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Animationsfilme

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Animationsfilme




Einleitung

Animationsfilme erzeugen die Wahrnehmung von Bewegung, indem viele einzelne Bilder in zeitlicher Folge gezeigt werden. Diese Bilder können gezeichnet, gemalt, fotografiert, aus ausgeschnittenen Figuren zusammengesetzt oder am Computer berechnet sein. Damit ist der Animationsfilm kein einzelner Stil, sondern ein großes Feld von Filmkunst, Design, Fotografie, Informatik, Musik, Schauspiel und Erzählkunst.

Im Kino und in digitalen Medien werden häufig Bildraten um 24 Bilder pro Sekunde verwendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass in einer Animation jedes Einzelbild neu gezeichnet oder vollständig neu erzeugt werden muss. In der klassischen 2D-Animation können einzelne Zeichnungen mehrere Filmbilder lang stehen bleiben. In Stop-Motion-Filmen wird dagegen nach kleinen Veränderungen an Figuren oder Gegenständen jeweils ein neues Foto aufgenommen. Computeranimation berechnet Zwischenzustände, Kamerabewegungen, Licht und Oberflächen häufig digital.

Der Animationsfilm eignet sich besonders gut, um Dinge sichtbar zu machen, die in einer Realfilmaufnahme nur schwer oder gar nicht gezeigt werden könnten: Fantasiewelten, sprechende Gegenstände, übertriebene Bewegungen, mikroskopische Prozesse, historische Rekonstruktionen oder abstrakte Gedanken. Gleichzeitig gelten auch im Animationsfilm viele Grundprinzipien des Films: Dramaturgie, Montage, Bildgestaltung, Ton, Musik, Perspektive und Figurenentwicklung.

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Animation funktioniert, welche Techniken es gibt, wie sich Animationsfilme historisch entwickelt haben, wie ein Film von der Idee bis zur fertigen Szene entsteht und mit welchen Kriterien Du Animationsfilme analysieren kannst. Außerdem wirst Du selbst kleine Animationen planen und produzieren.


Was ist Animation?

Das Wort Animation geht auf lateinische Begriffe für Leben und Beseelung zurück. Im Medienbereich bezeichnet Animation Verfahren, mit denen unbewegte Einzelbilder so organisiert werden, dass beim Abspielen der Eindruck von Bewegung entsteht.

Die Bewegung befindet sich also nicht bereits in einem einzelnen Bild. Sie entsteht aus der zeitlichen Abfolge von Bildern. Entscheidend sind dabei unter anderem Bildrate, Bewegungsabstände, Dauer einzelner Posen und die Gestaltung von Übergängen.

Bei einer einfachen Animation eines springenden Balls kann beispielsweise zunächst eine obere Position, danach eine tiefere Position und schließlich der Kontakt mit dem Boden festgelegt werden. Werden passende Zwischenbilder ergänzt, entsteht eine Bewegung. Werden Abstände und Formen bewusst verändert, kann derselbe Ball leicht, schwer, elastisch oder starr wirken.

Die Animation verbindet deshalb zwei Ebenen:

  1. Bildgestaltung: Wie sehen Figuren, Räume, Farben, Formen und Oberflächen aus?
  2. Zeitgestaltung: Wie schnell verändert sich ein Bild, wann beginnt eine Bewegung und wie lange dauert sie?


Bildrate und Bewegungsillusion

Die Bildrate gibt an, wie viele Einzelbilder pro Sekunde wiedergegeben werden. Im Film ist eine Wiedergabe mit 24 Bildern pro Sekunde weit verbreitet. Animation arbeitet jedoch oft mit weniger neu erzeugten Zeichnungen oder Posen, weil ein Motiv über mehrere Wiedergabebilder gehalten werden kann.

Für die Wirkung einer Bewegung ist daher nicht allein die technische Bildrate wichtig. Ebenso entscheidend sind Timing und Spacing.

