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Beteiligungsmonitor für ein Jugendprojekt

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Beteiligungsmonitor für ein Jugendprojekt

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Einleitung

Ein Beteiligungsmonitor macht sichtbar, was mit Vorschlägen junger Menschen geschieht: Wer ist betroffen? Wer darf entscheiden? Wurde nur angehört oder gab es tatsächlich eingeräumte Mitentscheidung? Wann fiel eine Entscheidung? Wie wurde sie zurückgemeldet? Und was lässt sich später über die Wirkung sagen?

In diesem Werkstattkurs entwickelst Du einen solchen Monitor an einem vollständig fiktiven Jugendprojekt. Das Beispiel heißt Treffpunkt Nordbogen und spielt in der ausdrücklich erfundenen Beispielstadt Beispielhausen. Alle Namen, Termine, Abstimmungszahlen, Beobachtungen und Protokolle des Falles sind eigens für diesen Kurs erstelltes Unterrichtsmaterial. Sie sind keine Aussagen über eine reale Kommune. Öffentliche Behörden-, Gesetzes-, Parlaments- und Museumsquellen werden nur dort verwendet, wo sie fachliche oder methodische Orientierung geben.

Mediennachweis: Wikimedia Commons, Datei „Wandertage 2024 185906.jpg“, Urheber: Wandertage, Lizenz CC BY 4.0. Das Bild zeigt einen Stand eines Jugendparlaments bei den Wandertagen 2024 in Heilbad Heiligenstadt. Es dient hier als reales Anschauungsbeispiel für organisierte Jugendbeteiligung; es zeigt nicht das fiktive Projekt dieses Kurses.

Der Kurs eignet sich für den Einstieg ab Klasse 7 und kann auf M-Niveau und E-Niveau vertieft werden. Die Bezeichnungen für Anforderungsniveaus unterscheiden sich zwischen Ländern und Schularten. In diesem Kurs bedeutet:

  1. Einstieg: Du kannst Informationen aus einem Beteiligungsfall ordnen, Statusangaben lesen und Anhörung von Mitentscheidung unterscheiden.
  2. M-Niveau: Du kannst Einflussstufen mit Belegen begründen, Zuständigkeiten prüfen und einfache Beteiligungs- und Wirkungsdaten auswerten.
  3. E-Niveau: Du kannst Datenqualität, Kausalität, Repräsentativität, institutionelle Entscheidungsmacht und Grenzen eines Beteiligungsverfahrens kritisch beurteilen.

Am Ende entsteht ein lesbarer Beteiligungsmonitor mit klaren Statusangaben, Belegstellen und gekennzeichneten Unsicherheiten.


Lernziele

Nach der Werkstatt kannst Du:

  1. Jugendbeteiligung als nachvollziehbaren Prozess dokumentieren.
  2. zwischen Information, Anhörung, Mitsprache, Mitentscheidung und delegierter Selbstentscheidung unterscheiden.
  3. einen Vorschlag, die betroffene Gruppe, die zuständige Stelle, die Einflussstufe, den Entscheidungstermin, die Rückmeldung und eine spätere Wirkung in einem Monitor erfassen.
  4. zwischen einer beobachteten Veränderung und einem bewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang unterscheiden.
  5. Belegstellen, Datenherkunft und Unsicherheiten so angeben, dass andere Deine Dokumentation prüfen können.
  6. Medien so verwenden, dass Herkunft und Rechte nachvollziehbar bleiben.
  7. ein begründetes Urteil über die Qualität eines Beteiligungsprozesses formulieren, ohne dass alle Lernenden zum selben Ergebnis kommen müssen.


Fachlicher Rahmen: Was ist Beteiligung?

Jugendbeteiligung bedeutet mehr als die Anwesenheit junger Menschen bei einer Veranstaltung. Entscheidend ist, welchen Einfluss sie tatsächlich auf Fragen haben, die sie betreffen. Beteiligung kann unterschiedlich stark sein: Junge Menschen können informiert, angehört, beratend einbezogen oder mit echter Entscheidungsmacht ausgestattet werden.

Die Qualitätsstandards des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Deutschen Bundesjugendrings betonen unter anderem Transparenz, erkennbare Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung, nachvollziehbare Rückmeldungen sowie die Überprüfung von Ergebnissen und Wirkungen. Für einen Beteiligungsmonitor bedeutet das: Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch der Weg dorthin muss dokumentiert werden.

Das Sozialgesetzbuch VIII enthält für die Kinder- und Jugendhilfe wichtige Beteiligungsregeln. § 8 SGB VIII sieht vor, Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand an sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. § 11 SGB VIII beschreibt für Angebote der Jugendarbeit, dass sie an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden sollen. Daraus folgt jedoch nicht, dass Jugendliche automatisch in jedem kommunalen Bau-, Haushalts- oder Verkehrsverfahren eine verbindliche Stimme besitzen. Welche Stelle in einem konkreten Fall entscheiden darf, muss jeweils geprüft werden.


Anhörung ist nicht Mitentscheidung

Form Was geschieht? Wer besitzt am Ende die Entscheidungsmacht? Typische Monitor-Aussage
Information Jugendliche erfahren, was geplant oder entschieden wurde. Eine andere zuständige Stelle. „Die Gruppe wurde informiert.“
Anhörung Jugendliche äußern Wünsche, Kritik oder Stellungnahmen; diese werden dokumentiert. Eine andere zuständige Stelle kann anschließend auch anders entscheiden. „Die Stellungnahmen wurden gehört; ein Mitentscheidungsrecht bestand nicht.“
Mitsprache/Beratung Jugendliche diskutieren mit Verantwortlichen, verändern möglicherweise Vorschläge und erhalten Antworten. Die formale Letztentscheidung bleibt bei einer anderen Stelle. „Es gab Einfluss auf die Ausarbeitung, aber keine geteilte Letztentscheidung.“
Mitentscheidung Ein festgelegter Teil der Entscheidung wird verbindlich gemeinsam oder durch eine Jugendabstimmung entschieden. Jugendliche besitzen innerhalb des vereinbarten Bereichs echte Entscheidungsmacht. „Die Auswahl war verbindlich übertragen.“
Delegierte Selbstentscheidung Ein klar begrenzter Entscheidungsbereich wird vollständig an die Jugendgruppe übertragen. Die Jugendgruppe entscheidet innerhalb vorher festgelegter Grenzen selbst. „Der Entscheidungsbereich wurde delegiert.“

Merksatz: Eine Anhörung kann ernst gemeint, gut organisiert und wirkungsvoll sein. Sie wird aber erst dann zur Mitentscheidung, wenn die Entscheidungsmacht für einen klar bestimmten Bereich tatsächlich geteilt oder übertragen wurde.


Didaktische Einflussstufen für diesen Kurs

Für den Monitor verwenden wir ein eigenes Arbeitsmodell. Es ist keine gesetzlich festgelegte Skala, sondern ein Unterrichtswerkzeug.

Stufe Bezeichnung Prüffrage
0 Information Werden Jugendliche nur informiert?
1 Anhörung Wird ihre Meinung aufgenommen, ohne dass sie verbindlich mitentscheiden?
2 Mitsprache/Beratung Können sie Vorschläge im Dialog verändern, während die Letztentscheidung anderswo bleibt?
3 Mitentscheidung Haben sie für einen festgelegten Teil eine verbindliche Stimme oder ein verbindliches Auswahlrecht?
4 Delegierte Selbstentscheidung Ist ein klar begrenzter Entscheidungsbereich vollständig an sie übertragen?

