BK6 - Funktion und Form eines Gebäudes

BK6 - Funktion und Form eines Gebäudes
BK6 - Funktion und Form eines Gebäudes
Einleitung
Gebäude sehen sehr unterschiedlich aus: Eine Schule braucht andere Räume als ein Wohnhaus, ein Museum stellt andere Anforderungen als eine Sporthalle. Trotzdem werden alle Gebäude geplant, damit Menschen sie nutzen können. Dabei treffen zwei wichtige Begriffe aufeinander: Funktion und Form.
Die Funktion beschreibt, wozu ein Gebäude oder ein Raum gebraucht wird und welche Bedürfnisse es erfüllen soll. Die Form beschreibt, wie das Gebäude gestaltet ist: zum Beispiel seine Größe, seinen Grundriss, seine Höhe, die Form des Daches, die Anordnung der Fenster, die Fassade, die verwendeten Materialien und die Wirkung des Baukörpers.
In diesem aiMOOC untersuchst Du die Leitfrage:
Wie beeinflussen Bedürfnisse und Nutzung die Gestaltung eines Gebäudes?
Du vergleichst Schulen, Wohnhäuser, Museen und Sporthallen. Außerdem betrachtest Du eine Brücke als Beispiel für ein Bauwerk, bei dem Nutzung, Tragwerk und Form besonders deutlich zusammenhängen. Du lernst, Gebäude nicht nur danach zu beurteilen, ob sie Dir gefallen, sondern auch danach, wie gut ihre Gestaltung zu ihren Aufgaben passt.

Bildauftrag: Schau Dir den Eingang der Gerda-Taro-Schule an. Woran könntest Du erkennen, dass das Gebäude für viele Menschen gedacht ist? Achte auf Eingang, Fenster, Größe, Wege und Farbgestaltung.
Lernziele und Differenzierung G/M/E
Der aiMOOC ist für die Klasse 6 angelegt. Du kannst Aufgaben auf drei Niveaustufen bearbeiten:
- G – Grundniveau: Du erkennst Funktionen, benennst Bedürfnisse und beschreibst sichtbare Gestaltungsmerkmale mit einfachen Fachbegriffen.
- M – Mittleres Niveau: Du erklärst Zusammenhänge zwischen Nutzung und Gestaltung und vergleichst verschiedene Gebäude begründet.
- E – Erweitertes Niveau: Du bewertest unterschiedliche Lösungen, erkennst Zielkonflikte und entwickelst eigene begründete Entwürfe.
Am Ende solltest Du erklären können, warum ein Gebäude so aussieht, wie es aussieht, und welche anderen Lösungen ebenfalls möglich wären.
Funktion und Form – zwei Seiten der Architektur
Was bedeutet Funktion?
Die Funktion eines Gebäudes beschreibt seine Aufgabe. Ein Gebäude soll bestimmte Tätigkeiten ermöglichen und bestimmte Bedürfnisse erfüllen. Diese Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein.
Bei einem Wohnhaus gehören zum Beispiel Schlafen, Kochen, Essen, Waschen, Wohnen, Rückzug und gemeinsames Zusammensein zur Nutzung. Eine Schule muss dagegen Unterricht, Bewegung, Pausen, Gruppenarbeit, Verwaltung, Essen, Sicherheit und Orientierung ermöglichen.
Funktion bedeutet deshalb mehr als nur die Frage: „Was macht man dort?“ Wichtig sind auch Fragen wie:
- Sicherheit: Können sich Menschen sicher bewegen und das Gebäude im Notfall schnell verlassen?
- Barrierefreiheit: Können möglichst viele Menschen das Gebäude selbstständig nutzen?
- Belichtung: Kommt genügend Tageslicht in wichtige Räume?
- Akustik: Kann man sprechen, zuhören oder Sport treiben, ohne dass störender Lärm entsteht?
- Klima: Sind Räume vor Hitze, Kälte, Regen und Wind geschützt?
- Orientierung: Finden Menschen Eingänge, Treppen, Räume und Ausgänge gut?
- Privatsphäre: Gibt es geschützte Bereiche, wenn Menschen Ruhe oder Rückzug brauchen?
Was bedeutet Form?
Die Form beschreibt die sichtbare und räumliche Gestalt eines Bauwerks. Dazu gehören nicht nur die Außenwände.
