BK6 - Kunstgeschichte von Renaissance bis Gegenwart

BK6 - Kunstgeschichte von Renaissance bis Gegenwart
Einleitung
BK6 - Kunstgeschichte von Renaissance bis Gegenwart führt Dich auf einer Zeitreise durch mehr als 600 Jahre Kunstgeschichte. Du lernst, wie sich Bilder, Bauwerke, Designobjekte und neue Medien verändern, wenn sich auch Gesellschaft, Technik, Wissenschaft und Lebensweisen verändern. Dabei geht es nicht nur darum, Namen und Jahreszahlen zu kennen. Du sollst entdecken, warum Kunst in einer bestimmten Zeit so aussieht, welche technischen Möglichkeiten Künstlerinnen und Künstler hatten und welche Fragen Menschen mit Kunst gestellt haben.
Der Kurs richtet sich an Klasse 6 und bietet drei Niveaustufen. G steht für grundlegendes Niveau: Du erkennst wichtige Merkmale und beschreibst sie mit eigenen Worten. M steht für mittleres Niveau: Du vergleichst Werke und erklärst Zusammenhänge. E steht für erweitertes Niveau: Du deutest Gestaltung, Gesellschaft und Technik gemeinsam und entwickelst eigene begründete Urteile.
Die Zeitangaben zu Kunstepochen sind immer ungefähre Orientierungen. Kunst entwickelt sich nicht überall gleichzeitig. Verschiedene Stile können sich überschneiden, und auch innerhalb einer Epoche arbeiten Künstlerinnen und Künstler sehr unterschiedlich.

Raffaels Fresko „Die Schule von Athen“ ist ein berühmtes Beispiel der Renaissance. Menschen, Architektur, Raum und Wissen werden hier so angeordnet, dass ein geordneter, tief wirkender Bildraum entsteht.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du wichtige Kunstentwicklungen von der Renaissance bis zur Gegenwart zeitlich einordnen. Du kannst typische Merkmale von Renaissance, Barock, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne und Gegenwartskunst unterscheiden. Du kannst erklären, wie Perspektive, neue Baumaterialien, Fotografie, industrielle Produktion, Film, Computer und digitale Medien künstlerische Gestaltung beeinflusst haben. Du kannst Kunstwerke nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern auch nach ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang untersuchen.
| Niveau | Was Du können sollst | Typische Frage |
|---|---|---|
| G | Merkmale erkennen, beschreiben und richtig zuordnen | Was siehst Du und zu welcher Epoche passt es? |
| M | Werke vergleichen und Zusammenhänge erklären | Wie verändern Technik und Gesellschaft die Gestaltung? |
| E | Werke deuten, bewerten und auf neue Beispiele übertragen | Welche Wirkung entsteht und warum könnte sie für die Zeit wichtig gewesen sein? |
Kunst untersuchen: Vier Fragen als roter Faden
Wenn Du ein Kunstwerk untersuchst, helfen Dir vier Fragen. Sie verbinden die gesamte Kunstgeschichte dieses Kurses.
| Frage | Worum geht es? |
|---|---|
| Zeit | Wann entstand das Werk und was geschah damals? |
| Gesellschaft | Wer gab Kunst in Auftrag, wer durfte sie sehen und welche Ideen waren wichtig? |
| Technik | Welche Materialien, Werkzeuge, Erfindungen oder Medien standen zur Verfügung? |
| Gestaltung | Wie wurden Farbe, Form, Raum, Licht, Bewegung, Material und Komposition eingesetzt? |
Zeitleiste: Von der Renaissance bis heute
| Zeitraum | Kunstgeschichtliche Orientierung | Gesellschaft und Technik | Typische Gestaltung |
|---|---|---|---|
| ca. 1400–1600 | Renaissance | Humanismus, Buchdruck, Fernhandel, neue Naturbeobachtung | Perspektive, ausgewogene Proportionen, Orientierung an der Antike |
| ca. 1600–1750 | Barock | Fürstenhöfe, Kirchen, Wissenschaft, Repräsentation | Bewegung, starke Hell-Dunkel-Wirkung, Pracht, Inszenierung |
| ca. 1800–1900 | Kunst des 19. Jahrhunderts | Industrialisierung, Großstädte, Eisenbahn, Fotografie | Romantik, Realismus, Impressionismus, neue Alltagsthemen |
| ca. 1900–1945/60 | Moderne | Massenproduktion, Weltkriege, Film, neue Großstädte | Abstraktion, Vereinfachung, Experiment, funktionales Design |
| ca. 1960–heute | Gegenwartskunst | Fernsehen, Globalisierung, Internet, Digitalisierung, Klimafragen | Installation, Performance, Street Art, digitale und interaktive Kunst |
Kunstorte und historische Räume
Kunstgeschichte ist auch eine Geschichte von Orten. Florenz, Rom, Amsterdam, Versailles, Paris, Dessau oder Berlin wurden in unterschiedlichen Zeiten zu wichtigen Zentren.

