BK6 - KI-Kunst und Urheberschaft

BK6 - KI-Kunst und Urheberschaft
BK6 - KI-Kunst und Urheberschaft

Wer macht ein Bild, wenn Du die Idee hast, eine KI Bilder erzeugt und Du anschließend auswählst, veränderst und präsentierst? Genau diese Frage steht im Mittelpunkt dieses aiMOOCs für Klasse 6. Du lernst, KI-Kunst nicht nur als fertiges Bild zu betrachten, sondern als Prozess: von der Idee über die Auswahl des Werkzeugs und die Bearbeitung bis zu Verantwortung und Autorenschaft.
Du vergleichst von Menschen geschaffene Kunstwerke mit KI-generierten Bildern, untersuchst Skizzen und Prozessdokumentationen und entwickelst eigene begründete Urteile. Dabei geht es nicht darum, ob KI-Kunst einfach „gut“ oder „schlecht“ ist. Entscheidend ist, dass Du nachvollziehbar erklären kannst, wer welche Entscheidung getroffen hat.
Dieser aiMOOC unterscheidet drei Niveaus:
G – Grundniveau: Du erkennst wichtige Begriffe, beschreibst Bilder und begründest einfache Entscheidungen.
M – Mittleres Niveau: Du vergleichst Arbeitsprozesse, untersuchst Auswahl und Bearbeitung und begründest Deine Urteile mit Beispielen.
E – Erweitertes Niveau: Du bewertest Grenzfälle, entwickelst eigene Kriterien und reflektierst Urheberschaft, Verantwortung und Kennzeichnung differenziert.
Lernziele
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du erklären, was KI-Kunst ist und wie sich ein KI-Bild von einer klassischen Zeichnung, Malerei oder Fotografie im Entstehungsprozess unterscheiden kann. Du kannst die sechs Leitfragen Idee – Auswahl – Werkzeug – Bearbeitung – Verantwortung – Autorenschaft auf ein Kunstprojekt anwenden. Du kannst außerdem begründen, warum ein fertiges Bild allein oft nicht zeigt, wie viel menschliche Gestaltung darin steckt.
Du lernst auch einen wichtigen rechtlichen Grundgedanken kennen: Nach deutschem Urheberrecht sind Werke nur persönliche geistige Schöpfungen, und Urheber ist der Schöpfer des Werkes. Eine KI ist keine menschliche Person und kann daher nach geltendem deutschem Urheberrecht nicht selbst Urheberin sein. Bei KI-gestützten Werken kommt es darauf an, welche eigenständigen menschlichen Gestaltungsleistungen im konkreten Ergebnis stecken. Für die Schule reicht deshalb nicht die Aussage „Die KI hat es gemacht“ oder „Ich habe den Prompt geschrieben“. Wichtiger ist eine nachvollziehbare Prozessdokumentation.
Einstieg: Wer hat dieses Bild gemacht?

Schau Dir das Bild genau an. Beschreibe zuerst nur, was Du siehst. Frage Dich danach: Welche Entscheidungen könnten von einem Menschen getroffen worden sein? Welche Schritte könnten von einem KI-System übernommen worden sein? Welche Informationen fehlen Dir, um die Entstehung fair beurteilen zu können?
G: Nenne drei sichtbare Merkmale des Bildes und eine Vermutung zur Entstehung.
M: Unterscheide zwischen Idee, technischer Erzeugung und Auswahl des Ergebnisses.
E: Formuliere drei Informationen, die Du zusätzlich brauchst, bevor Du die Autorenschaft beurteilst.
Das Video erklärt bildgenerative KI. Achte darauf, dass ein Bildgenerator nicht wie ein menschlicher Maler „weiß“, was er malt. Er verarbeitet gelernte Muster und erzeugt daraus neue Bilddaten. Trotzdem können Menschen den Prozess durch Eingaben, Auswahl, Wiederholungen und Bearbeitungen stark beeinflussen.
Was ist KI-Kunst?
KI-Kunst bezeichnet Kunst oder bildnerische Gestaltung, bei der Künstliche Intelligenz am Entstehungsprozess beteiligt ist. Die KI kann dabei sehr unterschiedliche Rollen haben: Sie kann Bilder erzeugen, vorhandene Bilder verändern, Varianten vorschlagen oder als Inspirationswerkzeug dienen.

