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BK6 - Malen zwischen Gegenstand und Abstraktion

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BK6 - Malen zwischen Gegenstand und Abstraktion




BK6 - Malen zwischen Gegenstand und Abstraktion


Einleitung

In diesem aiMOOC erforschst Du, wie aus einem erkennbaren Gegenstand Schritt für Schritt eine vereinfachte, verfremdete oder weitgehend abstrakte Bildform entstehen kann. Du arbeitest wie eine Künstlerin oder ein Künstler: Du beobachtest genau, wählst wichtige Merkmale aus, lässt andere weg, veränderst Farben, ordnest Formen neu und entwickelst schließlich eine eigene Bildidee.

Dabei gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten – gegenständlich oder abstrakt. Dazwischen liegen viele Zwischenstufen. Ein Baum kann beispielsweise zunächst naturgetreu gezeichnet werden. Danach können Äste zusammengefasst, Farben verändert, Flächen vereinfacht und Formen wiederholt werden. Am Ende erinnert das Bild vielleicht noch an einen Baum, vielleicht aber auch nur noch an seine Linien, Bewegungen oder Rhythmen.

Dieser aiMOOC richtet sich an die Klasse 6. Du lernst wichtige Grundlagen der Malerei, der Abstraktion, der Farbe, der Form und der Komposition kennen. Im Mittelpunkt steht ein praktischer Gestaltungsprozess: Ein Naturmotiv wird schrittweise vom Gegenstand zur Abstraktion entwickelt.

Ein Blatt zeigt gut, wie spannend Naturformen sein können. Du kannst die Außenform erkennen, aber auch die feinen Linien der Blattadern. Genau solche Strukturen können zum Ausgangspunkt für ein abstraktes Bild werden.


Lernziele

Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du erklären, was gegenständliche Darstellung, Abstraktion, Vereinfachung und Verfremdung bedeuten. Du kannst ein Motiv genau beobachten, seine wichtigsten Merkmale auswählen und es in mehreren Stufen verändern. Außerdem kannst Du Farben, Linien, Formen, Flächen, Kontraste und Rhythmen bewusst einsetzen.

Du lernst auch, Deinen eigenen Arbeitsprozess zu beschreiben. Dabei geht es nicht darum, ob ein Bild möglichst „richtig“ oder fotorealistisch aussieht. Entscheidend ist, dass Deine gestalterischen Entscheidungen nachvollziehbar sind.


Grundbegriffe: Gegenstand, Vereinfachung und Abstraktion

Gegenständlich bedeutet, dass ein dargestelltes Motiv deutlich erkennbar ist. Das kann ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze, ein Gegenstand oder eine Landschaft sein.

Vereinfachung bedeutet, dass Du Einzelheiten weglässt und Dich auf wichtige Merkmale konzentrierst. Aus einem Blatt mit vielen kleinen Adern können beispielsweise wenige große Linien werden.

Verfremdung bedeutet, dass Du erkennbare Dinge bewusst veränderst. Du kannst zum Beispiel ein Pferd blau malen, einen Baum aus ungewöhnlichen Farben zusammensetzen oder einen Berg stark verzerren.

Abstraktion bedeutet, dass Formen, Farben, Linien und Flächen gegenüber der naturgetreuen Wiedergabe immer wichtiger werden. Ein Bild kann noch an einen Gegenstand erinnern, aber stark verändert sein. Es kann auch so weit abstrahiert sein, dass kein bestimmter Gegenstand mehr eindeutig erkennbar ist.

Wichtig ist: Abstraktion ist kein zufälliges Weglassen. Gute Abstraktion entsteht durch Auswahl. Du entscheidest, welche Merkmale bleiben und welche verändert werden.


Ein Kontinuum statt einer Grenze

Zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei gibt es viele Übergänge. Stelle Dir eine gedachte Linie vor:

Naturbeobachtung → gegenständliche Darstellung → Vereinfachung → Verfremdung → starke Abstraktion

Ein Bild muss nicht genau in eine einzige Schublade passen. Manche Werke zeigen erkennbare Motive, lösen deren Formen aber gleichzeitig in Farbflächen auf. Andere behalten nur noch die Bewegung, die Grundform oder den Rhythmus eines Gegenstands.

