Wärmepumpen und Kältetechnik – Wärmepumpenfehler anhand von Daten eingrenzen
Wärmepumpen und Kältetechnik – Wärmepumpenfehler anhand von Daten eingrenzen
Einleitung
Lernkurs für die Ausbildung in Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Kältetechnik
Kurzbeschreibung: Temperatur, Durchfluss und Betriebszustand auswerten, Fehlerursachen eingrenzen und sichere nächste Prüfschritte begründen.
Zielgruppe: Auszubildende im SHK-Handwerk, Mechatronikerinnen und Mechatroniker für Kältetechnik sowie technische Berufsbildung.
Lernzeit: 7 kurze Lerneinheiten à 8–12 Minuten, anschließend Übungen und Lernkontrolle.
Lernziele: Nach diesem Kurs kannst Du Messwerte einordnen, Wärmeleistungen überschlägig berechnen, unterschiedliche Betriebszustände unterscheiden und eine begründete Diagnosehypothese dokumentieren.
Wichtig: Der Kurs vermittelt ausschließlich eine datenbasierte Eingrenzung von Fehlern. Arbeiten an Kältemittelleitungen, am geschlossenen Kältekreis, an druckführenden Bauteilen oder elektrischen Anlagen gehören nicht zu den praktischen Aufgaben.

Bildauftrag: Erkenne die Außeneinheit. Überlege, welche Informationen Du aus dem Regler auslesen könntest, ohne ein Gehäuse zu öffnen.
Dein Lernweg
| Einheit | Schwerpunkt | Lernergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Aufbau und Wärmefluss | Kältekreis und Heizwasserkreis unterscheiden |
| 2 | Anlagenschema und Gebäude | Messstellen lokalisieren |
| 3 | Temperatur und Durchfluss | Wärmeleistung abschätzen |
| 4 | Ausbildungsfall | Auffällige Messwerte erkennen |
| 5 | Diagnoseentscheidung | Hypothesen und Prüfungen auswählen |
| 6 | Energie und Hygiene | Betriebszustände richtig bewerten |
| 7 | Sicherheit und Dokumentation | Fachgerechte Übergabe vorbereiten |
Lerneinheit 1: Die Wärmepumpe verstehen
Leitfrage: Welcher Kreislauf ist für welchen Wärmefluss verantwortlich?

Eine elektrisch angetriebene Wärmepumpe nutzt Umweltwärme und elektrische Energie, um Heizwärme bereitzustellen.

| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Verdampfer | Wärme aus der Wärmequelle aufnehmen |
| Verdichter | Druck und Temperatur des Kältemittels erhöhen |
| Verflüssiger | Wärme an den Heizwasserkreis abgeben |
| Expansionsventil | Kältemittel entspannen |
Merke: Das Kältemittel zirkuliert im geschlossenen Kältekreis. Heizwasser transportiert die Wärme zum Gebäude. Beide Kreise sind voneinander zu unterscheiden.
Mini-Aufgabe: Benenne im Bild die vier Bauteile und zeige, an welchem Wärmeübertrager die Heizwärme abgegeben wird.
Feedback: Der Verflüssiger überträgt Wärme an die Heizwasserseite. Daraus folgt nicht, dass der Heizwasserkreis mit Kältemittel gefüllt ist.
Lerneinheit 2: Anlagenschema und Gebäudemodell
Leitfrage: Wo entstehen Messwerte und was beschreiben sie?

Schematische Darstellung eines Wärmepumpensystems. Das konkrete Anlagenschema des Herstellers bleibt für echte Diagnosearbeiten maßgeblich.
Gebäudemodell

Das Bild zeigt ein Beispiel für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärmequelle. Unser Ausbildungsfall verwendet dagegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Vereinfachtes Schema unseres Ausbildungsfalls:
| Außenluft | → Wärmeaufnahme → | Luft-Wasser-Wärmepumpe |
| ↓ Heizwasservorlauf | ||
| Vorlaufmessung → Heizkreisverteiler → Heizflächen im Gebäude | ||
| Rücklaufmessung ← Heizkreisverteiler ← abgekühltes Heizwasser | ||
| ↑ Rücklauf zur Wärmepumpe | ||
Vereinfachung: Ein hydraulischer Abgleich, Pufferspeicher, Mischer, weitere Pumpen oder eine hydraulische Weiche können die tatsächlichen Messpunkte und Volumenströme verändern.
