BK6 - Virtuelles Museum besuchen

BK6 - Virtuelles Museum besuchen
BK6 - Virtuelles Museum besuchen

Einleitung
Ein Museum ist mehr als ein Gebäude mit Bildern an der Wand. Museen sammeln, bewahren, erforschen, zeigen und vermitteln Dinge, Bilder und Geschichten. In diesem aiMOOC besuchst Du Kunstmuseen jedoch zunächst virtuell: Du bewegst Dich durch 360°-Räume, zoomst in Kunstwerke hinein, vergleichst Ausstellungsräume und untersuchst, wie ein Museum Deinen Blick lenkt.
Ein virtueller Museumsbesuch ist für den Kunstunterricht besonders spannend, weil Du Räume aus verschiedenen Städten und Ländern unmittelbar miteinander vergleichen kannst. Gleichzeitig ersetzt der Bildschirm den echten Museumsbesuch nicht vollständig: Größe, Material, Geruch, Klang, Temperatur, Abstand und die körperliche Bewegung durch einen Raum lassen sich digital nur teilweise erfahren. Genau dieser Unterschied wird hier selbst zum Untersuchungsgegenstand.
Du arbeitest wie ein Museumsdetektiv und richtest Deinen Blick immer auf vier Bereiche:
- Hängung: Wie, wo und in welcher Dichte werden Kunstwerke präsentiert?
- Raumwirkung: Wie wirken Wandfarbe, Licht, Boden, Deckenhöhe, Architektur und Abstände?
- Besucherweg: Wie werden Besucherinnen und Besucher durch den Raum geführt?
- Kunstwerk: Was fällt am einzelnen Werk auf, wenn Du genau beschreibst, vergleichst und deutest?
Zielgruppe und Differenzierung G/M/E
Dieser aiMOOC richtet sich an Klasse 6. Die Aufgaben sind nach drei Niveaus differenziert.
| Niveau | Bedeutung | Typische Leistung |
|---|---|---|
| G | Grundniveau | Du beobachtest genau, benennst Merkmale und hältst Ergebnisse verständlich fest. |
| M | Mittleres Niveau | Du vergleichst, begründest Wirkungen und stellst Zusammenhänge zwischen Raum und Kunstwerk her. |
| E | Erweitertes Niveau | Du beurteilst kuratorische Entscheidungen, entwickelst eigene Ausstellungsideen und begründest Alternativen. |
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du eine virtuelle Ausstellung zielgerichtet erkunden, verschiedene Formen der Hängung unterscheiden, die Wirkung eines Ausstellungsraums beschreiben, Besucherwege analysieren und Kunstwerke mit einer einfachen Fachsprache untersuchen. Du erkennst außerdem, dass eine Ausstellung nicht neutral ist: Auswahl, Reihenfolge, Licht, Raumfarbe, Nachbarschaften und Wege beeinflussen, was Du wahrnimmst.
Was ist ein virtuelles Museum?
Ein digitales Museum oder eine virtuelle Ausstellung macht Museumsinhalte über digitale Medien zugänglich. Das kann sehr unterschiedlich aussehen: als digitale Sammlung mit hochauflösenden Abbildungen, als 360°-Panorama, als begehbarer 3D-Raum, als Online-Ausstellung mit Texten und Tonspuren oder als interaktives Spiel. Für diesen aiMOOC ist besonders wichtig, dass Du nicht nur einzelne Kunstwerke ansiehst, sondern auch die Präsentation im Raum untersuchst.
Ein virtueller Museumsraum hat Vorteile: Du kannst schnell zwischen Museen wechseln, Details stark vergrößern, Räume wiederholt besuchen und Beobachtungen in Deinem eigenen Tempo machen. Es gibt aber auch Grenzen. Ein Bildschirm kann die tatsächliche Größe eines Gemäldes täuschen. Farben hängen vom Display ab. Bei Fotografien oder 360°-Aufnahmen ist der Kamerastandpunkt vorgegeben. Außerdem fehlen oft Geräusche, Begegnungen mit anderen Menschen und das Gefühl, selbst körperlich vor einem Kunstwerk zu stehen.
Virtuelle Tour 1: Hamburger Kunsthalle
Die Hamburger Kunsthalle stellt einen 360°-Rundgang durch mehrere Ausstellungsräume bereit. Dort kannst Du zwischen vielen Standpunkten wechseln, Kunstwerke aus der Nähe betrachten und Raumfolgen untersuchen.
