BK5 - Kunstgeschichte entdecken

BK5 - Kunstgeschichte entdecken
BK5 - Kunstgeschichte entdecken
Einleitung
Kunstgeschichte ist eine Entdeckungsreise durch Bilder, Gebäude, Gegenstände und Ideen. Du lernst dabei nicht einfach eine lange Liste von Jahreszahlen auswendig. Viel wichtiger ist, dass Du Kunstwerke genau ansiehst, Spuren erkennst und begründet herausfindest, wann, wo und wozu etwas entstanden sein könnte.
Kunstgeschichte fragt zum Beispiel: Was sehe ich? Aus welchem Material besteht das Werk? Wie wurde es hergestellt? Wo entstand es? In welcher Zeit gehört es? Wer konnte es sehen oder benutzen? Welche Aufgabe hatte es damals? Hat sich seine Bedeutung später verändert?
Die Kunstgeschichte untersucht also nicht nur berühmte Gemälde. Zu ihr gehören auch Architektur, Skulptur, Mosaik, Buchmalerei, Keramik, Design, Fotografie, Medienkunst und viele andere gestaltete Dinge. Für diesen aiMOOC betrachten wir ausgewählte Beispiele aus verschiedenen Zeiten und Regionen. Sie bilden keine vollständige Weltkunstgeschichte. Sie sind vielmehr Übungsstationen, an denen Du kunsthistorisches Denken trainierst.
Wichtig: Begriffe wie „Antike“, „Mittelalter“ oder „Renaissance“ helfen beim Ordnen, gelten aber nicht überall auf der Welt auf dieselbe Weise. Verschiedene Kulturen entwickeln sich gleichzeitig und auf unterschiedliche Weise. Deshalb gehört zur Kunstgeschichte immer auch die Frage: Von welchem Ort und von welcher Kultur sprechen wir gerade?
Deine drei Kunstgeschichte-Achsen: Zeit – Raum – Funktion
| Achse | Leitfrage | Was Du untersuchst |
|---|---|---|
| Zeit | Wann könnte das Werk entstanden sein? | Material, Technik, Stil, historische Vergleichsbeispiele, Datierung und Zeitfenster |
| Raum | Wo entstand oder wirkte das Werk? | Herstellungsort, Fundort, Landschaft, Stadt, Kulturraum, heutiger Aufbewahrungsort |
| Funktion | Wozu wurde das Werk geschaffen oder benutzt? | Religion, Erinnerung, Schmuck, Repräsentation, Alltag, Ritual, Erzählung, politischer Ausdruck, Experiment |
Ein Kunstwerk kann im Lauf der Geschichte seine Funktion verändern. Ein römisches Fußbodenmosaik war beispielsweise Teil eines Hauses. Heute kann dasselbe Mosaik als Museumsobjekt erforscht und betrachtet werden. Kunstgeschichte untersucht deshalb auch den Weg eines Werkes und seine spätere Wahrnehmung.
Der Kunstgeschichte-Kompass
Wenn Du ein unbekanntes Kunstwerk untersuchst, helfen Dir sechs Fragen:
- Was sehe ich?: Beschreibe zuerst Formen, Farben, Figuren, Gegenstände und den Bildaufbau, ohne sofort zu deuten.
- Woraus und wie?: Achte auf Stein, Holz, Farbe, Metall, Ton, Papier, Mosaiksteine oder digitale Technik.
- Wann?: Suche nach Spuren, die ein Zeitfenster wahrscheinlich machen.
- Wo?: Ordne das Werk einem Ort oder Kulturraum zu und unterscheide Herstellungsort, Fundort und heutigen Museumsort.
- Wozu und für wen?: Frage, wer das Werk benutzte, betrachtete oder in Auftrag gab.
- Was ist sicher – und was nur eine Vermutung?: Gute Kunstgeschichte unterscheidet Beobachtung, Wissen und begründete Deutung.
