BK5 - Häuser und Wohnformen

BK5 - Häuser und Wohnformen
Einleitung
Menschen brauchen Orte, an denen sie geschützt sind, schlafen, essen, lernen, spielen, sich zurückziehen und mit anderen zusammenleben können. Trotzdem sehen Häuser und Wohnungen auf der Welt sehr unterschiedlich aus. Das liegt nicht daran, dass es nur eine „richtige“ Art zu wohnen gibt. Klima, verfügbare Materialien, Landschaft, technische Möglichkeiten, Geschichte, Kultur, Geld, Platz und die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner beeinflussen, wie Wohnräume entstehen.
In diesem aiMOOC untersuchst Du traditionelle und aktuelle Wohnformen. Du vergleichst sie nach fünf Leitfragen: Klima, Material, Lebensweise, Bedürfnisse und Gestaltung. Außerdem lernst Du, Grundrisse zu lesen, Fassaden zu untersuchen und ein Architekturmodell als Planungswerkzeug zu nutzen.
Wichtig ist: Traditionelle Wohnformen sind keine Aussage darüber, wie heute alle Menschen einer Region leben. Viele traditionelle Bauweisen werden weiterentwickelt, mit modernen Techniken kombiniert oder nur in bestimmten Situationen genutzt. Wohnkulturen verändern sich ständig.
Medienauftrag G: Nenne drei unterschiedliche Häuser, die Du im Video erkennst.
Medienauftrag M: Erkläre bei zwei Beispielen, warum Material und Form zum Ort passen könnten.
Medienauftrag E: Beurteile, welche Informationen Du zusätzlich bräuchtest, bevor Du sagen kannst, ob eine Wohnform für ihre Bewohnerinnen und Bewohner gut funktioniert.
Lernziele und Differenzierung G/M/E
| Niveau | Das kannst Du am Ende |
|---|---|
| G – Grundniveau | Du kannst Wohnformen erkennen, wichtige Bauteile benennen und einfache Zusammenhänge zwischen Klima, Material und Bauform beschreiben. |
| M – Mittleres Niveau | Du kannst Wohnformen nach mehreren Kriterien vergleichen und erklären, warum bestimmte Lösungen zu einer Lebensweise oder einem Klima passen. |
| E – Erweitertes Niveau | Du kannst Wohnformen bewerten, Zielkonflikte erkennen und einen eigenen begründeten Entwurf für bestimmte Nutzerinnen und Nutzer sowie einen bestimmten Ort entwickeln. |
Was bedeutet Wohnen?
Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Ein Wohnraum erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Er soll Schutz vor Wetter bieten, Sicherheit ermöglichen, Platz für Alltag und Gemeinschaft schaffen und Rückzug erlauben. Für Kinder können Spiel- und Lernorte wichtig sein, für ältere Menschen kurze Wege und wenige Barrieren, für große Haushalte gemeinschaftlich nutzbare Räume und für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ausreichend breite Türen, Bewegungsflächen oder stufenlose Zugänge.
Darum unterscheiden wir zwei Begriffe:
| Begriff | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Gebäudeform | Die bauliche Form eines Gebäudes. | Einfamilienhaus, Reihenhaus, Mehrfamilienhaus, Hochhaus, Tiny House |
| Wohnform | Die Art, wie Menschen wohnen und ihren Alltag organisieren. | Familie, allein wohnen, Wohngemeinschaft, Mehrgenerationenwohnen, gemeinschaftliches Wohnen |
Ein Mehrfamilienhaus kann also sehr verschiedene Wohnformen enthalten. Umgekehrt kann eine Familie in einer Wohnung, einem Reihenhaus, einem mobilen Haus oder einer anderen Gebäudeform leben.
Die fünf Vergleichsfragen
| Leitfrage | Darauf achtest Du |
|---|---|
| Klima | Muss das Haus vor Kälte, Hitze, starkem Regen, Wind, Feuchtigkeit oder Überschwemmung schützen? |
| Material | Welche Baustoffe werden verwendet? Sind sie örtlich verfügbar, stabil, leicht, schwer, wärmedämmend oder wiederverwendbar? |
| Lebensweise | Leben Menschen dauerhaft an einem Ort, ziehen sie zeitweise weiter, leben sie eher allein oder in größeren Gemeinschaften? |
| Bedürfnisse | Wie wichtig sind Rückzug, Gemeinschaft, Barrierefreiheit, Stauraum, Arbeitsraum, Spielraum, Nähe zur Natur oder kurze Wege? |
| Gestaltung | Wie wirken Baukörper, Dach, Fassade, Fenster, Türen, Farben, Oberflächen, Proportionen und Raumaufteilung? |
Klima und Wohnformen
Klima beeinflusst Architektur stark, bestimmt sie aber nicht allein. In kalten Regionen ist Wärmeschutz wichtig. In heißen und trockenen Regionen können Verschattung, dicke Wände und kleine oder gezielt angeordnete Öffnungen helfen. In heißen und feuchten Regionen sind Luftbewegung, Schatten und Schutz vor starkem Regen wichtig. In überschwemmungsgefährdeten Gebieten können erhöhte Bauweisen sinnvoll sein.

