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Texterschließung

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Texterschließung




Texterschließung


Einleitung

Texterschließung bedeutet, einen Text so zu lesen und zu bearbeiten, dass Du seinen Inhalt, seinen Aufbau und wichtige Aussagen sicher verstehst. Dabei liest Du nicht nur Wort für Wort, sondern gehst mit einem Plan vor: Du verschaffst Dir einen Überblick, stellst Fragen, markierst Wichtiges, gliederst den Text und fasst ihn zusammen.

Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Lernende der Klassen 7 und 8. Die Methoden helfen Dir bei Sachtexten, literarischen Texten, Schulbuchtexten und vielen digitalen Texten.


Was bedeutet Texterschließung?

Beim ersten Lesen ist ein Text oft noch nicht vollständig verständlich. Texterschließung macht aus dem Lesen einen aktiven Vorgang. Du suchst nach Informationen, stellst Zusammenhänge her und prüfst, welche Aussagen besonders wichtig sind.

Eine gute Texterschließung beantwortet vor allem diese Fragen:

  1. Thema: Worum geht es im Text?
  2. Kernaussage: Was ist die wichtigste Aussage?
  3. Textstruktur: Wie ist der Text aufgebaut?
  4. Schlüsselbegriffe: Welche Wörter tragen besonders viel Bedeutung?
  5. Textbeleg: An welchen Stellen lässt sich eine Aussage nachweisen?
  6. Sprache: Welche sprachlichen Mittel oder Formulierungen fallen auf?

Texterschließung ist damit eine Grundlage für Textanalyse, Textinterpretation, Zusammenfassung und das Lernen aus Texten.


Lesestrategien: Nicht jeder Text wird gleich gelesen

Lesestrategien helfen Dir dabei, einen unbekannten Text zielgerichtet zu erschließen. Je nach Aufgabe brauchst Du unterschiedliche Arten des Lesens.

Beim orientierenden Lesen überfliegst Du den Text zunächst. Überschrift, Absätze, Zwischenüberschriften, Bilder und auffällige Begriffe geben Dir erste Hinweise.

Beim suchenden Lesen suchst Du gezielt nach einer bestimmten Information. Diese Strategie wird häufig auch als Scanning bezeichnet.

Beim genauen Lesen untersuchst Du einen Abschnitt Satz für Satz. Diese Form brauchst Du, wenn Zusammenhänge, Begründungen oder sprachliche Besonderheiten wichtig sind.


Eine einfache Fünf-Schritt-Methode

Eine schulische Texterschließung lässt sich gut in fünf übersichtliche Arbeitsschritte gliedern.

1. Überblick gewinnen: Lies Titel, Überschriften und den Textanfang. Betrachte bei Bedarf Bilder, Tabellen oder Hervorhebungen. Formuliere eine erste Vermutung zum Thema.

2. Fragen stellen: Überlege, was Du aus dem Text erfahren möchtest. Nutze den Arbeitsauftrag und formuliere passende W-Fragen.

3. Genau lesen: Lies den Text abschnittsweise. Kläre unbekannte Wörter aus dem Zusammenhang oder mit einem Wörterbuch. Achte auf Begründungen, Beispiele und Verknüpfungen zwischen Sätzen.

4. Markieren und notieren: Markiere nur wirklich wichtige Wörter und Aussagen. Schreibe kurze Randnotizen zu den einzelnen Sinnabschnitten.

5. Zusammenfassen und prüfen: Gib die wichtigsten Aussagen mit eigenen Worten wieder. Prüfe anschließend, ob Deine Zusammenfassung tatsächlich durch den Text gestützt wird.

Eine bekannte Methode des aktiven Lesens ist außerdem die SQ3R-Methode. Ihre fünf Schritte heißen Survey, Question, Read, Recite und Review. Im Mittelpunkt stehen das Verstehen und Behalten von Textinhalten.


Sinnabschnitte erkennen

Ein längerer Text besteht meist aus mehreren Sinnabschnitten. Ein Sinnabschnitt umfasst Sätze, die inhaltlich eng zusammengehören. Ein neuer Sinnabschnitt beginnt oft dann, wenn ein neuer Gedanke, ein neues Beispiel, eine Gegenposition oder ein neuer Teil des Geschehens einsetzt.

Du kannst jedem Sinnabschnitt eine kurze Zwischenüberschrift geben. Dadurch wird der Aufbau des Textes sichtbar.

