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BK6 - Avatar als Kunstfigur inszenieren

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BK6 - Avatar als Kunstfigur inszenieren



Einleitung

In diesem aiMOOC lernst Du, wie ein Avatar zu einer bewusst gestalteten Kunstfigur wird. Ein Avatar kann eine gezeichnete Figur, eine Spielfigur, eine digitale Figur oder eine selbst gebaute Figur sein. Entscheidend ist nicht nur, wie die Figur aussieht, sondern wie Du sie inszenierst: In welchem Raum steht sie? Woher kommt das Licht? Welche Pose nimmt sie ein? Von wo schaut die Kamera auf sie?

In digitalen Welten ist ein Avatar eine künstliche Person oder Grafikfigur, die einer Nutzerin oder einem Nutzer zugeordnet sein kann. In diesem Kurs verwendest Du den Begriff weiter: Dein Avatar ist eine gestaltete Figur, mit der Du Bildideen untersuchst. Du arbeitest ähnlich wie in inszenierter Fotografie oder bei einem Filmset. Du planst eine Szene, veränderst Raum, Licht, Pose und Perspektive und beobachtest, wie sich die Wirkung verändert.

Das Bild zeigt einen Avatar in einer virtuellen Umgebung. Achte darauf, wie Raum, Möbel, Blickrichtung und Licht eine kleine Geschichte entstehen lassen.

Auch eine nichtmenschliche Figur kann ein Avatar sein. Für Deine Kunstfigur darfst Du deshalb übertreiben, vereinfachen, verfremden oder Fantasieformen erfinden.

Ziel des Projekts: Du inszenierst denselben Avatar in mehreren Umgebungen und vergleichst anschließend systematisch die Wirkung von Raum, Licht, Pose und Perspektive. So erkennst Du: Nicht nur die Figur erzählt – auch ihre Umgebung und die Art der Aufnahme erzählen mit.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du ...

  1. Avatar: eine Kunstfigur entwerfen und ihre wichtigsten Merkmale begründen.
  2. Inszenierung: eine Bildidee mit Raum, Licht, Pose und Perspektive planen.
  3. Raumwirkung: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, Größenverhältnisse und Tiefenwirkung untersuchen.
  4. Lichtführung: Frontlicht, Seitenlicht, Gegenlicht sowie hartes und weiches Licht unterscheiden und gezielt einsetzen.
  5. Pose: Körperhaltung, Blickrichtung und Gestik so verändern, dass unterschiedliche Stimmungen entstehen.
  6. Kameraperspektive: Normalperspektive, Aufsicht, Vogelperspektive und Untersicht erproben.
  7. Bildanalyse: die Wirkung einer Szene mit Fachbegriffen beschreiben und begründen.
  8. Bildserie: mehrere Inszenierungen als zusammenhängende künstlerische Reihe entwickeln.


G M E: Drei Lernwege

Die Buchstaben G, M und E helfen Dir, die Aufgaben passend zu Deinem Lernstand zu wählen. Du darfst auch zwischen den Niveaus wechseln.

Niveau Dein Schwerpunkt Mindestprodukt Analyse
G – grundlegend Du veränderst pro Szene vor allem einen Gestaltungsfaktor und machst dessen Wirkung sichtbar. Drei deutlich verschiedene Inszenierungen desselben Avatars. Zu jeder Szene vier kurze Sätze: Raum, Licht, Pose, Perspektive.
M – mittleres Niveau Du kombinierst zwei bis drei Gestaltungsfaktoren bewusst und entwickelst eine kleine Bildgeschichte. Vier Inszenierungen in unterschiedlichen Räumen, davon mindestens eine mit ungewöhnlicher Perspektive. Zu jeder Szene beschreibst Du Wirkung und nennst mindestens eine gestalterische Entscheidung.
E – erweitertes Niveau Du steuerst Raum, Licht, Pose und Perspektive als zusammenhängendes Bildkonzept und arbeitest mit Kontrasten oder Zitaten aus Kunstwerken. Fünf Inszenierungen als Bildserie mit erkennbarem Zusammenhang. Du vergleichst Szenen, begründest Entscheidungen und erklärst, wie einzelne Mittel die Bildaussage verändern.


