusste wieder nicht, was er wollte. Den Abend saß ich am Fenster; ich bin sehr reizbar und hänge mit allem um mich nur durch eine Empfindung zusammen; ich versank in die Wellen der Abendröte. Da kam ein Haufe die Straße herab, die Kinder liefen voraus, die Weiber sahen aus den Fenstern. Ich sah hinunter: sie trugen ihn in einem Korb vorbei, der Mond schien auf seine bleiche Stirn, seine Locken waren feucht, er hatte sich ersäuft. Ich musste weinen. – Das war der einzige Bruch in meinem Wesen. Die andern Leute haben Sonn- und Werktage, sie arbeiten sechs Tage und beten am siebenten, sie sind jedes Jahr auf ihren Geburtstag einmal gerührt und denken jedes Jahr auf Neujahr einmal nach. Ich begreife nichts davon: ich kenne keinen Absatz, keine Veränderung. Ich bin immer nur eins; ein ununterbrochenes Sehnen und Fassen, eine Glut, ein Strom. Meine Mutter ist vor Gram gestorben; die Leute weisen mit Fingern auf mich. Das ist dumm. Es läuft auf eins hinaus, an was man seine Freude hat, an Leibern, Christusbildern, Blumen oder Kinderspielsachen; es ist das nämliche Gefühl; wer am meisten genießt, betet am meisten.
Vorlage S. 21
288
DANTON.
Vorlage S. 23
289
Warum kann ich deine Schönheit nicht ganz in mich fassen, sie nicht ganz umschließen?
Vorlage S. 23
290
MARION.
Vorlage S. 23
291
Danton, deine Lippen haben Augen.
Vorlage S. 23
292
DANTON.
Vorlage S. 23
293
Ich möchte ein Teil des Äthers sein, um dich in meiner Flut zu baden, um mich auf jeder Welle deines schönen Leibes zu brechen.
Vorlage S. 23
294
Lacroix, Adelaide, Rosalie treten ein.
Vorlage S. 23
295
LACROIX
Vorlage S. 23
296
bleibt in der Tür stehn.
Vorlage S. 23
297
Ich muss lachen, ich muss lachen.
Vorlage S. 23
298
DANTON
Vorlage S. 23
299
unwillig.
Vorlage S. 23
300
Nun?
Vorlage S. 23
301
LACROIX.
Vorlage S. 23
302
Die Gasse fällt mir ein.
Vorlage S. 23
303
DANTON.
Vorlage S. 23
304
Und?
Vorlage S. 23
305
LACROIX.
Vorlage S. 23
306
Auf der Gasse waren Hunde, eine Dogge und ein Bologneser Schoßhündlein, die quälten sich.
Vorlage S. 23
307
DANTON.
Vorlage S. 23
308
Was soll das?
Vorlage S. 23
309
LACROIX.
Vorlage S. 23
310
Das fiel mir nun grade so ein, und da musst ich lachen. Es sah erbaulich aus! Die Mädel guckten aus den Fenstern; man sollte vorsichtig sein und sie nicht einmal in der Sonne sitzen lassen. Die Mücken treiben's ihnen sonst auf den Händen; das macht Gedanken. – Legendre und ich sind fast durch alle Zellen gelaufen, die Nönnlein von der Offenbarung durch das Fleisch hingen uns an den Rockschößen und wollten den Segen. Legendre gibt einer die Disziplin, aber er wird einen Monat dafür zu fasten bekommen. Da bringe ich zwei von den Priesterinnen mit dem Leib.
Vorlage S. 23
311
MARION.
Vorlage S. 24
312
Guten Tag, Demoiselle Adelaide! guten Tag, Demoiselle Rosalie!
Vorlage S. 24
313
ROSALIE.
Vorlage S. 24
314
Wir hatten schon lange nicht das Vergnügen.
Vorlage S. 24
315
MARION.
Vorlage S. 24
316
Es war mir recht leid.
Vorlage S. 24
317
ADELAIDE.
