Baden und Württemberg in der Weimarer Republik

Baden und Württemberg in der Weimarer Republik
Einleitung
Das heutige Baden-Württemberg gab es während der Weimarer Republik noch nicht. Das Bundesland entstand erst 1952. Zwischen 1918 und 1933 gehörte der größte Teil des heutigen Landes zu zwei eigenständigen deutschen Ländern: zur Republik Baden mit der Hauptstadt Karlsruhe und zum Freien Volksstaat Württemberg mit der Hauptstadt Stuttgart. Das Gebiet Hohenzollern gehörte dagegen zu Preußen.
Wenn Du die Weimarer Republik nur aus der Perspektive Berlins betrachtest, übersiehst Du wichtige Unterschiede. In Baden und Württemberg entstanden nach dem Ende der Monarchien demokratische Verfassungen, Parlamente und neue Möglichkeiten politischer Beteiligung. Gleichzeitig mussten die Menschen mit Lebensmittelknappheit, politischen Konflikten, Inflation, Arbeitslosigkeit und schließlich dem Aufstieg des Nationalsozialismus umgehen. Daneben veränderten sich Schule, Beruf, Freizeit, Presse, Theater, Sport und die politische Rolle von Frauen.
Zwei Länder im Südwesten
Nach der Novemberrevolution von 1918 verschwanden auch im Südwesten die Monarchien. Aus dem Großherzogtum Baden wurde die Republik Baden, aus dem Königreich Württemberg der Freie Volksstaat Württemberg. Beide Länder waren Teil des Deutschen Reiches und besaßen eigene Landtage, Regierungen und Landesverfassungen.

| Vergleichspunkt | Republik Baden | Volksstaat Württemberg |
|---|---|---|
| Hauptstadt | Karlsruhe | Stuttgart |
| Vorgängerstaat | Großherzogtum Baden | Königreich Württemberg |
| Politisches System | parlamentarische Republik | parlamentarische Republik |
| Besonderheit | Landesverfassung wurde 1919 durch eine Volksabstimmung bestätigt | Stuttgart wurde 1920 während des Kapp-Putsches zeitweise zum Schutzort der Reichsspitze |
| Politische Entwicklung | lange Zusammenarbeit demokratischer Parteien der sogenannten Weimarer Koalition | nach der Anfangsphase zunehmend bürgerlich-konservativ geprägte Regierungen |

Revolution und demokratischer Neubeginn 1918–1919
Das Ende des Ersten Weltkriegs traf Baden und Württemberg in einer angespannten Lage. Lebensmittel und andere Güter waren knapp, viele Soldaten kehrten zurück, und bereits während des Krieges hatten Arbeiterinnen und Arbeiter gegen schlechte Versorgung und für politische Mitsprache protestiert.
In Baden bildeten sich im November 1918 Arbeiter- und Soldatenräte, unter anderem in Karlsruhe und Mannheim. Trotz revolutionärer Spannungen verlief der Übergang im Vergleich zu manchen anderen Teilen Deutschlands relativ wenig gewaltsam. Eine vorläufige Regierung vereinte Politiker verschiedener Parteien. Der Sozialdemokrat Anton Geiß wurde der erste badische Staatspräsident beziehungsweise Regierungschef der neuen republikanischen Ordnung.
Am 5. Januar 1919 wurde in Baden eine verfassunggebende Nationalversammlung gewählt. Zum ersten Mal konnten Frauen auf Landesebene gleichberechtigt wählen und gewählt werden. Besonders stark waren Zentrum, SPD und DDP. Diese drei Parteien bildeten die sogenannte Weimarer Koalition. Die neue badische Verfassung wurde 1919 nicht nur vom Parlament beschlossen, sondern anschließend auch den Wahlberechtigten zur Abstimmung vorgelegt.

Auch Württemberg wurde 1918 demokratisch umgestaltet. König Wilhelm II. dankte am 30. November 1918 ab. Bereits zuvor hatte sich eine provisorische Regierung gebildet. Bei der Wahl zur verfassunggebenden Landesversammlung 1919 nahmen Frauen erstmals als Wählerinnen und Kandidatinnen teil. Unter den 150 Abgeordneten waren 13 Frauen. Zu ihnen gehörten beispielsweise Mathilde Planck und Clara Zetkin, die politisch allerdings sehr unterschiedliche Positionen vertraten.
Die württembergische Verfassung trat im September 1919 in Kraft. Der Landtag wurde gewählt, die Regierung war parlamentarisch verantwortlich, und die Verfassung kannte auch Instrumente direkter Demokratie.

