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BK5 - Eine expressive Malerei gestalten

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BK5 - Eine expressive Malerei gestalten




BK5 - Eine expressive Malerei gestalten


Einleitung

In diesem aiMOOC entwickelst Du ein eigenständiges expressives Bild. Ausgangspunkt ist nicht die Frage: „Wie male ich etwas möglichst richtig?“, sondern: Wie kann ich eine persönliche Stimmung durch Farbe, Bewegung, Werkzeug und Malspur sichtbar machen?

Du arbeitest wie eine Forscherin oder ein Forscher im Atelier: Du beobachtest Deine Stimmung, probierst Bewegungen aus, testest verschiedene Werkzeuge, mischst Farben bewusst, entscheidest Dich für eine Bildidee und überprüfst am Ende, welche Wirkung Dein Bild auf Dich und andere hat.

Expressiv bedeutet in diesem Zusammenhang ausdrucksstark. Ein expressives Bild darf vereinfacht, übertrieben, ungewohnt, wild, ruhig, kantig, fließend, hell, dunkel oder stark farbig sein. Es muss nicht naturgetreu aussehen. Historische Werke des Expressionismus, der abstrakten Kunst und des Abstrakten Expressionismus können Dir Anregungen geben. Dein eigenes Bild soll aber keine Kopie eines Kunstwerks werden.

Ein wichtiger Gedanke begleitet den gesamten aiMOOC: Eine Farbe hat nicht für alle Menschen automatisch dieselbe Bedeutung. Rot kann zum Beispiel für eine Person kraftvoll wirken, für eine andere gefährlich, warm oder festlich. Entscheidend ist deshalb, dass Du Deine Farbwahl bewusst begründest und ihre Wirkung im Zusammenhang mit dem ganzen Bild untersuchst.

Betrachte Edvard Munchs Bildmotiv Der Schrei. Achte nicht nur auf die dargestellte Figur. Untersuche besonders die gebogenen Linien, die starken Farbflächen, die Kontraste und die Bewegung im Himmel. Überlege: Welche Stimmung entsteht durch die Art, wie gemalt wurde?


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du eine persönliche Stimmung in bildnerische Entscheidungen übersetzen. Du kannst Bewegungen des Körpers in Malspuren verwandeln, unterschiedliche Werkzeuge erproben, Farben gezielt auswählen und mischen, Kontraste nutzen und die Wirkung Deines fertigen Bildes mit passenden Fachbegriffen beschreiben.

Die Aufgaben sind für Klasse 5 in drei Niveaustufen differenziert:

Niveau Schwerpunkt Was von Dir erwartet wird
G – grundlegend Wahrnehmen, erproben, auswählen Du wählst eine Stimmung, arbeitest mit wenigen bewusst gewählten Farben und mindestens zwei Werkzeugen und beschreibst die wichtigste Bildwirkung.
M – mittleres Niveau Variieren, verbinden, begründen Du entwickelst eine eigene Farbpalette, verbindest mindestens drei unterschiedliche Malbewegungen oder Werkzeuge und erklärst mehrere Wirkungen mit Fachbegriffen.
E – erweitertes Niveau Planen, differenzieren, reflektieren Du entwickelst ein bewusstes Zusammenspiel aus Farbbeziehungen, Bewegung, Schichtung, Werkzeugspur und Bildaufbau und vergleichst beabsichtigte und tatsächlich wahrgenommene Wirkung.


Was macht eine Malerei expressiv?

Expressive Malerei entsteht dann, wenn die Gestaltung sichtbar etwas ausdrückt. Dabei wirken mehrere Entscheidungen zusammen: Farbton, Helligkeit, Farbintensität, Kontrast, Linie, Form, Größe, Richtung, Rhythmus, Werkzeugspur, Schichtung und die Verteilung der Elemente auf der Bildfläche.

Ein Bild kann beispielsweise ruhig wirken, obwohl kräftige Farben vorkommen. Ein anderes Bild kann trotz weniger Farben sehr angespannt wirken, weil harte Richtungswechsel, enge Formen und starke Hell-Dunkel-Kontraste zusammentreffen. Ausdruck entsteht also nicht durch eine einzelne „Gefühlsfarbe“, sondern durch das Zusammenspiel vieler Gestaltungsmittel.

