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Auf Augenhöhe

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Auf Augenhöhe




Einleitung

Auf Augenhöhe ist ein deutscher Kinderfilm aus dem Jahr 2016. Im Mittelpunkt stehen der zehnjährige Michi und der erwachsene Tom. Michi lebt nach dem Tod seiner Mutter in einem Kinderheim und hofft sehr darauf, seinen bislang unbekannten Vater kennenzulernen. Als er Tom findet, ist er überrascht: Tom ist kleinwüchsig. Michi hatte sich einen besonders großen, starken und „coolen“ Vater vorgestellt. Weil andere Kinder Tom wegen seiner Körpergröße verspotten und Michi Angst hat, selbst ausgelacht zu werden, reagiert Michi zunächst mit Scham, Wut und Ablehnung. Nach und nach lernen Michi und Tom jedoch, einander wirklich zuzuhören und sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Der Film erzählt damit nicht nur eine Familiengeschichte. Er stellt wichtige Fragen: Was macht eine Familie aus? Warum beurteilen Menschen andere manchmal vorschnell nach ihrem Aussehen? Was ist ein Vorurteil? Wie fühlt sich Ausgrenzung an? Was können wir gegen Mobbing tun? Und warum hat jeder Mensch denselben Wert, unabhängig davon, wie groß, klein, alt, jung oder sonst wie unterschiedlich er aussieht?

Wichtig für Dich: Menschen sind nicht alle gleich. Sie sehen verschieden aus, brauchen manchmal unterschiedliche Hilfen und haben unterschiedliche Fähigkeiten. Aber sie sind gleichwertig. Das bedeutet: Jeder Mensch verdient Respekt, Würde, Schutz und faire Chancen.

Der Film ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben. Für die pädagogische Arbeit empfiehlt VISION KINO ihn vor allem für ältere Grundschulkinder und nennt eine Altersempfehlung von 8 bis 12 Jahren. Wenn Du jünger bist, ist es sinnvoll, den Film gemeinsam mit einer erwachsenen Begleitperson anzuschauen. Einige Szenen handeln von Tod, Trauer, Streit, Mobbing, Scham und der Frage, wer zur eigenen Familie gehört.

Der offizielle Trailer gibt Dir einen ersten Eindruck von Michi, Tom und ihrem Konflikt.


Der Film auf einen Blick

  1. Filmtitel: Auf Augenhöhe
  2. Filmjahr: 2016
  3. Produktionsland: Deutschland
  4. Genre: Kinder- und Familienfilm
  5. Regie: Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf
  6. Drehbuch: Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf, mit Mitarbeit von Nicole Armbruster
  7. Länge: 99 Minuten
  8. FSK: ab 6 Jahren
  9. Hauptfiguren: Michi Armbruster, Tom Lambrecht und Katja
  10. Darsteller: Luis Vorbach spielt Michi, Jordan Prentice spielt Tom und Ella Frey spielt Katja
  11. Auszeichnung: Der Film erhielt 2017 den Deutschen Filmpreis als Bester Kinderfilm.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du in eigenen Worten erklären, was der Titel Auf Augenhöhe bedeutet. Du kannst beschreiben, wie Vorurteile entstehen und warum sie unfair sein können. Du kannst Beispiele für Ausgrenzung erkennen und Ideen entwickeln, wie man helfen kann. Du kannst erklären, warum Körpergröße nichts über den Wert eines Menschen aussagt. Außerdem lernst Du, dass Familie auf verschiedene Weise entstehen kann und dass Zuneigung, Verlässlichkeit, Fürsorge und Vertrauen wichtige Bestandteile familiärer Beziehungen sind.


Die Geschichte des Films

Achtung: Dieser Abschnitt verrät wichtige Teile der Handlung.

Michi lebt in einer Wohngruppe, nachdem seine Mutter gestorben ist. Er wünscht sich Zugehörigkeit und einen Vater, der ihn beschützt. Als er einen Brief seiner Mutter findet, glaubt er, darin einen Hinweis auf seinen Vater entdeckt zu haben. Er sucht Tom auf.