Demokratie zwischen Beteiligung und Konflikt
Die neue Demokratie bedeutete mehr als einen Austausch von Herrschern. Politische Parteien warben um Stimmen, Zeitungen kommentierten Entscheidungen, Frauen konnten wählen, Parlamente diskutierten öffentlich, und Regierungen mussten Mehrheiten organisieren. Demokratie wurde damit im Alltag sichtbar.
Baden verfügte schon vor 1918 über eine vergleichsweise ausgeprägte parlamentarische Tradition. In der Republik arbeiteten Zentrum, SPD und DDP über lange Zeit zusammen. Diese Kooperation trug dazu bei, dass die Landespolitik in den ersten Jahren vergleichsweise stabil blieb. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Konflikte gab: Wirtschaftliche Not, politische Radikalisierung und der Verlust von Vertrauen in liberale und sozialdemokratische Parteien belasteten auch Baden.
In Württemberg verloren SPD und DDP bereits bei der Landtagswahl 1920 deutlich an Unterstützung. Im weiteren Verlauf wurden die Regierungen stärker von bürgerlichen und konservativen Kräften geprägt. Ab 1928 stand der Zentrumspolitiker Eugen Bolz als Staatspräsident an der Spitze Württembergs. Auch er verteidigte die verfassungsmäßige Ordnung, obwohl die politischen Mehrheiten immer schwieriger wurden.
Wahlplakate zeigen, wie heftig um politische Zustimmung gerungen wurde. Sie sind jedoch keine neutralen Informationsquellen. Wenn Du ein Wahlplakat untersuchst, solltest Du deshalb zwischen dargestellten Tatsachen, politischen Behauptungen, Feindbildern und emotionalen Botschaften unterscheiden.

Krisen: Putsch, politische Gewalt und Inflation
Die junge Demokratie wurde früh herausgefordert. Im März 1920 versuchten beim Kapp-Putsch rechtsgerichtete Kräfte, die Reichsregierung zu stürzen. Reichspräsident, Nationalversammlung und Reichsregierung suchten zeitweise Schutz in Stuttgart. Damit wurde Württemberg für kurze Zeit zu einem wichtigen Ort der Verteidigung der Republik. Ein reichsweiter Generalstreik trug zum Scheitern des Putsches bei.

Eine weitere Gefahr war politische Gewalt. Der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der aus Württemberg stammte und auf Reichsebene eine bedeutende Rolle gespielt hatte, wurde 1921 im Schwarzwald von Mitgliedern der rechtsextremen Organisation Consul ermordet. Der Mord zeigt, wie weit der Hass auf demokratische Politiker bei Gegnern der Republik reichen konnte.

1923 erreichte die Geldentwertung mit der Hyperinflation einen Höhepunkt. Preise stiegen in extremem Tempo, Geld verlor seine Funktion als verlässlicher Wertmaßstab, und Ersparnisse konnten nahezu wertlos werden. Menschen, die von festen Einkommen oder angespartem Vermögen lebten, waren besonders betroffen. Schuldner konnten dagegen teilweise profitieren. Die Krise traf also nicht alle Menschen auf dieselbe Weise.

Relative Stabilisierung und die „Goldenen Zwanziger“
Nach 1923 stabilisierten sich Währung und Wirtschaft zunächst. Besonders die mittleren 1920er Jahre werden häufig als Phase relativer Stabilität bezeichnet. Der Ausdruck Goldene Zwanziger darf jedoch nicht so verstanden werden, als hätten alle Menschen Wohlstand erlebt. In Städten entstanden neue kulturelle Angebote und moderne Formen von Konsum und Freizeit, während Teile der Landwirtschaft, kleinere Betriebe oder Menschen mit unsicheren Einkommen weiterhin unter wirtschaftlichem Druck standen.
Stuttgart entwickelte sich zu einem bedeutenden Industrie-, Verkehrs- und Kulturzentrum. Auch Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Freiburg und andere Städte waren Orte moderner Wissenschaft, Verwaltung, Industrie und Kultur. Neue Verkehrsmittel und größere Mobilität veränderten den Alltag.