Ein bekanntes Beispiel ist das mit Midjourney erzeugte Bild „Théâtre d’Opéra Spatial“. Es wurde 2022 bei einem Kunstwettbewerb ausgezeichnet und löste eine Debatte darüber aus, wie menschliche Idee, technische Erzeugung und künstlerische Bewertung zusammenhängen. Für unseren Unterricht ist daran besonders wichtig: Ein fertiges Bild erzählt nicht automatisch seine ganze Entstehungsgeschichte.
Merksatz: Bei KI-Kunst solltest Du nicht nur fragen „Wie sieht das Bild aus?“, sondern auch „Wie ist es entstanden?“.
Von der Idee zum Bild: sechs Leitfragen
Für jedes KI-Kunstprojekt kannst Du sechs Fragen stellen:
- Idee: Wer hat das Thema, die Aussage oder die Bildidee entwickelt?
- Auswahl: Wer hat entschieden, welche Variante weiterverwendet oder verworfen wird?
- Werkzeug: Welche Materialien, Programme oder KI-Systeme wurden genutzt?
- Bearbeitung: Was wurde nach der Erzeugung verändert, kombiniert, gezeichnet, collagiert oder neu angeordnet?
- Verantwortung: Wer entscheidet, ob das Ergebnis fair, sicher, respektvoll und passend veröffentlicht werden kann?
- Autorenschaft: Welche menschlichen Gestaltungsleistungen sind im fertigen Werk erkennbar und dokumentiert?
Diese sechs Fragen bilden den roten Faden des gesamten aiMOOCs.
Idee: Der Anfang ist noch nicht das fertige Werk
Eine Idee kann sehr wichtig sein. Sie ist aber noch nicht dasselbe wie ein fertiges Kunstwerk. „Ein roter Drache fliegt über eine Stadt“ ist zunächst eine Vorstellung. Erst durch konkrete Entscheidungen zu Form, Farbe, Perspektive, Material, Bildausschnitt, Licht, Bewegung und Ausdruck entsteht eine bestimmte Gestaltung.

Skizzen zeigen, dass menschliche Kunst oft aus Versuchen besteht. Künstlerinnen und Künstler prüfen Formen, verwerfen Varianten und verändern Details. Auch bei KI-Kunst können solche Entscheidungsprozesse wichtig sein – nur sehen wir sie im fertigen Bild oft nicht mehr.
G: Formuliere eine Bildidee in einem Satz.
M: Ergänze mindestens drei konkrete Gestaltungsentscheidungen.
E: Erkläre, welche dieser Entscheidungen Du selbst treffen musst, damit Deine persönliche Gestaltung im Werk sichtbar wird.
Auswahl: Nicht jede Variante wird zum Werk
Viele KI-Bildgeneratoren können aus einer Eingabe mehrere Varianten erzeugen. Die Auswahl ist deshalb ein kreativer Schritt. Wer auswählt, entscheidet beispielsweise: Welche Stimmung passt? Welche Bildkomposition ist interessant? Welche Fehler sind störend? Welche Variante passt zur eigenen Aussage?

Bei diesem auf Wikimedia Commons dokumentierten Beispiel wurde nicht nur ein einzelnes Bild erzeugt. Der Entstehungsprozess umfasste weitere technische Schritte wie Bild-Erweiterungen und Überarbeitungen. Das macht deutlich: „KI-generiert“ kann sehr unterschiedliche Arbeitsweisen bezeichnen.
G: Wähle aus drei gedachten Varianten eine aus und nenne einen Grund.
M: Formuliere drei Kriterien für eine bewusste Auswahl.
E: Begründe, wann Auswahl allein noch nicht genügt, um von einer starken eigenen Gestaltung zu sprechen.
Werkzeug: Pinsel, Kamera, Bildprogramm oder KI?
Werkzeuge beeinflussen, was möglich ist. Ein Bleistift reagiert anders als Wasserfarbe. Eine Kamera arbeitet anders als ein Pinsel. Ein Bildbearbeitungsprogramm ermöglicht andere Eingriffe als ein KI-Bildgenerator.

