Faust - Figurenkonstellationen und Machtverhältnisse visualisieren

Faust - Figurenkonstellationen und Machtverhältnisse visualisieren
Faust – Figurenkonstellationen und Machtverhältnisse visualisieren
Einleitung
Johann Wolfgang von Goethes Drama Faust I verbindet die Geschichte des unzufriedenen Gelehrten Heinrich Faust mit der tragischen Geschichte Margaretes, die meist Gretchen genannt wird. Für das Verständnis des Dramas reicht es nicht aus, die einzelnen Figuren nur zu charakterisieren. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wer auf wen Einfluss ausübt, wer von wem abhängig ist, wer Informationen kontrolliert und wer unter gesellschaftlichen Machtverhältnissen leidet.
Eine Figurenkonstellation macht solche Beziehungen sichtbar. Sie zeigt nicht nur, welche Figuren miteinander verbunden sind, sondern auch, welche Art von Beziehung zwischen ihnen besteht: Liebe, Verführung, Abhängigkeit, Konkurrenz, familiäre Bindung, gesellschaftlicher Druck, Manipulation oder religiös-metaphysische Ordnung.
In diesem aiMOOC lernst Du, die Figurenkonstellation von Faust I als dynamisches Netz zu untersuchen. Dabei steht besonders die Frage im Mittelpunkt, wie sich Macht im Verlauf der Handlung verändert.

Zentrale Figuren
Die wichtigsten Figuren für die Analyse der Machtverhältnisse sind:
- Heinrich Faust: Gelehrter, der an den Grenzen menschlicher Erkenntnis verzweifelt und nach intensiver Lebenserfahrung strebt.
- Mephisto: Teuflischer Gegenspieler und Begleiter Fausts, der Zugang zu Wissen, Täuschung, Magie und gesellschaftlichen Situationen besitzt.
- Margarete / Gretchen: Junge Frau, deren Beziehung zu Faust zum Zentrum der Gretchentragödie wird.
- Marthe Schwerdtlein: Gretchens Nachbarin, die Treffen zwischen Faust und Gretchen erleichtert.
- Valentin: Gretchens Bruder, der die familiäre und gesellschaftliche Ehrvorstellung vertritt.
- Wagner: Fausts Famulus und Kontrastfigur zu Fausts grenzenlosem Erkenntnisstreben.
- Der Herr: Übergeordnete Instanz im „Prolog im Himmel“, in dessen Rahmen Mephistos Versuch mit Faust steht.
Die Figurenkonstellation als Beziehungsnetz
Eine Figurenkonstellation lässt sich wie ein Netz lesen. Im Zentrum stehen zunächst Faust und Mephisto. Mit dem Beginn der Gretchentragödie verschiebt sich das Zentrum: Nun werden Faust, Gretchen und Mephisto zu einem Dreieck, in dem Begehren, Manipulation und Verantwortung miteinander verbunden sind.
Visualisierung 1: Das zentrale Beziehungsdreieck
| MEPHISTO | ||||
| ↓ ermöglicht, verführt, manipuliert | ||||
| MEPHISTO | → | FAUST | → | GRETCHEN |
| Täuschung und Organisation | Begehren und Entscheidung | Liebe und zunehmende Abhängigkeit | ||
| ↑ Mephisto beeinflusst auch die Bedingungen, unter denen Faust und Gretchen einander begegnen. | ||||
Diese Darstellung darf nicht so verstanden werden, als sei Faust nur ein willenloses Werkzeug Mephistos. Faust entscheidet selbst, Mephistos Möglichkeiten zu nutzen. Gerade deshalb bleibt die Frage nach seiner Verantwortung zentral.

Das Bild eignet sich besonders gut zur Analyse der Figurenkonstellation: Faust und Gretchen erscheinen als Paar im Vordergrund, während Marthe und Mephisto im Hintergrund die Begegnung indirekt mitstrukturieren. Damit wird visuell erfahrbar, dass die Liebesbeziehung nicht isoliert entsteht.