Tom weiß zunächst nichts davon, dass er Michis Vater sein könnte. Auch er ist von der Situation überrascht. Michi wiederum erschrickt über Toms Körpergröße. Tom ist kleinwüchsig und entspricht überhaupt nicht dem Bild, das Michi sich vorher ausgemalt hat. Michi verbindet Größe zunächst mit Stärke, Sicherheit und Anerkennung. Genau hier zeigt der Film, wie ein Vorurteil funktionieren kann: Ein äußeres Merkmal wird mit Eigenschaften verbunden, obwohl das gar nicht stimmen muss.

Als Kinder aus Michis Wohngruppe von Tom erfahren, machen sie sich über Michi und Tom lustig. Michi wird verletzt und ausgegrenzt. Seine Angst, nicht dazuzugehören, wird stärker. Das hat Folgen für sein Verhalten gegenüber Tom. Er verleugnet ihn sogar vor anderen, obwohl Tom sich um ihn bemüht.

Mit der Zeit lernen beide einander besser kennen. Michi entdeckt, dass Tom humorvoll, verlässlich, verletzlich, mutig und fürsorglich sein kann. Tom lernt gleichzeitig, Verantwortung zu übernehmen und Michi ernst zu nehmen. Die Beziehung wird wichtiger als das Bild, das beide vorher voneinander hatten.

Später stellt sich heraus, dass die biologische Verbindung zwischen Michi und Tom anders ist als gedacht. Damit stellt der Film eine noch größere Frage: Ist Familie nur Biologie? Der Film lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie wichtig Vertrauen, Bindung, Fürsorge und das Gefühl von Zuhause sind.


Michi: Wunsch nach Zugehörigkeit

Michi möchte dazugehören. In der Wohngruppe muss er sich behaupten. Er wünscht sich Anerkennung und hofft, dass ein Vater ihm Sicherheit geben könnte. Deshalb ist seine Enttäuschung besonders groß, als Tom nicht zu seinem Wunschbild passt.

Michi verhält sich nicht immer fair. Trotzdem hilft es, seine Gefühle zu verstehen. Er schämt sich, weil er fürchtet, von anderen ausgelacht zu werden. Scham kann dazu führen, dass Menschen Dinge tun, die andere verletzen. Das erklärt ein Verhalten, entschuldigt es aber nicht automatisch. Respekt bedeutet auch, Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen.


Tom: mehr als seine Körpergröße

Tom wird im Film als eigenständiger Erwachsener gezeigt. Er hat Freunde, Fähigkeiten, Gefühle, Stärken und Unsicherheiten. Seine Kleinwüchsigkeit ist ein Teil seines Körpers, aber sie ist nicht seine ganze Persönlichkeit.

Das freie Commons-Foto zeigt einen erwachsenen Mann mit Kleinwuchs. Wichtig ist: Eine Körpergröße sagt nichts darüber aus, wie freundlich, klug, mutig, lustig oder wertvoll ein Mensch ist.

Tom erlebt, dass andere Menschen ihn ansehen, unterschätzen oder auf seine Körpergröße reduzieren. Das Problem liegt dabei nicht einfach in seinem Körper. Oft entstehen Schwierigkeiten auch dadurch, dass Gegenstände, Räume oder Erwartungen nur für durchschnittlich große Menschen gemacht sind. Solche Hindernisse nennt man Barrieren.


Katja: Zivilcourage und Freundschaft

Katja begegnet Tom anders als manche andere Figuren. Sie lässt sich weniger von Vorurteilen leiten und zeigt Michi, dass man nicht mitmachen muss, wenn andere lästern oder jemanden ausgrenzen. Damit wird sie zu einem Beispiel für Zivilcourage.

Zivilcourage bedeutet für Kinder nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Es kann schon helfen, nicht mitzulachen, klar „Stopp“ zu sagen, die betroffene Person nicht allein zu lassen oder eine erwachsene Vertrauensperson zu holen.


Familie: Wer gehört zu wem?

Familien können sehr verschieden aussehen. Manche Kinder leben mit Mutter und Vater, manche mit einem Elternteil, mit zwei Müttern oder zwei Vätern, mit Großeltern, Pflegeeltern, Adoptiveltern, Geschwistern, in einer Wohngruppe oder in anderen verlässlichen Gemeinschaften.

Im Film ist für Michi die Frage nach Familie besonders wichtig. Er hat seine Mutter verloren und lebt in einem Kinderheim. Deshalb verbindet er die Suche nach seinem Vater mit der Hoffnung auf ein neues Zuhause.