Hier siehst Du einen menschlichen Zeichenprozess mit Kugelschreiber. Die Hand setzt Linie für Linie. Bei einem KI-Bildgenerator werden die sichtbaren Pixel dagegen durch ein Rechenverfahren erzeugt. Trotzdem bleibt die Frage offen, wie stark ein Mensch den Gesamtprozess geplant, ausgewählt und verändert hat.
Das Video vertieft die Funktionsweise generativer Bildmodelle. Für Klasse 6 genügt folgende Vorstellung: Ein Bildgenerator hat aus vielen Beispielen statistische Muster gelernt und erzeugt daraus neue Bildvarianten. Er besitzt dabei keine menschliche Erfahrung, Erinnerung oder Absicht.
Bearbeitung: Was geschieht nach der KI-Ausgabe?

Bearbeitung kann einen großen Unterschied machen. Du kannst ein KI-Bild zum Beispiel ausdrucken und überzeichnen, einzelne Teile ausschneiden und als Collage neu zusammensetzen, Farben verändern, eigene Fotos einbauen oder mehrere Bildideen zu einer neuen Komposition verbinden.
Je stärker Du eigenständige Entscheidungen triffst und sichtbar umsetzt, desto deutlicher wird Deine persönliche Gestaltung. Das bedeutet nicht automatisch, dass jede Bearbeitung urheberrechtlich geschützt ist. Für den Kunstunterricht ist aber entscheidend, dass Du Deinen Anteil erklären und zeigen kannst.
G: Markiere in einer Prozessdokumentation, was vor und nach der KI-Ausgabe geschieht.
M: Vergleiche zwei Bearbeitungswege und entscheide, welcher mehr eigene Gestaltung erkennen lässt.
E: Entwickle Kriterien dafür, ab wann eine Bearbeitung mehr ist als nur eine kleine technische Änderung.
Menschliche Kunstwerke als Vergleich
KI-Kunst wird verständlicher, wenn Du sie mit menschlichen Werken vergleichst. Dabei geht es nicht darum, ältere Kunst automatisch höher zu bewerten. Du untersuchst stattdessen, welche Entscheidungen und Spuren eines Arbeitsprozesses sichtbar werden.
Beispiel 1: Hokusai – Die große Welle

Untersuche die große Welle, die Boote, den Berg im Hintergrund und die starke Bewegung. Frage Dich: Wie lenkt die Komposition Deinen Blick? Welche Formen wiederholen sich? Welche Wirkung entsteht durch die begrenzte Farbigkeit?
G: Beschreibe zwei Formen und zwei Farben.
M: Erkläre, wie Hokusai Bewegung erzeugt.
E: Übertrage ein Gestaltungsprinzip des Werkes auf eine eigene Bildidee, ohne das Bild einfach zu kopieren.
Beispiel 2: Vincent van Gogh – Sternennacht

Achte auf Pinselspuren, Wirbel, Hell-Dunkel-Kontraste und die starke Bewegung im Himmel. Bei einem gemalten Werk können Materialspuren Hinweise auf den Herstellungsprozess geben. Bei einem KI-Bild sind solche „Pinselspuren“ möglicherweise nur visuell nachgeahmt.
Diskussionsfrage: Wenn ein KI-Bild so aussieht, als sei es mit Ölfarbe gemalt, obwohl keine Farbe verwendet wurde – verändert dieses Wissen Deine Bewertung?
Beispiel 3: Vermeer – Mädchen mit dem Perlenohrring

Betrachte Licht, Blickrichtung und den dunklen Hintergrund. Stelle Dir nun vor, ein KI-System erzeugt ein neues Bild mit ähnlicher Lichtwirkung. Die Frage ist dann nicht nur, ob das Ergebnis schön aussieht, sondern auch, wie stark es an vorhandene Werke erinnert und ob die eigene Idee klar genug ist.
G: Beschreibe die Lichtwirkung.
M: Vergleiche Wirkung und Herstellungsweise mit einem KI-Bild.
E: Diskutiere den Unterschied zwischen Inspiration, bewusster Übernahme und bloßer Nachahmung.
