Zum Inhalt springen

BK5 - Kunst des Mittelalters entdecken

Aus MOOCsWiki Staging
Die Druckversion wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.
aiMOOC-Siegel

BK5 - Kunst des Mittelalters entdecken



Einleitung

BK5 - Kunst des Mittelalters entdecken führt Dich in ausgewählte Kunstwelten des europäischen Mittelalters ein. Du untersuchst Buchmalerei, Kirchenbau, Skulptur, Glasmalerei, Architektur und Musik nicht nur danach, was dargestellt ist, sondern vor allem danach, wie Kunst wirkt. Dabei begleiten Dich fünf Kunst-Detektiv-Fragen: Welche Farbe wird eingesetzt? Welche Symbole erkennst Du? Aus welchem Material besteht das Werk? Welche Funktion hatte es? Wie verändert der Raum seine Wirkung?

Das Mittelalter dauerte in Europa ungefähr vom 5. bis zum 15. Jahrhundert. Kunst sah in dieser langen Zeit und in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich aus. Dieser aiMOOC konzentriert sich besonders auf Beispiele aus dem west- und mitteleuropäischen christlich geprägten Mittelalter. Gleichzeitig ist wichtig: Mittelalterliche Städte, Höfe und Handelsräume waren vielfältig. Christliche, jüdische und islamische Kulturen standen auf unterschiedliche Weise miteinander in Kontakt. Deshalb gibt es nicht die eine mittelalterliche Kunst.

Du lernst vor allem zwei kunstgeschichtliche Begriffe kennen: Romanik und Gotik. Die Romanik prägte große Teile Europas besonders im 11. und 12. Jahrhundert. Die Gotik entwickelte sich ab der Mitte des 12. Jahrhunderts zunächst in Frankreich und verbreitete sich danach in vielen Regionen Europas. Die Zeitangaben überschneiden sich, weil neue Formen nicht überall gleichzeitig übernommen wurden.

Am Ende entwickelst Du eine eigene praktische Gestaltung nach ausgewählten mittelalterlichen Prinzipien. Dabei sollst Du nicht einfach ein altes Bild kopieren, sondern Farbe, Symbol, Material, Funktion und räumliche Wirkung bewusst für eine eigene Idee nutzen.


Lernziele und Differenzierung G/M/E

Im Unterricht kannst Du auf drei Niveaus arbeiten. G steht für Grundlagen, M für mittleres Niveau und E für erweitertes Niveau. Alle drei Niveaus untersuchen dieselben Kunstwerke, aber mit unterschiedlich anspruchsvollen Denkaufträgen.

Niveau Das kannst Du zeigen Typische Operatoren
G – Grundlagen Du erkennst Merkmale, benennst Materialien und beschreibst sichtbare Wirkungen. beschreiben, benennen, zuordnen
M – Mittleres Niveau Du vergleichst Werke und erklärst Zusammenhänge zwischen Gestaltung und Wirkung. untersuchen, vergleichen, erklären
E – Erweitertes Niveau Du deutest Gestaltung, begründest Urteile und überträgst Prinzipien auf eine eigene Gestaltung. deuten, begründen, bewerten, übertragen


Dein Kunst-Detektiv-Pass

Nutze bei jedem Werk diese fünf Fragen. Sie helfen Dir auch bei den offenen Aufgaben und bei Deiner praktischen Gestaltung.

  1. Farbe: Welche Farben fallen auf? Sind sie hell, dunkel, leuchtend, gedämpft oder kontrastreich? Wie verändert Licht die Farbe?
  2. Symbol: Welche Zeichen, Tiere, Pflanzen, Gegenstände, Gesten oder Formen könnten eine zusätzliche Bedeutung tragen?
  3. Material: Woraus besteht das Werk? Was kann dieses Material besonders gut, und welche Grenzen hat es?
  4. Funktion: Wozu wurde das Werk geschaffen? Sollte es erzählen, erinnern, verehren, schmücken, beeindrucken, ordnen oder einen Raum gestalten?
  5. Räumliche Wirkung: Wie wirken Größe, Höhe, Abstand, Blickrichtung, Licht, Klang und Bewegung im Raum auf Dich?