Timing beschreibt, wie viel Zeit eine Handlung benötigt. Ein langsames Aufstehen wirkt anders als ein plötzliches Hochspringen.

Spacing beschreibt, wie groß die räumlichen Abstände zwischen aufeinanderfolgenden Positionen eines Objekts sind. Kleine Abstände wirken langsam, größere Abstände wirken schneller.


Frühe Geschichte der Animation

Die Idee, aus aufeinanderfolgenden Bildern Bewegung entstehen zu lassen, ist älter als der Kinofilm. Im 19. Jahrhundert wurden verschiedene optische Geräte entwickelt, mit denen kurze Bewegungsfolgen betrachtet werden konnten.

Ein bekanntes Beispiel ist das Zoetrop. In einer drehbaren Trommel befinden sich Bildfolgen. Blickt man während der Drehung durch die Schlitze, erscheinen die einzelnen Zeichnungen als zusammenhängende Bewegung.

Ein weiteres Gerät ist das Praxinoskop, das 1877 von Émile Reynaud patentiert wurde. Es verwendet eine Spiegelanordnung, um eine Folge von Bildern sichtbar zu machen.

Solche Geräte waren wichtige Stationen auf dem Weg zu Film und Animation. Sie zeigen ein Grundprinzip, das bis heute gilt: Bewegung lässt sich durch sorgfältig geplante Bildfolgen darstellen.


Vom kurzen Trickfilm zum langen Animationsfilm

Mit der Entwicklung des Kinos entstanden um 1900 immer mehr Verfahren, gezeichnete oder veränderte Einzelbilder auf Film aufzunehmen. Frühe Filmschaffende experimentierten mit Zeichnungen, Puppen, Gegenständen und fotografischen Tricks.

In Deutschland wurde Lotte Reiniger zu einer bedeutenden Pionierin der Silhouettenanimation. Ihr Film Die Abenteuer des Prinzen Achmed aus dem Jahr 1926 ist ein wichtiger Meilenstein des frühen abendfüllenden Animationsfilms. Die Figuren wurden als bewegliche Silhouetten gestaltet und Bild für Bild animiert.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entstanden unterschiedliche Produktionskulturen und Stile. Zeichentrickfilme wurden für Kino und Fernsehen produziert, Puppenanimationen weiterentwickelt und neue technische Verfahren eingesetzt. Seit dem späten 20. Jahrhundert gewann die digitale 2D- und 3D-Animation stark an Bedeutung.

Das Video zur Geschichte des Schweizer Animationsfilms eignet sich als Beispiel dafür, dass Animationsgeschichte nicht nur aus den Produktionen großer internationaler Studios besteht. Auch nationale und regionale Filmszenen haben eigene Traditionen, Künstlerinnen, Künstler und Produktionsformen entwickelt.


Techniken des Animationsfilms

Animationsfilme lassen sich nicht nur nach ihrem Aussehen unterscheiden. Häufig ist die wichtigste Frage: Wie wurden die Einzelbilder hergestellt?


Zeichentrick und klassische 2D-Animation

Bei der traditionellen Zeichentrickanimation werden Bewegungsphasen gezeichnet. Wichtige Posen können als Keyframes oder Schlüsselbilder festgelegt werden. Dazwischen entstehen Zwischenzeichnungen, die den Übergang gestalten.

Historisch wurden Zeichnungen häufig auf transparente Folien, sogenannte Cels, übertragen. Figuren und Hintergründe konnten dadurch auf getrennten Ebenen produziert und gemeinsam fotografiert werden.

Heute wird 2D-Animation oft vollständig digital erstellt. Das Grundprinzip bleibt jedoch ähnlich: Figuren, Formen und Hintergründe werden über die Zeit verändert.


Stop-Motion

Bei Stop-Motion werden reale Gegenstände oder Figuren zwischen zwei Aufnahmen jeweils ein kleines Stück verändert. Werden die Fotos hintereinander abgespielt, entsteht Bewegung.