Familie ist mehr als Ähnlichkeit. Menschen in einer Familie müssen nicht gleich groß sein, gleich aussehen oder dieselben Interessen haben. Auch biologische Verwandtschaft allein macht noch keine gute Beziehung. Für eine tragfähige Beziehung sind Fürsorge, Vertrauen, Verlässlichkeit, Schutz, Zuhören und gemeinsame Verantwortung wichtig.


Leibliche Familie, soziale Familie und Zugehörigkeit

Der Film unterscheidet zwischen biologischer Verwandtschaft und gelebter Beziehung. Eine leibliche Verbindung sagt, von wem ein Kind biologisch abstammt. Eine soziale oder gelebte Familienbeziehung beschreibt, wer dauerhaft füreinander da ist, Verantwortung übernimmt und Zugehörigkeit schafft.

Für Kinder ist dabei wichtig: Es gibt nicht nur eine einzige „richtige“ Familienform. Niemand sollte wegen seiner Familienform ausgelacht oder ausgeschlossen werden.


Körpergröße und Kleinwuchs

Menschen haben sehr unterschiedliche Körper. Manche sind groß, manche klein, manche wachsen schneller, andere langsamer. Kleinwuchs ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen deutlich kleinerer Körpergröße. Es gibt unterschiedliche medizinische Ursachen. Nicht jede kleine Person ist kleinwüchsig, und nicht alle kleinwüchsigen Menschen haben dieselben körperlichen Merkmale oder Bedürfnisse.

Für diesen aiMOOC ist vor allem eines wichtig: Kleinwuchs ist kein Grund, einen Menschen weniger ernst zu nehmen.

Körpergröße verrät nichts darüber, ob jemand ein guter Freund, eine gute Mutter, ein guter Vater, ein guter Lehrer, eine gute Ärztin, ein guter Sportler oder eine gute Künstlerin sein kann. Menschen sollten nach ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen beurteilt werden, nicht nach ihrer Größe.


Gleichwertig bedeutet nicht gleich

Das Gleichheitszeichen erinnert an eine wichtige Idee: Menschen sind verschieden, aber ihre Würde und ihre grundlegenden Rechte sind gleich viel wert.

Gleichwertigkeit heißt nicht, dass alle exakt dasselbe brauchen. Ein sehr kleines Kind braucht vielleicht einen Hocker, um an ein Waschbecken zu kommen. Eine kleinwüchsige erwachsene Person kann angepasste Möbel, Bedienelemente oder ein angepasstes Fahrzeug nutzen. Eine Person im Rollstuhl braucht vielleicht eine Rampe. Solche Anpassungen sind keine Bevorzugung. Sie können helfen, damit alle möglichst selbstständig teilnehmen können.

Das nennt man Inklusion: Nicht der Mensch soll passend gemacht werden, sondern die Umgebung soll so gestaltet sein, dass möglichst viele Menschen mitmachen können.


Vorurteile: Urteilen, bevor man jemanden kennt

Ein Vorurteil ist eine fertige Meinung über einen Menschen oder eine Gruppe, obwohl man die einzelne Person noch gar nicht richtig kennt. Vorurteile entstehen oft aus Gewohnheiten, Erzählungen, Bildern, Angst vor Unbekanntem oder dem Wunsch, zur eigenen Gruppe zu gehören.

Bei Michi sieht man ein Vorurteil besonders deutlich: Er stellt sich seinen Vater groß und stark vor. Als Tom kleiner ist als erwartet, glaubt Michi zunächst, Tom könne nicht der Vater sein, den er braucht. Erst durch gemeinsame Erfahrungen merkt er, dass Körpergröße und väterliche Fürsorge nichts miteinander zu tun haben müssen.


Die Vorurteils-Falle

Eine Vorurteils-Falle kann so aussehen:

  1. Merkmal sehen: „Diese Person ist klein.“
  2. Vorschnell etwas denken: „Dann kann sie bestimmt etwas nicht.“
  3. Unfair handeln: Man lacht, schließt aus oder fragt die Person gar nicht.
  4. Besser prüfen: Man lernt die Person kennen und fragt respektvoll, was sie braucht oder kann.

Du kannst eine Vorurteils-Falle unterbrechen, indem Du Dich fragst: Woher weiß ich das eigentlich? Kenne ich die Person? Habe ich nur geraten?