Visualisierung 2: Erweitertes Beziehungsnetz
| Figur A | Beziehung | Figur B | Machtaspekt |
|---|---|---|---|
| Der Herr | metaphysischer Rahmen | Mephisto | Mephistos Handeln findet innerhalb einer übergeordneten Ordnung statt. |
| Mephisto | Pakt / Wette / Dienstverhältnis | Faust | Mephisto verschafft Möglichkeiten; Faust trifft Entscheidungen. |
| Faust | Liebe / Begehren | Gretchen | Ungleichheit durch Alter, Bildung, Erfahrung und Handlungsspielraum. |
| Mephisto | Vermittlung / Manipulation | Gretchen | Mephisto beeinflusst Gretchens Lebenswelt indirekt. |
| Marthe | Nachbarschaft / Vermittlung | Gretchen | Marthe öffnet einen sozialen Raum für Begegnungen. |
| Mephisto | Täuschung / Flirt | Marthe | Mephisto nutzt Marthes Interessen für seine Pläne. |
| Valentin | Geschwisterbeziehung / Ehrvorstellung | Gretchen | Valentin verbindet familiäre Macht mit gesellschaftlicher Kontrolle. |
| Faust | Lehrer-Famulus-Verhältnis | Wagner | Faust besitzt akademische Autorität, Wagner folgt einer anderen Wissenschaftshaltung. |
Was bedeutet Macht in Faust I?
Macht bedeutet in diesem Drama nicht nur körperliche Stärke oder eine offizielle Herrschaftsposition. Macht zeigt sich auf mehreren Ebenen.
Wissensmacht
Faust besitzt als Gelehrter eine hohe Bildung. Trotzdem empfindet er sein Wissen als unzureichend. Mephisto verfügt dagegen über besonderes Wissen über Menschen, Situationen und Täuschungsmöglichkeiten. Dadurch kann er Handlungen vorbereiten, Begegnungen ermöglichen und andere Figuren beeinflussen.
Das Verhältnis zwischen Faust und Mephisto ist deshalb paradox: Faust möchte seine Grenzen überwinden, macht sich dafür aber von Mephistos Möglichkeiten abhängig.
Handlungsmacht
Unter Handlungsmacht versteht man die Möglichkeit, Entscheidungen in wirksame Handlungen umzusetzen. Faust und Mephisto besitzen deutlich mehr Handlungsspielraum als Gretchen. Sie bewegen sich zwischen Orten, organisieren Begegnungen und können Situationen verlassen.
Gretchen dagegen wird zunehmend in ein Netz aus Liebe, familiären Folgen, religiösem Gewissen und gesellschaftlicher Verurteilung eingebunden. Ihre Handlungsmöglichkeiten werden im Verlauf der Tragödie immer kleiner.
Informationsmacht
Wer mehr weiß als andere, kann Situationen kontrollieren. Mephisto besitzt häufig einen Informationsvorsprung. Er kennt Zusammenhänge, die anderen Figuren verborgen bleiben, und kann Informationen strategisch einsetzen.
Auch Faust weiß mehr als Gretchen: Sie kennt zu Beginn weder die gesamte Vorgeschichte Fausts noch die Bedeutung seines Verhältnisses zu Mephisto. Dieses Informationsgefälle verstärkt die Ungleichheit ihrer Beziehung.
Soziale Macht
Gretchens Lebenswelt ist stark von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt. Vorstellungen von weiblicher Tugend, Sexualmoral, Ehe, Religion und Familienehre beeinflussen ihr Verhalten. Besonders sichtbar wird dies an Valentin, der seine Schwester auch unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Ehre betrachtet.
Damit erscheint Gesellschaft selbst als eine Form von Macht: Auch dort, wo keine einzelne Figur unmittelbar Befehle erteilt, wirken Normen und Erwartungen auf Gretchen ein.
Geschlechterspezifische Macht
Faust und Gretchen verfügen nicht über dieselben sozialen Möglichkeiten. Faust kann seine Beziehung zu Gretchen aktiv suchen, mit Mephisto Orte wechseln und sich zeitweise der unmittelbaren Konsequenz entziehen. Gretchen trägt dagegen einen besonders großen Teil der sozialen und persönlichen Folgen.
Eine Analyse der Geschlechterverhältnisse fragt deshalb nicht nur nach persönlichen Gefühlen, sondern auch nach gesellschaftlich ungleich verteilten Handlungsmöglichkeiten.
Faust und Mephisto: Wer kontrolliert wen?
Das Verhältnis von Faust und Mephisto gehört zu den kompliziertesten Machtbeziehungen des Dramas. Mephisto bietet Faust neue Erfahrungen und organisiert Situationen, doch Faust bleibt ein handelndes Subjekt.
Abhängigkeit auf beiden Seiten
Faust braucht Mephistos Fähigkeiten, um seine bisherigen Grenzen zu überschreiten. Mephisto wiederum braucht Fausts Bereitschaft, sich auf sein Angebot einzulassen. Das Verhältnis ist daher keine einfache Einbahnstraße.