Der Avatar als Kunstfigur


Was macht aus einer Figur eine Kunstfigur?

Eine Figur wird zur Kunstfigur, wenn Du sie nicht zufällig, sondern mit einer Idee gestaltest. Dazu können Form, Kleidung, Farben, Accessoires, Gesichtsausdruck, Haltung und Umgebung gehören. Eine Kunstfigur muss nicht realistisch sein. Sie kann geheimnisvoll, witzig, übertrieben, futuristisch, still, stark, verletzlich oder völlig erfunden wirken.

Ein gutes Avatar-Konzept beantwortet vier Fragen: Wer ist die Figur? Was will sie? Wo befindet sie sich? Wie soll sie auf Betrachtende wirken?

Der Vergleich von realem Gesicht und virtueller Figur zeigt: Ein Avatar kann Merkmale übernehmen, verändern oder stark vereinfachen. In Deinem Projekt musst Du Dich nicht selbst darstellen. Ein selbst erfundener Avatar schützt außerdem Deine Privatsphäre und gibt Dir mehr Freiheit beim Experimentieren.


Avatar-Steckbrief

Entwirf vor der ersten Aufnahme einen kurzen Steckbrief. Notiere Name der Kunstfigur, drei typische Merkmale, eine besondere Fähigkeit, eine Schwäche, eine Lieblingsumgebung und eine Farbe, die zur Figur passt. Zeichne danach eine Vorderansicht und eine Seitenansicht. Überlege, welche Merkmale auch aus großer Entfernung gut erkennbar bleiben.

Für die praktische Arbeit eignet sich ein Avatar aus Papier, Karton, Knete, Bausteinen, einer Zeichen-App oder einer geeigneten schulischen 3D- oder Avatar-Anwendung. Wichtig ist, dass derselbe Avatar in mehreren Szenen wiedererkennbar bleibt.


Raum: Wo befindet sich Dein Avatar?

Ein Raum ist mehr als ein Hintergrund. Er kann eine Figur groß, klein, sicher, verloren, frei, eingesperrt, mächtig oder geheimnisvoll erscheinen lassen. In einem Bild kannst Du Raum zum Beispiel durch Überdeckung, Größenunterschiede, Höhenlage, Fluchtlinien, Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund oder durch Licht und Schatten sichtbar machen.

Diese virtuelle Umgebung stammt aus einem Kunst- und Medienkontext. Untersuche: Wo steht der Avatar? Welche Linien führen den Blick? Welche Bereiche wirken nah, welche fern? Welche Handlung könnte gleich passieren?

Virtuelle Räume können wie Bühnen funktionieren. Auch dort entscheidest Du über Standort, Blickrichtung, Abstand und Bildausschnitt.


Raumlabor: Drei Arten von Umgebung

Realer Raum: Inszeniere Deinen Avatar auf einem Tisch, im Schulhof, in einem Regal oder vor einer Wand. Nutze vorhandene Linien, Ecken, Schatten und Größenverhältnisse.

Gebauter Miniaturraum: Baue aus Karton, Papier, Stoff, Naturmaterialien oder Verpackungen eine kleine Bühne. Durch kleine Requisiten kann ein eigener Maßstab entstehen.

Virtueller oder digitaler Raum: Setze die Figur in eine digital gestaltete Umgebung oder fotografiere Deinen Avatar vor einem selbst gemalten Hintergrund. Wichtig ist nicht perfekte Technik, sondern eine erkennbare Bildidee.