G/M/E – so kannst Du arbeiten
| Niveau | Dein Ziel | Typische Leistung |
|---|---|---|
| G – Grundniveau | Erkennen und zuordnen | Du beschreibst auffällige Merkmale und ordnest ein Werk mit Hilfen einem groben Zeitfenster, Raum und einer möglichen Funktion zu. |
| M – Mittleres Niveau | Begründen und vergleichen | Du verwendest mehrere sichtbare Hinweise und erklärst, warum Deine zeitliche, räumliche und funktionale Zuordnung plausibel ist. |
| E – Erweitertes Niveau | Prüfen und abwägen | Du vergleichst verschiedene Deutungen, erkennst Unsicherheiten, beziehst Kontext ein und kannst erklären, warum einfache Epochenschubladen manchmal nicht ausreichen. |
Zeit sehen statt Jahreszahlen pauken
Eine Zeitleiste ist ein Orientierungswerkzeug. Sie soll Dir helfen, Abstände und Gleichzeitigkeit zu erkennen. Sie ist kein Werturteil darüber, welche Kunst „besser“ oder „weiter entwickelt“ sei.
| Zeitfenster | Beispiel in diesem aiMOOC | Denkfrage |
|---|---|---|
| Vor- und Frühgeschichte | Höhlenbilder von Lascaux | Welche Spuren bleiben, wenn es keine schriftliche Erklärung gibt? |
| ca. 2. Jahrtausend v. Chr. | Nofretete in Ägypten und ein chinesisches Ritualgefäß | Welche Rolle spielen Herrschaft, Religion und Ritual? |
| ca. 6.–1. Jahrhundert v. Chr. | Griechische Vase und römisches Mosaik | Wie verbinden sich Gebrauch, Erzählung und Schmuck? |
| ca. 800–1500 in Europa | Book of Kells und gotische Kathedralen | Wie prägen Religion, Handwerk und Gemeinschaft Kunst? |
| ca. 1400–1600 in Europa | Renaissance und Mona Lisa | Wie verändert sich die Darstellung von Menschen und Räumen? |
| 19. Jahrhundert | Impressionismus | Was passiert, wenn Licht und Augenblick wichtiger werden? |
| 20. Jahrhundert | Abstrakte Kunst | Muss Kunst etwas Erkennbares darstellen? |
Merksatz: Ein einzelnes Jahr kann hilfreich sein. Für das Verstehen ist aber oft wichtiger, welches Zeitfenster, welcher Ort und welche Aufgabe zu einem Kunstwerk gehören.
Interaktive Zeitreisen
Diese Angebote eignen sich zum Erkunden, Vergleichen und Springen zwischen Zeiten. Öffne sie möglichst gemeinsam mit einer Lehrkraft oder in einem schulisch freigegebenen Browser.
- Google Arts & Culture – Erkunden nach Zeit: Du kannst Kunst und Kultur von frühen Objekten bis zur Gegenwart durchstöbern.
- Heilbrunn Timeline of Art History des Metropolitan Museum: Kunstgeschichte wird zeitlich, räumlich und thematisch miteinander verbunden.
- Google Arts & Culture – Spiele: Beim Spiel „What Came First?“ trainierst Du zeitliche Reihenfolgen, ohne nur Jahreszahlen abzufragen.
Raum sehen: Kunst hat Orte
Kunstwerke entstehen nicht „irgendwo“. Materialien, Handelswege, Religionen, Landschaften, politische Macht und Werkstätten hängen mit Orten zusammen. Auf einer Karte kannst Du deshalb wichtige Fragen stellen: Liegt der Ort an einem Fluss? An einer Handelsroute? In einer großen Stadt? In einem religiösen Zentrum? Wurde das Werk dort gefunden, wo es hergestellt wurde?

Kartenauftrag G: Finde Frankreich, Ägypten, Griechenland, Italien, Irland, China und Deutschland.
Kartenauftrag M: Markiere auf einer eigenen Kopie oder Skizze die Orte Lascaux, Berlin, Athen, Pompeji, Dublin, Paris und Florenz. Verbinde jeweils ein Kunstwerk mit seinem Ort.
Kartenauftrag E: Unterscheide für zwei Werke Herstellungsort, Fundort und heutigen Aufbewahrungsort. Erkläre, warum diese drei Orte nicht gleich sein müssen.