Man kann drei Ebenen unterscheiden:
- Verführung: Mephisto bietet Möglichkeiten an und lenkt Fausts Aufmerksamkeit.
- Entscheidung: Faust nimmt Angebote an, fordert Handlungen und verfolgt eigene Wünsche.
- Verantwortung: Die Beteiligung Mephistos beseitigt Fausts moralische Verantwortung nicht.
Macht durch Sprache
Mephisto übt Macht häufig sprachlich aus. Er kommentiert, provoziert, ironisiert und deutet Situationen. Dadurch beeinflusst er Fausts Wahrnehmung.
Faust wiederum formuliert Forderungen und Wünsche. Sprache wird so zu einem Mittel, mit dem beide ihre Beziehung aushandeln.
Faust und Gretchen: Liebe unter ungleichen Bedingungen
Faust ist von Gretchen angezogen. Gretchen entwickelt Gefühle für Faust. Dennoch ist ihre Beziehung von Beginn an durch Unterschiede geprägt.
Faust besitzt mehr Bildung, Lebenserfahrung und Bewegungsfreiheit. Zudem steht ihm Mephisto als Helfer zur Verfügung. Gretchen kennt Fausts Situation nur teilweise und bewegt sich in einem engeren sozialen Umfeld.
Die Beziehung ist deshalb zugleich:
- eine Liebesbeziehung,
- eine Beziehung mit Informationsgefälle,
- eine Beziehung mit unterschiedlicher sozialer Bewegungsfreiheit,
- eine Beziehung, deren Folgen Gretchen besonders stark treffen.

Die Darstellung von „Gretchens Stube“ rückt Gretchen allein in den Mittelpunkt. Für die Machtanalyse ist das wichtig: Die äußeren Akteure sind abwesend, aber die Folgen der Beziehung bestimmen bereits Gretchens Innenleben.
Mephisto und Gretchen: Indirekte Macht
Mephisto tritt Gretchen nicht hauptsächlich als romantischer Partner gegenüber. Seine Macht über ihre Situation ist vor allem indirekt. Er organisiert mit Faust Begegnungen, beeinflusst Marthe und schafft Voraussetzungen für weitere Entwicklungen.
Damit zeigt Goethe eine wichtige Form von Macht: Eine Figur muss nicht ständig direkt mit einer anderen sprechen, um deren Lebensweg stark zu beeinflussen.

Marthe als Vermittlungsfigur
Marthe Schwerdtlein ist keine bloße Nebenfigur. Sie erfüllt eine wichtige strukturelle Funktion. Durch sie entsteht ein gesellschaftlich nutzbarer Raum, in dem Faust und Gretchen einander begegnen können.
Mephisto nutzt Marthes Interesse an Nachrichten über ihren verschwundenen Mann und ihre Offenheit für seine Aufmerksamkeit. Dadurch wird Marthe zugleich Mitwirkende und Objekt von Mephistos Strategie.
In einer Figurenkonstellation sollte Marthe deshalb nicht am Rand verschwinden. Sie ist ein Knotenpunkt der Vermittlung.
Valentin und die Macht der gesellschaftlichen Ehre
Valentin verkörpert die familiäre und gesellschaftliche Perspektive auf Gretchens Ruf. Seine Beziehung zu seiner Schwester ist nicht nur privat. Er verbindet ihre gesellschaftliche Stellung mit seiner eigenen Ehre.
Dadurch wird sichtbar, dass Macht in „Faust I“ auch aus sozialen Normen entsteht. Gretchen wird nicht allein durch einzelne Personen unter Druck gesetzt, sondern durch Vorstellungen darüber, wie eine junge Frau zu leben habe.
Wagner als Kontrastfigur
Wagner steht außerhalb der Gretchentragödie, ist für Fausts Ausgangssituation aber wichtig. Er vertritt eine stärker auf gelehrtes Wissen und methodische Arbeit gerichtete Haltung. Faust empfindet gerade diese Form der Wissenschaft als unzureichend.
Die Beziehung Faust–Wagner zeigt deshalb ein anderes Machtfeld: akademische Autorität und Wissenshierarchie. Faust ist Wagner gegenüber überlegen positioniert, obwohl er selbst an seinem Wissen verzweifelt.