Ausgrenzung und Mobbing

Ausgrenzung bedeutet, dass jemand nicht mitmachen darf, nicht ernst genommen wird oder absichtlich außen vor bleibt. Ein einzelner Streit ist noch nicht automatisch Mobbing. Von Mobbing spricht man typischerweise, wenn eine Person wiederholt und über längere Zeit angegriffen, verspottet, bedroht oder ausgeschlossen wird und sich schwer allein wehren kann.

Im Film erlebt Michi Spott, weil sein möglicher Vater kleinwüchsig ist. Tom wird ebenfalls mit abwertenden Reaktionen konfrontiert. Dadurch zeigt der Film, dass Ausgrenzung nicht nur die Person treffen kann, gegen die ein Vorurteil direkt gerichtet ist, sondern auch Menschen in ihrem Umfeld.


Was Du tun kannst

  1. Nicht mitmachen: Lache nicht mit, wenn jemand auf Kosten anderer Witze macht.
  2. Stopp sagen: Wenn es sicher ist, sage klar, dass das Verhalten nicht in Ordnung ist.
  3. Dabeibleiben: Setze oder stelle Dich zu der Person, die ausgegrenzt wird.
  4. Hilfe holen: Sprich mit Lehrkräften, Eltern, Erzieherinnen, Erziehern oder anderen Vertrauenspersonen.
  5. Nachfragen: Frage die betroffene Person, was ihr helfen würde.
  6. Weitererzählen ist nicht Petzen: Wenn jemand verletzt oder wiederholt ausgegrenzt wird, ist Hilfeholen richtig.


Respekt: Auf Augenhöhe miteinander umgehen

Respekt zeigt sich im Alltag. Du musst nicht mit allen befreundet sein. Du musst auch nicht jede Meinung gut finden. Aber Du kannst jeden Menschen so behandeln, dass seine Würde gewahrt bleibt.

Respekt bedeutet zum Beispiel: zuhören, ausreden lassen, Grenzen beachten, keine verletzenden Spitznamen verwenden, um Erlaubnis fragen, bevor man persönliche Fragen über den Körper stellt, und jemanden nicht ungefragt anfassen oder hochheben.

Besonders wichtig bei sichtbaren Unterschieden: Neugier ist erlaubt. Aber ein Mensch ist kein Ausstellungsstück. Wenn Du etwas wissen möchtest, frage höflich und akzeptiere auch ein „Darüber möchte ich nicht sprechen“.

Das Video „RESPECT!“ kann als Gesprächsanlass dienen: Welche Regeln helfen, damit Menschen gut zusammenleben?


Toleranz und Akzeptanz

Toleranz bedeutet, Unterschiede auszuhalten und anderen ihren Platz zu lassen. Akzeptanz geht oft noch einen Schritt weiter: Man erkennt den anderen Menschen als selbstverständlichen Teil der Gemeinschaft an.

Die beiden Videos erklären Toleranz kindgerecht aus unterschiedlichen Perspektiven.


Menschenwürde und Kinderrechte

Warum müssen Menschen unabhängig von ihrem Aussehen gleichwertig behandelt werden? Dafür gibt es nicht nur eine freundliche Regel, sondern auch grundlegende Rechte.

In Deutschland beginnt das Grundgesetz mit dem Schutz der Menschenwürde. Außerdem sagt Artikel 3, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Für Kinder ist zusätzlich die UN-Kinderrechtskonvention wichtig. Ihr Grundsatz der Nichtdiskriminierung bedeutet: Kinderrechte gelten für alle Kinder. Niemand soll wegen persönlicher Merkmale benachteiligt werden.

Für Dich kann man das so zusammenfassen:

Jedes Kind zählt. Jeder Mensch hat Würde. Unterschiede verändern den Wert eines Menschen nicht.