Gesellschaftliches Leben: Schule, Frauen, Presse, Kultur und Freizeit
Die Weimarer Jahre waren auch eine Zeit gesellschaftlicher Veränderungen. In Baden wurden Schulen reformiert und Eltern stärker beteiligt. Die Zahl der Schülerinnen an weiterführenden Schulen nahm zu. Universitäten verzeichneten nach dem Krieg hohe Studierendenzahlen, unter anderem weil ehemalige Soldaten ihr Studium aufnahmen oder fortsetzten.
In Württemberg gehörten Veränderungen im Schulwesen ebenfalls zur Demokratisierung. Die 1920 beschlossene Schulreform zielte auf eine stärker vereinheitlichte Grundbildung. Hochschulen erhielten mehr Möglichkeiten der Selbstverwaltung. Bildung blieb dennoch von sozialen Unterschieden geprägt: Herkunft, Einkommen und Geschlecht beeinflussten weiterhin die Chancen eines Menschen.
Das Frauenwahlrecht war ein besonders sichtbarer demokratischer Fortschritt. Frauen konnten nun Parlamente mitwählen und selbst Mandate übernehmen. Gleichzeitig bedeutete politische Gleichberechtigung noch keine vollständige soziale oder wirtschaftliche Gleichstellung. Viele Frauen arbeiteten während des Krieges in Bereichen, die zuvor Männern vorbehalten waren. Nach der Rückkehr der Soldaten verloren manche diese Arbeitsplätze wieder. Langfristig erweiterten sich jedoch Bildungs- und Berufsmöglichkeiten.
Auch Presse und Kultur veränderten sich. In Württemberg wurde aus dem früheren Hoftheater nach 1918 ein Landestheater. Zeitungen spiegelten eine große politische Vielfalt wider. Der Achtstundentag verschaffte vielen Beschäftigten mehr planbare Freizeit, die unter anderem für Sport, Vereine, Kino, Theater oder politische Organisationen genutzt werden konnte.
Religionsgemeinschaften mussten sich ebenfalls auf die republikanische Ordnung einstellen. Jüdische Gemeinden erhielten neue Formen der Selbstverwaltung; in Baden wurden Rechte innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft erweitert. Gleichzeitig blieb Antisemitismus bestehen und wurde von antidemokratischen und völkischen Kräften politisch verschärft. Demokratische Rechte schützten also nicht automatisch vor Vorurteilen und Ausgrenzung.
Weltwirtschaftskrise und Ende der Demokratie
Mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 verschlechterte sich die Lage erneut. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, sinkende Einkommen und Zukunftsangst belasteten viele Familien. Zugleich verloren demokratische Parteien an Unterstützung, während radikale Parteien stärker wurden. Wirtschaftliche Not allein erklärt diesen politischen Wandel jedoch nicht. Hinzu kamen unter anderem antidemokratische Traditionen, politische Propaganda, Nationalismus, die Folgen des Ersten Weltkriegs und das bewusste Handeln politischer Akteure.
In Württemberg wurde die NSDAP bei der Landtagswahl 1932 zur stärksten Partei. Die Regierung Bolz blieb zunächst geschäftsführend im Amt. Auch in Baden gewann der Nationalsozialismus deutlich an Einfluss.
1933 beseitigten die Nationalsozialisten im Zuge der Gleichschaltung die demokratische Selbstständigkeit der Länder. Landtage und Regierungen konnten nicht mehr frei handeln. Damit endete die demokratische Phase der Republik Baden und des Volksstaates Württemberg, auch wenn die Länder als Verwaltungseinheiten formal noch einige Jahre weiterbestanden.
Zeitleiste
| Jahr | Baden und Württemberg | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1918 | Monarchien enden; republikanische Regierungen entstehen | Beginn des demokratischen Neubaus |
| 1919 | verfassunggebende Wahlen und neue Landesverfassungen | Frauenwahlrecht und parlamentarische Demokratie werden verankert |
| 1920 | Kapp-Putsch; Reichsspitze zeitweise in Stuttgart | Bewährungsprobe für die Republik |
| 1921 | Ermordung Matthias Erzbergers im Schwarzwald | Beispiel für rechtsextreme politische Gewalt |
| 1923 | Hyperinflation | schwere soziale und wirtschaftliche Krise |
| 1924–1928 | relative politische und wirtschaftliche Stabilisierung | Ausbau von Kultur, Bildung, Freizeit und moderner Infrastruktur |