Typische Formen sind:

  1. Puppenanimation: Bewegliche Puppen werden Bild für Bild positioniert.
  2. Knetanimation: Verformbare Figuren aus Knete oder ähnlichem Material werden verändert.
  3. Legetrick: Flache Figuren, Papierformen oder andere Elemente werden auf einer Fläche bewegt.
  4. Objektanimation: Alltagsgegenstände werden so fotografiert, als würden sie sich selbst bewegen.

Datei:How to make stop motion.webm

Stop-Motion verlangt besonders sorgfältiges Arbeiten. Schon eine unbeabsichtigte Verschiebung der Kamera oder eine starke Veränderung des Lichts kann in der fertigen Sequenz sichtbar werden.


Silhouettenanimation

Die Silhouettenanimation arbeitet mit dunklen Figuren vor helleren Hintergründen. Bewegliche Gelenke ermöglichen unterschiedliche Posen. Lotte Reiniger entwickelte diese Technik für ihre Filme besonders kunstvoll weiter.

Die reduzierte Darstellung zeigt, dass Animation nicht möglichst realistisch aussehen muss. Formen, Kontraste und Bewegungen können wichtiger sein als räumliche Detailtreue.


Cut-out und digitale Legetechnik

Bei der Cut-out-Animation werden Figuren aus Einzelteilen zusammengesetzt. Früher geschah dies häufig mit Papier, Karton oder Fotografien. Heute kann dasselbe Prinzip digital umgesetzt werden.

Arme, Beine, Köpfe und andere Teile lassen sich getrennt bewegen. Dadurch müssen Figuren nicht für jedes Bild vollständig neu gezeichnet werden.


3D-Computeranimation

Bei der Computeranimation können Figuren und Objekte als dreidimensionale Modelle aufgebaut werden. Häufige Produktionsschritte sind Modellierung, Materialgestaltung, Rigging, Animation, Beleuchtung und Rendering.

Beim Rigging erhält ein digitales Modell ein steuerbares Skelett oder andere Kontrollstrukturen. Animatorinnen und Animatoren verändern diese Steuerelemente, um Posen und Bewegungen festzulegen.

Beim Rendering berechnet der Computer aus Modellen, Kamera, Licht, Materialien und Effekten die fertigen Bilder.

Programme wie Blender ermöglichen 3D-Modellierung und Animation. Auch wenn Software viele Zwischenwerte berechnen kann, müssen überzeugende Bewegungen weiterhin geplant, beobachtet und gestaltet werden.


Rotoskopie

Bei der Rotoskopie dient gefilmte Bewegung als Vorlage für Animation. Bewegungsabläufe können Bild für Bild analysiert, nachgezeichnet oder als Orientierung verwendet werden.

Rotoskopie zeigt besonders deutlich, wie eng Realfilm und Animation miteinander verbunden sein können. Eine reale Bewegung kann Ausgangspunkt sein, ohne dass die fertige Animation realistisch aussehen muss.


Motion Capture

Beim Motion Capture werden Bewegungen von Menschen oder anderen realen Vorlagen digital erfasst. Die gewonnenen Bewegungsdaten können auf digitale Figuren übertragen und anschließend weiterbearbeitet werden.

Motion Capture ersetzt dabei nicht automatisch die kreative Animationsarbeit. Posen, Timing, Gesichtsausdruck, Übertreibung und Inszenierung können weiterhin verändert werden.


Vom Einfall zum fertigen Animationsfilm

Ein Animationsfilm entsteht normalerweise in vielen Arbeitsschritten. Je nach Technik, Länge und Produktionsgröße können diese unterschiedlich organisiert sein.


Idee, Thema und Ziel

Am Anfang steht eine Idee. Dabei sollte geklärt werden:

  1. Thema: Worum geht es?
  2. Zielgruppe: Für wen wird der Film gemacht?
  3. Aussage: Was soll das Publikum verstehen, fühlen oder hinterfragen?
  4. Format: Soll ein Kurzfilm, Erklärfilm, Musikvideo, Werbeclip oder eine andere Form entstehen?