Wenn die Aktenlage nicht ausreicht, darf eine Einflussstufe nicht geraten werden. Dann lautet der Status beispielsweise ! UNSICHER – Entscheidungsrecht nicht belegt.


Methodische Orientierung durch öffentliche Quellen

Für den Kurs werden öffentliche Quellen nicht als fertige Lösung abgeschrieben. Sie liefern Prüfkriterien für einen eigenen, nachvollziehbaren Monitor.

Kürzel Öffentliche Belegstelle Was wird daraus für die Werkstatt genutzt?
O1 BMBFSFJ: Jugendbeteiligung Orientierung, warum wirksame Jugendbeteiligung nachvollziehbare Einflussmöglichkeiten und verständliche Kommunikation benötigt.
O2 BMBFSFJ/Deutscher Bundesjugendring: Mitwirkung mit Wirkung – Qualitätsstandards Orientierung für Transparenz, Kommunikation des Prozessstands, Dokumentation, Rückmeldung und spätere Überprüfung.
O3 Gesetze im Internet: § 8 SGB VIII Primärquelle zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe.
O4 Gesetze im Internet: § 11 SGB VIII Primärquelle zur Mitbestimmung und Mitgestaltung in Angeboten der Jugendarbeit.
O5 Landtag Sachsen-Anhalt: Jugendparlament Praxisbeispiel dafür, dass ein Jugendparlament Anträge beraten und innerhalb einer Simulation beschließen kann, während die tatsächliche Umsetzung anschließend durch die zuständigen politischen Stellen erfolgt.
O6 Stadt Laatzen: Pimp Your Town! Laatzen 2026 Kommunales Praxisbeispiel einer Rats-Simulation mit Ideen, Beratungen, Abstimmungen und dokumentierten Ergebnissen. Eine Simulation ist nicht automatisch eine verbindliche kommunale Letztentscheidung.
O7 Stiftung Haus der Geschichte: Lounge und Objektdatenbank Methodische Analogie: Museumsobjekte werden mit eindeutigen Signaturen und Herkunftsangaben auffindbar gemacht. Im Monitor erhält deshalb auch jeder Kursbeleg eine eindeutige Kennung.
O8 Wikimedia Commons: Hinweise zur Weiternutzung Orientierung dafür, Lizenz, Urheberangabe und Dateibeschreibungsseite eines Mediums zu prüfen.

Wichtig: Die Quellen O1 bis O8 belegen keine Ereignisse aus dem fiktiven Treffpunktprojekt. Sie begründen nur die Arbeitsweise und einzelne fachliche Kriterien.


Werkstattprojekt: Treffpunkt Nordbogen


Ausgangslage des fiktiven Falls

Die Beispielstadt Beispielhausen betreibt den fiktiven Jugendtreff Nordlicht. Neben dem Gebäude liegt eine kleine kommunale Grünfläche. Eine Gruppe von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren schlägt dort einen wettergeschützten Treffpunkt vor. Das Projekt erhält den Arbeitsnamen Treffpunkt Nordbogen.

Der erste Vorschlag enthält:

  1. eine überdachte Sitzmöglichkeit,
  2. einen Trinkwasserbrunnen,
  3. eine blendarm geplante Beleuchtung für den frühen Abend,
  4. Abfallbehälter und eine gut erreichbare Fläche,
  5. den Wunsch, auf Kameraüberwachung zu verzichten.

Die Stadtverwaltung erklärt im fiktiven Kursfall, dass Bau, Grundstück, Barrierefreiheit, Sicherheit und Haushaltsmittel geprüft werden müssen. Der zuständige fiktive Ausschuss beschließt deshalb ein zweigeteiltes Beteiligungsverfahren: Jugendliche werden zu Standort, Bedarf und Gestaltung angehört; zusätzlich wird ihnen die verbindliche Auswahl eines Ausstattungspakets innerhalb eines vorher genehmigten Budgets von 6.000 Euro übertragen.

Damit enthält derselbe Prozess sowohl Anhörung als auch echte Mitentscheidung.


Rollen und Zuständigkeiten im fiktiven Fall

Rolle Aufgabe im Kursfall Entscheidungsmacht
Jugendgruppe Nordbogen formuliert Vorschläge, beteiligt sich an der Anhörung, stimmt über drei geprüfte Ausstattungspakete ab. Verbindliche Mitentscheidung nur beim übertragenen Ausstattungspaket.
Team Jugendtreff Nordlicht organisiert Einladungen, dokumentiert Beiträge und erklärt den Ablauf. Keine Letztentscheidung über Bau und Haushalt.
Fiktives Jugendamt Beispielhausen koordiniert das Beteiligungsverfahren und prüft jugendhilfliche Aspekte. Prozessverantwortung; keine alleinige Bauentscheidung.
Fiktives Amt für Gebäude und Grünflächen prüft Grundstück, Bau, Zugänglichkeit, Wartung und Beschaffbarkeit. Fachprüfung; kann ungeeignete Varianten begründet ausschließen.
Fiktiver Ausschuss für Jugend und Soziales beschließt im Kursfall Projektbudget und Durchführung. Formale Entscheidung über Gesamtprojekt; delegiert die Auswahl des Ausstattungspakets verbindlich an die Jugendlichen.

Übertragbarkeit: In einer realen Kommune können Namen, Zuständigkeiten, Ausschüsse und Entscheidungswege anders aussehen. Ein echter Monitor muss die örtliche Zuständigkeit aus Satzungen, Beschlüssen, Zuständigkeitsordnungen oder einer bestätigten Auskunft der Verwaltung belegen.


Statuslegende

Der Monitor arbeitet nicht nur mit Farben, damit er auch ausgedruckt und barriereärmer gelesen werden kann.

Status Bedeutung
✓ BESTÄTIGT Eintrag ist durch einen bezeichneten Beleg nachvollziehbar.
↻ IN PRÜFUNG Prüfung läuft; ein Ergebnis steht noch aus.
! UNSICHER Information ist unvollständig oder die Aussagekraft reicht nicht für eine sichere Zuordnung.
! VORLÄUFIG Es gibt Daten, aber die Schlussfolgerung ist noch begrenzt.
— OFFEN Der Punkt wurde noch nicht bearbeitet oder es liegen noch keine Daten vor.
✖ ABGELEHNT Ein Vorschlag wurde nach dokumentierter Entscheidung nicht übernommen.


Eigene vollständig mitgelieferte Werkstattmaterialien

Alle Materialien K1 bis K9 sind fiktive Kursmaterialien. Sie dürfen im Unterricht vollständig verwendet werden. Sie simulieren eine Aktenlage, damit Du einen Monitor erstellen und prüfen kannst.


K1 – Vorschlagskarte

Kennung: K1

Datum: 03.11.2025

Absender: Jugendgruppe Nordbogen, 21 Mitzeichnende im Alter von 12 bis 17 Jahren

Vorschlag: Auf der Grünfläche neben dem Jugendtreff Nordlicht soll ein wettergeschützter Treffpunkt mit Sitzmöglichkeiten, Trinkwasser, Abfallbehältern und abendgeeigneter Beleuchtung entstehen.

Begründung der Gruppe: Im Umfeld gebe es keinen frei zugänglichen, wettergeschützten Aufenthaltsort, an dem Jugendliche sich nach Schule oder Ausbildung treffen können, ohne etwas kaufen zu müssen.

Offene Punkte: Finanzierung, Bauprüfung, Barrierefreiheit, Wartung, Lichtwirkung auf die Nachbarschaft und genaue Ausstattung.

Datenherkunft: Fiktives Kursmaterial, eigens für diesen aiMOOC erstellt.