Franz Marc malte in Blaues Pferd I von 1911 ein Tier nicht in naturgetreuen Farben. Gerade dadurch wird die Farbe zu einem wichtigen Ausdrucksmittel. Frage Dich: Was verändert sich, wenn ein Gegenstand nicht die Farbe bekommt, die Du aus dem Alltag erwartest?


Vier Stellschrauben für Dein Bild

Stellschraube Leitfrage Mögliche Wirkung
Stimmung Was möchtest Du spürbar machen? ruhig, leicht, gespannt, wild, fröhlich, geheimnisvoll, wütend, mutig, träumerisch
Bewegung Wie bewegt sich Deine Hand, Dein Arm oder Dein ganzer Körper? fließend, zitternd, kreisend, stoßend, schnell, langsam, wiederholend
Werkzeug Womit entsteht die Spur? Pinsel, Schwamm, Kartonkante, Spachtel, Stäbchen, Bürste, Finger mit geeigneter Fingerfarbe
Farbe Welche Farbbeziehungen unterstützen Deine Absicht? warm oder kühl, hell oder dunkel, leuchtend oder gedämpft, ähnlich oder kontrastreich


Stimmung wird sichtbar

Beginne nicht sofort mit dem großen Bild. Suche zuerst nach einer persönlichen Stimmung. Das kann eine Stimmung sein, die Du gerade kennst, die Du aus einer Erinnerung nimmst oder die Du bewusst erfindest. Du musst dabei nichts Privates erzählen. Es reicht, eine Stimmung wie „gespannt“, „ruhig“, „aufgedreht“ oder „unsicher“ zu wählen.

Schließe für einige Sekunden die Augen oder schaue auf eine neutrale Fläche. Stell Dir Deine Stimmung als Bewegung vor. Wäre sie eher eine Welle, ein Zickzack, ein Wirbel, ein kurzer Stoß, ein schwerer Block oder eine leichte Spur? Zeichne diese Bewegung anschließend in die Luft, ohne Farbe und ohne Papier. Erst danach überträgst Du sie mit einem trockenen Werkzeug als Probebewegung auf Papier.

Wichtig: Eine persönliche Stimmung wird nicht benotet. Bewertet wird, wie bewusst und nachvollziehbar Du sie gestalterisch umsetzt.


Von der Stimmung zur Bildidee

  1. Stimmung: Wähle ein Wort, das Deine Bildstimmung beschreibt.
  2. Bewegung: Finde zwei oder drei Bewegungen, die dazu passen könnten.
  3. Malspur: Probiere diese Bewegungen mit verschiedenen Werkzeugen auf einem Testblatt aus.
  4. Farbe: Entwickle eine kleine Farbpalette, die Deine Bildabsicht unterstützt.
  5. Komposition: Entscheide, wo im Bild Ruhe, Spannung, Verdichtung oder Freiraum entstehen soll.


Bewegung: Der Körper malt mit

Eine Malspur erzählt etwas über ihre Entstehung. Ein langsamer, breiter Zug sieht anders aus als eine schnelle, trockene, kratzende Bewegung. Deshalb ist in expressiver Malerei nicht nur wichtig, was auf dem Papier erscheint, sondern auch, wie die Spur entstanden ist.

Du kannst Bewegungen verändern, indem Du mit dem Handgelenk, dem Unterarm oder dem ganzen Arm arbeitest. Du kannst Druck erhöhen oder verringern, das Werkzeug drehen, beschleunigen, stoppen, wiederholen oder eine Spur über eine andere legen.

Untersuche auf der Fotografie der Farboberfläche: Wo erkennst Du Richtungen? Wo ist Farbe dicht, wo dünn? Welche Stellen wirken weich, welche rau? Solche Unterschiede heißen auch Texturen oder Oberflächenwirkungen.