Wichtige Merkmale der Form sind:
- Baukörper: Ist das Gebäude kompakt, langgestreckt, hoch, flach, gegliedert oder aus mehreren Teilen zusammengesetzt?
- Grundriss: Wie sind Räume und Wege von oben gesehen angeordnet?
- Fassade: Wie sind Fenster, Türen, Materialien, Farben und Flächen an der Außenwand gestaltet?
- Dach: Ist es flach, geneigt, gewölbt oder anders geformt?
- Proportion: Wie verhalten sich Höhe, Breite und Länge zueinander?
- Material: Welche Wirkung haben Holz, Stein, Glas, Beton, Stahl oder andere Baustoffe?
- Öffnung: Wo sitzen Fenster und Türen, wie groß sind sie und wozu werden sie gebraucht?
Form entsteht also nicht zufällig. Sie wird von vielen Entscheidungen beeinflusst.
Form folgt Funktion – aber nicht nur
Der amerikanische Architekt Louis Sullivan formulierte im 19. Jahrhundert den bekannten Gedanken „form follows function“. Vereinfacht bedeutet er: Die Gestalt eines Bauwerks soll zu seiner Aufgabe passen.
Das heißt aber nicht, dass es für eine Funktion nur eine einzige richtige Form gibt. Zwei Schulen können beide gut funktionieren und trotzdem völlig unterschiedlich aussehen. Auch Ästhetik, Kultur, Ort, Klima, Kosten, Materialien, technische Möglichkeiten und die Vorstellungen der Planenden beeinflussen die Gestaltung.
Eine gute Frage lautet deshalb nicht:
„Welche Form ist richtig?“
Sondern:
„Wie gut unterstützt diese Form die gewünschte Nutzung – und welche Bedürfnisse wurden dabei berücksichtigt?“
E-Auftrag zum Video: Notiere zwei Aussagen, die erklären, warum „Form folgt Funktion“ nicht bedeutet, dass alle funktionalen Gebäude gleich aussehen müssen.
Gebäude lesen wie eine Architektin oder ein Architekt
Außen, innen und dazwischen
Um ein Gebäude zu verstehen, solltest Du nicht nur die Fassade betrachten. Ein Gebäude besteht aus Außenräumen, Innenräumen und Verbindungen zwischen beiden.
Drei Darstellungen sind besonders wichtig:
- Grundriss: Blick von oben auf Räume, Wände, Türen und Wege.
- Ansicht: Blick auf eine Außenseite des Gebäudes.
- Schnitt: Gedachter senkrechter Schnitt durch das Gebäude, bei dem Höhen, Geschosse und Innenräume sichtbar werden.

Bildauftrag G: Finde im Grundriss Wege, Räume und Türen.
Bildauftrag M: Erkläre, warum Türen an bestimmten Stellen liegen müssen.
Bildauftrag E: Überlege, welche Veränderungen am Grundriss nötig wären, wenn eine Person mit Rollstuhl alle Räume bequem erreichen soll.
Von Bedürfnissen zu Räumen
Bevor ein Gebäude gezeichnet wird, muss geklärt werden, wer es nutzt und was dort passieren soll. Daraus entsteht ein Raumprogramm. Ein Raumprogramm beschreibt, welche Räume gebraucht werden, wie groß sie ungefähr sein sollen und welche Räume miteinander verbunden sein müssen.
Ein Beispiel für eine Schule:
| Bedürfnis | Mögliche Funktion | Mögliche Gestaltung |
|---|---|---|
| Lernen | Unterricht, Gruppenarbeit, Präsentation | Klassenräume, Lernbereiche, gute Beleuchtung, passende Akustik |
| Bewegung | Sport, Pause, Wechsel zwischen Räumen | Sporthalle, Schulhof, breite Wege |
| Ruhe | konzentriertes Arbeiten, Beratung | Rückzugsräume, kleinere Lernräume |
| Versorgung | Essen und Trinken | Mensa, Küche, Aufenthaltsbereich |
| Sicherheit | schnelle Flucht im Notfall | übersichtliche Wege, mehrere Ausgänge, gekennzeichnete Fluchtwege |
Beispiel 1: Schule – Lernen braucht Räume
Welche Bedürfnisse hat eine Schule?