Raum-Experiment: Nah, weit, riesig, winzig

Fotografiere denselben Avatar zweimal. Im ersten Bild soll er den Raum beherrschen, im zweiten soll er im Raum fast verschwinden. Verändere dafür Abstand, Position, Bildausschnitt und Größenverhältnisse. Vergleiche anschließend: Welches Bild wirkt mächtiger? Welches einsamer? Welche Entscheidung hat diesen Unterschied erzeugt?


Licht: Stimmung sichtbar machen

Licht macht Formen sichtbar und erzeugt Schatten. Die Richtung und Qualität des Lichts beeinflussen die Wirkung einer Szene. Frontlicht beleuchtet die Figur von vorn und lässt Formen oft klar erscheinen. Seitenlicht betont Formen und Oberflächen, weil eine Seite heller und die andere dunkler wird. Gegenlicht kommt von hinten und kann Konturen oder Silhouetten hervorheben. Hartes Licht erzeugt deutliche Schattenkanten, weiches Licht sanftere Übergänge.

Beobachte, wie stark eine seitliche Lichtquelle Gesicht und Form modelliert. Für Deinen Avatar kannst Du mit einer Schreibtischlampe oder Taschenlampe experimentieren. Richte niemals sehr starke Lampen direkt in Augen und achte auf sichere Abstände zu heißen Leuchtmitteln.

Die Skizze macht deutlich: Schon die Position einer Lichtquelle verändert Schatten und Bildwirkung.

Das Video zeigt eine einfache Drei-Punkt-Beleuchtung. Für Klasse 6 reicht oft schon eine bewegliche Lichtquelle plus Raumlicht. Entscheidend ist, dass Du die Veränderung bewusst beobachtest.


Kunstwerk-Detektiv: Licht und Blick

Betrachte Johannes Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring aus dem 17. Jahrhundert. Untersuche nicht nur die dargestellte Person, sondern vor allem die Inszenierung: dunkler Hintergrund, sichtbare Hell-Dunkel-Unterschiede, gedrehter Kopf, Blick zum Betrachter. Übertrage anschließend ein Prinzip auf Deinen Avatar, ohne das Kunstwerk einfach zu kopieren.


Pose: Eine Haltung erzählt

Eine Pose ist eine bewusst gewählte Körperhaltung. Schon kleine Veränderungen können eine Figur anders wirken lassen. Ein aufrechter Körper kann wach oder selbstbewusst wirken. Ein zusammengesunkener Körper kann Müdigkeit, Traurigkeit oder Unsicherheit andeuten. Ausgestreckte Arme können Offenheit, Bewegung oder Abwehr zeigen – abhängig vom Zusammenhang.

Achte auf drei Bereiche: Körperachse, Arme und Hände sowie Blickrichtung. Bei einer gezeichneten oder unbeweglichen Figur kannst Du die Wirkung durch Neigung, Drehung und Position im Bild verändern.


Posenstudio ohne Gesichtsausdruck

Stelle Deinen Avatar dreimal so auf, dass allein durch Haltung eine andere Stimmung entsteht: mutig, vorsichtig, überrascht. Verwende möglichst denselben Hintergrund und dasselbe Licht. So kannst Du besser erkennen, was nur die Pose verändert.

G: Nutze drei klar unterschiedliche Haltungen.

M: Ergänze Blickrichtung und Abstand zur Kamera.

E: Entwickle eine Folge aus drei Posen, die wie Anfang, Wendepunkt und Ende einer Mini-Geschichte funktioniert.


Perspektive: Von wo schaut die Kamera?

Die Kameraperspektive ist der Standort der Kamera im Verhältnis zum Motiv. Bei einer Normalperspektive befindet sich die Kamera ungefähr auf Augenhöhe der Figur. Bei einer Aufsicht schaut sie von oben, bei der Vogelperspektive deutlich von oben. Bei der Untersicht schaut die Kamera von unten nach oben. Perspektive ist nicht dasselbe wie der Bildausschnitt.