Die Karte zeigt verschiedene Klimabereiche. Sie erklärt nicht automatisch, wie Menschen dort wohnen. Sie hilft Dir aber, Fragen zu stellen: Wo muss ein Haus viel Wärme halten? Wo ist Verschattung wichtig? Wo können starke Niederschläge eine Rolle spielen?
G: Suche auf der Karte einen sehr kalten und einen sehr warmen Bereich.
M: Formuliere für beide Bereiche je zwei Anforderungen an ein Wohnhaus.
E: Erkläre, warum zwei Häuser im gleichen Klimabereich trotzdem sehr unterschiedlich aussehen können.
Raum, Stadt und Bevölkerungsdichte
Auch die Menge an verfügbarem Platz verändert Wohnformen. Wo sehr viele Menschen auf engem Raum leben, sind mehrgeschossige Wohngebäude häufig sinnvoll, weil viele Wohnungen auf kleiner Grundfläche entstehen können. Bevölkerungsdichte allein erklärt eine Stadt jedoch nicht. Stadtplanung, Preise, Verkehrswege, Geschichte und politische Entscheidungen spielen ebenfalls eine Rolle.

G: Beschreibe, was an einer Karte der Bevölkerungsdichte anders ist als an einer Klimakarte.
M: Erkläre, warum dichter bewohnte Räume andere Wohngebäude benötigen können als dünn besiedelte Räume.
E: Diskutiere einen Vorteil und einen Nachteil von hoher Wohndichte.
Traditionelle Wohnformen als kluge Anpassungen
Traditionelle Bauformen entstanden oft aus langer Erfahrung mit einem bestimmten Ort, verfügbaren Materialien und alltäglichen Tätigkeiten. Sie sind besonders spannend, weil sich an ihnen Funktion und Gestaltung gut untersuchen lassen.
Iglu: Schnee als Dämmstoff und Bauform
Ein Iglu ist ein Schneehaus. Historisch wurden Schnee-Iglus von Inuit in Teilen der Arktis unter anderem als zeitweilige Winterunterkünfte genutzt. Nicht alle Inuit lebten in Iglus, und heute wohnen Inuit überwiegend in modernen Gebäuden. Für den Unterricht ist das Iglu interessant, weil seine Form und sein Material sehr deutlich mit Klima und Bauwissen zusammenhängen.

Verdichteter Schnee enthält viele kleine Lufträume. Dadurch kann er Wärme schlechter weiterleiten als festes Eis. Die kuppelförmige Bauweise verteilt Kräfte günstig und bietet dem Wind wenig große Angriffsflächen.
G: Beschreibe Form und Material.
M: Erkläre, warum eingeschlossene Luft beim Wärmeschutz wichtig ist.
E: Überlege, welche Eigenschaften eines Iglus Du in einem modernen Haus nutzen könntest, ohne Schnee zu verwenden.
Jurte beziehungsweise Ger: tragbar und anpassbar
Eine Jurte beziehungsweise ein mongolischer Ger ist eine runde, zerlegbare Wohnkonstruktion. Ein Ger besteht traditionell unter anderem aus einem Holzgerüst und Filzschichten. Die Bauweise ist mit einer Lebensweise vereinbar, bei der Wohnorte gewechselt werden können. Heute gibt es sowohl traditionelle als auch modern ausgestattete Varianten.