Eine klare Idee spart später viel Arbeit, weil Animation zeitaufwendig sein kann.


Drehbuch und Dramaturgie

Das Drehbuch beschreibt Handlung, Figuren, Dialoge und wichtige Situationen. Auch kurze Animationsfilme profitieren von einer nachvollziehbaren Dramaturgie.

Ein möglicher Aufbau besteht aus Ausgangssituation, Konflikt, Entwicklung, Wendepunkt und Lösung. Diese Struktur ist jedoch kein Zwang. Animationsfilme können auch experimentell, abstrakt oder ohne klassische Handlung gestaltet sein.


Storyboard

Das Storyboard übersetzt das Drehbuch in eine Folge gezeichneter Einstellungen. Es ähnelt einem Comic, hat aber eine andere Funktion: Es plant Kamera, Bildausschnitt, Bewegung, Reihenfolge und wichtige Aktionen.

Ein Storyboard hilft, Fehler zu erkennen, bevor aufwendige Animation produziert wird. Man kann prüfen, ob die Blickrichtung verständlich ist, ob eine Szene zu lang wirkt oder ob wichtige Informationen fehlen.


Animatic

Ein Animatic ist eine zeitlich angeordnete Version des Storyboards. Die Storyboardbilder werden mit vorläufigem Ton, Dialog oder Musik abgespielt.

Dadurch lässt sich testen, wie schnell eine Szene erzählt werden soll. Viele Timing-Entscheidungen können so getroffen werden, bevor die eigentliche Animation beginnt.


Design und Modellblätter

Figuren müssen aus verschiedenen Perspektiven wiedererkennbar bleiben. Deshalb werden häufig Model Sheets oder Modellblätter erstellt. Sie zeigen Figuren in mehreren Ansichten, mit Größenverhältnissen, Gesichtsausdrücken und charakteristischen Posen.

Auch Farbkonzepte und Hintergrundgestaltung werden geplant. Farbe kann Stimmung erzeugen, Figuren voneinander abheben oder wichtige Bildelemente betonen.


Keyframes und Zwischenphasen

Schlüsselbilder markieren besonders wichtige Posen einer Bewegung. Zwischenbilder verbinden diese Posen.

Bei digitaler Animation kann Software zwischen Keyframes Werte berechnen. Trotzdem entscheidet der Mensch über die wichtigen Posen, Kurven, Geschwindigkeiten und Ausdrucksformen.


Ton, Sprache und Musik

Ton verändert die Wahrnehmung von Bildern stark. Ein identischer Bildablauf kann mit unterschiedlicher Musik spannend, traurig oder komisch wirken.

Zum Ton gehören:

  1. Dialog
  2. Geräusch
  3. Filmmusik
  4. Atmosphäre
  5. Stille

Beim Animieren von Sprache muss häufig auch die Mundbewegung an den gesprochenen Text angepasst werden. Dieser Vorgang wird oft als Lip Sync bezeichnet.


Schnitt und Postproduktion

Im Filmschnitt werden Einstellungen ausgewählt, gekürzt und angeordnet. In der Postproduktion können außerdem Farbkorrektur, visuelle Effekte, Titel, Tonmischung und weitere Bearbeitungen hinzukommen.

Eine gute Animation allein macht noch keinen guten Film. Erst das Zusammenspiel von Bewegung, Bild, Ton, Rhythmus und Erzählung erzeugt die Gesamtwirkung.


Grundprinzipien überzeugender Animation

Die Animatoren Frank Thomas und Ollie Johnston beschrieben in ihrem Buch The Illusion of Life zwölf bekannte Prinzipien, die aus der Arbeit der Disney-Animation hervorgegangen sind. Sie sind keine starren Gesetze, sondern Werkzeuge, mit denen Bewegungen lesbarer und ausdrucksstärker gestaltet werden können.


Squash and Stretch

Squash and Stretch bedeutet Stauchen und Dehnen. Ein weicher Ball kann sich beim Aufprall zusammendrücken und beim Absprung strecken. Dadurch wird Elastizität sichtbar.

