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Bildung für nachhaltige Entwicklung - Pädagogik

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Bildung für nachhaltige Entwicklung - Pädagogik




Bildung für nachhaltige Entwicklung - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik Schwerpunkt: Bildung für nachhaltige Entwicklung, Didaktik, Erziehungswissenschaft, Transformative Bildung Zielgruppe: Studierende der Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik, Lehramtsausbildung und angrenzender Bildungswissenschaften Niveau: Hochschule, Bachelor und Master Bearbeitungszeit: etwa 8 bis 12 Stunden zuzüglich Projektarbeit


Einleitung

Bildung für nachhaltige Entwicklung, meist als BNE abgekürzt, ist ein pädagogischer Ansatz, der Menschen dazu befähigen soll, an der Gestaltung einer ökologisch tragfähigen, sozial gerechten und wirtschaftlich verantwortbaren Gesellschaft mitzuwirken. BNE verbindet Wissen, Werte, Emotion, Urteilsfähigkeit, Partizipation und Handlungskompetenz. Sie beschränkt sich daher weder auf Umweltbildung noch auf die Vermittlung einzelner Nachhaltigkeitstipps. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Lernende komplexe gesellschaftliche Herausforderungen verstehen, unterschiedliche Interessen abwägen, Zukunftsalternativen entwickeln und gemeinsam verantwortbare Entscheidungen treffen können.

Für die Pädagogik ist BNE besonders bedeutsam, weil sie grundlegende Fragen von Bildung, Mündigkeit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Demokratie und Transformation berührt. Pädagogisches Handeln ist dabei nie neutral im Sinne völliger Wertfreiheit. Es orientiert sich an normativen Leitideen wie Menschenwürde, Menschenrechte, Frieden, Generationengerechtigkeit, Globale Gerechtigkeit und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Gleichzeitig darf BNE Lernende nicht überwältigen oder zu vorgegebenen Verhaltensweisen erziehen. Sie soll vielmehr Räume eröffnen, in denen Kontroversen sichtbar werden, begründete Urteile entstehen und selbstbestimmtes Handeln möglich wird.

Nachhaltige Entwicklung wurde im sogenannten Brundtland-Bericht als eine Entwicklung beschrieben, die gegenwärtige Bedürfnisse berücksichtigt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden.[1] Diese Leitidee macht deutlich, dass ökologische, soziale, kulturelle, politische und ökonomische Entwicklungen miteinander verflochten sind. Fragen des Klimawandels, der Biodiversität, der Armut, der Ungleichheit, der Gesundheit, der Digitalisierung, der Migration, des Konsums oder der Demokratie lassen sich deshalb nicht isoliert bearbeiten.

Mit der Agenda 2030 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Jahr 2015 die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die als Sustainable Development Goals oder SDGs bezeichnet werden.[2] BNE ist ausdrücklich in Unterziel 4.7 verankert, zugleich trägt sie zur Bearbeitung aller 17 Ziele bei. Das UNESCO-Programm BNE 2030 betont daher die transformative Rolle von Bildung und benennt fünf prioritäre Handlungsfelder: politische Unterstützung, Transformation von Lernumgebungen, Kompetenzentwicklung von Lehrenden, Stärkung und Mobilisierung junger Menschen sowie lokales Handeln.[3]

Dieser aiMOOC führt Dich in die erziehungswissenschaftlichen Grundlagen von BNE ein. Du lernst zentrale Begriffe, Kompetenzmodelle, didaktische Prinzipien, Methoden, institutionelle Ansätze und Kritiklinien kennen. Darüber hinaus entwickelst Du eigene pädagogische Lernarrangements und reflektierst die professionelle Rolle von Pädagoginnen und Pädagogen in gesellschaftlichen Transformationsprozessen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. BNE definieren: Du kannst BNE von Umweltbildung, Globalem Lernen, Klimabildung und bloßer Verhaltenssteuerung unterscheiden.
  2. Entwicklungslinien einordnen: Du kannst zentrale Stationen vom Brundtland-Bericht über die Agenda 21, die UN-Dekade und das Weltaktionsprogramm bis zu BNE 2030 erläutern.
  3. Kompetenzen analysieren: Du kannst zentrale Nachhaltigkeitskompetenzen beschreiben und auf pädagogische Situationen übertragen.
  4. Didaktische Prinzipien anwenden: Du kannst partizipative, problemorientierte, handlungsorientierte und reflexive Lernarrangements begründen.
  5. Die pädagogische Rolle reflektieren: Du kannst Spannungen zwischen normativer Orientierung, Offenheit, Kontroversität und Mündigkeit bearbeiten.
  6. Institutionelle Entwicklung beurteilen: Du kannst erklären, wie BNE über einzelne Lehrveranstaltungen hinaus in Organisation, Betrieb und Kultur einer Bildungseinrichtung verankert werden kann.
  7. Lernprozesse evaluieren: Du kannst kompetenzorientierte Formen der Lernbegleitung und Leistungsbewertung für BNE entwickeln.
  8. Praxisprojekte konzipieren: Du kannst ein eigenes BNE-Projekt für Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung oder außerschulische Bildung planen.


Grundbegriffe und pädagogische Bedeutung


Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit ist ein Leitbegriff, der je nach wissenschaftlicher, politischer oder gesellschaftlicher Perspektive unterschiedlich akzentuiert wird. In pädagogischen Kontexten ist es hilfreich, zwischen Nachhaltigkeit als Zielvorstellung und nachhaltiger Entwicklung als offenem Such-, Lern- und Gestaltungsprozess zu unterscheiden.

Ein verbreitetes Modell unterscheidet ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen. Diese Dreiteilung ist didaktisch anschaulich, kann aber den falschen Eindruck erwecken, alle Interessen ließen sich stets gleichgewichtig ausbalancieren. Neuere Ansätze betonen deshalb, dass Wirtschaft und Gesellschaft in die natürlichen Lebensgrundlagen eingebettet sind. Ohne funktionsfähige Ökosysteme können weder soziale Versorgung noch ökonomische Produktion dauerhaft bestehen.

Für pädagogische Analysen sollten mindestens folgende Dimensionen gemeinsam betrachtet werden:

Dimension Leitfragen für pädagogische Situationen
Ökologie Welche Auswirkungen hat eine Entscheidung auf Klima, Ressourcen, Artenvielfalt und Ökosysteme?
Soziale Gerechtigkeit Wer profitiert, wer trägt Belastungen und wer wird ausgeschlossen?
Ökonomie Welche Produktions-, Konsum- und Verteilungsstrukturen wirken?
Politik Wer verfügt über Entscheidungsmacht und welche Beteiligungsmöglichkeiten bestehen?
Kultur Welche Werte, Deutungsmuster, Lebensstile und Traditionen prägen das Handeln?
Zeit Welche kurz- und langfristigen Folgen entstehen für gegenwärtige und zukünftige Generationen?
Raum Welche lokalen Entscheidungen haben globale Auswirkungen und umgekehrt?

Nachhaltige Entwicklung ist nicht nur eine technische Aufgabe. Sie ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess, in dem Zielkonflikte auftreten. Der Ausbau erneuerbarer Energien kann beispielsweise dem Klimaschutz dienen, zugleich aber Flächenkonflikte, Rohstoffbedarf oder Eingriffe in Lebensräume verursachen. BNE soll solche Spannungen nicht vereinfachen, sondern Lernende dazu befähigen, sie sachlich, multiperspektivisch und wertebezogen zu bearbeiten.


Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die 17 Sustainable Development Goals verbinden ökologische, soziale, politische und ökonomische Herausforderungen. Sie gelten für alle Staaten und nicht nur für Länder des sogenannten Globalen Südens. Für die Pädagogik ist besonders wichtig, dass die Ziele nicht als voneinander getrennte Themenliste behandelt werden. Zwischen ihnen bestehen Synergien und Konflikte.

Beispiel Mögliche Synergie Möglicher Zielkonflikt
Ausbau erneuerbarer Energien Beitrag zu Klimaschutz, Innovation und Versorgungssicherheit Rohstoffabbau, Flächennutzung und Konflikte um Naturschutz
Digitalisierung von Bildung Zugang zu Wissen und neue Beteiligungsformen Energieverbrauch, digitale Ungleichheit und Datenschutz
Nachhaltige Ernährung Gesundheit, Klimaschutz und Schutz von Ökosystemen Bezahlbarkeit, kulturelle Gewohnheiten und Erwerbsinteressen
Wirtschaftliches Wachstum Finanzierung sozialer Infrastruktur und Beschäftigung Steigender Ressourcenverbrauch bei fehlender ökologischer Entkopplung

Eine pädagogisch anspruchsvolle Auseinandersetzung mit den SDGs fragt daher nicht nur: Was ist das Ziel? Sie fragt auch: Welche Akteure sind betroffen? Welche Machtverhältnisse wirken? Welche Nebenfolgen entstehen? Welche Alternativen gibt es?