Eine Schule wird gleichzeitig von vielen Menschen genutzt. Schülerinnen und Schüler lernen, sprechen, schreiben, experimentieren, essen, bewegen sich und machen Pausen. Lehrkräfte unterrichten und bereiten Unterricht vor. Zusätzlich gibt es Verwaltung, Reinigung, Technik und häufig Ganztagsangebote.
Deshalb beeinflussen folgende Bedürfnisse die Form einer Schule besonders:
- Unterrichtsräume brauchen geeignete Größe, Licht und Akustik.
- Flure und Treppen müssen viele Menschen aufnehmen können.
- Eingänge müssen auffindbar und sicher sein.
- Unterschiedliche Lernformen benötigen unterschiedliche Raumgrößen.
- Pausenbereiche sollen Bewegung und Erholung ermöglichen.
- Barrierefreie Wege helfen Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen.

Vergleichsauftrag: Stelle Dir denselben Raum ohne Fenster, ohne Tür oder mit einer sehr niedrigen Decke vor. Welche Funktionen würden dadurch schwieriger?
Flexible Schule
Viele Schulen nutzen nicht mehr nur einen festen Klassenraum für eine Klasse. Gruppenräume, Lerninseln, offene Lernbereiche oder verschiebbare Möbel können verschiedene Lernformen ermöglichen.
Hier wird sichtbar: Eine veränderte Nutzung kann eine veränderte Raumform erfordern.
Wenn Schülerinnen und Schüler allein, zu zweit, in Gruppen und gemeinsam im Klassenverband arbeiten sollen, muss die Architektur unterschiedliche Situationen unterstützen.
Historisches Beispiel: Bauhaus Dessau
Das Bauhaus Dessau wurde 1925–1926 nach Plänen von Walter Gropius als Gebäude für eine Kunst-, Design- und Architekturschule errichtet. Große Glasflächen, klar gegliederte Baukörper und unterschiedliche Gebäudeteile zeigen, dass verschiedene Nutzungen räumlich ablesbar gemacht wurden.

M-Auftrag: Suche im Bild verschiedene Baukörper. Vermute, warum nicht alle Teile des Gebäudes gleich aussehen.
Beispiel 2: Wohnhaus – Privatheit, Alltag und Zusammenleben
Ein Wohnhaus erfüllt viele Funktionen
In einem Wohnhaus wechseln sich gemeinschaftliche und private Tätigkeiten ab. Menschen wollen kochen, schlafen, essen, sich waschen, spielen, arbeiten und Gäste empfangen.
Die Gestaltung muss deshalb häufig zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen vermitteln:
- Gemeinschaft und Rückzug
- Offenheit und Privatsphäre
- Tageslicht und Schutz vor Einblicken
- kurze Wege und getrennte Bereiche
- Energieeinsparung und angenehmes Raumklima

G-Auftrag: Benenne mindestens drei sichtbare Bauteile, die eine Funktion erfüllen.
M-Auftrag: Erkläre für zwei Fenster, warum Größe und Lage wichtig sein könnten.
E-Auftrag: Überlege, welche Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner sich von außen nicht sicher erkennen lassen.
Grundriss und Alltag
Ein Grundriss beeinflusst, wie sich Menschen durch ein Haus bewegen. Liegt die Küche neben dem Essbereich, sind Wege kurz. Liegen Schlafräume weit vom Eingang entfernt, kann mehr Ruhe entstehen. Ein Bad braucht andere technische Voraussetzungen als ein Wohnzimmer.
Die Form der Räume beeinflusst also tägliche Abläufe. Gleichzeitig verändern sich Bedürfnisse: Familien wachsen, Menschen arbeiten von zu Hause oder benötigen im Alter barrierearme Räume. Gute Architektur kann auf solche Veränderungen vorbereitet sein.
Energie als Gestaltungsfaktor
Auch der Energieverbrauch beeinflusst die Form eines Gebäudes. Bei energieeffizienten Gebäuden spielen unter anderem Wärmedämmung, Fenster, Luftdichtheit, Sonnenschutz und Gebäudetechnik eine Rolle.

M/E-Bildauftrag: Untersuche das Schema. Welche Teile des Gebäudes helfen dabei, Wärmeverluste zu verringern oder Sonnenenergie zu nutzen?