Der Herr und Mephisto: metaphysische Ordnung
Im „Prolog im Himmel“ erhält die Figurenkonstellation eine übermenschliche Dimension. Mephistos Versuch mit Faust steht nicht außerhalb jeder Ordnung. Der Herr bildet den metaphysischen Rahmen, innerhalb dessen Mephisto handeln darf.
Dadurch entsteht eine doppelte Perspektive auf Macht:
- Auf der menschlichen Ebene erscheinen Mephistos Möglichkeiten außergewöhnlich groß.
- Auf der metaphysischen Ebene ist Mephisto selbst nicht die höchste Instanz.
Diese Perspektive relativiert die Vorstellung, Mephisto sei vollständig souverän.
Dynamik der Machtverhältnisse
Die Figurenkonstellation verändert sich im Verlauf des Dramas. Eine gute Visualisierung sollte deshalb nicht nur einen Zustand zeigen, sondern eine Entwicklung.
| Phase | Zentrum der Konstellation | Vorherrschende Macht | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Gelehrtentragödie | Faust | Wissenskrise und Erkenntnisgrenzen | Faust sucht einen Ausweg aus seiner Unzufriedenheit. |
| Begegnung mit Mephisto | Faust – Mephisto | Verführung, Angebot, Abhängigkeit | Faust gewinnt neue Möglichkeiten und bindet sich zugleich an Mephisto. |
| Beginn der Gretchentragödie | Faust – Gretchen – Mephisto | Begehren, Vermittlung, Informationsgefälle | Gretchen wird in das Handlungsnetz einbezogen. |
| Zuspitzung | Gretchen – Familie – Gesellschaft | soziale Normen, Scham, Ehre | Gretchens Handlungsspielräume werden enger. |
| Kerker | Gretchen – Faust – Mephisto | Entscheidung und Grenzerfahrung | Faust kann Gretchen nicht einfach durch äußere Macht „retten“. |
Visualisierung 3: Machtachsen
Du kannst Figurenkonstellationen analysieren, indem Du mehrere Machtachsen übereinanderlegst.
| Machtachse | eher mächtig | eher abhängig | Begründung |
|---|---|---|---|
| Wissen | Mephisto | Gretchen | Mephisto verfügt über strategische Informationen und Täuschungsmöglichkeiten. |
| Bildung | Faust | Gretchen | Faust besitzt akademische Bildung und gesellschaftliches Wissen. |
| soziale Bewegungsfreiheit | Faust und Mephisto | Gretchen | Faust und Mephisto können Orte und Situationen leichter wechseln. |
| gesellschaftliche Normen | Gesellschaft / Ehrvorstellungen | Gretchen | Gretchens Verhalten wird besonders stark öffentlich bewertet. |
| moralische Entscheidung | keine einfache Rangordnung | keine einfache Rangordnung | Alle Figuren bleiben in unterschiedlicher Weise für Entscheidungen relevant. |
Wichtig: Eine solche Tabelle ist eine Deutungshilfe, kein mathematisches Messinstrument. Literarische Macht ist situationsabhängig und kann sich verändern.
So erstellst Du selbst eine Figurenkonstellation
- Figuren auswählen: Konzentriere Dich zuerst auf die wichtigsten Akteure einer Szene oder Handlungsphase.
- Beziehungen benennen: Schreibe nicht nur „kennt“, sondern möglichst genau „liebt“, „manipuliert“, „vermittelt“, „kontrolliert“, „konkurriert“ oder „ist abhängig von“.
- Pfeilrichtung festlegen: Ein Pfeil kann anzeigen, von wem der Einfluss ausgeht.
- Linien unterscheiden: Verwende beispielsweise verschiedene Linien für Liebe, familiäre Bindung, Konflikt und Manipulation.
- Machtgefälle markieren: Unterschiedliche Pfeilstärken oder Symbole können starke und schwache Einflussmöglichkeiten darstellen.
- Zeit berücksichtigen: Erstelle mehrere Diagramme für unterschiedliche Phasen des Dramas.
- Textbelege ergänzen: Begründe jede wichtige Verbindung mit einer Szene oder einem kurzen Textbeleg.
Beispiel für eine eigene grafische Codierung
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| → | Einfluss oder Handlungsmacht |
| ↔ | wechselseitige Beziehung |
| ♥ | Liebe oder emotionale Bindung |
| ⚡ | Konflikt |
| ◇ | Vermittlung |
| ⛓ | Abhängigkeit |
Eine mögliche Skizze könnte dann lauten:
Der Herr → Mephisto ↔ Faust →♥ Gretchen ← Valentin
Mephisto →◇ Marthe →◇ Begegnung Faust/Gretchen
Gesellschaftliche Normen → Gretchen
Die vereinfachte Darstellung macht sichtbar, dass nicht nur Personen, sondern auch abstrakte Kräfte wie gesellschaftliche Normen in eine Machtanalyse aufgenommen werden können.
