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M10 M - Zweistufige Zufallsexperimente systematisch modellieren

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M10 M - Zweistufige Zufallsexperimente systematisch modellieren



M10 M - Zweistufige Zufallsexperimente systematisch modellieren


Einleitung

Du übersetzt reale oder erfundene Zufallssituationen in Baumdiagramme, berechnest zusammengesetzte Ereignisse mit den Pfadregeln und vergleichst Ziehen mit und ohne Zurücklegen. Im M-Niveau der Klasse 10 steht nicht nur das Ergebnis im Mittelpunkt: Du sollst Modell, Rechenweg, Darstellung und Begründung nachvollziehbar verbinden.

Leitfrage: Wie verändert sich ein Baumdiagramm, wenn ein gezogenes Objekt nicht zurückgelegt wird?

Der Kurs orientiert sich an der Leitidee „Daten und Zufall“ für Mathematik in Baden-Württemberg und bereitet auf Anforderungen des mittleren Abschlusses vor.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Zufallsexperiment: zweistufige Situationen erkennen und mathematisch modellieren.
  2. Baumdiagramm: Äste, Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten korrekt eintragen.
  3. Produktregel: die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Pfades berechnen.
  4. Summenregel: mehrere passende Pfade zu einem Ereignis zusammenfassen.
  5. Urnenmodell: Ziehen mit und ohne Zurücklegen unterscheiden.
  6. Modellieren: Ergebnisse im Sachzusammenhang deuten und auf Plausibilität prüfen.
  7. Digitale Werkzeuge: Simulationen als Kontrolle nutzen, ohne sie mit einem mathematischen Beweis zu verwechseln.


Vorwissen-Check

Prüfe kurz:

  1. Kannst Du Brüche multiplizieren und addieren?
  2. Weißt Du, dass alle Wahrscheinlichkeiten an einer Verzweigung zusammen 1 ergeben?
  3. Kannst Du zwischen Ergebnis und Ereignis unterscheiden?
  4. Kannst Du Wahrscheinlichkeiten als Bruch, Dezimalzahl und Prozentwert darstellen?

Mini-Check: Eine Urne enthält 3 rote und 2 blaue Kugeln. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für Rot bei einer Ziehung?

P(R)=35=0,6=60%


Das zweistufige Zufallsexperiment


Vom Text zum Modell

Eine Situation ist zweistufig, wenn ein Zufallsvorgang zweimal nacheinander ausgeführt wird.

Beispiel: Aus einer Urne mit 3 roten und 2 blauen Kugeln wird zweimal gezogen.

Schritt 1: Ergebnisse der ersten Ziehung bestimmen: Rot oder Blau.

Schritt 2: Von jedem ersten Ergebnis aus die zweite Ziehung ergänzen.

Schritt 3: Wahrscheinlichkeiten an die Äste schreiben.

Kontrolle: An jeder Verzweigung muss gelten:

P(R)+P(B)=1


Baumdiagramm lesen

Ein vollständiger Pfad beschreibt eine mögliche Reihenfolge, zum Beispiel:

R→B

Die Wahrscheinlichkeit dieses Pfades wird mit der Produktregel berechnet.


Die erste Pfadregel: Produktregel

Für einen vollständigen Pfad werden die Astwahrscheinlichkeiten multipliziert.

P(A∩B)=P(A)⋅P(B∣A)

Für ein einfaches Beispiel mit unveränderten Wahrscheinlichkeiten:

P(RR)=35⋅35=925

Merksatz: Entlang eines Pfades wird multipliziert.


Die zweite Pfadregel: Summenregel

Besteht ein Ereignis aus mehreren vollständigen Pfaden, werden deren Wahrscheinlichkeiten addiert.

Beim Ereignis „genau eine rote Kugel“ sind die Pfade RB und BR günstig.

P(genau eine rote)=P(RB)+P(BR)

Merksatz: Verschiedene günstige Pfade werden addiert.


Mit Zurücklegen


Modell

Nach jeder Ziehung wird die Kugel zurückgelegt. Die Zusammensetzung der Urne bleibt gleich.