Die Karte zeigt Europa im Jahr 1648. Grenzen, Herrschaftsgebiete und Machtzentren unterschieden sich deutlich von heute. Kunstwerke entstanden deshalb häufig für Fürstenhöfe, Kirchen, Städte oder wohlhabende Auftraggeber.

Im 19. Jahrhundert veränderten Revolutionen, neue Staaten, Industrialisierung und wachsende Städte auch die Bedingungen für Kunst.
| Ort | Verbindung zur Kunstgeschichte | Beobachtungsauftrag |
|---|---|---|
| Florenz | Renaissance und Brunelleschis Domkuppel | Suche nach geometrischer Ordnung und technischen Lösungen. |
| Versailles | Barocke Schloss- und Gartenkunst | Untersuche, wie Größe und Pracht Macht zeigen. |
| Amsterdam | Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts | Beobachte Licht, Gruppenwirkung und Alltag. |
| Paris | Fotografie, Impressionismus und Eisenarchitektur | Achte auf Großstadt, Bewegung und neue Technik. |
| Dessau | Bauhaus | Suche nach klaren Formen und Verbindung von Kunst und Funktion. |
| Berlin | Gegenwartskunst, öffentlicher Raum und Street Art | Überlege, wie sich Kunst verändert, wenn sie außerhalb eines Museums erscheint. |
Renaissance: Mensch, Raum und neues Wissen
Die Renaissance begann in Teilen Italiens bereits im 14. und 15. Jahrhundert und verbreitete sich später in weitere Regionen Europas. Der Begriff bedeutet „Wiedergeburt“ und verweist auf das neue Interesse an Kunst, Architektur und Denken der griechischen und römischen Antike.
Ein wichtiger Hintergrund war der Humanismus. Gelehrte beschäftigten sich mit alten Texten, beobachteten Natur und Menschen und fragten stärker danach, was Menschen wissen und gestalten können. Wohlhabende Familien, Städte, Kirchen und Herrscher ließen Kunstwerke und Gebäude anfertigen. Kunst war daher nicht nur Ausdruck persönlicher Ideen, sondern oft auch Auftrag und Repräsentation.
Technisch wichtig war die Entwicklung und systematische Nutzung der Zentralperspektive. Mit Fluchtlinien und einem Fluchtpunkt konnten Malerinnen und Maler auf einer flachen Fläche einen überzeugenden Tiefenraum erzeugen. Auch genauere Naturbeobachtung, anatomische Studien, Ölmalerei und der Buchdruck erweiterten die Möglichkeiten, Wissen und Bilder zu verbreiten.

Bei Raffaels „Schule von Athen“ führen viele Linien in die Bildtiefe. Architektur und Personen wirken geordnet. Das Bild verbindet antike Philosophie mit dem Selbstverständnis der Renaissance.