Messstellen erkennen


| Messgröße | Bedeutung | Typische Datenquelle |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur | Temperatur des hinströmenden Heizwassers | Temperaturfühler |
| Rücklauftemperatur | Temperatur des zurückströmenden Heizwassers | Temperaturfühler |
| Volumenstrom | Transportierte Wassermenge pro Zeit | Durchflusssensor |
| Pumpenstatus | Anforderung und Betriebszustand der Umwälzpumpe | Regelung |
| Verdichterstatus | Verdichter läuft oder steht | Regelung |
| Betriebsart | Heizen, Warmwasser, Abtauung oder Stillstand | Regelung |
Arbeitsauftrag: Markiere im Gebäudemodell einen sinnvollen Ort für Vorlauf- und Rücklauftemperaturmessung. Erkläre, warum Messwerte vor und hinter einem Pufferspeicher verschieden sein können.
Videofokus: Heizungshydraulik bei Wärmepumpen. Suche nach dem Zusammenhang zwischen hydraulischem Aufbau, Volumenstrom und Messstellen.
Lerneinheit 3: Temperatur, Durchfluss und Leistung
Leitfrage: Wie wird aus Messdaten eine nachvollziehbare Bewertung?
Temperaturspreizung
Spreizung = Vorlauftemperatur − Rücklauftemperatur
Beispiel:
35 °C − 30 °C = 5 K
Die Temperaturdifferenz wird in Kelvin angegeben. Eine Temperaturdifferenz von 5 °C entspricht 5 K.
Wichtig: Eine große Spreizung ist allein noch kein sicherer Nachweis für einen Fehler. Sie hängt unter anderem von Durchfluss, übertragener Leistung und Betriebszustand ab.
Wärmeleistung abschätzen
Für einen wasserführenden Heizkreis ohne relevante Frostschutzmittelanteile gilt näherungsweise:
Wärmeleistung in kW ≈ 1,163 × Volumenstrom in m³/h × Spreizung in K
Beispiel:
1,163 × 1,10 × 5 ≈ 6,40 kW
| Größe | Einheit | Beispiel |
|---|---|---|
| Volumenstrom | m³/h | 1,10 |
| Spreizung | K | 5 |
| Thermische Leistung | kW | 6,40 |
Die Näherung verwendet die üblichen Stoffwerte von Wasser. Bei Wasser-Glykol-Gemischen oder stark abweichenden Bedingungen müssen Dichte und Wärmekapazität angepasst werden. Die Messwerte müssen zeitgleich und an geeigneten Punkten aufgenommen werden.
Elektrische und thermische Leistung

Leistungszahl ≈ thermische Leistung / elektrische Leistung
Beispiel:
6,40 kW / 1,90 kW ≈ 3,37
Dies ist nur eine überschlägige momentane Leistungszahl, wenn Leistungswerte und Bilanzgrenzen zusammenpassen.
Unterscheide:
- COP: Leistungszahl unter definierten Betriebs- beziehungsweise Prüfbedingungen.
- Jahresarbeitszahl: Verhältnis der Wärmemenge zum Stromverbrauch über einen längeren Bilanzzeitraum.
- Momentaner Diagnosequotient: Eine Näherung aus gleichzeitig erhobenen Anlagendaten, kein normierter COP.
Videofokus: Effizienzbetrachtung und Bilanzgrenzen. Unterscheide eine einzelne Momentaufnahme von einer Jahresauswertung.
Lerneinheit 4: Ausbildungsfall – Die Räume werden nicht richtig warm
Auftrag: Du unterstützt eine Fachkraft bei der datenbasierten Diagnose einer Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem Wohngebäude.
Kundenmeldung: „Seit einigen Tagen werden mehrere Räume langsamer warm. Die Wärmepumpe läuft aber.“
Hinweis: Sämtliche folgenden Daten sind didaktisch konstruierte Beispieldaten, keine Messdaten einer realen Anlage.