Vorlage S. 24
318
Ach Gott, wir sind Tag und Nacht beschäftigt.
Vorlage S. 24
319
DANTON
Vorlage S. 24
320
zu Rosalie.
Vorlage S. 24
321
Ei, Kleine, du hast ja geschmeidige Hüften bekommen.
Vorlage S. 24
322
ROSALIE.
Vorlage S. 24
323
Ach ja, man vervollkommnet sich täglich.
Vorlage S. 24
324
LACROIX.
Vorlage S. 24
325
Was ist der Unterschied zwischen dem antiken und einem modernen Adonis?
Vorlage S. 24
326
DANTON.
Vorlage S. 24
327
Und Adelaide ist sittsam-interessant geworden; eine pikante Abwechslung. Ihr Gesicht sieht aus wie ein Feigenblatt, das sie sich vor den ganzen Leib hält. So ein Feigenbaum an einer so gangbaren Straße gibt einen erquicklichen Schatten.
Vorlage S. 24
328
ADELAIDE.
Vorlage S. 24
329
Ich wäre ein Herdweg, wenn Monsieur ...
Vorlage S. 24
330
DANTON.
Vorlage S. 24
331
Ich verstehe; nur nicht böse, mein Fräulein!
Vorlage S. 24
332
LACROIX.
Vorlage S. 24
333
So höre doch! Ein moderner Adonis wird nicht von einem Eber, sondern von Säuen zerrissen; er bekommt seine Wunde nicht am Schenkel, sondern in den Leisten, und aus seinem Blut sprießen nicht Rosen hervor, sondern schießen Quecksilberblüten an.
Vorlage S. 24
334
DANTON.
Vorlage S. 24
335
O lass das, Fräulein Rosalie ist ein restaurierter Torso, woran nur die Hüften und Füße antik sind. Sie ist eine Magnetnadel: was der Pol Kopf abstößt, zieht der Pol Fuß an; die Mitte ist ein Äquator, wo jeder eine Sublimattaufe bekömmt, der die Linie passiert.
Vorlage S. 24
336
LACROIX.
Vorlage S. 24
337
Zwei Barmherzige Schwestern; jede dient in einem Spital, d.h. in ihrem eignen Körper.
Vorlage S. 24
338
ROSALIE.
Vorlage S. 24
339
Schämen Sie sich, unsere Ohren rot zu machen!
Vorlage S. 24
340
ADELAIDE.
Vorlage S. 24
341
Sie sollten mehr Lebensart haben!
Vorlage S. 24
342
Adelaide und Rosalie ab.
Vorlage S. 24
343
DANTON.
Vorlage S. 24
344
Gute Nacht, ihr hübschen Kinder!
Vorlage S. 24
345
LACROIX.
Vorlage S. 24
346
Gute Nacht, ihr Quecksilbergruben!
Vorlage S. 24
347
DANTON.
Vorlage S. 24
348
Sie dauern mich, sie kommen um ihr Nachtessen.
Vorlage S. 24
349
LACROIX.
Vorlage S. 25
350
Höre, Danton, ich komme von den Jakobinern.
Vorlage S. 25
351
DANTON.
Vorlage S. 25
352
Nichts weiter?
Vorlage S. 25
353
LACROIX.
Vorlage S. 25
354
Die Lyoner verlasen eine Proklamation; sie meinten, es bliebe ihnen nichts übrig, als sich in die Toga zu wickeln. Jeder macht ein Gesicht, als wollte er zu seinem Nachbar sagen: Paetus, es schmerzt nicht! – Legendre rief, man wolle Chaliers und Marats Büsten zerschlagen. Ich glaube, er will sich das Gesicht wieder rot machen; er ist ganz aus der Terreur herausgekommen, die Kinder zupfen ihn auf der Gasse am Rock.
Vorlage S. 25
355
DANTON.
Vorlage S. 25
356
Und Robespierre?
Vorlage S. 25
357
LACROIX.
Vorlage S. 25
358
Fingerte auf der Tribüne und sagte: die Tugend muss durch den Schrecken herrschen. Die Phrase machte mir Halsweh.