Beobachte im Video besonders Augenhöhe, Untersicht und Aufsicht. Frage Dich immer: Wie verändert der Kamerastandpunkt die Wirkung?


Erzwungene Perspektive: Der Raum trickst das Auge aus

Bei einer erzwungenen Perspektive werden Abstände und Größen so angeordnet, dass etwas größer, kleiner, näher oder weiter entfernt erscheint, als es tatsächlich ist.

Der Ames-Raum zeigt besonders deutlich, wie stark unsere Wahrnehmung von Raumannahmen abhängt.

Probiere eine einfache Version: Stelle Deinen Avatar sehr nah an die Kamera und einen Gegenstand weit nach hinten. Verschiebe beide so lange, bis sie im Bild scheinbar miteinander interagieren. Wichtig: Arbeite sicher auf ebenem Boden und klettere für Perspektivtricks nicht auf Möbel.


Kunstwerke als Ideenlabor

Künstlerinnen und Künstler planen seit Jahrhunderten, wie Figuren in Räumen erscheinen. Du kannst Kunstwerke deshalb als Ideenlabor nutzen: nicht zum Kopieren, sondern zum Untersuchen von Blickführung, Licht, Raum und Inszenierung.

In Diego Velázquez' Las Meninas werden Figuren, Raumtiefe, Blickrichtungen, Spiegelung und Licht zu einer komplexen Szene verbunden. Suche drei Blickrichtungen im Bild. Wo befindet sich die hellste Zone? Welche Figur steht im Zentrum der Aufmerksamkeit? Wo könnte die betrachtende Person stehen?


Transferaufgabe Kunstzitat

Wähle aus einem Kunstwerk ein Gestaltungsmittel: dunkler Hintergrund, seitlicher Blick, starke Raumtiefe, Spiegelung, besondere Lichtkante oder ungewöhnliche Platzierung. Übertrage dieses Mittel auf eine Avatar-Szene. Schreibe darunter: „Ich übernehme das Prinzip ... , aber verändere ...“

G: Übertrage ein klar erkennbares Mittel.

M: Kombiniere zwei Mittel.

E: Kombiniere zwei Mittel und verändere ihre ursprüngliche Wirkung bewusst, zum Beispiel von feierlich zu komisch oder von ruhig zu bedrohlich.


Das große Projekt: Ein Avatar in mehreren Welten

Du erstellst eine Bildserie. Der Avatar bleibt wiedererkennbar, aber die Umgebung verändert sich. Jede Szene soll eine andere Wirkung erzeugen.

Szene Raum Licht Pose Perspektive Mögliche Wirkung
1: Ruhiger Ausgangspunkt neutraler Hintergrund oder einfache Fläche weich und gleichmäßig ruhig, frontal oder leicht gedreht Augenhöhe sachlich, offen, beobachtend
2: Der Avatar wird mächtig tiefer Raum oder große Architektur Seitenlicht oder Licht von unten aufgerichtet, breit Untersicht stark, monumental, vielleicht bedrohlich
3: Der Avatar wirkt klein viel Umgebung um die Figur schwächeres oder diffuses Licht geschlossen oder zurückhaltend Aufsicht einsam, vorsichtig, verloren
4: Unmögliche Welt Miniaturraum, Fototrick oder virtueller Raum passend zur Bildidee Interaktion mit einem Gegenstand erzwungene Perspektive oder extreme Ansicht überraschend, spielerisch, surreal
5: Kunstzitat Raum nach einem Kunstwerk-Prinzip bewusst gesetzter Hell-Dunkel-Kontrast inszenierte Blickrichtung passend zur Vorlage verändert künstlerisch, rätselhaft, erzählerisch

G: Bearbeite Szene 1 bis 3.

M: Bearbeite Szene 1 bis 4.

E: Bearbeite alle fünf Szenen und entwickle eine Reihenfolge, in der sich eine Geschichte oder Verwandlung erkennen lässt.