Bewegungs-Labor

Teile ein Probeblatt in kleine Felder. Erfinde für jedes Feld eine andere Bewegung: langsam und schwer, schnell und leicht, zitternd, kreisend, stoßend, unterbrochen, wiederholend oder fließend. Nutze zunächst nur eine Farbe. So kannst Du beobachten, welche Wirkung wirklich aus der Bewegung entsteht.

G: Erprobe vier Bewegungen und markiere Deine Lieblingsspur.

M: Erprobe sechs Bewegungen mit mindestens zwei Werkzeugen und beschreibe Unterschiede.

E: Kombiniere Tempo, Druck, Richtung und Schichtung gezielt und entwickle daraus ein kleines Bewegungsmotiv, das später im Hauptbild wiederkehrt.


Werkzeugwahl: Jede Spur spricht anders

Pinsel unterscheiden sich in Breite, Form, Länge und Elastizität. Aber expressive Malerei muss nicht nur mit einem klassischen Pinsel entstehen. Auch ein Stück Karton kann schieben, ein Schwamm kann tupfen, eine Bürste kann stricheln und ein Holzstäbchen kann in feuchte Farbe kratzen.

Prüfe jedes Werkzeug zuerst auf einem Testblatt. Frage Dich nicht: „Welches Werkzeug ist das beste?“, sondern: „Welche Spur brauche ich für meine Bildwirkung?“

Werkzeug Typische Handlung Beobachtbare Spur
Breiter Pinsel ziehen, schieben, drehen breite Flächen, deutliche Richtung
Dünner Pinsel schreiben, zittern, schlängeln feine Linien, kleine Bewegungen
Schwamm tupfen, drücken, wischen körnige oder wolkige Flächen
Kartonkante ziehen, schaben, drücken harte, kantige oder unterbrochene Spuren
Holzstäbchen ritzen, ziehen, tropfen schmale Linien oder freigelegte Untergründe
Bürste streichen, stippen viele parallele oder raue Spuren

Sicher arbeiten: Verwende im Unterricht nur geeignete wasserbasierte Schulfarben und freigegebene Werkzeuge. Schütze Kleidung und Arbeitsfläche. Spritze oder schleudere Farbe nur, wenn die Lehrkraft es erlaubt und der Arbeitsplatz dafür vorbereitet ist. Farbe wird niemals auf Personen gerichtet. Lösemittel und unbekannte Materialien gehören nicht in diese Aufgabe.


Prozessvideo: Bewegung und Werkzeug beobachten

Die historische Arbeitsweise von Jackson Pollock zeigt besonders deutlich, wie der ganze Körper, die Lage der Bildfläche und ungewöhnliche Werkzeuge den Malprozess verändern können. Beobachte das Video als Prozessstudie. Übernimm nicht ungeprüft die historischen Materialien, sondern übertrage nur die Idee von Bewegung, Rhythmus und Spur auf sichere Schulmaterialien.

Beobachtungsauftrag: Achte darauf, wann eine Bewegung wiederholt wird, wann die Richtung wechselt und wie sich dichte und offene Bereiche abwechseln.


Farbe bewusst einsetzen

Farbe kann Aufmerksamkeit lenken, Flächen verbinden, Gegensätze erzeugen und eine Stimmung unterstützen. Dafür musst Du nicht möglichst viele Farben verwenden. Eine begrenzte Palette kann sogar besonders stark wirken.

Beim Malen mit Deckfarben, Gouache oder ähnlichen Schulfarben kannst Du Grundmischungen untersuchen. Rot und Gelb können zu Orangetönen führen, Gelb und Blau zu Grüntönen und Blau und Rot zu Violetttönen. Das genaue Ergebnis hängt aber von den verwendeten Pigmenten und Mischungsverhältnissen ab.

Diese historische Farbstudie zeigt systematische Mischversuche. Nutze sie nicht als starres Rezept, sondern als Anregung für Dein eigenes Farb-Labor.


Farb-Labor

Mische auf einem Testblatt kleine Farbfelder. Beginne mit zwei Ausgangsfarben und verändere das Verhältnis. Ergänze anschließend Weiß oder eine dunklere Farbe, wenn dies mit Deinen Schulfarben vorgesehen ist. Schreibe neben jedes Feld ein Wirkungswort, das zu Deiner eigenen Wahrnehmung passt.