Kunst des Mittelalters entdecken


Buchmalerei: Bilder in kostbaren Büchern

Bevor Bücher gedruckt wurden, mussten Texte von Hand geschrieben und Seiten von Hand gestaltet werden. Viele mittelalterliche Handschriften entstanden auf Pergament, also auf besonders vorbereiteter Tierhaut. Für Schrift und Bilder wurden Tinten und Farbpigmente verwendet. Kostbare Handschriften konnten außerdem Gold oder Silber enthalten. Solche Bilder in Handschriften nennt man Buchmalerei oder Illumination.

Eine verzierte Anfangsbuchstabe heißt Initiale. Manche Seiten sind so dicht mit Ornamenten, Linien, Tieren, Flechtmustern und Farben gefüllt, dass Schrift und Bild fast zu einer einzigen Fläche verschmelzen. Farbe hatte dabei nicht nur eine schmückende Funktion. Sie konnte wichtige Stellen hervorheben, Aufmerksamkeit lenken und – abhängig vom Zusammenhang – symbolische Bedeutung tragen. Es gibt aber kein einfaches mittelalterliches Farbwörterbuch, das überall und immer gleich gilt.

Die Chi-Rho-Seite des Book of Kells entstand um 800. Die großen Buchstaben werden selbst zu einem Bildfeld. Suche Linien, Spiralen, Tierformen und Farbkontraste. Frage Dich: Wo liest Du noch Schrift – und wo siehst Du vor allem Ornament?

Die sogenannte Teppichseite der Lindisfarne-Evangelien zeigt ein Kreuz, das in ein dichtes Netz aus Ornamenten und Flechtmustern eingebunden ist. Solche Seiten machen sichtbar, wie stark Fläche, Rhythmus, Wiederholung und Symmetrie wirken können.

Die April-Seite aus den Très Riches Heures du Duc de Berry stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Hier siehst Du höfisches Leben, Landschaft, Kleidung und Architektur. Das Beispiel zeigt: Buchmalerei war nicht nur für Evangelien wichtig. Handschriften konnten auch Kalender, Gebete und Szenen des höfischen Lebens enthalten.

Medienauftrag: Das Getty Museum zeigt, wie eine mittelalterliche Handschrift hergestellt wurde. Achte besonders auf Pergament, Schreiben, Farbauftrag, Vergoldung und Bindung. Notiere danach zwei Arbeitsschritte, die heute bei einem gedruckten Schulbuch anders funktionieren.

Medienauftrag: Die British Library stellt die Lindisfarne-Evangelien vor. Du musst nicht jedes englische Wort verstehen. Beobachte besonders die Nahaufnahmen: Wie führen Linien Deinen Blick? Wo erkennst Du Symmetrie, Wiederholung und Verdichtung?

G: Beschreibe drei Farben, zwei Formen und ein Materialmerkmal einer Buchseite.

M: Vergleiche die Chi-Rho-Seite mit der April-Seite. Erkläre, wie unterschiedlich Schrift, Bild und Ornament zusammenarbeiten.

E: Begründe, wie Material, Arbeitsaufwand und kostbare Farben die Funktion und den Wert einer Handschrift beeinflussen konnten.


Architektur: Romanik und Gotik im Vergleich

Kirchen waren im Mittelalter nicht nur Gebäude. Sie waren Orte für Gottesdienste, Gebet, Prozessionen, Musik, Begegnung und Erinnerung. Architektur formt, wie Menschen sich bewegen, wohin sie blicken und wie sie Licht und Klang erleben.

Für die Romanik sind unter anderem Rundbögen, kräftige Pfeiler und massive Wandflächen typisch. Viele romanische Räume wirken dadurch schwer, rhythmisch gegliedert und klar aufgebaut. Solche Merkmale sind keine starre Checkliste: Bauwerke wurden oft über lange Zeit verändert.

Der Speyerer Dom wurde im 11. Jahrhundert begonnen und ist ein wichtiges Beispiel romanischer Architektur. Betrachte das Mittelschiff: Wiederholte Bögen, Pfeiler und Gewölbe erzeugen einen Rhythmus. Dein Blick wird entlang der Längsachse in die Tiefe des Raums geführt.

Medienauftrag Romanik: Beobachte im Video von Smarthistory Rundbogen, Gewölbe, Wandstärke und Rhythmus. Zeichne anschließend eine einfache Silhouette eines romanischen Innenraums mit drei Merkmalen.