Der KI-Kunst-Pass: Prozessdokumentation
Eine gute Prozessdokumentation macht Deinen eigenen Anteil sichtbar. Sie hilft Dir außerdem, fair und ehrlich über die Entstehung Deines Werkes zu sprechen.
| Schritt | Leitfrage | Beispiel für Deine Dokumentation |
|---|---|---|
| Idee | Was wollte ich zeigen oder untersuchen? | „Ich wollte eine Stadt zeigen, in der Pflanzen Gebäude überwachsen.“ |
| Auswahl | Welche Varianten habe ich verworfen und warum? | „Variante 2 hatte eine spannendere Perspektive, aber die Figuren wirkten unpassend.“ |
| Werkzeug | Welche analogen und digitalen Werkzeuge habe ich benutzt? | „Bleistift, Foto, KI-Bildgenerator und Bildbearbeitungsprogramm.“ |
| Bearbeitung | Was habe ich selbst verändert? | „Ich habe den Himmel neu gezeichnet, Figuren entfernt und eigene Texturen eingefügt.“ |
| Verantwortung | Welche Rechte, Personen oder möglichen Täuschungen habe ich geprüft? | „Keine echten Mitschülerinnen oder Mitschüler wurden ohne Erlaubnis dargestellt.“ |
| Autorenschaft | Wie beschreibe ich meinen eigenen Anteil? | „Idee, Auswahl, Collage, Überzeichnung und Endkomposition stammen von mir; ein Hintergrund wurde mit KI erzeugt.“ |
G: Fülle zu jedem Schritt mindestens einen Satz aus.
M: Ergänze zu jeder Entscheidung einen Grund.
E: Dokumentiere zusätzlich verworfene Varianten und erkläre, wie sie Deine Endfassung beeinflusst haben.
Verantwortung: Darf ich alles erzeugen und veröffentlichen?
Mit einem KI-Werkzeug kannst Du schnell Bilder erzeugen. Trotzdem trägst Du Verantwortung für das, was Du verwendest und veröffentlichst.
Bei Personenbildern gilt besondere Vorsicht: Erzeuge oder veröffentliche keine täuschend echten Bilder von Mitschülerinnen, Mitschülern, Lehrkräften oder anderen realen Personen ohne klare Zustimmung. Lade auch keine privaten Fotos in ein KI-System hoch, wenn Du nicht weißt, was mit den Daten geschieht.
Seit dem 2. August 2026 gelten in der Europäischen Union besondere Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme und KI-generierte oder manipulierte Inhalte. Besonders bei Deepfakes ist Kennzeichnung wichtig. Für den Unterricht gilt deshalb als einfache Regel: Wenn KI einen wesentlichen Teil eines Bildes erzeugt oder verändert hat, sage es offen dazu.
Das Video behandelt Deepfakes und Manipulation. Für Deine Kunstpraxis ist die wichtigste Frage: Kann mein Bild jemanden täuschen, verletzen oder in einen falschen Zusammenhang bringen?
Verantwortungs-Check vor dem Veröffentlichen
| Prüffrage | Wenn Du „Ja“ antwortest |
|---|---|
| Zeigt das Bild eine erkennbare reale Person? | Prüfe Zustimmung und Persönlichkeitsrechte. |
| Könnte das Bild für echt gehalten werden, obwohl es erfunden oder stark manipuliert ist? | Kennzeichne die künstliche Erzeugung oder Veränderung deutlich. |
| Ähnelt das Ergebnis sehr stark einem bekannten Werk oder einer konkreten Vorlage? | Prüfe Deine Quelle, ändere die Gestaltung und frage nach Nutzungsrechten. |
| Enthält das Bild beleidigende, diskriminierende oder verletzende Darstellungen? | Veröffentliche es nicht und überarbeite die Idee. |
| Hast Du fremde Bilder, Fotos oder Zeichnungen eingebaut? | Prüfe Lizenz, Erlaubnis und Quellenangabe. |
Urheberschaft: Wer ist Schöpfer oder Schöpferin?
Das deutsche Urheberrecht schützt Werke, wenn sie persönliche geistige Schöpfungen sind. § 7 UrhG formuliert: „Urheber ist der Schöpfer des Werkes.“ Eine KI ist keine natürliche Person und kann deshalb nicht selbst Urheberin im Sinne des deutschen Urheberrechts sein.