360°-Rundgang der Hamburger Kunsthalle öffnen
Interaktive Beobachtungsaufgabe: Raum-Scan
| G | M | E |
|---|---|---|
| Finde in einem Raum drei sichtbare Dinge, die zur Raumwirkung beitragen. | Vergleiche zwei Räume und erkläre, warum sie unterschiedlich wirken. | Entscheide, welcher Raum sich für ein großes, ruhiges Landschaftsbild besser eignet, und begründe mit mindestens drei Raummerkmalen. |
Virtuelle Tour 2: Museumsinsel Berlin
Auf Google Arts & Culture kannst Du mehrere Museen der Berliner Museumsinsel virtuell erkunden. Für diese Aufgabe interessiert uns besonders die Frage, wie Architektur, Blickachsen und Kunstwerke zusammenwirken.
Museumsinsel Berlin virtuell erkunden
Interaktive Beobachtungsaufgabe: Blickachsen
| G | M | E |
|---|---|---|
| Stelle Dich virtuell an einen Eingang und notiere, was Du geradeaus zuerst siehst. | Untersuche, welche Tür, Wand, Treppe oder welches Kunstwerk Deinen Blick weiterführt. | Skizziere eine alternative Besucherführung und erkläre, wie sie die Reihenfolge der Wahrnehmung verändern würde. |
Virtuelle Tour 3: Louvre
Der Louvre bietet Online-Rundgänge durch Museumsräume und Ausstellungen. Achte hier nicht nur auf berühmte Werke, sondern auch auf die Architektur, die Dichte der Objekte und die Bewegung durch große Raumfolgen.
Online-Touren des Louvre öffnen

Interaktive Beobachtungsaufgabe: Weg und Pause
| G | M | E |
|---|---|---|
| Finde eine Stelle, an der man stehen bleiben oder sitzen könnte. | Erkläre, wie Sitzgelegenheiten und freie Flächen das Tempo des Besuchs verändern. | Beurteile, ob der Raum eher zum schnellen Durchgehen oder zum längeren Betrachten einlädt, und belege Deine Aussage mit Beobachtungen. |
Virtuelle Tour 4: The Met in 360°
Das Metropolitan Museum of Art zeigt ausgewählte Räume in interaktiven 360°-Videos. Drehe die Perspektive während des Videos selbst und beobachte Decke, Boden, Eingänge und Kunstwerke.
Interaktive Beobachtungsaufgabe: 360° statt Film
| G | M | E |
|---|---|---|
| Drehe die Ansicht einmal vollständig und notiere vier Dinge aus vier verschiedenen Blickrichtungen. | Beschreibe, was Du entdecken kannst, weil Du die Blickrichtung selbst steuerst. | Vergleiche den 360°-Blick mit einem normalen Museumsvideo und bewerte, welches Format sich besser zur Untersuchung von Raumwirkung eignet. |
Virtuelle Tour 5: Museum Views und Pocket Galleries
Google Arts & Culture bündelt 360°-Museumansichten und immersive 3D-Ausstellungen. Damit kannst Du reale Museumsräume und bewusst digital entworfene Galerien vergleichen.
Virtuelle Pocket Galleries öffnen
Interaktive Beobachtungsaufgabe: Real oder digital gebaut?
| G | M | E |
|---|---|---|
| Finde einen Raum, der wie ein echtes Museum wirkt, und nenne zwei Merkmale. | Vergleiche einen real fotografierten Museumsraum mit einer digitalen 3D-Galerie. | Entwirf Kriterien, mit denen man prüfen kann, ob ein virtueller Raum Kunst sinnvoll präsentiert oder nur spektakulär aussieht. |
Digitale Sammlung: Städel Museum
Nicht jedes digitale Museum ist ein begehbarer 360°-Raum. In einer digitalen Sammlung kannst Du gezielt nach Werken suchen, Details vergrößern und Informationen vergleichen.