Bei 3 roten und 2 blauen Kugeln gilt deshalb in beiden Stufen:

P(R)=35

P(B)=25

Zweimal Rot:

P(RR)=35⋅35=925

Genau einmal Rot:

P(RB)=35⋅25=625

P(BR)=25⋅35=625

P(genau einmal Rot)=625+625=1225


Ohne Zurücklegen


Modell

Wird eine Kugel nicht zurückgelegt, befinden sich vor der zweiten Ziehung nur noch 4 Kugeln in der Urne. Die zweite Astwahrscheinlichkeit hängt vom ersten Ergebnis ab.

Nach Rot:

P(R∣R)=24

P(B∣R)=24

Nach Blau:

P(R∣B)=34

P(B∣B)=14

Zweimal Rot:

P(RR)=35⋅24=620=310

Genau einmal Rot:

P(RB)=35⋅24=310

P(BR)=25⋅34=310

P(genau einmal Rot)=310+310=35

Das Bild vergleicht Ziehen mit und ohne Zurücklegen. Beobachte besonders, wie sich die Wahrscheinlichkeiten nach der ersten Ziehung verändern.


Mit und ohne Zurücklegen vergleichen


Visueller Vergleich

Mit Zurücklegen:

Start
├─ R  3/5
│  ├─ R  3/5
│  └─ B  2/5
└─ B  2/5
   ├─ R  3/5
   └─ B  2/5

Ohne Zurücklegen:

Start
├─ R  3/5
│  ├─ R  2/4
│  └─ B  2/4
└─ B  2/5
   ├─ R  3/4
   └─ B  1/4

Entscheidende Frage: Ändert sich nach Stufe 1 die Zusammensetzung der Zufallssituation?

  1. Wenn nein: Astwahrscheinlichkeiten bleiben gleich.
  2. Wenn ja: Astwahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe neu bestimmen.


Interaktive Baumdiagramm-Animationen

Nutze die dynamischen Darstellungen und vergleiche sie mit Deinem eigenen Baumdiagramm:

  1. GeoGebra: Wahrscheinlichkeit mit und ohne Zurücklegen
  2. GeoGebra: Wahrscheinlichkeitsberechnung mit und ohne Zurücklegen
  3. GeoGebra: Baumdiagramm zum Urnenmodell

Arbeitsauftrag: Verändere die Ausgangssituation und prüfe, welche Astwahrscheinlichkeiten unverändert bleiben und welche neu berechnet werden müssen.


Schritt-für-Schritt-Strategie


Fünf Schritte

  1. Situation klären: Was geschieht in Stufe 1 und Stufe 2?
  2. Ergebnisse notieren: Welche Ausgänge sind je Stufe möglich?
  3. Zurücklegen prüfen: Ändert sich die Grundgesamtheit?
  4. Baum beschriften: Wahrscheinlichkeiten an jedem Ast eintragen und Astsummen prüfen.
  5. Ereignis berechnen: Entlang günstiger Pfade multiplizieren, mehrere günstige Pfade addieren.

Plausibilitätscheck:

0≤P(E)≤1

Außerdem muss die Summe der Wahrscheinlichkeiten aller vollständigen Pfade 1 ergeben.


Interaktive Beispiele


Beispiel 1: Zweimal gleiche Farbe

Urne: 3 rote und 2 blaue Kugeln, Ziehen mit Zurücklegen.

Gesucht ist:

E={RR,BB}

Schritt 1:

P(RR)=35⋅35=925

Schritt 2:

P(BB)=25⋅25=425

Schritt 3:

P(E)=925+425=1325

Feedback: Zwei günstige Pfade bedeuten zwei Produkte und anschließend eine Summe.


Beispiel 2: Mindestens einmal Rot

Mit Zurücklegen ist das Gegenereignis „kein Rot“, also zweimal Blau.

P(BB)=25⋅25=425

Damit:

P(mindestens einmal Rot)=1−425=2125

Denkfrage: Warum ist hier das Gegenereignis kürzer als die Addition von RR, RB und BR?


Beispiel 3: Ohne Zurücklegen

Urne: 4 grüne und 2 rote Kugeln. Zweimal ziehen ohne Zurücklegen.

Gesucht: zweimal Grün.

P(GG)=46⋅35=1230=25

Feedback: Nach der ersten grünen Kugel bleiben 3 grüne von insgesamt 5 Kugeln.