| ab 1929 | Weltwirtschaftskrise | Arbeitslosigkeit und zunehmende politische Radikalisierung |
| 1932 | NSDAP wird in Württemberg stärkste Landtagspartei | demokratische Mehrheiten werden weiter geschwächt |
| 1933 | nationalsozialistische Gleichschaltung | Ende der parlamentarischen Landesdemokratie |
Baden und Württemberg im Vergleich
Baden und Württemberg zeigen, dass die Weimarer Republik regional unterschiedlich verlief. Baden war über lange Zeit durch eine Zusammenarbeit demokratischer Parteien geprägt. Die Volksabstimmung über die Landesverfassung machte direkte politische Beteiligung besonders sichtbar. Württemberg entwickelte sich nach einer breiten demokratischen Anfangsphase stärker in eine bürgerlich-konservative Richtung, blieb aber ebenfalls ein wichtiger Ort republikanischer Politik. Die Aufnahme der Reichsregierung während des Kapp-Putsches ist dafür ein deutliches Beispiel.
In beiden Ländern veränderten sich zugleich Gesellschaft und Alltag. Frauen beteiligten sich an Wahlen, Schulen und Universitäten wurden reformiert, Presse und Theater gewannen neue Rollen, und geregelte Arbeitszeiten erweiterten für viele Menschen die Freizeit. Die Geschichte der Weimarer Republik im Südwesten ist deshalb zugleich eine Geschichte von Demokratisierung, Krisen, gesellschaftlicher Modernisierung und schließlich Demokratiezerstörung.
Quellen und Vertiefung
- LEO-BW: Baden zu Beginn der Weimarer Republik
- LEO-BW: Politisches Leben in Baden
- LEO-BW: Württemberg zu Beginn der Weimarer Republik
- LEO-BW: Politisches Leben im Volksstaat Württemberg
- Wikipedia: Republik Baden
- Wikipedia: Volksstaat Württemberg
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche politische Situation bestand im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg während der Weimarer Republik? (Baden und Württemberg waren eigenständige Länder) (!Baden-Württemberg bestand bereits als Bundesland) (!Das gesamte Gebiet gehörte zu Bayern) (!Baden und Württemberg waren französische Provinzen)
Was war eine Besonderheit der badischen Landesverfassung von 1919? (Sie wurde in einer Volksabstimmung bestätigt) (!Sie setzte wieder einen Großherzog ein) (!Sie schaffte den Landtag ab) (!Sie verbot politische Parteien)
Welche Stadt war die Hauptstadt der Republik Baden? (Karlsruhe) (!Stuttgart) (!Ulm) (!Tübingen)
Welche Stadt war die Hauptstadt des Volksstaates Württemberg? (Stuttgart) (!Karlsruhe) (!Freiburg) (!Mannheim)
Welche wichtige Erweiterung politischer Rechte galt bei den Wahlen von 1919? (Frauen konnten wählen und gewählt werden) (!Nur ehemalige Soldaten durften wählen) (!Das Wahlrecht wurde auf Adlige beschränkt) (!Jugendliche ab zwölf Jahren erhielten das Wahlrecht)
Welche besondere Rolle spielte Stuttgart während des Kapp-Putsches 1920? (Die Reichsspitze suchte dort zeitweise Schutz) (!Dort wurde das Kaiserreich neu ausgerufen) (!Dort begann die Hyperinflation) (!Dort wurde der Versailler Vertrag unterzeichnet)
Welche Krise erreichte 1923 ihren Höhepunkt? (Hyperinflation) (!Ölkrise) (!Weltwirtschaftswunder) (!Eurokrise)
Wofür steht der Mord an Matthias Erzberger im Jahr 1921 besonders? (Für rechtsextreme politische Gewalt gegen die Republik) (!Für einen friedlichen Regierungswechsel) (!Für die Einführung des Frauenwahlrechts) (!Für die Gründung Baden-Württembergs)
Welche gesellschaftliche Veränderung vergrößerte für viele Beschäftigte die planbare Freizeit? (Der Achtstundentag) (!Die Abschaffung aller Wochenenden) (!Die Verlängerung des Arbeitstages) (!Das Verbot von Sportvereinen)
Was bedeutete die nationalsozialistische Gleichschaltung 1933 für Baden und Württemberg? (Die parlamentarische Landesdemokratie wurde beseitigt) (!Die Länder erhielten völlige politische Unabhängigkeit) (!Die Monarchien wurden demokratisch wiederhergestellt) (!Alle Parteien erhielten mehr Mitspracherechte)
Memory
| Republik Baden | Karlsruhe |
| Volksstaat Württemberg | Stuttgart |
| Weimarer Koalition | SPD Zentrum und DDP |