K2 – Karte der betroffenen Gruppen

Kennung: K2

Gruppe Mögliche Betroffenheit Im Verfahren vorgesehen
Jugendliche 12–17 Hauptnutzerinnen und Hauptnutzer des geplanten Treffpunkts. Einladung zur Werkstatt und Abstimmung über Ausstattung.
Junge Volljährige 18–21 mögliche Mitnutzung des Treffpunkts. Einladung zur offenen Werkstatt; kein Stimmrecht in der fiktiven 12–17-Abstimmung.
Direkte Anwohnende mögliche Auswirkungen durch Geräusche und Licht. schriftliche Stellungnahme und offene Sprechstunde.
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Fläche. Prüfung durch Fachstelle und Einladung an örtliche Beratungsgruppe.
Mitarbeitende des Jugendtreffs Betreuung, Konfliktvermittlung, Öffnungszeiten. beratende Teilnahme.
Grünflächenpflege Reinigung, Müll, Wartung. fachliche Prüfung.

Unsicherheit: Die Liste kann weitere betroffene Personen übersehen. Ein echter Monitor sollte deshalb dokumentieren, wie die Liste zustande kam und wie Nachmeldungen möglich waren.


K3 – Verfahrensauftrag

Kennung: K3

Fiktiver Beschluss vom 28.10.2025:

  1. Die Jugendgruppe wird zu Bedarf, Standortdetails und Gestaltungswünschen angehört.
  2. Das Amt für Gebäude und Grünflächen prüft Bau, Sicherheit, Zugänglichkeit und Beschaffbarkeit.
  3. Der Ausschuss entscheidet am 10.12.2025 über die Durchführung und das Gesamtbudget.
  4. Für die Möblierung werden höchstens 6.000 Euro bereitgestellt.
  5. Die Verwaltung erstellt drei fachlich und finanziell umsetzbare Ausstattungspakete A, B und C.
  6. Die Jugendversammlung am 28.11.2025 entscheidet durch geheime Abstimmung verbindlich, welches der drei Pakete beschafft wird, sofern der Ausschuss das Gesamtprojekt am 10.12.2025 freigibt.
  7. Der Ausschuss darf die gewählte Ausstattung nicht durch ein anderes Paket ersetzen. Scheitert das Gesamtprojekt aus einem dokumentierten Grund, muss die Jugendgruppe darüber informiert werden.

Fachliche Bedeutung: Punkt 1 ist Anhörung. Punkt 6 räumt für einen klar begrenzten Teil Mitentscheidung ein.


K4 – Protokoll der Anhörung

Kennung: K4

Datum: 14.11.2025

Teilnahme: 32 Jugendliche, 11 Anwohnende, 4 Mitarbeitende aus Jugendtreff und Verwaltung

Dokumentierte Hauptthemen:

  1. Jugendliche wünschen lange Sitzbänke, einzelne Sitzplätze, Regenschutz und Wasser.
  2. Mehrere Jugendliche lehnen Kameras ab.
  3. Einige Anwohnende wünschen eine zeitlich begrenzte Beleuchtung und eine klar erkennbare Ruhezeit.
  4. Die Beratungsgruppe zur Barrierefreiheit fordert eine stufenlose Erreichbarkeit und mindestens einen unterfahrbaren Tischbereich.
  5. Die Verwaltung sagt zu, alle Punkte in einer öffentlich einsehbaren Prüfliste mit Begründungen zu beantworten.

Einflussstatus: Stufe 1 – Anhörung. Die Beiträge werden dokumentiert und geprüft; die Beteiligten besitzen dadurch noch kein verbindliches Entscheidungsrecht über Bau oder Gesamtbudget.


K5 – Drei Ausstattungspakete und Jugendabstimmung

Kennung: K5

Nach der Fachprüfung stehen drei fiktive, jeweils beschaffbare Varianten zur Wahl.

Paket Inhalt Kosten
A zwei lange Bänke, zwei Einzelsitze, ein unterfahrbarer Tisch, Fahrradbügel 5.850 €
B vier modulare Sitzblöcke, ein unterfahrbarer Tisch, Fahrradbügel 5.930 €
C zwei Rundbänke, zwei Einzelsitze, ein unterfahrbarer Tisch 5.760 €

Abstimmung am 28.11.2025:

Stimmberechtigt sind im fiktiven Verfahren Jugendliche von 12 bis 17 Jahren, die in Beispielhausen wohnen oder den Jugendtreff regelmäßig besuchen.

Anwesend stimmberechtigt: 26

Gültige Stimmen: 24

Ungültige Stimmen: 2

Ergebnis: Paket A = 15 Stimmen, Paket B = 6 Stimmen, Paket C = 3 Stimmen.

Einflussstatus: Stufe 3 – Mitentscheidung. Die Auswahl zwischen A, B und C war nach K3 verbindlich an die Jugendversammlung übertragen.


K6 – Gesamtentscheidung

Kennung: K6

Entscheidungstermin: 10.12.2025

Der fiktive Ausschuss für Jugend und Soziales beschließt die Durchführung des Treffpunkts und das erforderliche Gesamtbudget. Er nimmt das Ergebnis der Jugendabstimmung zur Kenntnis. Paket A wird entsprechend dem vorher übertragenen Entscheidungsrecht umgesetzt.

Status Gesamtprojekt: ✓ BESTÄTIGT – beschlossen

Status Ausstattung: ✓ BESTÄTIGT – Paket A aus verbindlicher Jugendabstimmung

Wichtig: Dass der Ausschuss das Gesamtprojekt beschließt, macht die vorherige Anhörung nicht rückwirkend zu Mitentscheidung. Umgekehrt bleibt die Auswahl des Ausstattungspakets echte Mitentscheidung, weil dieser Teil vorab verbindlich delegiert wurde.


K7 – Rückmeldung

Kennung: K7

Datum: 12.12.2025

Im fiktiven Verfahren wird eine zweiseitige Rückmeldung am Jugendtreff ausgehängt und online veröffentlicht. Sie enthält:

  1. den Beschluss über das Gesamtprojekt,
  2. das Ergebnis der Jugendabstimmung,
  3. eine Tabelle „übernommen – verändert – nicht übernommen“ zu den Anregungen der Anhörung,
  4. eine Begründung für jede nicht übernommene Anregung,
  5. den geplanten Baubeginn,
  6. die Kontaktstelle für Rückfragen,
  7. den Hinweis, dass die Wirkung später überprüft werden soll.

Beispiel aus der fiktiven Prüfliste:

Anregung Ergebnis Begründung
stufenlose Erreichbarkeit übernommen Bestandteil der Ausführungsplanung.
keine Kameraüberwachung übernommen Im Projekt ist keine Kamera vorgesehen.
Beleuchtung die ganze Nacht verändert Licht wird aus Rücksicht auf Umfeld und Energieverbrauch zeitlich begrenzt.
zweiter Trinkwasserbrunnen nicht übernommen Im genehmigten Budget ist nur ein Brunnen vorgesehen; Erweiterung bleibt spätere Option.


K8 – Spätere Wirkung: Beobachtungsdaten

Kennung: K8

Der Treffpunkt wird im fiktiven Fall am 15.03.2026 eröffnet. Um eine spätere Entwicklung zu beobachten, zählt das Jugendtreff-Team an jeweils drei Dienstagen zwischen 15:30 und 17:30 Uhr die gleichzeitig oder nacheinander am Treffpunkt anwesenden Jugendlichen. Die Zählregel bleibt gleich.