In der Gotik wurden Spitzbögen, Rippengewölbe und Strebewerk besonders wichtig. Die Last eines hohen Steinbaus konnte so gezielter abgeleitet werden. Dadurch wurden größere Fensterflächen möglich. Licht und Höhe wurden zu wichtigen Bestandteilen der Raumwirkung.

Die Kathedrale von Chartres gehört zu den bedeutenden gotischen Kathedralen. Im Inneren ziehen hohe Arkaden, Pfeiler und Gewölbe den Blick nach oben und in die Tiefe. Die farbigen Fenster verändern das Tageslicht und damit die Stimmung des Raums.

Von außen kannst Du das Strebewerk erkennen. Es ist nicht bloß Schmuck, sondern Teil der Konstruktion: Kräfte aus dem Gewölbe werden nach außen und nach unten weitergeleitet. Konstruktion und Gestaltung gehören hier zusammen.

Medienauftrag Gotik: Suche Spitzbogen, Rippengewölbe, Strebewerk und große Fenster. Wähle danach das Merkmal aus, das Deiner Meinung nach die räumliche Wirkung am stärksten verändert, und begründe Deine Entscheidung.

G: Ordne Rundbogen eher der Romanik und Spitzbogen eher der Gotik zu. Beschreibe außerdem, welcher Raum heller wirkt.

M: Vergleiche den Speyerer Dom und die Kathedrale von Chartres hinsichtlich Höhe, Wand, Fenster und Blickführung.

E: Erkläre, wie Konstruktion, Licht und Bewegung gemeinsam eine Raumwirkung erzeugen. Vermeide dabei die Aussage, ein Stil sei grundsätzlich „besser“ als der andere.


Skulptur: Stein bekommt Bedeutung

Mittelalterliche Skulptur begegnet Dir an Portalen, Säulen, Altären, Grabmälern und im Kirchenraum. Figuren konnten religiöse Geschichten sichtbar machen, erinnern, verehren oder Herrschaft und Rang darstellen. Viele mittelalterliche Skulpturen waren ursprünglich farbig gefasst. Unser heutiger Eindruck von „grauem Mittelalter“ entsteht daher oft auch durch verlorene Farbschichten.

Der Bamberger Reiter entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und befindet sich im Bamberger Dom. Die dargestellte Person ist nicht sicher identifiziert. Genau das ist für eine gute Kunstbetrachtung wichtig: Du darfst Vermutungen entwickeln, musst aber zwischen Beobachtung und Deutung unterscheiden.

Beobachtung: Was siehst Du sicher? Zum Beispiel Körperhaltung, Blickrichtung, Pferd, Kleidung, Materialwirkung und Platzierung.

Deutung: Welche Wirkung könnte die erhöhte Position im Kirchenraum erzeugen? Wirkt die Figur nah, fern, mächtig, ruhig oder bewegt? Begründe mit sichtbaren Merkmalen.

Ein Tympanon ist das Bildfeld über einem Portal. Am romanischen Portal der Abteikirche von Moissac wird deutlich, wie Skulptur und Architektur verbunden sind. Figuren, Rahmen und Bögen bilden ein geordnetes Ganzes. Wer durch das Portal geht, begegnet dem Bild nicht wie einem Bild an einer Zimmerwand, sondern körperlich im Raum.

G: Beschreibe Material, Haltung und Größe einer Figur.

M: Erkläre, wie der Ort einer Skulptur ihre Wirkung verändert.

E: Untersuche, wie Architektur, Körperhaltung und Blickrichtung eine Hierarchie im Bildraum erzeugen können.


Glasfenster: Malen mit Licht

Bei mittelalterlicher Glasmalerei werden farbige Glasstücke zu Bildern und Ornamenten zusammengesetzt. Bleiruten halten einzelne Glasstücke zusammen. Zusätzlich können Details auf das Glas gemalt werden. Das Besondere ist: Ein Glasfenster arbeitet mit durchfallendem Licht. Deshalb verändert sich seine Wirkung mit Tageszeit, Wetter, Blickrichtung und Standort.

Die sogenannte Blaue Jungfrau von Chartres enthält bedeutende Glasmalerei aus dem Mittelalter. Das intensive Blau ist besonders bekannt. Untersuche nicht nur die Farbe selbst, sondern auch, wie sie neben Rot, Weiß und dunklen Bleilinien wirkt.