| Hyperinflation | Geldentwertung |
| Matthias Erzberger | politischer Mord |
| Mathilde Planck | weibliche Landtagsabgeordnete |
| Kapp-Putsch | Schutzort Stuttgart |
| Achtstundentag | planbare Freizeit |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Republik Baden | Volksabstimmung über die Landesverfassung |
| Volksstaat Württemberg | parlamentarische Landesverfassung |
| Kapp-Putsch | Zuflucht der Reichsspitze in Stuttgart |
| Hyperinflation | massive Geldentwertung |
| Weltwirtschaftskrise | Arbeitslosigkeit und Radikalisierung |
Kreuzworträtsel
| Karlsruhe | Welche Stadt war die Hauptstadt der Republik Baden? |
| Stuttgart | Welche Stadt war die Hauptstadt des Volksstaates Württemberg? |
| Demokratie | Welche Regierungsform beruht auf politischer Beteiligung und freien Wahlen? |
| Inflation | Wie heißt ein allgemeiner Anstieg des Preisniveaus bei sinkendem Geldwert? |
| Erzberger | Wie hieß der im Schwarzwald ermordete Zentrumspolitiker mit Nachnamen? |
| Landtag | Wie heißt das gewählte Parlament eines deutschen Landes? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Historische Karte erstellen: Zeichne eine Karte des Südwestens in der Weimarer Republik. Markiere Baden, Württemberg, Hohenzollern, Karlsruhe und Stuttgart und erkläre in drei Sätzen, warum die Karte nicht mit dem heutigen Baden-Württemberg verwechselt werden darf.
- Stimmzettel untersuchen: Beschreibe den abgebildeten badischen Stimmzettel von 1919. Trenne genau zwischen dem, was Du sehen kannst, und dem, was Du aus dem historischen Zusammenhang erschließt.
- Alltag in den 1920er Jahren: Wähle eines der Bilder aus diesem aiMOOC und notiere fünf Beobachtungen sowie drei begründete Vermutungen über den damaligen Alltag.
- Mini-Lexikon: Erkläre die Begriffe Landtag, Koalition, Volksabstimmung und Frauenwahlrecht jeweils in eigenen Worten und ergänze zu jedem Begriff ein regionales Beispiel.
Standard
- Wahlplakat analysieren: Untersuche das württembergische Wahlplakat nach Bildsprache, Wortwahl, Zielgruppe und politischer Absicht. Gestalte danach ein eigenes sachliches Plakat, das für demokratische Beteiligung wirbt.
- Historischen Tagebucheintrag verfassen: Schreibe aus der Perspektive einer Schülerin, eines Lehrlings oder einer Angestellten in Karlsruhe oder Stuttgart im Jahr 1923. Kennzeichne anschließend, welche Aussagen historisch belegt und welche von Dir erfunden sind.
- Baden und Württemberg vergleichen: Erstelle eine Vergleichstabelle zu Verfassung, Parteien, Krisenerfahrungen und gesellschaftlichem Leben. Formuliere danach ein begründetes Gesamturteil über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
- Regionale Spurensuche: Recherchiere in einem Stadtarchiv, einer Bibliothek oder einem digitalen Zeitungsarchiv, wie ein Ort Deiner Wahl im heutigen Baden-Württemberg die Jahre 1918 bis 1933 erlebte. Prüfe dabei Herkunft und Perspektive Deiner Quellen.
Schwer
- Stabilität erklären: Untersuche, warum die Demokratie in Baden und Württemberg zeitweise vergleichsweise stabil funktionieren konnte. Beziehe Parteien, politische Traditionen und gesellschaftliche Konflikte ein und benenne Grenzen Deiner Erklärung.
- Fallstudie Erzberger: Analysiere den Mord an Matthias Erzberger als Angriff auf die Demokratie. Untersuche Täter, politische Feindbilder und gesellschaftliche Reaktionen, ohne politische Gewalt allein auf eine einzelne Ursache zurückzuführen.
- Wirkungsgefüge entwickeln: Erstelle ein Schaubild, das mögliche Zusammenhänge zwischen Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Vertrauensverlust und Radikalisierung zeigt. Ergänze mindestens zwei Faktoren, die zeigen, warum wirtschaftliche Not den Aufstieg des Nationalsozialismus nicht allein erklärt.
- Digitale Ausstellung kuratieren: Stelle eine kleine Ausstellung mit sechs Quellen oder Objekten zum Thema „Weimar im Südwesten“ zusammen. Schreibe zu jedem Objekt eine Bildunterschrift, eine Quellenangabe und eine Erklärung, warum es für Deine Gesamtaussage wichtig ist.