Beispiel 3: Museum – Sehen, Schützen und Orientieren
Was muss ein Museum können?
Ein Museum hat mehrere Aufgaben gleichzeitig. Es soll Objekte zeigen, Besucherinnen und Besucher führen, Kunstwerke oder andere Exponate schützen und häufig selbst ein besonderer öffentlicher Ort sein.
Daraus entstehen unterschiedliche Anforderungen:
- Ausstellungsräume benötigen geeignete Wandflächen und Raumhöhen.
- Licht muss manchmal stark kontrolliert werden, damit empfindliche Objekte geschützt werden.
- Wege sollen Besucher sinnvoll durch die Ausstellung führen.
- Eingangsbereiche müssen Orientierung bieten.
- Große Besuchergruppen brauchen ausreichend Platz.
- Das Gebäude kann außerdem eine symbolische oder repräsentative Wirkung haben.

Das Guggenheim-Museum Bilbao wurde von Frank Gehry entworfen und 1997 eröffnet. Seine stark bewegte äußere Form zeigt besonders deutlich, dass Architektur nicht nur praktische Aufgaben erfüllt, sondern auch Aufmerksamkeit erzeugen und einem Ort ein besonderes Bild geben kann.
Innenraum und Besucherführung
Ein Museum muss nicht nur von außen wirken. Entscheidend ist, wie Menschen sich im Inneren bewegen und wie Räume miteinander verbunden sind.

G-Auftrag: Beschreibe Treppe, Raumhöhe und Licht.
M-Auftrag: Erkläre, wie die Treppe die Bewegung der Besucher lenkt.
E-Auftrag: Beurteile, warum ein beeindruckender Innenraum für ein Museum zugleich Vorteil und Nachteil sein kann.
Beispiel 4: Sporthalle – große Spannweite, robuste Nutzung
Warum sieht eine Sporthalle anders aus?
Eine Sporthalle braucht eine große freie Fläche. Beim Ballspiel oder Turnen wären viele Stützen mitten im Raum hinderlich und gefährlich. Deshalb muss das Tragwerk häufig große Spannweiten überbrücken.
Weitere Anforderungen sind:
- ausreichende Raumhöhe
- robuste Böden und Wände
- gute Beleuchtung ohne starke Blendung
- geeignete Akustik
- Umkleiden und Sanitärräume
- sichere Fluchtwege
- Lagerflächen für Sportgeräte

Beobachtungsauftrag: Suche Merkmale, die direkt aus der sportlichen Nutzung entstehen. Welche Teile würdest Du in einem normalen Wohnzimmer nicht benötigen?
Funktion beeinflusst Konstruktion
Bei einer Sporthalle wird besonders deutlich, dass Nutzung und Tragwerk zusammenhängen. Je größer der freie Innenraum sein soll, desto stärker muss das Dach die Lasten über größere Entfernungen ableiten.
Hier beeinflusst die Funktion nicht nur die Raumaufteilung, sondern auch die technische Konstruktion und damit die sichtbare Form.
Beispiel 5: Barrierefreiheit – Bedürfnisse verändern Wege
Für wen wird gebaut?
Architektur wird für Menschen geplant. Menschen sind unterschiedlich groß, alt, beweglich oder orientieren sich auf unterschiedliche Weise. Deshalb ist die Frage „Wer soll dieses Gebäude benutzen können?“ entscheidend.
Barrierefreiheit bedeutet, dass Gebäude und Räume möglichst ohne besondere Erschwernis genutzt werden können. Dazu können zum Beispiel gehören:
- stufenlose Zugänge
- Rampen oder Aufzüge
- ausreichend breite Türen
- gut erreichbare Bedienelemente
- kontrastreiche Orientierung
- verständliche Wegeführung

G-Auftrag: Erkläre die Funktion der Rampe.
M-Auftrag: Nenne weitere Personengruppen außer Rollstuhlnutzenden, für die ein stufenloser Zugang hilfreich sein kann.
E-Auftrag: Begründe, warum Barrierefreiheit am besten schon zu Beginn der Planung mitgedacht wird.
Beispiel 6: Brücke – Form aus Aufgabe und Tragwerk
Gebäude oder Bauwerk?