Ausgangslage
| Merkmal | Ausbildungsfall |
|---|---|
| Wärmeerzeuger | Luft-Wasser-Wärmepumpe |
| Wärmeverteilung | Fußbodenheizung und Heizkörper |
| Messpunkte | Direkt an der Wärmepumpen-Heizwasserseite |
| Betriebsart | Raumheizung |
| Zusatzheizung | Aus |
| Vergleichszeitpunkt | Jeweils nach vergleichbarer Heizlaufzeit |
| Herstellervorgabe im fiktiven Fall | Mindestvolumenstrom 0,80 m³/h |
Achtung: Der Mindestvolumenstrom von 0,80 m³/h gilt ausschließlich als Annahme dieses Übungsfalls. Echte Grenzwerte sind gerätespezifisch und dem aktuellen Herstellerdokument zu entnehmen.
Zwei Datensätze vergleichen
| Messgröße | Referenzbetrieb | Auffälliger Betrieb |
|---|---|---|
| Außenluft | 4 °C | 4 °C |
| Betriebsart | Heizen | Heizen |
| Verdichter | Ein | Ein |
| Abtauung | Nein | Nein |
| Heizstab | Aus | Aus |
| Vorlauf | 35 °C | 41 °C |
| Rücklauf | 30 °C | 33 °C |
| Volumenstrom | 1,10 m³/h | 0,55 m³/h |
| Elektrische Leistung | 1,90 kW | 2,10 kW |
Basisauftrag: Berechne beide Spreizungen.
Anwendungsauftrag: Berechne die thermischen Leistungen.
Transferauftrag: Formuliere die wahrscheinlichste Fehlergruppe und nenne zwei Daten, mit denen Du Deine Vermutung überprüfen würdest.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Orientierung
Vergleiche zuerst ausschließlich die Betriebszustände. Sind beide Messungen überhaupt sinnvoll vergleichbar?
Hilfe 2 – Messwerte
Berechne 41 − 33 und vergleiche 0,55 m³/h mit 1,10 m³/h sowie mit der fiktiven Herstellervorgabe.
Hilfe 3 – Diagnose
Bei geringem Heizwasserdurchfluss kann die Temperaturspreizung zunehmen. Prüfe als Hypothesen die hydraulische Versorgung und die Plausibilität des Durchflusssensors, bevor Du an einen Fehler im Kältekreis denkst.
Musterlösung und begründetes Feedback
Lösung anzeigen
| Ergebnis | Referenz | Auffällig |
|---|---|---|
| Spreizung | 5 K | 8 K |
| Thermische Leistung | ca. 6,40 kW | ca. 5,12 kW |
| Quotient Wärme/Strom | ca. 3,37 | ca. 2,44 |
Begründung: Der Volumenstrom hat sich halbiert und liegt unter dem angenommenen Mindestvolumenstrom. Zugleich steigt die Spreizung. Das spricht vorrangig für ein Problem der Heizwasserhydraulik oder ihrer Messung.
Mögliche Ursachen: Geschlossene Ventile, ein zugesetzter Filter, eine Störung der Heizkreispumpe, ein ungünstiger hydraulischer Zustand oder ein fehlerhafter Durchflusssensor.
Was noch nicht bewiesen ist: Welches konkrete Bauteil den Durchfluss verringert hat. Auch die Quotienten sind keine hinreichend abgesicherte COP-Messung.
Sicherer nächster Schritt: Betriebsdaten, Pumpenmeldungen, Ventilzustände und Herstellervorgaben zunächst dokumentieren. Eine fachlich verantwortliche Person entscheidet über die weitere Prüfung.
Lerneinheit 5: Diagnostische Entscheidungen treffen
Leitfrage: Wie vermeidest Du vorschnelle Fehlerdiagnosen?
Diagnosepfad
| Schritt | Prüffrage | Konsequenz |
|---|---|---|
| Betriebszustand | Heizen, Warmwasser, Abtauung oder Stillstand? | Vergleichbare Zeitabschnitte auswählen |
| Temperatur | Welche Spreizung liegt vor? | Temperaturwerte auf Plausibilität prüfen |
| Durchfluss | Passt der Messwert zur Herstellervorgabe? | Hydraulische Hypothese bilden |
| Regelung | Pumpen-, Verdichter- und Zusatzheizungsstatus? | Betriebszustand bestätigen |
| Sensorik | Stimmen unabhängige Anzeigen überein? | Messfehler in Betracht ziehen |
| Ergebnis | Welche Ursache ist belegt und welche bleibt offen? | Prüfung an Fachkraft übergeben |
Typische Diagnosemuster
| Datenmuster | Mögliche Erklärung | Sichere nächste Datenprüfung |
|---|---|---|
| Wenig Volumenstrom, erhöhte Spreizung | Hydraulische Einschränkung | Pumpenstatus und Durchflussanzeige |
| Unplausibler Temperatursprung | Sensor- oder Datenproblem | Zeitverlauf und zweite Anzeige |
| Veränderte Temperatur während Abtauung | Regulärer Sonderbetrieb möglich | Betriebsartenprotokoll |
| Starkes Takten | Regelungs-, Leistungs- oder Hydraulikzusammenhang | Startanzahl und Laufzeiten |
| Hohe Vorlauftemperatur | Hohe Temperaturanforderung oder Sonderbetrieb | Sollwert, Heizkurve und Betriebsart |
Merksatz: Ein Muster begründet eine Hypothese, nicht automatisch einen Bauteiltausch.