Deutung: Verantwortung statt einfacher Täter-Opfer-Schemata
Eine Figurenkonstellation darf die Handlung nicht zu stark vereinfachen. Besonders problematisch wäre die Aussage: „Mephisto ist an allem schuld, Faust ist nur sein Opfer.“ Das Drama zeigt vielmehr ein Geflecht aus Versuchung, Entscheidung, Begehren, sozialer Ungleichheit und Verantwortung.
Ebenso wäre es zu einfach, Gretchen ausschließlich als passive Figur darzustellen. Sie trifft eigene Entscheidungen, stellt Fragen, entwickelt religiöse und moralische Urteile und verweigert im Kerker schließlich Fausts Fluchtangebot. Ihre Handlungsmacht ist jedoch in vielen Situationen gesellschaftlich und materiell stärker eingeschränkt als die von Faust und Mephisto.
Gerade diese Spannung macht die Figurenkonstellation literarisch interessant.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche drei Figuren bilden das zentrale Beziehungsdreieck der Gretchentragödie? (Faust Gretchen und Mephisto) (!Faust Wagner und Valentin) (!Gretchen Wagner und Marthe) (!Mephisto Valentin und Wagner)
Welche Machtform besitzt Mephisto besonders häufig? (Informationsmacht) (!Parlamentarische Macht) (!Militärische Befehlsgewalt) (!Erbrechtliche Herrschaft)
Warum ist Marthe für die Figurenkonstellation wichtig? (Sie vermittelt Begegnungsmöglichkeiten) (!Sie ist Fausts Lehrerin) (!Sie ist Gretchens Mutter) (!Sie besiegt Mephisto)
Welche Figur verkörpert besonders stark familiäre Ehrvorstellungen? (Valentin) (!Wagner) (!Der Schüler) (!Frosch)
Was kennzeichnet die Beziehung zwischen Faust und Gretchen? (Ein Gefälle bei Wissen und Handlungsmöglichkeiten) (!Völlig gleiche Lebensbedingungen) (!Eine akademische Konkurrenz) (!Eine geschäftliche Partnerschaft)
Was zeigt Wagner im Figurenensemble vor allem? (Eine Kontrastposition zu Fausts Wissenschaftskrise) (!Gretchens religiöse Entwicklung) (!Mephistos familiäre Herkunft) (!Valentins Liebesgeschichte)
Welche Aussage beschreibt Mephistos Macht am treffendsten? (Er beeinflusst Situationen und erweitert Fausts Handlungsmöglichkeiten) (!Er kontrolliert jede Entscheidung aller Figuren vollständig) (!Er ist Gretchens Bruder) (!Er besitzt ein öffentliches Richteramt)
Welche Kraft kann in einer erweiterten Figurenkonstellation ebenfalls dargestellt werden? (Gesellschaftliche Normen) (!Nur Landschaften) (!Nur Requisiten) (!Nur Versmaße)
Warum sollte eine Figurenkonstellation mehrere Zeitpunkte zeigen? (Machtverhältnisse verändern sich im Verlauf) (!Die Figuren wechseln ihre Namen) (!Das Drama besitzt keine Handlung) (!Jede Szene spielt am selben Ort)
Was ist für eine gute Machtanalyse besonders wichtig? (Beziehungen mit Szenen und Textbelegen zu begründen) (!Nur die Zahl der Auftritte zu zählen) (!Alle Figuren gleich mächtig zu nennen) (!Nur das Alter der Figuren zu vergleichen)
Memory
| Mephisto | Informationsmacht |
| Marthe | Vermittlungsfigur |
| Valentin | Familienehre |
| Wagner | Wissenschaftskontrast |
| Gretchen | gesellschaftlicher Druck |
| Faust | Erkenntnisstreben |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Machtbereich |
|---|---|
| Informationsvorsprung | Mephisto |
| akademische Autorität | Faust |
| soziale Vermittlung | Marthe |
| familiäre Ehrkontrolle | Valentin |
| gesellschaftliche Einschränkung | Gretchen |
Kreuzworträtsel
| Mephisto | Wer organisiert und manipuliert zahlreiche Situationen? |
| Gretchen | Wer gerät zunehmend unter gesellschaftlichen und persönlichen Druck? |
| Valentin | Wer vertritt besonders deutlich die Familienehre? |
| Marthe | Wer ermöglicht als Nachbarin wichtige Begegnungen? |
| Wagner | Wer bildet einen wissenschaftlichen Kontrast zu Faust? |
| Einfluss | Welcher Begriff bezeichnet die Wirkung einer Figur auf eine andere? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Figurenkarte: Zeichne Faust, Gretchen, Mephisto, Marthe und Valentin als Knoten und verbinde sie mit beschrifteten Pfeilen.