Eine Landschaftsfotografie zeigt Berge, Himmel, Wald und Wiese sehr deutlich. Sie kann als Beobachtungsmaterial dienen. Beim Malen kannst Du entscheiden, welche Formen für Dich besonders wichtig sind: die Dreiecksform eines Berges, die Linie des Horizonts, die Farbflächen oder das Wechselspiel von Hell und Dunkel.


Von der Naturform zur Bildidee


Naturmotive entdecken

Die Natur bietet viele Motive, die sowohl gegenständlich als auch abstrakt betrachtet werden können. Ein Blatt besitzt eine Außenkontur und ein Netz aus Adern. Eine Muschel zeigt Spiralen. Wasser erzeugt Spiegelungen und bewegte Flächen. Bäume bilden Verzweigungen. Berge können als große Dreiecks- oder Trapezformen erscheinen.

Bei einer Muschel kannst Du zunächst den Gegenstand sehen. Wenn Du genauer hinschaust, entdeckst Du aber auch eine Spiralbewegung. Für eine Abstraktion könntest Du nur die Spirale übernehmen, sie vergrößern, mehrfach wiederholen oder in farbige Flächen zerlegen.

Auch eine Blüte kann schrittweise verändert werden. Zuerst beobachtest Du Blütenblätter, Stängel und Blattformen. Dann vereinfachst Du die Blüte zu wenigen großen Formen. Später kannst Du die Formen drehen, überlagern oder in Farbfelder auflösen.


Linien sehen lernen

Linien können Konturen, Bewegungen, Richtungen und Strukturen zeigen. In einem gegenständlichen Bild beschreibt eine Linie vielleicht den Rand eines Blattes. In einer abstrakten Arbeit kann dieselbe Linie unabhängig vom Blatt wirken: geschwungen, gezackt, ruhig, schnell, dicht oder locker.

Frage Dich beim Beobachten:

  1. Kontur: Welche Außenform bestimmt das Motiv?
  2. Struktur: Welche inneren Linien oder Muster sind wichtig?
  3. Richtung: Verläuft das Motiv eher senkrecht, waagerecht, diagonal oder kreisförmig?
  4. Rhythmus: Welche Formen oder Linien wiederholen sich?
  5. Kontrast: Wo liegen starke Unterschiede von Hell und Dunkel, Groß und Klein oder Warm und Kalt?


Formen vereinfachen

Viele Gegenstände lassen sich auf Grundformen zurückführen. Eine Baumkrone kann als Oval gedacht werden, ein Berg als Dreieck, ein Blatt als längliche Tropfenform und eine Blüte als Kreis mit strahlenförmigen Formen.

Beim Vereinfachen arbeitest Du nicht schlechter oder ungenauer. Du arbeitest gezielter. Du suchst nach dem Aufbau des Motivs.

Ein guter Test lautet: Was muss bleiben, damit die Bildidee noch funktioniert?


Künstlerische Beispiele zwischen Gegenstand und Abstraktion


Paul Cézanne: Landschaft als Aufbau aus Flächen

Paul Cézanne malte den Mont Sainte-Victoire in Südfrankreich mehrfach. Der Berg ist deutlich erkennbar. Gleichzeitig wirken viele Bereiche wie Farbfelder und vereinfachte Formen. Dadurch kann man gut beobachten, wie ein gegenständliches Landschaftsmotiv durch malerische Ordnung verändert wird.

Untersuche das Bild: Wo erkennst Du den Berg sofort? Wo werden Bäume, Häuser oder Landschaftsteile zu Farbflächen? Welche Bereiche wirken noch räumlich, welche eher flächig?


Claude Monet: Wasser, Licht und aufgelöste Konturen

Claude Monet malte häufig Seerosen und Wasserflächen. In seinen späten Seerosenbildern verlieren feste Konturen an Bedeutung. Spiegelungen, Licht und Farbflecken werden wichtiger.

Du kannst hier beobachten, dass ein bekanntes Naturmotiv nicht verschwinden muss, damit ein Bild abstrakter wirkt. Schon das Auflösen von klaren Rändern und das Betonen von Farbe kann den Eindruck verändern.


Franz Marc: Farbe als Verfremdung

Franz Marc malte Tiere mit stark veränderten Farben. In Blaues Pferd I bleibt das Pferd deutlich erkennbar, aber seine Farbe entspricht nicht der natürlichen Erscheinung.