Videofokus: Hydraulischer Abgleich. Notiere, welche Auswirkungen ungünstige Durchflüsse auf das Heizsystem haben können.
Lerneinheit 6: Energie, Heizkurve und Hygiene
Heizkurve verstehen

Die Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und benötigter Vorlauftemperatur.
Bildhinweis: Die dargestellten Temperaturen sind ein allgemeines Beispiel und keine Einstellvorgabe für die Ausbildungsanlage.
Bei ansonsten gleichen Bedingungen begünstigt eine niedrigere erforderliche Heizwassertemperatur häufig einen effizienteren Wärmepumpenbetrieb. Raumkomfort, Gebäudeheizlast und geeignete Heizflächen bleiben entscheidend.
Videofokus: Abschnitt zur Heizkurve ab etwa Minute 23:30. Das Video enthält Werbung und ist kein frei lizenziertes Lernmaterial.
Interaktiver Diagnosefall: Drei Betriebssituationen
Vergleiche die Betriebsart, bevor Du die Messwerte bewertest.
| Fall | Betriebsart | Vorlauf | Rücklauf | Volumenstrom |
|---|---|---|---|---|
| A | Heizen | 40 °C | 32 °C | 0,55 m³/h |
| B | Abtauen | 28 °C | 32 °C | 0,80 m³/h |
| C | Warmwasserbereitung | 54 °C | 48 °C | 0,90 m³/h |
Ordne gedanklich zu:
- Fall A: Prüfe als Erstes einen möglicherweise eingeschränkten Heizwasserdurchfluss.
- Fall B: Prüfe zunächst, ob die Temperaturumkehr zum dokumentierten Abtauprozess gehört.
- Fall C: Prüfe den Warmwasser-Sollwert und den hygienischen Anlagenkontext.
Feedback zum Diagnosefall
A: Die erhöhte Spreizung in Verbindung mit geringem Durchfluss ist eine hydraulische Auffälligkeit.
B: Bei der Abtauung kann dem Heizwasser Wärme entzogen werden. Ein negativer Temperaturunterschied ist in diesem Betriebszustand nicht automatisch eine Störung.
C: Höhere Temperaturen können zur Trinkwassererwärmung gehören. Daraus folgt weder automatisch ein Defekt noch der Nachweis hygienisch einwandfreier Verhältnisse.
Fazit: Gleiche Temperaturwerte können in verschiedenen Betriebszuständen unterschiedliche Bedeutungen haben.
Hygiene-Transferfall
Situation: In einem vermieteten Mehrfamilienhaus meldet die Regelung 44 °C an einem Warmwasserspeicherfühler. Die Anlage besitzt Duschen und eine zentrale Trinkwassererwärmung.
Deine Entscheidung: Reicht dieser Einzelwert für eine hygienische Freigabe?
Nein. Ein Speicherfühler allein sagt weder genug über die gesamte Trinkwasserinstallation noch über Stagnation, Zirkulation, Temperaturen an maßgeblichen Stellen oder eine Untersuchung auf Legionellen aus.
Begründetes Feedback: Dokumentiere Speichergröße, Leitungsvolumina, Betriebsweise, Anlagenart und relevante Messdaten. Prüfe, ob Untersuchungspflichten nach § 31 TrinkwV bestehen. Erforderliche Trinkwasseruntersuchungen einschließlich Probennahme sind nach § 39 TrinkwV zugelassenen Untersuchungsstellen vorbehalten.
Sicherheitsgrenze: Keine eigenständige Änderung hygienerelevanter Temperaturprogramme und keine eigenständige mikrobiologische Freigabe.