Digitale Sammlung des Städel Museums öffnen
Interaktive Beobachtungsaufgabe: Raum fehlt – was verändert sich?
| G | M | E |
|---|---|---|
| Wähle ein Kunstwerk und notiere fünf sichtbare Einzelheiten. | Erkläre, welche Informationen Du digital gut bekommst und welche Rauminformationen fehlen. | Entwickle eine Idee, wie eine digitale Sammlung zusätzlich Hängung und Raumwirkung vermitteln könnte. |
Die Vier-Blicke-Methode
Die Vier-Blicke-Methode hilft Dir, einen virtuellen Museumsbesuch nicht nur als Spaziergang, sondern als Untersuchung durchzuführen.
| Blick | Leitfrage | Woran Du erkennst, dass Du genau beobachtest |
|---|---|---|
| Hängungs-Blick | Wie sind die Werke zueinander angeordnet? | Du achtest auf Höhe, Abstand, Reihen, Gruppen, Symmetrie, Dichte und Nachbarschaften. |
| Raum-Blick | Wie beeinflusst der Raum Deine Stimmung und Aufmerksamkeit? | Du achtest auf Licht, Wandfarbe, Boden, Decke, Größe, Akustikvorstellung und freie Flächen. |
| Wege-Blick | Wie werde ich durch die Ausstellung geführt? | Du erkennst Eingänge, Ausgänge, Achsen, Abzweigungen, Engstellen, Sitzplätze und Orientierungspunkte. |
| Werk-Blick | Was sehe ich am einzelnen Kunstwerk? | Du beschreibst Motiv, Farbe, Form, Material, Komposition, Licht, Perspektive und Wirkung. |
Mini-Protokoll für jeden virtuellen Raum
| Frage | Deine Notiz |
|---|---|
| Welches Werk sehe ich zuerst? | |
| Wie hoch und wie dicht hängen die Werke? | |
| Welche Wandfarbe und welche Lichtwirkung fallen auf? | |
| Wo würde ich als Besucherin oder Besucher wahrscheinlich entlanggehen? | |
| Wo könnte ich stehen bleiben? | |
| Welches Werk erhält besonders viel Aufmerksamkeit? | |
| Welche Entscheidung des Museums beeinflusst meinen Blick am stärksten? |
Hängung untersuchen
Mit Hängung ist die Art gemeint, wie Bilder an Wänden angeordnet werden. Eine Hängung kann ruhig, dicht, streng, spielerisch, symmetrisch oder überraschend wirken. Sie bestimmt, welche Werke nebeneinander erscheinen und welche Vergleiche sich fast automatisch ergeben.
Einzelhängung und lockere Reihung
Bei einer lockeren Hängung bekommen einzelne Werke viel freie Wandfläche. Dadurch kann sich der Blick stärker auf ein einzelnes Bild konzentrieren. In vielen modernen Ausstellungen werden Werke ungefähr auf Augenhöhe und mit deutlichem Abstand zueinander gezeigt.

Beobachte: Welche Wirkung hat die freie Fläche um die Werke? Welches Bild erscheint besonders wichtig? Welche Rolle spielt die graue Wand?
Salonhängung oder Petersburger Hängung
Bei der Salonhängung hängen viele Bilder dicht nebeneinander und oft auch in mehreren Reihen übereinander. Diese Präsentationsform kann überwältigend, reich und lebendig wirken. Gleichzeitig konkurrieren viele Werke um Aufmerksamkeit.

G: Beschreibe die Dichte der Bilder. M: Erkläre, wie sich die Aufmerksamkeit bei einer sehr dichten Hängung verändert. E: Beurteile, für welche Ausstellungsabsicht eine Salonhängung sinnvoll sein kann.
Historische Hängung vergleichen

Dieses historische Foto zeigt, dass auch in Kunstmuseen Hängungen nicht immer so aussahen wie heute. Vergleiche es mit einem aktuellen virtuellen Museumsraum.
| Vergleichspunkt | Historischer Raum | Aktueller Raum |
|---|---|---|
| Anzahl der Werke pro Wand | ||
| Höhe der Werke | ||
| Freie Wandfläche | ||
| Blickfang | ||
| Eindruck von Ruhe oder Fülle |
White Cube
Der Begriff White Cube bezeichnet das Ausstellungskonzept eines möglichst neutral wirkenden, oft weißen Galerieraums. Die Idee dahinter ist, dass Architektur und Dekoration möglichst wenig vom einzelnen Kunstwerk ablenken. Ob ein Raum wirklich neutral wirken kann, ist allerdings eine gute Diskussionsfrage: Auch Weiß, Leere, Beleuchtung und Abstand sind gestalterische Entscheidungen.
Denkfrage: Ist ein weißer Raum wirklich neutral oder erzählt auch er etwas über Kunst?