Vorlage S. 25
359
DANTON.
Vorlage S. 25
360
Sie hobelt Bretter für die Guillotine.
Vorlage S. 25
361
LACROIX.
Vorlage S. 25
362
Und Collot schrie wie besessen, man müsse die Masken abreißen.
Vorlage S. 25
363
DANTON.
Vorlage S. 25
364
Da werden die Gesichter mitgehen.
Vorlage S. 25
365
Paris tritt ein.
Vorlage S. 25
366
LACROIX.
Vorlage S. 25
367
Was gibt's, Fabricius?
Vorlage S. 25
368
PARIS.
Vorlage S. 25
369
Von den Jakobinern weg ging ich zu Robespierre; ich verlangte eine Erklärung. Er suchte eine Miene zu machen wie Brutus, der seine Söhne opfert. Er sprach im allgemeinen von den Pflichten, sagte: der Freiheit gegenüber kenne er keine Rücksicht, er würde alles opfern, sich, seinen Bruder, seine Freunde.
Vorlage S. 25
370
DANTON.
Vorlage S. 25
371
Das war deutlich; man braucht nur die Skala herumzukehren, so steht er unten und hält seinen Freunden die Leiter. Wir sind Legendre Dank schuldig, er hat sie sprechen gemacht.
Vorlage S. 25
372
LACROIX.
Vorlage S. 25
373
Die Hebertisten sind noch nicht tot, das Volk ist materiell elend, das ist ein furchtbarer Hebel. Die Schale des Blutes darf nicht steigen, wenn sie dem Wohlfahrtsausschuß nicht zur Laterne werden soll; er hat Ballast nötig, er braucht einen schweren Kopf.
Vorlage S. 25
374
DANTON.
Vorlage S. 26
375
Ich weiß wohl – die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eignen Kinder. Nach einigem Besinnen. Doch, sie werden's nicht wagen.
Vorlage S. 26
376
LACROIX.
Vorlage S. 26
377
Danton, du bist ein toter Heiliger; aber die Revolution kennt keine Reliquien, sie hat die Gebeine aller Könige auf die Gasse und alle Bildsäulen von den Kirchen geworfen. Glaubst du, man würde dich als Monument stehen lassen?
Vorlage S. 26
378
DANTON.
Vorlage S. 26
379
Mein Name! das Volk!
Vorlage S. 26
Georg Friedrich Kersting – Mann am Sekretär. Vergleichsbild zum Lesen, Schreiben und Nachdenken; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Am Schreibtisch · Georg Friedrich Kersting · Public domain Bildquelle ↗
380
LACROIX.
Vorlage S. 26
381
Dein Name! Du bist ein Gemäßigter, ich bin einer, Camille, Philippeau, Hérault. Für das Volk sind Schwäche und Mäßigung eins; es schlägt die Nachzügler tot. Die Schneider von der Sektion der roten Mütze werden die ganze römische Geschichte in ihrer Nadel fühlen, wenn der Mann des September ihnen gegenüber ein Gemäßigter war.
Vorlage S. 26
382
DANTON.
Vorlage S. 26
383
Sehr wahr, und außerdem – das Volk ist wie ein Kind, es muss alles zerbrechen, um zu sehen, was darin steckt.
Vorlage S. 26
384
LACROIX.
Vorlage S. 26
385
Und außerdem, sind wir lasterhaft, wie Robespierre sagt, d.h. wir genießen; und das Volk ist tugendhaft, d.h. es genießt nicht, weil ihm die Arbeit die Genußorgane stumpf macht, es besäuft sich nicht, weil es kein Geld hat, und es geht nicht ins Bordell, weil es nach Käs und Hering aus dem Hals stinkt und die Mädel davor einen Ekel haben.
Vorlage S. 26
386
DANTON.
Vorlage S. 26
387
Es haßt die Genießenden wie ein Eunuch die Männer.
Vorlage S. 26
388
LACROIX.