Rechtsquellen: TrinkwV § 31 und TrinkwV § 39.
Lerneinheit 7: Sicherheit, Fachkunde und Dokumentation
Kältemittel, Brand und Druck getrennt bewerten
| Risiko | Technischer Hintergrund | Konsequenz in der Ausbildung |
|---|---|---|
| Kältemittel R290 | Propan, Sicherheitsklasse A3, hohe Entflammbarkeit | Kein Öffnen oder Manipulieren des Kältekreises; Brandschutz und Aufstellbedingungen fachlich prüfen lassen |
| Kältemittel R32 | Sicherheitsklasse A2L, geringere Entflammbarkeit als A3, aber nicht ungefährlich | Leckage- und Zündrisiken beachten; nur befugtes Fachpersonal |
| Druck | Kälteanlagen enthalten druckführende Bauteile | Keine Ventile, Verschraubungen oder Kältemittelanschlüsse eigenständig öffnen |
| Temperatur | Heiße und sehr kalte Oberflächen können verletzen | Keine ungeschützten Eingriffe oder Berührungen |
| Elektrik | Leistungs- und Steuerungsteile können gefährliche Spannungen führen | Keine eigenständigen elektrischen Arbeiten |
| Aufstellung | Schutzbereiche und Lüftungsanforderungen hängen von Gerät und Einbausituation ab | Herstellerunterlagen und Gefährdungsbeurteilung heranziehen |
Bei Verdacht auf Kältemittelaustritt, Brand- oder Druckgefährdung: Arbeiten nicht beginnen beziehungsweise unterbrechen, Abstand halten, den betrieblichen Notfallplan beachten und die zuständige Fachperson verständigen.

Dieses log-p-h-Diagramm zeigt einen R290-Kältekreis. Es dient hier nur zur theoretischen Einordnung thermodynamischer Zustände, nicht als Anleitung zu Druckmessungen oder Eingriffen.
Aktuelle Vorschriften und Fachkunde
Rechtsstand der Prüfung: 9. Oktober 2026, Deutschland/EU.
Die Verordnung (EU) 2024/573 regelt fluorierte Treibhausgase. Die Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 enthält Zertifizierungsanforderungen für bestimmte Tätigkeiten an Kälte-, Klima- und Wärmepumpeneinrichtungen einschließlich des Umgangs mit alternativen Kältemitteln im geregelten Anwendungsbereich.
Die Chemikalien-Klimaschutzverordnung vom 14. April 2026, in Kraft seit 17. April 2026, regelt in Deutschland unter anderem Sachkunde, Auffrischung und Unternehmenszertifizierung. Nach § 5 und § 6 sind die konkreten Tätigkeiten und erforderlichen Nachweise zu prüfen.
Wichtig: Ein Ausbildungsabschluss allein ist nicht pauschal die Freigabe für beliebige Arbeiten am Kältekreis. Kältemittel, Tätigkeit, Anlagenart, personenbezogene Qualifikation, betriebliche Berechtigung und Herstelleranforderungen sind getrennt zu beurteilen.
Maßgebliche Quellen:
- EU-Verordnung 2024/573
- EU-Durchführungsverordnung 2024/2215
- Chemikalien-Klimaschutzverordnung 2026
- DGUV: Sicher arbeiten mit Kältemitteln
- Bundesverband Wärmepumpe: Leitfaden zur Außenaufstellung mit brennbaren Kältemitteln
Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung, der aktuelle Rechtsstand und die konkrete Gerätedokumentation sind vor jeder realen Tätigkeit erneut zu prüfen.