Achte auf vier Eigenschaften:

Eigenschaft Frage
Farbton Welche Farbe erkennst Du?
Helligkeit Wirkt sie eher hell oder dunkel?
Sättigung Wirkt sie leuchtend oder eher gedämpft?
Kontrast Wie stark unterscheidet sie sich von der Nachbarfarbe?


Musikimpuls: Farbe hören, Bewegung sehen

Musik kann einen Malprozess anstoßen. Dabei geht es nicht darum, für jeden Klang die „richtige“ Farbe zu finden. Du beobachtest Deine persönliche Reaktion: Welche Bewegungsrichtung, welches Tempo, welcher Druck und welche Farbkombination kommen Dir in den Sinn?

Höre zunächst einen bewegten Ausschnitt aus Edvard Griegs In der Halle des Bergkönigs. Male während des Hörens noch nicht Dein Hauptbild. Zeichne nur kurze Bewegungszeichen oder mache Farbnotizen.

Höre danach einen ruhiger wirkenden musikalischen Impuls wie Claude Debussys Clair de Lune. Vergleiche Deine Bewegungszeichen.

Frage Dich anschließend: Haben sich Tempo, Druck, Richtung, Abstand oder Farbvorstellungen verändert? Es gibt keine vorgeschriebene Lösung. Entscheidend ist Deine bewusste Beobachtung.


Videoimpuls: Grundfarben und Mischen

Für eine spielerische Wiederholung der Grundidee des Farbmischens kannst Du den folgenden Musik- und Animationsimpuls nutzen:

Übertrage danach mindestens eine Mischung in Dein eigenes Farb-Labor und vergleiche Bildschirmfarbe mit echter Malfarbe. Beides verhält sich nicht vollkommen gleich.


Kunstwerke als Impuls, nicht als Vorlage

Künstlerische Beispiele können Dir zeigen, wie unterschiedlich Ausdruck entstehen kann. Nutze sie zum genauen Hinsehen. Kopiere weder das ganze Bild noch einzelne Figuren einfach nach.

In Wassily Kandinskys Komposition VIII von 1923 wirken Linien, Kreise, Flächen, Richtungen und Farben miteinander. Suche drei Stellen, an denen Du Bewegung wahrnimmst, obwohl sich auf dem Bild tatsächlich nichts bewegt.

Vergleiche damit Kandinskys Improvisation 31. Welches der beiden Bilder wirkt auf Dich spontaner? Begründe Deine Wahrnehmung nicht nur mit „gefällt mir“, sondern mit sichtbaren Merkmalen wie Linienführung, Farbverteilung, Form, Dichte und Richtung.


Prozessvideo: Von Erfahrung zu abstrakter Malerei

Im folgenden Video zeigt Tate einen künstlerischen Arbeitsprozess, der sich mit Kandinskys Malerei auseinandersetzt. Die dort verwendeten professionellen Materialien sind keine Materialvorgabe für Klasse 5. Beobachte stattdessen, wie aus einer Erinnerung, einer Farbentscheidung und mehreren Arbeitsschritten ein eigenständiges Bild entsteht.

Beobachtungsauftrag: Welche Entscheidungen werden vor dem Malen getroffen? Welche entstehen erst während des Malprozesses?


Dein Gestaltungsauftrag

Gestalte ein eigenständiges expressives Bild, in dem eine selbst gewählte Stimmung durch Bewegung, Werkzeugwahl und bewusste Farbe sichtbar wird.

Dein Bild darf gegenständliche Formen enthalten, muss es aber nicht. Ein Gesicht, ein Tier, eine Landschaft oder ein Gegenstand kann vereinfacht, verzerrt oder farblich verändert werden. Ebenso kannst Du vollständig abstrakt arbeiten. Wichtig ist, dass Du Entscheidungen nicht zufällig sammelst, sondern auf eine Bildwirkung ausrichtest.


Phase 1: Stimmung festlegen

Formuliere einen kurzen Arbeitssatz: „Mein Bild soll zunächst … wirken und an manchen Stellen … werden.“ Ein Beispiel wäre: „Mein Bild soll zunächst ruhig wirken und zur Mitte hin unruhiger werden.“

G: Nutze ein Wirkungswort.