Kunstgeschichtliche Entdeckungsstationen
Station 1: Höhlenbilder – Spuren ohne schriftliche Erklärung
Die Höhle von Lascaux in Frankreich enthält berühmte Tierdarstellungen aus dem Jungpaläolithikum. Die Malereien sind viele Jahrtausende alt. Forschende können Materialien, Überlagerungen, archäologische Funde und Vergleichsorte untersuchen. Trotzdem ist nicht jede Frage sicher beantwortbar.

Beobachtung: Du kannst Tiere, Farben, Linien, Größenverhältnisse und die Position der Bilder beschreiben.
Vorsicht bei der Deutung: Niemand aus der Entstehungszeit hat uns einen erklärenden Text hinterlassen. Aussagen über Jagdmagie, Rituale oder Geschichten sind deshalb Deutungen, die mit Belegen geprüft werden müssen.
G: Nenne drei sichtbare Merkmale.
M: Erkläre, welche Merkmale für eine sehr alte Bildherstellung sprechen könnten.
E: Formuliere eine Beobachtung, eine gesicherte Information und eine Vermutung als drei deutlich getrennte Sätze.
Station 2: Ägypten – Porträt, Herrschaft und Werkstatt
Die berühmte Büste der Nofretete stammt aus dem alten Ägypten und wird heute im Neuen Museum in Berlin gezeigt. Sie wurde in Amarna in einem Werkstattzusammenhang gefunden. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass ein Kunstwerk mehrere Geschichten besitzt: die Geschichte seiner Herstellung, die Geschichte seines Fundes und die Geschichte seiner heutigen Präsentation.

Zeit: 14. Jahrhundert v. Chr.
Raum: Altes Ägypten; Fundzusammenhang in Amarna; heute Berlin.
Funktion: Die genaue ursprüngliche Funktion der Büste wird wissenschaftlich untersucht. Deshalb ist es besser, nicht so zu tun, als wäre jede Frage endgültig geklärt.
G: Beschreibe Gesicht, Kopfbedeckung, Farben und Symmetrie.
M: Erkläre, wie Darstellung und Herrschaft miteinander verbunden sein könnten.
E: Unterscheide zwischen „Das sehe ich“, „Das weiß man aus Forschung“ und „Das wäre eine mögliche Deutung“.
Station 3: China – Kunstobjekt, Ritual und 3D-Modell
Kunstgeschichte darf nicht so erzählt werden, als gäbe es nur eine einzige Linie von Griechenland über Rom bis Europa. Zur gleichen Zeit entstanden in vielen Regionen der Welt hochentwickelte Bild- und Objektkulturen.
Ein Beispiel ist ein chinesisches bronzenes Ritualgefäß vom Typ fangyi aus der frühen westlichen Zhou-Zeit. Das erhaltene Gefäß besitzt Tiermotive und eine lange Inschrift. Seine Form, sein Material und sein archäologischer sowie schriftlicher Kontext helfen bei der Bestimmung seiner zeremoniellen Funktion.
Interaktives 3D-Modell – Smithsonian Open Access: Ritual wine container – frei drehbares 3D-Modell
Das Smithsonian kennzeichnet dieses 3D-Modell als CC0 / Public Domain. Du kannst es drehen und Details aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen.
G: Drehe das Modell und finde drei Tier- oder Ornamentformen.
M: Erkläre, warum ein 3D-Modell für ein Gefäß mehr Informationen liefern kann als nur ein Foto von vorne.
E: Untersuche, welche Hinweise Material, Form, Inschrift und Fundzusammenhang gemeinsam zur Funktion liefern.
Weiteres 3D-Beispiel: Kosmologischer Buddha – Smithsonian 3D
Station 4: Griechische Keramik – Bild und Gebrauchsgegenstand zugleich
Eine griechische Vase ist nicht nur ein „Bildträger“. Sie ist ein räumlicher Gegenstand mit Öffnung, Henkel, Bauch und Standfläche. Form und Bild können zusammenwirken.
Die berühmte schwarzfigurige Amphora des Exekias zeigt Achilles und Ajax beim Spiel. Sie entstand ungefähr im 6. Jahrhundert v. Chr. in Attika. Die Figuren sind mit feinen Ritzlinien und klaren Silhouetten gestaltet.