Vorlage S. 26
389
Man nennt uns Spitzbuben, und Sich zu den Ohren Dantons neigend. es ist, unter uns gesagt, so halbwegs was Wahres dran. Robespierre und das Volk werden tugendhaft sein. St. Just wird einen Roman schreiben, und Barère wird eine Carmagnole schneidern und dem Konvent das Blutmäntelchen umhängen und – ich sehe alles.
Vorlage S. 26
390
DANTON.
Vorlage S. 26
391
Du träumst. Sie hatten nie Mut ohne mich, sie werden keinen gegen mich haben; die Revolution ist noch nicht fertig, sie könnten mich noch nötig haben, sie werden mich im Arsenal aufheben.
Vorlage S. 26
392
LACROIX.
Vorlage S. 26
393
Wir müssen handeln.
Vorlage S. 26
394
DANTON.
Vorlage S. 27
395
Das wird sich finden.
Vorlage S. 27
396
LACROIX.
Vorlage S. 27
397
Es wird sich finden, wenn wir verloren sind.
Vorlage S. 27
398
MARION
Vorlage S. 27
399
zu Danton.
Vorlage S. 27
400
Deine Lippen sind kalt geworden, deine Worte haben deine Küsse erstickt.
Vorlage S. 27
401
DANTON
Vorlage S. 27
402
zu Marion.
Vorlage S. 27
403
So viel Zeit zu verlieren! Das war der Mühe wert! – Zu Lacroix. Morgen geh ich zu Robespierre; ich werde ihn ärgern, da kann er nicht schweigen. Morgen also! Gute Nacht, meine Freunde, gute Nacht! ich danke euch!
Vorlage S. 27
404
LACROIX.
Vorlage S. 27
405
Packt euch, meine guten Freunde, packt euch! Gute Nacht, Danton! Die Schenkel der Demoiselle guillotinieren dich, der Mons Veneris wird dein Tarpejischer Fels.
Vorlage S. 27
406
Ab mit Paris.
Vorlage S. 27
407
Ein Zimmer.
Vorlage S. 27
408
Robespierre. Danton. Paris.
Vorlage S. 27
409
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 27
410
Ich sage dir, wer mir in den Arm fällt, wenn ich das Schwert ziehe, ist mein Feind – seine Absicht tut nichts zur Sache; wer mich verhindert, mich zu verteidigen, tötet mich so gut, als wenn er mich angriffe.
Vorlage S. 27
411
DANTON.
Vorlage S. 27
412
Wo die Notwehr aufhört, fängt der Mord an; ich sehe keinen Grund, der uns länger zum Töten zwänge.
Vorlage S. 27
413
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 27
414
Die soziale Revolution ist noch nicht fertig; wer eine Revolution zur Hälfte vollendet, gräbt sich selbst sein Grab. Die gute Gesellschaft ist noch nicht tot, die gesunde Volkskraft muss sich an die Stelle dieser nach allen Richtungen abgekitzelten Klasse setzen. Das Laster muss bestraft werden, die Tugend muss durch den Schrecken herrschen.
Vorlage S. 27
415
DANTON.
Vorlage S. 27
416
Ich verstehe das Wort Strafe nicht. – Mit deiner Tugend, Robespierre! Du hast kein Geld genommen, du hast keine Schulden gemacht, du hast bei keinem Weibe geschlafen, du hast immer einen anständigen Rock getragen und dich nie betrunken. Robespierre, du bist empörend rechtschaffen. Ich würde mich schämen, dreißig Jahre lang mit der nämlichen Moralphysiognomie zwischen Himmel und Erde herumzulaufen, bloß um des elenden Vergnügens willen, andre schlechter zu finden als mich. – Ist denn nichts in dir, was dir nicht manchmal ganz leise, heimlich sagte: du lügst, du lügst!?
Vorlage S. 27
417
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 28
418
Mein Gewissen ist rein.
Vorlage S. 28
419
DANTON.