Übungen mit Hilfestufen und Feedback


Übung 1: Mit Zurücklegen

Eine Box enthält 5 Gewinnlose und 3 Nieten. Es wird zweimal mit Zurücklegen gezogen.

Berechne die Wahrscheinlichkeit für zwei Gewinne.

Hilfestufe 1: Der Pfad lautet Gewinn → Gewinn.

Hilfestufe 2: Beide Astwahrscheinlichkeiten sind 58.

Lösung und Feedback:

P(GG)=58⋅58=2564

Wenn Du in der zweiten Stufe einen anderen Nenner verwendet hast, hast Du „mit Zurücklegen“ nicht berücksichtigt.


Übung 2: Ohne Zurücklegen

Eine Tasche enthält 4 schwarze und 3 weiße Chips. Zwei werden ohne Zurücklegen gezogen.

Berechne die Wahrscheinlichkeit für Schwarz, dann Weiß.

Hilfestufe 1: Nach Schwarz sind noch 6 Chips vorhanden.

Hilfestufe 2: Es bleiben 3 weiße Chips.

Lösung und Feedback:

P(SW)=47⋅36=1242=27


Übung 3: Mehrere Pfade

Im gleichen Modell soll genau ein schwarzer Chip gezogen werden.

Hilfestufe 1: Es gibt zwei günstige Reihenfolgen.

Hilfestufe 2: Berechne SW und WS getrennt.

Lösung und Feedback:

P(SW)=47⋅36=27

P(WS)=37⋅46=27

P(genau ein schwarzer)=27+27=47


Zufallssimulationen


Simulation als Kontrolle

Eine Simulation erzeugt viele Wiederholungen eines Zufallsexperiments. Die relative Häufigkeit kann sich mit wachsender Versuchszahl an die theoretische Wahrscheinlichkeit annähern.

GeoGebra: Wahrscheinlichkeiten abschätzen mit Simulation

Arbeitsauftrag:

  1. Berechne zuerst theoretisch P(RR).
  2. Simuliere das Experiment mindestens 100 Mal.
  3. Vergleiche relative Häufigkeit und theoretische Wahrscheinlichkeit.
  4. Wiederhole mit einer größeren Versuchszahl.
  5. Begründe, warum eine Abweichung kein Rechenfehler sein muss.

Wichtig: Eine Simulation liefert empirische Daten. Sie ersetzt weder die Pfadregel noch einen mathematischen Beweis.


Digitale Ergebnisse kritisch prüfen

Bei Taschenrechnern, Tabellenkalkulation, GeoGebra oder KI:

  1. Prüfe zuerst das mathematische Modell.
  2. Prüfe, ob mit oder ohne Zurücklegen modelliert wurde.
  3. Vergleiche mit einer Überschlags- oder Handrechnung.
  4. Übernimm keine KI-Ausgabe ungeprüft.
  5. Gib in öffentlichen Werkzeugen keine personenbezogenen Daten ein.


Typische Fehler


Fehlerdiagnose

Fehler 1: Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades werden addiert.

Korrekt:

P(RB)=P(R)⋅P(B∣R)

Fehler 2: Mehrere günstige Pfade werden multipliziert.

Korrekt:

P(RB oder BR)=P(RB)+P(BR)

Fehler 3: Beim Ziehen ohne Zurücklegen bleibt der Nenner gleich.

Korrekt: Nach einer Ziehung sind insgesamt eine Kugel weniger vorhanden.

Fehler 4: Nur der Nenner wird geändert, aber nicht die Anzahl der passenden Kugeln.

Korrekt: Zähler und Nenner hängen vom ersten Ergebnis ab.

Fehler 5: Ein Dezimalwert wird akzeptiert, obwohl er größer als 1 ist.

Korrekt:

0≤P(E)≤1


Selbstkontrolle


Schnelltest

Kannst Du diese Fragen ohne Hilfe beantworten?

  1. Warum bleiben beim Ziehen mit Zurücklegen die Astwahrscheinlichkeiten gleich?
  2. Warum hängen beim Ziehen ohne Zurücklegen die Wahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe vom ersten Ergebnis ab?
  3. Wann multiplizierst Du?
  4. Wann addierst Du?
  5. Wie kontrollierst Du ein Baumdiagramm?
  6. Wann kann ein Gegenereignis den Rechenweg verkürzen?