G: Finde die beiden Figuren, ihre Waffen und das Spiel in der Mitte.
M: Erkläre, wie die gebogenen Körper der Figuren zur Form der Amphora passen.
E: Begründe, warum man bei Keramik sowohl die Bildgeschichte als auch die Gefäßform untersuchen muss.
Station 5: Römisches Mosaik – Kunst am Boden
Das sogenannte Alexandermosaik wurde in Pompeji im Haus des Fauns gefunden. Es zeigt eine dramatische Schlachtszene und war Teil eines aufwendig ausgestatteten Wohnhauses.

Zeit: ungefähr späthellenistische beziehungsweise römische Antike; das erhaltene Mosaik wird meist um das 2.–1. Jahrhundert v. Chr. eingeordnet.
Raum: Pompeji in Italien; heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel.
Funktion: Das Mosaik war Bestandteil eines Fußbodens und zugleich repräsentative Bildausstattung eines wohlhabenden Hauses.
G: Suche Blickrichtungen, Pferde, Waffen und Bewegungen.
M: Erkläre, wie Diagonalen und Blickrichtungen Spannung erzeugen.
E: Vergleiche die frühere Funktion als Bodenausstattung mit der heutigen Funktion als Museumsobjekt.
Station 6: Mittelalter – Bücher als kostbare Bildräume
Das Book of Kells entstand ungefähr um das Jahr 800 im Umfeld irisch-schottischer Klosterkultur. Es enthält die vier Evangelien und ist außergewöhnlich reich mit Schrift, Flechtwerk, Tierformen und Ornamenten gestaltet.

Hier siehst Du eine sogenannte Chi-Rho-Seite. Buchstaben werden so stark gestaltet, dass Schrift und Bild beinahe ineinander übergehen.
G: Suche Spiralen, Flechtmuster, Tiere und große Buchstabenformen.
M: Erkläre, warum ein handgeschriebenes und reich verziertes Buch kostbar war.
E: Untersuche, wie religiöse Funktion, Materialaufwand und Bildgestaltung zusammenhängen.
Hörfenster: Klang als historischer Kontext
Kunstwerke wurden oft in Räumen erlebt, in denen auch gesprochen, gesungen oder musiziert wurde. Ein Klangstück beweist nicht automatisch, wie ein bestimmtes Bild „gemeint“ war. Es kann Dir aber helfen, über den historischen Erfahrungsraum nachzudenken.
Die Aufnahme auf Wikimedia Commons gibt ein mittelalterliches Lied wieder. Höre kurz hinein und frage Dich: Wie verändert Klang Deine Vorstellung von einem historischen Raum? Welche Eindrücke stammen aus dem Kunstwerk selbst – und welche fügt der Klang hinzu?
Station 7: Gotische Architektur – Kunst ist begehbarer Raum
Kunstgeschichte beschäftigt sich auch mit Gebäuden. Eine Kathedrale kann Bild, Raum, Technik, Religion, Politik und Stadtgeschichte zugleich sein.

Bei Notre-Dame de Paris kannst Du Fassade, Portale, Türme, Skulpturenschmuck und die Wirkung der Höhe untersuchen.
G: Finde wiederholte Formen und symmetrische Bereiche.
M: Erkläre, wie Größe, Höhe und Eingangsgestaltung auf Besucherinnen und Besucher wirken können.
E: Unterscheide die religiöse Funktion, die städtische Bedeutung und die heutige Rolle als Kulturerbe.
Virtuelles Museum: 360° und 3D
Mit virtuellen Rundgängen kannst Du räumliche Zusammenhänge untersuchen, die auf einem einzelnen Foto kaum sichtbar werden.
- Staatliche Museen zu Berlin – 360°- und 3D-Angebote: darunter virtuelle Ausstellungen, 360°-Rundgänge und 3D-Projekte.
- Louvre – Online Tours: virtuelle Rundgänge durch Museumsräume und thematische Ausstellungen.
- Google Arts & Culture – Virtual Reality Tours: virtuelle Kulturorte und Museumsräume.