Vorlage S. 28
420
Das Gewissen ist ein Spiegel, vor dem ein Affe sich quält; jeder putzt sich, wie er kann, und geht auf seine eigne Art auf seinen Spaß dabei aus. Das ist der Mühe wert, sich darüber in den Haaren zu liegen! Jeder mag sich wehren, wenn ein andrer ihm den Spaß verdirbt. Hast du das Recht, aus der Guillotine einen Waschzuber für die unreine Wäsche anderer Leute und aus ihren abgeschlagenen Köpfen Fleckkugeln für ihre schmutzigen Kleider zu machen, weil du immer einen sauber gebürsteten Rock trägst? Ja, du kannst dich wehren, wenn sie dir drauf spucken oder Löcher hineinreißen; aber was geht es dich an, solang sie dich in Ruhe lassen? Wenn sie sich nicht genieren, so herumzugehn, hast du deswegen das Recht, sie ins Grabloch zu sperren? Bist du der Polizeisoldat des Himmels? Und kannst du es nicht ebensogut mitansehn als dein lieber Herrgott, so halte dir dein Schnupftuch vor die Augen.
Vorlage S. 28
421
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 28
422
Du leugnest die Tugend?
Vorlage S. 28
423
DANTON.
Vorlage S. 28
424
Und das Laster. Es gibt nur Epikureer, und zwar grobe und feine, Christus war der feinste; das ist der einzige Unterschied, den ich zwischen den Menschen herausbringen kann. Jeder handelt seiner Natur gemäß, d.h. er tut, was ihm wohltut. – Nicht wahr, Unbestechlicher, es ist grausam, dir die Absätze so von den Schuhen zu treten?
Vorlage S. 28
425
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 28
426
Danton, das Laster ist zu gewissen Zeiten Hochverrat.
Vorlage S. 28
427
DANTON.
Vorlage S. 28
428
Du darfst es nicht proskribieren, ums Himmels willen nicht, das wäre undankbar; du bist ihm zu viel schuldig, durch den Kontrast nämlich. – Übrigens, um bei deinen Begriffen zu bleiben, unsere Streiche müssen der Republik nützlich sein, man darf die Unschuldigen nicht mit den Schuldigen treffen.
Vorlage S. 28
429
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 29
430
Wer sagt dir denn, dass ein Unschuldiger getroffen worden sei?
Vorlage S. 29
431
DANTON.
Vorlage S. 29
432
Hörst du, Fabricius? Es starb kein Unschuldiger! Er geht; im Hinausgehn zu Paris. Wir dürfen keinen Augenblick verlieren, wir müssen uns zeigen! Danton und Paris ab.
Vorlage S. 29
433
ROBESPIERRE
Vorlage S. 29
434
allein.
Vorlage S. 29
435
Geh nur! Er will die Rosse der Revolution am Bordell halten machen, wie ein Kutscher seine dressierten Gäule; sie werden Kraft genug haben, ihn zum Revolutionsplatz zu schleifen.
Vorlage S. 29
436
Mir die Absätze von den Schuhen treten! Um bei deinen Begriffen zu bleiben! – Halt! Halt! Ist's das eigentlich? – Sie werden sagen, seine gigantische Gestalt hätte zu viel Schatten auf mich geworfen, ich hätte ihn deswegen aus der Sonne gehen heißen. – Und wenn sie recht hätten? – Ist's denn so notwendig? Ja, ja! die Republik! Er muss weg. Es ist lächerlich, wie meine Gedanken einander beaufsichtigen. – Er muss weg. Wer in einer Masse, die vorwärts drängt, stehen bleibt, leistet so gut Widerstand, als trät er ihr entgegen: er wird zertreten.
Vorlage S. 29
437
Wir werden das Schiff der Revolution nicht auf den seichten Berechnungen und den Schlammbänken dieser Leute stranden lassen; wir müssen die Hand abhauen, die es zu halten wagt – und wenn er es mit den Zähnen packte!
Vorlage S. 29
438
Weg mit einer Gesellschaft, die der toten Aristokratie die Kleider ausgezogen und ihren Aussatz geerbt hat!