M: Verbinde zwei Wirkungen miteinander.

E: Plane eine Veränderung oder einen Gegensatz innerhalb des Bildes.


Phase 2: Drei Mini-Entwürfe

Zeichne drei kleine Rechtecke. Entwickle in jedem Rechteck eine andere Verteilung von Bewegung und Fläche. Ein Entwurf kann ein ruhiges Zentrum haben, ein anderer starke Diagonalen, ein dritter viele kleine Wiederholungen.

Wähle anschließend nicht einfach den schönsten Entwurf, sondern denjenigen, der Deine Stimmung am besten unterstützt.


Phase 3: Farbpalette entwickeln

Lege Deine Hauptfarben fest. Mische mindestens eine Farbe selbst. Prüfe, ob Du einen starken Kontrast oder eher verwandte Farbtöne brauchst. Plane außerdem, wo helle, dunkle, leuchtende oder gedämpfte Bereiche vorkommen.

G: Arbeite mit ungefähr drei Hauptfarben und einer selbst gemischten Farbe.

M: Entwickle eine Palette aus vier bis fünf bewusst aufeinander bezogenen Farbtönen.

E: Plane zusätzlich einen gezielten Kontrast oder eine Veränderung von Sättigung und Helligkeit.


Phase 4: Werkzeug-Proben

Teste mindestens zwei Werkzeuge auf einem Nebenblatt. Notiere zu jeder Probe ein Wort wie „weich“, „hektisch“, „kratzig“, „schwer“, „ruhig“, „schnell“ oder „dicht“.

G: Zwei Werkzeuge.

M: Drei Werkzeuge und unterschiedliche Bewegungen.

E: Mindestens drei Werkzeuge oder Werkzeugkombinationen mit bewusster Schichtung.


Phase 5: Das Hauptbild malen

Beginne mit großen Entscheidungen. Setze zuerst die wichtigen Bewegungsrichtungen und Flächen. Arbeite danach mit Schichtungen, kleineren Spuren und gezielten Akzenten weiter. Halte zwischendurch Abstand zum Bild.

Nutze den Drei-Schritte-Blick:

  1. Gesamtwirkung: Was spüre ich zuerst?
  2. Bildaufbau: Wohin wandert mein Blick?
  3. Detail: Welche Spur, Farbe oder Form verstärkt oder stört meine Absicht?

Verändere Dein Bild nur dann weiter, wenn Du einen Grund dafür benennen kannst. Ein Bild wird nicht automatisch besser, nur weil mehr Farbe darauf ist.


Phase 6: Stoppen können

Lege das Werkzeug weg und betrachte das Bild aus mehreren Metern Entfernung. Frage Dich: Ist meine wichtigste Wirkung schon erkennbar? Gibt es einen Bereich, der zu viel Aufmerksamkeit bekommt? Braucht das Bild wirklich noch etwas?

Ein bewusster Stopp ist ebenfalls eine künstlerische Entscheidung.


Reflexion: Wirkung untersuchen

Stelle Dein Bild so auf, dass Mitschülerinnen und Mitschüler es betrachten können. Die Betrachtenden nennen zunächst nur Beobachtungen und Wirkungen. Sie versuchen nicht, Deine persönliche Stimmung zu erraten.

Ein hilfreicher Satzanfang lautet: „Auf mich wirkt das Bild …, weil ich … sehe.“

Danach vergleichst Du Fremdwirkung und eigene Absicht. Stimmen sie überein? Gibt es überraschende Unterschiede? Unterschiede sind kein Fehler. Sie helfen Dir zu verstehen, dass Bilder offen wahrgenommen werden können.