Die Kuppel des Florentiner Doms ist zugleich Kunstwerk und technische Meisterleistung. Filippo Brunelleschi verband geometrische Planung, Kenntnisse über Kräfte und neuartige Bauorganisation.
Medienfenster Renaissance
360°-Erkundung: Die Uffizien in Florenz bieten einen institutionellen virtuellen Rundgang durch Räume mit Malerei des 16. Jahrhunderts: 360°-Rundgang der Uffizien.
Video: Renaissance im Museum
Das Video des Städel Museums zeigt, wie Renaissancekunst auch nördlich der Alpen eigene Formen entwickelte.
Hörfenster: Renaissance-Musik
Höre auf den Klang mehrerer selbstständiger Stimmen. In der Musik der Renaissance wird deutlich, dass auch Klang gestaltet und geordnet werden kann.
G/M/E-Auftrag Renaissance
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Beschreibe drei Dinge, die im Bild „Schule von Athen“ räumliche Tiefe erzeugen. |
| M | Erkläre, wie Perspektive und Architektur zusammenwirken, damit der Bildraum glaubwürdig erscheint. |
| E | Beurteile, warum eine Gesellschaft, die sich stark für Wissen, Vermessung und Antike interessiert, gerade solche Bildräume überzeugend finden konnte. |
Barock: Kunst als Bühne
Der Barock prägte große Teile des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. In vielen europäischen Staaten nutzten Herrscher Kunst und Architektur, um Macht sichtbar zu machen. Auch Kirchen setzten Bilder, Skulpturen, Musik und Raumwirkung gezielt ein, um Menschen emotional anzusprechen.
Barocke Gestaltung arbeitet häufig mit Bewegung, Kontrasten, Licht, Glanz und überraschenden Blickachsen. Räume können wie Bühnen wirken. Malerei nutzt Hell-Dunkel-Kontraste, diagonale Bewegungen und dramatische Augenblicke. Architektur verbindet Gebäude, Gärten, Wasser, Skulpturen und Innenräume zu großen Gesamteindrücken.

Die Spiegelgalerie von Schloss Versailles verbindet Architektur, Malerei, Spiegel, Licht und kostbare Materialien. Spiegel waren im 17. Jahrhundert technisch anspruchsvolle Luxusprodukte. In Versailles werden Technik und Gestaltung bewusst zur Repräsentation eingesetzt.

Rembrandts „Nachtwache“ zeigt keine starre Reihe gleich wichtiger Personen. Licht, Bewegung und gestaffelte Figuren lenken den Blick und lassen die Gruppe wie mitten in einer Handlung erscheinen.

Die politische Karte Europas macht deutlich, dass barocke Kunst in einer Welt vieler Herrschaftsgebiete, Höfe und Konflikte entstand. Kunst war eng mit Auftraggebern, Religion, Politik und gesellschaftlicher Stellung verbunden.
Medienfenster Barock
360°-Rundgang: Das Schloss Versailles stellt eigene virtuelle 360°-Touren bereit: Virtuelle Rundgänge durch Versailles.
Museumsfilm: Rembrandt und Restaurierung
Das Rijksmuseum zeigt mit „Operation Night Watch“, dass Kunstgeschichte nicht nur Vergangenheit ist. Forschung, Restaurierung und moderne Bildtechnik helfen heute, historische Werke zu verstehen und zu erhalten.
Hörfenster: Johann Sebastian Bach
Achte auf Wiederholungen, Gegensätze und das Zusammenspiel mehrerer Instrumentengruppen.
G/M/E-Auftrag Barock
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Nenne drei Gestaltungsmittel, die in der Spiegelgalerie einen prächtigen Eindruck erzeugen. |
| M | Vergleiche die geordnete Ruhe der Renaissance mit der Bewegung und Inszenierung des Barock. |
| E | Erkläre, wie Spiegeltechnik, Architektur und politische Repräsentation in Versailles zusammenwirken. |
Das 19. Jahrhundert: Industrie, Großstadt und neue Bilder
Im 19. Jahrhundert veränderten Industrialisierung, Eisenbahn, Fabriken und wachsende Städte den Alltag vieler Menschen. Neue gesellschaftliche Gruppen gewannen an Bedeutung. Reisen wurden schneller, Waren konnten in großen Mengen produziert werden und öffentliche Ausstellungen erreichten ein wachsendes Publikum.
Kunst reagierte sehr unterschiedlich auf diese Veränderungen. Die Romantik betonte oft Natur, Gefühl und das Erhabene. Der Realismus richtete den Blick auf Alltag und soziale Wirklichkeit. Der Impressionismus versuchte, flüchtige Eindrücke von Licht, Wetter, Bewegung und moderner Freizeit einzufangen.
Eine besonders folgenreiche technische Neuerung war die Fotografie. Bilder mussten nun nicht mehr ausschließlich gezeichnet, gemalt oder gedruckt werden. Die Kamera konnte sichtbare Wirklichkeit mit optisch-chemischen Verfahren festhalten. Das veränderte auch die Frage, welche Aufgaben Malerei überhaupt übernehmen sollte.