Die Glasfelder zeigen, wie eine Figur aus farbigen Flächen, Konturen und Licht entsteht. Von weitem verschmelzen kleine Einzelteile zu einem Gesamtbild. Von nahem werden Material, Linien und einzelne Glasstücke sichtbar.

Medienauftrag: Das Smarthistory-Video führt durch die Kathedrale von Chartres. Beobachte Fassaden, Innenraum, Strebewerk und Glasfenster zusammen. Stoppe an einer Stelle, an der Du besonders deutlich erkennst, dass Architektur, Skulptur und Glasmalerei ein Gesamterlebnis bilden.

G: Benenne zwei Farben und beschreibe, was das Licht mit ihnen macht.

M: Erkläre den Unterschied zwischen Farbe auf Papier und Farbe in einem durchleuchteten Glasfenster.

E: Begründe, warum ein Glasfenster ohne den umgebenden Kirchenraum und das Tageslicht nur unvollständig verstanden werden kann.


Farbe und Symbol: genau hinsehen statt schnell entschlüsseln

Mittelalterliche Kunst nutzt häufig Zeichen und Symbole: Kreuz, Heiligenschein, Krone, bestimmte Tiere, Pflanzen, Gesten oder Gegenstände. Ein Symbol kann auf eine Person, eine Erzählung, eine Eigenschaft oder eine religiöse Vorstellung verweisen. Seine Bedeutung hängt vom Zusammenhang ab.

Auch Farben können Bedeutung tragen, doch ihre Wirkung entsteht nicht nur durch Symbolik. Rot kann zum Beispiel stark auffallen, Blau kann neben Gold besonders kostbar wirken, dunkle Konturen können helle Flächen ordnen. Entscheidend ist immer: Welche Farbe erscheint wo, neben welcher anderen Farbe, auf welchem Material und in welcher Funktion?

Kunstregel für Klasse 5: Beginne immer mit dem Sichtbaren. Erst danach deutest Du. Sage lieber „Das Blau wirkt besonders dominant, weil …“ als „Blau bedeutet immer …“.


Material und Technik: Was ein Werk möglich macht

Material ist nicht nur der Stoff, aus dem ein Werk besteht. Es beeinflusst Form, Oberfläche, Haltbarkeit, Gewicht, Farbe und Wirkung.

Kunstform Typische Materialien Was das Material ermöglicht
Buchmalerei Pergament, Tinte, Pigmente, Bindemittel, teilweise Blattgold feine Linien, leuchtende Farbflächen, kostbare Oberflächen
Skulptur Stein, Holz, Metall Körper, Relief, Oberfläche, Volumen und starke räumliche Präsenz
Glasmalerei farbiges Glas, Blei, Glasmalfarbe leuchtende Bilder durch durchfallendes Licht
Architektur Naturstein, Mörtel, Holz, Metall große Räume, tragende Konstruktionen, Gewölbe, Türme und Fenster
Handschrift Pergament, Faden, Holzdeckel, Leder ein haltbares, blätterbares und transportierbares Buchobjekt

G: Ordne jeder Kunstform ein Material zu.

M: Erkläre an einem Beispiel, wie Material die Gestaltung beeinflusst.

E: Entwickle eine Materialalternative und beurteile, welche Wirkung dadurch verloren geht oder neu entsteht.


Funktion: Wozu gab es diese Kunst?

Mittelalterliche Kunstwerke hatten meist mehrere Funktionen gleichzeitig. Ein Kirchenportal konnte den Eingang markieren, Geschichten zeigen und den Übergang in einen besonderen Raum gestalten. Ein kostbares Buch konnte zum Lesen und Beten dienen, Wissen bewahren und zugleich den Rang seines Besitzers zeigen. Ein Glasfenster konnte Licht verändern, Figuren darstellen und den Kirchenraum atmosphärisch prägen.

Für Deine Analyse ist deshalb die Frage wichtig: Wer nutzte oder sah das Werk, an welchem Ort, bei welcher Handlung und aus welcher Entfernung?


Raumwirkung: Kunst mit dem ganzen Körper erleben

Ein Kirchenraum wirkt anders als ein Foto. Im Raum bewegst Du Dich. Du hörst Schritte, Stimmen oder Musik. Du blickst nach oben, gehst auf ein Fenster zu oder entfernst Dich von einer Skulptur. Licht verändert sich. Genau deshalb gehört Raumwirkung zur Kunstbetrachtung.