Bei glaubwürdiger Anwendung bleibt das wahrgenommene Volumen eines Körpers weitgehend nachvollziehbar.


Anticipation

Anticipation ist die Vorbereitung einer Handlung. Bevor eine Figur springt, kann sie in die Knie gehen. Bevor sie etwas wirft, kann sie den Arm zurücknehmen.

Diese Vorbereitung hilft dem Publikum, die folgende Aktion zu verstehen.


Staging

Staging bezeichnet die klare Inszenierung einer Handlung oder Idee. Pose, Licht, Bildausschnitt, Perspektive und Bewegung sollen die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenken.


Straight Ahead und Pose to Pose

Bei Straight Ahead Action wird eine Bewegung Bild für Bild fortlaufend entwickelt.

Bei Pose to Pose werden zunächst wichtige Schlüsselposen festgelegt und anschließend die Zwischenphasen ergänzt.

Beide Methoden können miteinander kombiniert werden.


Follow Through und Overlapping Action

Nicht alle Körperteile stoppen gleichzeitig. Haare, Kleidung oder ein Schwanz können einer Bewegung zeitlich folgen. Solche Nachbewegungen erhöhen die Glaubwürdigkeit.


Slow In und Slow Out

Viele Bewegungen beginnen oder enden nicht abrupt. Durch dichter gesetzte Zwischenpositionen am Anfang oder Ende kann eine Bewegung sanft beschleunigen oder abbremsen.


Arcs

Viele natürliche Bewegungen verlaufen auf Bögen. Ein Arm schwingt beispielsweise meist nicht streng auf einer geraden Linie durch den Raum.


Secondary Action

Eine Nebenbewegung kann die Hauptbewegung unterstützen. Während eine Figur geht, kann sie gleichzeitig gestikulieren. Die Nebenaktion darf die Hauptaktion jedoch nicht unverständlich machen.


Timing

Timing beeinflusst Gewicht, Stimmung und Persönlichkeit. Ein schwerer Gegenstand benötigt andere Bewegungsphasen als ein leichter. Eine nervöse Figur bewegt sich anders als eine entspannte.


Exaggeration

Übertreibung kann eine Handlung besser lesbar und emotional stärker machen. Sie bedeutet nicht automatisch, dass alles unrealistisch wirken muss.


Solid Drawing

Das Prinzip Solid Drawing bezieht sich auf das Verständnis von Form, Gewicht, Balance und räumlicher Wirkung. Auch digitale Animation profitiert von einem guten Verständnis von Körpern und Raum.


Appeal

Appeal bedeutet, dass Figuren oder Designs visuell interessant, klar und charakteristisch wirken. Eine Figur muss dafür nicht schön oder sympathisch sein.


Animationsfilm als Erzählform

Animation ist nicht nur Technik. Sie ist eine Form audiovisuellen Erzählens.

Eine Figur kann allein durch Bewegung charakterisiert werden. Kleine, vorsichtige Schritte können Unsicherheit zeigen. Große, schnelle Bewegungen können Kraft oder Übermut vermitteln. Farben können Stimmungen verändern. Geräusche können etwas ankündigen, das noch nicht sichtbar ist.

Gerade weil Animationsfilme ihre Bilder vollständig gestalten können, ist jede sichtbare Entscheidung bedeutsam: Form, Farbe, Licht, Bewegung, Perspektive und Rhythmus.


Genres, Stile und kulturelle Formen

Animationsfilme können nahezu jedes Filmgenre verwenden: Komödie, Drama, Science-Fiction, Fantasy, Dokumentarfilm, Horror, Experimentalfilm oder Bildungsfilm.

Anime bezeichnet außerhalb Japans üblicherweise Animationen japanischer Herkunft. Anime ist deshalb keine einzelne Animationstechnik. Ein Anime kann gezeichnete 2D-Animation, digitale Effekte und 3D-Elemente miteinander verbinden.