BNE, Umweltbildung, Globales Lernen und Klimabildung

BNE ist mit mehreren Bildungskonzepten verbunden, aber nicht mit ihnen identisch.

Ansatz Typischer Schwerpunkt Verhältnis zu BNE
Umweltbildung Naturerfahrung, Umweltschutz, ökologische Zusammenhänge Wichtige Wurzel von BNE, wird durch soziale, politische und ökonomische Perspektiven erweitert
Globales Lernen Globale Verflechtungen, Entwicklung, Gerechtigkeit und Perspektivenvielfalt Eng mit BNE verbunden, besonders bei globalen Macht- und Ungleichheitsfragen
Klimabildung Ursachen, Folgen, Anpassung und Minderung des Klimawandels Bedeutender Themenbereich innerhalb von BNE
Verbraucherbildung Konsumentscheidungen, Märkte, Rechte und Alltagskompetenzen Trägt zu nachhaltigem Konsum bei, darf Verantwortung aber nicht nur individualisieren
Demokratiebildung Beteiligung, Konfliktfähigkeit, Menschenrechte und politische Urteilsbildung Unverzichtbar, weil nachhaltige Entwicklung demokratische Aushandlung benötigt
Friedenspädagogik Gewaltprävention, Konfliktbearbeitung und Friedensfähigkeit Relevant für globale Gerechtigkeit, Ressourcenkonflikte und gesellschaftlichen Zusammenhalt

BNE integriert diese Perspektiven, ohne sie aufzulösen. Ihr besonderes Merkmal ist die Verbindung von Nachhaltigkeitsproblemen, Zukunftsorientierung, Kompetenzentwicklung, Partizipation und gesellschaftlicher Transformation.


Historische Entwicklung von BNE


Internationale Entwicklungslinien

Die heutige BNE ist das Ergebnis mehrerer umwelt-, entwicklungs- und bildungspolitischer Entwicklungslinien.

Zeitraum Meilenstein Pädagogische Bedeutung
1970er-Jahre Internationale Umweltkonferenzen und wachsende Umweltbildung Umweltprobleme werden als Bildungsaufgabe erkannt
1987 Brundtland-Bericht „Our Common Future“ Nachhaltige Entwicklung wird als Verbindung gegenwärtiger und zukünftiger Bedürfnisse formuliert
1992 Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro und Agenda 21 Bildung wird als Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung hervorgehoben
2005 bis 2014 UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung BNE wird international sichtbar und in Bildungsbereichen erprobt
2015 bis 2019 UNESCO-Weltaktionsprogramm BNE Strukturelle Verankerung und Skalierung rücken stärker in den Mittelpunkt
2015 Verabschiedung der Agenda 2030 mit 17 SDGs BNE wird in Ziel 4.7 verankert und auf alle SDGs bezogen
2020 bis 2030 UNESCO-Programm BNE 2030 Transformative Bildung, institutionelle Veränderung und lokales Handeln werden priorisiert

Die historische Entwicklung zeigt eine Verschiebung: Anfangs stand häufig die Vermittlung von Umweltwissen im Vordergrund. Heute wird BNE stärker als gesellschaftlicher und institutioneller Transformationsansatz verstanden. Pädagogische Einrichtungen sollen nicht nur über Nachhaltigkeit lehren, sondern selbst nachhaltige Lern- und Lebensorte werden.


BNE im deutschen Bildungssystem

In Deutschland wird BNE durch Bund, Länder, Kommunen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen umgesetzt. Der Nationale Aktionsplan BNE formuliert Handlungsfelder für frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, non-formales und informelles Lernen sowie Kommunen.

Die Kultusministerkonferenz verabschiedete am 13. Juni 2024 eine Empfehlung zur BNE in der Schule. Sie betont unter anderem die Orientierung an der Agenda 2030, systemisches Denken, kritische Reflexion, partizipatives Handeln und die Verankerung von BNE in Unterricht und Schulentwicklung.[4]

BNE ist damit keine freiwillige Ergänzung für einzelne Projekttage. Sie ist eine übergreifende Bildungsaufgabe, die Curricula, Lehrkräftebildung, Organisationsentwicklung, Kooperationen und Qualitätsentwicklung betrifft.


Erziehungswissenschaftliche Grundlagen


Bildung, Mündigkeit und Transformation

Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, was BNE unter Bildung versteht. Ein rein funktionalistisches Verständnis würde Lernende vor allem für die Umsetzung politisch vorgegebener Nachhaltigkeitsziele qualifizieren. Ein bildungstheoretisches Verständnis geht darüber hinaus: Bildung soll Menschen ermöglichen, sich selbst, ihre Weltbeziehungen und gesellschaftliche Ordnungen kritisch zu reflektieren.

BNE steht daher in einem Spannungsfeld:

Pol Gegenpol Pädagogische Aufgabe
Normative Orientierung an Nachhaltigkeit Offenheit individueller Urteile Werte transparent machen, ohne Lernende zu überwältigen
Dringlichkeit ökologischer Krisen Zeit für offene Bildungsprozesse Handlungsfähigkeit fördern, ohne Angst und Aktionismus zu verstärken
Wissenschaftliche Erkenntnisse Kontroverse gesellschaftliche Interessen Fakten klären und politische Deutungen unterscheidbar machen
Individuelles Handeln Strukturelle Verantwortung Alltagshandeln mit politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen verbinden
Lösungsorientierung Anerkennung von Unsicherheit Realistische Möglichkeiten entwickeln und Grenzen sichtbar machen

Mündigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Lernende Informationen prüfen, Interessen erkennen, Wertkonflikte reflektieren, eigenständig urteilen und verantwortungsvoll handeln können. BNE darf deshalb nicht als Erziehung zu einer einzigen „richtigen“ Lebensweise verstanden werden.


Konstruktivistische und erfahrungsorientierte Perspektiven

Konstruktivistische Lerntheorien gehen davon aus, dass Wissen nicht einfach übertragen wird. Lernende konstruieren Bedeutungen auf der Grundlage ihrer Erfahrungen, Vorannahmen und sozialen Interaktionen. Für BNE folgt daraus:

  1. Vorwissen: Alltagsvorstellungen über Klima, Konsum, Gerechtigkeit oder Wirtschaft müssen sichtbar gemacht werden.
  2. Problemorientierung: Lernen beginnt an relevanten, widersprüchlichen und authentischen Problemen.
  3. Kooperation: Wissen entsteht im Austausch unterschiedlicher Perspektiven.
  4. Reflexion: Eigene Deutungsmuster und Interessen werden überprüft.
  5. Anwendung: Erkenntnisse werden auf reale Handlungssituationen bezogen.

Erfahrungslernen betont die Verbindung von konkreter Erfahrung, reflektierender Beobachtung, begrifflicher Verarbeitung und erneutem Handeln. Ein Schulgartenprojekt wird beispielsweise erst dann zu BNE, wenn praktische Tätigkeit mit ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Fragen verbunden wird.


Transformatives Lernen

Transformatives Lernen bezeichnet Lernprozesse, in denen Menschen grundlegende Deutungsmuster, Annahmen und Selbstverständlichkeiten überprüfen und verändern. Bei Nachhaltigkeitsfragen ist dies bedeutsam, weil nicht nur neues Faktenwissen, sondern auch das Hinterfragen eingeübter Vorstellungen erforderlich sein kann.

Beispiele für solche Vorstellungen sind:

  1. Fortschritt: Fortschritt wird automatisch mit wachsendem Konsum gleichgesetzt.
  2. Naturverständnis: Natur erscheint lediglich als verfügbare Ressource.
  3. Verantwortung: Nachhaltigkeit wird allein als Aufgabe einzelner Konsumentinnen und Konsumenten betrachtet.
  4. Normalität: Bestehende Mobilitäts-, Ernährungs- oder Produktionsweisen gelten als alternativlos.
  5. Wissen: Wissenschaftliche Unsicherheit wird fälschlich als völliges Nichtwissen interpretiert.

Transformatives Lernen kann durch Irritationen, Perspektivwechsel, biografische Reflexion, Begegnungen, Dilemmata und kollektive Praxis angeregt werden. Es ist jedoch nicht planbar wie eine technische Verhaltensänderung. Pädagoginnen und Pädagogen können Lernräume schaffen, aber nicht festlegen, wie sich die Identität oder Weltanschauung eines Menschen verändern soll.


Kritische Pädagogik und Machtanalyse

Kritische Pädagogik lenkt den Blick auf Macht, Herrschaft, soziale Ungleichheit und die gesellschaftliche Produktion von Wissen. Nachhaltigkeitsprobleme sind ungleich verursacht und ungleich verteilt. Wohlhabende Bevölkerungsgruppen haben durchschnittlich größere ökologische Fußabdrücke, während verletzliche Gruppen oft stärker unter Umweltbelastungen und Klimafolgen leiden.