Hier ist die Form noch gegenständlich, die Farbe aber deutlich verfremdet. Das zeigt: Abstraktion kann an verschiedenen Stellen beginnen. Du kannst zuerst die Farbe verändern, obwohl die Form noch erkennbar bleibt.


Piet Mondrian: Vom Baum zur Struktur

Besonders interessant für unser Thema sind Baumdarstellungen von Piet Mondrian. In verschiedenen Werken wird deutlich, wie sich ein Naturmotiv in Richtung vereinfachter Linien und Flächen entwickeln kann.

Beim roten Baum sind Stamm und Äste noch deutlich zu erkennen. Farbe und Form wirken aber bereits stark gestaltet und nicht nur naturgetreu wiedergegeben.

Im Grauen Baum wird die Baumstruktur stärker in Linien, Bögen und Flächen zerlegt. Das Motiv bleibt noch erkennbar, aber der Bildaufbau tritt deutlich hervor.

Beim Blühenden Apfelbaum werden die organischen Formen weiter vereinfacht und in ein Netz aus Linien und Flächen überführt. Diese Bilder eignen sich besonders gut, um einen Prozess der Abstraktion zu untersuchen.


Wassily Kandinsky: Linie, Form, Farbe und Klang

In vielen abstrakten Werken Wassily Kandinskys stehen Linien, geometrische Formen, Richtungen und Farbkontraste im Mittelpunkt. Ein bestimmter Gegenstand muss nicht mehr eindeutig erkennbar sein.

Betrachte das Bild wie eine Klanglandschaft: Welche Formen wirken laut oder leise? Welche Linien erscheinen schnell? Welche Bereiche wirken ruhig? Welche Formen scheinen miteinander zu „sprechen“?

Das Prozessvideo zeigt eine kindgerechte Annäherung an abstrakte Gestaltung mit Linien, Formen und Farben. Beobachte besonders, wie aus einzelnen Gestaltungselementen eine Gesamtkomposition entsteht.


Hilma af Klint: Organische und geometrische Formen

Hilma af Klint verband in vielen Arbeiten geometrische Formen, organisch wirkende Linien, Symbole und kräftige Farben. Ihre Bilder zeigen, dass abstrakte Kunst nicht nur aus Rechtecken oder geraden Linien bestehen muss.

Achte darauf, wie Kreise, Spiralen, geschwungene Linien und Farbflächen zusammenwirken. Überlege, ob Dich manche Formen trotzdem an Pflanzen, Körper, Wachstum oder Bewegung erinnern.


Farbe als Weg zur Abstraktion


Naturfarbe und freie Farbe

Bei einer gegenständlichen Darstellung kannst Du Farben wählen, die dem beobachteten Motiv ähnlich sind. Ein Blatt ist dann zum Beispiel grün.

Du kannst die Farbe aber auch bewusst verändern. Ein Blatt kann violett, orange oder blau werden. Dadurch bleibt die Form erkennbar, aber die Wirkung verändert sich.

Freie Farbe bedeutet, dass die Farbwahl nicht ausschließlich an der sichtbaren Natur orientiert ist. Sie kann Gefühle, Gegensätze, Stimmung oder Bildrhythmus unterstützen.


Farbkontraste

Kontraste helfen, Bildbereiche voneinander zu unterscheiden oder besonders hervorzuheben. Für Klasse 6 sind vor allem diese Gegensätze wichtig:

  1. Hell-Dunkel-Kontrast: helle und dunkle Bereiche treffen aufeinander.
  2. Warm-Kalt-Kontrast: warme Farben wie Rot oder Orange stehen kühleren Farben wie Blau oder Grün gegenüber.
  3. Komplementärkontrast: Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, können sich gegenseitig stark steigern.
  4. Qualitätskontrast: leuchtende und gedämpfte Farben wirken unterschiedlich kräftig.

Beim Abstrahieren kannst Du Kontraste verstärken, um die Wirkung des Bildes wichtiger als die naturgetreue Darstellung zu machen.


Musik und Malerei

Musik kann eine Abstraktion anregen, weil Klänge keine sichtbaren Gegenstände zeigen müssen. Du kannst versuchen, Klänge in Linien, Farben, Formen und Bewegungen zu übersetzen.