Raumwirkung untersuchen
Ein Ausstellungsraum wirkt durch viele Dinge gleichzeitig. Ein hoher Raum kann feierlich oder groß erscheinen. Ein niedriger, dunkler Raum kann konzentriert oder bedrückend wirken. Tageslicht, Spotlights, Schatten, Wandfarben und Bodenmaterial verändern die Wahrnehmung der Kunst. Sogar die Frage, ob man sitzen kann, beeinflusst die Dauer des Betrachtens.
Die sechs Raumfaktoren
| Raumfaktor | Beobachtungsfrage | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Wandfarbe | Ist die Wand weiß, farbig, dunkel oder gemustert? | ruhig, kühl, warm, dramatisch, historisch |
| Licht | Kommt es von oben, von Fenstern oder von Strahlern? | hell, geheimnisvoll, fokussierend, weich |
| Größe | Ist der Raum eng, weit, hoch oder niedrig? | monumental, intim, offen, gedrängt |
| Boden | Wirkt er glatt, hölzern, steinern oder textil? | warm, kühl, elegant, sachlich |
| Abstand | Wie viel freie Fläche liegt zwischen Werk und Betrachter? | konzentriert, distanziert, großzügig, dicht |
| Architektur | Welche Türen, Fenster, Säulen, Treppen oder Bögen strukturieren den Raum? | lenkend, repräsentativ, rhythmisch, unruhig |
Raumwirkung im Museum beobachten

Beobachtungsauftrag: Stelle Dir vor, Du dürftest genau eine Sache in diesem Raum verändern: Licht, Wandfarbe, Sockel, Wegführung oder Abstand der Objekte. Was würdest Du verändern und welche neue Wirkung erwartest Du?
Besucherwege untersuchen
Besucherwege sind ein wichtiger Teil der Ausstellungsgestaltung. Manche Museen führen relativ klar von Raum zu Raum. Andere bieten viele Abzweigungen. Manchmal entsteht ein Rundweg, manchmal kehrt man auf demselben Weg zurück. Auch ein sehr berühmtes Kunstwerk kann wie ein Magnet wirken und Bewegungsströme anziehen.
Begriffe für Wege und Orientierung
| Begriff | Erklärung für Klasse 6 |
|---|---|
| Blickachse | Eine gedachte Linie, auf der Du weit durch einen Raum oder durch mehrere Türen sehen kannst. |
| Rundweg | Ein Weg, der Dich durch mehrere Räume führt und ungefähr zum Ausgangspunkt zurückbringt. |
| Abzweigung | Eine Stelle, an der Du zwischen mehreren Wegen wählen kannst. |
| Engstelle | Ein schmaler Bereich, an dem viele Menschen langsamer werden oder sich stauen können. |
| Orientierungspunkt | Ein auffälliger Ort oder Gegenstand, an dem Du Dich im Raum wiedererkennst. |
| Blickfang | Ein Werk oder Raumelement, das Deine Aufmerksamkeit besonders schnell anzieht. |
Wenn ein Kunstwerk zum Besuchermagneten wird

Das Foto zeigt, dass die Wirkung eines Kunstwerks im Museum nicht nur von seinem Bildinhalt abhängt. Auch Besucherandrang, Abstand, Absperrungen und Fotografieren beeinflussen die Situation.
G: Beschreibe nur, was Du auf dem Foto siehst, ohne es zu bewerten. M: Erkläre, wie die Menschenmenge den Blick auf das Kunstwerk verändert. E: Entwickle zwei Möglichkeiten, wie ein Museum den Besucherfluss an einem sehr populären Werk besser verteilen könnte.
Kunstwerke genau betrachten
Bevor Du deutest, solltest Du beschreiben. Eine gute Reihenfolge lautet: sehen – benennen – ordnen – deuten – begründen. Aussagen wie „Das Bild ist traurig“ werden stärker, wenn Du sie mit sichtbaren Beobachtungen begründest, zum Beispiel mit dunklen Farben, leerem Raum, Blickrichtung oder Licht.