Die runde Form, das leichte Gerüst und die zerlegbare Konstruktion zeigen, dass Architektur nicht immer fest mit einem Fundament verbunden sein muss.
G: Nenne zwei sichtbare Merkmale.
M: Erkläre, warum eine zerlegbare Bauweise für manche Lebensweisen praktisch ist.
E: Vergleiche den Ger mit einem Tiny House auf Rädern: Was ist ähnlich, was ist unterschiedlich?
Pfahlhaus: Abstand zum Boden
Pfahlhäuser stehen auf Stützen über dem Boden oder Wasser. Je nach Ort kann diese Bauweise Abstand zu Feuchtigkeit, zeitweise höherem Wasser, Tieren oder unebenem Gelände schaffen. Pfahlhäuser gibt es in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten; ihre Funktionen sind nicht überall gleich.

G: Beschreibe, wo sich der Wohnboden im Vergleich zum Gelände befindet.
M: Erkläre zwei mögliche Vorteile der erhöhten Bauweise.
E: Entwickle eine Idee, wie ein modernes Haus in einem hochwassergefährdeten Gebiet erhöht gebaut werden könnte und trotzdem barrierearm erreichbar bleibt.
Lehmhaus: Bauen mit Erde
Lehm gehört zu den sehr alten Baustoffen. Je nach Bauweise kann Lehm als Stampflehm, Lehmstein oder in Verbindung mit einem Holzgerüst verwendet werden. Lehm kann Wärme speichern und lässt sich in vielen Regionen aus örtlich verfügbarem Material herstellen. Gleichzeitig muss eine Lehmwand konstruktiv vor dauerhaftem Wasser geschützt werden.

G: Beschreibe Farbe und Oberfläche des Hauses.
M: Erkläre, warum ein großer Dachüberstand bei manchen Lehmhäusern sinnvoll sein kann.
E: Untersuche den Unterschied zwischen „natürlichem Material“ und „automatisch nachhaltigem Gebäude“. Welche weiteren Faktoren musst Du beachten?
Fachwerkhaus: Tragwerk wird Gestaltung
Beim Fachwerk bildet ein Gerüst aus Holzbalken die tragende Struktur. Die Felder zwischen den Hölzern werden ausgefüllt. In vielen historischen europäischen Fachwerkhäusern bleibt das Holzgerüst an der Fassade sichtbar und wird dadurch Teil der Gestaltung.

G: Suche waagerechte, senkrechte und schräge Linien.
M: Beschreibe den Rhythmus, der durch Balken und Gefache entsteht.
E: Entwirf eine moderne Fassade, bei der die Tragstruktur sichtbar bleibt, ohne ein historisches Fachwerkhaus zu kopieren.
Aktuelle Wohnformen
Heutige Wohnformen reagieren auf neue technische Möglichkeiten und auf veränderte Bedürfnisse. Dazu gehören Wohnen in Städten, Flächensparen, Energieeffizienz, flexible Grundrisse, Barrierefreiheit und der Wunsch nach gemeinschaftlichen oder individuellen Wohnformen.
Mehrfamilienhaus: viele Wohnungen in einem Gebäude
Ein Mehrfamilienhaus bündelt mehrere Wohnungen. Treppenhäuser, Aufzüge, Flure, Eingänge und gemeinschaftliche Außenräume müssen so gestaltet sein, dass viele Menschen das Gebäude nutzen können. Mehrgeschossiges Wohnen kann Fläche sparen und kurze Wege zu Schule, Einkauf oder öffentlichem Verkehr ermöglichen, wenn es gut in die Stadt eingebunden ist.

G: Zähle sichtbare Wiederholungen an der Fassade.
M: Erkläre, wie Fenster, Balkone und Fassadenflächen einen Rhythmus bilden.
E: Entwickle drei Ideen, wie Bewohnerinnen und Bewohner trotz vieler Wohnungen Rückzug und Gemeinschaft erhalten können.
Tiny House: wenig Fläche, genaue Planung
Ein Tiny House ist ein besonders kleines Wohngebäude. Manche Tiny Houses stehen fest, andere sind mobil. Kleine Fläche bedeutet nicht automatisch geringen Ressourcenverbrauch: Herstellung, Material, Grundstück, Energiebedarf, Nutzungsdauer und Mobilität müssen mitgedacht werden. Besonders wichtig ist eine gut geplante Mehrfachnutzung von Möbeln und Räumen.