Phase Datum Zahl beobachteter Jugendlicher Wetterhinweis
Vorher 07.10.2025 2 trocken, etwa 15 °C
Vorher 14.10.2025 4 trocken, etwa 13 °C
Vorher 21.10.2025 3 leichter Regen, etwa 11 °C
Nachher 05.05.2026 17 trocken, etwa 18 °C
Nachher 12.05.2026 19 sonnig, etwa 20 °C
Nachher 19.05.2026 14 bewölkt, etwa 17 °C

Rechenhilfe: Der Mittelwert liegt vor der Eröffnung bei 3,0 und in den drei späteren Beobachtungen bei rund 16,7.

Zulässige Aussage: In diesen sechs Beobachtungen wurde nach der Eröffnung eine deutlich höhere Nutzung gezählt.

Nicht belegte Aussage: Aus diesen Daten allein lässt sich nicht beweisen, dass ausschließlich der neue Treffpunkt die höhere Nutzung verursacht hat.

Warum bleibt Unsicherheit? Jahreszeit, Wetter, Schultermine, Veranstaltungen, Gewöhnungseffekte und die geringe Zahl der Beobachtungstage können die Zahlen beeinflussen. Es gibt keine Kontrollfläche und keine zufällige Stichprobe.

Status Wirkung: ! VORLÄUFIG – Nutzung in den Beobachtungen höher; Ursache nicht eindeutig belegt


K9 – Spätere Rückmeldebefragung

Kennung: K9

Am 10.09.2026 werden im fiktiven Beispiel 24 freiwillig anwesende Nutzerinnen und Nutzer des Treffpunkts anonym befragt.

Aussage Ja Teilweise Nein
„Ich wusste, welche Teile Jugendliche mitentscheiden konnten.“ 17 5 2
„Die Rückmeldung nach der Entscheidung war für mich verständlich.“ 18 4 2
„Der Treffpunkt entspricht insgesamt meinen wichtigsten Bedürfnissen.“ 16 6 2

Datenherkunft: Fiktives Kursmaterial.

Unsicherheit: Befragt wurden freiwillige Personen, die am Treffpunkt anwesend waren. Menschen, die den Ort nicht nutzen oder unzufrieden fernbleiben, sind dadurch möglicherweise unterrepräsentiert. Die Befragung ist deshalb nicht repräsentativ für alle Jugendlichen in Beispielhausen.


Der fertige Beteiligungsmonitor


Lesefassung

Pflichtfeld Eintrag zum Treffpunkt Nordbogen Status Beleg und Grenze
Vorschlag Wettergeschützter Jugendtreffpunkt mit Sitzmöglichkeiten, Wasser, Beleuchtung und Abfallbehältern. ✓ BESTÄTIGT K1
Betroffene Gruppe Jugendliche 12–17 als Hauptgruppe; zusätzlich junge Volljährige, Anwohnende, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Jugendtreff und Pflegepersonal. ✓ BESTÄTIGT K2; Liste kann in realen Verfahren unvollständig sein.
Zuständige Stelle Gesamtprojekt: fiktiver Ausschuss für Jugend und Soziales; Fachprüfung: Amt für Gebäude und Grünflächen; Prozesskoordination: Jugendamt. ✓ BESTÄTIGT K3; gilt nur für diesen fiktiven Fall.
Einflussstufe Bedarf und Standortdetails: Stufe 1 Anhörung. Ausstattungspaket: Stufe 3 Mitentscheidung. Gesamtbudget und Durchführung: Entscheidung beim Ausschuss. ✓ BESTÄTIGT K3–K6. Anhörung und Mitentscheidung werden getrennt ausgewiesen.
Entscheidungstermin Jugendabstimmung Ausstattung: 28.11.2025. Gesamtentscheidung: 10.12.2025. ✓ BESTÄTIGT K5 und K6
Rückmeldung Begründete Rückmeldung mit übernommenen, veränderten und nicht übernommenen Vorschlägen am 12.12.2025. ✓ BESTÄTIGT K7
Spätere Wirkung Nach Eröffnung höhere beobachtete Nutzung; Befragung überwiegend positiv. Kausalität und Repräsentativität bleiben begrenzt. ! VORLÄUFIG K8 und K9


Prozessprotokoll mit eindeutigen Beleg-IDs

Die Idee eindeutiger Belegkennungen lehnt sich methodisch an die Arbeit von Sammlungen und Archiven an: Ein Objekt oder Dokument soll eindeutig auffindbar sein. Die Stiftung Haus der Geschichte macht Objekte ihrer Sammlung über eindeutige Signaturen recherchierbar. Unser Monitor übernimmt nicht deren Museumssystem, sondern nur das Prinzip der Nachverfolgbarkeit.

Schritt Datum Ereignis Einfluss Status Beleg-ID
1 03.11.2025 Vorschlag eingereicht Initiative der Jugendgruppe ✓ BESTÄTIGT K1
2 14.11.2025 Anhörung Stufe 1 ✓ BESTÄTIGT K4
3 28.11.2025 Jugendabstimmung über Ausstattung Stufe 3 ✓ BESTÄTIGT K3, K5
4 10.12.2025 Gesamtprojekt beschlossen formale Ausschussentscheidung ✓ BESTÄTIGT K6
5 12.12.2025 Rückmeldung veröffentlicht Transparenz ✓ BESTÄTIGT K7
6 15.03.2026 Treffpunkt eröffnet Umsetzung ✓ BESTÄTIGT K8
7 Mai 2026 Nachher-Beobachtungen Wirkungsbeobachtung ! VORLÄUFIG K8
8 10.09.2026 freiwillige Befragung Wirkungs- und Prozessfeedback ! VORLÄUFIG K9


Werkstatt: Baue selbst einen Beteiligungsmonitor


Schritt 1 – Einen Vorschlag präzise erfassen

Formuliere nicht nur ein Schlagwort wie „Jugendplatz“, sondern einen prüfbaren Vorschlag. Notiere:

  1. Was soll verändert werden?
  2. Wo oder in welchem Bereich?
  3. Für wen?
  4. Welche Teile sind noch offen?
  5. Wer hat den Vorschlag wann eingebracht?

Ein guter Monitor trennt Wunsch, Prüfung und Entscheidung. Ein eingereichter Vorschlag ist noch kein Beschluss.


Schritt 2 – Betroffene Gruppen bestimmen

Frage nicht nur, wer das Projekt wahrscheinlich nutzt. Prüfe auch, wer Nachteile, Pflichten oder Barrieren erleben könnte. Bei einem Treffpunkt können das beispielsweise Jugendliche, Nachbarschaft, Menschen mit Behinderungen, Reinigung, Jugendarbeit oder Grünflächenpflege sein.

Einstieg: Nenne mindestens drei Gruppen.

M-Niveau: Begründe für jede Gruppe die Art der Betroffenheit.

E-Niveau: Prüfe zusätzlich, wer im Verfahren möglicherweise fehlt und wie diese Lücke die Entscheidung verzerren könnte.


Schritt 3 – Zuständigkeit belegen

Die Frage „Wer entscheidet?“ darf nicht mit Vermutungen beantwortet werden. Prüfe in einem realen Projekt möglichst eine öffentliche Quelle: Beschlussvorlage, Satzung, Zuständigkeitsordnung, Haushaltsbeschluss, Ratsinformationssystem oder schriftliche Auskunft einer Behörde.

Wenn nur bekannt ist, dass „die Stadt“ beteiligt ist, lautet ein sauberer Eintrag: ! UNSICHER – konkrete entscheidungsbefugte Stelle noch nicht belegt.