BNE sollte deshalb Fragen stellen wie:

  1. Macht: Wer kann Entscheidungen beeinflussen?
  2. Verteilungsgerechtigkeit: Wer erhält Ressourcen und wer trägt Risiken?
  3. Anerkennungsgerechtigkeit: Welche Erfahrungen und Wissensformen werden gehört?
  4. Verfahrensgerechtigkeit: Wer darf an Entscheidungen teilnehmen?
  5. Kolonialismus: Welche historischen Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnisse wirken fort?
  6. Intersektionalität: Wie überschneiden sich soziale Lage, Geschlecht, Herkunft, Behinderung und andere Ungleichheitsdimensionen?

Eine kritische BNE vermeidet es, globale Probleme ausschließlich durch individuelles Konsumverhalten erklären zu wollen. Sie verbindet persönliche Handlungsmöglichkeiten mit institutionellen, politischen und ökonomischen Strukturen.


Kompetenzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Kompetenzorientierung bedeutet, dass Lernende Wissen in komplexen Situationen nutzen können. Die UNESCO beschreibt übergreifende Nachhaltigkeitskompetenzen, die für die Bearbeitung aller SDGs relevant sind.[5]

Kompetenz Bedeutung Beispiel einer Lernhandlung
Systemdenken Zusammenhänge, Rückkopplungen, Grenzen und Wechselwirkungen erkennen Ein Mobilitätssystem als Zusammenspiel von Infrastruktur, Verhalten, Politik, Wirtschaft und Umwelt analysieren
Antizipationskompetenz Mögliche, wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte untersuchen Szenarien für eine klimaneutrale Hochschule im Jahr 2040 entwickeln
Normative Kompetenz Werte und Ziele erkennen, prüfen und aushandeln Gerechtigkeitskriterien für die Verteilung knapper Ressourcen begründen
Strategische Kompetenz Veränderungswege entwerfen und umsetzen Einen realistischen Aktionsplan zur Abfallvermeidung entwickeln
Kooperationskompetenz Mit unterschiedlichen Akteuren respektvoll zusammenarbeiten Einen Beteiligungsprozess mit Lernenden, Leitung, Verwaltung und Kommune moderieren
Kritisches Denken Annahmen, Quellen, Interessen und Machtverhältnisse prüfen Nachhaltigkeitswerbung eines Unternehmens auf Greenwashing untersuchen
Selbstreflexionskompetenz Eigene Werte, Gefühle, Privilegien und Handlungsmöglichkeiten reflektieren Den eigenen Umgang mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Alltag analysieren
Integrierte Problemlösekompetenz Verschiedene Kompetenzen auf komplexe Probleme beziehen Ein Konzept für eine sozial gerechte und ökologische Mensa entwickeln

Kompetenzen entstehen nicht durch einmalige Belehrung. Sie entwickeln sich in wiederholten Lerngelegenheiten, in denen Lernende Wissen anwenden, Entscheidungen treffen, Rückmeldungen erhalten und ihre Vorgehensweisen reflektieren.


Gestaltungskompetenz

Im deutschsprachigen BNE-Diskurs wurde besonders das Konzept der Gestaltungskompetenz bedeutsam. Es beschreibt die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklung anzuwenden und an zukunftsfähigen Veränderungen mitzuwirken.

Zu den häufig genannten Teilkompetenzen gehören unter anderem:

  1. Weltoffenheit: Perspektiven anderer Kulturen und Weltregionen einbeziehen.
  2. Vorausschauendes Denken: Zukunftsfolgen und Alternativen untersuchen.
  3. Interdisziplinarität: Wissen verschiedener Fachrichtungen verbinden.
  4. Partizipation: An Entscheidungen und Gestaltungsprozessen mitwirken.
  5. Kooperation: Gemeinsam planen, verhandeln und handeln.
  6. Zielkonflikt: Widersprüchliche Interessen und Werte reflektieren.
  7. Empathie: Betroffenheiten und Bedürfnisse anderer wahrnehmen.
  8. Selbstständigkeit: Eigene Vorhaben entwickeln und Verantwortung übernehmen.

Kompetenzmodelle sind didaktische Orientierungen, keine starren Checklisten. Sie sollten an konkrete Lerngegenstände, Zielgruppen und Kontexte angepasst werden.


Kognitive, sozioemotionale und handlungsbezogene Lernziele

BNE-Lernziele lassen sich in drei miteinander verbundene Bereiche gliedern.

Bereich Leitfrage Beispiel
Kognitiv Was soll verstanden, analysiert oder beurteilt werden? Lernende erklären Ursachen und Rückkopplungen des Klimawandels
Sozioemotional Welche Perspektiven, Werte, Beziehungen und Gefühle sollen reflektiert werden? Lernende setzen sich mit Betroffenheit, Verantwortung und Gerechtigkeit auseinander
Handlungsbezogen Welche Entscheidungen, Kooperationen oder Gestaltungsprozesse sollen möglich werden? Lernende planen eine Beteiligungsinitiative für nachhaltige Mobilität

Eine Schwäche mancher Bildungsangebote besteht darin, nur Faktenwissen zu prüfen oder nur zu Aktivität aufzurufen. Gute BNE verbindet Verstehen, Bewerten, Erleben, Reflektieren und Handeln.


Didaktische Prinzipien


Problemorientierung und Lebensweltbezug

BNE beginnt häufig mit realen Problemen, die für Lernende bedeutsam sind. Geeignete Lerngegenstände sind komplex genug, um mehrere Perspektiven zu eröffnen, aber konkret genug, um bearbeitet werden zu können.

Beispiele sind die Gestaltung eines Campus, die Verpflegung in einer Einrichtung, Hitze in der Stadt, faire Beschaffung, digitale Geräte, Mobilität, Energieverbrauch oder die Nutzung öffentlicher Räume.

Lebensweltorientierung bedeutet nicht, beim unmittelbaren Alltag stehen zu bleiben. Eine Trinkflasche kann Ausgangspunkt sein, um globale Lieferketten, Rohstoffgewinnung, Arbeitsbedingungen, Abfallpolitik und Konsumkultur zu untersuchen.


Partizipation und Demokratie

Partizipation ist zugleich Lernziel, Lernweg und Qualitätsmerkmal von BNE. Lernende sollen nicht nur über Beteiligung sprechen, sondern reale Mitgestaltung erfahren.

Partizipation kann unterschiedliche Stufen annehmen:

Form Kennzeichen Pädagogische Bewertung
Information Lernende erhalten Einblick in Entscheidungen Notwendig, aber noch keine Mitentscheidung
Anhörung Meinungen werden erfragt Wirksam nur, wenn Rückmeldung zum Umgang mit Beiträgen erfolgt
Mitwirkung Lernende übernehmen Teilaufgaben Beteiligung wächst, Entscheidungsmacht bleibt teilweise begrenzt
Mitentscheidung Ziele und Maßnahmen werden gemeinsam beschlossen Hoher Grad demokratischer Beteiligung
Selbstorganisation Lernende initiieren und steuern Vorhaben weitgehend selbst Erfordert Ressourcen, Verantwortung und verlässliche Unterstützung

Scheinpartizipation entsteht, wenn Entscheidungen bereits feststehen oder Beiträge der Lernenden ohne Begründung folgenlos bleiben. Pädagoginnen und Pädagogen müssen daher transparent machen, welche Spielräume tatsächlich bestehen.


Kontroversität und Multiperspektivität

Nachhaltigkeitsfragen enthalten häufig wissenschaftliche, politische und ethische Kontroversen. Pädagogische Professionalität verlangt, unterschiedliche begründete Positionen sichtbar zu machen. Kontroversität bedeutet jedoch nicht, gesicherte Tatsachen und Desinformation gleichwertig zu behandeln.

Eine didaktisch sinnvolle Unterscheidung lautet:

  1. Wissenschaftlicher Konsens: Gut belegte Erkenntnisse werden als solche gekennzeichnet.
  2. Wissenschaftliche Unsicherheit: Grenzen von Daten und Modellen werden transparent gemacht.
  3. Politische Kontroverse: Unterschiedliche Ziele, Interessen und Instrumente werden diskutiert.
  4. Ethischer Konflikt: Konkurrierende Werte und Gerechtigkeitsvorstellungen werden begründet abgewogen.
  5. Desinformation: Nachweislich falsche oder manipulativ verkürzte Aussagen werden quellenkritisch geprüft.