Bei einem vollständig automatisch erzeugten KI-Bild ohne ausreichende menschliche Gestaltung besteht deshalb nicht einfach automatisch ein menschliches Urheberrecht. Anders kann es bei einem deutlich menschlich geprägten Gesamtwerk aussehen, in dem KI nur ein Werkzeug oder Material unter mehreren ist. Ob die rechtliche Schutzschwelle im Einzelfall erreicht ist, hängt von der konkreten Gestaltung ab.
Für Klasse 6 ist diese praktische Regel sinnvoll:
Idee allein reicht nicht. Prompt allein reicht nicht automatisch. Dokumentierte eigene Gestaltung ist entscheidend.
Das Video erläutert rechtliche Fragen zu KI und Urheberrecht. Für schulische Projekte ersetzt es keine Rechtsberatung. Wenn Du ein Werk öffentlich hochladen, verkaufen oder für einen Wettbewerb einreichen möchtest, solltest Du die Regeln der Plattform, die Rechte an verwendeten Materialien und gegebenenfalls die Vorgaben des Wettbewerbs prüfen.
Urheberschaft als Skala statt Ja-Nein-Frage
Stell Dir vier Arbeitsweisen vor:
| Arbeitsweise | Menschlicher Anteil | Reflexionsfrage |
|---|---|---|
| Ein Satz wird eingegeben, das erste Ergebnis wird direkt übernommen. | eher gering dokumentiert | Welche konkrete Gestaltung außer der Idee stammt vom Menschen? |
| Viele Varianten werden erzeugt und nach klaren Kriterien ausgewählt. | Auswahl wird wichtig | Wie nachvollziehbar sind die Auswahlkriterien? |
| KI-Ausgaben werden stark überzeichnet, collagiert und neu komponiert. | deutlich größerer eigener Gestaltungsanteil | Welche Teile zeigen persönliche Entscheidungen? |
| Eigene Zeichnungen, Fotos und KI-Elemente werden zu einem neuen Gesamtwerk verbunden. | komplexer menschlicher Prozess | Wie hängen Idee, Material, Auswahl und Bearbeitung zusammen? |
Diese Skala ist kein Gerichtsurteil. Sie ist ein Denkmodell für den Kunstunterricht.
Diskussionskarten: Kunst, KI und Verantwortung
Schneidet die Karten gedanklich auseinander oder verteilt sie in Gruppen. Eine Person liest die Aussage vor. Die Gruppe sammelt zuerst Argumente dafür und dagegen. Danach formuliert sie ein begründetes Urteil.
| Karte | Aussage | G | M | E |
|---|---|---|---|---|
| Idee | „Wer die Idee hatte, ist automatisch der Autor des fertigen Bildes.“ | Nenne einen Grund dafür oder dagegen. | Unterscheide Idee und Ausführung. | Beurteile einen Grenzfall mit mehreren Beteiligten. |
| Auswahl | „Wenn ich aus hundert KI-Bildern eines auswähle, habe ich das Werk geschaffen.“ | Erkläre, was Auswahl bedeutet. | Bewerte die Bedeutung von Auswahlkriterien. | Vergleiche Auswahl mit Komposition und Bearbeitung. |
| Werkzeug | „KI ist nur ein Werkzeug wie ein Pinsel.“ | Finde eine Gemeinsamkeit. | Finde zwei Unterschiede. | Prüfe, wo der Vergleich hilfreich und wo er zu einfach ist. |
| Bearbeitung | „Wenn ich die Farbe ändere, ist das Bild vollständig mein eigenes Werk.“ | Nenne eine Bearbeitung. | Unterscheide kleine und starke Bearbeitung. | Entwickle eine begründete Grenze. |
| Verantwortung | „Wenn die KI etwas Problematisches erzeugt, bin ich nicht verantwortlich.“ | Nenne eine mögliche Folge. | Erkläre die Verantwortung beim Veröffentlichen. | Beurteile Verantwortung bei unerwarteten KI-Ergebnissen. |
| Autorenschaft | „Bei KI-Kunst sollte immer sichtbar sein, wie Mensch und Maschine beteiligt waren.“ | Stimme zu oder widersprich. | Begründe mit einem Beispiel. | Entwirf eine faire Kennzeichnung für ein eigenes Werk. |
Werkstattprojekt: Mensch – KI – Mensch
Du entwickelst ein eigenes Bildprojekt, bei dem KI nicht das Ende, sondern ein Zwischenschritt ist.