Auch Stop-Motion, Silhouettenfilm und 3D-Computeranimation sind keine Genres. Sie beschreiben vor allem Herstellungsweisen. Ein Stop-Motion-Film kann beispielsweise eine Komödie, ein Märchen oder ein Horrorfilm sein.


Animationsfilm analysieren

Wenn Du einen Animationsfilm untersuchst, solltest Du nicht nur fragen, ob er Dir gefällt. Eine Analyse beschreibt zunächst genau, wie der Film gestaltet ist und welche Wirkung daraus entsteht.

Mögliche Analysefragen sind:

  1. Animationstechnik: Welche Technik wurde verwendet und woran erkennst Du sie?
  2. Figurengestaltung: Welche Formen, Farben und Proportionen prägen die Figuren?
  3. Bewegung: Wirkt die Bewegung realistisch, übertrieben, langsam, hektisch oder bewusst reduziert?
  4. Kamera: Welche Einstellungsgrößen und Perspektiven werden verwendet?
  5. Montage: Wie schnell oder langsam wechseln die Einstellungen?
  6. Ton: Wie arbeiten Sprache, Musik, Geräusche und Stille mit dem Bild zusammen?
  7. Dramaturgie: Wie werden Konflikt, Spannung und Wendepunkte aufgebaut?
  8. Wirkung: Welche Gefühle, Gedanken oder Erwartungen werden erzeugt?

Eine gute Analyse verbindet Beobachtung und Deutung. Statt nur zu schreiben „Die Szene ist spannend“, solltest Du erklären, wodurch Spannung entsteht.


Animation in Schule, Wissenschaft und Kommunikation

Animation wird nicht nur zur Unterhaltung verwendet. Bewegte Darstellungen können Prozesse erklären, beispielsweise einen Blutkreislauf, eine Planetenbewegung oder den Aufbau einer Maschine.

Dabei ist jedoch nicht jede Animation automatisch lernförderlich. Bewegte Bilder können auch ablenken oder zu schnell sein. Gute Lernanimationen konzentrieren sich auf Inhalte, bei denen zeitliche Veränderung wirklich wichtig ist, und verbinden Bild und Erklärung verständlich miteinander.

Du kannst Animation im Unterricht deshalb sowohl als Lernmedium als auch als eigenes Produktionsprojekt nutzen. Schon mit Papier, Smartphone oder frei verfügbarer Software lassen sich kurze Sequenzen herstellen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt Animation am treffendsten? (Eine Technik, bei der Einzelbilder als Bewegung wahrgenommen werden) (!Eine Filmform, die ausschließlich mit Schauspielenden arbeitet) (!Eine Technik, die immer dreidimensionale Computermodelle benötigt) (!Eine Filmform ohne Ton und Musik)




Wozu dient ein Storyboard besonders? (Zur Planung von Einstellungen und Bildfolgen) (!Zur Berechnung der Lautstärke) (!Zur Herstellung von Kinoleinwänden) (!Zur Speicherung fertiger Eintrittskarten)




Welche Technik fotografiert reale Objekte Bild für Bild? (Stop-Motion) (!Rotoskopie) (!Liveübertragung) (!Dokumentarfotografie)




Was ist ein Keyframe? (Ein wichtiges Schlüsselbild einer Bewegung) (!Ein Lautsprecher im Tonstudio) (!Eine Filmkritik) (!Ein Kinoplakat)




Welche Technik verbindet man besonders mit Lotte Reiniger? (Silhouettenanimation) (!Motion Capture) (!360-Grad-Video) (!Live-Fernsehen)




Was bedeutet Rigging in der 3D-Animation? (Das Einrichten einer steuerbaren Struktur für ein digitales Modell) (!Das Schneiden einer Tonspur) (!Das Drucken eines Filmplakats) (!Das Schreiben einer Rezension)




Was beschreibt Timing in der Animation? (Die zeitliche Dauer und Geschwindigkeit einer Handlung) (!Die Farbe eines Hintergrunds) (!Die Größe einer Kinoleinwand) (!Die Sprache der Untertitel)