Vorlage S. 29
439
Keine Tugend! Die Tugend ein Absatz meiner Schuhe! Bei meinen Begriffen! – Wie das immer wiederkommt. – Warum kann ich den Gedanken nicht loswerden? Er deutet mit blutigem Finger immer da, da hin! Ich mag so viel Lappen darum wickeln, als ich will, das Blut schlägt immer durch. – Nach einer Pause. Ich weiß nicht, was in mir das andere belügt. Er tritt ans Fenster. Die Nacht schnarcht über der Erde und wälzt sich im wüsten Traum. Gedanken, Wünsche, kaum geahnt, wirr und gestaltlos, die scheu sich vor des Tages Licht verkrochen, empfangen jetzt Form und Gewand und stehlen sich in das stille Haus des Traums. Sie öffnen die Türen, sie sehen aus den Fenstern, sie werden halbwegs Fleisch, die Glieder strecken sich im Schlaf, die Lippen murmeln. – Und ist nicht unser Wachen ein hellerer Traum? sind wir nicht Nachtwandler? ist nicht unser Handeln wie das im Traum, nur deutlicher, bestimmter, durchgeführter? Wer will uns darum schelten? In einer Stunde verrichtet der Geist mehr Taten des Gedankens, als der träge Organismus unsres Leibes in Jahren nachzutun vermag. Die Sünde ist im Gedanken. Ob der Gedanke Tat wird, ob ihn der Körper nachspielt, das ist Zufall.
Vorlage S. 29
440
St. Just tritt ein.
Vorlage S. 30
441
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
442
He, wer da im Finstern? He, Licht, Licht!
Vorlage S. 30
443
ST.
Vorlage S. 30
444
JUST. Kennst du meine Stimme?
Vorlage S. 30
445
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
446
Ah du, St. Just!
Vorlage S. 30
447
Eine Dienerin bringt Licht.
Vorlage S. 30
448
ST.
Vorlage S. 30
449
JUST. Warst du allein?
Vorlage S. 30
450
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
451
Eben ging Danton weg.
Vorlage S. 30
452
ST.
Vorlage S. 30
453
JUST. Ich traf ihn unterwegs im Palais-Royal. Er machte seine revolutionäre Stirn und sprach in Epigrammen; er duzte sich mit den Ohnehosen, die Grisetten liefen hinter seinen Waden drein, und die Leute blieben stehn und zischelten sich in die Ohren, was er gesagt hatte. – Wir werden den Vorteil des Angriffs verlieren. Willst du noch länger zaudern? Wir werden ohne dich handeln. Wir sind entschlossen.
Vorlage S. 30
454
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
455
Was wollt ihr tun?
Vorlage S. 30
456
ST.
Vorlage S. 30
457
JUST. Wir berufen den Gesetzgebungs-, den Sicherheits- und den Wohlfahrtsausschuß zu feierlicher Sitzung.
Vorlage S. 30
458
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
459
Viel Umstände.
Vorlage S. 30
460
ST.
Vorlage S. 30
461
JUST. Wir müssen die große Leiche mit Anstand begraben, wie Priester, nicht wie Mörder; wir dürfen sie nicht verstümmeln, alle ihre Glieder müssen mit hinunter.
Vorlage S. 30
462
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 30
463
Sprich deutlicher!
Vorlage S. 30
464
ST.
Vorlage S. 30
465
JUST. Wir müssen ihn in seiner vollen Waffenrüstung beisetzen und seine Pferde und Sklaven auf seinem Grabhügel schlachten: Lacroix –
Vorlage S. 30
466
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 31
467
Ein ausgemachter Spitzbube, gewesener Advokatenschreiber, gegenwärtig Generalleutnant von Frankreich. Weiter!
Vorlage S. 31
468
ST.
Vorlage S. 31
469
JUST. Hérault-Séchelles.
Vorlage S. 31
470
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 31
471
Ein schöner Kopf!
Vorlage S. 31
472
ST.