Werkstation 1: Caspar David Friedrich

Der Wanderer über dem Nebelmeer eignet sich gut, um Komposition, Rückenfigur, Raumtiefe und Blickführung zu untersuchen.
| G | M | E |
|---|---|---|
| Nenne Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. | Erkläre, wie die Figur Deinen Blick in die Landschaft lenkt. | Beurteile, ob das Bild in einem engen dunklen Raum oder in einem weiten hellen Raum stärker wirken könnte, und begründe. |
Werkstation 2: Vincent van Gogh

Bei den Sonnenblumen kannst Du besonders Farbe, Pinselwirkung, Kontraste und Bildausschnitt untersuchen.
| G | M | E |
|---|---|---|
| Finde drei Gelb- oder Brauntöne und beschreibe Unterschiede. | Erkläre, wie Hintergrund und Blumen farblich miteinander verbunden sind. | Entscheide, welche Wandfarbe Du für dieses Bild wählen würdest, und begründe Deine kuratorische Entscheidung. |
Werkstation 3: Claude Monet

Claude Monet malte in vielen Bildern Wasser, Pflanzen, Spiegelungen und wechselnde Lichtstimmungen. Beim digitalen Zoomen kannst Du zwischen Gesamteindruck und einzelnen Pinselspuren wechseln.
| G | M | E |
|---|---|---|
| Suche drei Stellen, an denen Du Wasser, Pflanzen oder Spiegelungen erkennst. | Vergleiche die Wirkung aus großer Entfernung mit der Zoomansicht. | Erkläre, warum ein digitaler Zoom hilfreich ist, aber die echte Materialwirkung eines Gemäldes nicht vollständig ersetzen kann. |
Werkstation 4: Wassily Kandinsky

Bei Wassily Kandinsky kannst Du untersuchen, wie Linien, Kreise, Winkel, Farben und Größen ohne gegenständliche Geschichte Spannung erzeugen.
| G | M | E |
|---|---|---|
| Finde fünf verschiedene Formen oder Linientypen. | Beschreibe, wo das Bild ruhig und wo es bewegt wirkt. | Plane eine Hängung mit zwei Nachbarwerken: Welche Formen oder Farben sollten diese aufnehmen oder bewusst kontrastieren? |
Werkstation 5: Leonardo da Vinci

Bei der Mona Lisa kannst Du Porträt, Blickrichtung, Vorder- und Hintergrund sowie die Wirkung eines sehr bekannten Bildes untersuchen. Vergleiche die ungestörte digitale Abbildung mit dem Foto der Besuchermenge weiter oben.
Beobachtungsfrage: Siehst Du digital mehr vom Bild, aber weniger von der realen Museumssituation?
Kunstwerke hängen nie allein
Museen entscheiden, welche Werke nebeneinander gezeigt werden. Diese Nachbarschaft erzeugt Vergleiche. Zwei Landschaften können eine Epoche erklären. Zwei Porträts können Unterschiede von Kleidung und Haltung sichtbar machen. Sehr unterschiedliche Werke können aber auch bewusst einen Kontrast bilden.
Kuratorische Leitfragen:
- Thema: Was verbindet die Werke inhaltlich?
- Farbe: Harmonieren oder kontrastieren die Farbwirkungen?
- Format: Wie wirken große und kleine Werke nebeneinander?
- Zeit: Werden Werke chronologisch angeordnet oder bewusst gemischt?
- Blickrichtung: Schauen Figuren aufeinander, voneinander weg oder in den Raum?
- Rhythmus: Wechseln dichte und ruhige Wandabschnitte?
Mini-Kuration: Drei Werke, eine Wand
Stelle Dir vor, Du sollst drei der oben gezeigten Werke auf einer Wand präsentieren. Entscheide zuerst, welches Werk in die Mitte kommt. Lege dann die Reihenfolge fest und begründe die Abstände.
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Wähle drei Werke und begründe die Reihenfolge mit Farbe, Motiv oder Größe. |
| M | Bestimme zusätzlich Wandfarbe, Abstand und ungefähre Augenhöhe. |
| E | Formuliere eine kuratorische Idee in drei Sätzen und erkläre, welche Blickbewegung die Besucher machen sollen. |
Virtuell und real vergleichen
Ein virtueller Museumsbesuch und ein realer Museumsbesuch bieten unterschiedliche Informationen. Der Vergleich ist wichtig, damit Du digitale Medien bewusst nutzt.