Arbeitsprozess

  1. Ideenskizze: Zeichne den Avatar und plane drei bis fünf kleine Bildfelder als Storyboard.
  2. Setbau: Baue oder wähle die Umgebungen. Prüfe Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
  3. Lichtprobe: Fotografiere dieselbe Szene mit Licht von vorn, von der Seite und von hinten.
  4. Posenprobe: Verändere nur die Haltung und notiere die Wirkung.
  5. Perspektivprobe: Fotografiere aus Augenhöhe, von oben und von unten.
  6. Auswahl: Wähle die stärksten Bilder aus und begründe Deine Entscheidung.
  7. Bildserie: Ordne die Bilder so, dass Zusammenhang, Kontrast oder Entwicklung erkennbar werden.
  8. Reflexion: Beschreibe, was Raum, Licht, Pose und Perspektive in Deiner Serie leisten.


Das RLPP-Analyseraster

Nutze für jede fertige Szene die vier Buchstaben R-L-P-P.

Bereich Leitfragen Satzstarter
R – Raum Wo steht der Avatar? Wie viel Umgebung ist sichtbar? Welche Linien, Größen und Ebenen erzeugen Tiefe? „Der Raum wirkt ..., weil ...“
L – Licht Woher kommt das Licht? Ist es hart oder weich? Wo liegen Schatten? Welche Stimmung entsteht? „Das Licht kommt von ... und bewirkt ...“
P – Pose Wie steht, sitzt oder bewegt sich der Avatar? Wohin zeigt oder blickt er? „Die Pose wirkt ..., weil ...“
P – Perspektive Wo befindet sich die Kamera? Auf Augenhöhe, oben oder unten? Wie verändert das die Figur? „Durch die ...perspektive erscheint der Avatar ...“

G: Fülle pro Szene je einen Satz zu R, L, P und P aus.

M: Ergänze pro Szene eine Begründung mit „weil“.

E: Vergleiche zwei Szenen direkt und erkläre, welcher Faktor die Wirkung am stärksten verändert.


Interaktive Szenen: Du führst Regie

Stell Dir vor, Dein Avatar heißt Nova. Nova betritt nacheinander vier Räume. Entscheide jeweils zuerst selbst, welche Gestaltungsmittel Du wählen würdest. Vergleiche danach mit Deinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Es gibt nicht immer nur eine richtige künstlerische Lösung – wichtig ist die Begründung.

Szene Aufgabe Deine Regiefrage
Tunnel Ein langer, enger Gang soll geheimnisvoll wirken. Welche Lichtposition und welche Perspektive verstärken Enge und Tiefe?
Riesenzimmer Nova soll plötzlich winzig wirken. Wie kannst Du Größenunterschiede und Aufsicht einsetzen?
Bühne Nova soll mutig und präsent wirken. Welche Pose, welches Seitenlicht und welcher Kamerastandpunkt helfen?
Virtueller Garten Nova soll wirken, als gehöre die Figur nicht ganz in diese Welt. Welche Farbkontraste, ungewöhnlichen Requisiten oder Perspektivtricks erzeugen Fremdheit?


Medienwerkstatt: Bild und Wirklichkeit prüfen

Ein Foto zeigt nicht einfach nur „die Wirklichkeit“. Schon vor dem Auslösen triffst Du Entscheidungen: Auswahl des Ortes, Anordnung der Gegenstände, Licht, Pose, Kamerastandpunkt und Bildausschnitt. In der inszenierten Fotografie wird diese Gestaltung besonders bewusst geplant. Deshalb ist es sinnvoll, Bilder nicht nur danach zu beurteilen, was sie zeigen, sondern auch danach, wie sie gemacht wurden.

Vergleiche zwei Aufnahmen desselben Avatars. Wenn nur die Perspektive verändert wurde, kannst Du die Wirkung der Perspektive genauer untersuchen. Wenn gleichzeitig Licht, Raum und Pose wechseln, entsteht zwar oft ein spannenderes Bild, aber die Ursache einer bestimmten Wirkung ist schwerer zu erkennen. Gute Experimente verändern deshalb manchmal bewusst nur eine Variable.