Frage Dich beim Hören:

  1. Ist die Musik schnell oder langsam?
  2. Wirkt sie ruhig, gespannt, leicht oder schwer?
  3. Hörst Du kurze oder lange Klänge?
  4. Gibt es Wiederholungen?
  5. Welche Farben passen für Dich zu einzelnen Klangteilen?
  6. Welche Linien würden zur Bewegung der Musik passen?

Höre einen Ausschnitt aus Claude Debussys La Mer. Male zunächst keine Gegenstände. Reagiere nur mit Linien, Flecken, Richtungen und Farben auf die Musik. Danach kannst Du prüfen, ob Deine Formen trotzdem an Wasser, Wellen, Wind oder Licht erinnern.

Dieses Video verbindet Musik und abstrakte Malerei. Achte darauf, wie musikalische Eindrücke in Formen, Farben und Bewegungen übertragen werden.


Zentrales Praxisprojekt: Vom Blatt zur Abstraktion

Für das Hauptprojekt entwickelst Du ein Blattmotiv Schritt für Schritt weiter. Du arbeitest auf einem länglichen Papierstreifen oder auf fünf einzelnen Feldern. Alle Felder gehören sichtbar zusammen.


Stufe 1: Genau beobachten

Zeichne ein echtes Blatt oder arbeite nach einem Foto. Achte auf Außenkontur, Mittelrippe, Seitenadern, Größenverhältnisse und leichte Unregelmäßigkeiten.

Ziel: Das Motiv soll klar erkennbar sein.

G-Niveau: Zeichne Außenkontur, Mittelrippe und einige Hauptadern.

M-Niveau: Ergänze Größenverhältnisse, Überschneidungen und Hell-Dunkel-Beobachtungen.

E-Niveau: Untersuche zusätzlich unterschiedliche Linienqualitäten, Negativformen und die Verteilung von Details.


Stufe 2: Wesentliches auswählen

Zeichne dasselbe Blatt noch einmal, aber lasse kleine Einzelheiten weg. Fasse mehrere Adern zusammen. Vereinfache den Umriss.

Ziel: Das Blatt bleibt erkennbar, aber die Darstellung wird klarer und reduzierter.

G-Niveau: Reduziere die Zahl der Linien deutlich.

M-Niveau: Ordne Linien bewusst nach Haupt- und Nebenformen.

E-Niveau: Entscheide selbst, welche Merkmale das Motiv unverwechselbar machen, und begründe Deine Auswahl.


Stufe 3: Formen und Farben verändern

Jetzt darfst Du von der Naturfarbe abweichen. Vergrößere einzelne Formen, verwende freie Farben und betone Kontraste.

Ziel: Das Blatt bleibt als Ausgangspunkt spürbar, wirkt aber deutlich verfremdet.

G-Niveau: Verwende zwei bis vier freie Farben und einen deutlichen Kontrast.

M-Niveau: Entwickle ein bewusstes Farbsystem und wiederhole ausgewählte Formen.

E-Niveau: Nutze Farbe gezielt, um Blickführung, Spannung oder eine bestimmte Stimmung zu erzeugen.


Stufe 4: Struktur statt Gegenstand

Nimm nur noch die wichtigsten Strukturen des Blattes: beispielsweise die Mittelachse, Verzweigungen und einige Flächen. Drehe, spiegle, vergrößere oder wiederhole sie.

Ziel: Der Gegenstand tritt zurück. Linien, Flächen und Rhythmus werden wichtiger.

G-Niveau: Wiederhole mindestens eine Struktur.

M-Niveau: Kombiniere Wiederholung, Drehung und Größenveränderung.

E-Niveau: Entwickle aus der Blattstruktur eine eigenständige Komposition mit Haupt- und Nebenbereichen.


Stufe 5: Freie Abstraktion

Löse Dich nun möglichst weit vom ursprünglichen Blatt. Du darfst nur noch einzelne Erinnerungen an seine Form übernehmen: eine Richtung, eine Verzweigung, eine Farbstimmung oder einen Rhythmus.

Ziel: Es entsteht ein abstraktes Bild mit erkennbarer gestalterischer Ordnung.

G-Niveau: Diese Stufe kann als Zusatzaufgabe bearbeitet werden.