| Merkmal | Virtuell | Real im Museum |
|---|---|---|
| Detailzoom | oft sehr stark möglich | nur durch Annäherung und eigene Augen |
| Tatsächliche Größe | kann auf dem Bildschirm schwer einzuschätzen sein | körperlich direkt erfahrbar |
| Raumweg | durch Klicks oder 360°-Punkte | durch eigenes Gehen |
| Menschenmenge | häufig ausgeblendet oder eingefroren | Teil der realen Situation |
| Materialoberfläche | als Bild sichtbar | mit Lichtwechsel und Abstand differenzierter erfahrbar |
| Wiederholung | Räume lassen sich schnell erneut aufrufen | Wege müssen erneut gegangen werden |
| Zugänglichkeit | ortsunabhängig, wenn Technik und Internet verfügbar sind | Anreise, Öffnungszeiten und Barrieren spielen eine Rolle |
Medienkritische Frage
Ein 360°-Rundgang wirkt sehr wirklichkeitsnah. Trotzdem entscheidet die Aufnahme, wo Standpunkte gesetzt sind, wie hell ein Raum erscheint und welche Informationen anklickbar sind. Frage deshalb auch bei virtuellen Museen: Wer hat entschieden, was ich sehen kann – und was nicht?
Dein virtueller Museumsrundgang als Untersuchung
Arbeite bei einem selbst gewählten Museum mit dieser Reihenfolge:
- Orientierung: Öffne den Grundriss oder verschaffe Dir einen Überblick.
- Raumwahl: Wähle zwei deutlich unterschiedliche Räume.
- Hängung: Untersuche Dichte, Höhe, Reihenfolge und Blickfang.
- Raumwirkung: Beobachte Licht, Farbe, Architektur und freie Fläche.
- Besucherweg: Zeichne einen möglichen Weg mit Pfeilen.
- Kunstwerk: Wähle ein Werk und beschreibe es genau.
- Vergleich: Stelle die beiden Räume gegenüber.
- Urteil: Begründe, welche Präsentation Du überzeugender findest.
G/M/E-Auswertung
| G | M | E |
|---|---|---|
| Ich kann mindestens fünf Beobachtungen korrekt benennen. | Ich kann zwei Räume systematisch vergleichen und Wirkungen begründen. | Ich kann eine Ausstellung beurteilen und mit einer eigenen kuratorischen Alternative verbessern. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was untersuchst Du bei der Hängung? (Die Anordnung und Abstände von Kunstwerken) (!Die Öffnungszeiten des Museums) (!Die Herstellung des Gebäudes) (!Die Lautstärke eines Videos)
Was kennzeichnet eine Salonhängung besonders? (Viele Bilder hängen dicht und oft in mehreren Reihen) (!Nur ein einziges Bild hängt im Raum) (!Alle Bilder liegen auf dem Boden) (!Es werden nur Skulpturen gezeigt)
Was bedeutet White Cube im Ausstellungsbereich? (Ein oft weißer und möglichst zurückhaltend gestalteter Galerieraum) (!Eine würfelförmige Transportkiste) (!Ein digitales Kunstwerk aus weißen Pixeln) (!Ein Museumsraum ohne Kunstwerke)
Welche Beobachtung gehört besonders zur Raumwirkung? (Wandfarbe und Beleuchtung) (!Der Nachname des Museumsdirektors) (!Der Preis eines Souvenirs) (!Die Länge des Museumsnamens)
Was ist eine Blickachse? (Eine gedachte Sichtlinie durch einen Raum) (!Eine Lampe über einem Gemälde) (!Ein Rahmen aus Holz) (!Eine Eintrittskarte)
Was solltest Du bei einem Kunstwerk zuerst tun? (Sichtbare Merkmale genau beschreiben) (!Sofort eine Bewertung abgeben) (!Nur den Titel lesen) (!Die Erklärung auswendig lernen)
Welcher Vorteil ist typisch für einen virtuellen Museumsbesuch? (Details können oft stark vergrößert werden) (!Die echte Größe ist immer exakt spürbar) (!Man hört automatisch alle Geräusche des Raums) (!Man sieht immer jede Rückseite eines Kunstwerks)
Warum beeinflussen Besucherwege die Wahrnehmung einer Ausstellung? (Weil Reihenfolge und Blickrichtungen mitbestimmen, was zuerst auffällt) (!Weil Besucherwege die Farben eines Gemäldes verändern) (!Weil jeder Weg alle Kunstwerke gleich groß macht) (!Weil ein Weg die Künstlernamen ersetzt)