Fair ist, wenn alle mitmachen können

Stell Dir drei Kinder vor, die durch ein Fenster schauen wollen. Alle bekommen die gleiche Kiste. Das klingt zunächst gerecht. Aber wenn ein Kind kleiner ist, reicht eine Kiste vielleicht nicht. Fair kann dann bedeuten, dass das kleinere Kind eine höhere Unterstützung bekommt. Gleichwertigkeit heißt also nicht immer: „Alle bekommen genau dasselbe.“ Manchmal heißt sie: „Alle bekommen das, was sie brauchen, um teilnehmen zu können.“


Vielfalt und Inklusion

Vielfalt bedeutet, dass Menschen unterschiedlich sind: in ihrem Aussehen, ihrem Körper, ihrer Sprache, ihrer Familie, ihren Fähigkeiten, Erfahrungen, Interessen und vielem mehr. Eine vielfältige Gruppe ist nicht automatisch inklusiv. Inklusion entsteht erst, wenn alle wirklich dazugehören und mitmachen können.

Eine inklusive Klasse fragt deshalb nicht: „Wer ist normal?“ Sie fragt: „Was brauchen wir, damit alle lernen, spielen, sprechen und dazugehören können?“


Barrieren erkennen

Barrieren können aus Treppen, zu hohen Schaltern oder schwer erreichbaren Gegenständen bestehen. Es gibt aber auch Barrieren im Kopf. Ein Vorurteil wie „Das kannst Du bestimmt nicht“ kann genauso ausschließen.

Im Film wird sichtbar, dass Tom manche Dinge anders organisiert. Das ist kein Beweis für geringere Fähigkeiten. Es zeigt vielmehr, dass Umgebungen oft für Menschen mit durchschnittlicher Körpergröße gebaut werden. Gute Gestaltung berücksichtigt unterschiedliche Körper und Bedürfnisse.


Gefühle verstehen, ohne verletzendes Verhalten gutzuheißen

Empathie bedeutet, zu versuchen, die Gefühle und Sichtweise eines anderen Menschen zu verstehen. Bei Michi kann man zum Beispiel seine Sehnsucht nach einem Vater, seine Angst vor Spott und seine Scham nachvollziehen. Gleichzeitig darf man sagen: Tom zu verleugnen oder wegen seiner Körpergröße abzuwerten, ist verletzend.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Gefühle dürfen da sein. Verhalten kann trotzdem falsch sein. Du kannst wütend, enttäuscht oder unsicher sein und trotzdem lernen, respektvoll zu handeln.


Warum heißt der Film „Auf Augenhöhe“?

Der Titel hat mindestens zwei Bedeutungen.

Wörtlich geht es um Körpergröße und darum, dass Michi und Tom sich tatsächlich auf einer ähnlichen Höhe ansehen können.

Übertragen bedeutet „auf Augenhöhe“, dass zwei Menschen einander ernst nehmen. Niemand stellt sich innerlich über den anderen. Man hört zu, respektiert Grenzen, lässt den anderen mitentscheiden und erkennt denselben menschlichen Wert an.

VISION KINO weist außerdem darauf hin, dass die Kamera im Film häufig auf Augenhöhe der Figuren bleibt. Das ist ein Mittel der Filmsprache. Die Kamera kann beeinflussen, wie mächtig, klein, nah oder fremd uns eine Figur erscheint.


Kamera und Perspektive

Eine Kamera von oben kann eine Figur kleiner oder verletzlicher wirken lassen. Eine Kamera von unten kann eine Figur größer oder mächtiger erscheinen lassen. Eine Kamera auf Augenhöhe kann eher den Eindruck vermitteln, direkt mit einer Figur in Kontakt zu sein.

Achte beim Trailer oder beim Film darauf: Wann siehst Du Michi auf Augenhöhe? Wann Tom? Wie verändert sich Dein Gefühl, wenn die Kamera ihre Perspektive wechselt?


Sprache kann verletzen oder stärken

Wörter haben Wirkung. Wenn Menschen wegen ihres Körpers mit Schimpfwörtern bezeichnet werden, werden sie auf ein Merkmal reduziert. Respektvolle Sprache beschreibt, ohne abzuwerten.

Für den Film ist die Bezeichnung kleinwüchsiger Mensch oder Mensch mit Kleinwuchs passend. Manche Personen haben eigene Vorlieben dafür, wie sie bezeichnet werden möchten. Am respektvollsten ist es, diese Selbstbezeichnung zu achten.

Ein hilfreicher Merksatz lautet: Sprich über Menschen so, wie Du möchtest, dass über Dich gesprochen wird – und frage nach, wenn Du unsicher bist.