Sicher und respektvoll arbeiten

Verwende für das Projekt am besten eine selbst erfundene Figur. Wenn Menschen fotografiert werden, müssen sie damit einverstanden sein. Veröffentliche keine Bilder von Mitschülerinnen oder Mitschülern ohne die dafür notwendige Zustimmung. Verwende keine beleidigenden, diskriminierenden oder bloßstellenden Posen. Kunst darf ungewöhnlich sein, aber sie soll die Würde anderer respektieren.

Arbeite bei Lichtversuchen nur mit sicheren Lampen, verdecke keine heißen Leuchten mit Papier und stelle Kabel so auf, dass niemand stolpert. Für spektakuläre Perspektiven reicht fast immer ein veränderter Kamerastandpunkt – klettere nicht auf Tische, Fensterbänke oder andere unsichere Flächen.


Selbstcheck vor der Abgabe

Prüffrage G M E
Ist derselbe Avatar in mehreren Umgebungen erkennbar? mindestens 3 mindestens 4 mindestens 5
Sind Raum, Licht, Pose und Perspektive bewusst gestaltet? jeweils erkennbar kombiniert als Gesamtkonzept
Gibt es mindestens eine ungewöhnliche Perspektive? ja ja, begründet mehrere, gezielt kontrastiert
Wird die Wirkung beschrieben? kurze Fachsätze Fachsätze mit Begründung Vergleich und Deutung
Bildserie geordnet mit kleiner Entwicklung mit klarer Dramaturgie oder künstlerischem Konzept


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist in diesem aiMOOC mit Inszenierung gemeint? (Eine Szene bewusst mit gestalterischen Mitteln planen) (!Ein Bild zufällig ohne Vorbereitung aufnehmen) (!Nur den Avatar möglichst bunt machen) (!Eine fertige Aufnahme unverändert nachzeichnen)




Welche Aussage beschreibt Seitenlicht am besten? (Das Licht trifft die Figur überwiegend von einer Seite) (!Das Licht kommt nur direkt von hinten) (!Das Licht kommt ausschließlich von oben) (!Das Licht ist immer farbig)




Welche Kameraposition gehört zur Untersicht? (Die Kamera befindet sich unterhalb der Figur und blickt nach oben) (!Die Kamera steht genau senkrecht über der Figur) (!Die Kamera steht weit hinter einer Wand) (!Die Kamera zeigt nur den Hintergrund)




Wodurch kann räumliche Tiefe in einem Bild entstehen? (Durch Überdeckung und Größenunterschiede) (!Durch eine einzige gleich große Fläche ohne Staffelung) (!Durch das vollständige Entfernen aller Gegenstände) (!Durch identische Helligkeit in jedem Bildbereich)




Was gehört zur Pose eines Avatars? (Körperhaltung und Blickrichtung) (!Nur die Dateigröße des Fotos) (!Nur der Name der Kamera) (!Nur die Farbe des Hintergrundpapiers)




Was ist das Ziel einer erzwungenen Perspektive? (Größe oder Abstand im Bild scheinbar zu verändern) (!Alle Gegenstände exakt gleich groß zu machen) (!Nur Schwarzweißbilder zu erzeugen) (!Die Kamera automatisch scharfzustellen)




Wofür steht das erste R im RLPP-Raster? (Raum) (!Richtung) (!Rahmen) (!Retusche)




Warum ist es sinnvoll manchmal nur einen Gestaltungsfaktor zu verändern? (Man erkennt genauer welche Veränderung welche Wirkung verursacht) (!Man verhindert jede Bildwirkung) (!Man braucht dann keine Bildidee mehr) (!Man kann auf den Avatar verzichten)