M-Niveau: Entwickle eine abstrakte Variante, in der mindestens zwei Merkmale aus früheren Stufen weiterleben.

E-Niveau: Entwickle eine überzeugende abstrakte Komposition und erläutere anschließend, welche Entscheidungen den Weg vom Blatt zur Abstraktion bestimmen.


Prozessvergleich

Lege alle Stufen nebeneinander. Betrachte nicht nur das letzte Bild. Der gesamte Weg ist Dein Lernprodukt.

Prüfe:

  1. Was bleibt in allen Stufen erhalten?
  2. Welche Merkmale verschwinden zuerst?
  3. Ab wann wird das Blatt schwerer erkennbar?
  4. Welche Stufe gefällt Dir am besten und warum?
  5. Welche Farbe, Linie oder Form verbindet die Reihe?
  6. Wo wird aus Beobachtung eine eigenständige Bildidee?


Differenzierung G / M / E

Die drei Niveaustufen helfen Dir, passend zu Deinen Möglichkeiten zu arbeiten. Sie sind keine Bewertung Deiner Person, sondern unterschiedliche Anforderungen an die Aufgabe.


G – Grundniveau

Im Grundniveau konzentrierst Du Dich auf sichere Grundschritte. Du erkennst wichtige Formen, reduzierst Details und kannst mindestens drei Entwicklungsstufen nachvollziehbar gestalten: gegenständlich – vereinfacht – deutlich verändert.

Du beschreibst Deine Entscheidungen mit einfachen Fachbegriffen wie Linie, Form, Farbe, Kontur und Kontrast.


Mittleres Niveau

Im mittleren Niveau gestaltest Du mindestens vier Entwicklungsstufen. Du setzt Farbe, Form, Rhythmus und Wiederholung bewusst ein. Du erklärst, wie sich der Wiedererkennungsgrad Deines Motivs verändert.

Du vergleichst außerdem Deine Arbeit mit mindestens einem Kunstbeispiel aus dem aiMOOC.


E – Erweitertes Niveau

Im erweiterten Niveau entwickelst Du mindestens fünf differenzierte Stufen und planst die Komposition zunehmend selbstständig. Du kannst bewusste Brüche einsetzen, zum Beispiel starke Farbverfremdung, Überlagerung, Drehung, Ausschnittvergrößerung oder eine freie Ordnung der Formen.

Du reflektierst, wann Dein Bild für Dich noch gegenständlich, wann vereinfacht und wann abstrakt wirkt. Dabei begründest Du Deine Entscheidungen mit passenden Fachbegriffen.


Werkstattwissen: Wie entsteht eine gute Bildreihe?


Wiederholung und Veränderung

Eine Bildreihe wirkt zusammengehörig, wenn bestimmte Elemente wiederkehren. Das können ähnliche Farben, wiederkehrende Linienrichtungen, vergleichbare Formate oder dieselbe Grundstruktur sein.

Gleichzeitig sollte jede Stufe eine erkennbare Veränderung zeigen. Wenn alle Bilder fast gleich aussehen, entsteht kein überzeugender Abstraktionsprozess.


Ausschnitt und Vergrößerung

Ein Gegenstand kann abstrakter wirken, wenn Du nur einen Ausschnitt zeigst. Eine stark vergrößerte Blattader kann wie ein Flussnetz aussehen. Eine Muschelspirale kann das ganze Bildformat füllen.

Ausschnitt und Vergrößerung verändern also den Wiedererkennungsgrad, ohne dass Du das Motiv vollständig erfinden musst.


Drehen, Spiegeln und Überlagern

Eine Form kann mehrfach verwendet werden. Du kannst sie drehen, spiegeln, verschieben oder überlagern. So entsteht aus einem einzelnen Naturmotiv eine neue Ordnung.

Diese Verfahren sind besonders hilfreich, wenn Du von Stufe 3 zu Stufe 4 oder 5 wechselst.


Rhythmus im Bild

Ein Bildrhythmus entsteht durch Wiederholung mit Veränderung. Formen können regelmäßig wiederkehren oder sich verdichten. Linien können wie ein Takt erscheinen. Große und kleine Elemente können abwechseln.

Rhythmus verbindet Malerei mit Musik. Du kannst ihn sehen und gleichzeitig als Bewegung empfinden.