Untersuche fünf Faktoren: Maßstab, Blickführung, Licht, Klang und Bewegung. Ein hoher Raum kann Dich klein erscheinen lassen. Wiederholte Pfeiler können Deinen Blick lenken. Farbiges Licht kann Steinflächen verändern. Ein langer Nachhall kann Sprache und Gesang anders erscheinen lassen als in einem Klassenzimmer.


Musik im mittelalterlichen Raum

Musik gehörte zu vielen religiösen und höfischen Zusammenhängen des Mittelalters. Einstimmiger liturgischer Gesang, mehrstimmige Entwicklungen und weltliche Musik existierten nebeneinander. Instrumente und Aufführungspraxis unterschieden sich nach Zeit, Region und Anlass.

Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179. Von ihr sind geistliche Gesänge überliefert. Wenn Du heute eine Aufnahme hörst, hörst Du immer eine moderne Aufführung auf Grundlage historischer Quellen. Instrumente, Besetzung, Tempo und Klanggestaltung können unterschiedlich rekonstruiert werden.

Hörauftrag: Höre zwei bis drei Minuten. Beschreibe zuerst nur den Klang: Stimmen, Tonhöhe, Tempo, Wiederholung, Begleitung und Nachhall. Überlege dann, wie dieselbe Musik in einem hohen Steinraum wirken könnte. Welche Verbindung entsteht zwischen Musik und Architektur?

G: Nenne drei Höreindrücke.

M: Vergleiche die gedachte Wirkung im Klassenzimmer mit der Wirkung in einer großen Kirche.

E: Erkläre, warum eine heutige Aufnahme keine direkte Zeitmaschine ins Mittelalter ist und trotzdem helfen kann, historische Klangwelten zu erforschen.


Virtuelle Rundgänge und 360°-Ansichten

Mit digitalen Rundgängen kannst Du Raumwirkung besser untersuchen als mit einem einzelnen Foto. Drehe die Ansicht, wechsle Deinen Standort und beobachte, wie sich Blickachsen, Größenverhältnisse und Licht verändern.

  1. Kaiserdom Speyer virtuell: Offizieller Rundgang durch die romanische Kathedrale mit interaktiven 360°-Ansichten und vielen Standorten.
  2. Kathedrale von Chartres – 360°-Panoramen: Innen- und Außenansichten einer gotischen Kathedrale, darunter Langhaus, Querhaus und Portale.
  3. Musée de Cluny – virtueller Rundgang: Ein 3D-Rundgang durch das französische Nationalmuseum des Mittelalters mit Kunstwerken und Architektur.
  4. KBR Museum – virtueller Rundgang: Digitale Erkundung einer bedeutenden Sammlung mittelalterlicher Handschriften der burgundischen Herzöge.

360°-Forschungsauftrag G: Wähle einen Standort und beschreibe fünf Dinge, die Du im Raum entdeckst.

360°-Forschungsauftrag M: Vergleiche zwei Standorte desselben Rundgangs. Erkläre, wie sich Blickrichtung und Raumwirkung verändern.

360°-Forschungsauftrag E: Prüfe, was ein virtueller Rundgang gut vermittelt und was gegenüber einem echten Besuch fehlt. Beziehe Maßstab, Material, Licht, Klang und Bewegung ein.


Praktische Gestaltung: Leuchtendes Zeichen für einen Raum

Du entwickelst ein eigenes mittelalterlich inspiriertes Leuchtfenster für einen heutigen Raum. Dein Werk soll keine historische Kopie sein. Du übernimmst ausgewählte Prinzipien wie klare Konturen, leuchtende Farbflächen, Symbol, Rahmen, Symmetrie oder rhythmische Wiederholung und verbindest sie mit einem eigenen Thema.

Materialvorschlag: Schwarzer Tonkarton, Transparentpapier oder farbige Folie, Schere oder Cutter nur nach Sicherheitsregeln der Lehrkraft, Klebstoff, Bleistift, Lineal und optional weißer oder goldfarbener Stift.