Vom Zuschauen zum Handeln

Der Film zeigt, dass Vorurteile verändert werden können. Das geschieht nicht nur durch einen guten Vorsatz. Michi verändert seine Sicht, weil er Tom erlebt, gemeinsame Erfahrungen macht und merkt, wie verletzend seine eigene Ablehnung ist.

Auch im echten Leben können Einstellungen sich verändern. Dazu helfen Begegnung, Zuhören, Nachfragen, Wissen, Selbstkritik und der Mut, in einer Gruppe nicht bei Ausgrenzung mitzumachen.

Eine Gemeinschaft wird stärker, wenn nicht alle gleich sein müssen, um dazuzugehören.


Merksätze

  1. Körpergröße ist ein Merkmal, kein Maß für den Wert eines Menschen.
  2. Vorurteile sind vorschnelle Urteile und können unfair sein.
  3. Ausgrenzung verletzt und darf nicht zur Gruppenregel werden.
  4. Respekt heißt, andere ernst zu nehmen und ihre Grenzen zu achten.
  5. Familie kann unterschiedlich aussehen und wird auch durch Fürsorge und Verlässlichkeit geprägt.
  6. Gleichwertig heißt nicht identisch: Menschen dürfen Verschiedenes brauchen.
  7. Zivilcourage bedeutet, sicher und sinnvoll gegen Unrecht zu handeln.
  8. Auf Augenhöhe begegnen heißt, niemanden wegen seines Aussehens herabzusetzen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet „auf Augenhöhe“ im übertragenen Sinn? (Einander gleichwertig und respektvoll begegnen) (!Immer genau gleich groß sein) (!Nie verschiedener Meinung sein) (!Nur mit der eigenen Familie sprechen)




Warum ist Michi beim ersten Treffen mit Tom enttäuscht? (Tom passt nicht zu Michis vorherigem Wunschbild eines Vaters) (!Tom kennt Michis Lieblingsspiel nicht) (!Tom möchte sofort aus Deutschland wegziehen) (!Tom verbietet Michi jede Freundschaft)




Welche Aussage über Körpergröße stimmt? (Körpergröße sagt nichts über den Wert eines Menschen aus) (!Große Menschen sind automatisch mutiger) (!Kleine Menschen brauchen immer Hilfe) (!Körpergröße entscheidet über Freundlichkeit)




Was ist ein Vorurteil? (Eine vorschnelle Meinung über jemanden ohne ihn richtig zu kennen) (!Eine genaue Messung der Körpergröße) (!Ein freundliches Gespräch mit einer neuen Person) (!Eine Regel für ein Brettspiel)




Was kannst Du tun, wenn jemand ausgegrenzt wird? (Hilfe holen und die betroffene Person unterstützen) (!Mitlachen damit Du selbst nicht auffällst) (!So tun als wäre nichts passiert) (!Die Person noch weiter ausschließen)




Was zeigt der Film über Familie? (Familie wird auch durch Fürsorge Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt) (!Nur Menschen gleicher Körpergröße können Familie sein) (!Familie bedeutet immer dieselben Interessen zu haben) (!Nur biologische Verwandtschaft zählt)




Was bedeutet Gleichwertigkeit? (Alle Menschen haben denselben menschlichen Wert) (!Alle Menschen müssen gleich aussehen) (!Alle Menschen müssen dasselbe können) (!Alle Menschen müssen dieselbe Meinung haben)




Was ist Zivilcourage? (Sicher und sinnvoll gegen Unrecht einzutreten) (!Bei Spott grundsätzlich zu schweigen) (!Andere wegen ihres Aussehens zu testen) (!Jeden Streit allein lösen zu müssen)




Warum können angepasste Hilfsmittel fair sein? (Sie helfen Menschen möglichst gleichberechtigt teilzunehmen) (!Sie machen einen Menschen wichtiger als andere) (!Sie zeigen dass eine Person weniger wert ist) (!Sie sind nur für Kinder erlaubt)




Was kann respektvolle Sprache leisten? (Sie nimmt Menschen ernst ohne sie auf ein Merkmal zu reduzieren) (!Sie verhindert jede Meinungsverschiedenheit) (!Sie macht alle Menschen körperlich gleich) (!Sie erlaubt verletzende Spitznamen)





Memory

Auf Augenhöhe Gleichwertig begegnen
Vorurteil Vorschnelles Urteil
Zivilcourage Gegen Ausgrenzung handeln
Kleinwuchs Geringe Körpergröße
Familie Fürsorge und Zugehörigkeit
Empathie Gefühle anderer verstehen
Inklusion Alle können dazugehören
Respekt Grenzen und Würde achten





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Vorurteil Meinung ohne genaues Kennenlernen
Ausgrenzung Jemand darf absichtlich nicht dazugehören
Respekt Einen Menschen ernst nehmen
Zivilcourage Bei Unrecht sinnvoll helfen
Inklusion Barrieren abbauen und Teilhabe ermöglichen
Familie Verlässliche Beziehung und Fürsorge




...