Raumauftrag G: Suche einen Eingang, einen großen Ausstellungsraum und ein einzelnes Objekt.
Raumauftrag M: Zeichne aus dem Gedächtnis einen einfachen Grundriss Deines virtuellen Weges.
Raumauftrag E: Vergleiche, welche Informationen ein 360°-Rundgang, ein 3D-Modell und ein hochauflösendes Foto jeweils besonders gut vermitteln.
Station 8: Renaissance – Porträt und neue Bildräume
Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Gemälde verbindet ein Porträt mit einer weiten Landschaft. Besonders bekannt sind die feinen Übergänge zwischen Licht und Schatten und die ruhige, räumlich wirkende Anordnung.

G: Beschreibe Haltung, Hände, Gesicht und Landschaft.
M: Untersuche Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
E: Erkläre, warum ein Porträt gleichzeitig Informationen über eine Person, ein künstlerisches Ideal und die Möglichkeiten der Maltechnik geben kann.
Virtuelle Vertiefung: Louvre – virtuelle Rundgänge
Station 9: Impressionismus – der Eindruck eines Augenblicks
Claude Monets Gemälde Impression, Sonnenaufgang von 1872 gab dem Impressionismus später seinen Namen. Die Malerei richtet besondere Aufmerksamkeit auf Licht, Atmosphäre, Farbe und den Eindruck eines flüchtigen Moments.

G: Welche Farben fallen Dir zuerst auf?
M: Beschreibe, welche Bildbereiche klar und welche nur angedeutet wirken.
E: Erkläre, warum eine scheinbar „unfertige“ Malweise eine bewusste künstlerische Entscheidung sein kann.
Das erste Video ist ausdrücklich als Kunstgeschichte für Kinder gestaltet. Der Film des Städel Museums eignet sich besonders zur Vertiefung oder für E-Aufgaben.
Station 10: Abstraktion – wenn Farbe und Form selbst wichtig werden
In der abstrakten Kunst muss ein Bild nicht unbedingt einen erkennbaren Gegenstand darstellen. Linien, Farben, Flächen, Rhythmus und Spannung können selbst zum Thema werden.

Bei Wassily Kandinsky kannst Du untersuchen, wie Formen miteinander „sprechen“, ohne dass sie wie eine naturgetreue Landschaft oder ein Porträt aussehen müssen.
G: Nenne drei Formen und drei Farben.
M: Beschreibe, welche Bereiche ruhig und welche bewegt wirken.
E: Erkläre, wie ein abstraktes Werk trotzdem zeitlich und kulturell eingeordnet werden kann.
Interaktives Klang-Bild-Experiment: Play a Kandinsky – Google Arts & Culture und Centre Pompidou
Das Experiment verbindet Kandinskys Überlegungen zu Farbe und Klang mit einer heutigen digitalen Interpretation. Es ist deshalb zugleich ein gutes Beispiel dafür, dass die heutige Vermittlung eines historischen Kunstwerks nicht mit seiner ursprünglichen Entstehung verwechselt werden darf.
Kunstwerke einordnen: die Beweisleiter
Beim Einordnen solltest Du nicht raten, sondern Hinweise sammeln. Du kannst Dir eine Beweisleiter vorstellen:
| Stufe | Beispiel |
|---|---|
| 1 Beobachten | „Ich sehe viele kleine farbige Steinchen.“ |
| 2 Fachbegriff verwenden | „Die Technik ist ein Mosaik.“ |
| 3 Vergleich herstellen | „Die Technik und die Fundgeschichte passen zu römischer Ausstattung.“ |
| 4 Kontext ergänzen | „Das Werk lag in einem großen Haus in Pompeji.“ |
| 5 Schluss begründen | „Darum ist eine Funktion als repräsentative Bodenausstattung plausibel.“ |
| 6 Unsicherheit benennen | „Nicht jede Einzelheit der Bildbedeutung lässt sich sicher beweisen.“ |
Typische Fehler beim Einordnen
- Stil als Schublade: Ein einziges Merkmal reicht selten für eine sichere Datierung.
- Fundort und Herstellungsort: Ein Werk kann weit gereist sein.