Daguerres Aufnahme des Boulevard du Temple von 1838 zeigt eine frühe Phase der Fotografie. Wegen der langen Belichtungszeit verschwanden schnell bewegte Menschen und Fahrzeuge weitgehend aus dem Bild. Technik beeinflusst hier direkt, was sichtbar werden kann.

Claude Monets „Impression, Sonnenaufgang“ von 1872 gab dem Impressionismus seinen Namen. Statt jedes Detail scharf auszuarbeiten, konzentriert sich das Bild auf Licht, Atmosphäre, Farbe und den momentanen Eindruck.

Der Eiffelturm wurde für die Pariser Weltausstellung von 1889 gebaut. Seine sichtbare Eisenkonstruktion zeigt, wie neue industrielle Materialien auch neue Formen ermöglichten. Technik wurde selbst zum ästhetischen Erlebnis.
Medienfenster 19. Jahrhundert
Museumsfilm: Monet und die Geburt des Impressionismus
Hörfenster: Musik um 1800
Beethovens fünfte Sinfonie wurde 1808 uraufgeführt. Vergleiche den starken musikalischen Beginn mit Bildern der Epoche: Auch Musik kann Spannung, Kontrast und Bewegung gestalten.
Fotografie verändert Kunst
Die Fotografie ersetzte Malerei nicht. Stattdessen entstanden neue Möglichkeiten. Malerinnen und Maler konnten stärker mit Farbe, Ausschnitt und sichtbarem Pinselstrich experimentieren. Fotografierende entwickelten zugleich eigene Bildsprachen. Später kamen Film, Fernsehen und digitale Bilder hinzu. Kunstgeschichte ist deshalb auch eine Geschichte von Medienwechseln.
| Medium | Neue Möglichkeit | Neue Frage |
|---|---|---|
| Malerei | Farbe und Form frei verändern | Muss ein Bild naturgetreu aussehen? |
| Fotografie | Lichtbilder technisch aufzeichnen | Ist eine Aufnahme automatisch objektiv? |
| Film | Bewegung und Zeit darstellen | Wie verändert Schnitt eine Geschichte? |
| Digitale Kunst | Bilder berechnen, verändern und interaktiv machen | Wer oder was gestaltet: Mensch, Software oder beide? |
G/M/E-Auftrag 19. Jahrhundert
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Beschreibe den Unterschied zwischen der frühen Fotografie und Monets gemaltem Sonnenaufgang. |
| M | Erkläre, warum Fotografie Malerinnen und Maler zu neuen Bildideen anregen konnte. |
| E | Beurteile, wie Eisenbau, Fotografie und Großstadtleben gemeinsam die Vorstellung davon veränderten, was modern wirken konnte. |
Moderne: Regeln werden neu erfunden
Um 1900 begann eine besonders experimentierfreudige Phase. Künstlerinnen und Künstler fragten immer häufiger, ob Kunst die sichtbare Welt überhaupt naturgetreu wiedergeben müsse. Farbe, Linie, Fläche und Form konnten selbst zum Hauptthema werden. Daraus entwickelten sich unter anderem Expressionismus, Kubismus, Abstrakte Kunst und zahlreiche weitere Richtungen.
Zugleich veränderten Elektrizität, Massenproduktion, Film, Fotografie, Autos und moderne Großstädte den Alltag. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und später der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs beeinflussten Kunst und Gesellschaft tiefgreifend.