Vorlage S. 31
473
JUST. Er war der schöngemalte Anfangsbuchstaben der Konstitutionsakte; wir haben dergleichen Zierat nicht mehr nötig, er wird ausgewischt. – Philippeau. – Camille.
Vorlage S. 31
474
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 31
475
Auch der?
Vorlage S. 31
476
ST.
Vorlage S. 31
477
JUST überreicht ihm ein Papier. Das dacht ich. Da lies!
Vorlage S. 31
478
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 31
479
Aha, ›Der alte Franziskaner‹! Sonst nichts? Er ist ein Kind, er hat über euch gelacht.
Vorlage S. 31
480
ST.
Vorlage S. 31
481
JUST. Lies hier, hier!
Vorlage S. 31
482
Er zeigt ihm eine Stelle.
Vorlage S. 31
483
ROBESPIERRE
Vorlage S. 31
484
liest.
Vorlage S. 31
485
›Dieser Blutmessias Robespierre auf seinem Kalvarienberge zwischen den beiden Schächern Couthon und Collot, auf dem er opfert und nicht geopfert wird. Die Guillotinen- Betschwestern stehen wie Maria und Magdalena unten. St. Just liegt ihm wie Johannes am Herzen und macht den Konvent mit den apokalyptischen Offenbarungen des Meisters bekannt; er trägt seinen Kopf wie eine Monstranz.‹
Vorlage S. 31
486
ST.
Vorlage S. 31
487
JUST. Ich will ihn den seinigen wie St. Denis tragen machen.
Vorlage S. 31
488
ROBESPIERRE
Vorlage S. 31
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liest weiter.
Vorlage S. 31
490
›Sollte man glauben, dass der saubere Frack des Messias das Leichenhemd Frankreichs ist, und dass seine dünnen, auf der Tribüne herumzuckenden Finger Guillotinenmesser sind? – Und du, Barère, der du gesagt hast, auf dem Revolutionsplatz werde Münze geschlagen! Doch – ich will den alten Sack nicht aufwühlen. Er ist eine Witwe, die schon ein halb Dutzend Männer hatte und sie alle begraben half. Wer kann was dafür? Das ist so eine Gabe, er sieht den Leuten ein halbes Jahr vor dem Tode das hippokratische Gesicht an. Wer mag sich auch zu Leichen setzen und den Gestank riechen?‹
Vorlage S. 31
491
Also auch du, Camille? – Weg mit ihnen! Rasch! Nur die Toten kommen nicht wieder. Hast du die Anklage bereit?
Vorlage S. 32
492
ST.
Vorlage S. 32
493
JUST. Es macht sich leicht. Du hast die Andeutungen bei den Jakobinern gemacht.
Vorlage S. 32
494
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 32
495
Ich wollte sie schrecken.
Vorlage S. 32
496
ST.
Vorlage S. 32
497
JUST. Ich brauche nur durchzuführen; die Fälscher geben das Ei und die Fremden den Apfel ab. – Sie sterben an der Mahlzeit, ich gebe dir mein Wort.
Vorlage S. 32
498
ROBESPIERRE.
Vorlage S. 32
499
Dann rasch, morgen! Keinen langen Todeskampf! Ich bin empfindlich seit einigen Tagen. – Nur rasch!
Vorlage S. 32
500
St. Just ab.
Vorlage S. 32
501
ROBESPIERRE
Vorlage S. 32
502
allein.
Vorlage S. 32
503
Jawohl, Blutmessias, der opfert und nicht geopfert wird. – Er hat sie mit seinem Blut erlöst, und ich erlöse sie mit ihrem eignen. Er hat sie sündigen gemacht, und ich nehme die Sünde auf mich. Er hatte die Wollust des Schmerzes, und ich habe die Qual des Henkers. Wer hat sich mehr verleugnet, ich oder er? – Und doch ist was von Narrheit in dem Gedanken. – Was sehen wir nur immer nach dem Einen? Wahrlich, der Menschensohn wird in uns allen gekreuzigt, wir ringen alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst keiner den andern mit seinen Wunden.