Wenn Du mindestens fünf Fragen sicher begründen kannst, bist Du bereit für den Kompetenzcheck.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet ein zweistufiges Zufallsexperiment? (Der Zufallsvorgang wird in zwei aufeinanderfolgenden Stufen betrachtet) (!Alle Ergebnisse sind gleich wahrscheinlich) (!Es gibt genau zwei mögliche Ergebnisse) (!Es wird immer ohne Zurücklegen gezogen)




Welche Rechenoperation gehört zur Produktregel? (Multiplikation entlang eines vollständigen Pfades) (!Addition entlang eines vollständigen Pfades) (!Subtraktion aller Astwahrscheinlichkeiten) (!Division aller Pfadwahrscheinlichkeiten)




Wann wird die Summenregel verwendet? (Wenn ein Ereignis aus mehreren günstigen Pfaden besteht) (!Bei jeder einzelnen Astwahrscheinlichkeit) (!Nur beim Ziehen ohne Zurücklegen) (!Nur bei sicheren Ereignissen)




Was gilt beim Ziehen mit Zurücklegen aus derselben Urne? (Die Zusammensetzung der Urne ist vor beiden Ziehungen gleich) (!Der Nenner wird in der zweiten Stufe immer kleiner) (!Die zweite Ziehung ist unmöglich) (!Die gezogene Farbe verschwindet aus der Urne)




Was verändert sich beim Ziehen ohne Zurücklegen? (Die Zusammensetzung der Urne vor der zweiten Ziehung) (!Die Anzahl der Stufen wird automatisch drei) (!Die erste Astwahrscheinlichkeit wird rückwirkend geändert) (!Die Produktregel gilt nicht mehr)




Eine Urne enthält drei rote und zwei blaue Kugeln. Wie groß ist mit Zurücklegen die Wahrscheinlichkeit für zweimal Rot? (Neun Fünfundzwanzigstel) (!Drei Zehntel) (!Sechs Fünfundzwanzigstel) (!Zwölf Fünfundzwanzigstel)




Wie groß ist im selben Modell ohne Zurücklegen die Wahrscheinlichkeit für zweimal Rot? (Drei Zehntel) (!Neun Fünfundzwanzigstel) (!Drei Fünftel) (!Ein Viertel)




Wie groß ist ohne Zurücklegen die Wahrscheinlichkeit für genau eine rote Kugel bei drei roten und zwei blauen Kugeln? (Drei Fünftel) (!Drei Zehntel) (!Neun Fünfundzwanzigstel) (!Ein Fünftel)




Welche Kontrolle gilt an jeder Verzweigung eines vollständigen Baumdiagramms? (Die Summe der ausgehenden Astwahrscheinlichkeiten ist eins) (!Das Produkt der ausgehenden Astwahrscheinlichkeiten ist eins) (!Jede Astwahrscheinlichkeit ist gleich groß) (!Jede Astwahrscheinlichkeit ist größer als eins)




Welche Aussage über eine Zufallssimulation ist richtig? (Sie kann theoretische Ergebnisse empirisch kontrollieren) (!Sie beweist eine Pfadregel) (!Sie liefert bei hundert Versuchen immer exakt die theoretische Wahrscheinlichkeit) (!Sie macht ein mathematisches Modell überflüssig)





Memory

Produktregel Entlang eines Pfades multiplizieren
Summenregel Günstige Pfade addieren
Zurücklegen Zusammensetzung bleibt gleich
Ohne Zurücklegen Zusammensetzung verändert sich
Baumdiagramm Zweistufigen Ablauf verzweigt darstellen
Gegenereignis Wahrscheinlichkeit über eins minus Gegenfall bestimmen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Produktregel Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Pfades
Summenregel Wahrscheinlichkeit mehrerer günstiger Pfade
Mit Zurücklegen Gleiche Zusammensetzung vor der zweiten Ziehung
Ohne Zurücklegen Veränderte Zusammensetzung vor der zweiten Ziehung
Plausibilitätskontrolle Wahrscheinlichkeit liegt zwischen null und eins





Kreuzworträtsel

Produktregel Welche Regel nutzt Du entlang eines vollständigen Pfades?
Summenregel Welche Regel verbindet mehrere günstige Pfade?
Baumdiagramm Welche Darstellung zeigt die Verzweigungen eines Zufallsexperiments?
Zurücklegen Welches Wort beschreibt das Wiederhineinlegen einer gezogenen Kugel?
Simulation Wie heißt die digitale oder reale Wiederholung eines Zufallsexperiments?
Ereignis Wie heißt eine Menge von Ergebnissen, die gemeinsam betrachtet wird?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Bei einem zweistufigen Zufallsexperiment werden zwei

nacheinander betrachtet. Entlang eines vollständigen Pfades werden Wahrscheinlichkeiten

. Besteht ein Ereignis aus mehreren günstigen Pfaden, werden deren Wahrscheinlichkeiten

. Beim Ziehen mit Zurücklegen bleibt die Zusammensetzung der Urne

. Beim Ziehen ohne Zurücklegen verändert sich die Zusammensetzung vor der

Ziehung. An einer Verzweigung ergeben die ausgehenden Astwahrscheinlichkeiten zusammen

. Eine digitale Simulation kann eine theoretische Rechnung

, aber nicht beweisen.




Transfer


Vom Urnenmodell zur Alltagssituation

Ein Baumdiagramm eignet sich auch für Situationen ohne echte Urne.

Beispiel: Ein Gerät besteht zwei Qualitätskontrollen. In Stufe 1 wird geprüft, ob Merkmal A erfüllt ist; in Stufe 2 wird Merkmal B geprüft.

Deine Aufgabe ist nicht, mechanisch „Kugeln zu ziehen“, sondern die reale Situation auf eine zweistufige Struktur zu übertragen.

Modellierungsfragen:

  1. Welche zwei Stufen gibt es?
  2. Welche Ergebnisse sind pro Stufe möglich?
  3. Hängt die zweite Stufe von der ersten ab?
  4. Welche Wahrscheinlichkeiten gehören an die Äste?
  5. Welches Ereignis soll berechnet werden?


Kompetenzcheck


M-Niveau Klasse 10

Eine Kiste enthält 6 funktionierende und 2 defekte Bauteile. Zwei Bauteile werden zufällig ohne Zurücklegen geprüft.

Aufgabe A: Zeichne ein Baumdiagramm.

Aufgabe B: Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass beide Bauteile funktionieren.

P(FF)=68⋅57=3056=1528

Aufgabe C: Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass genau ein Bauteil defekt ist.

P(FD)=68⋅27=1256

P(DF)=28⋅67=1256

P(genau ein defektes)=2456=37

Aufgabe D: Begründe, warum die beiden Pfade addiert werden.

Erwartung auf M-Niveau: Du rechnest selbstständig, verknüpfst Text, Baumdiagramm und Term, begründest die Wahl der Pfadregeln und prüfst Dein Ergebnis.


Reflexion

Beantworte in ganzen Sätzen:

  1. Woran erkennst Du am Text, ob mit oder ohne Zurücklegen modelliert werden muss?
  2. Welche Stelle im Baumdiagramm ist bei Aufgaben ohne Zurücklegen besonders fehleranfällig?
  3. Wann ist das Gegenereignis effizienter?
  4. Wie kann eine Simulation Deinen Rechenweg prüfen?
  5. Welche mathematische Begründung brauchst Du zusätzlich zu einem digitalen Ergebnis?


Folgekurs

Als nächster Schritt eignet sich:

Bedingte Wahrscheinlichkeiten in Baumdiagrammen erkennen und deuten

Dort wird genauer untersucht, warum eine Wahrscheinlichkeit wie P(B∣A) von einer vorherigen Information abhängen kann.


Offene Aufgaben


Leicht

  1. Baumdiagramm zeichnen: Erfinde eine zweistufige Situation mit Münze, Würfel oder Glücksrad und zeichne das passende Baumdiagramm.
  2. Urnenmodell: Stelle eine Urne mit zwei Farben zusammen und fotografiere oder skizziere sie ohne personenbezogene Daten.
  3. Pfadregel erklären: Erkläre die Produktregel in höchstens drei Sätzen und ergänze ein eigenes Zahlenbeispiel.
  4. Fehler finden: Erfinde einen falschen Rechenweg zu einer Baumdiagramm-Aufgabe und markiere die fehlerhafte Stelle.


Standard

  1. Mit Zurücklegen: Erstelle eine Aufgabe mit Zurücklegen und gib Baumdiagramm, Rechenweg und Lösung an.
  2. Ohne Zurücklegen: Verändere dieselbe Aufgabe so, dass nicht zurückgelegt wird, und vergleiche die Ergebnisse.
  3. Zufallssimulation: Simuliere eine zweistufige Situation digital oder mit realen Gegenständen mindestens hundertmal und vergleiche relative Häufigkeit und Theorie.
  4. Erklärvideo: Produziere ein kurzes Erklärvideo zur Frage „Wann muss sich die zweite Stufe im Baumdiagramm ändern?“.


Schwer

  1. Modellieren: Suche eine reale Situation, die sich sinnvoll zweistufig modellieren lässt, und begründe Annahmen und Grenzen Deines Modells.
  2. Gegenereignis: Entwickle eine Aufgabe, bei der ein Gegenereignis den Rechenweg deutlich verkürzt, und erkläre warum.
  3. Digitale Prüfung: Lass ein digitales Werkzeug oder eine KI eine Baumdiagramm-Aufgabe lösen, prüfe jeden Rechenschritt und dokumentiere mögliche Fehler.
  4. Vergleichsstudie: Untersuche bei derselben Urne systematisch, wie stark sich mindestens drei Ereigniswahrscheinlichkeiten mit und ohne Zurücklegen unterscheiden.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Modellwahl: Eine Person zieht zweimal aus einer Box. Formuliere je eine Variante mit und ohne Zurücklegen und erkläre, an welcher Stelle sich die Baumdiagramme unterscheiden.
  2. Darstellungswechsel: Übertrage eine gegebene Sachsituation in ein Baumdiagramm und anschließend in einen Wahrscheinlichkeitsterm.
  3. Begründung: Erkläre an einem Beispiel, warum entlang eines Pfades multipliziert und zwischen mehreren günstigen Pfaden addiert wird.
  4. Fehleranalyse: Untersuche einen Rechenweg, in dem beim Ziehen ohne Zurücklegen zweimal derselbe Nenner verwendet wurde, und korrigiere ihn.
  5. Plausibilität: Entwickle mindestens zwei Kontrollen, mit denen Du ein berechnetes Ergebnis überprüfen kannst.
  6. Transfer: Entscheide für eine neue Alltagssituation, ob ein Baumdiagramm geeignet ist, und begründe Deine Entscheidung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du:

  1. eine zweistufige Zufallssituation korrekt modellieren können,
  2. ein vollständiges Baumdiagramm mit Astwahrscheinlichkeiten erstellen können,
  3. die Produktregel und Summenregel sicher anwenden und begründen können,
  4. Ziehen mit und ohne Zurücklegen unterscheiden können,
  5. zusammengesetzte Ereignisse über passende Pfade berechnen können,
  6. Gegenereignisse sinnvoll nutzen können,
  7. Ergebnisse auf 0≤P(E)≤1 und auf Plausibilität prüfen können,
  8. Simulationsergebnisse kritisch mit theoretischen Wahrscheinlichkeiten vergleichen können,
  9. Rechenweg, Darstellung und Begründung verständlich dokumentieren können.




OERs zum Thema

Wikimedia Commons: Die verwendeten Dateien stammen aus Wikimedia Commons. Lizenz- und Urheberangaben findest Du jeweils auf der Dateibeschreibungsseite.

  1. Probability tree.svg
  2. Probability tree diagram.svg
  3. Urn problem qtl1.svg
  4. Urn problem qtl6.svg
  5. Urn problem qtl7.svg
  6. Urn problem qtl8.svg

Interaktive OER:

  1. GeoGebra: Wahrscheinlichkeit mit und ohne Zurücklegen
  2. GeoGebra: Wahrscheinlichkeitsberechnung mit und ohne Zurücklegen
  3. GeoGebra: Wahrscheinlichkeiten abschätzen mit Simulation

Bildungsplanbezug:

  1. Bildungsplan Baden-Württemberg: Leitidee Daten und Zufall



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