Eine Brücke ist im engeren Sinn meist kein Gebäude, sondern ein Bauwerk. Sie eignet sich trotzdem sehr gut für unsere Leitfrage, weil ihre Funktion besonders deutlich ist: Sie überwindet ein Hindernis und trägt Verkehr oder Personen von einer Seite zur anderen.
Die Form hängt unter anderem davon ab:
- wie weit die Brücke spannen muss
- welche Lasten sie tragen soll
- welches Hindernis überquert wird
- welche Materialien verwendet werden
- wie der Untergrund beschaffen ist
- wie Wind, Wasser und Verkehr auf die Konstruktion wirken

Bei einer Bogenbrücke ist der große Bogen nicht nur Schmuck. Er gehört zum Tragwerk und hilft dabei, Kräfte abzuleiten.
Videoauftrag G: Notiere drei Bauteile, die beim Brückenbau wichtig sind.
Videoauftrag M: Erkläre, wie Planung, Untergrund und Nutzung den Bau beeinflussen.
Videoauftrag E: Übertrage das Prinzip auf Gebäude: Welche Teile einer Schule müssen ebenfalls schon vor dem sichtbaren Bau genau geplant werden?
Interaktiver Vergleich: Welche Nutzung braucht welche Form?
Schule und Wohnhaus vergleichen
Vergleichsfragen:
- Welche Unterschiede an Eingängen und Größe fallen Dir auf?
- Welches Gebäude braucht mehr Orientierung für fremde Besucher?
- In welchem Gebäude ist Privatsphäre wahrscheinlich wichtiger?
- Welche Gemeinsamkeiten haben beide Gebäude trotz unterschiedlicher Nutzung?
Museum und Sporthalle vergleichen
| Merkmal | Museum | Sporthalle |
|---|---|---|
| Hauptfunktion | Ausstellen, betrachten, orientieren | Bewegen, trainieren, spielen |
| Raumwirkung | kann stark inszeniert sein | meist große freie Bewegungsfläche |
| Licht | teilweise kontrolliert zum Schutz von Exponaten | gleichmäßig und blendarm für Sport |
| Oberfläche | häufig gestalterisch und atmosphärisch wichtig | häufig robust und stoßfest |
| Wege | Besucherführung wichtig | sichere Zugänge zu Halle, Umkleiden und Ausgängen wichtig |
M/E-Vergleich: Erkläre, warum ein riesiges Fenster in einem Museum sinnvoll sein kann, in einem anderen Ausstellungsraum aber problematisch wäre.
Außenform und Innenfunktion
Ein Gebäude kann außen spektakulär und innen unpraktisch sein. Umgekehrt kann ein eher schlicht wirkendes Gebäude sehr gut funktionieren. Deshalb solltest Du Architektur immer aus mehreren Blickwinkeln untersuchen.
Eine sinnvolle Reihenfolge ist:
- Nutzer erkennen: Wer verwendet das Gebäude?
- Bedürfnisse sammeln: Was brauchen diese Menschen?
- Funktionen bestimmen: Welche Tätigkeiten müssen möglich sein?
- Räume untersuchen: Welche Räume und Wege sind nötig?
- Form beschreiben: Wie wurden Baukörper, Fassade, Öffnungen und Materialien gestaltet?
- Zusammenhang bewerten: Unterstützt die Form die Funktion?
Weitere Einflüsse auf die Gestaltung
Ort und Klima
Ein Gebäude steht nie unabhängig von seiner Umgebung. Klima, Himmelsrichtung, Nachbargebäude, Gelände und vorhandene Wege beeinflussen die Planung.
Große Fenster können viel Tageslicht bringen, aber auch zu Überhitzung führen. Ein weit auskragendes Dach kann vor Sonne oder Regen schützen. In dicht bebauten Städten ist Platz knapp, während auf anderen Grundstücken breitere, flachere Gebäude möglich sind.
Material und Konstruktion
Materialien haben unterschiedliche Eigenschaften. Stahl kann hohe Zugkräfte aufnehmen, Beton ist in vielen Konstruktionen druckfest einsetzbar, Holz ist vergleichsweise leicht und gut bearbeitbar, Glas lässt Licht durch.