Vorlage S. 32
504
Mein Camille! – Sie gehen alle von mir – es ist alles wüst und leer – ich bin allein.
Vorlage S. 32

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wir waren im Irrtum, man hat die Hebertisten nur aufs Schafott geschickt, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Waffe der Republik ist der Schrecken, die Kraft der Republik ist die Tugend – die Tugend, weil ohne sie der Schrecken verderblich, der Schrecken, weil ohne ihn die Tugend ohnmächtig ist.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Wir werden den Becher des Sokrates mit euch trinken!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Alle Zeichen einer falschen Empfindsamkeit scheinen mir Seufzer, welche nach England oder nach Östreich fliegen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Die Hebertisten sind noch nicht tot, das Volk ist materiell elend, das ist ein furchtbarer Hebel.« B: »Die Waffe der Republik ist der Schrecken, die Kraft der Republik ist die Tugend – die Tugend, weil ohne sie der Schrecken verderblich, der Schrecken, weil ohne ihn die Tugend ohnmächtig ist.« C: »Jeder muss sich geltend machen und seine Natur durchsetzen können.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Guten Tag, Demoiselle Adelaide! …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Er sprach im […] von den Pflichten, sagte: der Freiheit gegenüber kenne er keine Rücksicht, er würde alles opfern, sich, seinen Bruder, seine Freunde.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Ist's das eigentlich? – Sie werden sagen, seine gigantische Gestalt hätte zu viel Schatten auf mich geworfen, ich hätte ihn deswegen aus der Sonne gehen heißen. – Und wenn sie recht hätten? – Ist's denn so notwendig?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ob der Gedanke Tat wird, ob …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Hérault-Séchelles, einige Damen am Spieltisch.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Mit deiner Tugend, Robespierre! Du hast kein Geld genommen, du hast keine Schulden gemacht, du hast bei keinem Weibe geschlafen, du hast immer einen anständigen Rock getragen und dich nie betrunken. Robespierre, du bist empörend […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Wort, es hält uns ein wenig weit auseinander; die Strecke ist lang, die Ehrlichkeit verliert den Atem, eh wir zusammenkommen. Und wenn auch! – den ehrlichen Leuten kann man Geld leihen, man kann bei ihnen Gevatter stehn und seine Töchter […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] seine Arme schnürten sich um meinen Hals, ich war in unsäglicher Angst. Da ließ er mich los und lachte und sagte: er hätte fast einen dummen Streich gemacht; ich solle mein Kleid nur behalten und es brauchen, es würde sich schon von selbst […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Spiele, und von melodischen Lippen: ach, die gliederlösende, böse Liebe! – Wir wollen den Römern nicht verwehren, sich in die Ecke zu setzen und Rüben zu kochen, aber sie sollen uns keine Gladiatorspiele mehr geben wollen. – Der göttliche […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Nur ein Spielen mit einer Hanflocke um den Hals! 's ist nur ein Augenblick, wir sind barmherziger als ihr. Unser Leben ist der […]« und »Sie dauern mich, sie kommen um ihr Nachtessen.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Mein Camille! – Sie gehen alle von mir – es ist alles wüst und leer – ich bin allein.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Hérault-Séchelles, einige Damen am Spieltisch.« / »Mein Camille! – Sie gehen alle von mir – es ist alles wüst und leer – ich bin allein.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Sieh die hübsche Dame, wie artig sie die Karten dreht!«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »In Schrecken gesetzt durch den reißenden Strom der Beispiele, suchen sie ganz leise die Gerechtigkeit abzukühlen.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Mein Camille! – Sie gehen alle von mir – es ist alles wüst und leer – ich bin allein.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Dantons Tod von Büchner, Georg ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Dantons Tod

Georg Büchner: Werke und Briefe. Neue, durchgesehene Ausgabe. Herausgegeben von Fritz Bergemann, 13. Auflage, Frankfurt a.M.: Insel, 1979. Büchner, Georg 8- 1979 Frankfurt a.M.

Das Werk Dantons Tod von Büchner, Georg ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.