G: Nenne zwei Gründe, warum in einem Tiny House Stauraum wichtig ist.
M: Erkläre, warum ein kleiner Grundriss sehr genau geplant werden muss.
E: Beurteile, für welche Personen oder Lebensphasen ein Tiny House gut oder weniger gut geeignet sein könnte.
Passivhaus: Energie sparen durch die Gebäudehülle
Ein Passivhaus ist keine bestimmte Form und kein bestimmter Stil, sondern ein sehr energieeffizienter Baustandard. Wichtig sind unter anderem eine gut gedämmte und luftdichte Gebäudehülle, hochwertige Fenster, möglichst wenige Wärmebrücken sowie kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Die genaue Planung hängt vom Klima und vom Gebäude ab.

G: Erkläre mit eigenen Worten, was Wärmedämmung macht.
M: Vergleiche eine Thermosflasche mit einer gut gedämmten Gebäudehülle.
E: Erkläre, warum ein energieeffizientes Gebäude trotzdem Sonnenschutz und gute Planung für den Sommer braucht.
Containerhaus und Wiederverwendung
Beim Bauen mit gebrauchten oder neuen Frachtcontainern werden vorhandene Stahlkörper als Ausgangspunkt genutzt. Daraus kann Wohnraum entstehen, aber zusätzliche Planung ist nötig: Wärmedämmung, Feuchteschutz, Fensteröffnungen, Brandschutz, Raumhöhe und Schadstofffreiheit müssen berücksichtigt werden. „Wiederverwendung“ allein macht ein Gebäude also noch nicht automatisch zu einer guten Wohnung.

G: Beschreibe die Grundform.
M: Nenne zwei bauliche Probleme, die bei einem Metallcontainer als Wohnraum gelöst werden müssen.
E: Entwickle ein Konzept, wie zwei oder drei Container so angeordnet werden könnten, dass ein geschützter Innenhof entsteht.
Materialien: Was kann ein Baustoff?
Ein Baustoff wird nicht nur nach seinem Aussehen ausgewählt. Wichtig sind Tragfähigkeit, Gewicht, Wärmeschutz, Wärmespeicherung, Feuchteverhalten, Brandschutz, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Verfügbarkeit und Umweltwirkung.
| Material | Typische Eigenschaften | Mögliche Einsatzbereiche |
|---|---|---|
| Holz | vergleichsweise leicht, gut bearbeitbar, nachwachsender Rohstoff bei verantwortungsvoller Forstwirtschaft | Tragwerk, Fassade, Innenausbau |
| Lehm | formbar, feuchteregulierend, kann Wärme speichern, benötigt guten Witterungsschutz | Wände, Ausfachungen, Innenoberflächen |
| Ziegel | druckfest, langlebig, speichert Wärme | Wände, Fassaden |
| Beton | sehr druckfest und vielseitig formbar, Herstellung kann hohe Umweltbelastungen verursachen | Decken, Wände, Fundamente, Tragwerk |
| Stahl | sehr tragfähig, schlanke Konstruktionen möglich, gut wiederverwertbar, benötigt je nach Einsatz Schutz vor Korrosion und Feuer | Tragwerke, Verbindungsteile |
| Glas | lässt Licht hinein und ermöglicht Ausblick, benötigt gute Planung für Wärmeschutz und Sonnenschutz | Fenster, Fassaden |
G: Ordne jedem Material eine typische Eigenschaft zu.
M: Begründe, warum ein Haus meistens aus mehreren Materialien besteht.
E: Entwickle für eine kleine Außenwand einen sinnvollen Materialaufbau und erkläre die Aufgabe jeder Schicht.
Gestaltung: Wie wirkt ein Haus?
In der Architektur treffen Funktion und Gestaltung zusammen. Ein Gebäude soll nutzbar sein, wirkt aber gleichzeitig durch Form, Farbe, Material, Licht und Proportion.
Wichtige Gestaltungsbegriffe sind Baukörper, Fassade, Proportion, Symmetrie und Asymmetrie, Rhythmus, Kontrast, Struktur und Textur, Farbe, Licht und Schatten sowie offen und geschlossen.
Ein großes Fenster kann viel Licht hineinlassen und die Fassade offen wirken lassen. Gleichzeitig kann es Einblick ermöglichen oder im Sommer zu viel Sonne hineinlassen. Gestaltung bedeutet deshalb oft, mehrere Ziele miteinander zu verbinden.
Fassaden vergleichen
Vergleiche das Fachwerkhaus und das moderne Mehrfamilienhaus aus den Abbildungen.
| Kriterium | Fachwerkhaus | Modernes Mehrfamilienhaus |
|---|---|---|
| Linien | sichtbares Raster aus Balken | klare Fenster- und Balkonachsen |
| Oberfläche | Wechsel von Holz und Gefachen | große glatte Fassadenflächen |
| Rhythmus | Wiederholung kleiner Felder | Wiederholung von Fenstern und Balkonen |
| Wirkung | kleinteilig und handwerklich geprägt | großmaßstäblicher und serieller |
E-Auftrag: Erkläre, warum „modern“ nicht automatisch „besser“ und „traditionell“ nicht automatisch „schlechter“ bedeutet.
Grundriss: Wohnen von oben denken
Ein Grundriss zeigt ein Geschoss von oben. Stell Dir vor, das Gebäude wird ungefähr in Fensterhöhe waagerecht geschnitten und Du schaust von oben hinein. Dann erkennst Du Wände, Türen, Fenster, Treppen und Räume. Ein Grundriss hilft zu prüfen, ob Wege kurz sind, ob Räume zueinander passen und ob genug Platz für Möbel und Bewegung vorhanden ist.