- Heutige Funktion: Ein Museumsobjekt hatte früher oft eine andere Aufgabe.
- Berühmtheit: Ein berühmtes Werk ist nicht automatisch typisch für seine ganze Zeit.
- Europa als Maßstab: Europäische Epochenbegriffe lassen sich nicht einfach auf alle Weltregionen übertragen.
- Vermutung als Tatsache: Gute Deutungen sagen offen, was gesichert und was unsicher ist.
Medienkompetenz und rechtssicheres Arbeiten
Für diesen aiMOOC werden bevorzugt Medien genutzt, deren Nutzung nachvollziehbar ist:
- Wikimedia Commons: Eingebundene Bilder und Audios besitzen auf ihrer jeweiligen Dateibeschreibungsseite Angaben zu Urheber, Quelle und Lizenz. Einige sind gemeinfrei, andere stehen unter Creative-Commons-Lizenzen.
- Museumsangebote: 3D-Modelle und virtuelle Rundgänge werden direkt über offizielle Museumsseiten verlinkt. Sie werden nicht kopiert oder neu hochgeladen.
- YouTube: Videos werden über die vorgesehene Einbettungsfunktion gestreamt. In diesem aiMOOC wird kein Sofatutor-Material verwendet.
- Open Access: Das eingebundene Smithsonian-3D-Beispiel ist als CC0 beziehungsweise gemeinfrei gekennzeichnet.
- Quellenkritik: Prüfe bei eigener Weiterverwendung immer die konkrete Lizenz der Datei und nenne Urheber und Quelle, wenn die Lizenz dies verlangt.
Für eigene Schulprojekte gilt: „Im Internet gefunden“ bedeutet nicht automatisch „frei verwendbar“. Nutze am besten selbst erstellte Medien, gemeinfreie Werke oder Medien mit klarer offener Lizenz.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist die wichtigste Grundidee dieses aiMOOCs? (Kunstwerke mit Hinweisen zeitlich räumlich und funktional einordnen) (!Möglichst viele Jahreszahlen auswendig lernen) (!Nur berühmte Malerinnen und Maler erkennen) (!Kunstwerke nach ihrem Geldwert sortieren)
Welche Frage gehört zur räumlichen Einordnung eines Kunstwerks? (Wo wurde es hergestellt gefunden oder aufbewahrt) (!Wie viele Farben wurden genau benutzt) (!Wie teuer ist der Eintritt ins Museum) (!Wie viele Personen mögen das Werk)
Was bedeutet Funktion in der Kunstgeschichte? (Welche Aufgabe oder Nutzung ein Werk in seinem historischen Zusammenhang hatte) (!Wie schnell eine Internetseite lädt) (!Wie groß eine Bilddatei ist) (!Wie viele Jahreszahlen man kennt)
Warum ist eine Zeitleiste nur ein Hilfsmittel? (Weil Verstehen mehr als das Merken einzelner Jahreszahlen verlangt) (!Weil Kunstwerke kein Alter besitzen) (!Weil alle Kulturen dieselben Epochen haben) (!Weil Zeit in Museen keine Rolle spielt)
Warum ist ein 3D-Modell bei einem Gefäß besonders hilfreich? (Weil man Form und Details aus mehreren Blickrichtungen untersuchen kann) (!Weil ein 3D-Modell immer älter als ein Foto ist) (!Weil ein 3D-Modell jede historische Frage beantwortet) (!Weil Gefäße nur von oben betrachtet werden dürfen)
Was ist beim Beispiel Lascaux besonders wichtig? (Beobachtung und Vermutung voneinander zu trennen) (!Jede Höhlenmalerei als Jagdzauber zu erklären) (!Nur das Entdeckungsjahr zu kennen) (!Die Bilder als moderne Comics zu behandeln)
Welche Technik gehört zum Alexandermosaik? (Mosaik aus vielen kleinen Steinchen) (!Ölmalerei auf Leinwand) (!Digitale Fotografie) (!Holzschnitt auf Papier)
Warum ist das Book of Kells für Kunstgeschichte interessant? (Weil Schrift Bild Ornament Material und religiöse Funktion zusammenwirken) (!Weil es ein moderner Kinofilm ist) (!Weil es aus Beton gebaut wurde) (!Weil es ausschließlich eine Landkarte enthält)