Schritt 4 – Einflussstufe bestimmen

Suche nach dem stärksten belegten Satz zur Entscheidungsmacht:

  1. Wurde nur informiert?
  2. Wurde eine Stellungnahme angefordert?
  3. Gab es einen Dialog mit Änderungsmöglichkeiten?
  4. War eine Abstimmung verbindlich?
  5. War ein Bereich vollständig delegiert?

Achte auf Formulierungen wie „wird berücksichtigt“. Sie können Beteiligung anzeigen, beweisen aber noch keine Mitentscheidung. Entscheidend ist, was mit dem Ergebnis verbindlich geschieht.

Mediennachweis: Wikimedia Commons, Datei „YouthParliamentgroup.jpg“, Urheber: European Youth Parliament, Lizenz CC BY-SA 4.0. Das Foto zeigt eine Sitzung des European Youth Parliament aus dem Jahr 2016. Es illustriert parlamentarisch organisierte Jugenddebatten; aus dem Bild allein lässt sich keine konkrete Entscheidungsmacht ableiten.


Schritt 5 – Termin und Rückmeldung dokumentieren

Ein Beteiligungsverfahren bleibt schwer überprüfbar, wenn niemand weiß, wann entschieden wird. Notiere deshalb:

  1. angekündigter Entscheidungstermin,
  2. tatsächlicher Entscheidungstermin,
  3. Grund einer Verzögerung,
  4. Zeitpunkt und Form der Rückmeldung,
  5. Begründung für abgelehnte oder veränderte Vorschläge.

Ein guter Monitor macht einen Wechsel von ↻ IN PRÜFUNG zu ✓ BESTÄTIGT sichtbar.


Schritt 6 – Wirkung später prüfen

Umsetzung und Wirkung sind nicht dasselbe.

Umsetzung fragt: Wurde der Treffpunkt gebaut?

Wirkung fragt zum Beispiel: Wird er genutzt? Fühlen sich unterschiedliche Jugendliche dort willkommen? Hat sich die Verständlichkeit des Beteiligungsverfahrens verbessert? Sind neue Konflikte entstanden?

Eine Wirkungsprüfung braucht vorab festgelegte Indikatoren und eine dokumentierte Datenerhebung. Eine einzelne positive Rückmeldung beweist keine allgemeine Wirkung.


Mediengestützte Methode: Gesprächsrunden dokumentieren

Mediennachweis: Wikimedia Commons, Datei „“World Café”-style arrangements enable participants to have creative conversations while sitting cafe-style around small tables covered by paper table cloths to take notes (5050819865).jpg“, Urheber: SuSanA Secretariat, Lizenz CC BY 2.0. Die Aufnahme entstand 2010 in Nairobi. Sie ist hier ausschließlich ein Methodenbild für Gespräche an Kleingruppentischen und kein Beleg für Jugendbeteiligung in Deutschland oder für den fiktiven Treffpunkt.

Eine Gesprächsmethode wie das World-Café kann helfen, viele Perspektiven zu sammeln. Der Monitor sollte aber nicht den Methodenaufwand mit Entscheidungsmacht verwechseln: Auch ein aufwendig moderierter Workshop kann lediglich eine Anhörung sein.


Reales Praxisfenster: Jugendparlament und Rats-Simulation

Öffentliche Stellen nutzen Simulationen, um politische Abläufe erfahrbar zu machen. Beim Jugendparlament des Landtags Sachsen-Anhalt beraten Jugendliche Anträge und treffen innerhalb des Formats Entscheidungen; angenommene Anträge werden anschließend an die politische Arbeit weitergegeben. Bei „Pimp Your Town!“ in Laatzen simulieren Schülerinnen und Schüler einen kommunalen Rat, entwickeln Ideen und stimmen über Vorschläge ab.

Für Deinen Monitor ist die Unterscheidung wichtig: Eine Entscheidung innerhalb einer Simulation ist nicht automatisch eine rechtlich bindende Entscheidung des real zuständigen Organs. Frage daher immer, ob das Ergebnis nur weitergeleitet, beraten oder verbindlich übernommen wird.

Medienhinweis: Eingebettetes YouTube-Video des Landtags Sachsen-Anhalt im Zusammenhang mit dem Jugendparlament. Die Einbettung bedeutet nicht, dass eine freie Lizenz für eine eigene Weiterveröffentlichung des Videomaterials behauptet wird. Für eine Nachnutzung außerhalb der Einbettung müssen die Rechte beim jeweiligen Anbieter geprüft werden.


Drei Auswahlaufgaben mit Hilfen, Belegstellen und Lösungen

Diese drei Aufgaben sind bewusst kurz und eindeutig. Jede hat vier plausible Optionen. Die Lösung richtet sich nach den mitgelieferten Materialien und den ausdrücklich definierten Einflussstufen.


Auswahlaufgabe 1 – Anhörung oder Mitentscheidung?

Situation: In K4 äußern Jugendliche Wünsche. Die zuständige Stelle dokumentiert sie, darf bei der späteren Gesamtentscheidung aber anders entscheiden.

Option Antwort
A Stufe 1 – Anhörung
B Stufe 3 – Mitentscheidung
C Stufe 4 – delegierte Selbstentscheidung
D bereits abgeschlossene Wirkungskontrolle

Hilfe 1: Frage, wer nach der Veranstaltung die verbindliche Entscheidung treffen darf.

Hilfe 2: Gehört zu werden bedeutet noch nicht, eine verbindliche Stimme zu besitzen.

Belegstellen: K3 und K4; methodisch O2.

Lösung: A – Stufe 1 Anhörung. Die Aussagen werden aufgenommen und geprüft. Das Recht, über das Gesamtprojekt verbindlich zu entscheiden, bleibt beim fiktiven Ausschuss. Genau deshalb darf der Monitor die Anhörung nicht als Mitentscheidung kennzeichnen.


Auswahlaufgabe 2 – Wo liegt echte Mitentscheidung vor?

Situation: Der Ausschuss hat vorab 6.000 Euro für Möblierung vorgesehen und zugesagt, den Gewinner aus drei fachlich zulässigen Ausstattungspaketen umzusetzen. Die Jugendversammlung wählt Paket A.

Option Antwort
A Stufe 3 – Mitentscheidung
B Stufe 1 – Anhörung
C Stufe 0 – Information
D noch keine Beteiligung, weil der Ausschuss das Gesamtprojekt beschließt

Hilfe 1: Prüfe, ob das Abstimmungsergebnis für einen abgegrenzten Bereich verbindlich ist.

Hilfe 2: K3 sagt ausdrücklich, dass der Ausschuss das von Jugendlichen gewählte Paket nicht durch ein anderes ersetzen darf.

Belegstellen: K3, K5 und K6.

Lösung: A – Stufe 3 Mitentscheidung. Die Jugendlichen entscheiden nicht über das gesamte Bauprojekt, aber innerhalb des übertragenen Bereichs „Ausstattungspaket“ ist ihre Wahl verbindlich. Mitentscheidung kann also auf einen klar begrenzten Teil beschränkt sein.


Auswahlaufgabe 3 – Welche Wirkungsaussage ist zulässig?

Situation: Vor der Eröffnung werden im Mittel 3,0 Jugendliche beobachtet, danach rund 16,7. Die Nachher-Termine liegen in wärmeren Monaten; es gibt nur jeweils drei Beobachtungstage und keine Kontrollfläche.