Handlungsorientierung und Reflexion

Handlungsorientierter Unterricht ermöglicht Lernenden, Produkte zu erstellen, Projekte zu realisieren, Entscheidungen zu treffen oder gesellschaftlich wirksam zu werden. Handeln allein garantiert jedoch keinen Bildungsprozess. Ohne Reflexion kann ein Aktionstag folgenlos bleiben oder moralischen Druck erzeugen.

Ein vollständiger BNE-Lernzyklus kann so aussehen:

Phase Leitfrage
Wahrnehmen Was geschieht und wer ist betroffen?
Erklären Welche Ursachen, Strukturen und Wechselwirkungen bestehen?
Bewerten Welche Werte und Kriterien sind relevant?
Entwerfen Welche Zukunftsalternativen und Strategien sind denkbar?
Handeln Was kann individuell, kollektiv oder institutionell umgesetzt werden?
Reflektieren Was wurde gelernt, erreicht oder übersehen?


Zukunftsorientierung und Umgang mit Unsicherheit

BNE beschäftigt sich mit Zukünften, die nicht exakt vorhergesagt werden können. Lernende sollen daher zwischen möglichen, wahrscheinlichen und wünschenswerten Entwicklungen unterscheiden.

Szenariotechnik, Zukunftswerkstatt und Backcasting helfen, Zukunft nicht als festgelegtes Schicksal zu betrachten. Beim Backcasting wird zunächst ein wünschenswertes Zukunftsbild entwickelt. Anschließend wird rückwärts gefragt, welche Schritte von dort bis zur Gegenwart notwendig wären.

Pädagogisch wichtig ist ein realistischer Umgang mit Unsicherheit. Weder Katastrophismus noch unbegründeter Optimismus fördern dauerhaftes Lernen. BNE sollte Bedrohungen sachlich benennen und zugleich kollektive Handlungsmöglichkeiten sichtbar machen.


Interdisziplinarität und Transdisziplinarität

Nachhaltigkeitsprobleme überschreiten Fachgrenzen. Interdisziplinarität verbindet wissenschaftliche Perspektiven, etwa Pädagogik, Soziologie, Ökologie, Ökonomie und Politikwissenschaft. Transdisziplinarität bezieht zusätzlich Praxiswissen und gesellschaftliche Akteure ein.

Ein Projekt zur nachhaltigen Schulverpflegung kann beispielsweise Ernährungswissenschaft, Ökonomie, Ethik, Logistik, Kultur, Landwirtschaft und Partizipation verbinden. Lernende arbeiten dabei mit Küchenpersonal, Eltern, Lieferbetrieben, Verwaltung oder kommunalen Initiativen zusammen.


Methoden für BNE-Lernprozesse

Methode Eignung Mögliche Herausforderung
Projektarbeit Reale Probleme bearbeiten und Verantwortung übernehmen Zeitbedarf, unklare Rollen und Gefahr oberflächlicher Aktivitäten
Service Learning Fachliches Lernen mit gemeinwohlorientiertem Engagement verbinden Kooperationen müssen auf Gegenseitigkeit statt auf Hilfe-Hierarchien beruhen
Zukunftswerkstatt Kritik, Visionen und Umsetzungsideen strukturiert verbinden Visionen benötigen realistische Anschlussplanung
Szenariotechnik Unsichere Zukunftsentwicklungen untersuchen Szenarien dürfen nicht mit Vorhersagen verwechselt werden
Planspiel Akteursinteressen und Entscheidungsprozesse erfahrbar machen Rollen können stereotype Sichtweisen verstärken
Dilemmadiskussion Ethische Urteilskompetenz fördern Komplexe Fragen dürfen nicht künstlich auf zwei Optionen reduziert werden
Forschendes Lernen Eigene Fragen entwickeln, Daten erheben und auswerten Methodische Qualität und Datenschutz müssen gesichert sein
Reallabor Wissenschaft, Bildung und Praxis in realen Veränderungsprozessen verbinden Hoher Koordinationsaufwand und offene Ergebnisse
Exkursion Lernorte, Konflikte und Akteure unmittelbar kennenlernen Beobachtungen benötigen Vor- und Nachbereitung
Debatte Argumentations- und Urteilskompetenz stärken Rhetorische Stärke darf nicht mit sachlicher Qualität verwechselt werden
Portfolio Individuelle Lernwege, Produkte und Reflexionen dokumentieren Bewertungskriterien müssen transparent sein
Concept-Map Systeme, Zusammenhänge und Rückkopplungen visualisieren Komplexität kann durch zu starke Vereinfachung verloren gehen


Beispiel: Forschendes Lernen zum Ressourcenverbrauch

Ein hochschulisches BNE-Seminar kann den Ressourcenverbrauch des eigenen Fachbereichs untersuchen. Studierende entwickeln Forschungsfragen, erheben Daten und entwerfen Maßnahmen.

Ein möglicher Ablauf:

  1. Forschungsfrage: Welche materiellen und energetischen Ressourcen werden im Studienalltag genutzt?
  2. Datenerhebung: Beobachtungen, Dokumentenanalysen, Interviews und Messungen durchführen.
  3. Systemanalyse: Beschaffung, Nutzung, Entsorgung, Zuständigkeiten und Anreizstrukturen verbinden.
  4. Bewertung: Ökologische Wirkungen, soziale Fragen, Kosten und Datenschutz abwägen.
  5. Intervention: Eine begrenzte Maßnahme gemeinsam mit Praxisakteuren erproben.
  6. Evaluation: Wirkungen, Nebenfolgen und Lernprozesse auswerten.
  7. Transfer: Empfehlungen für Organisation, Lehre und Studierendenbeteiligung formulieren.

Die Lehrperson begleitet den Prozess als fachliche Expertin oder fachlicher Experte, Moderatorin oder Moderator, Feedbackgeberin oder Feedbackgeber und Mitlernende oder Mitlernender.


Planung eines BNE-Lernarrangements


Didaktische Analyse

Bei der Planung solltest Du nicht mit einer Methode beginnen, sondern mit einer didaktischen Analyse.

Planungsdimension Leitfragen
Gegenwartsbedeutung Warum ist das Thema für die Lernenden jetzt relevant?
Zukunftsbedeutung Welche zukünftigen Entscheidungen und Lebenslagen sind berührt?
Exemplarisches Lernen Welche allgemeinen Strukturen lassen sich am Beispiel erkennen?
Zugänglichkeit Welche Erfahrungen, Medien, Orte oder Konflikte eröffnen einen Zugang?
Sachanalyse Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Kontroversen sind zentral?
Zielgruppenanalyse Welche Vorerfahrungen, Sprachen, Interessen und Barrieren bestehen?
Kompetenzziele Was sollen Lernende verstehen, beurteilen, gestalten und reflektieren können?
Partizipation Wo können Lernende Ziele, Wege und Produkte mitbestimmen?
Transfer Wie wird der Lernprozess mit realen Handlungsfeldern verbunden?
Evaluation Woran werden Lernfortschritt und Qualität erkannt?


Beispiel einer konstruktiven Abstimmung

Eine kompetenzorientierte Planung verbindet Lernziele, Lernaktivitäten und Prüfungsformen. Dieses Prinzip wird als Constructive Alignment bezeichnet.

Lernziel Lernaktivität Lernnachweis
Studierende analysieren ein lokales Nachhaltigkeitsproblem systemisch Akteurs- und Wirkungsanalyse in Gruppen Kommentierte Systemkarte
Studierende wägen Zielkonflikte anhand transparenter Kriterien ab Dilemmadiskussion und Kriterienmatrix Begründetes Positionspapier
Studierende entwickeln eine partizipative Intervention Ko-Kreation mit Praxispartnern Projektplan mit Beteiligungskonzept
Studierende reflektieren die eigene professionelle Rolle Lerntagebuch und kollegiales Feedback Reflexionsessay


Ein pädagogisches Planungsraster

Thema: Nachhaltige Mobilität an einer Hochschule

Leitproblem: Wie kann Mobilität ökologischer werden, ohne soziale Teilhabe einzuschränken?

Akteure: Studierende, Beschäftigte, Hochschulleitung, Verkehrsbetriebe, Kommune, Anwohnende und Menschen mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen.

Kompetenzziele: Systemdenken, normative Kompetenz, Kooperation, strategische Kompetenz und Selbstreflexion.

Methoden: Mobilitätstagebuch, Kartierung, Interviews, Szenarien, Zukunftswerkstatt und öffentlicher Dialog.

Produkt: Ein begründetes Maßnahmenpaket mit kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Vorschlägen.

Reflexion: Welche Zielkonflikte bleiben bestehen? Welche Gruppen waren unterrepräsentiert? Welche Verantwortung liegt bei Einzelnen und welche bei Institutionen?


Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen

BNE verändert die professionelle Rolle von Lehrenden. Sie sind weder neutrale Beobachtende noch moralische Autoritäten mit fertigen Lösungen.