Was ist eine sinnvolle E-Aufgabe? (Mehrere Deutungen prüfen und Unsicherheiten benennen) (!Nur einen Begriff abschreiben) (!Ein Kunstwerk ohne Begründung einer Epoche zuordnen) (!Ausschließlich die Bildgröße messen)
Warum darf man europäische Epochenbegriffe nicht einfach auf die ganze Welt übertragen? (Weil verschiedene Regionen eigene historische Entwicklungen und Zeitordnungen haben) (!Weil außerhalb Europas keine Kunst entstand) (!Weil Karten keine Länder zeigen können) (!Weil alle Kunstwerke gleichzeitig entstanden)
Memory
| Lascaux | Höhlenmalerei |
| Nofretete | Altes Ägypten |
| Fangyi | Ritualgefäß |
| Exekias | Amphora |
| Pompeji | Mosaik |
| Book of Kells | Buchmalerei |
| Monet | Impressionismus |
| Kandinsky | Abstraktion |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Höhlenbild | Lascaux |
| Ritualgefäß | China |
| Buchmalerei | Book of Kells |
| Porträt | Mona Lisa |
| Lichtwirkung | Impressionismus |
...
Kreuzworträtsel
| Amphora | Wie heißt die Gefäßform, auf der Achilles und Ajax beim Spiel dargestellt sind? |
| Mosaik | Wie heißt eine Bildtechnik aus vielen kleinen Steinchen? |
| Kathedrale | Wie nennt man eine große bedeutende Bischofskirche? |
| Renaissance | Wie heißt die europäische Epoche, zu der Leonardo da Vinci gezählt wird? |
| Impressionismus | Welche Kunstrichtung verbindet man mit Monet und flüchtigen Lichtwirkungen? |
| Kontext | Welcher Begriff bezeichnet den historischen Zusammenhang eines Kunstwerks? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
G – Leicht
- Kunstwerk-Steckbrief: Wähle ein Werk aus dem aiMOOC und gestalte einen Steckbrief mit den Feldern „Was sehe ich?“, „Zeit“, „Raum“ und „Funktion“.
- Kunst-Zeitleiste: Zeichne eine Zeitleiste mit sechs Stationen und verwende nur grobe Zeitfenster. Ergänze zu jeder Station ein kleines Symbol.
- Kartenatelier: Zeichne eine einfache Welt- oder Europakarte und trage fünf Orte aus dem aiMOOC ein. Verbinde jeden Ort mit einem passenden Kunstwerk.
- Museumsdetektiv: Suche in einem Museumskatalog oder auf Wikimedia Commons ein weiteres historisches Objekt und notiere drei sichtbare Hinweise, die bei der Einordnung helfen.
Standard
- Kunstvergleich: Vergleiche zwei Werke aus verschiedenen Zeiten. Untersuche Material, Bildaufbau, Raum, Funktion und heutige Präsentation.
- Funktion im Wandel: Erstelle ein Vorher-Nachher-Plakat zu einem Objekt, das früher benutzt wurde und heute im Museum ausgestellt ist.
- Virtueller Museumsbesuch: Besuche einen verlinkten 360°-Rundgang. Zeichne Deinen Weg und notiere, wie Raumgröße und Anordnung Deine Wahrnehmung beeinflussen.
- Audio und Bild: Höre das mittelalterliche Audio und betrachte gleichzeitig die Book-of-Kells-Seite. Schreibe auf, welche Eindrücke vom Bild stammen und welche erst durch den Klang entstehen.
E – Erweitert und Schwer
- Beweisleiter: Wähle ein unbekanntes Kunstwerk aus Wikimedia Commons und formuliere eine Einordnung mit mindestens vier Belegen. Markiere zusätzlich, was unsicher bleibt.
- Globale Gleichzeitigkeit: Vergleiche zwei Werke aus verschiedenen Weltregionen, die ungefähr zur gleichen Zeit entstanden sind. Erkläre, warum eine einzige lineare Kunstgeschichte problematisch wäre.