Option Antwort
A ! VORLÄUFIG – spätere Nutzung wurde höher beobachtet, die Ursache ist noch nicht eindeutig belegt
B ✓ BEWIESEN – der Treffpunkt allein hat die Nutzung um genau denselben Faktor verursacht
C — OFFEN – es liegen überhaupt keine Wirkungsdaten vor
D ✖ ABGELEHNT – das Projekt hat nachweislich keine Wirkung

Hilfe 1: Ein Unterschied zwischen vorher und nachher ist noch kein sicherer Kausalbeweis.

Hilfe 2: Prüfe Jahreszeit, Wetter, geringe Zahl der Termine und die fehlende Vergleichsfläche.

Belegstellen: K8; methodisch O2 zur Überprüfung von Beteiligungsprozessen und Ergebnissen.

Lösung: A – ! VORLÄUFIG. Die Zählungen zeigen eine höhere beobachtete Nutzung nach der Eröffnung. Sie reichen aber nicht aus, um alternative Erklärungen auszuschließen. Der Monitor trennt deshalb Beobachtung und Kausalbehauptung.


Freies Urteil: Qualität der Beteiligung bewerten

Die Frage „War die Beteiligung beim Treffpunkt Nordbogen insgesamt gut?“ hat in diesem Kurs keine einzige Mustermeinung. Unterschiedliche Urteile können fachlich überzeugend sein, wenn sie mit denselben prüfbaren Kriterien arbeiten.


Urteilsmodell U-B-E

  1. U – Urteil formulieren: Gib eine vorläufige Antwort, zum Beispiel „insgesamt überzeugend“, „nur teilweise überzeugend“ oder „unzureichend“.
  2. B – Belege verwenden: Beziehe Dich auf mindestens zwei konkrete Beleg-IDs aus K1 bis K9.
  3. E – Einschränkung und Gegenargument prüfen: Nenne mindestens eine Grenze Deiner eigenen Bewertung oder einen begründeten Gegenstandpunkt.


Prüfkriterien für freie Urteile

Kriterium Leitfrage 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Transparenz Waren Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung klar? kaum erkennbar teilweise klar klar und früh dokumentiert
Entscheidungsmacht Wurde korrekt zwischen Anhörung und verbindlicher Mitentscheidung getrennt? unklar teilweise eindeutig
Betroffenheit Wurden unterschiedliche betroffene Gruppen berücksichtigt? kaum einige breit und begründet
Rückmeldung Wurde erklärt, was übernommen oder nicht übernommen wurde? fehlt teilweise nachvollziehbar und begründet
Umsetzung Ist sichtbar, ob aus Entscheidungen Handlungen folgten? nicht sichtbar teilweise klar dokumentiert
Datenqualität Sind spätere Wirkungsdaten nachvollziehbar erhoben? kaum mit Grenzen methodisch stark
Unsicherheit Werden Grenzen der Aussagekraft offen benannt? verschwiegen teilweise konsequent gekennzeichnet

M-Niveau: Nutze mindestens fünf Kriterien und begründe Dein Urteil mit Belegen.

E-Niveau: Nutze alle sieben Kriterien, gewichte mindestens zwei davon stärker als andere und begründe, warum. Prüfe außerdem, ob die Wirkungsdaten ein gerechtes Urteil über das Beteiligungsverfahren erlauben.


Vertiefung M: Daten auswerten

Arbeite mit K8 und K9.

  1. Berechne die Mittelwerte der drei Vorher- und drei Nachher-Zählungen.
  2. Beschreibe den beobachteten Unterschied in einem Satz, ohne eine Ursache zu behaupten.
  3. Erkläre, warum eine Prozentzahl allein leicht einen zu starken Eindruck erzeugen kann, wenn der Ausgangswert sehr klein ist.
  4. Berechne aus K9 den Anteil der Befragten, die die Rückmeldung als verständlich bewerteten.
  5. Erkläre anschließend, warum dieses Ergebnis nicht automatisch für alle Jugendlichen der Beispielstadt gilt.


Vertiefung E: Datenqualität und Kausalität

Entwirf ein besseres Wirkungsdesign für den Treffpunkt.

Mögliche Prüfaspekte:

  1. mehr Beobachtungstage vor und nach der Eröffnung,
  2. ähnliche Jahreszeiten und Uhrzeiten,
  3. Dokumentation von Wetter, Ferien und Veranstaltungen,
  4. Vergleich mit einer ähnlichen Fläche ohne neuen Treffpunkt,
  5. Befragung auch von Nichtnutzenden,
  6. anonyme und möglichst systematische Stichprobe,
  7. vorher festgelegte Indikatoren,
  8. Trennung von Prozessqualität und Projektergebnis.

E-Aufgabe: Formuliere zwei Aussagen, die mit K8 gut begründet sind, und zwei Aussagen, für die K8 nicht ausreicht. Begründe jede Entscheidung.


Transferfall: Abendbus zum Jugendzentrum

Ein zweiter Fall zeigt, wie derselbe Monitor außerhalb eines Bauprojekts funktioniert.

Fiktive Ausgangslage: Jugendliche wünschen freitags und samstags eine spätere Busverbindung vom Jugendzentrum zum Bahnhof, damit sie nach Abendveranstaltungen selbstständig nach Hause fahren können.

Monitorfeld Vorläufiger Eintrag Status
Vorschlag Zusätzliche Abfahrt um 22:30 Uhr am Freitag und Samstag. ✓ BESTÄTIGT – fiktiver Arbeitsauftrag
Betroffene Gruppe Jugendliche, Fahrpersonal, Fahrgäste, Anwohnende an Haltestellen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. ! VORLÄUFIG – weitere Gruppen möglich
Zuständige Stelle Muss im realen Ort geprüft werden; Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger, Landkreis oder Kommune können unterschiedliche Rollen haben. ! UNSICHER – keine örtliche Primärquelle angegeben
Einflussstufe Noch nicht bekannt. — OFFEN
Entscheidungstermin Noch nicht bekannt. — OFFEN
Rückmeldung Noch nicht erfolgt. — OFFEN
spätere Wirkung Denkbare Indikatoren: Fahrgastzahl, Nutzung durch Jugendliche, verpasste Anschlüsse, Kosten, Barrierefreiheit. — OFFEN

Transferfrage: Eine Jugendbefragung mit 300 Unterschriften kann ein starkes politisches Signal sein. Sie beweist aber noch keine Mitentscheidung. Erst wenn geklärt ist, welche Stelle verbindlich entscheidet und welchen Einfluss die Jugendgruppe auf diese Entscheidung erhält, darf eine Einflussstufe vergeben werden.

E-Niveau: Suche für Deinen eigenen Ort die öffentliche Quelle, aus der hervorgeht, wer über zusätzliche Verkehrsleistungen entscheidet. Wenn Du keine eindeutige Quelle findest, bleibt der Status ! UNSICHER statt eine Zuständigkeit zu erfinden.


Datenherkunft und Unsicherheit sichtbar machen

Ein guter Monitor beantwortet zu jeder wichtigen Aussage drei Fragen:

  1. Woher kommt die Information?
  2. Wie sicher ist sie?
  3. Was kann sie nicht beweisen?

Für die Werkstatt kannst Du Herkunftskürzel verwenden:

Kürzel Bedeutung Beispiel
O öffentliche Primär-, Behörden-, Parlaments- oder Museumsquelle O3 = § 8 SGB VIII
K eigenes fiktives Kursmaterial K5 = Jugendabstimmung
E eigene Erhebung im realen Schulprojekt E2 = anonyme Befragung
M Medienmetadaten und Lizenzangaben M1 = Wikimedia-Dateibeschreibungsseite

Regel: Ein Monitor darf ein Feld leer oder unsicher lassen. Eine offen gekennzeichnete Wissenslücke ist fachlich besser als eine erfundene Sicherheit.