Für Klasse 5 sind besonders diese Fragen wichtig:
| Frage | Beispiel |
|---|---|
| Wo ist der Eingang? | Wie kommst Du von außen hinein? |
| Welche Räume liegen zusammen? | Küche nahe Essbereich, Schlafzimmer nahe Bad |
| Wo sind Fenster? | Welche Räume bekommen Tageslicht? |
| Wie verlaufen Wege? | Musst Du durch ein Schlafzimmer gehen, um ins Bad zu kommen? |
| Gibt es Barrieren? | Stufen, zu enge Türen oder fehlende Bewegungsflächen |
G: Zeichne einen einfachen Grundriss mit Eingang, Wohnraum, Schlafraum und Bad.
M: Ergänze Türen und Fenster so, dass die Wege sinnvoll sind.
E: Entwickle einen Grundriss für zwei Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und begründe Deine Entscheidungen.
Modell: Vom Plan zum Raum
Ein Architekturmodell macht räumliche Beziehungen sichtbar. Ein Modell kann Baukörper, Dachform, Öffnungen, Gelände und Außenräume zeigen. Es muss nicht jedes Detail enthalten. Gute Modelle konzentrieren sich auf die Frage, die untersucht werden soll.

Beim Modellbau helfen einfache Materialien wie Karton, Papier, Holzstäbchen oder wiederverwendete Verpackungen. Wichtig ist ein klarer Maßstab oder zumindest ein gleichbleibendes Größenverhältnis.
G: Baue einen einfachen Baukörper aus Karton und schneide zwei Fensteröffnungen hinein.
M: Baue zwei Varianten mit unterschiedlicher Dachform und vergleiche ihre Wirkung.
E: Entwickle ein Modell für ein klimaangepasstes Haus und zeige durch Materialwahl, Öffnungen, Dach und Außenraum, wie Dein Konzept funktioniert.
Traditionell und aktuell: ein Vergleich
| Beispiel | Klima | Material | Lebensweise | Bedürfnisse | Gestaltung |
|---|---|---|---|---|---|
| Iglu | sehr kalte, schneereiche Bedingungen | verdichteter Schnee | historisch unter anderem zeitweilige Winterunterkunft | Schutz vor Wind und Kälte | kompakte Kuppelform |
| Ger/Jurte | unter anderem kontinentale Steppenklimate | Holzgerüst, Filz und weitere Schichten | zerlegbar und transportierbar | schneller Auf- und Abbau, geschützter Innenraum | runde Form, zentral organisierter Raum |
| Pfahlhaus | je nach Ort feucht, hochwassergefährdet oder wasserbezogen | je nach Region Holz und andere Baustoffe | ortsabhängig sehr verschieden | Abstand zu Boden oder Wasser | angehobener Baukörper |
| Lehmhaus | besonders in vielen warmen und trockenen Regionen verbreitet, aber nicht darauf beschränkt | Lehm, oft mit Holz oder anderen Materialien kombiniert | sesshafte Wohnformen | Schutz, lokale Materialnutzung, ausgeglichenes Innenraumklima | massive Wandwirkung, plastische Oberflächen |
| Fachwerkhaus | gemäßigte Regionen Europas | Holztragwerk und Ausfachung | dauerhaftes Wohnen | tragfähige und reparierbare Konstruktion | sichtbares Tragwerksraster |
| Mehrfamilienhaus | in vielen Klimazonen möglich | häufig Mischkonstruktionen aus Beton, Ziegel, Stahl, Holz und Glas | städtisches oder verdichtetes Wohnen | viele Wohnungen auf begrenzter Fläche | wiederholte Fassadenelemente, gemeinschaftliche Erschließung |
| Tiny House | je nach Konstruktion in verschiedenen Klimazonen | sehr unterschiedlich | kleine, teilweise mobile Wohnform | wenig Fläche, flexible Nutzung, reduzierter Besitz möglich | kompakter Baukörper und Mehrfachnutzung |
| Passivhaus | Standard kann an verschiedene Klimazonen angepasst werden | kein festgelegtes Material | dauerhaftes Wohnen in unterschiedlichen Gebäudetypen | hoher Komfort bei sehr geringem Heiz- oder Kühlenergiebedarf | Gestaltung frei, technische Planung der Hülle besonders wichtig |
Bedürfnisse verändern Architektur
Stell Dir vier Personen vor: ein Kind, das Platz zum Spielen braucht; eine Rollstuhlfahrerin; eine Person, die zu Hause arbeitet; und einen Großvater, der gern mit seiner Familie zusammenlebt, aber Rückzug braucht. Ein einziger Grundriss kann nicht automatisch für alle gleich gut funktionieren.