- 3D-Forschungsprotokoll: Untersuche ein Smithsonian-3D-Modell aus mindestens fünf Blickrichtungen. Notiere, welche Informationen nur durch die räumliche Ansicht sichtbar werden.
- Mini-Ausstellung: Kuratiere eine digitale Ausstellung mit fünf Werken unter dem Titel „Kunst hat eine Aufgabe“. Schreibe zu jedem Objekt ein Schild mit Zeit, Raum, Funktion und einer offenen Forschungsfrage.


Lernkontrolle
- Unbekanntes Werk einordnen: Du erhältst ein Dir unbekanntes historisches Kunstwerk ohne Titel. Beschreibe zuerst nur Beobachtungen. Entwickle danach eine begründete Vermutung zu Zeit, Raum und Funktion und kennzeichne, welche Hinweise Deine Vermutung stützen.
- Zwei Deutungen prüfen: Zwei Personen erklären dasselbe Höhlenbild unterschiedlich. Zeige, welche Aussagen Beobachtungen und welche Interpretationen sind. Entscheide, welche Deutung besser begründet ist oder ob beide offenbleiben müssen.
- Objekt auf Reisen: Ein Gefäß wurde in einer Region hergestellt, Jahrhunderte später an einem anderen Ort gefunden und befindet sich heute in einem Museum eines dritten Landes. Erkläre, warum Herstellungsort, Fundort und Aufbewahrungsort getrennt dokumentiert werden müssen.
- Funktion verändert sich: Vergleiche die frühere Nutzung eines Mosaiks als Teil eines Wohnhauses mit seiner heutigen Rolle im Museum. Erkläre, wie sich Wahrnehmung und Bedeutung dadurch verändern.
- Epochen kritisch nutzen: Begründe, warum Begriffe wie „Mittelalter“ oder „Renaissance“ nützlich sein können, aber nicht als weltweite Schablone verwendet werden sollten.
- Medienvergleich: Vergleiche Foto, 3D-Modell und 360°-Rundgang als Quellen. Entscheide für drei verschiedene Forschungsfragen, welches Medium jeweils am geeignetsten ist, und begründe Deine Wahl.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern Dein Vorgehen zeigen kannst.
- Du kannst ein Kunstwerk genau und möglichst wertfrei beschreiben.
- Du kannst zwischen Beobachtung, gesicherter Information und Interpretation unterscheiden.
- Du kannst ein Werk einem groben Zeitfenster zuordnen und Deine Zuordnung begründen.
- Du kannst Herstellungsort, Fundort und heutigen Aufbewahrungsort unterscheiden.
- Du kannst historische Funktionen wie Ritual, Repräsentation, Gebrauch, Erinnerung, Religion oder Schmuck erläutern.
- Du kannst erklären, dass sich Funktionen und Bedeutungen im Lauf der Zeit verändern.
- Du kannst zwei Kunstwerke vergleichen, ohne nur „schön“ oder „nicht schön“ zu urteilen.
- Du kannst Karten und Zeitleisten als Orientierungshilfen nutzen.
- Du kannst offene Fragen und Unsicherheiten benennen.
- Du kannst Medienquellen und Lizenzen bei eigenen Projekten bewusst prüfen.
- Du kannst erklären, warum Kunstgeschichte nicht auf eine einzige europäische Entwicklungslinie reduziert werden darf.
OERs zum Thema
Weitere frei zugängliche oder offizielle Lernorte:
- Wikimedia Commons – frei lizenzierte und gemeinfreie Bilder, Audios und weitere Medien mit Lizenzangaben.
- Heilbrunn Timeline of Art History – globale kunsthistorische Zeitleisten und Themen.
- Google Arts & Culture – Kunstwerke, Orte, Zeitnavigation und digitale Experimente.
- Smithsonian 3D – 3D-Modelle, darunter zahlreiche Open-Access-Objekte.
- Staatliche Museen zu Berlin – virtuelle Rundgänge, 3D-Angebote und 360°-Ansichten.
- Louvre Online Tours – virtuelle Ausstellungs- und Museumsräume.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen