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Rekonstruktionsprotokolle mit sichtbaren Ergänzungen erstellen

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Rekonstruktionsprotokolle mit sichtbaren Ergänzungen erstellen

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Einleitung

Ein archäologisches Rekonstruktionsmodell sieht schnell eindeutig aus: Pfosten stehen, Wände schließen einen Raum, ein Dach liegt darüber. Die Ausgrabung liefert aber oft nur einen Bruchteil davon. Gerade deshalb gehört zu einer fachlich sauberen Rekonstruktion nicht nur das Bauen, sondern das sichtbare Kennzeichnen von Wissen, begründeter Annahme und freier Ergänzung.

In diesem Werkstattkurs ab Klasse 7 baust Du das bewusst vereinfachte Hausmodell H7-A und führst dazu ein Rekonstruktionsprotokoll. Das Hausmodell H7-A ist kein realer Fundplatz. Alle Messdaten zu H7-A sind eigens für diesen aiMOOC erzeugtes Unterrichtsmaterial. Dadurch kannst Du die Methode vollständig üben, ohne dass erfundene Daten mit echten Ausgrabungsbefunden verwechselt werden.

Du arbeitest mit drei Evidenzstufen:

  1. E1 Befund: Was im Materialpaket H7-A direkt dokumentiert ist.
  2. E2 begründete Vergleichsannahme: Was am Modellplatz nicht erhalten ist, aber durch Strukturmerkmale und fachlich geeignete Vergleichsfälle plausibel wird.
  3. E3 freie Ergänzung: Was für ein anschauliches oder baubares Modell ergänzt wird, obwohl mehrere Lösungen möglich sind und der lokale Befund nicht entscheidet.

Das Ziel ist nicht, ein möglichst „echtes“ Haus zu erfinden. Das Ziel ist, jederzeit beantworten zu können: Was wissen wir? Was nehmen wir begründet an? Was ergänzen wir frei? Und woran könnte eine spätere Prüfung unsere Rekonstruktion verändern?

Lernhinweis: Das Foto zeigt einen angeschnittenen archäologischen Pfostenbefund. Ein Pfostenloch oder eine Pfostengrube ist nicht dasselbe wie ein vollständig erhaltener Holzpfosten. Genau diese Unterscheidung ist für H7-A wichtig.


Lernziele und Niveau

Nach dem Kurs kannst Du Befunde von Rekonstruktionsannahmen unterscheiden, eine Evidenzlegende anwenden, ein Modell im Maßstab bauen, Unsicherheiten schriftlich dokumentieren, Vergleichsquellen kritisch nutzen und ein offenes Sachurteil begründen.

Die Vertiefung orientiert sich an den in Baden-Württemberg verwendeten Niveaubezeichnungen: M steht für mittleres Niveau, E für erweitertes Niveau. Der Bildungsplan beschreibt M als Niveau zum Realschulabschluss und E als erweitertes gymnasiales Niveau. Unterschiede können unter anderem durch Umfang, Komplexität, Abstraktionsgrad und Operatoren entstehen.

Bereich Einstieg ab Klasse 7 Vertiefung M Vertiefung E
Befund lesen Messwerte und Fundlücken korrekt entnehmen Befundmuster begründet zusammenfassen konkurrierende Deutungen gegeneinander abwägen
Modell drei Evidenzstufen sichtbar bauen Maßstab und Bauteilzuordnung sicher anwenden Alternativvarianten reversibel konstruieren und vergleichen
Protokoll Entscheidung, Grund und fehlenden Befund notieren Belegstellen gezielt zuordnen Reichweite und Grenzen von Analogien methodisch reflektieren
Urteil zwischen sicher und unsicher unterscheiden Kriterien gewichten Unsicherheit, Gegenargumente und Prüfbedarf explizit bilanzieren


Warum Rekonstruktionen sichtbar unsicher sein müssen

Archäologische Denkmalpflege beginnt mit Dokumentation. Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg beschreibt, dass während einer Ausgrabung Befunde sorgfältig in Zeichnungen und Fotos festgehalten werden. Auf seiner Seite zur Firmenarchäologie stellt das Landesamt zudem Grabungsrichtlinien, Datenstrukturen, Befundbeschreibungen und Checklisten bereit. Für Deine Werkstatt folgt daraus eine einfache Regel: Erst dokumentieren, dann ergänzen.

Auch Rekonstruktionen in Museen sind Ergebnisse von Auswertung. Das Federseemuseum Bad Buchau erklärt, dass seine Hausrekonstruktionen auf Ausgrabungen am Federsee beruhen. Solche Museumsbauten können wertvolle Vergleichsfragen anregen, ersetzen aber niemals den lokalen Befund Deines Modellfalls.

Internationale und staatliche Denkmalpflege warnt außerdem vor falscher Sicherheit. UNESCO verlangt für reale Rekonstruktionen archäologischer Reste in Welterbekontexten eine sehr hohe Dokumentationsbasis und lehnt bloße Mutmaßung als Grundlage ab. Historic England betont, dass Rekonstruktionen zwar das Verständnis fördern können, spekulative Ergänzungen aber leicht einen falschen Eindruck von Gewissheit erzeugen. Für unser didaktisches Modell bedeutet das nicht, dass Du nichts ergänzen darfst. Es bedeutet: Ergänzungen müssen als Ergänzungen erkennbar bleiben.

Im Video von Wessex Archaeology wird gezeigt, wie archäologische Befunde eines jungsteinzeitlichen Hauses in Horton als Grundlage für einen experimentellen Nachbau dienen. Beobachte beim Ansehen: Welche Aussagen stammen aus der Ausgrabung, und wo beginnt die Interpretation?


Die Drei-Evidenzstufen-Legende

Verwende im Modell immer Farbe plus Kürzel plus Muster. So bleibt die Kennzeichnung auch dann lesbar, wenn Farben schlecht unterschieden werden können.

Evidenzstufe Sichtbare Kennzeichnung Bedeutung Erlaubte Formulierung im Protokoll Nicht erlaubt
E1 – Befund Grün + E1 + durchgezogene Markierung Direkt im H7-A-Datenblatt dokumentiert „Dokumentiert sind …“ Aus einem Loch automatisch einen vollständig erhaltenen Pfosten machen
E2 – Vergleichsannahme Orange + E2 + Schraffur Plausible Deutung durch Befundmuster und geeignete Vergleiche „Wir nehmen an …, weil …; am Modellplatz fehlt …“ Vergleichsbeispiele als Beweis für H7-A ausgeben
E3 – freie Ergänzung Violett + E3 + Punktmuster Gestalterische oder konstruktive Wahl bei offener Quellenlage „Wir wählen für diese Modellvariante …; möglich wäre auch …“ Die Ergänzung als historisch gesichert bezeichnen

Merksatz: Je weiter Du Dich von E1 zu E3 bewegst, desto wichtiger werden Begründung, sichtbare Kennzeichnung, Alternativen und der Hinweis auf fehlende Befunde.


Werkstattkurs: Hausmodell H7-A


Zeitrahmen und Produkt

Der Kurs ist für etwa vier Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten angelegt. Das Produkt besteht aus einem kleinen Hausmodell im Maßstab 1:50 und einem lesbaren Rekonstruktionsprotokoll. Bei 1:50 entsprechen 1 Meter in der Rekonstruktion 2 Zentimetern im Modell.

Am Ende muss eine andere Person ohne mündliche Erklärung erkennen können, welche Teile E1, E2 und E3 sind und warum jede ergänzte Wand- oder Dachpartie gewählt wurde.


Materialpaket M1: Der didaktische Pfostenbefund

Datenherkunft: Die folgenden Daten wurden ausschließlich für diesen aiMOOC konstruiert. Sie stammen nicht aus einer realen Ausgrabung. Der gedachte Grabungsausschnitt ist 9 m lang und 6 m breit. Der Koordinatenursprung liegt im Südwesten. An allen Stellen ist nur eine dunklere Verfüllung einer Pfostengrube dokumentiert; Holz ist nicht erhalten.

Befund x in m y in m Durchmesser in m erhaltene Tiefe in m Beobachtung
P1 0,0 0,0 0,46 0,38 rundliche Verfärbung
P2 0,0 2,5 0,42 0,31 rundliche Verfärbung
P3 0,0 5,0 0,49 0,36 rundliche Verfärbung
P4 4,0 0,0 0,44 0,29 rundliche Verfärbung
P5 4,0 5,0 0,47 0,34 rundliche Verfärbung
P6 8,0 0,0 0,50 0,41 rundliche Verfärbung
P7 8,0 2,5 0,45 0,33 rundliche Verfärbung
P8 8,0 5,0 0,48 0,39 rundliche Verfärbung
P9 2,0 2,5 0,53 0,43 kräftige rundliche Verfärbung
P10 4,0 2,5 0,55 0,45 kräftige rundliche Verfärbung
P11 6,0 2,5 0,52 0,42 kräftige rundliche Verfärbung

Direkte Beobachtung E1: P1 bis P8 bilden drei Punkte an der Westseite, drei an der Ostseite sowie je einen mittleren Punkt an Nord- und Südseite. P9 bis P11 liegen auf einer Linie in der Längsmitte. Diese Geometrie ist dokumentiert. Eine bestimmte Wandhöhe, Dachform oder Nutzung des Gebäudes ist damit noch nicht bewiesen.


Materialpaket M2: Was ausdrücklich fehlt

Für H7-A wurden in diesem Unterrichtsdatensatz nicht dokumentiert: erhaltene Holzpfosten, Wandflechtwerk, Lehmbewurf, Steine einer Sockelmauer, Türschwelle, Türangel, Herdstelle, Fußboden, Dachdeckung, Sparren, Firstbalken, Wandhöhe, Dachneigung, Fenster, Rauchöffnung, Farbfassung, Schmuck, Innenmöbel und eine naturwissenschaftliche Datierung.

Diese Negativliste ist keine Behauptung über reale archäologische Fundplätze. Sie gehört nur zum synthetischen H7-A-Datensatz und zwingt Dich dazu, fehlende Informationen offen zu lassen.


Materialpaket M3: Vergleichskarten

Die Vergleichskarten sind methodische Orientierung. Sie dürfen eine E2-Annahme stützen, aber niemals einen E1-Befund in H7-A erzeugen.

Karte Öffentliche Quelle Was die Quelle für die Methode zeigt Was Du daraus nicht ableiten darfst
V1 Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg Archäologische Befunde werden zeichnerisch und fotografisch dokumentiert; Grabungsdaten werden strukturiert erfasst. Dass H7-A ein realer Fundplatz sei.
V2 Federseemuseum Bad Buchau Hausrekonstruktionen können auf Ausgrabungen beruhen und archäologische Ergebnisse anschaulich machen. Dass jedes prähistorische Haus dieselben Wände, Dächer oder Innenräume hatte.
V3 Französisches Kulturministerium, Chalain und Clairvaux Bei einer experimentellen Hausrekonstruktion wurden Pfahlstellungen archäologisch ausgewertet, bauliche Hypothesen formuliert, Vergleichswissen herangezogen und anschließend praktisch geprüft. Dass die dort verwendeten Materialien automatisch für H7-A gelten.
V4 Wessex Archaeology und Butser Ancient Farm Ein konkreter Hausbefund kann Ausgangspunkt für experimentelles Bauen sein; Interpretation und Versuch gehören sichtbar zum Prozess. Dass ein fertiger Nachbau die einzig mögliche ursprüngliche Gestalt beweist.

Das Museumsmodell aus Hienheim ist ein gutes Anschauungsbeispiel für eine Rekonstruktion. Nutze es zum Fragenstellen, nicht als Bauanleitung für H7-A.


Materialpaket M4: Bau- und Schreibmaterial

Du brauchst eine A3-Grundplatte aus Karton, kariertes oder millimetriertes Papier, Lineal, Bleistift, Schere, Klebestift, Holzstäbchen oder Papierhalme, dünne Pappe für Wände und Dach, drei gut unterscheidbare Marker oder Klebebänder für E1/E2/E3 sowie kleine beschriftbare Papierfähnchen.

Verwende für Lernende keine offenen Klingen und keinen Heißkleber. Falls härteres Material zugeschnitten werden soll, übernimmt das eine Lehrkraft.


Materialpaket M5: Maßstabsblatt

Für den Maßstab 1:50 gelten folgende Umrechnungen:

Originalmaß Modellmaß
0,5 m 1 cm
1 m 2 cm
2,5 m 5 cm
5 m 10 cm
8 m 16 cm

Arbeitsauftrag: Übertrage zuerst nur die Punkte P1 bis P11 auf die Grundplatte. Markiere jeden Punkt grün mit „E1“. Setze anfangs noch keine Wände und kein Dach.


Materialpaket M6: Protokollvorlage

Jede ergänzte Dach- oder Wandpartie bekommt eine eigene Zeile. Schreibe so, dass eine außenstehende Person Deine Entscheidung prüfen kann.

Bauteil Evidenzstufe Was ist direkt belegt? Warum wurde diese Ergänzung gewählt? Welcher Befund fehlt? Mögliche Alternative Belegstelle
Beispiel E2 Lage mehrerer Pfostengruben regelmäßige Anordnung und Vergleichsfall Wandmaterial selbst fehlt offene Pfostenreihe oder andere Füllung M1 + V3


Werkstattphase 1: Nur den Befund bauen

Übertrage P1 bis P11 im Maßstab 1:50. Verwende die E1-Kennzeichnung nur für die Position der dokumentierten Pfostengruben. Wenn Du Holzstäbchen in die Punkte steckst, beschrifte sie zusätzlich mit einem kleinen Hinweis: „Stäbchen visualisiert die vermutete ehemalige Pfostenposition; Holz selbst nicht erhalten.“ So verhinderst Du, dass das Modell mehr Sicherheit vorspiegelt als die Daten besitzen.

Prüfe anschließend zu zweit:

  1. Stimmen alle Abstände?
  2. Ist jede E1-Markierung auf einen Messwert aus M1 zurückführbar?
  3. Wurde irgendwo bereits stillschweigend eine Wand, Tür oder Dachform ergänzt?


Werkstattphase 2: Begründete Wandannahmen

Jetzt darfst Du Wandlinien als E2 ergänzen. Eine mögliche Modellvariante verbindet die äußeren Pfostenreihen zu einem Rechteck. Das ist keine direkte Beobachtung, sondern eine Hypothese über die Verbindung der Punkte.

Baue die E2-Wandteile aus orange markierter Pappe so, dass sie wieder abnehmbar sind. Wähle eine neutrale geschlossene Fläche oder eine abstrahierte Geflechtstruktur. Wenn Du Flechtwerk und Lehm darstellen möchtest, schreibe ausdrücklich dazu, dass dies aus Vergleichswissen stammt und für H7-A nicht lokal belegt ist.


Werkstattphase 3: Dachhypothese und freie Ergänzung

Die Linie P9–P11 in der Gebäudemitte kann als Hinweis auf eine innere Tragstruktur interpretiert werden. In dieser Werkstattvariante darfst Du deshalb einen längs verlaufenden Firstträger als E2 testen. Ob P9–P11 tatsächlich Firststützen waren, ist jedoch nicht direkt dokumentiert.

Die genaue Dachform, Dachhöhe, Dachneigung und Deckung fehlen vollständig. Wählst Du beispielsweise ein Satteldach mit 45 Grad Neigung und Rindenplatten als Deckung, gehören Neigung und Deckung bei H7-A in E3. Du darfst eine zweite abnehmbare Dachhaut bauen, etwa aus Papierstreifen als Schilf- oder Strohsimulation, um zu zeigen, dass mehrere Varianten denkbar sind.

Das zweite Video der Butser-Reihe thematisiert die Zusammenarbeit von Archäologie und experimenteller Rekonstruktion. Frage beim Ansehen: Welche Bauteile werden getestet, und welche Aussage kann ein gelungenes Experiment trotzdem nicht automatisch beweisen?


Werkstattphase 4: Sichtbare freie Ergänzungen

Erst jetzt ergänzt Du E3. Beispiele sind eine Türöffnung an der Ostseite, ein Dachüberstand, eine bestimmte Dachneigung, eine Farbfassung oder ein dekoratives Element. Wähle nur so viele E3-Teile, wie Du im Protokoll einzeln erklären kannst.

Eine gute E3-Formulierung lautet zum Beispiel: „Wir setzen die Tür in die Ostwand, weil das Modell einen Zugang benötigt. Im H7-A-Datensatz fehlt jedoch eine Schwelle, ein Pfostenpaar oder ein anderer Türbefund. Die Türposition ist deshalb frei gewählt und könnte an einer anderen Seite liegen.“


Ausgefülltes Beispielprotokoll für eine mögliche H7-A-Variante

Dieses Beispiel ist eine nachvollziehbare Modelllösung, nicht die Rekonstruktion eines realen Hauses.

Bauteil Stufe Warum gewählt? Welcher Befund fehlt? Alternative Belegstelle
Südliche Wandlinie P1–P4–P6 E2 drei äußere Befunde liegen geradlinig; eine zusammenhängende Außenkante ist plausibel Wandmaterial und durchgehende Wandspur fehlen einzelne Pfosten mit andersartiger Füllung M1, V3
Nördliche Wandlinie P3–P5–P8 E2 parallele äußere Befundlinie zur Südseite Wandmaterial und Wandhöhe fehlen andere Wandtechnik oder teilweise offene Seite M1, V3
Westliche Stirnwand P1–P2–P3 E2 drei Befunde schließen die westliche Schmalseite geometrisch erhaltene Wandfläche und Türhinweise fehlen Zugang oder offene Teilfläche im Westen M1
Östliche Stirnwand P6–P7–P8 E2 drei Befunde schließen die östliche Schmalseite geometrisch erhaltene Wandfläche und Türhinweise fehlen Zugang oder offene Teilfläche im Osten M1
Geflecht-Lehm-Darstellung der Wandflächen E2 archäologische Vergleichsfälle kennen Flecht- und Lehmlösungen; für eine Modellhypothese technisch plausibel in H7-A fehlen Flechtwerk und Lehmbewurf Bretter, Rinde, andere organische Füllung oder abstrahierte Fläche V3
Längsträger über P9–P11 E2 drei kräftige Befunde liegen in der Längsmitte und können als Tragstruktur geprüft werden Holz, Verbindungen und sichere Funktionsbestimmung fehlen andere innere Stützkonstruktion M1, V4
Satteldach E3 gut als reversible Testvariante über einer mittleren Traglinie baubar Dachgeometrie, Sparren und Giebelbefund fehlen Pultdach, andere Dachneigung oder andere Traglösung M2
Dachneigung 45 Grad E3 bewusst gewählte Modellgröße für einen stabilen Prototyp kein Winkelbefund vorhanden flacher oder steiler M2
Rindenartige Dachdeckung E3 organische Deckung ist als Vergleichsmöglichkeit diskutierbar; sie wird hier nur getestet keinerlei Dachdeckungsmaterial aus H7-A Stroh, Schilf, Schindeln oder offene abstrakte Dachfläche V3
Tür in der Ostwand E3 Zugang ist funktional nötig; Ostseite wurde für diese Variante gewählt Schwelle, Türpfosten oder Laufhorizont fehlen Tür auf West-, Nord- oder Südseite M2
Dachüberstand 30 cm E3 schützt im Modell die Wandkante und macht die Konstruktion lesbar Traufkante und Sparrenenden fehlen kein oder größerer Überstand M2


Qualitätskontrolle des Protokolls

Ein gutes Rekonstruktionsprotokoll erfüllt sechs Prüfkriterien:

  1. Rückverfolgbarkeit: Jede Aussage verweist auf M1/M2 oder eine benannte Vergleichskarte.
  2. Trennung: E1, E2 und E3 sind sprachlich und im Modell sichtbar getrennt.
  3. Fehlender Befund: Für jede Ergänzung wird genannt, was am Modellplatz gerade nicht erhalten ist.
  4. Alternative: Mindestens bei E3 wird eine andere Möglichkeit genannt.
  5. Reversibilität: E2- und E3-Teile lassen sich nach Möglichkeit entfernen oder austauschen.
  6. Keine Scheingewissheit: Formulierungen wie „so war es“ werden nur für direkt dokumentierbare Daten verwendet.


Drei Auswahlaufgaben mit Hilfen, Belegen und Lösungen


Auswahlaufgabe 1: Was gehört sicher zu E1?

Frage: Welche Aussage darfst Du im H7-A-Protokoll als E1 formulieren?

A: P9, P10 und P11 liegen im Datensatz auf einer Linie in der Gebäudemitte. B: P9, P10 und P11 trugen sicher den Firstbalken. C: Das Haus hatte sicher ein Satteldach. D: Die Ostseite war der Haupteingang.

Hilfestufe 1: Suche nach einer Aussage, die direkt aus Zahlen in M1 ablesbar ist.

Hilfestufe 2: E1 beschreibt den dokumentierten Befund, nicht die Funktion, die Du daraus vermutest.

Belegstellen: Materialpaket M1; Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, „Reise durch ein denkmalpflegerisches Verfahren – Station 10“.

Lösung mit Erklärung: A ist richtig. Die Koordinaten 2,0/2,5; 4,0/2,5 und 6,0/2,5 zeigen die Linie direkt. Ob diese Befunde einen First trugen, ist bereits Interpretation und deshalb nicht E1.


Auswahlaufgabe 2: Wie klassifizierst Du eine Geflecht-Lehm-Wand?

Frage: Du baust zwischen den äußeren Pfosten eine Wand aus Flechtwerk und Lehm. Im H7-A-Datensatz fehlen Wandreste. Ein öffentlicher Vergleichsfall aus Chalain zeigt archäologisch belegtes Flechtwerk und Putzmaterial. Welche Kennzeichnung ist methodisch am besten?

A: E2, wenn Du den Vergleich nennst und zugleich festhältst, dass H7-A selbst keine Wandreste liefert. B: E1, weil Flechtwerkwände in der Jungsteinzeit vorkamen. C: E3 ohne Begründung, weil jede Wand völlig frei erfunden sein muss. D: Keine Kennzeichnung, weil Vergleichsfälle die Unsicherheit aufheben.

Hilfestufe 1: Ein Befund an einem anderen Ort wird nicht zu einem Befund in H7-A.

Hilfestufe 2: Eine fachlich begründete Analogie gehört in die mittlere Evidenzstufe.

Belegstellen: M2; Vergleichskarte V3; Französisches Kulturministerium „Putting up the walls“.

Lösung mit Erklärung: A ist richtig. Der Vergleich macht die Wandtechnik plausibler, beweist sie aber nicht für H7-A. Genau diese Zwischenposition bildet E2 ab.


Auswahlaufgabe 3: Was schreibst Du zur Dachdeckung?

Frage: Du möchtest eine strohartige Dachdeckung zeigen. Für H7-A ist kein Dachmaterial überliefert. Im Transferfall Chalain wurde eine Strohabdeckung experimentell erprobt, später aber aufgrund botanischer Befunde als wenig plausibel beurteilt. Welche Protokollzeile ist am saubersten?

A: E3: „Stroh ist eine bewusst gewählte Testvariante; H7-A liefert keinen Dachbefund, und andere Deckungen bleiben möglich.“ B: E1: „Das Dach bestand aus Stroh, weil solche Dächer bekannt sind.“ C: E2: „Chalain beweist, dass H7-A ein Strohdach hatte.“ D: „Dachdeckung unbekannt“ und trotzdem das Strohdach ohne Kennzeichnung fest ankleben.

Hilfestufe 1: Überlege, ob der Vergleichsfall die lokale Dachdeckung bestätigt oder nur eine Möglichkeit diskutierbar macht.

Hilfestufe 2: Wenn der lokale Datensatz nichts zur Deckung enthält und ein Vergleich sogar zu wechselnden Hypothesen führt, muss die Wahl maximal transparent bleiben.

Belegstellen: M2; Französisches Kulturministerium „Roofing it over“; Vergleichskarte V3.

Lösung mit Erklärung: A ist richtig. Die Dachdeckung ist für H7-A offen. Ein Experiment an einem anderen Fundplatz kann zeigen, welche Fragen sinnvoll sind, aber nicht die lokale Lösung festlegen.


Offenes Sachurteil: Welche Dachvariante überzeugt Dich?

Vergleiche mindestens zwei Varianten, zum Beispiel Variante A mit flacherem Dach und Variante B mit steilerem Satteldach. Diese Aufgabe hat keine eindeutige Musterlösung. Bewertet wird nicht, welche Form Du auswählst, sondern ob Du Deine Entscheidung prüfbar begründest.

Modell für eine Begründungsform: „Ich halte Variante B im Moment für besser begründet, weil sie die mittlere Pfostenlinie als mögliche Tragachse nutzt. Der H7-A-Befund beweist aber weder Satteldach noch Dachwinkel. Variante A bleibt deshalb möglich. Entscheidend für eine spätere Neubewertung wären lokale Hinweise auf Giebel, Sparren, Traufe oder Dachdeckung.“

Prüfkriterium 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Bezug auf E1 kein Bezug ein Befund genannt mehrere relevante Befunde korrekt verknüpft
Umgang mit E2 Vergleich als Beweis ausgegeben Vergleich genannt Reichweite und Grenze des Vergleichs erklärt
Umgang mit E3 freie Wahl verschleiert freie Wahl markiert freie Wahl markiert und Alternative genannt
Gegenargument fehlt angedeutet ernsthaft geprüft
Prüfbedarf fehlt allgemein konkreter fehlender Befund benannt


Transferfall: Ein Hausbau-Experiment in Chalain und Clairvaux

Eine besonders hilfreiche öffentliche Quelle ist das archäologische Portal des französischen Kulturministeriums zu den Seeufersiedlungen von Chalain und Clairvaux. Dort wird eine experimentelle Hausrekonstruktion beschrieben. Die Methode verbindet mehrere Ebenen: erhaltene Pfahlenden und ihre Anordnung, architektonische Hypothesen, Vergleiche mit anderen Bauweisen und schließlich einen praktischen Bauversuch.

Wichtig ist der Wandel der Deutung: Bei der Dachdeckung wurde zunächst mit Stroh gearbeitet. Die Auswertung pflanzlicher Reste führte später dazu, Stroh und Schilf für diesen konkreten Fall als wenig plausibel zu beurteilen und eher Rindenplatten zu diskutieren. Das ist ein starkes Beispiel dafür, dass Rekonstruktionen vorläufige Modelle sind und neue Daten eine frühere Variante verändern können.

Das dritte Butser-Video ergänzt den Transfer: Es thematisiert ausdrücklich, wie Ausgrabungsarchäologie in experimentelle Rekonstruktion übersetzt wird.


Transferauftrag

Übertrage die Drei-Evidenzstufen-Methode auf den Transferfall.

Beobachtung aus dem Transferfall Vorläufige Zuordnung Begründung
dokumentierte Positionen erhaltener Pfähle E1 des jeweiligen Fundplatzes archäologisch aufgenommen
angenommene Verbindung der Pfähle zu einer bestimmten Tragstruktur E2 aus Befund und Bauvergleich erschlossen
praktisch getestete Dachvariante E2 oder E3 je nach lokaler Beleglage Experiment prüft Machbarkeit, ist aber nicht automatisch Beweis für historische Wirklichkeit
Übernahme derselben Dachdeckung auf H7-A E3 H7-A besitzt keinen lokalen Dachbefund

Transferfrage M: Erkläre in fünf Sätzen, warum ein funktionierender Nachbau nicht beweist, dass genau diese Bauweise historisch verwendet wurde.

Transferfrage E: Entwickle zwei konkurrierende Dachhypothesen. Formuliere für jede Hypothese einen Befund, der sie stützen würde, und einen Befund, der sie schwächen würde. Halte anschließend fest, welche neue Grabungsinformation den größten Erkenntnisgewinn hätte.


Datenherkunft, Quellenkritik und Medienrechte


Datenherkunft

H7-A: vollständig synthetisches Unterrichtsdatenset dieses aiMOOCs. Es dient ausschließlich der Methode und darf nicht als echter archäologischer Fundplatz zitiert werden.

Externe Orientierung: Öffentliche Behörden-, Museums- und Fachquellen liefern Methodenbeispiele und reale Vergleichsfälle. Sie werden nicht zu lokalen H7-A-Befunden umgedeutet.

Keine erfundenen Zitate: In diesem Kurs werden externe Aussagen sinngemäß zusammengefasst. Wo eine Quelle wichtig ist, wird sie als Belegstelle mit Link genannt. Es werden keine erfundenen wörtlichen Zitate als echte Quelle ausgegeben.


Öffentliche Belegstellen

  1. Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg: Station 10 – Dokumentation von Befunden – methodische Orientierung zur Dokumentation.
  2. Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg: Firmenarchäologie – Grabungsrichtlinien, Datenstruktur, Befundbeschreibung und Checklisten.
  3. Federseemuseum Bad Buchau: Museum und Rekonstruktionen – Museumsquelle zu auf Ausgrabungen beruhenden Hausrekonstruktionen.
  4. Französisches Kulturministerium: Building a Neolithic house – The method – archäologischer Ansatz, Vergleich und Experimentalbau.
  5. Französisches Kulturministerium: Putting up the walls – konkrete Wandbefunde und Rekonstruktionsfragen in Chalain.
  6. Französisches Kulturministerium: Roofing it over – Beispiel für eine revidierte Dachhypothese.
  7. UNESCO World Heritage Centre: Operational Guidelines, Rekonstruktion und Authentizität – hohe Anforderungen an reale Rekonstruktionen.
  8. Historic England: Reconstruction – background and issues – Warnung vor falscher Gewissheit durch spekulative Rekonstruktion.
  9. Bildungsplan Baden-Württemberg: Einführung in den Bildungsplan 2016 – Einordnung von M- und E-Niveau.
  10. Wikipedia: Experimentelle Archäologie – Überblick zum kontrollierten und dokumentierten Experiment.


Medien und Rechte

Die folgenden eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien wurden wegen ihrer freien Lizenzen ausgewählt. Prüfe bei Weiterverwendung immer die jeweilige Dateibeschreibungsseite, da Namensnennung und Lizenzhinweis erforderlich sein können.

Medium Urheberangabe Lizenz laut Commons Funktion im Kurs
Ausgrabung Elstorf Anschnitt Pfostenloch.jpg Bullenwächter / Andreas Franzkowiak CC BY-SA 3.0 sichtbarer Pfostenbefund
AMK - Linearbandkeramik Modell Hienheim 1.jpg Wolfgang Sauber CC BY-SA 4.0 Museumsmodell als Vergleichsdarstellung
Butser Ancient Farm - Neolithic longhouse - geograph.org.uk - 4579733.jpg Rob Farrow CC BY-SA 2.0 rekonstruierter Langhausbau
D-BW-KN-Öhningen-Wangen - Pfahlbauhaus 001.jpg ANKAWÜ CC BY-SA 4.0 Rekonstruktionsbeispiel am Bodensee
Rekonstruktionen in Pfahlbaumuseum Unteruhldingen - Steinzeithäuser Riedschachen, bronzezeitliche Dörfer Bad Buchau und Unteruhldingen.jpg Ursula Jaeger CC BY-SA 4.0 mehrere Rekonstruktionsvarianten im Freilichtmuseum

Die YouTube-Videos werden über den YouTube-Player eingebettet. Die Rechte an den Videos bleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern; hier wird keine freie Nachnutzungslizenz behauptet. Die drei eingebundenen Videos stammen vom Kanal Wessex Archaeology. Für nicht frei lizenzierte Behörden- oder Museumswebseiten nutzt dieser Kurs nur Links und eigene Zusammenfassungen, keine übernommenen Screenshots.


Quellenkritischer Medienauftrag

Wähle eines der beiden Bilder. Notiere zuerst nur, was Du tatsächlich siehst. Trenne davon, was die Bildbeschreibung auf Commons über Ort, Rekonstruktion und Entstehung sagt. Formuliere anschließend eine Frage, die das Bild nicht beantworten kann, etwa nach der archäologischen Grundlage einer konkreten Dachform. So trainierst Du, eine anschauliche Rekonstruktion nicht mit einem Primärbefund zu verwechseln.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt E1 am besten? (E1 umfasst direkt dokumentierte Befunde des H7-A-Datensatzes) (!E1 umfasst jede technisch mögliche Rekonstruktion) (!E1 umfasst nur besonders schöne Modellteile) (!E1 umfasst alle Vergleichsbeispiele aus Museen)




Warum ist eine Wand zwischen mehreren Pfostengruben bei H7-A nicht automatisch E1? (Weil die Pfostengruben dokumentiert sind, die Wand selbst aber nicht) (!Weil Wände in der Archäologie nie rekonstruiert werden) (!Weil Pfostengruben keine Messwerte besitzen) (!Weil Modelle grundsätzlich keine Wände zeigen dürfen)




Welche Kennzeichnung erhält eine freie Türposition im H7-A-Modell? (E3) (!E1) (!E2) (!Keine Kennzeichnung)




Was muss zu jeder ergänzten Dach- oder Wandpartie im Protokoll stehen? (Begründung und fehlender Befund) (!Nur die Farbe des Bauteils) (!Nur der Name des Bearbeiters) (!Nur die Bauzeit des Modells)




Was zeigt ein erfolgreiches Experiment mit einer Dachkonstruktion? (Dass diese Konstruktion unter den Testbedingungen funktionieren kann) (!Dass genau diese Konstruktion historisch sicher verwendet wurde) (!Dass andere Dachformen ausgeschlossen sind) (!Dass kein archäologischer Befund mehr nötig ist)




Warum dürfen Vergleichsfälle aus Chalain nicht als E1 für H7-A gelten? (Weil sie von einem anderen Fundplatz stammen) (!Weil öffentliche Quellen nie benutzt werden dürfen) (!Weil Vergleichsfälle immer erfunden sind) (!Weil H7-A ein realer Fundplatz in Chalain ist)




Welche Aussage zur Linie P9 bis P11 ist direkt durch M1 gedeckt? (Die drei Befunde liegen auf derselben y-Koordinate) (!Die drei Befunde trugen sicher den First) (!Die drei Befunde beweisen eine Dachneigung von 45 Grad) (!Die drei Befunde markieren eine Herdstelle)




Warum sollen E2- und E3-Teile möglichst abnehmbar sein? (Damit alternative Rekonstruktionen geprüft werden können) (!Damit E1 später unsichtbar wird) (!Damit keine Begründung mehr nötig ist) (!Damit das Modell schwerer wird)




Wofür steht das M-Niveau in der baden-württembergischen Niveaubezeichnung? (Mittleres Niveau) (!Museales Niveau) (!Methodisches Niveau) (!Modellniveau)




Welche Formulierung vermeidet Scheingewissheit am besten? (Wir wählen diese Dachform als Testvariante, weil der lokale Dachbefund fehlt) (!So sah das Haus sicher aus) (!Museen bauen solche Dächer, also hatte H7-A dasselbe Dach) (!Eine funktionierende Variante ist automatisch die historische Wahrheit)





Memory

E1 direkt dokumentierter Befund
E2 begründete Vergleichsannahme
E3 freie Ergänzung
Pfostengrube Spur einer ehemaligen Pfostenstellung
Rekonstruktionsprotokoll dokumentierte Entscheidung mit Begründung
Reversibilität Möglichkeit eine Modellvariante wieder zu verändern





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Befund direkt gemessene Pfostengruben
Vergleichsannahme plausible Verbindung aus Befund und geeignetem Parallelfall
Freie Ergänzung gewählte Türposition ohne lokalen Nachweis
Fehlstelle nicht erhaltenes Dachmaterial
Prüfkriterium Rückverfolgbarkeit einer Aussage






Kreuzworträtsel

Befund Wie heißt eine archäologisch dokumentierte Beobachtung im Boden?
Vergleich Wie heißt die methodische Gegenüberstellung mit einem anderen Fall?
Ergänzung Wie heißt ein hinzugefügter Teil, der im Befund fehlt?
Pfostenloch Wie heißt die Spur einer ehemaligen Pfostenstellung?
Protokoll Wie heißt die schriftliche Dokumentation der Rekonstruktionsentscheidungen?
Hypothese Wie heißt eine begründete, aber prüfbare Annahme?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Im Hausmodell H7-A stehen direkt dokumentierte Daten in der Evidenzstufe

. Eine durch Vergleich und Befundmuster begründete Annahme gehört zu

. Eine frei gewählte Ergänzung ohne lokalen Nachweis wird mit

markiert. Ein Vergleichsfall an einem anderen Ort kann eine Deutung

machen, aber keinen lokalen Befund ersetzen. Für jede ergänzte Wand- oder Dachpartie nennt das Protokoll außerdem den

. Abnehmbare Bauteile unterstützen die

einer Rekonstruktion. Ein erfolgreiches Experiment zeigt zunächst die

einer Variante und nicht automatisch ihre historische Wahrheit. Das H7-A-Datenset ist ausdrücklich

und kein echter Fundplatz.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Eigene Evidenzlegende: Gestalte eine barrierearme Legende mit Farbe, Symbol und Kürzel für E1, E2 und E3.
  2. Befundplan: Übertrage P1 bis P11 sauber im Maßstab 1:50 und kontrolliere die Abstände mit einer Partnerperson.
  3. Bildanalyse: Vergleiche ein Grabungsfoto mit einem Rekonstruktionsfoto und notiere fünf Unterschiede zwischen Befund und Darstellung.
  4. Kurzprotokoll: Schreibe für eine einzige Wandpartie eine vollständige Zeile mit Evidenzstufe, Grund, fehlendem Befund und Alternative.


Standard

  1. Zwei Wandvarianten: Baue zwei austauschbare Wandfüllungen und begründe, warum beide mit demselben Pfostenplan vereinbar sein könnten.
  2. Zwei Dachvarianten: Konstruiere zwei abnehmbare Dächer und markiere jeweils E2- und E3-Anteile.
  3. Museumsvergleich: Untersuche die Website eines archäologischen Museums und trenne dort gezeigte Originalfunde, Repliken und Rekonstruktionen.
  4. Fachinterview: Entwickle sechs Fragen für eine Archäologin, einen Archäologen oder eine Museumspädagogin zum Umgang mit Rekonstruktionsunsicherheit.


Schwer

  1. Hypothesenmatrix: Erstelle für drei Dachformen eine Matrix aus stützenden Befunden, Gegenargumenten, fehlenden Daten und möglichen Tests.
  2. Mini-Experiment: Prüfe mit gleichen Materialmengen zwei Modell-Dachkonstruktionen auf Stabilität und dokumentiere Variablen, Ergebnis und Grenzen.
  3. Quellenvergleich: Vergleiche eine Behördenquelle, eine Museumsquelle und einen Wikipedia-Überblick hinsichtlich Zweck, Evidenz und möglicher Verzerrung.
  4. Transparente Ausstellung: Plane eine kleine Ausstellung „Was wir wissen – was wir ergänzen“ mit Modell, Legende, Quellenkarten, Alternativdach und Besucherfrage.




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Lernkontrolle

  1. Neuer Befundplan: Du erhältst einen zweiten, veränderten Pfostenplan. Entwickle zwei plausible Gebäudehypothesen und kennzeichne bei jeder, welche Teile E1, E2 und E3 wären.
  2. Vergleichsgrenze: Ein Museum zeigt ein vollständig rekonstruiertes Haus. Erkläre, welche Informationen Du zusätzlich brauchst, bevor Du einzelne Bauteile auf H7-A übertragen dürftest.
  3. Konkurrierende Deutungen: Zwei Gruppen deuten P9 bis P11 unterschiedlich. Entwickle Kriterien, mit denen Du die Deutungen bewertest, ohne eine davon vorschnell als wahr zu setzen.
  4. Machbarkeit und Wahrheit: Ein Dachmodell übersteht einen Regentest. Erkläre, welche Aussage dadurch gestützt wird und welche historische Aussage weiterhin offen bleibt.
  5. Protokollprüfung: Überarbeite ein fiktives Protokoll, in dem „Das Haus hatte sicher ein Strohdach“ steht. Formuliere eine fachlich saubere Version und benenne die nötige Evidenzstufe.
  6. Authentizität: Übertrage die Idee sichtbarer Ergänzungen auf die Präsentation einer Ruine. Diskutiere, warum Besucherinnen und Besucher Originalsubstanz und Ergänzung unterscheiden können sollten.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur ein fertiges Modell vorzeigst, sondern Deinen Erkenntnisweg nachvollziehbar machst.

  1. Befundtreue: P1 bis P11 sind maßstäblich korrekt übertragen und als synthetische H7-A-Daten kenntlich gemacht.
  2. Evidenztrennung: E1, E2 und E3 sind im Modell und im Text eindeutig unterscheidbar.
  3. Begründungsqualität: Jede ergänzte Dach- und Wandpartie besitzt einen nachvollziehbaren Grund.
  4. Fehlender Befund: Zu jeder Ergänzung wird genannt, was am Modellplatz nicht erhalten ist.
  5. Alternativen: Mindestens zwei unsichere Entscheidungen werden durch eine plausible Alternative ergänzt.
  6. Belegstellen: Öffentliche Quellen werden korrekt als Vergleich oder methodische Orientierung verwendet und nicht als lokaler Beweis ausgegeben.
  7. Offenes Sachurteil: Eine eigene Entscheidung wird anhand transparenter Prüfkriterien begründet, ohne Scheingewissheit.
  8. Medienrechte: Eingesetzte Bilder und Videos werden mit Herkunft und Nutzungsstatus dokumentiert.
  9. Transfer: Du kannst erklären, wie neue Befunde eine bestehende Rekonstruktion verändern würden.




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