Lernkontrolle
- Regionalgeschichte beurteilen: Erkläre, wie der Vergleich von Baden und Württemberg die Aussage verändert, die Weimarer Republik sei „von Anfang an zum Scheitern verurteilt“ gewesen. Nutze mindestens zwei regionale Beispiele.
- Demokratische Beteiligung vergleichen: Vergleiche die badische Volksabstimmung über die Landesverfassung mit parlamentarischer Entscheidungsfindung. Erörtere Chancen und Grenzen beider Formen.
- Ursachen abwägen: Entwickle eine begründete Erklärung dafür, wie die Weltwirtschaftskrise politische Radikalisierung fördern konnte. Zeige zugleich, warum ein einfacher Ursache-Wirkungs-Satz nicht ausreicht.
- Politische Quelle prüfen: Wähle ein Wahlplakat oder eine Zeitung aus dem aiMOOC. Untersuche Urheber, Zielgruppe, Absicht und historischen Kontext und bewerte, welche Aussagen Du daraus zuverlässig ableiten kannst.
- Begriff hinterfragen: Beurteile die Aussage „Die 1920er Jahre waren für die Menschen in Baden und Württemberg golden“. Berücksichtige mindestens drei unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.
- Transfer herstellen: Erkläre anhand eines historischen Beispiels, warum demokratische Verfassungen allein eine Demokratie nicht dauerhaft sichern. Unterscheide dabei klar zwischen der Situation der Weimarer Republik und heutigen politischen Bedingungen.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur einzelne Daten kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und Quellen kritisch untersuchen kannst.
- Räumliche Orientierung: Du kannst Republik Baden, Volksstaat Württemberg und Hohenzollern vom heutigen Baden-Württemberg unterscheiden.
- Demokratisierung: Du kannst erklären, wie Wahlen, Frauenwahlrecht, Landtage und Landesverfassungen die politische Ordnung nach 1918 veränderten.
- Vergleichskompetenz: Du kannst Gemeinsamkeiten und Unterschiede der politischen Entwicklung in Baden und Württemberg begründet darstellen.
- Krisenkompetenz: Du kannst Putschversuche, politische Gewalt, Inflation und Weltwirtschaftskrise in ihren Folgen einordnen, ohne monokausale Erklärungen zu verwenden.
- Gesellschaftsgeschichte: Du kannst Veränderungen in Schule, Beruf, Geschlechterrollen, Presse, Kultur und Freizeit an konkreten Beispielen erläutern.
- Quellenkritik: Du kannst zwischen Beobachtung, Aussageabsicht und historischer Interpretation unterscheiden.
- Historisches Urteil: Du kannst begründet beurteilen, welche Faktoren die Demokratie stärkten und welche sie schwächten.
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