Zu professionellen Aufgaben gehören:

  1. Fachlichkeit: Wissenschaftlich belastbares Wissen bereitstellen und Quellenkritik fördern.
  2. Moderation: Dialoge, Konflikte und Gruppenprozesse strukturieren.
  3. Kontroversität: Unterschiedliche begründete Positionen sichtbar machen.
  4. Transparenz: Eigene Werte, Interessen und institutionelle Grenzen reflektieren.
  5. Partizipation: Reale Mitbestimmung ermöglichen.
  6. Ermutigung: Selbstwirksamkeit fördern, ohne Verantwortung zu individualisieren.
  7. Schutz: Diskriminierung, Beschämung und Überforderung verhindern.
  8. Kooperation: Lernorte mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft vernetzen.
  9. Reflexivität: Das eigene pädagogische Handeln und unbeabsichtigte Wirkungen untersuchen.


Umgang mit Emotionen und Klimaangst

Nachhaltigkeitsthemen können Angst, Trauer, Wut, Schuld, Ohnmacht oder Abwehr auslösen. Emotionen sind keine Störungen des Lernens, sondern Teil der Auseinandersetzung.

Pädagogisch hilfreich sind:

  1. Emotionale Sicherheit: Gefühle dürfen benannt werden, ohne sie zu pathologisieren.
  2. Sachliche Orientierung: Belastende Informationen werden kontextualisiert.
  3. Kollektive Selbstwirksamkeit: Gemeinsam erreichbare Handlungsmöglichkeiten werden sichtbar.
  4. Grenzen der Verantwortung: Lernende sind nicht allein für globale Krisen verantwortlich.
  5. Reflexion: Unterschiedliche Bewältigungsweisen werden respektiert.
  6. Unterstützung: Bei starker psychischer Belastung wird auf professionelle Hilfe verwiesen.

BNE darf weder mit Schockbildern manipulieren noch Probleme verharmlosen. Ziel ist eine informierte, solidarische und langfristig tragfähige Handlungsfähigkeit.


Der Whole Institution Approach

Whole Institution Approach bedeutet, dass eine Bildungseinrichtung Nachhaltigkeit nicht nur in einzelnen Kursen behandelt, sondern ihre gesamte Organisation als Lern- und Gestaltungsraum versteht.

Zu einem ganzheitlichen Ansatz gehören:

Handlungsfeld Beispiele
Curriculum BNE in Modulen, Fächern, Prüfungen und Studiengängen verankern
Lehr-Lern-Kultur Partizipative, forschende und problemorientierte Lernformen fördern
Governance Lernende und Beschäftigte an Entscheidungen beteiligen
Gebäudemanagement Energie, Wasser, Flächen und Barrierefreiheit nachhaltig gestalten
Beschaffung Ökologische und soziale Kriterien bei Produkten und Dienstleistungen berücksichtigen
Mobilität Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr fördern sowie Zugänglichkeit sichern
Verpflegung Gesundheit, Klimawirkung, Kultur, Tierwohl und soziale Gerechtigkeit verbinden
Personalentwicklung Fortbildungen und Zeitressourcen für BNE bereitstellen
Kooperation Mit Kommune, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und regionalen Betrieben zusammenarbeiten
Evaluation Ziele, Maßnahmen, Wirkungen und Lernprozesse regelmäßig überprüfen

Der Ansatz besitzt eine starke pädagogische Logik: Lernende erleben Widersprüche, wenn eine Einrichtung Nachhaltigkeit lehrt, aber in ihren eigenen Strukturen gegenteilig handelt. Vollständige Widerspruchsfreiheit ist kaum erreichbar. Entscheidend ist, Zielkonflikte transparent zu machen und sie als Lerngelegenheiten zu nutzen.


Beispiel: Nachhaltige Schul- oder Hochschulverpflegung

Eine Einrichtung möchte ihre Verpflegung nachhaltiger gestalten. Eine rein technische Lösung würde möglicherweise nur Produkte austauschen. Ein Whole Institution Approach untersucht dagegen:

  1. Ernährungsbildung: Welche Lerngelegenheiten entstehen im Unterricht oder Studium?
  2. Partizipation: Wie werden Nutzende, Küchenpersonal und Lieferbetriebe beteiligt?
  3. Gesundheit: Welche ernährungsphysiologischen Kriterien gelten?
  4. Klimaschutz: Wie verändern sich Emissionen und Ressourcenverbrauch?
  5. Soziale Gerechtigkeit: Bleiben Mahlzeiten für alle bezahlbar und zugänglich?
  6. Kultur: Welche Essgewohnheiten, Religionen und Identitäten werden berücksichtigt?
  7. Beschaffung: Welche Arbeitsbedingungen und Lieferketten sind relevant?
  8. Abfallvermeidung: Wie lassen sich Überproduktion und Speisereste reduzieren?
  9. Evaluation: Welche Wirkungen werden gemessen und wie wird nachgesteuert?

So wird aus einer Beschaffungsfrage ein institutioneller Lernprozess.


BNE in verschiedenen Bildungsbereichen


Frühkindliche Bildung

In der Frühpädagogik beginnt BNE nicht mit abstrakten globalen Krisenszenarien. Kinder erkunden ihre Umwelt, stellen Fragen, erleben Abhängigkeiten und beteiligen sich an Entscheidungen.

Geeignete Zugänge sind Naturbeobachtung, gemeinsames Gärtnern, Reparieren, Teilen, Philosophieren mit Kindern, Materialerkundung und demokratische Alltagsentscheidungen. Entscheidend ist, dass pädagogische Fachkräfte nicht nur umweltfreundliches Verhalten einüben, sondern Fragen, Perspektiven und Mitgestaltung ermöglichen.


Schule

In der Schule kann BNE fachbezogen, fächerverbindend und als Schulentwicklungsaufgabe umgesetzt werden. Sie betrifft naturwissenschaftliche, gesellschaftswissenschaftliche, sprachliche, künstlerische und berufspraktische Lernbereiche.

Ein Problem entsteht, wenn BNE nur an Projekttage delegiert wird. Dauerhafte Verankerung benötigt verbindliche Curricula, Zeit, Kooperation, Fortbildung, Beteiligungsstrukturen und Unterstützung durch Schulleitung und Schulträger.


Berufliche Bildung

Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung verbindet berufliche Handlungskompetenz mit ökologischer, sozialer und ökonomischer Verantwortung. Nachhaltigkeit ist in beruflichen Situationen häufig mit konkreten Entscheidungen über Materialien, Energie, Qualität, Arbeitsorganisation, Gesundheit, Lieferketten und Kundenberatung verbunden.

Lernende sollten nicht nur nachhaltige Verfahren kennen, sondern betriebliche Zielkonflikte analysieren und Veränderungsmöglichkeiten entwickeln. Dazu gehören auch Fragen nach guter Arbeit, Mitbestimmung, Digitalisierung und langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit.


Hochschule

Hochschulen wirken durch Lehre, Forschung, Transfer, Betrieb und gesellschaftliche Debatten. BNE in der Hochschullehre sollte nicht auf freiwillige Zusatzveranstaltungen beschränkt bleiben.

Mögliche Ansätze sind:

  1. Forschendes Lernen: Nachhaltigkeitsfragen mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen.
  2. Interdisziplinäres Lernen: Fachperspektiven systematisch verbinden.
  3. Reallabor: Hochschulen und Regionen gemeinsam verändern.
  4. Service Learning: Wissenschaftliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verknüpfen.
  5. Studiengangentwicklung: Nachhaltigkeitskompetenzen verbindlich in Modulen und Prüfungen verankern.
  6. Campusentwicklung: Betrieb und Governance als Lernfelder nutzen.


Erwachsenenbildung und non-formales Lernen

Erwachsenenbildung kann berufliche, politische, kulturelle und alltagsbezogene Lernprozesse verbinden. Lernende bringen vielfältige Erfahrungen und Interessen mit. BNE-Angebote sollten deshalb biografische Bezüge, freiwillige Beteiligung und unmittelbare Praxisrelevanz berücksichtigen.

Non-formale Lernorte wie Museen, Umweltzentren, Vereine, Bibliotheken, Jugendverbände oder Bürgerinitiativen bieten flexible Zugänge. Ihre Stärke liegt häufig in Erfahrungsnähe, Freiwilligkeit, Vernetzung und gesellschaftlichem Engagement.


Inklusion, Gerechtigkeit und Perspektivenvielfalt

BNE muss Inklusion und Barrierefreiheit systematisch berücksichtigen. Nachhaltigkeitsbildung verfehlt ihren Anspruch, wenn sie nur privilegierte Gruppen erreicht oder bestimmte Lebensweisen moralisch abwertet.