Fachbegriffe für Deine Reflexion

Fachbegriff So kannst Du ihn verwenden
Farbkontrast „Der starke Farbkontrast lenkt meinen Blick auf …“
Helligkeit „Der helle Bereich wirkt im Vergleich zu …“
Sättigung „Die leuchtende Farbe hebt sich von den gedämpften Tönen ab.“
Bewegungsrichtung „Die diagonalen Spuren erzeugen …“
Rhythmus „Die wiederholten Pinselspuren wirken …“
Textur „Die raue Oberfläche verstärkt …“
Schichtung „Durch mehrere Farbschichten entsteht …“
Komposition „Die Verteilung der Formen führt den Blick …“


G/M/E-Differenzierung und Bewertungsraster

Kriterium G – grundlegend M – mittleres Niveau E – erweitertes Niveau
Stimmung und Idee Eine gewählte Stimmung ist erkennbar bearbeitet. Zwei Wirkungsaspekte werden bewusst miteinander verbunden. Eine differenzierte Bildidee mit Entwicklung, Gegensatz oder Spannungsverlauf wird sichtbar.
Bewegung Unterschiedliche Malbewegungen werden erprobt und eingesetzt. Tempo, Richtung oder Druck werden gezielt variiert. Bewegungen werden rhythmisch, kontrastierend oder geschichtet organisiert.
Werkzeug Mindestens zwei Werkzeuge werden passend genutzt. Mindestens drei Werkzeugwirkungen werden bewusst kombiniert. Werkzeugwahl, Spur und Schichtung bilden ein deutliches gestalterisches Konzept.
Farbe Wenige Farben werden bewusst gewählt, mindestens eine Mischung entsteht. Farbbeziehungen und Kontraste werden begründet eingesetzt. Helligkeit, Sättigung und Kontrast werden differenziert auf die Bildwirkung abgestimmt.
Eigenständigkeit Eigene Entscheidungen sind sichtbar. Vorbilder werden als Impuls genutzt, ohne kopiert zu werden. Die Gestaltung entwickelt eine deutlich persönliche Bildsprache.
Reflexion Eine Wirkung wird beschrieben und mit einem sichtbaren Merkmal begründet. Mehrere Fachbegriffe werden passend verwendet. Eigene Absicht und Rückmeldung anderer werden verglichen und daraus Schlussfolgerungen abgeleitet.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet expressiv in diesem aiMOOC? (ausdrucksstark gestalten) (!möglichst naturgetreu kopieren) (!nur mit schwarzer Farbe malen) (!ohne Planung arbeiten)




Welche Aussage zur Farbwirkung ist besonders wichtig? (Farbwirkung entsteht im Zusammenhang und kann unterschiedlich wahrgenommen werden) (!Jede Farbe hat für alle Menschen immer dieselbe Bedeutung) (!Nur warme Farben können Gefühle ausdrücken) (!Dunkle Farben sind grundsätzlich negativ)




Was kann eine schnelle Armbewegung beim Malen besonders beeinflussen? (die Richtung und Dynamik der Malspur) (!das Alter des Papiers) (!den Namen des Kunstwerks) (!die Größe des Farbkastens)




Warum werden Werkzeuge vor dem Hauptbild getestet? (um ihre Spuren und Wirkungen kennenzulernen) (!um alle Farben vollständig aufzubrauchen) (!um jedes Werkzeug gleich zu benutzen) (!um eine Vorlage genau zu kopieren)




Was ist eine bewusste Farbpalette? (eine begrenzte Auswahl aufeinander bezogener Farben) (!jede vorhandene Farbe gleichzeitig) (!nur die Lieblingsfarbe) (!ausschließlich Schwarz und Weiß)




Was beschreibt der Begriff Schichtung? (mehrere Farb- oder Spurenschichten liegen übereinander) (!das Papier wird gefaltet) (!ein Bild wird eingerahmt) (!Farbtöpfe werden gestapelt)




Wozu dienen Mini-Entwürfe vor dem Hauptbild? (um verschiedene Bildaufteilungen schnell zu erproben) (!um das fertige Bild exakt vorzuzeichnen) (!um nur die Papiergröße zu messen) (!um Farben trocknen zu lassen)




Welche Rückmeldung hilft bei einer Bildbesprechung besonders? (Das Bild wirkt auf mich unruhig, weil viele diagonale Spuren zusammentreffen) (!Das ist schön) (!Das ist falsch gemalt) (!Ich hätte alles anders gemacht)