Prozessvideos: Beobachten und übertragen

Beobachte bei diesem Kandinsky-orientierten Prozessvideo, wie aus Linien, Formen und Farben eine abstrakte Komposition aufgebaut wird. Übertrage nicht einfach das Ergebnis. Suche stattdessen nach Arbeitsweisen, die Du auf Dein eigenes Naturmotiv anwenden kannst.

Dieses Prozessvideo beginnt mit großen, vereinfachten Formen und entwickelt daraus eine stärker gegenständliche Malerei. Für unseren aiMOOC ist die umgekehrte Denkrichtung interessant: Du kannst beobachten, wie komplexe Informationen zunächst als große abstrakte Formen geordnet werden. Nutze diese Idee rückwärts und frage: Welche großen Formen stecken in meinem Gegenstand?


Bildbetrachtung: Fragen wie eine Kunstforscherin oder ein Kunstforscher

Wenn Du ein Kunstwerk betrachtest, beginne nicht sofort mit „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“. Beschreibe zuerst genau, was Du siehst.

  1. Beschreibung: Welche Farben, Linien, Formen und Flächen sind sichtbar?
  2. Gegenständlichkeit: Was ist eindeutig erkennbar?
  3. Abstraktionsgrad: Welche Teile sind vereinfacht, verändert oder nicht mehr eindeutig gegenständlich?
  4. Komposition: Wo liegen wichtige Bildbereiche? Wohin wird Dein Blick gelenkt?
  5. Wirkung: Wirkt das Bild ruhig, bewegt, dicht, leicht, laut, geordnet oder chaotisch?
  6. Begründung: Welche sichtbaren Merkmale erzeugen diese Wirkung?


Typische Schwierigkeiten und Lösungen

„Ich weiß nicht, wie ich vereinfachen soll.“ Markiere zunächst nur drei Hauptmerkmale des Motivs. Lasse danach alle anderen Details probeweise weg.

„Mein abstraktes Bild sieht zufällig aus.“ Arbeite mit einer Regel, zum Beispiel: Eine Form wird fünfmal wiederholt und jedes Mal größer.

„Ich traue mich nicht, unnatürliche Farben zu verwenden.“ Erstelle zwei Mini-Farbproben. Eine naturähnliche und eine freie. Vergleiche die Wirkung.

„Mein Motiv bleibt in jeder Stufe gleich erkennbar.“ Vergrößere einen Ausschnitt, überlagere Formen oder entferne die Außenkontur.

„Am Ende erkennt man gar nichts mehr.“ Das kann bei einer weitgehenden Abstraktion in Ordnung sein. Entscheidend ist, ob Linien, Formen, Farben und Komposition bewusst gestaltet wurden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet gegenständliche Darstellung? (Ein Motiv ist als Gegenstand deutlich erkennbar) (!Es werden ausschließlich geometrische Formen verwendet) (!Es dürfen keine Farben verwendet werden) (!Alle Bildteile müssen spiegelbildlich sein)




Was geschieht beim Abstrahieren eines Motivs? (Merkmale werden bewusst ausgewählt verändert oder weggelassen) (!Das Motiv wird immer fotorealistischer) (!Alle Linien werden automatisch gerade) (!Das Bild muss nur aus Schwarz und Weiß bestehen)




Welche Handlung ist ein Beispiel für Vereinfachung? (Kleine Blattadern werden zu wenigen Hauptlinien zusammengefasst) (!Jedes Detail wird zusätzlich verdoppelt) (!Das Motiv wird vollständig beschriftet) (!Die Papiergröße wird gemessen)




Was zeigt ein blau gemaltes Pferd besonders deutlich? (Farbe kann einen erkennbaren Gegenstand verfremden) (!Nur natürliche Farben sind in der Kunst erlaubt) (!Tiere gehören immer zur abstrakten Kunst) (!Gegenständliche Bilder dürfen keinen Kontrast enthalten)




Was kann beim Weg vom Baum zur Abstraktion wichtiger werden? (Linien Flächen und Rhythmen) (!Nur die botanisch genaue Bestimmung) (!Nur die Größe des Bilderrahmens) (!Nur der Name des Künstlers)




Wie kann Musik beim abstrakten Malen genutzt werden? (Klänge können in Linien Farben Formen und Bewegungen übersetzt werden) (!Musik bestimmt eine einzige richtige Farbe) (!Nur Liedtexte dürfen gemalt werden) (!Musik verhindert jede freie Gestaltung)