Wichtige Fragen sind:

  1. Zugänglichkeit: Sind Räume, Sprache, Medien und Aufgaben barrierearm?
  2. Soziale Lage: Werden unterschiedliche finanzielle Handlungsspielräume berücksichtigt?
  3. Diversität: Kommen vielfältige Lebensweisen und Erfahrungen vor?
  4. Repräsentation: Wer spricht für wen und wessen Wissen gilt als relevant?
  5. Globale Perspektiven: Werden Stimmen aus dem Globalen Süden nicht nur als Betroffene, sondern als Wissensproduzierende sichtbar?
  6. Geschlechtergerechtigkeit: Werden ungleiche Verantwortungs- und Sorgeverhältnisse berücksichtigt?
  7. Generationengerechtigkeit: Werden junge Menschen wirksam beteiligt, statt nur symbolisch angesprochen?
  8. Ableismus: Werden Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf ihre Folgen für Menschen mit Behinderungen geprüft?

Inklusive BNE fragt nicht nur, wie Lernende an bestehende Formate angepasst werden können. Sie verändert Lernumgebungen so, dass unterschiedliche Zugänge, Ausdrucksformen und Beteiligungsweisen möglich sind.


Digitalisierung, Medien und Künstliche Intelligenz

Digitalisierung bietet Chancen für BNE: globale Zusammenarbeit, offene Bildungsressourcen, Datenvisualisierung, Simulationen, Citizen Science und neue Beteiligungsformen. Gleichzeitig entstehen ökologische und soziale Belastungen durch Energieverbrauch, Rohstoffabbau, Geräteproduktion, Elektroschrott, Überwachung und digitale Ungleichheit.

Künstliche Intelligenz kann bei Recherche, Übersetzung, Modellierung oder Ideengenerierung unterstützen. Pädagogisch notwendig bleiben jedoch:

  1. Quellenkritik: KI-Ausgaben können fehlerhaft oder erfunden sein.
  2. Transparenz: Der Einsatz von KI muss kenntlich gemacht werden.
  3. Datenschutz: Persönliche und sensible Daten dürfen nicht unkontrolliert verarbeitet werden.
  4. Bias: Trainingsdaten können gesellschaftliche Vorurteile reproduzieren.
  5. Ressourcenverbrauch: Rechenleistung benötigt Energie, Wasser und Infrastruktur.
  6. Urheberrecht: Materialien und Nutzungsrechte müssen geprüft werden.
  7. Eigenleistung: Lernende müssen eigene Urteile und Begründungen entwickeln.
  8. Digitale Gerechtigkeit: Zugang, Kompetenzen und Teilhabemöglichkeiten sind ungleich verteilt.

Eine BNE der Digitalität behandelt digitale Technik weder als automatische Lösung noch als grundsätzliches Problem. Sie untersucht Bedingungen, Alternativen, Machtverhältnisse und Folgen.


Evaluation und Leistungsbewertung


Was kann in BNE bewertet werden?

Leistungsbewertung in BNE darf keine bestimmte politische Meinung, Lebensweise oder moralische Gesinnung benoten. Bewertbar sind fachliche Qualität, methodisches Vorgehen, Begründungen, Perspektivenvielfalt, Reflexionsfähigkeit, Kooperation und die Qualität entwickelter Lösungen.

Bewertungsbereich Mögliche Kriterien
Sachkompetenz Begriffe korrekt, Quellen belastbar, Zusammenhänge nachvollziehbar
Systemanalyse Akteure, Wechselwirkungen, Rückkopplungen und Grenzen berücksichtigt
Urteilskompetenz Kriterien transparent, Zielkonflikte erkannt, Schlussfolgerungen begründet
Methodenkompetenz Verfahren passend gewählt und nachvollziehbar angewendet
Kooperation Verantwortungsübernahme, Kommunikation und Konfliktbearbeitung
Strategieentwicklung Ziele, Ressourcen, Zuständigkeiten, Risiken und Evaluation berücksichtigt
Reflexion Eigene Annahmen, Grenzen, Emotionen und Lernfortschritte untersucht


Geeignete Prüfungsformen

Geeignete Lernnachweise sind Portfolios, Projektberichte, Poster, Podcasts, wissenschaftliche Fallanalysen, Policy Briefs, Szenarien, Lehrkonzepte, Reflexionsessays oder mündliche Verteidigungen.

Besonders sinnvoll sind authentische Prüfungsformen, die reale oder realitätsnahe Aufgaben enthalten. Eine reine Wissensklausur kann Grundlagen prüfen, erfasst aber nur begrenzt, ob Lernende komplexe Nachhaltigkeitsprobleme analysieren und bearbeiten können.


Evaluation von BNE-Projekten

Evaluation sollte zwischen verschiedenen Ebenen unterscheiden:

Ebene Beispielhafte Frage
Input Welche Zeit, Mittel, Kompetenzen und Partnerschaften stehen zur Verfügung?
Prozess Wie partizipativ, inklusiv und fachlich fundiert war die Umsetzung?
Output Welche Produkte, Veranstaltungen oder Maßnahmen entstanden?
Outcome Welche Kompetenzen, Routinen oder Kooperationsformen veränderten sich?
Impact Welche längerfristigen institutionellen oder gesellschaftlichen Wirkungen sind plausibel?

Nicht jede beobachtete Veränderung lässt sich eindeutig einem Bildungsangebot zuschreiben. Gute Evaluation vermeidet überzogene Wirkungsbehauptungen und dokumentiert auch unerwartete Folgen.


Herausforderungen und Kritik


Gefahr der Moralisierung

BNE kann moralisierend wirken, wenn Lernende in „gute“ und „schlechte“ Konsumierende eingeteilt werden. Solche Ansätze übersehen ungleiche Ressourcen, strukturelle Zwänge und legitime Zielkonflikte. Sie können Abwehr, Schuld oder soziale Beschämung erzeugen.

Eine Alternative ist die Arbeit mit transparenten Kriterien, Daten, Perspektiven und Handlungsoptionen. Lernende sollen begründen, nicht bloß bekennen.


Individualisierung gesellschaftlicher Probleme

Tipps zu Ernährung, Mobilität oder Konsum können sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn politische Regulierung, Infrastruktur, Unternehmensverantwortung und soziale Ungleichheit ausgeblendet werden.

BNE sollte daher drei Handlungsebenen verbinden:

  1. Individuum: persönliche Entscheidungen und Routinen.
  2. Kollektiv: gemeinschaftliche Organisation, Initiativen und soziale Normen.
  3. Institution: Regeln, Infrastrukturen, Märkte und politische Entscheidungen.


Instrumentalisierung und Überwältigung

Pädagogik wird instrumentalisiert, wenn Bildung nur dazu dienen soll, Menschen für bereits festgelegte Maßnahmen gefügig zu machen. Auch bei dringlichen Nachhaltigkeitsproblemen müssen Lernende eigene Urteile entwickeln dürfen.

Orientierung bieten Prinzipien politischer Bildung: Lernende dürfen nicht überwältigt werden, gesellschaftliche Kontroversen sollen als solche erscheinen und eigene Interessen müssen analysierbar sein.


Greenwashing in Bildungseinrichtungen

Greenwashing liegt vor, wenn Nachhaltigkeitskommunikation positiver erscheint als die tatsächliche Praxis. Eine Bildungseinrichtung kann beispielsweise einzelne Aktionstage bewerben, während Beschaffung, Mobilität, Governance oder Investitionen unverändert bleiben.

BNE sollte solche Widersprüche nicht verdecken. Eine glaubwürdige Institution veröffentlicht Ziele, Daten, Fortschritte, Probleme und Zuständigkeiten.


Komplexität und Handlungsfähigkeit

Nachhaltigkeitsprobleme sind komplex. Eine zu starke Vereinfachung führt zu Scheinlösungen, während eine unstrukturierte Darstellung Ohnmacht erzeugen kann.

Didaktisch sinnvoll ist eine schrittweise Komplexitätssteigerung:

  1. Konkreter Fall: Mit einer überschaubaren Situation beginnen.
  2. Systemerweiterung: Weitere Akteure, Ebenen und Wechselwirkungen ergänzen.
  3. Kriterienbildung: Bewertungsmaßstäbe gemeinsam entwickeln.
  4. Handlungsfenster: Realistische Einflussmöglichkeiten identifizieren.
  5. Reflexion: Grenzen und Nebenfolgen der Lösung prüfen.


Fallstudie: Eine Hochschule auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Eine Hochschule beschließt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden. Die Leitung plant Photovoltaik, Gebäudesanierung und Kompensation. Studierende fordern zusätzlich weniger Dienstflüge, günstigeren Nahverkehr, nachhaltige Verpflegung und verbindliche BNE-Module. Beschäftigte sorgen sich um zusätzliche Arbeitsbelastung. Menschen mit Behinderungen weisen darauf hin, dass einige Mobilitätsvorschläge Barrieren erhöhen könnten. Die Verwaltung erklärt, dass Beschaffungsrecht, Haushaltsregeln und Eigentumsverhältnisse viele Maßnahmen begrenzen.