Was ist ein Animatic? (Eine zeitlich angeordnete Vorfassung auf Basis des Storyboards) (!Eine bewegliche Kinoleinwand) (!Ein ausschließlich gedrucktes Drehbuch) (!Eine Sammlung von Filmkritiken)




Welches Prinzip bereitet eine kommende Bewegung sichtbar vor? (Anticipation) (!Rendering) (!Untertitelung) (!Synchronisation)




Was geschieht beim Rendering in der 3D-Animation? (Aus digitalen Szenendaten werden fertige Bilder berechnet) (!Papierfiguren werden ausgeschnitten) (!Dialoge werden übersetzt) (!Kinokarten werden verkauft)





Memory

Storyboard Planung von Einstellungen
Stop-Motion Einzelbildweise fotografierte Objekte
Keyframe Wichtige Pose einer Bewegung
Rigging Steuerstruktur eines 3D-Modells
Rotoskopie Gefilmte Bewegung als Animationsvorlage
Animatic Zeitlich abgespieltes Storyboard
Rendering Berechnung fertiger Bilder





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Stop-Motion Reale Figuren werden zwischen Einzelaufnahmen verändert
Silhouettenanimation Dunkle bewegliche Formen werden vor einem helleren Hintergrund inszeniert
Rotoskopie Aufgezeichnete Realbewegung dient als Vorlage
3D-Animation Digitale Modelle werden im virtuellen Raum bewegt
Zeichentrick Gezeichnete Bewegungsphasen erzeugen eine Bildfolge





Kreuzworträtsel

Storyboard Wie heißt die gezeichnete Planung einer Folge von Einstellungen?
Keyframe Wie heißt ein wichtiges Schlüsselbild einer Bewegung?
Rendering Wie heißt die Berechnung fertiger Bilder aus einer digitalen Szene?
Rotoskopie Wie heißt das Animationsverfahren mit gefilmter Bewegung als Vorlage?
Praxinoskop Welches historische Gerät arbeitet mit Bildfolgen und Spiegeln?
Silhouette Wie nennt man eine dunkel dargestellte Umrissfigur?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Bei einer Animation erzeugt die schnelle Folge von

den Eindruck von Bewegung.
Ein gezeichneter Plan für Einstellungen und Bildfolgen heißt

.
Eine zeitlich abgespielte Vorfassung des Storyboards wird

genannt.
Wichtige Posen einer Bewegung können als

festgelegt werden.
Bei

werden reale Objekte zwischen den Aufnahmen verändert.
Bei der

dient aufgezeichnete Realbewegung als Vorlage für Animation.
Das Einrichten einer steuerbaren Struktur für ein 3D-Modell heißt

.
Die Berechnung eines fertigen Bildes aus einer digitalen Szene wird

genannt.
Die zeitliche Gestaltung einer Bewegung wird mit dem Begriff

beschrieben.
Das Animationsprinzip

bereitet eine folgende Handlung sichtbar vor.
Lotte Reiniger ist besonders mit der

verbunden.
Ein Praxinoskop gehört zu den frühen optischen Geräten der

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Daumenkino: Gestalte ein Daumenkino mit mindestens 20 Bildern, in dem sich eine einfache Form nachvollziehbar bewegt.
  2. Storyboard: Zeichne ein Storyboard mit sechs Einstellungen für eine Szene, in der eine Figur ein überraschendes Geräusch hört.
  3. Bewegungsanalyse: Beobachte einen springenden Ball und skizziere fünf charakteristische Bewegungsphasen.
  4. Filmanalyse: Wähle eine kurze Animationsszene und beschreibe, wie Farbe, Bewegung und Ton zusammenwirken.