Barrierefreiheit bedeutet, Räume so zu gestalten, dass sie möglichst selbstständig genutzt werden können. Dazu können stufenlose Zugänge, breite Türen, passende Bewegungsflächen, gut erreichbare Bedienelemente und verständliche Orientierung gehören.
Gemeinschaftliches Wohnen stellt andere Fragen: Welche Räume werden privat genutzt? Welche können mehrere Haushalte teilen? Gibt es einen gemeinschaftlichen Garten, Werkraum oder eine große Küche? Architektur kann soziale Begegnung fördern, aber sie darf Rückzug nicht verhindern.
Nachhaltiges Wohnen
Nachhaltigkeit bedeutet beim Bauen, nicht nur auf eine einzelne Eigenschaft zu schauen. Ein Gebäude kann wenig Heizenergie brauchen und trotzdem sehr materialaufwendig sein. Ein kleines Haus kann wenig Fläche benötigen, aber schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden sein. Ein Naturmaterial kann ungünstig sein, wenn es von sehr weit her transportiert oder schnell ersetzt werden muss.
Für eine faire Bewertung brauchst Du mehrere Fragen: Wie lange hält das Gebäude? Wie viel Fläche verbraucht es? Welche Materialien werden verwendet? Kann man Bauteile reparieren oder wiederverwenden? Wie viel Energie wird im Betrieb benötigt? Können unterschiedliche Menschen das Gebäude nutzen? Kann sich der Grundriss später verändern?
Denkmodell: Es gibt selten nur eine beste Lösung
| Ziel | Möglicher Vorteil | Möglicher Zielkonflikt |
|---|---|---|
| wenig Wohnfläche | geringerer Flächenbedarf | weniger Stauraum und Bewegungsfläche |
| große Fenster | viel Tageslicht und Ausblick | mehr Einblick oder sommerliche Überhitzung möglich |
| sehr offene Grundrisse | großzügige Raumwirkung | weniger Rückzug und akustische Trennung |
| gemeinschaftliche Räume | Begegnung und geteilte Nutzung | Regeln und Rücksichtnahme nötig |
| robuste massive Materialien | lange Lebensdauer | häufig höheres Gewicht und teilweise hoher Herstellungsaufwand |
E-Auftrag: Wähle einen Zielkonflikt und entwirf eine Lösung, die beide Seiten möglichst gut berücksichtigt.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche fünf Kriterien nutzt dieser aiMOOC zum Vergleichen von Wohnformen? (Klima Material Lebensweise Bedürfnisse Gestaltung) (!Farbe Preis Alter Größe Höhe) (!Dach Fenster Tür Garten Garage) (!Stadt Land Fluss Berg Straße)
Was zeigt ein Grundriss hauptsächlich? (Ein Geschoss von oben) (!Nur die Außenfassade) (!Nur das Dach) (!Eine Landschaftskarte)
Warum kann ein Haus auf Pfählen gebaut werden? (Um Abstand zum Boden oder Wasser zu schaffen) (!Damit es automatisch wärmer wird) (!Damit keine Fenster nötig sind) (!Damit es immer mobil bleibt)
Welche Aussage über ein Passivhaus stimmt? (Es ist ein energieeffizienter Baustandard) (!Es muss immer ein Flachdach haben) (!Es besteht immer aus Holz) (!Es darf keine Fenster haben)
Welche Eigenschaft passt zu einem Ger beziehungsweise einer Jurte? (Die Konstruktion kann zerlegbar sein) (!Sie besteht zwingend aus Beton) (!Sie ist immer ein Hochhaus) (!Sie besitzt grundsätzlich zehn Stockwerke)
Warum ist ein Tiny House besonders genau zu planen? (Weil wenig Fläche mehrere Funktionen erfüllen muss) (!Weil kleine Häuser keine Türen haben) (!Weil dort keine Möbel stehen dürfen) (!Weil kleine Häuser nur im Winter genutzt werden)
Was beschreibt der Begriff Fassade? (Die gestaltete Außenansicht eines Gebäudes) (!Nur den Kellerboden) (!Nur die Wasserleitung) (!Nur die Grundstücksgrenze)
Welche Aussage zu traditionellen Wohnformen ist richtig? (Sie zeigen oft Erfahrungen mit Ort Material und Lebensweise) (!Alle Menschen einer Region wohnen heute gleich) (!Traditionelle Häuser verändern sich nie) (!Traditionelle Bauformen sind immer mobil)