Diese Fallstudie verdeutlicht, dass Nachhaltigkeit kein rein technisches Projekt ist. Pädagogisch relevant sind mindestens folgende Aspekte:

  1. Systemanalyse: Gebäude, Mobilität, Lehre, Forschung, Finanzen und Governance hängen zusammen.
  2. Partizipation: Betroffene Gruppen benötigen reale Mitentscheidung.
  3. Gerechtigkeit: Kosten und Nutzen müssen sozial ausgewogen verteilt werden.
  4. Zielkonflikt: Klimaschutz, Barrierefreiheit, Arbeitsbelastung und finanzielle Grenzen können kollidieren.
  5. Professionalisierung: Lehrende und Verwaltung benötigen Wissen, Zeit und Unterstützung.
  6. Transparenz: Daten, Kriterien und Entscheidungswege müssen nachvollziehbar sein.
  7. Evaluation: Fortschritte dürfen nicht nur anhand einzelner Kennzahlen beurteilt werden.
  8. Bildung: Der Transformationsprozess selbst wird zum Lerngegenstand.

Eine mögliche pädagogische Aufgabe besteht darin, ein Beteiligungsformat zu entwickeln, das nicht nur bereits engagierte Gruppen erreicht. Dazu könnten aufsuchende Gespräche, barrierearme Beteiligungsformen, mehrsprachige Informationen, zufällig ausgewählte Bürgerforen oder vergütete studentische Mitarbeit gehören.


Praxisimpuls: BNE als Lernen im Gemeinwesen

BNE wird besonders wirksam, wenn Lernende ihre Einrichtung und ihr Umfeld als gestaltbaren Sozialraum erfahren. Kooperationen mit Kommunen, Vereinen, Betrieben, Initiativen und wissenschaftlichen Einrichtungen ermöglichen reale Lerngelegenheiten.

Ein lokales Projekt sollte jedoch nicht nur kostenlose Arbeitskraft von Lernenden nutzen. Gute Kooperationen klären wechselseitige Ziele, Verantwortlichkeiten, Datenschutz, Anerkennung und Auswertung. Lernende benötigen das Recht, Ergebnisse kritisch zu beurteilen und auch ein Scheitern zu reflektieren.


Jugend, Protest und politische Partizipation

Junge Menschen haben durch Klimabewegungen die gesellschaftliche Debatte über Nachhaltigkeit stark geprägt. Protest kann ein Ausdruck politischer Bildung und Selbstwirksamkeit sein. Pädagogische Einrichtungen sollten politische Beteiligung weder romantisieren noch pauschal delegitimieren.

Pädagogische Reflexionsfragen lauten:

  1. Protestform: Welche demokratischen Ausdrucksformen werden genutzt?
  2. Zielsetzung: Welche Forderungen werden erhoben und wie sind sie begründet?
  3. Repräsentation: Welche Gruppen sind sichtbar und welche fehlen?
  4. Wirksamkeit: Welche öffentlichen, politischen oder institutionellen Veränderungen entstehen?
  5. Konflikt: Wie werden abweichende Positionen und interne Spannungen bearbeitet?
  6. Lernen: Welche Kompetenzen entstehen durch Organisation, Kommunikation und Kooperation?

BNE unterstützt junge Menschen dabei, politische Prozesse zu verstehen und eigene Beteiligungsformen zu entwickeln. Sie schreibt jedoch keine bestimmte Form des Engagements vor.


Zusammenfassung

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein anspruchsvoller pädagogischer Ansatz, der nachhaltigkeitsbezogenes Wissen mit Urteilsfähigkeit, Emotion, Partizipation und Handlung verbindet. Sie richtet sich nicht nur auf individuelles Verhalten, sondern auch auf kollektive und institutionelle Veränderungen.

Zentrale Qualitätsmerkmale sind:

  1. Komplexität: Ökologische, soziale, politische, kulturelle und ökonomische Zusammenhänge werden verbunden.
  2. Mündigkeit: Lernende entwickeln eigene begründete Urteile.
  3. Kontroversität: Zielkonflikte und Interessen werden sichtbar.
  4. Partizipation: Lernende erhalten reale Gestaltungsmöglichkeiten.
  5. Reflexivität: Annahmen, Werte, Machtverhältnisse und Nebenfolgen werden geprüft.
  6. Handlungsorientierung: Wissen wird in realen oder realitätsnahen Situationen angewendet.
  7. Gerechtigkeit: Verteilung, Anerkennung und Beteiligung werden berücksichtigt.
  8. Institutionelle Verankerung: Bildungseinrichtungen verändern Curriculum, Betrieb und Kultur.
  9. Evaluation: Lernprozesse und Wirkungen werden transparent untersucht.
  10. Professionalisierung: Pädagoginnen und Pädagogen benötigen fachliche, didaktische und reflexive Kompetenzen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist ein zentrales Ziel von Bildung für nachhaltige Entwicklung? (Menschen zu zukunftsfähigem Denken und verantwortlichem Handeln befähigen) (!Lernende zu einer einheitlichen Lebensweise verpflichten) (!Ausschließlich naturwissenschaftliche Fakten vermitteln) (!Nur individuelles Konsumverhalten verändern)




Welches Merkmal kennzeichnet Systemdenken? (Wechselwirkungen und Rückkopplungen zwischen Faktoren untersuchen) (!Ein Problem auf eine einzige Ursache reduzieren) (!Nur kurzfristige Folgen betrachten) (!Wertefragen grundsätzlich ausklammern)




Was beschreibt der Whole Institution Approach? (Die gesamte Bildungseinrichtung wird als Lern- und Gestaltungsraum einbezogen) (!Nachhaltigkeit wird nur in einem Wahlkurs behandelt) (!Der Gebäudebetrieb wird ohne Beteiligung der Lernenden verändert) (!Ausschließlich die Schulleitung entscheidet über Lerninhalte)




Welche Aussage entspricht dem Prinzip der Kontroversität? (Gesellschaftlich strittige Fragen werden als strittig dargestellt) (!Alle Positionen gelten unabhängig von Fakten als gleich richtig) (!Die Lehrperson verschweigt wissenschaftliche Erkenntnisse) (!Lernende müssen die Meinung der Lehrperson übernehmen)




Was ist ein Kennzeichen transformativen Lernens? (Grundlegende Deutungsmuster werden kritisch überprüft) (!Fakten werden ohne Bezug zur eigenen Wahrnehmung auswendig gelernt) (!Verhalten wird durch Belohnung automatisch gesteuert) (!Komplexe Fragen werden auf einfache Regeln reduziert)




Welche Kompetenz betrifft das Entwickeln möglicher und wünschenswerter Zukünfte? (Antizipationskompetenz) (!Rechtschreibkompetenz) (!Rechenfertigkeit) (!Motorische Kompetenz)




Warum reicht eine praktische Nachhaltigkeitsaktion allein nicht aus? (Handeln muss mit fachlicher Analyse und Reflexion verbunden werden) (!Praktisches Handeln ist in Bildung grundsätzlich ungeeignet) (!Nur Prüfungen erzeugen nachhaltiges Lernen) (!Nachhaltigkeit kann ausschließlich theoretisch verstanden werden)




Was darf bei einer BNE-Leistungsbewertung nicht benotet werden? (Eine vorgeschriebene politische Gesinnung) (!Die Qualität einer fachlichen Begründung) (!Die Nachvollziehbarkeit einer Systemanalyse) (!Die Reflexion von Zielkonflikten)




Welche Handlungsebene gehört zu einer umfassenden BNE? (Individuelle, kollektive und institutionelle Handlungsmöglichkeiten) (!Nur private Kaufentscheidungen) (!Nur staatliche Gesetze) (!Nur technische Innovationen)




Was ist Scheinpartizipation? (Beteiligung ohne tatsächlichen Einfluss auf Entscheidungen) (!Eine transparente gemeinsame Entscheidung) (!Ein selbstorganisiertes Projekt mit klaren Ressourcen) (!Eine begründete Rückmeldung zu Vorschlägen)





Memory

Systemdenken Wechselwirkungen und Rückkopplungen erkennen
Antizipationskompetenz Zukünfte und mögliche Folgen untersuchen
Normative Kompetenz Werte und Ziele begründet abwägen
Strategische Kompetenz Veränderungswege planen
Partizipation An Entscheidungen mitwirken
Transformatives Lernen Grundlegende Deutungsmuster reflektieren
Whole Institution Approach Die gesamte Einrichtung nachhaltig gestalten
Service Learning Fachliches Lernen mit Engagement verbinden
Kontroversität Strittige Positionen sichtbar machen
Greenwashing Nachhaltigkeit positiver darstellen als praktiziert