Welche Aufgabe hat der Hintergrund einer Avatar-Szene? (Er kann Raumwirkung und Bildaussage mitgestalten) (!Er ist für die Wirkung grundsätzlich bedeutungslos) (!Er darf immer nur weiß sein) (!Er muss immer unscharf sein)




Was zeichnet eine gute Bildserie auf erweitertem Niveau besonders aus? (Raum Licht Pose und Perspektive bilden ein begründetes Gesamtkonzept) (!Jede Szene entsteht ohne Zusammenhang zur vorherigen) (!Alle Bilder müssen aus derselben Kameraposition entstehen) (!Die Analyse besteht nur aus einem Titel)





Memory

Untersicht Kamera blickt von unten nach oben
Aufsicht Kamera blickt von oben auf die Figur
Seitenlicht eine Seite der Figur wird stärker beleuchtet
Gegenlicht Lichtquelle befindet sich hinter dem Motiv
Pose bewusst gewählte Körperhaltung
Kulisse gestaltete Umgebung einer Szene
Vordergrund Bereich nahe an der Kamera
Bildserie mehrere zusammengehörige Bilder





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Froschperspektive Kamera deutlich unter dem Avatar
Vogelperspektive Kamera deutlich über dem Avatar
Seitenlicht Licht von links oder rechts
Gegenlicht Licht hinter dem Avatar
Miniaturraum Gebaute kleine Umgebung
Erzwungene Perspektive Größenwirkung durch Abstand und Kamerastandpunkt verändern






Kreuzworträtsel

Avatar Wie heißt eine künstliche oder gestaltete Figur, die in einer virtuellen oder künstlerischen Szene auftreten kann?
Seitenlicht Wie heißt Licht, das überwiegend von links oder rechts auf das Motiv fällt?
Perspektive Wie heißt der Blickwinkel, aus dem die Kamera eine Figur zeigt?
Kulisse Wie nennt man eine gestaltete Umgebung oder einen Bühnenhintergrund?
Pose Wie heißt eine bewusst gewählte Körperhaltung?
Schatten Wie heißt ein dunkler Bereich, der entsteht, wenn Licht teilweise verdeckt wird?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein

kann als gestaltete Kunstfigur in unterschiedlichen Umgebungen auftreten.
Die bewusste Planung einer Szene nennt man

.
Der Bereich nahe an der Kamera wird als

bezeichnet.
Licht von der Seite kann Formen durch deutliche Hell-Dunkel-Unterschiede

.
Eine bewusst gewählte Körperhaltung heißt

.
Bei einer Aufnahme von unten nach oben spricht man von einer

.
Eine Aufnahme von deutlich oben kann als

wirken.
Bei erzwungener Perspektive werden Abstände genutzt, um scheinbare

zu erzeugen.
Im RLPP-Raster steht das L für

.
Mehrere zusammenhängende Aufnahmen bilden eine

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Avatar-Steckbrief: Erfinde einen Avatar und zeichne ihn von vorn. Markiere drei Merkmale, die ihn wiedererkennbar machen.
  2. Posenreihe: Stelle denselben Avatar in drei Posen dar: mutig, vorsichtig und überrascht. Fotografiere oder zeichne die drei Varianten.
  3. Lichttest: Fotografiere Deinen Avatar mit Licht von vorn, von der Seite und von hinten. Schreibe zu jedem Bild einen Wirkungssatz.
  4. Perspektivwechsel: Fotografiere den Avatar aus Augenhöhe, von oben und von unten. Ordne die Bilder nach ihrer Wirkung von „klein“ bis „mächtig“.