Welche Aufgabe hat eine Kuratorin oder ein Kurator bei einer Ausstellung? (Werke auswählen und ihre Präsentation mitgestalten) (!Nur Eintrittskarten drucken) (!Nur das Museumsgebäude reinigen) (!Ausschließlich Bilderrahmen verkaufen)
Welche Aussage zum virtuellen Museum ist richtig? (Es zeigt viel, ersetzt aber nicht jede körperliche Raumerfahrung) (!Es zeigt immer exakt dieselbe Wirkung wie das Original) (!Es besitzt niemals interaktive Funktionen) (!Es kann keine Kunstwerke in Details zeigen)
Memory
| Hängung | Anordnung der Kunstwerke |
| Raumwirkung | Eindruck durch Licht Farbe und Architektur |
| Blickachse | Sichtlinie durch einen Raum |
| Rundweg | Weg durch mehrere Räume mit Rückführung |
| Kurator | Person für Auswahl und Präsentation |
| Salonhängung | Dichte mehrreihige Bildanordnung |
| White Cube | Zurückhaltender weißer Ausstellungsraum |
| Blickfang | Element mit besonders starker Aufmerksamkeit |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Hängung | Abstände und Anordnung der Bilder |
| Raumwirkung | Licht Wandfarbe Boden und Architektur |
| Besucherweg | Führung durch Türen Achsen und Abzweigungen |
| Blickfang | Element das Aufmerksamkeit zuerst anzieht |
| Werkbetrachtung | Beschreibung von Motiv Farbe Form und Komposition |
Kreuzworträtsel
| Salonhängung | Wie heißt eine dichte Hängung mit vielen Bildern in mehreren Reihen? |
| Licht | Welcher Raumfaktor kann Kunstwerke hervorheben oder Schatten erzeugen? |
| Blickachse | Wie heißt eine gedachte Sichtlinie durch einen Ausstellungsraum? |
| Kurator | Wie nennt man eine Person die eine Ausstellung inhaltlich mitplant? |
| Kontrast | Wie heißt ein starker Gegensatz zwischen zwei Farben Formen oder Werken? |
| Rundgang | Wie nennt man einen Weg durch mehrere Bereiche einer Ausstellung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- G – Raumdetektiv: Besuche einen virtuellen Museumsraum und notiere zehn Dinge, die Du im Raum siehst. Ordne sie anschließend den Bereichen Hängung, Raumwirkung, Besucherweg oder Kunstwerk zu.
- G – Blickfang finden: Fertige einen Screenshot oder eine Skizze eines Raums an und markiere das Element, das Dir zuerst auffällt. Begründe Deine Wahl mit zwei sichtbaren Merkmalen.
- G – Kunstwerk ohne Titel: Wähle ein Werk, lies den Titel zunächst nicht und schreibe eine reine Beschreibung mit Farbe, Form, Motiv und Bildaufbau.
- G – Wegeskizze: Zeichne aus einem virtuellen Rundgang einen einfachen Grundriss mit Eingang, zwei Räumen, einer Abzweigung und Deinem gewählten Weg.
Standard
- M – Zwei Räume vergleichen: Vergleiche zwei virtuelle Museumsräume in einer Tabelle nach Hängung, Licht, Wandfarbe, Architektur und Bewegungsmöglichkeiten.
- M – Neue Wandfarbe: Wähle ein Kunstwerk und entwirf drei verschiedene Wandfarben dahinter. Erkläre, wie sich die Wirkung jeweils verändern könnte.
- M – Nachbarwerke: Wähle drei Kunstwerke aus einer digitalen Sammlung und ordne sie so an, dass ein verständlicher Zusammenhang entsteht. Formuliere ein gemeinsames Thema.
- M – Mini-Audioguide: Nimm einen Audiobeitrag von höchstens zwei Minuten auf, in dem Du einen Museumsraum beschreibst und mindestens drei Fachbegriffe verwendest.
Schwer
- E – Eigene virtuelle Ausstellung: Entwirf eine Ausstellung mit mindestens sechs Werken. Lege Reihenfolge, Hängung, Wandfarben, Licht und Besucherweg fest und begründe jede Entscheidung.
- E – Wege verbessern: Suche in einem virtuellen Museum eine mögliche Engstelle oder unklare Wegsituation. Entwickle einen Verbesserungsvorschlag mit Skizze.