Kreuzworträtsel

Respekt Wie heißt es, wenn Du andere Menschen ernst nimmst und ihre Grenzen achtest?
Familie Wie nennt man eine Gemeinschaft, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und sich zugehörig fühlen können?
Kleinwuchs Welcher Begriff bezeichnet eine deutlich geringere Körpergröße mit unterschiedlichen möglichen Ursachen?
Toleranz Wie heißt es, Unterschiede gelten zu lassen?
Empathie Wie nennt man die Fähigkeit, Gefühle und Sichtweisen anderer nachzuvollziehen?
Inklusion Wie heißt das Ziel, dass alle Menschen wirklich dazugehören und mitmachen können?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der zehnjährige Michi lebt zu Beginn des Films in einem

.
Er sucht nach einem Mann, den er für seinen

hält.
Tom ist

.
Michi reagiert zunächst mit einem

auf Toms Aussehen.
Wiederholtes Verspotten und Ausgrenzen kann zu

werden.
Wer andere ernst nimmt und ihre Grenzen achtet, zeigt

.
Das Hineinversetzen in die Gefühle anderer nennt man

.
Wenn alle wirklich dazugehören und mitmachen können, spricht man von

.
Menschen können verschieden sein und trotzdem

sein.
Der Filmtitel beschreibt auch eine Begegnung auf

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Gefühlsfarben: Male Michi und Tom jeweils zu Beginn und später im Film. Wähle Farben für ihre Gefühle und erkläre einem Partner, warum Du sie gewählt hast.
  2. Respekt-Plakat: Gestalte ein Plakat mit fünf Sätzen, die zeigen, wie Kinder in einer Gruppe respektvoll miteinander umgehen können.
  3. Familienvielfalt: Zeichne mehrere erfundene Familienformen. Achte darauf, dass keine Form als „normaler“ oder „besser“ dargestellt wird als eine andere.
  4. Stopp-Satz: Erfinde drei kurze Sätze, die Du sicher verwenden kannst, wenn jemand wegen seines Aussehens verspottet wird.


Standard

  1. Vorurteilsdetektiv: Beobachte eine Filmszene oder den Trailer. Notiere, welches äußere Merkmal gesehen wird, welches Vorurteil daraus entsteht und wie die Handlung dieses Vorurteil später infrage stellt.
  2. Perspektivwechsel: Schreibe oder erzähle dieselbe kurze Szene einmal aus Michis und einmal aus Toms Sicht. Welche Gefühle unterscheiden sich?
  3. Barrieren-Check: Untersuche mit einer erwachsenen Begleitperson Eure Schule oder einen anderen vertrauten Ort. Welche Dinge sind für sehr kleine, sehr große oder anders bewegliche Menschen schwer erreichbar? Entwickelt Verbesserungsideen.
  4. Interview über Respekt: Befrage eine vertraute erwachsene Person dazu, was „auf Augenhöhe“ für sie bedeutet. Fasse die wichtigsten Gedanken in einem kleinen Poster oder Audio-Beitrag zusammen.