Wassily Kandinskys „Komposition VIII“ von 1923 zeigt, dass ein Bild ohne erkennbare Landschaft oder Person auskommen kann. Kreise, Linien, Winkel und Farbfelder erzeugen Rhythmus, Spannung und Ordnung.
Bauhaus: Kunst, Handwerk, Technik und Alltag
Das Bauhaus wurde 1919 gegründet. Es verband Kunst, Handwerk, Architektur, Gestaltung und neue industrielle Produktionsweisen. Viele Bauhaus-Gestalterinnen und -Gestalter suchten klare Formen, funktionale Lösungen und Möglichkeiten, gute Gestaltung in den Alltag zu bringen.

Das Bauhausgebäude in Dessau entstand 1925–1926 nach Plänen von Walter Gropius. Große Glasflächen, klare Baukörper und sichtbare Funktionen unterscheiden sich deutlich von der prunkvollen Architektur des Barock.

Der sogenannte Wassily-Stuhl beziehungsweise Modell B3 von Marcel Breuer nutzt gebogenes Stahlrohr. Das Möbelstück zeigt, wie neue Materialien, industrielle Produktion und Gestaltung zusammengedacht wurden.
Medienfenster Moderne
Video: Bauhaus und seine Stätten in Dessau
Interaktive Bauhaus-Erkundung: Die Stiftung Bauhaus Dessau bietet eine kostenlose App mit interaktiver Karte, Audiotouren und 360°-Panoramen: Bauhaus Dessau App und Panoramen.
G/M/E-Auftrag Moderne
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Finde im Bauhausgebäude drei Formen, die einfach und geometrisch wirken. |
| M | Vergleiche einen Bauhausraum mit der Spiegelgalerie von Versailles. Welche unterschiedlichen Vorstellungen von Gestaltung erkennst Du? |
| E | Erkläre, warum Stahlrohr, Glas und industrielle Fertigung zu Symbolen moderner Gestaltung werden konnten. |
Gegenwartskunst: Kunst kann fast alles als Material nutzen
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Grenzen zwischen Kunstformen immer offener. Neben Malerei und Skulptur sind Installation, Performance, Fotografie, Video, Klang, Street Art, digitale Kunst und interaktive Werke verbreitet. Kunst kann heute in Museen, im Stadtraum, im Internet oder als zeitlich begrenzte Aktion erscheinen.
Gesellschaftliche Fragen spielen häufig eine wichtige Rolle. Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich beispielsweise mit Umwelt, Identität, Konsum, Migration, Erinnerung, Krieg, Technologie oder der Frage, wem öffentliche Räume gehören. Nicht jede Gegenwartskunst will „schön“ sein. Manche Werke wollen irritieren, Fragen stellen oder Besucherinnen und Besucher aktiv einbeziehen.

Der Molecule Man von Jonathan Borofsky steht in Berlin in der Spree. Das Beispiel zeigt, wie großformatige Kunst Teil eines Stadtraums werden kann und aus verschiedenen Blickrichtungen unterschiedlich wirkt.

Street Art nutzt Wände, Fassaden und andere Flächen im öffentlichen Raum. Dabei spielen neben Gestaltung auch Fragen nach Eigentum, Erlaubnis, Dauer und öffentlicher Wirkung eine Rolle.