- E – Kuratorische Kritik: Schreibe eine begründete Kritik zu einem virtuellen Rundgang. Untersuche, wie digitale Standpunkte und Navigation Deine Wahrnehmung lenken.
- E – Videoessay: Produziere ein kurzes Videoessay mit eigener Sprache oder Untertiteln, das zeigt, wie Hängung, Raumwirkung und Besucherwege gemeinsam die Wahrnehmung eines Kunstwerks verändern.


Lernkontrolle
- G/M/E – Hängung übertragen: Ein kleines Landschaftsbild soll in einem sehr großen Raum gezeigt werden. Entwickle zwei unterschiedliche Präsentationsmöglichkeiten und erkläre, welche Wirkung jeweils entsteht.
- G/M/E – Besucherweg planen: Ein Ausstellungsraum hat zwei Eingänge und ein besonders populäres Werk. Zeichne einen Weg, der Stau vermeidet, und begründe Deine Lösung.
- G/M/E – Raumwirkung verändern: Ein heller weißer Raum soll für eine geheimnisvolle Ausstellung umgestaltet werden. Verändere mindestens drei Raumfaktoren und beschreibe die erwartete Wirkung.
- G/M/E – Werk und Umgebung: Erkläre anhand eines selbst gewählten Kunstwerks, warum dasselbe Bild in zwei verschieden gestalteten Räumen unterschiedlich wirken kann.
- G/M/E – Virtuell oder real: Entscheide für drei konkrete Lernziele, ob ein virtueller oder ein realer Museumsbesuch besser geeignet ist, und begründe jeweils.
- G/M/E – Ausstellung erzählen: Wähle vier Werke aus diesem aiMOOC und entwickle eine Reihenfolge, die eine Geschichte oder Idee vermittelt. Begründe Anfang, Mitte und Ende.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe kennst, sondern Beobachtungen nachvollziehbar begründest und auf neue Räume übertragen kannst.
- Hängung analysieren: Du kannst Anordnung, Höhe, Dichte und Nachbarschaft von Kunstwerken beschreiben und deren Wirkung erklären.
- Raumwirkung analysieren: Du kannst Licht, Wandfarbe, Architektur, Boden und Abstand als Gestaltungsmittel untersuchen.
- Besucherwege analysieren: Du kannst Blickachsen, Abzweigungen, Engstellen, Orientierungspunkte und Rundwege erkennen.
- Kunstwerk beschreiben: Du kannst zuerst sichtbare Merkmale benennen und Deutungen anschließend mit Beobachtungen begründen.
- Virtuell und real vergleichen: Du kannst Stärken und Grenzen digitaler Museumsangebote erklären.
- Kuratorisch denken: Du kannst eine eigene Präsentationsentscheidung treffen und fachlich begründen.
- G/M/E reflektieren: Du kannst einschätzen, ob Du Merkmale benennst, Zusammenhänge begründest oder eigene Lösungen beurteilst und entwickelst.
OERs zum Thema
Der Wikipedia-Artikel zum Digitalen Museum bietet einen weiterführenden Überblick zu digitalen und virtuellen Museumsformen.
Weitere frei zugängliche Bildquellen für eigene Unterrichtsprojekte findest Du auf Wikimedia Commons. Prüfe bei jeder Datei die dort angegebene Lizenz und nenne Urheberin oder Urheber sowie Lizenz, wenn dies verlangt wird.
Wikimedia Commons: Art museums
Wikimedia Commons: Art exhibitions
Verknüpfte Lernbereiche
Zusammenfassung
Ein virtueller Museumsbesuch wird besonders ergiebig, wenn Du nicht nur auf einzelne Kunstwerke klickst, sondern die Ausstellung als gestalteten Zusammenhang untersuchst. Die Hängung ordnet Werke und erzeugt Nachbarschaften. Die Raumwirkung entsteht unter anderem durch Licht, Wandfarbe, Architektur und Abstände. Besucherwege lenken Bewegung und Aufmerksamkeit. Die Kunstwerke selbst werden durch Beschreibung, Vergleich und begründete Deutung erschlossen. Digitale Rundgänge ermöglichen Wiederholung, Zoom und internationale Vergleiche; zugleich bleiben reale Größe, Materialität und körperliche Raumerfahrung nur eingeschränkt erfahrbar. Als Lernende oder Lernender kannst Du deshalb nicht nur Museumsräume betrachten, sondern auch selbst kuratorisch denken und alternative Lösungen entwickeln.
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