Wozu dient ein Architekturmodell? (Es macht räumliche Ideen sichtbar und überprüfbar) (!Es ersetzt jedes echte Gebäude) (!Es zeigt ausschließlich Wetterdaten) (!Es ist nur Dekoration ohne Planungsfunktion)
Warum gibt es selten eine einzige beste Wohnform für alle Menschen? (Weil Bedürfnisse Orte und Lebensweisen unterschiedlich sind) (!Weil Häuser keine Funktionen erfüllen müssen) (!Weil Materialien überall gleich sind) (!Weil Klima keine Rolle spielt)
Memory
| Iglu | verdichteter Schnee |
| Ger | zerlegbare Rundkonstruktion |
| Pfahlhaus | Abstand zum Boden |
| Fachwerk | sichtbares Holztragwerk |
| Tiny House | kompakte Wohnfläche |
| Grundriss | Ansicht eines Geschosses von oben |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Wärmedämmung | Schutz vor unerwünschtem Wärmeverlust oder Wärmeeintrag |
| Fassade | gestaltete Außenansicht eines Gebäudes |
| Grundriss | Darstellung eines Geschosses von oben |
| Barrierefreiheit | möglichst selbstständige Nutzung ohne unnötige Hindernisse |
| Modell | räumliche Darstellung einer Entwurfsidee |
| Rhythmus | regelmäßige oder bewusst variierte Wiederholung von Gestaltungselementen |
Kreuzworträtsel
| Fassade | Wie heißt die gestaltete Außenansicht eines Gebäudes? |
| Grundriss | Wie heißt die Darstellung eines Geschosses von oben? |
| Fachwerk | Welche Bauweise zeigt häufig ein sichtbares Holzgerüst? |
| Jurte | Welche runde zerlegbare Wohnkonstruktion ist in Zentralasien bekannt? |
| Lehmbau | Wie heißt Bauen mit einem erdbasierten formbaren Baustoff? |
| Modellbau | Wie heißt das räumliche Darstellen eines Entwurfs im verkleinerten Maßstab? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht (G)
- Haussuche: Fotografiere oder zeichne in Deiner Umgebung drei verschiedene Wohngebäude. Markiere bei jedem Gebäude Dach, Fenster, Eingang und ein auffälliges Gestaltungselement.
- Materialdetektiv: Sammle zu Holz, Ziegel, Beton und Glas je ein Foto oder eine Frottage und beschreibe Oberfläche, Farbe und mögliche Funktion.
- Fassadencollage: Gestalte aus Papierformen eine Fassade. Nutze Wiederholung, Rhythmus und mindestens einen Kontrast.
- Mein Zimmer von oben: Zeichne einen einfachen Grundriss Deines Zimmers oder eines erfundenen Zimmers und trage Tür, Fenster sowie wichtige Möbel ein.
Standard (M)
- Wohnformenvergleich: Vergleiche zwei Wohnformen aus dem aiMOOC nach Klima, Material, Lebensweise, Bedürfnissen und Gestaltung in einer eigenen Tabelle.
- Klima-Haus: Ziehe eine Klimazone und entwirf eine passende Hausfassade. Begründe Dachform, Fenstergröße, Verschattung und Material.
- Grundriss verbessern: Entwirf eine kleine Wohnung und zeichne die Wege von Eingang zu Küche, Bad und Schlafraum ein. Überarbeite unnötig lange Wege.
- Kartonmodell: Baue ein einfaches Wohnhausmodell aus Recyclingkarton. Dokumentiere mit drei Fotos, wie sich Dein Entwurf vom ersten Plan bis zum Modell verändert.
Schwer (E)
- Haus für zwei Bedürfnisse: Entwirf ein Haus für zwei Personen mit unterschiedlichen Anforderungen, zum Beispiel ein Kind und eine Rollstuhlfahrerin. Begründe mindestens fünf Entscheidungen.
- Wohnquartier: Plane auf einem Blatt ein kleines Quartier mit mehreren Wohnformen, Grünfläche, Wegen und Gemeinschaftsort. Erkläre, wie Du Privatheit und Begegnung verbindest.
- Zukunftshaus: Entwickle ein Wohnkonzept für das Jahr 2050. Berücksichtige Klima, Flächenbedarf, Materialkreisläufe, Energie, veränderbare Grundrisse und Barrierefreiheit.
- Architekturfilm: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Video über ein Wohngebäude in Deiner Umgebung. Zeige Fassade, Material, Umgebung und erkläre, welche Bedürfnisse die Gestaltung unterstützt.