Algorithmische Kunst entsteht mithilfe von Regeln, Berechnungen und Software. Damit wird die Frage interessant, welche Anteile von Mensch, Programm und Zufall an einem Bild beteiligt sind.
Medienfenster Gegenwart
360°-Video: Museum und Gegenwartsarchitektur
Das 360°-Video führt durch den Louvre Abu Dhabi. Beobachte besonders, wie Architektur, Licht, Wasser und Ausstellungsräume zusammenwirken.
G/M/E-Auftrag Gegenwart
| Niveau | Auftrag |
|---|---|
| G | Beschreibe, wodurch sich Kunst im öffentlichen Raum von einem Gemälde im Museum unterscheidet. |
| M | Erkläre, welche neuen Möglichkeiten Computer, Video und Internet für Kunst eröffnen. |
| E | Diskutiere, ob ein mit Regeln und Software erzeugtes Bild Kunst sein kann. Begründe mit mindestens zwei Kriterien. |
Vergleich: Was verändert sich über die Jahrhunderte?
| Epoche | Gesellschaft | Technik | Gestaltung | Leitfrage |
|---|---|---|---|---|
| Renaissance | Städte, Höfe, Kirche, Humanismus | Perspektivkonstruktion, Buchdruck, verbesserte Maltechniken | Ordnung, Proportion, räumliche Tiefe | Wie kann die Welt messbar und glaubwürdig dargestellt werden? |
| Barock | Fürstenhöfe, Kirchen, Repräsentation | Spiegelherstellung, Bühnen- und Bautechnik | Bewegung, Licht, Dramatik, Pracht | Wie kann Kunst beeindrucken und überwältigen? |
| 19. Jahrhundert | Industrialisierung, Großstadt, neues Bürgertum | Fotografie, Eisenbau, Eisenbahn | neue Alltagsthemen, Licht, Moment, sichtbarer Pinselstrich | Wie verändert das moderne Leben unsere Wahrnehmung? |
| Moderne | Massenkultur, politische Umbrüche, neue Lebensformen | Film, Stahl, Glas, industrielle Fertigung | Abstraktion, Vereinfachung, Experiment | Muss Kunst die sichtbare Welt nachahmen? |
| Gegenwart | globale Vernetzung, digitale Kommunikation | Computer, Internet, Sensoren, Video | Installation, Interaktion, Medienmix | Kann jede Idee, Handlung oder Technik Teil von Kunst werden? |
Medienkompetenz und Bildrechte
Für Schule und eigene Präsentationen ist wichtig: Ein Bild im Internet ist nicht automatisch frei nutzbar. Die in diesem Kurs eingebundenen Bild- und Audiodateien stammen aus Wikimedia Commons und wurden dort als gemeinfrei oder unter freien Lizenzen veröffentlicht. Auf der jeweiligen Dateiseite findest Du Urheberangaben und Lizenzbedingungen.
Auch Videos auf YouTube sind nicht automatisch OER. Ein eingebettetes Video darf über die Plattform angesehen werden, wenn die Einbettung angeboten wird. Das bedeutet aber nicht, dass Du es herunterladen, verändern oder selbst neu hochladen darfst.
Bei eigenen Arbeiten solltest Du daher immer fragen: Wer hat das Werk geschaffen? Welche Lizenz gilt? Muss der Name genannt werden? Darf das Werk verändert werden? Darf es veröffentlicht werden?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Gestaltungsmittel ist besonders typisch für die Renaissance? (Zentralperspektive) (!Zufällige Pixel) (!Leuchtreklame) (!Stahlrohrmöbel)
Welche Wirkung ist für viele barocke Kunstwerke typisch? (Bewegung und dramatische Inszenierung) (!Völlige Vermeidung von Licht) (!Nur geometrische Computerformen) (!Ausschließlich sachliche Baupläne)
Welche Erfindung veränderte im 19. Jahrhundert die Herstellung von Bildern besonders stark? (Fotografie) (!Mikrochip) (!Laserdrucker) (!Smartphone)
Was interessierte viele Impressionisten besonders? (Licht und momentane Wahrnehmung) (!Mittelalterliche Burgen als einzige Motive) (!Exakte technische Bauzeichnungen) (!Ausschließlich schwarze Flächen)
Welches Material steht beim Eiffelturm für neue industrielle Baumöglichkeiten? (Eisen) (!Papyrus) (!Elfenbein) (!Wachs)
Welche Aussage passt zum Bauhaus? (Kunst Gestaltung Handwerk und Technik wurden verbunden) (!Prachtvolle Spiegelgalerien waren das wichtigste Ziel) (!Nur religiöse Fresken wurden hergestellt) (!Digitale Kunst war das Hauptfach)
Was bedeutet Abstraktion in der Kunst? (Formen und Farben können wichtiger werden als naturgetreue Darstellung) (!Jedes Bild muss wie ein Foto aussehen) (!Nur Gebäude dürfen Kunst sein) (!Kunst darf keine Farbe enthalten)