Wann kann ein Bild sinnvoll beendet werden? (wenn die beabsichtigte Wirkung ausreichend trägt und weitere Schritte keinen klaren Grund haben) (!erst wenn kein Papier mehr sichtbar ist) (!erst wenn alle Farben verwendet wurden) (!immer nach genau zehn Minuten)




Was ist bei Kunstwerken als Vorbild wichtig? (Sie geben Anregungen, das eigene Bild bleibt eigenständig) (!Sie müssen möglichst genau kopiert werden) (!Man darf nur dieselben Farben verwenden) (!Die eigene Stimmung spielt keine Rolle)





Memory

Bewegung Tempo und Richtung einer Malhandlung
Palette bewusst ausgewählte Farbtöne
Textur sichtbare oder fühlbar wirkende Oberflächenstruktur
Kontrast deutlich wahrnehmbarer Unterschied
Schichtung übereinanderliegende Farbspuren
Rhythmus wiederkehrende oder variierte Bildbewegung
Komposition Anordnung der Bildelemente
Reflexion Nachdenken über Absicht und Wirkung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
schnell und ausschwingend Bewegungsqualität
Schwamm Werkzeugwahl
hell gegen dunkel Farbkontrast
mehrere Spuren übereinander Schichtung
wiederholte Linien Rhythmus
ruhig, gespannt oder wild Bildwirkung






Kreuzworträtsel

Bewegung Was überträgst Du mit Hand, Arm oder Körper in eine Malspur?
Palette Wie nennt man eine bewusst zusammengestellte Auswahl von Farben?
Textur Wie heißt die sichtbare oder fühlbar wirkende Oberflächenbeschaffenheit?
Kontrast Wie heißt ein deutlich wahrnehmbarer Unterschied zwischen Gestaltungsmitteln?
Rhythmus Wie heißt die Wirkung wiederkehrender und variierter Bildelemente?
Schichtung Wie nennt man das Übereinanderlegen mehrerer Farbspuren?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine expressive Malerei soll vor allem

sichtbar machen. Eine persönliche Bildidee kann mit einer bewusst gewählten

beginnen. Die Art, wie sich Hand und Arm beim Malen bewegen, beeinflusst die entstehende

. Unterschiedliche Pinsel, Schwämme oder Kartonkanten verändern die Wirkung durch ihre jeweilige

. Eine begrenzte Auswahl aufeinander bezogener Farben nennt man

. Ein deutlicher Unterschied zwischen zwei Gestaltungsmitteln heißt

. Mehrere übereinanderliegende Farbspuren bilden eine

. Wiederholte und veränderte Bildelemente können einen visuellen

erzeugen. Die Anordnung von Formen, Farben und Flächen auf dem Bild gehört zur

. Bei der abschließenden

vergleichst Du Deine Absicht mit der wahrgenommenen Wirkung.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Stimmungswort: Wähle ein Stimmungswort und erfinde dazu fünf unterschiedliche Linien oder Bewegungszeichen.
  2. Werkzeugprobe: Erzeuge mit zwei verschiedenen Werkzeugen jeweils drei Spuren und beschreibe, welche Spur ruhiger oder bewegter wirkt.
  3. Farbmischung: Mische aus zwei Ausgangsfarben mindestens vier verschiedene Zwischentöne und ordne jedem Ton ein persönliches Wirkungswort zu.
  4. Bilddetektiv: Suche in einem der gezeigten Kunstwerke drei Stellen, an denen Farbe oder Linie besonders ausdrucksstark wirkt, und erkläre Deine Auswahl.


Standard

  1. Musik und Malerei: Höre zwei sehr unterschiedliche Instrumentalstücke und gestalte zu jedem einen kleinen Farb- und Bewegungsentwurf. Vergleiche anschließend beide.
  2. Werkzeugerfindung: Entwickle aus einem ungefährlichen Alltagsmaterial ein neues Malwerkzeug, teste es und dokumentiere die Spur auf einem Probestreifen.
  3. Farbpalette: Entwickle für dieselbe Stimmung zwei unterschiedliche Farbpaletten und untersuche, wie sich die Bildwirkung verändert.
  4. Galeriegespräch: Führe mit einer Partnerin oder einem Partner ein kurzes Bildgespräch durch. Notiere zuerst Fremdwirkung und danach Deine eigene Absicht.