Schwer

  1. Szenenwerkstatt: Spielt in einer Gruppe eine kurze Ausgrenzungsszene und stoppt sie an drei Stellen. Probiert jeweils eine andere respektvolle Handlung aus und besprecht, welche am besten hilft.
  2. Filmkamera auf Augenhöhe: Dreht mit Unterstützung einer erwachsenen Person eine kurze Szene dreimal: von oben, von unten und auf Augenhöhe. Vergleicht, wie dieselbe Person jeweils wirkt.
  3. Klassenvereinbarung: Entwickelt gemeinsam Regeln gegen Spott und Ausgrenzung. Legt auch fest, an wen sich Kinder wenden können, wenn die Regeln verletzt werden.
  4. Mini-Ausstellung Gleichwertigkeit: Erstellt gemeinsam Bilder, kurze Texte, Symbole und Hörstationen zum Satz „Anders aussehen – gleich viel wert“. Achtet darauf, echte Menschen nicht vorzuführen oder ohne Erlaubnis zu fotografieren.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Perspektivwechsel erklären: Michi schämt sich zeitweise für Tom. Erkläre, wie Gruppendruck und Vorurteile zusammenwirken können. Nenne anschließend eine Handlung, die Michi stattdessen wählen könnte.
  2. Fair oder gleich: Ein Waschbecken ist für einige Menschen zu hoch. Erkläre, warum ein Hocker oder ein tieferes Waschbecken keine ungerechte Bevorzugung sein muss.
  3. Familienbegriff übertragen: Eine erfundene Figur sagt: „Nur wer biologisch verwandt ist, ist echte Familie.“ Prüfe diese Aussage mit Gedanken aus dem Film und formuliere eine differenziertere Antwort.
  4. Konflikt lösen: In einer Klasse wird ein Kind wegen eines sichtbaren Körpermerkmals ausgelacht. Entwickle einen sicheren Handlungsplan für das betroffene Kind, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Erwachsene.
  5. Filmsprache deuten: Erkläre, wie eine Kamera auf Augenhöhe die Botschaft des Films unterstützen kann. Vergleiche diese Wirkung mit einer Aufnahme von oben oder unten.
  6. Vorurteil überprüfen: Erfinde ein harmloses Beispiel für ein Vorurteil über Aussehen. Zeige in drei Schritten, wie man es durch Fragen, Begegnung und Beobachtung überprüfen kann.




Lernnachweis

Für einen guten Lernnachweis zu Auf Augenhöhe ist wichtig, dass Du Zusammenhänge erklären kannst und nicht nur Namen auswendig weißt.

  1. Du kannst den Titel Auf Augenhöhe wörtlich und übertragen erklären.
  2. Du kannst beschreiben, warum Körpergröße nichts über den Wert oder Charakter eines Menschen aussagt.
  3. Du kannst ein Vorurteil erkennen und erklären, warum vorschnelle Urteile unfair sein können.
  4. Du kannst Ausgrenzung von einem gewöhnlichen einzelnen Streit unterscheiden und geeignete Hilfewege nennen.
  5. Du kannst zeigen, wie Respekt, Empathie und Zivilcourage im Alltag aussehen.
  6. Du kannst erklären, dass Familie unterschiedlich gelebt werden kann und Fürsorge sowie Verlässlichkeit wichtig sind.
  7. Du kannst den Unterschied zwischen „alle sind gleich“ und „alle sind gleichwertig“ erklären.
  8. Du kannst mindestens eine Barriere erkennen und eine inklusive Verbesserung vorschlagen.
  9. Du kannst eine Filmszene aus mehreren Perspektiven betrachten und die Wirkung der Kameraperspektive beschreiben.
  10. Du verwendest eine respektvolle Sprache und reduzierst Menschen nicht auf ein sichtbares Merkmal.




OERs zum Thema

Freie und weiterführende Materialien:

  1. Wikimedia Commons: Dwarfism – frei lizenzierte Medien rund um Kleinwuchs.
  2. VISION KINO: Auf Augenhöhe – Filmtipp, pädagogische Hinweise und Unterrichtsmaterialien.
  3. filmportal.de: Auf Augenhöhe – Filmdaten, Mitwirkende und Auszeichnungen.
  4. Deutscher Filmpreis: Auf Augenhöhe – Informationen zur Auszeichnung als Bester Kinderfilm.
  5. UNICEF: Kinderrechte – kindbezogene Informationen zu Gleichheit und Nichtdiskriminierung.
  6. Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien: Kleinwuchs – Informationen aus der Selbsthilfe zu Kleinwuchs, Alltag und Teilhabe.
  7. Grundgesetz Artikel 1 und Grundgesetz Artikel 3 – Menschenwürde und Gleichheit vor dem Gesetz.

Hinweis zu Medienrechten: Die eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien stehen unter den auf ihren jeweiligen Dateiseiten genannten freien Lizenzen oder sind gemeinfrei. YouTube-Videos sind eingebettete externe Medien und nicht automatisch Open Educational Resources.



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