Was ist eine Installation in der Gegenwartskunst? (Eine künstlerische Gestaltung eines Raums oder einer Situation) (!Nur ein gedrucktes Geschichtsbuch) (!Eine antike Münze ohne Zusammenhang) (!Ein festgelegter Malstil der Renaissance)
Warum beeinflusst Technik die Kunstgeschichte? (Neue Werkzeuge und Medien eröffnen neue Gestaltungsmöglichkeiten) (!Technik und Kunst haben grundsätzlich nichts miteinander zu tun) (!Technik bestimmt immer nur den Preis eines Kunstwerks) (!Technik verhindert jede künstlerische Idee)
Welche Frage verbindet Zeit Gesellschaft Technik und Gestaltung am besten? (Warum sieht ein Kunstwerk in seiner Entstehungszeit gerade so aus) (!Welche Farbe ist grundsätzlich die schönste) (!Welches Museum ist immer das größte) (!Welcher Künstlername ist am kürzesten)
Memory
| Renaissance | Perspektive |
| Barock | Inszenierung |
| Daguerreotypie | Fotografie |
| Impressionismus | Lichtwahrnehmung |
| Eiffelturm | Eisenkonstruktion |
| Bauhaus | Funktion |
| Kandinsky | Abstraktion |
| Gegenwartskunst | Medienmix |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Perspektive und Antike | Renaissance |
| Pracht und Bewegung | Barock |
| Fotografie und Industrialisierung | Neunzehntes Jahrhundert |
| Abstraktion und Bauhaus | Moderne |
| Installation und digitale Medien | Gegenwartskunst |
Kreuzworträtsel
| Perspektive | Welches Verfahren erzeugt in vielen Renaissancebildern einen geordneten Tiefenraum? |
| Versailles | Welches Schloss steht besonders deutlich für barocke Repräsentation? |
| Fotografie | Welches neue Bildmedium verbreitete sich im neunzehnten Jahrhundert? |
| Bauhaus | Welche Schule verband Kunst Handwerk Gestaltung und moderne Technik? |
| Kandinsky | Welcher Künstler malte die Komposition VIII? |
| Installation | Wie nennt man eine Kunstform die einen ganzen Raum oder eine Situation gestalten kann? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bilddetektiv Renaissance: Wähle ein Renaissancebild aus diesem Kurs und markiere in einer eigenen Skizze mindestens drei Linien, die den Blick in die Tiefe führen. Niveau G
- Barocke Lichtregie: Fotografiere mit einer Taschenlampe einen ungefährlichen Alltagsgegenstand aus verschiedenen Richtungen und wähle das dramatischste Hell-Dunkel-Bild aus. Niveau G
- Impressionistisches Farbexperiment: Male denselben einfachen Gegenstand zweimal bei unterschiedlichem Licht und vergleiche Deine Farbwahl. Niveau G
- Bauhaus Formenfinder: Suche in Schule oder Wohnung fünf Gegenstände mit klaren geometrischen Grundformen und gestalte daraus eine Fotocollage. Niveau G
Standard
- Kunstzeitleiste gestalten: Erstelle eine eigene Zeitleiste mit mindestens fünf Epochen und je einem Werk, einer technischen Neuerung und einem gesellschaftlichen Stichwort. Niveau M
- Kunststadt erkunden: Wähle Florenz, Versailles, Paris, Dessau oder Berlin und gestalte eine Karte mit drei kunstgeschichtlich wichtigen Orten. Niveau M
- Fotografie und Malerei vergleichen: Vergleiche Daguerres Boulevardaufnahme mit Monets „Impression, Sonnenaufgang“ nach Ausschnitt, Licht, Detailgrad und Wirkung. Niveau M
- Design neu denken: Entwirf einen Schulstuhl, der Bauhausideen wie Funktion, einfache Form und Materialgerechtigkeit aufgreift. Beschrifte Deine Entscheidungen. Niveau M
Schwer
- Kuratorische Mini-Ausstellung: Plane eine Ausstellung mit fünf Werken aus verschiedenen Jahrhunderten unter dem Titel „Technik verändert Kunst“ und begründe die Reihenfolge. Niveau E
- 360 Grad Museumsreportage: Erkunde einen virtuellen Museumsrundgang aus diesem Kurs und produziere anschließend eine einminütige Audio- oder Videoreportage über Raum, Blickführung und Wirkung. Niveau E
- Kunst im öffentlichen Raum untersuchen: Dokumentiere ein Kunstwerk, Denkmal oder eine gestaltete Fassade in Deiner Umgebung und untersuche Standort, Material, Wirkung und mögliche Zielgruppen. Beachte Persönlichkeits- und Bildrechte. Niveau E
- Digitale Kunst entwickeln: Erstelle mit einem geeigneten digitalen Werkzeug ein regelbasiertes Bild. Notiere anschließend, welche Entscheidungen Du selbst getroffen hast und welche das Programm ausgeführt hat. Niveau E