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Systemdenken Analysiert Wechselwirkungen in komplexen Zusammenhängen
Partizipation Ermöglicht reale Mitgestaltung von Entscheidungen
Zukunftswerkstatt Verbindet Kritik, Vision und Umsetzung
Portfolio Dokumentiert Lernprodukte und Reflexionsprozesse
Whole Institution Approach Bezieht Curriculum, Betrieb und Organisationskultur ein





Kreuzworträtsel

Mündigkeit Wie heißt die Fähigkeit, selbstständig zu urteilen und verantwortlich zu handeln?
Partizipation Wie nennt man die wirksame Beteiligung an Entscheidungen?
Nachhaltigkeit Welcher Leitbegriff verbindet Gegenwartsbedürfnisse mit Zukunftsverantwortung?
Reflexion Wie heißt das prüfende Nachdenken über Erfahrungen und Annahmen?
Szenario Wie nennt man ein begründetes Bild einer möglichen Zukunft?
Greenwashing Wie heißt eine irreführend positive Nachhaltigkeitsdarstellung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Bildung für nachhaltige Entwicklung wird meist mit

abgekürzt. Sie verbindet Wissen mit Urteilsfähigkeit und

. Die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele werden als

bezeichnet. Das Erkennen von Wechselwirkungen und Rückkopplungen gehört zum

. Die Fähigkeit, mögliche und wünschenswerte Zukünfte zu untersuchen, heißt

. Reale Mitwirkung an Entscheidungen wird als

bezeichnet. Der ganzheitliche Ansatz für Bildungseinrichtungen heißt

. Ein Lernprozess, der grundlegende Deutungsmuster verändert, wird als

beschrieben. Gesellschaftliche Streitfragen sollen nach dem Prinzip der

als strittig erscheinen. Eine beschönigende Nachhaltigkeitskommunikation ohne entsprechende Praxis heißt

. Praktische Aktivitäten werden erst durch fachliche Analyse und

zu einem umfassenden Bildungsprozess. Leistungsbewertung darf keine bestimmte politische

benoten.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map zu BNE und verbinde mindestens zehn Begriffe wie Nachhaltigkeit, Bildung, Partizipation, Gerechtigkeit, Transformation und Kompetenz.
  2. Medienanalyse: Wähle eine Werbung oder Kampagne mit Nachhaltigkeitsbezug und untersuche, welche Werte, Zielgruppen und Handlungsaufforderungen darin vorkommen.
  3. Alltagsbeobachtung: Dokumentiere einen Tag lang Situationen, in denen persönliche Entscheidungen und institutionelle Rahmenbedingungen zusammenwirken.
  4. Perspektivwechsel: Schreibe drei kurze Stellungnahmen zu einer Nachhaltigkeitsfrage aus Sicht unterschiedlicher betroffener Akteure.


Standard

  1. Didaktische Planung: Entwickle eine 90-minütige BNE-Lerneinheit für eine selbst gewählte Zielgruppe und begründe Lernziele, Methoden, Medien und Evaluation.
  2. Systemanalyse: Erstelle eine Wirkungs- und Akteurskarte zu nachhaltiger Mobilität, Ernährung, Digitalisierung oder Energie in einer Bildungseinrichtung.
  3. Interviewprojekt: Führe ein leitfadengestütztes Interview mit einer pädagogischen Fachkraft über Chancen und Grenzen von BNE und werte es kategoriengeleitet aus.
  4. Exkursionskonzept: Plane eine Exkursion zu einem BNE-Lernort und formuliere Aufgaben für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.


Schwer

  1. Whole Institution Audit: Analysiere eine Bildungseinrichtung anhand des Whole Institution Approach und entwickle priorisierte Verbesserungsvorschläge mit Zuständigkeiten und Indikatoren.
  2. Forschungsprojekt: Untersuche mit einer kleinen empirischen Studie, wie Lernende Partizipation in einem Nachhaltigkeitsprojekt erleben, und reflektiere Methodik und Datenschutz.
  3. Kontroverses Lehrstück: Entwickle ein Lernarrangement zu einem realen Zielkonflikt, das wissenschaftliche Fakten, politische Interessen und ethische Kriterien unterscheidbar macht.
  4. Transformationsprojekt: Konzipiere gemeinsam mit einer Praxisorganisation eine Intervention, führe eine begrenzte Erprobung durch und dokumentiere Wirkungen, Nebenfolgen und Lernprozesse.




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Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Hochschule: Analysiere die Fallstudie zur klimaneutralen Hochschule mithilfe der Kompetenzen Systemdenken, normative Kompetenz und strategische Kompetenz. Zeige, wie die drei Kompetenzen zu unterschiedlichen Einsichten führen.
  2. Didaktisches Urteil: Eine Lehrkraft verlangt von allen Lernenden, eine persönliche Klimaschutzvereinbarung zu unterschreiben. Beurteile dieses Vorgehen unter den Gesichtspunkten Mündigkeit, Überwältigungsverbot, Motivation und Handlungsorientierung.
  3. Transfer in die Praxis: Übertrage den Whole Institution Approach auf eine Jugendhilfeeinrichtung, Volkshochschule oder Kindertagesstätte. Begründe, welche drei Handlungsfelder zuerst bearbeitet werden sollten.
  4. Zielkonfliktanalyse: Entwickle Kriterien zur Bewertung eines Konflikts zwischen Klimaschutz, sozialer Bezahlbarkeit und Barrierefreiheit. Wende die Kriterien auf ein selbst gewähltes Beispiel an.
  5. Methodenvergleich: Vergleiche Planspiel, Service Learning und Zukunftswerkstatt hinsichtlich Lernzielen, Beteiligung, Ressourcenbedarf und möglichen Nebenwirkungen.
  6. Evaluationsdesign: Entwirf ein Evaluationskonzept für ein einjähriges BNE-Projekt. Unterscheide Input, Prozess, Output, Outcome und mögliche langfristige Wirkungen.
  7. Professionelle Selbstreflexion: Formuliere, wie Du als pädagogische Fachkraft eigene Werte transparent machen kannst, ohne Lernende auf eine bestimmte Meinung festzulegen.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu Bildung für nachhaltige Entwicklung - Pädagogik sind folgende Bestandteile wichtig:

  1. Begriffsverständnis: Präzise Unterscheidung von BNE, Nachhaltigkeit, Umweltbildung, Globalem Lernen und transformativer Bildung.
  2. Theoriebezug: Anwendung erziehungswissenschaftlicher Ansätze auf konkrete BNE-Situationen.
  3. Systemanalyse: Darstellung von Akteuren, Wechselwirkungen, Machtverhältnissen und Zielkonflikten.
  4. Didaktische Qualität: Begründete Auswahl von Lernzielen, Methoden, Medien und Beteiligungsformen.
  5. Kontroversität: Faire und sachlich fundierte Darstellung unterschiedlicher Positionen.
  6. Gerechtigkeitsperspektive: Berücksichtigung von Verteilung, Anerkennung, Beteiligung und globalen Zusammenhängen.
  7. Handlungsorientierung: Entwicklung realistischer individueller, kollektiver und institutioneller Handlungsmöglichkeiten.
  8. Evaluation: Transparente Kriterien zur Beurteilung von Lernprozessen und Projektwirkungen.
  9. Reflexion: Kritische Auseinandersetzung mit eigenen Annahmen, Grenzen, Emotionen und professionellen Rollen.
  10. Wissenschaftlichkeit: Nachvollziehbare Argumentation, geeignete Quellen und korrekte Kennzeichnung fremder Inhalte.

Als Lernnachweis eignet sich ein Portfolio aus Systemkarte, didaktischem Konzept, Projektprodukt, Evaluation und Reflexionsessay. Entscheidend ist nicht die Zustimmung zu einer vorgegebenen Position, sondern die Qualität der Analyse, Begründung und Reflexion.




OERs zum Thema



Weiterführende Quellen und Literatur

  1. Deutsche UNESCO-Kommission: Bildung für nachhaltige Entwicklung
  2. BNE-Portal des Bundes
  3. UNESCO: Education for Sustainable Development – A Roadmap
  4. UNESCO: Education for Sustainable Development Goals – Learning Objectives
  5. Kultusministerkonferenz: Empfehlung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule
  6. de Haan, Gerhard: Gestaltungskompetenz als Kompetenzkonzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung.
  7. Rieckmann, Marco: Schlüsselkompetenzen für nachhaltige Entwicklung.
  8. Singer-Brodowski, Mandy: Transformative Bildung durch transformatives Lernen.
  9. Wals, Arjen E. J.: Lernen für sozial-ökologische Nachhaltigkeit.
  10. Sterling, Stephen: Sustainable Education und institutioneller Wandel.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
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  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
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  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
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