Gestaltungsschritte

  1. Idee wählen: Entscheide Dich für ein Thema, das heute zu Dir oder zur Schule passt, zum Beispiel Zusammenhalt, Mut, Natur, Lernen, Frieden oder Freundschaft.
  2. Symbol entwickeln: Entwirf ein einfaches Zeichen, das Dein Thema sichtbar macht. Vermeide ein beliebiges Logo und achte auf klare Formen.
  3. Farbplan erstellen: Wähle wenige Farben bewusst. Notiere, welche Wirkung Du erwartest und welche Kontraste Du einsetzen möchtest.
  4. Gerüst bauen: Entwirf dunkle Linien wie ein Bleinetz. Sie sollen Flächen ordnen und das Bild auch aus der Entfernung zusammenhalten.
  5. Transparente Flächen einsetzen: Hinterlege die Öffnungen mit farbigem transparentem Material.
  6. Raumtest durchführen: Halte oder befestige das Werk an einem Fenster. Beobachte es bei unterschiedlichem Licht und aus mindestens zwei Entfernungen.
  7. Reflektieren: Erkläre, welche mittelalterlichen Prinzipien Du aufgegriffen hast und wo Du bewusst eine moderne Lösung gewählt hast.


Differenzierung der praktischen Gestaltung

G – Grundlagen: Nutze ein Hauptsymbol, drei bis vier Farben und eine klar geordnete Rahmenform. Dokumentiere Farbe, Symbol und Material in drei Sätzen.

M – Mittleres Niveau: Verbinde Hauptsymbol und Nebenformen, plane mindestens einen deutlichen Farbkontrast und untersuche die Wirkung aus zwei Entfernungen. Begründe Deine Entscheidungen mit den Begriffen Funktion und Raumwirkung.

E – Erweitertes Niveau: Entwickle ein komplexeres Flächengerüst, teste zwei verschiedene Lichtsituationen und verändere Deinen Entwurf nach dem Test. Vergleiche anschließend Dein Ergebnis mit einem mittelalterlichen Glasfenster und beurteile Gemeinsamkeiten und Unterschiede.


Alternative Mini-Werkstatt: Initiale gestalten

Wenn kein Fensterprojekt möglich ist, kannst Du eine eigene Initiale entwerfen. Wähle den Anfangsbuchstaben Deines Vornamens, verbinde ihn mit Flechtband, Tier- oder Pflanzenformen und arbeite mit einem begrenzten Farbsystem. Entscheidend ist auch hier: Der Buchstabe soll gleichzeitig lesbar und bildhaft sein.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welcher Bogen ist besonders typisch für viele romanische Kirchen? (Rundbogen) (!Spitzbogen) (!Flachbogen) (!Zickzackbogen)




Welches Merkmal ist besonders typisch für gotische Architektur? (Spitzbogen) (!Rundbogen) (!Betonrahmen) (!Stahlfassade)




Woraus besteht Pergament? (Besonders vorbereitete Tierhaut) (!Modernes Kunststoffpapier) (!Dünnes Fensterglas) (!Gepresster Beton)




Was ist eine Initiale in einer Handschrift? (Ein besonders gestalteter Anfangsbuchstabe) (!Ein steinerner Kirchturm) (!Ein Musikinstrument) (!Ein Glasfensterrahmen)




Warum verändert sich die Wirkung eines Glasfensters im Tagesverlauf? (Weil sich das einfallende Licht verändert) (!Weil das Glas jeden Tag neu bemalt wird) (!Weil die Bleilinien verschwinden) (!Weil die Wand ihre Form wechselt)




Welche Frage gehört zu einer Funktionsanalyse? (Wozu wurde das Werk genutzt) (!Wie lautet meine Lieblingsfarbe) (!Wie schnell kann ich zeichnen) (!Wie teuer ist mein Schulheft)




Was ist ein Tympanon? (Ein Bildfeld über einem Portal) (!Ein Teil eines Pinsels) (!Eine Seite im Stundenplan) (!Eine moderne Lampe)




Was beeinflusst die räumliche Wirkung einer Kirche besonders? (Höhe Licht Blickführung und Klang) (!Nur der Name des Gebäudes) (!Nur die Zahl der Türen) (!Nur das Wetter außerhalb)




Welche Aussage über Farbsymbolik ist am sinnvollsten? (Farbbedeutung muss im Zusammenhang untersucht werden) (!Jede Farbe bedeutet überall immer dasselbe) (!Farben hatten im Mittelalter keine Wirkung) (!Nur Gold durfte Bedeutung haben)