Phase 1 – Mensch: Entwickle eine eigene Idee und fertige mindestens zwei kleine Skizzen an.
Phase 2 – KI: Nutze, wenn die Lehrkraft ein geeignetes Werkzeug bereitstellt, einen Bildgenerator für Varianten. Verwende keine privaten personenbezogenen Daten und keine Fotos anderer Personen ohne Erlaubnis.
Phase 3 – Auswahl: Entscheide nach selbst formulierten Kriterien, welche Teile brauchbar sind.
Phase 4 – Mensch: Bearbeite, collagiere, zeichne, male oder kombiniere so weiter, dass eine eigene bildnerische Entscheidung sichtbar wird.
Phase 5 – Dokumentation: Fülle Deinen KI-Kunst-Pass aus.
Phase 6 – Kennzeichnung: Formuliere eine kurze Werkangabe, zum Beispiel: „Idee, Auswahl, Collage und Überzeichnung: eigene Arbeit; Hintergrundelemente: KI-generiert.“
G: Mindestens zwei eigene Entscheidungen werden sichtbar und erklärt.
M: Mindestens vier Entscheidungen werden dokumentiert und begründet.
E: Der gesamte Prozess wird mit Varianten, Änderungen, Quellen und einer reflektierten Autorenschaftserklärung dokumentiert.
Galeriegespräch: Nicht nur das schönste Bild gewinnt
Bei der Präsentation bewertet Ihr nicht nur das Endergebnis. Nutzt folgende Kriterien:
| Kriterium | Leitfrage |
|---|---|
| Idee | Ist eine eigene Fragestellung oder Aussage erkennbar? |
| Auswahl | Wurde begründet entschieden, welche Variante weiterverwendet wird? |
| Werkzeug | Passt der Einsatz von KI, Zeichnung, Foto oder Collage zur Idee? |
| Bearbeitung | Sind eigene gestalterische Eingriffe sichtbar? |
| Verantwortung | Wurden Personenrechte, Quellen und Kennzeichnung beachtet? |
| Autorenschaft | Kann die Person ihren eigenen Anteil ehrlich und nachvollziehbar erklären? |
Ein gelungenes KI-Kunstprojekt muss nicht das technisch glatteste Bild sein. Besonders interessant kann ein Werk sein, das seinen Entstehungsprozess sichtbar macht, Fehler untersucht oder bewusst zeigt, wo Mensch und Maschine unterschiedlich handeln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt Urheberschaft im deutschen Urheberrecht am besten? (Urheber ist der menschliche Schöpfer eines Werkes) (!Urheber ist immer das verwendete Computerprogramm) (!Urheber ist automatisch die Person mit dem teuersten Werkzeug) (!Urheber ist immer die Plattform auf der das Bild erscheint)
Was gehört zur Prozessdokumentation eines KI-Kunstprojekts? (Idee Auswahl Werkzeug Bearbeitung und Entscheidungen) (!Nur das fertige Bild) (!Nur der Name des KI-Programms) (!Nur die Bewertung der Lehrkraft)
Warum ist Auswahl bei KI-Kunst wichtig? (Weil Menschen entscheiden können welche Variante zur eigenen Idee passt) (!Weil immer die erste Variante verwendet werden muss) (!Weil Auswahl das Bild automatisch urheberrechtlich schützt) (!Weil eine KI keine Varianten erzeugen kann)
Welche Aussage über einen Prompt ist für diesen Kurs richtig? (Ein Prompt kann wichtig sein ist aber nicht automatisch das fertige Werk) (!Ein Prompt macht jede KI-Ausgabe automatisch zu menschlicher Kunst) (!Ein Prompt ist dasselbe wie eine vollständige Bildbearbeitung) (!Ein Prompt darf niemals verändert werden)
Was ist eine verantwortungsvolle Regel bei Bildern realer Personen? (Keine täuschenden oder privaten Personenbilder ohne klare Zustimmung veröffentlichen) (!Jedes Foto darf ohne Nachfrage in eine KI geladen werden) (!KI-Bilder müssen niemals gekennzeichnet werden) (!Persönlichkeitsrechte gelten nur bei berühmten Menschen)