Standard

  1. Miniaturbühne: Baue aus Karton und Fundmaterial eine kleine Umgebung, in der Dein Avatar eine erkennbare Handlung ausführt.
  2. Raumkontrast: Inszeniere dieselbe Figur einmal in einem engen und einmal in einem weiten Raum. Vergleiche die Wirkung mit dem RLPP-Raster.
  3. Perspektivtrick: Entwickle eine sichere Aufnahme mit erzwungener Perspektive, in der Dein Avatar scheinbar mit einem viel größeren Gegenstand interagiert.
  4. Virtuelle Szene: Entwirf eine digitale oder gemalte Umgebung für Deinen Avatar und passe Pose und Lichtwirkung so an, dass Figur und Raum zusammengehören.


Schwer

  1. Kunstzitat: Wähle ein Gestaltungsmittel aus einem historischen Kunstwerk und übertrage es auf eine neue Avatar-Szene. Erkläre, was Du übernommen und was Du verändert hast.
  2. Bilddramaturgie: Entwickle fünf Avatar-Szenen, die eine Verwandlung erzählen. Plane bewusst den Wechsel von Raum, Licht, Pose und Perspektive.
  3. Regieexperiment: Erstelle zwei fast gleiche Szenen, in denen nur ein Faktor verändert wird. Führe mit Mitschülerinnen und Mitschülern eine kleine Wirkungsbefragung durch und werte sie aus.
  4. Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Klassen-Ausstellung mit Bildreihenfolge, Titeln, kurzen Analysen und einer Station, an der Besuchende selbst eine Perspektive oder Lichtwirkung ausprobieren können.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkungsvergleich: Du erhältst zwei Bilder desselben Avatars. Erkläre, welche Unterschiede in Raum, Licht, Pose und Perspektive Du erkennst und welche Wirkung daraus entsteht.
  2. Regieentscheidung: Ein Avatar soll gleichzeitig klein und mutig wirken. Entwickle eine Lösung für Raum, Pose und Kameraperspektive und begründe mögliche Spannungen zwischen den Mitteln.
  3. Lichttransfer: Übertrage die Lichtwirkung eines ausgewählten Gemäldes auf eine gebaute Avatar-Szene. Beschreibe, welche Mittel sich übertragen lassen und welche verändert werden müssen.
  4. Perspektivplanung: Entwirf ein Storyboard für drei Aufnahmen, in denen derselbe Avatar zuerst neutral, dann mächtig und schließlich verletzlich wirkt. Begründe jede Kameraposition.
  5. Bildserie analysieren: Prüfe eine Avatar-Serie darauf, ob die Bilder nur verschieden aussehen oder ob sie zusammen eine Aussage entwickeln. Nenne mindestens drei Kriterien für einen Zusammenhang.
  6. Medienreflexion: Erkläre an einem eigenen Beispiel, warum ein inszeniertes Foto keine neutrale Wiedergabe der Wirklichkeit ist, obwohl eine Kamera verwendet wurde.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Kunstfigur: Ein selbst gestalteter Avatar mit wiedererkennbaren Merkmalen.
  2. Bildserie: Mindestens drei, vier oder fünf Szenen entsprechend dem gewählten G-, M- oder E-Niveau.
  3. Raumgestaltung: Sichtbar unterschiedliche Umgebungen oder Raumwirkungen.
  4. Lichtgestaltung: Mindestens zwei bewusst eingesetzte Lichtwirkungen.
  5. Pose: Körperhaltung oder Blickrichtung unterstützt die Aussage jeder Szene.
  6. Kameraperspektive: Mindestens eine deutlich erkennbare Aufsicht oder Untersicht; auf M und E zusätzlich begründet eingesetzt.
  7. Analyse: Zu jeder Szene eine RLPP-Auswertung mit Raum, Licht, Pose und Perspektive.
  8. Reflexion: Ein Vergleich, der erklärt, welche gestalterische Entscheidung die Wirkung am stärksten verändert hat.
  9. Prozessdokumentation: Skizzen, Proben oder Kontaktabzüge zeigen, dass Du Varianten ausprobiert und ausgewählt hast.
  10. Bildethik: Respektvoller Umgang mit dargestellten Personen, Urheberrecht und Privatsphäre.




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