Was ist beim Hören heutiger Aufnahmen mittelalterlicher Musik wichtig? (Sie sind heutige Aufführungen nach historischen Quellen) (!Sie klingen garantiert exakt wie vor achthundert Jahren) (!Sie wurden im Mittelalter aufgenommen) (!Sie haben nichts mit historischen Quellen zu tun)





Memory

Pergament Beschreibstoff aus vorbereiteter Tierhaut
Initiale Gestalteter Anfangsbuchstabe
Rundbogen Typisches Merkmal vieler romanischer Bauten
Spitzbogen Typisches Merkmal gotischer Architektur
Glasmalerei Bildwirkung durch farbiges durchfallendes Licht
Tympanon Bildfeld über einem Portal
Relief Bildwerk das sich aus einer Fläche heraushebt
Strebebogen Äußeres Bauteil zur Ableitung von Gewölbekräften





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Rundbogen Romanik
Spitzbogen Gotik
Pergament Buchmalerei
Farbiges Glas Glasfenster
Behauener Stein Skulptur





Kreuzworträtsel

Pergament Wie heißt der Beschreibstoff aus vorbereiteter Tierhaut?
Initiale Wie heißt ein besonders gestalteter Anfangsbuchstabe?
Rundbogen Welcher Bogen ist besonders typisch für viele romanische Kirchen?
Spitzbogen Welcher Bogen ist besonders typisch für die Gotik?
Tympanon Wie heißt das Bildfeld über einem Kirchenportal?
Strebebogen Wie heißt ein äußeres gotisches Bauteil zur Ableitung von Gewölbekräften?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Viele mittelalterliche Handschriften wurden auf

geschrieben. Ein besonders gestalteter Anfangsbuchstabe heißt

. In der Romanik begegnet Dir häufig der

. Für viele gotische Kirchen ist dagegen der

kennzeichnend. Farbiges Kirchenfensterglas verändert seine Wirkung durch das einfallende

. Ein Bildfeld über einem Portal nennt man

. Bei einer Skulptur beeinflusst das verwendete

die Oberfläche und die Wirkung. Die Frage nach dem Zweck eines Kunstwerks untersucht seine

. Höhe, Blickführung, Klang und Licht prägen die

. Bei einer eigenen Gestaltung sollst Du Beobachtung und

voneinander unterscheiden.




Offene Aufgaben


Leicht – G

  1. Farbdetektiv: Wähle eine Buchmalerei oder ein Glasfenster aus diesem aiMOOC und erstelle eine Farbkarte mit fünf Farbfeldern. Schreibe zu jedem Feld ein Wirkungswort.
  2. Symbolkarte: Suche in einem Werk drei auffällige Zeichen oder Gegenstände. Beschreibe zuerst genau, was Du siehst, und notiere danach eine mögliche Bedeutung.
  3. Materialspur: Finde in Deiner Schule Materialien, die Stein, Glas, Pergament oder Metall ähnlich wirken. Fotografiere oder zeichne drei Beispiele und erkläre die Ähnlichkeit.
  4. Raumskizze: Besuche einen 360°-Rundgang und zeichne eine einfache Raumskizze mit Blickrichtung, Lichtquelle und einem Punkt, an dem Du stehen möchtest.


Standard – M

  1. Stilvergleich: Vergleiche den Speyerer Dom mit Chartres in einer Tabelle zu Bogenform, Wand, Fenster, Höhe und Licht. Formuliere anschließend zwei Erklärungssätze.
  2. Buchmalerei-Werkstatt: Gestalte eine kleine Initiale auf Papier. Verwende Wiederholung, Rahmen und ein begrenztes Farbsystem. Vergleiche Dein Ergebnis mit einer mittelalterlichen Vorlage.
  3. Klang und Raum: Höre einen Ausschnitt mittelalterlicher Musik zuerst in einem kleinen Raum und dann – wenn möglich – in einem größeren hallenden Raum. Protokolliere Unterschiede im Klang.
  4. Glasfenster-Entwurf: Entwirf ein Symbolfenster für Deine Schule. Begründe Farbe, Symbol, Materialidee und den geplanten Standort.