Diagnoseprotokoll für die Fachkraft
| Eintrag | Ausbildungsfall |
|---|---|
| Kundenmeldung | Räume werden langsamer warm |
| Wärmepumpe / Herstellerdaten | Modell und Dokumentversion nachtragen |
| Betriebsart | Heizen |
| Messzeitpunkt | Nach vergleichbarer Heizlaufzeit |
| Außentemperatur | 4 °C |
| Vorlauf / Rücklauf | 41 °C / 33 °C |
| Volumenstrom | 0,55 m³/h |
| Spreizung | 8 K |
| Fiktiver Mindestvolumenstrom | 0,80 m³/h |
| Verdacht | Heizwasserhydraulik oder Durchflussmessung |
| Noch offen | Ursache der Durchflussabweichung |
| Weitergabe | An fachlich verantwortliche Person |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Angaben brauchst Du für einen aussagekräftigen Messdatenvergleich? (Temperaturen, Volumenstrom und Betriebszustand) (!Nur die Außentemperatur) (!Nur den Strompreis) (!Nur die Gerätenummer)
Wie groß ist die Spreizung bei 41 °C Vorlauf und 33 °C Rücklauf? (8 Kelvin) (!4 Kelvin) (!33 Kelvin) (!74 Kelvin)
Was beschreibt der Volumenstrom? (Transportiertes Flüssigkeitsvolumen je Zeiteinheit) (!Elektrische Spannung) (!Temperatur des Kältemittels) (!Anzahl der Verdichterstarts)
Wovon hängt die überschlägig berechnete Heizwasser-Wärmeleistung bei gleichem Wärmeträger ab? (Vom Volumenstrom und der Temperaturspreizung) (!Nur vom Strompreis) (!Nur vom Außengeräusch) (!Nur vom Baujahr)
Welche Fehlergruppe ist im auffälligen Ausbildungsfall zunächst am wahrscheinlichsten? (Eingeschränkter Heizwasserdurchfluss oder Durchflussmessfehler) (!Sicher ein Kältemittelleck) (!Sicher ein Verdichterschaden) (!Sicher ein defekter Außentemperaturfühler)
Welchen Betriebszustand musst Du bei der Interpretation einer vorübergehenden Temperaturumkehr besonders beachten? (Abtauung) (!Sommerdatum) (!Gerätefarbe) (!Stromtarif)
Welche Information hilft zu erkennen, ob die elektrische Zusatzheizung aktiv ist? (Status des Zusatzheizers) (!Farbe des Gehäuses) (!Baujahr des Heizkörpers) (!Länge der Trinkwasserleitung)
Welches besondere Risiko hat das Kältemittel R290? (Hohe Entflammbarkeit) (!Es ist grundsätzlich drucklos) (!Es kann nicht austreten) (!Es ist ein Heizwasserzusatz)
Wer darf fachkundepflichtige Arbeiten am Kältekreis übernehmen? (Entsprechend qualifizierte und befugte Fachpersonen) (!Jede Person mit Zugang zur Regelung) (!Jeder Auszubildende allein) (!Jede Person mit einem Multimeter)
Was beweist eine erhöhte Temperaturspreizung allein? (Keine eindeutige Fehlerursache) (!Immer einen Verdichterschaden) (!Immer zu wenig Kältemittel) (!Immer einen defekten Heizstab)
Memory
| Spreizung | Differenz zwischen Vorlauf und Rücklauf |
| Volumenstrom | Bewegtes Flüssigkeitsvolumen pro Zeit |
| Abtauung | Entfernen von Eis am Außenwärmeübertrager |
| Verdichter | Erhöhung des Kältemitteldrucks |
| Verflüssiger | Wärmeübertragung an die Heizwasserseite |
| Sensorabweichung | Möglicherweise unplausibler Messwert |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Vorlauf | Hinströmendes Heizwasser |
| Rücklauf | Zurückströmendes Heizwasser |
| Durchflusssensor | Erfassung des Volumenstroms |
| Verdichter | Druckerhöhung im Kältekreis |
| Abtauung | Sonderbetrieb zur Enteisung des Wärmeübertragers |
Feedback: Entscheidend ist, dass Du die wasserführenden Heizkreise nicht mit dem geschlossenen Kältemittelkreislauf verwechselst.
Kreuzworträtsel
| VERDICHTER | Welches Bauteil erhöht den Druck des Kältemittels? |
| SPREIZUNG | Wie heißt die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur? |
| VORLAUF | Wie heißt die hinführende Leitung im Heizwasserkreis? |
| ABTAUUNG | Wie heißt der Sonderbetrieb zur Entfernung von Eis am Außenwärmeübertrager? |
| HYDRAULIK | Welcher Fachbereich beschäftigt sich mit Strömungen und Druckverlusten in wasserführenden Anlagen? |
| VOLUMENSTROM | Welche Messgröße gibt an, welches Flüssigkeitsvolumen pro Zeit strömt? |
LearningApps
Die LearningApps-Suche liefert externe Übungen zum Themenfeld; einzelne Suchtreffer müssen fachlich und hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit geprüft werden.