Schwer

  1. Kontraststudie: Gestalte zwei kleine expressive Bilder zur gleichen Stimmung. Arbeite einmal mit starken Kontrasten und einmal mit eng verwandten Farbtönen. Vergleiche die Wirkung.
  2. Prozessdokumentation: Fotografiere mit Erlaubnis drei bis fünf Arbeitsphasen Deines Bildes und kommentiere, welche Entscheidung jeweils verändert wurde.
  3. Kunstvergleich: Vergleiche ein Werk von Munch, Marc oder Kandinsky mit Deinem eigenen Bild hinsichtlich Farbe, Bewegung und Bildaufbau, ohne Dein Werk als Kopie zu behandeln.
  4. Kuratorisches Projekt: Plant in einer kleinen Gruppe eine Mini-Ausstellung mit mehreren Klassenarbeiten. Entwickelt eine Reihenfolge, Ausstellungstitel und kurze Begründungen für die Hängung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkungsanalyse: Du siehst ein unbekanntes expressives Bild mit vielen diagonalen, dunklen Spuren und wenigen hellen Flächen. Erkläre, welche Wirkung entstehen könnte und welche sichtbaren Merkmale Deine Deutung stützen.
  2. Gestaltungsentscheidung: Eine Schülerin möchte „ruhige Spannung“ darstellen. Entwickle zwei unterschiedliche Kombinationen aus Farbe, Bewegung und Werkzeug, die dazu passen könnten, und begründe beide.
  3. Überarbeitung: Ein Bild wirkt überall gleich dicht und dadurch weniger spannungsvoll als geplant. Schlage drei konkrete Veränderungen vor, die den Bildaufbau differenzieren könnten.
  4. Farbtransfer: Erkläre, wie Du ein sehr buntes Bild verändern könntest, wenn es plötzlich gedämpfter und geheimnisvoller wirken soll, ohne das Motiv vollständig neu zu malen.
  5. Prozessvergleich: Vergleiche eine kontrollierte Pinselmalerei mit einer stärker körperbetonten, gestischen Arbeitsweise. Welche unterschiedlichen Spuren und Wirkungen können daraus entstehen?
  6. Reflexionsproblem: Die Künstlerin beabsichtigt „Freude“, mehrere Betrachtende empfinden das Bild aber als „Unruhe“. Erkläre, warum beide Wahrnehmungen möglich sein können und wie eine gute Reflexion damit umgeht.




Lernnachweis

Für einen gelungenen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur ein fertiges Bild zeigst, sondern Deinen Gestaltungsprozess nachvollziehbar machen kannst.

  1. Bildidee: Du formulierst eine beabsichtigte Stimmung oder Wirkung.
  2. Entwurf: Du zeigst mindestens einen vorbereitenden Bewegungs-, Farb- oder Kompositionsversuch.
  3. Werkzeugwahl: Du kannst erklären, warum Du bestimmte Werkzeuge für bestimmte Spuren eingesetzt hast.
  4. Farbentscheidung: Du begründest wichtige Farbtöne, Mischungen oder Kontraste.
  5. Eigenständigkeit: Dein Bild entwickelt eine eigene Lösung und kopiert kein Vorbild.
  6. Fachbegriffe: Du verwendest passende Begriffe wie Kontrast, Rhythmus, Textur, Schichtung oder Komposition.
  7. Reflexion: Du vergleichst Deine ursprüngliche Absicht mit der tatsächlichen Wirkung des fertigen Bildes und mit mindestens einer Rückmeldung.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel zum Expressionismus bietet Hintergrundwissen zu einer Kunstrichtung, in der Ausdruck und subjektive Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielen.

Für Bildrecherchen eignen sich außerdem frei zugängliche Bestände von Wikimedia Commons, besonders zu Edvard Munch, Franz Marc, Wassily Kandinsky, Malwerkzeugen und Farbstudien. Prüfe bei eigener Weiterverwendung immer die Lizenzangaben der jeweiligen Datei.


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