Die Materialwahl beeinflusst daher:
- Tragfähigkeit
- Spannweite
- Gewicht
- Oberfläche
- Alterung
- Energieaufwand
- Gestaltung und Atmosphäre
Nachhaltigkeit
Bei nachhaltigem Bauen geht es nicht nur darum, im fertigen Gebäude wenig Energie zu verbrauchen. Auch Materialverbrauch, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Umbaufähigkeit und spätere Wiederverwendung spielen eine Rolle.
Ein Gebäude, das sich an neue Nutzungen anpassen lässt, kann länger sinnvoll genutzt werden. Damit wird Flexibilität selbst zu einer wichtigen Funktion.
Gestaltung und Wirkung
Gebäude vermitteln Botschaften. Ein Rathaus kann Würde ausstrahlen, ein Kindergarten freundlich und einladend wirken, ein Museum Aufmerksamkeit erzeugen.
Farben, Formen, Materialien und Proportionen beeinflussen diese Wirkung. Funktion und Gestaltung sind deshalb keine Gegensätze. Gute Architektur versucht, praktische Anforderungen und gestalterische Qualität miteinander zu verbinden.
Vom Bedürfnis zum Entwurf
Ein einfacher Entwurfsprozess
Wenn Du selbst ein Gebäude entwerfen willst, beginne nicht mit einer schönen Außenform. Beginne mit den Menschen.
- Schritt A – Nutzer: Wer soll das Gebäude verwenden?
- Schritt B – Bedürfnisse: Was brauchen diese Menschen?
- Schritt C – Tätigkeiten: Was wird im Gebäude gemacht?
- Schritt D – Räume: Welche Räume werden dafür benötigt?
- Schritt E – Verbindungen: Welche Räume müssen nah beieinander liegen?
- Schritt F – Form: Welche Gebäudeform unterstützt diese Anforderungen?
- Schritt G – Prüfung: Wo entstehen Probleme oder Zielkonflikte?
Beispiel: Eine neue Lerninsel
Stell Dir vor, Deine Schule braucht einen kleinen Raum für Gruppenarbeit.
G: Der Raum soll sechs Schülerinnen und Schülern Platz bieten, hell sein und eine Tür haben.
M: Zusätzlich soll der Raum flexibel möbliert werden können und darf den Unterricht im Nachbarraum akustisch nicht stören.
E: Zusätzlich soll der Raum barrierefrei, energiesparend und auch als Beratungsraum nutzbar sein.
Je höher die Anforderung wird, desto mehr Entscheidungen müssen im Entwurf miteinander verbunden werden.
Merksätze
Funktion beschreibt, was ein Gebäude leisten und ermöglichen soll.
Form beschreibt, wie ein Gebäude räumlich und sichtbar gestaltet ist.
Bedürfnisse führen zu Anforderungen. Anforderungen beeinflussen Räume, Wege, Konstruktion und Gestaltung.
Es gibt nicht nur eine richtige Form für eine Funktion. Gute Architektur wägt verschiedene Anforderungen gegeneinander ab.