Medienrechte prüfen

Wenn Du für Deinen Monitor Fotos, Videos oder Grafiken verwendest, dokumentiere mindestens:

  1. Dateiname oder Titel,
  2. Urheberin oder Urheber,
  3. Quelle beziehungsweise Dateibeschreibungsseite,
  4. Lizenz oder Nutzungserlaubnis,
  5. notwendige Namensnennung,
  6. bei eigenen Aufnahmen zusätzlich den Aufnahmezeitpunkt und die Frage, ob abgebildete Personen veröffentlicht werden dürfen.

Bei Wikimedia Commons steht die maßgebliche Lizenz in der jeweiligen Dateibeschreibung. Eine offene Lizenz bedeutet nicht, dass alle Bedingungen entfallen. Namensnennung und Lizenzhinweis können vorgeschrieben sein.

Bei eingebetteten YouTube-Videos darfst Du nicht automatisch annehmen, dass das Videomaterial frei lizenziert ist. Eine Einbettung und eine Erlaubnis zur freien Weiterbearbeitung sind verschiedene Dinge.

Bei Bildern von Minderjährigen ist besondere Sorgfalt nötig. Für ein reales Schulprojekt sollen keine identifizierbaren Aufnahmen veröffentlicht werden, ohne dass die erforderlichen Rechte und Einwilligungen geprüft sind. Im Zweifel kannst Du den Beteiligungsprozess auch mit Plakaten, Händen, Arbeitsmaterialien oder anonymisierten Darstellungen dokumentieren.


Vorlage: Beteiligungsmonitor für Dein eigenes Projekt

Feld Dein Eintrag Status Beleg-ID Unsicherheit oder Grenze
Vorschlag
betroffene Gruppe
zuständige Stelle
Einflussstufe
Entscheidungstermin
Rückmeldung
spätere Wirkung


Vorlage: Prozesslog

Beleg-ID Datum Ereignis Datenherkunft Einfluss Status Nächster Prüfschritt


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Woran erkennst Du im Kursmodell eine echte Mitentscheidung? (Ein festgelegtes Ergebnis der Jugendlichen ist für einen abgegrenzten Entscheidungsbereich verbindlich) (!Jugendliche dürfen bei einer Veranstaltung zuhören) (!Eine Behörde veröffentlicht einen fertigen Beschluss) (!Eine Gruppe darf unverbindlich Wünsche sammeln)




Was unterscheidet eine Anhörung von Mitentscheidung? (Bei einer Anhörung bleibt die verbindliche Entscheidungsmacht bei einer anderen Stelle) (!Bei einer Anhörung ist jede geäußerte Idee automatisch beschlossen) (!Bei einer Anhörung entscheidet ausschließlich die Jugendgruppe) (!Bei einer Anhörung darf es keine Rückmeldung geben)




Warum gehört ein Entscheidungstermin in den Beteiligungsmonitor? (Damit nachvollziehbar ist wann ein Vorschlag entschieden werden soll oder entschieden wurde) (!Damit eine Anhörung automatisch verbindlich wird) (!Damit keine Belege mehr benötigt werden) (!Damit spätere Wirkungen schon vor der Umsetzung feststehen)




Welcher Status passt zu einer beobachteten Veränderung deren Ursache noch nicht eindeutig belegt ist? (VORLÄUFIG) (!BESTÄTIGT ALS KAUSAL) (!KEINE DATEN) (!AUTOMATISCH ABGELEHNT)




Was muss beim Feld zuständige Stelle möglichst belegt werden? (Welche Stelle für die konkrete Entscheidung tatsächlich befugt ist) (!Welche Gruppe das schönste Plakat gestaltet) (!Welche Person am lautesten gesprochen hat) (!Welche Farbe der Monitor verwendet)




Was beschreibt die spätere Wirkung eines Projekts? (Eine nach der Umsetzung beobachtete Veränderung bei vorher bestimmten Kriterien) (!Nur den Tag an dem der Vorschlag eingereicht wurde) (!Nur die Zahl der Antwortmöglichkeiten einer Abstimmung) (!Nur den Namen des zuständigen Ausschusses)




Welche Aussage zu Wikimedia Commons ist richtig? (Die konkrete Lizenz und Namensnennung müssen auf der Dateibeschreibungsseite geprüft werden) (!Jede Datei darf ohne Urheberangabe beliebig genutzt werden) (!Alle Dateien auf Commons haben automatisch dieselbe Lizenz) (!Eine Commons-Datei darf nie in einem Lernprojekt verwendet werden)




Was verlangt eine saubere Dokumentation bei unsicherer Zuständigkeit? (Die Zuständigkeit als unsicher kennzeichnen bis ein belastbarer Beleg vorliegt) (!Die wahrscheinlichste Behörde als Tatsache eintragen) (!Das Feld aus dem Monitor löschen) (!Die Jugendgruppe automatisch als zuständige Stelle eintragen)




Was ist an K8 fachlich korrekt? (Die höhere Nachher-Nutzung ist beobachtet aber die alleinige Ursache ist nicht bewiesen) (!Der Treffpunkt ist als einzige Ursache wissenschaftlich bewiesen) (!Es liegen überhaupt keine Daten vor) (!Die Wetterunterschiede sind für die Aussagekraft bedeutungslos)




Wozu dient eine Beleg-ID wie K5? (Sie macht nachvollziehbar auf welchen konkreten Nachweis sich ein Eintrag stützt) (!Sie ersetzt jede Quellenprüfung) (!Sie verwandelt eine Meinung in ein Gesetz) (!Sie beweist automatisch eine positive Wirkung)





Memory

Anhörung Meinung wird aufgenommen ohne verbindliches Mitentscheidungsrecht
Mitentscheidung Verbindliche Entscheidungsmacht in einem festgelegten Bereich
Rückmeldung Ergebnis und Begründung werden verständlich mitgeteilt
Belegstelle Nachprüfbarer Nachweis für einen Monitoreintrag
Wirkungsprüfung Spätere Veränderung wird mit festgelegten Kriterien untersucht
Unsicherheit Grenze der Aussagekraft wird offen gekennzeichnet





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Beteiligungsmonitor
Vorschlag Beschreibt was verändert oder neu geschaffen werden soll
Betroffene Gruppe Benennt Personen oder Gruppen die Folgen des Projekts erleben können
Zuständige Stelle Benennt die tatsächlich entscheidungsbefugte Institution
Entscheidungstermin Zeigt wann eine verbindliche Entscheidung vorgesehen oder gefallen ist
Spätere Wirkung Dokumentiert beobachtete Veränderungen nach der Umsetzung





Kreuzworträtsel

Anhörung Wie heißt die Beteiligungsform bei der Meinungen aufgenommen werden aber die verbindliche Entscheidung woanders bleibt?
Mitentscheidung Wie heißt eine verbindlich geteilte Entscheidungsmacht in einem festgelegten Bereich?
Rückmeldung Wie heißt die verständliche Information darüber was entschieden und warum etwas übernommen oder abgelehnt wurde?
Wirkung Wie heißt eine spätere Veränderung die nach der Umsetzung untersucht wird?
Beleg Wie heißt ein nachprüfbarer Nachweis für einen Monitoreintrag?
Unsicherheit Wie heißt eine offen ausgewiesene Grenze der Aussagekraft?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Beteiligungsmonitor macht den Weg von einem

bis zur späteren Prüfung nachvollziehbar. Die Gruppe, die von einem Projekt besonders betroffen ist, wird als

dokumentiert. Wer eine Meinung äußern darf, aber keine verbindliche Stimme besitzt, nimmt an einer

teil. Eine verbindliche Stimme in einem klar festgelegten Bereich ist dagegen

. Wer formal entscheiden darf, muss als

belegt werden. Ein geplanter oder tatsächlicher Beschluss braucht einen nachvollziehbaren