Was ist ein Kontrast? (Ein deutlich wahrnehmbarer Unterschied zwischen Gestaltungselementen) (!Eine möglichst unsichtbare Linie) (!Ein anderes Wort für Bilderrahmen) (!Eine Methode zum Trocknen von Farbe)




Was bedeutet Komposition in einem Bild? (Die bewusste Anordnung der Bildelemente) (!Die chemische Zusammensetzung der Farbe) (!Die Reihenfolge der Schulstunden) (!Die Größe des Pinsels)




Warum ist eine Prozessreihe für dieses Thema besonders geeignet? (Sie macht die schrittweise Veränderung des Motivs sichtbar) (!Sie verhindert jede Veränderung) (!Sie besteht immer aus nur einem Bild) (!Sie darf keine Farben enthalten)




Was kennzeichnet das E-Niveau besonders? (Eigenständige Gestaltung und begründete Entscheidungen) (!Ausschließliches Nachzeichnen einer Vorlage) (!Verzicht auf jede Reflexion) (!Nur eine einzige unveränderte Darstellung)





Memory

Gegenständlichkeit klar erkennbares Motiv
Abstraktion bewusste Entfernung von naturgetreuer Darstellung
Kontur äußere Begrenzung einer Form
Struktur innere Ordnung von Linien und Flächen
Kontrast deutlicher Unterschied
Rhythmus Wiederholung mit Veränderung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Beobachtung Merkmale des Ausgangsmotivs genau wahrnehmen
Reduktion Unwichtige Einzelheiten weglassen
Verfremdung Farbe Form oder Proportion bewusst verändern
Wiederholung Eine Form mehrfach einsetzen und variieren
Überlagerung Formen teilweise übereinander anordnen
Abstraktion Den Gegenstand zugunsten von Linie Farbe Fläche und Rhythmus zurücktreten lassen






Kreuzworträtsel

Kontur Wie heißt die äußere Begrenzung einer Form?
Abstraktion Wie heißt der Prozess der bewussten Entfernung von naturgetreuer Darstellung?
Kontrast Wie nennt man einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied zwischen Bildelementen?
Rhythmus Wie heißt eine wiederkehrende Ordnung von Formen oder Linien?
Komposition Wie nennt man die bewusste Anordnung der Elemente in einem Bild?
Struktur Wie heißt die erkennbare innere Ordnung von Linien Flächen oder Mustern?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine Darstellung heißt

, wenn ein Motiv deutlich erkennbar bleibt.
Beim

werden unwichtige Einzelheiten bewusst weggelassen.
Eine bewusste Veränderung eines erkennbaren Motivs nennt man

.
Die äußere Begrenzung einer Form heißt

.
Ein starker Unterschied zwischen Gestaltungselementen wird als

bezeichnet.
Durch

können Formen einen sichtbaren Rhythmus erzeugen.
Die bewusste Anordnung von Linien Formen und Flächen heißt

.
Beim Abstrahieren kann die naturgetreue Darstellung zugunsten von

zurücktreten.
Musik kann in der Malerei durch Linien Farben und

sichtbar übersetzt werden.
Eine Bildreihe macht den schrittweisen Prozess der

besonders gut nachvollziehbar.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Naturmotiv sammeln: Suche drei unterschiedliche Blätter und fotografiere oder zeichne sie. Entscheide, welches Blatt die interessanteste Kontur besitzt.
  2. Konturen vergleichen: Zeichne dasselbe Naturmotiv einmal sehr genau und einmal nur mit einer einzigen vereinfachten Außenlinie.
  3. Farbverfremdung: Male ein erkennbares Naturmotiv in völlig freien Farben und beschreibe anschließend, wie sich seine Wirkung verändert.
  4. Strukturen entdecken: Erstelle eine kleine Sammlung aus mindestens sechs gezeichneten Naturstrukturen, zum Beispiel Blattadern, Rinde, Muschelspiralen oder Wasserlinien.