Schwer – E

  1. Kuratorisches Konzept: Stelle eine Mini-Ausstellung mit vier Werken aus diesem aiMOOC zusammen. Gib ihr einen Titel und begründe die Reihenfolge der Werke aus Sicht der Besucherinnen und Besucher.
  2. Virtuelle Raumkritik: Untersuche denselben Kirchenraum in Foto und 360°-Ansicht. Bewerte, welche Informationen jedes Medium gut vermittelt und welche fehlen.
  3. Rekonstruktion prüfen: Recherchiere zu einer heutigen Aufführung mittelalterlicher Musik. Unterscheide gesicherte historische Quellen, begründete Rekonstruktion und moderne Entscheidung.
  4. Gestaltungsrevision: Führe Dein Leuchtfenster zweimal aus. Ändere nach dem ersten Licht- und Raumtest mindestens zwei Elemente und begründe, warum die zweite Fassung besser zur gewünschten Funktion passt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Unbekannter Kirchenraum: Du erhältst ein Bild eines Dir unbekannten mittelalterlichen Kirchenraums. Ordne ihn begründet eher romanischen oder gotischen Gestaltungsprinzipien zu. Verwende mindestens drei sichtbare Merkmale und formuliere eine Unsicherheit.
  2. Materialwechsel: Stell Dir vor, ein Glasfenster würde statt aus farbigem Glas vollständig aus bemaltem Holz bestehen. Erkläre, wie sich Farbe, Licht, Materialwirkung und Funktion verändern würden.
  3. Symbol und Kontext: Wähle ein Symbol aus einem mittelalterlichen Werk und entwirf eine moderne Verwendung für einen Schulraum. Begründe, welche Bedeutung erhalten bleibt und welche sich verändert.
  4. Raum und Funktion: Vergleiche die Wirkung einer kleinen Buchseite mit der Wirkung eines großen Kirchenportals. Erkläre, wie Größe, Entfernung, Bewegung und Betrachterstandpunkt die Wahrnehmung verändern.
  5. Gestaltungsentscheidung: Du sollst einen ruhigen Rückzugsort in der Schule gestalten. Übertrage zwei mittelalterliche Prinzipien, zum Beispiel Lichtlenkung, Rhythmus, Ornament oder Symbol, und begründe Deine Auswahl.
  6. Medienkritik: Bewerte, ob ein 360°-Rundgang einen echten Kirchenbesuch ersetzen kann. Entwickle ein begründetes Urteil mit mindestens einem Vorteil und zwei Grenzen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu BK5 - Kunst des Mittelalters entdecken ist wichtig, dass Du Zusammenhänge sichtbar machen kannst. Dein Lernnachweis sollte zeigen, dass Du

  1. die Begriffe Romanik, Gotik, Buchmalerei, Glasmalerei, Skulptur, Symbol, Material, Funktion und Raumwirkung passend verwendest,
  2. Beobachtung und Deutung voneinander unterscheidest,
  3. mindestens zwei Kunstwerke anhand von Farbe, Symbol, Material, Funktion und räumlicher Wirkung untersuchst,
  4. Romanik und Gotik an ausgewählten Merkmalen vergleichst, ohne sie als starre Schubladen zu behandeln,
  5. erklärst, wie Licht, Material und Standort die Wirkung eines Kunstwerks verändern,
  6. eine eigene praktische Gestaltung nach ausgewählten mittelalterlichen Prinzipien planst und ausführst,
  7. Deine Gestaltungsentscheidungen mit Skizzen, Prozessfotos oder Notizen dokumentierst und begründet reflektierst.




OERs zum Thema

  1. Wikipedia: Romanik – Überblick über romanische Kunst und Architektur.
  2. Wikipedia: Gotik – Überblick über gotische Architektur und Kunst.
  3. Wikimedia Commons: Medieval art – frei lizenzierte Bildsammlungen zur mittelalterlichen Kunst.
  4. Wikimedia Commons: Illuminated manuscripts – Bildmaterial zu illuminierten Handschriften.



Verknüpfte Lernbereiche

Die Kunst des Mittelalters verbindet Bildbetrachtung, Gestaltung, Geschichte, Religion, Musik, Technik und Raumwahrnehmung. Besonders wichtig sind das genaue Beobachten, das begründete Deuten und der Transfer in eine eigene Gestaltung.


aiMOOC-Projekte