Standard

  1. Stop-Motion: Produziere mit einem Smartphone einen Stop-Motion-Clip von mindestens fünf Sekunden und dokumentiere, wie Du Kamera und Licht stabil gehalten hast.
  2. Sounddesign: Vertone eine stumme kurze Animation mit selbst aufgenommenen Geräuschen und begründe Deine Auswahl.
  3. Figurendesign: Entwickle eine eigene Animationsfigur mit Vorderansicht, Seitenansicht und drei verschiedenen Gesichtsausdrücken.
  4. Animatic: Erstelle aus einem eigenen Storyboard ein Animatic mit vorläufigem Ton und überprüfe anschließend das Timing.


Schwer

  1. Animationsvergleich: Vergleiche dieselbe Bewegungsart in einem Stop-Motion-Film und einer 3D-Computeranimation. Untersuche Unterschiede bei Timing, Materialwirkung und Inszenierung.
  2. Rotoskopie: Filme eine kurze reale Bewegung, nutze einzelne Bilder als Vorlage und entwickle daraus eine stilisierte Animation.
  3. Erklärfilm: Produziere einen 30 bis 60 Sekunden langen animierten Erklärfilm zu einem Thema aus Naturwissenschaft, Geschichte oder Gesellschaft und teste ihn mit einer kleinen Lerngruppe.
  4. Kurzfilmprojekt: Plane im Team einen ein- bis zweiminütigen Animationsfilm mit Idee, Drehbuch, Storyboard, Aufgabenverteilung, Produktion, Ton und abschließender Reflexion.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Technik und Wirkung: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum sich dieselbe Geschichte in Stop-Motion anders anfühlen kann als in 3D-Computeranimation. Beziehe Material, Bewegung und Bildwirkung ein.
  2. Timing und Charakter: Entwickle zwei unterschiedliche Bewegungsabläufe für dieselbe Figur, sodass sie einmal ängstlich und einmal selbstbewusst wirkt. Begründe Deine Entscheidungen.
  3. Storyboard-Analyse: Du erhältst eine Szene, in der eine wichtige Information unklar bleibt. Entwirf drei neue Storyboard-Einstellungen, die die Handlung verständlicher machen, und erkläre Deine Bildwahl.
  4. Ton-Bild-Beziehung: Beschreibe, wie sich die Wirkung einer animierten Szene verändert, wenn die Musik ausgetauscht oder vollständig entfernt wird. Begründe Deine Vermutung mit filmischen Kriterien.
  5. Medienvergleich: Vergleiche einen kurzen Realfilm und einen Animationsfilm zum gleichen Thema. Untersuche, welche Möglichkeiten und Grenzen beide Darstellungsformen besitzen.
  6. Lernanimation: Entwirf das Konzept für eine Animation, die einen zeitlichen Prozess erklärt. Begründe, warum Bewegung für diesen Inhalt einen didaktischen Mehrwert bietet.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zum Thema Animationsfilme solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern Gestaltung bewusst einsetzen und begründen kannst.

  1. Grundprinzip Animation: Erkläre, wie aus Einzelbildern der Eindruck von Bewegung entsteht.
  2. Animationstechniken: Unterscheide mindestens drei Verfahren und erläutere ihre jeweiligen Produktionsweisen.
  3. Produktionsprozess: Zeige den Weg von Idee und Storyboard über Animation bis Ton und Postproduktion.
  4. Filmanalyse: Analysiere eine kurze Szene hinsichtlich Bewegung, Bildgestaltung, Montage und Ton.
  5. Eigenproduktion: Präsentiere eine selbst erstellte kurze Animation oder ein ausführliches Storyboard mit Animatic.
  6. Reflexion: Begründe technische und gestalterische Entscheidungen und beschreibe Verbesserungsmöglichkeiten.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Animationsfilme verbinden künstlerische, technische und erzählerische Kompetenzen. Besonders wichtig sind das Verständnis von Einzelbild und Bewegung, die Wahl einer geeigneten Animationstechnik, die Planung durch Drehbuch und Storyboard, die Gestaltung von Figuren und Räumen sowie die Verbindung von Bild, Bewegung, Schnitt und Ton.


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