Lückentext
Interaktive Fallauswertung mit Feedback
Fallentscheidung: Wähle bei den folgenden Situationen jeweils die sicherste fachliche Vorgehensweise.
| Niveau | Situation | Geeignete Entscheidung | Begründetes Feedback |
|---|---|---|---|
| Basis | Vorlauf 39 °C, Rücklauf 33 °C | Spreizung von 6 K berechnen | Ohne Differenzbildung ist die thermische Auswertung unvollständig |
| Anwendung | Niedriger Volumenstrom bei laufendem Verdichter | Hydraulik und Sensorwerte anhand der Betriebsdaten prüfen | Ein niedriger Durchfluss ist ein starker Hinweis, aber noch kein sicherer Bauteilnachweis |
| Transfer | Hohe Vorlauftemperatur während der Warmwasserbereitung | Heizbetrieb und Warmwasserbetrieb getrennt bewerten | Verschiedene Betriebsarten stellen unterschiedliche Temperaturanforderungen |
| Sicherheit | Verdacht auf R290-Austritt | Prüfung unterbrechen und Fachpersonal verständigen | Entflammbarkeit und Kältekreisdruck verbieten eigenständige Eingriffe |
Offene Aufgaben
Leicht – Basis
- Anlagenschema: Zeichne ein vereinfachtes Wärmepumpensystem mit Verdichter, Verdampfer, Verflüssiger und Heizkreis. Kennzeichne beide Kreisläufe getrennt.
- Temperatur: Erstelle drei selbst gewählte Vorlauf- und Rücklaufpaare und berechne die jeweilige Spreizung.
- Volumenstrom: Fertige ein kurzes Glossar zu Volumenstrom, Spreizung, Vorlauf, Rücklauf und Wärmeleistung an.
- Betriebszustand: Gestalte vier Symbolkarten zu Heizen, Warmwasserbereitung, Abtauung und Stillstand.
Standard – Anwendung
- Wärmeleistung: Berechne die thermische Leistung beider Datensätze des Ausbildungsfalls und erkläre das Ergebnis.
- Fehlerdiagnose: Erstelle eine Tabelle mit mindestens drei möglichen Ursachen für den geringen Heizwasserdurchfluss und passenden sicheren Datenprüfungen.
- Heizkurve: Zeichne zwei Heizkurven mit unterschiedlichen Temperaturanforderungen und diskutiere ihre möglichen Folgen für die Effizienz.
- Messprotokoll: Entwickle ein Protokollblatt mit Betriebsart, Außentemperatur, Vorlauf, Rücklauf, Durchfluss, elektrischer Leistung, Uhrzeit und Sensorposition.
Schwer – Transfer
- Diagnosebaum: Entwickle einen Entscheidungsbaum zur Unterscheidung von Hydraulikproblem, Sensorproblem und regulärem Sonderbetrieb.
- Gebäudemodell: Vergleiche zwei Heizsysteme mit unterschiedlich großen Heizflächen. Begründe mögliche Unterschiede bei Temperaturbedarf und Betriebsdaten.
- Trinkwasserhygiene: Untersuche anhand der Trinkwasserverordnung, welche Informationen im Fall eines vermieteten Mehrfamilienhauses vor einer hygienischen Bewertung erforderlich sind.
- Fachkunde: Erstelle eine Sicherheitsunterweisung, die reine Datenauswertung, hydraulische Arbeiten, elektrische Arbeiten und Arbeiten am Kältekreis trennt.
Kriterien für begründetes Feedback
| Niveau | Eine gute Bearbeitung erkennt man daran |
|---|---|
| Basis | Fachbegriffe stimmen, Einheiten sind richtig, Heizwasser- und Kältekreis werden nicht verwechselt |
| Anwendung | Rechenweg und Messpunkte sind nachvollziehbar, Betriebszustände sind berücksichtigt und Ergebnisse werden nicht überinterpretiert |
| Transfer | Mehrere Ursachen werden abgewogen, fehlende Daten benannt und sichere nächste Schritte mit Quellen begründet |


Lernkontrolle
- Fehlerdiagnose: Ein Kollege möchte nach einer einzelnen erhöhten Spreizung sofort Kältemittel nachfüllen. Erkläre, warum seine Schlussfolgerung nicht ausreichend begründet ist und welche Sicherheitsgrenze gilt.