Standard

  1. Dreistufige Abstraktion: Entwickle ein Motiv in drei Bildern von gegenständlich über vereinfacht bis deutlich abstrahiert. Achte darauf, dass die Veränderung nachvollziehbar bleibt.
  2. Musik malen: Höre ein kurzes Musikstück und entwickle dazu eine abstrakte Komposition aus Linien, Farben und Formen. Erkläre drei Deiner Entscheidungen.
  3. Kunstvergleich: Vergleiche zwei Werke aus diesem aiMOOC. Beschreibe, wie unterschiedlich mit Erkennbarkeit, Farbe und Form umgegangen wird.
  4. Abstraktionsfächer: Erstelle zu einem Motiv vier kleine Varianten, bei denen Du jeweils eine andere Methode verwendest: Vereinfachung, Farbverfremdung, Ausschnitt und Wiederholung.


Schwer

  1. Fünfstufige Bildreihe: Entwickle ein selbstgewähltes Naturmotiv in mindestens fünf Stufen bis zu einer eigenständigen abstrakten Komposition. Dokumentiere jede wichtige Entscheidung.
  2. Regelbasierte Abstraktion: Erfinde drei feste Gestaltungsregeln für Dein Bild, zum Beispiel nur drei Farben, jede Linie wird zweimal wiederholt und alle Formen werden gedreht. Prüfe, wie diese Regeln die Wirkung verändern.
  3. Klang und Natur verbinden: Wähle ein Naturmotiv und ein Musikstück. Entwickle eine abstrakte Komposition, in der Merkmale beider Ausgangspunkte zusammengeführt werden.
  4. Kuratorisches Mini-Projekt: Stelle aus Deinen eigenen Arbeiten und mindestens zwei Kunstbeispielen eine kleine Ausstellung zum Thema Gegenstand und Abstraktion zusammen. Verfasse kurze Bildtexte und begründe die Reihenfolge.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Abstraktionsprozess planen: Du erhältst das Foto eines Naturmotivs. Entwickle schriftlich einen Plan für vier Stufen der Veränderung und begründe bei jeder Stufe, welches Merkmal Du beibehältst und welches Du veränderst.
  2. Bildvergleich begründen: Vergleiche ein deutlich gegenständliches und ein stark abstrahiertes Bild. Erkläre nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten in Linie, Farbe, Form oder Komposition.
  3. Transfer auf ein neues Motiv: Übertrage die im Blattprojekt erprobten Methoden auf ein völlig anderes Motiv, zum Beispiel Schuh, Fahrrad, Muschel oder Tier. Erkläre, welche Methoden weiterhin funktionieren und welche angepasst werden müssen.
  4. Wirkung verändern: Entwirf zwei Varianten derselben vereinfachten Form. Die erste soll ruhig, die zweite bewegt wirken. Begründe Deine Entscheidungen mit Gestaltungselementen.
  5. Zwischenstufe entwickeln: Zwischen zwei vorgegebenen Abstraktionsstufen fehlt ein Bild. Entwirf eine passende Zwischenstufe und erkläre, warum sie den Übergang nachvollziehbar macht.
  6. Eigene Position formulieren: Beurteile die Aussage „Abstrakte Kunst kann jeder“. Nutze konkrete gestalterische Kriterien aus dem aiMOOC und entwickle eine begründete Antwort.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind besonders wichtig:

  1. Eine zusammenhängende Bildreihe mit mindestens drei, im M- und E-Niveau mindestens vier beziehungsweise fünf Entwicklungsstufen.
  2. Ein klar erkennbarer Ausgangspunkt aus Gegenstand oder Naturmotiv.
  3. Nachvollziehbare Vereinfachungen und Veränderungen von Linie, Form, Farbe, Fläche oder Struktur.
  4. Ein bewusster Umgang mit Kontrast, Wiederholung, Rhythmus und Komposition.
  5. Eine dokumentierte Entwicklung von der Beobachtung zur eigenen Bildidee.
  6. Eine kurze Reflexion mit passenden Fachbegriffen.
  7. Im M-Niveau ein begründeter Bezug zu mindestens einem Kunstbeispiel.
  8. Im E-Niveau eine eigenständige abstrakte Lösung und eine ausführlichere Begründung der gestalterischen Entscheidungen.
  9. Sorgfältiger und materialgerechter Umgang mit Zeichen- und Malwerkzeugen.
  10. Die Fähigkeit, das eigene Werk zu präsentieren und Rückmeldungen aufzunehmen.




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