. Nach dem Beschluss sollen Beteiligte eine verständliche

erhalten. Eine spätere Veränderung nach der Umsetzung wird als

untersucht. Ein Unterschied zwischen vorher und nachher beweist nicht automatisch eine

. Wenn die Belege nicht ausreichen, muss der Monitor die

sichtbar machen. Eine eindeutige Kennung verbindet einen Eintrag mit seiner

. Bei verwendeten Medien müssen Urheberangabe und

geprüft werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Monitor lesen: Markiere im Monitor zum Treffpunkt Nordbogen alle Felder mit dem Status „✓ BESTÄTIGT“ und erkläre bei einem Feld, welcher Beleg die Bestätigung trägt.
  2. Anhörung erkennen: Formuliere in zwei Sätzen, warum K4 eine Anhörung und keine Mitentscheidung ist.
  3. Mitentscheidung erkennen: Erkläre mit K3 und K5, welcher Teil des Projekts von Jugendlichen verbindlich entschieden wurde.
  4. Status formulieren: Schreibe für einen noch ungeklärten Entscheidungstermin eine sachlich passende Statuszeile.


Standard

  1. Betroffenenkarte erweitern: Ergänze K2 um zwei mögliche Gruppen und begründe, warum sie betroffen sein könnten.
  2. Nutzungsdaten auswerten: Berechne die Vorher- und Nachher-Mittelwerte aus K8 und formuliere eine zulässige sowie eine unzulässige Schlussfolgerung.
  3. Rückmeldebrief gestalten: Entwirf eine einseitige, jugendgerechte Rückmeldung zu einer fiktiven Projektentscheidung mit den Rubriken „übernommen“, „verändert“ und „nicht übernommen“.
  4. Belegkette prüfen: Wähle drei Monitorfelder und zeichne jeweils die Kette „Aussage – Beleg-ID – Datenherkunft – Unsicherheit“ auf.


Schwer

  1. Wirkungsdesign verbessern: Plane eine stärkere Vorher-Nachher-Untersuchung für den Treffpunkt und erkläre, welche Störfaktoren Du kontrollieren möchtest.
  2. Zuständigkeit recherchieren: Untersuche für ein reales Jugendprojekt in Deinem Ort, welche öffentliche Stelle entscheidet. Verwende nur nachvollziehbare öffentliche Belege und kennzeichne offene Punkte.
  3. Beteiligungsqualität bewerten: Verfasse ein freies Urteil mit dem U-B-E-Modell und mindestens fünf Prüfkriterien. Ein Gegenargument muss ernsthaft behandelt werden.
  4. Eigenen Monitor entwickeln: Übertrage die Vorlage auf ein anderes Projekt wie Skaterfläche, Schulhoföffnung, Jugendbudget oder Abendbus. Trenne dabei ausdrücklich Anhörung, Beratung und verbindliche Mitentscheidung.




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Lernkontrolle

  1. Fallvergleich: Zwei Jugendprojekte haben jeweils eine große Ideenwerkstatt. Bei Projekt A entscheidet danach allein ein Ausschuss; bei Projekt B ist die Jugendabstimmung über 20 Prozent des Budgets verbindlich. Vergleiche die Beteiligungsqualität und erkläre, warum die gleiche Methode zu unterschiedlicher Entscheidungsmacht führen kann.
  2. Prozessdiagnose: Ein Projekt veröffentlicht erst nach dem Beschluss, dass Jugendliche nur beratend beteiligt waren. Beurteile, welches Transparenzproblem entsteht und wie der Monitor es früher sichtbar gemacht hätte.
  3. Kausalität prüfen: Nach einer neuen Jugendfläche steigen die Besucherzahlen im Sommer deutlich. Entwickle mindestens drei alternative Erklärungen und schlage eine Datenerhebung vor, mit der sich die Wirkung besser untersuchen lässt.
  4. Stichprobe beurteilen: In einer Befragung werden nur Jugendliche angesprochen, die einen neuen Treffpunkt bereits nutzen. Erkläre, welche Sichtweisen dadurch fehlen können und wie Du die Erhebung verbessern würdest.
  5. Institutionelle Prüfung: In einem realen Projekt steht nur „Die Stadt entscheidet“. Entwickle einen Rechercheweg, mit dem Du die konkrete entscheidungsbefugte Stelle belegst, ohne Vermutungen als Tatsachen auszugeben.
  6. Abendbus bewerten: Entwirf für den Transferfall „Abendbus“ zwei denkbare Beteiligungsverfahren – eines als Anhörung und eines als echte Mitentscheidung – und benenne jeweils, welche formale Zusage für die Einordnung nötig wäre.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du zeigen kannst:

  1. wie ein Beteiligungsmonitor aufgebaut ist,
  2. wie Du einen Vorschlag und betroffene Gruppen nachvollziehbar beschreibst,
  3. wie Du die tatsächlich zuständige Stelle von bloßen Vermutungen unterscheidest,
  4. wie Du Anhörung, Mitsprache, Mitentscheidung und delegierte Selbstentscheidung trennst,
  5. wie Du Entscheidungstermine und Rückmeldungen dokumentierst,
  6. wie Du Beleg-IDs und Datenherkunft verwendest,
  7. wie Du spätere Wirkungen von bloßer Umsetzung unterscheidest,
  8. wie Du Unsicherheiten und Grenzen einer Datenerhebung kennzeichnest,
  9. wie Du aus Beobachtungsdaten keine unbelegten Kausalbehauptungen ableitest,
  10. wie Du ein eigenes Urteil mit Kriterien und Gegenargumenten begründest,
  11. wie Du Medienherkunft und Rechte prüfst.

Ein möglicher Lernnachweis besteht aus einem selbst erstellten Monitor zu einem Schul- oder Jugendprojekt, einer kurzen Begründung der Einflussstufe, einem Belegregister und einer reflektierten Wirkungsaussage.




OERs zum Thema



Beleg- und Medienverzeichnis

Öffentliche Orientierung:

  1. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Jugendbeteiligung
  2. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mitwirkung mit Wirkung – Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung
  3. Gesetze im Internet: § 8 SGB VIII
  4. Gesetze im Internet: § 11 SGB VIII
  5. Landtag Sachsen-Anhalt: Jugendparlament
  6. Stadt Laatzen: Pimp Your Town! Laatzen 2026
  7. Stiftung Haus der Geschichte: Lounge und Objektdatenbank

Medien und Rechte:

  1. Wikimedia Commons: Wandertage 2024 185906.jpg – Wandertage, CC BY 4.0.
  2. Wikimedia Commons: YouthParliamentgroup.jpg – European Youth Parliament, CC BY-SA 4.0.
  3. Wikimedia Commons: World-Café-Aufnahme – SuSanA Secretariat, CC BY 2.0.
  4. Wikimedia Commons: Hinweise zur Weiternutzung – Orientierung zu Lizenzangaben und Bedingungen.
  5. YouTube-Video des Landtags Sachsen-Anhalt: im Kurs nur eingebettet; keine zusätzliche freie Lizenz behauptet.

Fiktive Kursdaten: K1 bis K9 wurden vollständig für diesen aiMOOC erstellt. Sie sind keine externen Quellen und keine Berichte über reale Vorgänge.


Verknüpfte Lernbereiche


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