Lernkontrolle
- Transfer G – Unbekanntes Haus: Du erhältst ein Foto eines unbekannten Hauses. Beschreibe drei sichtbare Merkmale und formuliere zwei Vermutungen über Klima oder Nutzung. Kennzeichne klar, was Beobachtung und was Vermutung ist.
- Transfer G/M – Klimawandel: Ein Haus aus einer bisher kühlen Region erlebt künftig häufiger heiße Sommer. Entwickle drei Veränderungen, die den sommerlichen Wärmeschutz verbessern könnten.
- Transfer M – Wohnentscheidung: Eine vierköpfige Familie vergleicht eine große Wohnung nahe Schule und Bahnhof mit einem freistehenden Haus weit außerhalb. Bewerte beide Möglichkeiten nach mindestens vier Kriterien.
- Transfer M – Grundrissprüfung: Untersuche einen Grundriss auf Wege, Tageslicht, Rückzug und Barrieren. Markiere zwei Stärken und zwei Verbesserungsmöglichkeiten.
- Transfer E – Zielkonflikt: Ein Entwurf besitzt sehr große Glasflächen. Erkläre Vorteile und mögliche Probleme und entwickle eine Lösung, die Tageslicht, Ausblick und Sonnenschutz verbindet.
- Transfer E – Entwurfsbegründung: Entwickle für einen vorgegebenen Ort eine Wohnform. Begründe Material, Baukörper, Dach, Öffnungen, Grundriss und Außenraum jeweils mit Bezug auf Klima, Lebensweise und Bedürfnisse.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Hausformen erkennst, sondern Zusammenhänge erklären und eigene Entscheidungen begründen kannst.
- Du kannst Klima, Material, Lebensweise, Bedürfnisse und Gestaltung als Vergleichskriterien sicher anwenden.
- Du kannst mindestens vier traditionelle und vier aktuelle Wohn- oder Gebäudeformen sachlich beschreiben.
- Du vermeidest Verallgemeinerungen über Kulturen und kannst zwischen historischem Beispiel und heutiger Lebenswirklichkeit unterscheiden.
- Du kannst einen einfachen Grundriss lesen und selbst zeichnen.
- Du kannst an einer Fassade Gestaltungsbegriffe wie Rhythmus, Proportion, Kontrast und Oberfläche anwenden.
- Du kannst erklären, warum Baustoffe unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
- Du kannst Wohnräume aus Sicht verschiedener Nutzerinnen und Nutzer beurteilen.
- Du kannst Zielkonflikte zwischen Fläche, Komfort, Energie, Material und Gestaltung erkennen.
- Du kannst einen eigenen Entwurf in Skizze, Grundriss oder Modell darstellen und nachvollziehbar begründen.
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