- Symbollegende: Entwickle fünf Symbole für Liebe, Konflikt, Manipulation, Abhängigkeit und Vermittlung.
- Szenenvergleich: Wähle zwei Szenen und notiere, welche Figur dort jeweils den größten Handlungsspielraum besitzt.
- Bildanalyse: Untersuche eine der historischen Faust-Illustrationen im aiMOOC und beschreibe, wie Nähe, Abstand und Blickrichtung Beziehungen sichtbar machen.
Standard
- Machtmatrix: Erstelle eine Tabelle zu Wissensmacht, sozialer Macht, Handlungsmacht und emotionaler Macht für vier Figuren.
- Perspektivwechsel: Zeichne dieselbe Figurenkonstellation einmal aus Gretchens und einmal aus Mephistos Perspektive.
- Textbeleg-Netz: Ergänze an mindestens sechs Verbindungspfeilen Deiner Figurenkarte passende Szenen oder kurze Textbelege.
- Standbild: Entwickelt in einer Gruppe ein Standbild zu Faust, Gretchen, Mephisto und Marthe und erklärt anschließend, wie Körperhaltung und Position Macht ausdrücken.
Schwer
- Dynamische Figurenkonstellation: Erstelle drei Figurenkarten für Anfang, Mitte und Ende der Gretchentragödie und analysiere die Veränderungen.
- Verantwortungsdebatte: Diskutiere mit Textbelegen, wie Verantwortung zwischen Faust, Mephisto, einzelnen Nebenfiguren und gesellschaftlichen Normen verteilt werden kann.
- Digitale Netzwerkanalyse: Übertrage die Figuren in ein digitales Diagramm und kodiere unterschiedliche Beziehungstypen mit Linienarten und Pfeilrichtungen.
- Inszenierungsprojekt: Produziere ein kurzes Video, in dem dieselbe Szene zweimal mit unterschiedlichen Machtverhältnissen inszeniert wird, und begründe die Regieentscheidungen.


Lernkontrolle
- Machtwechsel analysieren: Erkläre anhand zweier Szenen, wie sich Fausts Abhängigkeit von Mephisto verändert.
- Beziehungsgefüge deuten: Begründe, warum die Beziehung Faust–Gretchen nicht allein als private Liebesgeschichte verstanden werden kann.
- Nebenfigur bewerten: Zeige am Beispiel Marthes oder Valentins, wie eine Nebenfigur die Machtstruktur der Gretchentragödie verändert.
- Gesellschaft als Akteur: Erkläre, wie gesellschaftliche Normen wie eine unsichtbare Figur auf Gretchen einwirken.
- Visualisierung prüfen: Untersuche eine selbst erstellte Figurenkarte darauf, welche Beziehungen sie gut sichtbar macht und welche Aspekte sie möglicherweise vereinfacht.
- Transfer: Vergleiche die Machtstruktur aus „Faust I“ mit einer Figurenkonstellation aus einem anderen Drama, Roman oder Film.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- die zentralen Figuren aus Faust I sicher benennen und in Beziehung setzen kannst,
- zwischen Liebes-, Konflikt-, Vermittlungs-, Abhängigkeits- und Machtbeziehungen unterscheiden kannst,
- verschiedene Machtformen wie Wissensmacht, Informationsmacht, soziale Macht und Handlungsmacht erklären kannst,
- Machtverhältnisse mit konkreten Szenen oder Textbelegen begründest,
- Veränderungen der Figurenkonstellation im Verlauf der Handlung erkennst,
- eine eigene Figurenkonstellation verständlich visualisieren kannst,
- zwischen einer grafischen Vereinfachung und einer differenzierten literarischen Deutung unterscheiden kannst,
- die Verantwortung von Faust und Mephisto differenziert diskutieren kannst,
- Gretchens Situation sowohl individuell als auch im Zusammenhang gesellschaftlicher Normen analysieren kannst.
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