- Hydraulik: Zwei baugleiche Anlagen zeigen gleiche Vorlauf- und Rücklauftemperaturen, aber unterschiedliche Volumenströme. Beurteile, warum die thermischen Leistungen trotzdem verschieden sein können.
- Abtauung: Während eines Abtauvorgangs sinkt die Vorlauftemperatur vorübergehend. Entscheide anhand des Betriebszustands, wann dies erklärbar ist und wann weitere Daten nötig sind.
- Energieeffizienz: Eine Anlage hat nach einer Änderung eine höhere Vorlauftemperatur und einen höheren Stromverbrauch. Entwickle zwei mögliche Erklärungen und nenne die zur Überprüfung benötigten Daten.
- Messgenauigkeit: Zwei Sensoren melden unvereinbare Temperaturen. Beschreibe, wie Du ohne Eingriffe in den Kältekreis zu einer belastbareren Diagnose kommst.
- Trinkwasserhygiene: Erkläre, warum eine scheinbar energiesparende Absenkung der Warmwassertemperatur nicht allein anhand des Stromverbrauchs bewertet werden darf.
- Arbeitssicherheit: Begründe die unterschiedlichen Anforderungen an das Auslesen einer Regelung, die Reparatur einer Heizkreispumpe und die Öffnung eines R290-Kältekreises.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis erstellst Du eine kurze Diagnosemappe mit:
- Einem beschrifteten Anlagenschema und einer Erklärung der wichtigsten Messpunkte.
- Einem Vergleich der Referenz- und Störungsdaten mit berechneten Spreizungen und Wärmeleistungen.
- Mindestens zwei begründeten Diagnosehypothesen und einer Priorisierung nach Datenlage.
- Einem nachvollziehbaren Vorschlag für sichere nächste Prüfungen und die Übergabe an eine Fachkraft.
- Einer kurzen Bewertung von Messunsicherheiten, Betriebszuständen und Sicherheitsrisiken.
- Quellenangaben für Herstellerinformationen und einschlägige Vorschriften.
Bewertung: Fachliche Richtigkeit, nachvollziehbare Rechenwege, reflektierte Unsicherheiten, sichere Entscheidungen und begründeter Transfer. Externe Medien oder Arbeiten an einer realen Kälteanlage sind kein Bestandteil des Lernnachweises.
OERs zum Thema
Grundlagenartikel:
Fachliche Quellen
- Bundesverband Wärmepumpe: Leitfaden Hydraulik – Hydraulische Einbindung und Anlagenschemata.
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpe – Grundlagen und Einfluss der Vorlauftemperatur.
- Bundesverband Wärmepumpe: Kältemittelleitfaden – Sicherheitsaspekte der Außenaufstellung.
- DGUV: Sicher arbeiten mit Kältemitteln – Arbeitsschutz.
- Verordnung (EU) 2024/573 – F-Gase-Recht.
- Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 – Zertifizierungsanforderungen.
- ChemKlimaschutzV 2026 – Deutsches Recht zu Sachkunde und Zertifizierung.
- Trinkwasserverordnung – Untersuchungspflichten und Hygieneanforderungen.
Quellenhinweis: Die rechtlichen Angaben wurden für diesen Kurs anhand der amtlichen EU- und Bundesrechtsquellen geprüft. Bei Änderungen sind die dann geltenden Fassungen heranzuziehen.
Medienrechte und Bildnachweise
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| Datei | Urheber | Lizenz |
|---|---|---|
| Wärmepumpe Außeneinheit.jpg | Mueller felix | CC BY-SA 4.0 |
| Heat-pump-simple DE.svg | MikeRun | CC BY-SA 4.0 |
| Heatpump.svg | Ilmari Karonen | Gemeinfrei |
| Heat pump system.jpg | KVDP | Gemeinfrei |
| Heatpump hg.svg | Hannes Grobe | CC BY-SA 4.0 |
| Fußbodenheizung Heizkreisverteiler Variotherm.jpg | Best Tech Nick 25 | CC0 1.0 |
| Durchflussmessgerät.jpg | Best Tech Nick 25 | CC0 1.0 |
| Cop-example-hp.svg | MikeRun | CC BY-SA 4.0 |
| Heizkurve.png | Iggy-x | CC BY-SA 3.0 oder GFDL laut Dateiseite |
| Log ph Diagram.png | TLK Energy GmbH | CC BY-SA 4.0 |
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