Was kann Bearbeitung bei einem KI-Bild bedeuten? (Überzeichnen Collagieren Neuordnen oder Kombinieren) (!Nur das Öffnen der Bilddatei) (!Nur das Speichern unter einem neuen Namen) (!Nur das Anschauen des Bildes)
Welche Frage gehört zur Dimension Verantwortung? (Kann mein Bild jemanden täuschen verletzen oder Rechte anderer berühren) (!Wie viele Pixel hat mein Bildschirm) (!Wie schnell startet mein Computer) (!Welche Farbe hat das Programmsymbol)
Was ist ein sinnvoller Vergleich zwischen Pinsel und KI-Werkzeug? (Beide Werkzeuge beeinflussen Möglichkeiten aber die Arbeitsprozesse unterscheiden sich) (!Beide treffen immer selbstständig dieselben Entscheidungen) (!Beide besitzen eigene Menschenrechte) (!Beide erzeugen nur handgemalte Bilder)
Warum sollte ein KI-Anteil in einem Schulkunstwerk offengelegt werden? (Damit der Entstehungsprozess nachvollziehbar und fair dargestellt wird) (!Damit das Bild automatisch besser bewertet wird) (!Damit keine eigene Bearbeitung mehr nötig ist) (!Damit die Idee geheim bleibt)
Welche Aussage passt am besten zu einem reflektierten KI-Kunstprojekt? (Das Endbild und der dokumentierte Entstehungsprozess werden gemeinsam betrachtet) (!Nur technische Perfektion zählt) (!Nur der erste Prompt zählt) (!Nur die Anzahl erzeugter Bilder zählt)
Memory
| Idee | Ausgangspunkt und beabsichtigte Aussage |
| Auswahl | bewusste Entscheidung zwischen Varianten |
| Werkzeug | Mittel zur Gestaltung |
| Bearbeitung | sichtbare Veränderung und Weiterentwicklung |
| Verantwortung | Folgen und Rechte anderer mitdenken |
| Autorenschaft | menschlichen Schöpfungsanteil reflektieren |
| Prompt | Texteingabe für ein KI-System |
| Kennzeichnung | künstliche Erzeugung transparent machen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Idee | Was soll mein Bild ausdrücken? |
| Auswahl | Welche Variante passt zu meinem Ziel? |
| Werkzeug | Womit wurde gestaltet oder erzeugt? |
| Bearbeitung | Was wurde nachträglich verändert? |
| Verantwortung | Welche Folgen und Rechte muss ich beachten? |
| Autorenschaft | Wer hat welche schöpferischen Entscheidungen getroffen? |
...
Kreuzworträtsel
| Urheber | Wie nennt man den menschlichen Schöpfer eines Werkes? |
| Prompt | Wie heißt eine Texteingabe an einen Bildgenerator? |
| Auswahl | Wie heißt die bewusste Entscheidung zwischen mehreren Varianten? |
| Bearbeitung | Wie heißt die gezielte Veränderung eines vorhandenen Ergebnisses? |
| Verantwortung | Welcher Begriff beschreibt das Mitdenken von Folgen und Rechten anderer? |
| Kennzeichnung | Wie heißt das sichtbare Offenlegen eines KI-Anteils? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bilddetektiv: Wähle ein menschlich geschaffenes Kunstwerk und ein KI-Bild aus diesem aiMOOC. Beschreibe jeweils fünf sichtbare Merkmale, ohne zunächst zu bewerten.
- Ideenskizze: Entwickle zu einem selbst gewählten Thema zwei kleine Skizzen. Markiere, welche Idee Du weiterverfolgen würdest.
- Kennzeichnungs-Schild: Gestalte ein kleines Schild mit dem Satz „Dieses Bild enthält KI-generierte Bestandteile“ und ergänze, welcher Teil von Dir stammt.
- Werkzeugvergleich: Vergleiche Bleistift, Kamera und KI-Bildgenerator anhand der Frage, was Du jeweils selbst steuerst.
Standard
- KI-Kunst-Pass: Dokumentiere ein Bildprojekt mit den sechs Bereichen Idee, Auswahl, Werkzeug, Bearbeitung, Verantwortung und Autorenschaft.