Lernkontrolle
- Epochenvergleich: Vergleiche Renaissance und Barock an zwei selbst gewählten Beispielen. Erkläre, wie Raum, Licht und Wirkung unterschiedliche Vorstellungen ihrer Zeit sichtbar machen.
- Technik als Auslöser: Zeige an Fotografie, Eisenbau oder Computertechnik, wie eine technische Neuerung neue künstlerische Möglichkeiten geschaffen hat.
- Vom Museum in den Stadtraum: Erkläre, wie sich Wahrnehmung und Bedeutung eines Kunstwerks verändern können, wenn es nicht im Museum, sondern im öffentlichen Raum steht.
- Gestaltung und Gesellschaft: Wähle eine Epoche und erkläre an einem Werk, wie Auftraggeber, Publikum oder gesellschaftliche Interessen die Gestaltung beeinflusst haben könnten.
- Medienvergleich: Entwickle dieselbe Bildidee einmal als Malerei und einmal als digitales Werk. Beschreibe, welche Entscheidungen sich durch das Medium verändern würden.
- Unbekanntes Werk einordnen: Analysiere ein Dir unbekanntes Werk nach Zeit, Gesellschaft, Technik und Gestaltung und begründe, welcher Epoche oder Entwicklung Du es am ehesten zuordnen würdest.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du Kunst nicht nur benennen, sondern Zusammenhänge erklären kannst.
- Chronologie: Du kannst Renaissance, Barock, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne und Gegenwart in eine sinnvolle zeitliche Reihenfolge bringen.
- Gestaltungsmerkmale: Du kannst mindestens zwei typische Gestaltungsmittel mehrerer Epochen beschreiben.
- Gesellschaftlicher Zusammenhang: Du kannst an einem Beispiel erklären, wie Auftraggeber, Öffentlichkeit oder gesellschaftliche Veränderungen Kunst beeinflussen.
- Technischer Zusammenhang: Du kannst an mindestens zwei Beispielen zeigen, wie neue Technik neue Kunstformen oder Gestaltungsweisen ermöglicht.
- Werkvergleich: Du kannst zwei Werke verschiedener Zeiten nach Form, Farbe, Raum, Material und Wirkung vergleichen.
- Fachsprache: Du verwendest passende Begriffe wie Perspektive, Komposition, Kontrast, Abstraktion, Installation oder Funktion verständlich.
- Eigene Gestaltung: Du kannst eine eigene künstlerische Idee entwickeln und Deine Entscheidungen begründen.
- Medienkompetenz: Du kannst zwischen frei nutzbaren Medien und lediglich online sichtbaren Medien unterscheiden und achtest auf Urheber- und Lizenzangaben.
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