Gebäude werden für Menschen geplant. Deshalb gehören Sicherheit, Zugänglichkeit, Orientierung und Wohlbefinden zur Gestaltung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt die Funktion eines Gebäudes? (Die Aufgaben und Nutzungen des Gebäudes) (!Nur die Farbe der Fassade) (!Nur die Dachform) (!Nur das Alter des Gebäudes)
Was ist ein Grundriss? (Eine Darstellung der Räume und Wände von oben) (!Ein Foto nur vom Dach) (!Eine Liste der Baumaterialien) (!Eine Seitenansicht einer Brücke)
Warum braucht eine Sporthalle meist eine große freie Innenfläche? (Damit Sport ohne störende Stützen möglich ist) (!Damit sie wie ein Wohnhaus wirkt) (!Damit möglichst viele Innenwände entstehen) (!Damit kein Tageslicht hineinkommt)
Welche Anforderung ist für ein Museum besonders wichtig? (Ausstellungsräume und Besucherwege passend zu gestalten) (!Alle Räume als Schlafzimmer zu planen) (!Jeden Raum mit Sportboden auszustatten) (!Auf Eingänge zu verzichten)
Was bedeutet Barrierefreiheit bei Gebäuden? (Möglichst selbstständige Nutzung durch Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen) (!Nur besonders große Fenster zu verwenden) (!Gebäude ausschließlich einstöckig zu bauen) (!Alle Räume gleich groß zu machen)
Warum kann die Lage eines Fensters funktional wichtig sein? (Sie beeinflusst Licht, Ausblick und Nutzung eines Raumes) (!Sie bestimmt allein das Alter des Gebäudes) (!Sie macht einen Raum automatisch barrierefrei) (!Sie ersetzt immer eine Tür)
Welche Aussage zu Form und Funktion trifft am besten zu? (Eine Funktion kann durch verschiedene Formen erfüllt werden) (!Für jede Funktion gibt es nur eine einzige richtige Form) (!Form hat niemals mit Nutzung zu tun) (!Funktion betrifft nur die Außenseite)
Warum ist der Bogen einer Bogenbrücke funktional bedeutsam? (Er gehört zum Tragwerk und hilft Kräfte abzuleiten) (!Er dient ausschließlich als Dekoration) (!Er ersetzt die Fahrbahn) (!Er verhindert jede Bewegung auf der Brücke)
Was ist bei der Planung einer Schule besonders zu beachten? (Viele unterschiedliche Nutzer und Tätigkeiten) (!Nur die Lieblingsfarbe der Planenden) (!Nur die Form des Schulschildes) (!Nur die Anzahl der Dachziegel)
Warum kann nachhaltiges Bauen die Gebäudeform beeinflussen? (Weil Energie, Material, Klima und langfristige Nutzung mitgeplant werden) (!Weil Nachhaltigkeit nur eine Fassadenfarbe ist) (!Weil nachhaltige Gebäude keine Fenster brauchen) (!Weil nachhaltige Gebäude nie umgebaut werden dürfen)
Memory
| Funktion | Nutzung |
| Form | Gestaltung |
| Grundriss | Draufsicht |
| Fassade | Außenhaut |
| Barrierefreiheit | Zugänglichkeit |
| Akustik | Hörbedingungen |
| Tragwerk | Lastabtragung |
| Raumprogramm | Raumbedarf |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Breite Flure | Viele Menschen bewegen sich gleichzeitig durch eine Schule |
| Große freie Fläche | Ballspiele und Bewegung in einer Sporthalle |
| Kontrolliertes Licht | Schutz empfindlicher Ausstellungsstücke im Museum |
| Private Rückzugsräume | Schlafen und Erholen im Wohnhaus |
| Stufenloser Zugang | Barrierefreie Erschließung eines Gebäudes |
Kreuzworträtsel
| Grundriss | Wie heißt die Darstellung eines Gebäudes von oben? |
| Fassade | Wie nennt man die gestaltete Außenseite eines Gebäudes? |
| Funktion | Welches Wort beschreibt die Aufgabe und Nutzung eines Gebäudes? |
| Akustik | Welcher Fachbegriff beschreibt die Bedingungen für Schall und Hören in einem Raum? |
| Rampe | Welches Bauteil kann einen stufenlosen Zugang über einen Höhenunterschied ermöglichen? |
| Tragwerk | Wie nennt man die Konstruktion, die Lasten eines Bauwerks aufnimmt und ableitet? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- G – Gebäudefunktion entdecken: Fotografiere oder zeichne ein Gebäude in Deiner Umgebung und benenne mindestens fünf sichtbare Merkmale. Schreibe zu jedem Merkmal eine mögliche Funktion.
- G – Schulweg im Gebäude: Zeichne aus dem Gedächtnis den Weg vom Schuleingang zu Deinem Klassenraum. Markiere Stellen, an denen Orientierung besonders leicht oder schwierig ist.
- G – Raum und Tätigkeit: Wähle vier Räume eines Wohnhauses und notiere, welche Tätigkeiten dort stattfinden und welche Ausstattung dafür nötig ist.
- G – Fassadenforscher: Zeichne zwei unterschiedliche Fassaden und markiere Fenster, Türen, Materialien und besondere Formen. Erkläre jeweils eine mögliche Funktion.
Standard
- M – Gebäude vergleichen: Vergleiche Schule und Wohnhaus anhand von Nutzung, Eingängen, Fenstern, Wegen und Privatsphäre. Formuliere mindestens drei begründete Unterschiede.