- Mensch-KI-Collage: Verbinde ein selbst gezeichnetes Element mit einem KI-generierten Hintergrund und verändere die Komposition anschließend sichtbar.
- Kunst-Interview: Befrage eine Mitschülerin, einen Mitschüler oder eine erwachsene Person dazu, wann sie jemanden als Autorin oder Autor eines KI-Kunstwerks bezeichnen würde.
- Galerierundgang: Entwickle drei Bewertungskriterien für eine Klassenausstellung, bei der Prozess und Endbild gleich wichtig sind.
Schwer
- Grenzfallanalyse: Untersuche drei erfundene Fälle mit unterschiedlich starkem KI-Anteil und begründe, wo Du besonders viel menschliche Gestaltung erkennst.
- Verantwortungs-Plakat: Gestalte ein Informationsplakat für jüngere Schülerinnen und Schüler darüber, warum täuschend echte KI-Bilder realer Personen problematisch sein können.
- Doppelte Kunstkritik: Schreibe zuerst eine Kritik nur zum fertigen Bild und danach eine zweite Kritik, nachdem Du die Prozessdokumentation kennst. Vergleiche beide Urteile.
- Mini-Ausstellung: Kuratiere vier Werke unter dem Titel „Wer hat das gemacht?“. Schreibe zu jedem Werk ein Schild, das menschliche und technische Anteile transparent macht.


Lernkontrolle
- Fall A: Eine Schülerin schreibt einen Satz als Prompt, übernimmt das erste KI-Bild unverändert und nennt sich alleinige Künstlerin. Beurteile die Aussage mithilfe der sechs Leitfragen.
- Fall B: Ein Schüler zeichnet eine Figur, nutzt KI für mehrere Hintergründe, wählt einen aus, verändert Farben, collagiert eigene Fotos hinein und dokumentiert alle Schritte. Erkläre, wodurch sein menschlicher Gestaltungsanteil sichtbar wird.
- Fall C: Ein täuschend echtes KI-Bild zeigt einen Mitschüler an einem Ort, an dem er nie war. Entwickle eine verantwortungsvolle Reaktion und begründe sie.
- Vergleich: Vergleiche eine Handskizze mit einem KI-generierten Bild. Erkläre, welche Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar und welche unsichtbar sind.
- Streitfrage: „KI ist nur ein Werkzeug wie jedes andere.“ Formuliere zwei Argumente dafür, zwei dagegen und anschließend Dein eigenes begründetes Urteil.
- Museumsschild: Verfasse für ein hybrides Mensch-KI-Werk ein Ausstellungsschild, das Idee, Werkzeuge, Bearbeitung und KI-Anteil fair und verständlich erklärt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern Deinen eigenen Arbeitsprozess sichtbar machen und begründen kannst.
- Eine eigene Bildidee und mindestens zwei Vorüberlegungen oder Skizzen
- Eine nachvollziehbare Auswahl zwischen Varianten
- Eine vollständige Angabe der verwendeten analogen und digitalen Werkzeuge
- Eine Dokumentation wichtiger Bearbeitungsschritte
- Eine begründete Reflexion zu Verantwortung und möglicher Täuschung
- Eine verständliche Erklärung Deines eigenen Gestaltungsanteils
- Eine transparente Kennzeichnung von KI-generierten Bestandteilen
- Eine kurze Bildanalyse, in der Du Wirkung und Entstehungsprozess miteinander verbindest
Rechtliche Orientierung und Quellen
Für den Unterricht sind drei Quellen besonders hilfreich:
§ 2 Urheberrechtsgesetz – Geschützte Werke
§ 7 Urheberrechtsgesetz – Urheber
Europäische Kommission – Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte
Die rechtlichen Hinweise in diesem aiMOOC sind eine vereinfachte Orientierung für den Unterricht und keine individuelle Rechtsberatung.
OERs zum Thema
Weitere freie Medien findest Du auf Wikimedia Commons. Besonders nützlich sind die Kategorien zu KI-generierten Bildern, Zeichnungen, Skizzen und gemeinfreien Kunstwerken. Prüfe bei jeder Weiterverwendung die Lizenz und die gewünschte Quellenangabe.
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