- M – Klassenzimmer verbessern: Zeichne einen vereinfachten Grundriss Deines Klassenraums und entwickle eine Veränderung für Gruppenarbeit. Begründe, wie die neue Form die Nutzung verbessert.
- M – Barriere-Check: Untersuche einen öffentlich zugänglichen Bereich auf Stufen, Türen, Wege und Orientierung. Dokumentiere zwei gute Lösungen und zwei mögliche Verbesserungen.
- M – Sporthalle untersuchen: Beobachte eine Sporthalle und erkläre, wie Boden, Raumhöhe, Beleuchtung, Wände und Geräteraum mit der sportlichen Nutzung zusammenhängen.
Schwer
- E – Mini-Schule entwerfen: Entwirf einen Grundriss für eine kleine Lernstation mit Lernraum, Gruppenraum, Toilette und Aufenthaltsbereich. Beachte kurze Wege, Tageslicht und Barrierefreiheit.
- E – Museum neu denken: Entwickle zwei verschiedene Formen für einen kleinen Ausstellungsraum. Eine Variante soll ruhig und neutral wirken, die andere auffällig und repräsentativ. Vergleiche Vor- und Nachteile.
- E – Zielkonflikte lösen: Entwickle für ein Wohnhaus drei Maßnahmen zu Energie, Material oder Flexibilität. Erkläre, welche gestalterischen Folgen und möglichen Nachteile entstehen.
- E – Modell und Test: Baue aus Papier, Karton oder Recyclingmaterial ein Modell für einen kleinen überdachten Pausenbereich. Teste Stabilität, Schutz vor Regen, Wegeführung und Aufenthaltsqualität und verbessere den Entwurf.


Lernkontrolle
- Schule wird Bibliothek: Eine kleine Schule soll zu einer öffentlichen Bibliothek umgebaut werden. Erkläre, welche vorhandenen Räume weiter nutzbar wären, welche verändert werden müssten und warum.
- Licht oder Schutz: Ein Museum wünscht sich sehr viel Tageslicht, muss aber empfindliche Bilder schützen. Entwickle zwei mögliche Lösungen und vergleiche ihre Vor- und Nachteile.
- Eingang neu planen: Ein Gebäudeeingang liegt einen Meter über dem Gehweg. Entwickle eine Lösung, die für möglichst viele Menschen gut nutzbar ist. Begründe Deine Entscheidung.
- Mehrfachnutzung: Eine Sporthalle soll abends zusätzlich für Veranstaltungen genutzt werden. Welche neuen Bedürfnisse entstehen und welche Veränderungen könnten nötig sein?
- Veränderte Lebenssituation: Ein Wohnhaus soll so geplant werden, dass Räume später anders genutzt werden können. Erkläre, welche Grundrissmerkmale Flexibilität unterstützen.
- Transfer Tragwerk: Vergleiche eine Brücke mit einer Sporthalle. Erkläre, welche Gemeinsamkeiten es bei Spannweite, Lasten, Material und Tragwerk gibt, obwohl die Nutzungen verschieden sind.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären und auf neue Beispiele übertragen kannst.
- Du kannst Funktion und Form unterscheiden und miteinander in Beziehung setzen.
- Du kannst erklären, wie Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern Räume und Wege beeinflussen.
- Du kannst Grundriss, Fassade, Baukörper und Tragwerk als wichtige Bestandteile einer Architekturanalyse verwenden.
- Du kannst Schule, Wohnhaus, Museum, Sporthalle und Brücke anhand ihrer Nutzung vergleichen.
- Du kannst Beispiele für Barrierefreiheit, Sicherheit, Tageslicht, Akustik und Nachhaltigkeit nennen und begründen.
- Du kannst an einem unbekannten Gebäude Vermutungen über seine Nutzung aus sichtbaren Merkmalen ableiten.
- Du kannst einen einfachen eigenen Entwurf erstellen und Gestaltungsentscheidungen begründen.
- Du kannst erkennen, dass unterschiedliche Lösungen dieselbe Funktion erfüllen können.
- Du kannst Zielkonflikte beschreiben, etwa zwischen Offenheit und Privatsphäre oder Tageslicht und Schutz.
- Du verwendest Fachbegriffe verständlich und passend.
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