Ein hilfreicher Test lautet: Kannst Du den Inhalt eines Abschnitts in einem kurzen Satz wiedergeben? Wenn ja, hast Du seinen Kern wahrscheinlich erfasst.


Richtig markieren und Randnotizen schreiben

Markieren hilft nur, wenn Du auswählst. Wenn fast der ganze Text farbig ist, kannst Du Wichtiges und Unwichtiges kaum noch unterscheiden.

Markiere zum Beispiel:

  1. zentrale Begriffe
  2. wichtige Aussagen
  3. Begründungen und Beispiele
  4. auffällige Gegensätze
  5. Textstellen, die für den Arbeitsauftrag wichtig sind

Eine Randnotiz sollte kurz sein. Statt einen ganzen Satz abzuschreiben, notierst Du zum Beispiel „Problem“, „Beispiel“, „Ursache“, „Folge“ oder eine kurze eigene Formulierung.


Kernaussage und Schlüsselbegriffe

Die Kernaussage ist die wichtigste Aussage eines Textes oder Abschnitts. Sie ist nicht immer wörtlich in einem einzigen Satz formuliert. Oft musst Du mehrere Informationen miteinander verbinden.

Schlüsselbegriffe sind Wörter, die für das Verständnis des Themas besonders wichtig sind. Sie tauchen häufig wiederholt auf oder stehen mit anderen zentralen Begriffen in Verbindung.

Eine Concept-Map kann Dir zeigen, wie Schlüsselbegriffe zusammenhängen.

Formuliere die Kernaussage möglichst mit eigenen Worten. Danach suchst Du eine oder mehrere Belegstellen im Text, die Deine Formulierung stützen.


Sachtexte und literarische Texte erschließen

Die Grundschritte sind ähnlich, aber die Leitfragen unterscheiden sich.

Bei einem Sachtext fragst Du zum Beispiel: Welches Thema wird erklärt? Welche Behauptungen, Gründe, Beispiele oder Fachbegriffe werden verwendet? Wie hängen die Abschnitte logisch zusammen?

Bei einem literarischen Text fragst Du eher: Was geschieht? Welche Figuren treten auf? Wer erzählt? Welche Stimmung entsteht? Welche sprachlichen Auffälligkeiten sind wichtig? Welche Deutung lässt sich mit Textstellen begründen?

Eine Texterschließung ist noch keine vollständige Analyse. Sie schafft aber die Grundlage dafür, Inhalt, Aufbau, Sprache und Wirkung später genauer zu untersuchen.


W-Fragen als Werkzeug

Mit W-Fragen kannst Du Informationen gezielt ordnen. Besonders nützlich sind:

  1. Wer handelt oder äußert sich?
  2. Was geschieht oder wird behauptet?
  3. Wann und wo spielt etwas?
  4. Wie wird etwas erklärt oder dargestellt?
  5. Warum geschieht etwas oder warum wird etwas begründet?
  6. Welche Folgen werden genannt?

Nicht jede Frage passt zu jedem Text. Wähle deshalb nur die Fragen aus, die für den Text und den Arbeitsauftrag sinnvoll sind.


Digitale Texte erschließen

Bei Online-Texten kommt zur eigentlichen Texterschließung noch die Prüfung des Umfelds hinzu. Achte auf Autor oder Institution, Veröffentlichungsdatum, Quellenangaben und Verlinkungen.

Beim sogenannten lateralen Lesen verlässt Du eine Seite kurz und vergleichst Angaben mit anderen verlässlichen Quellen. Das hilft Dir, die Herkunft und Glaubwürdigkeit von Informationen besser einzuschätzen.

Wichtig ist die Unterscheidung: Texterschließung untersucht zunächst, was ein Text sagt und wie er aufgebaut ist. Quellenkritik prüft zusätzlich, wie verlässlich die Quelle selbst ist.


Häufige Fehler vermeiden

Ein häufiger Fehler ist das zu frühe Markieren. Lies einen Abschnitt zunächst vollständig, bevor Du entscheidest, was wirklich wichtig ist.

Auch reines Abschreiben führt selten zu gutem Textverständnis. Formuliere Randnotizen und Zusammenfassungen möglichst in eigenen Worten.

Vermeide außerdem unbelegte Deutungen. Eine Aussage über einen Text sollte sich an konkreten Textstellen zeigen lassen.


Merksatz

Texterschließung heißt: orientieren, fragen, genau lesen, ordnen, sichern und am Text überprüfen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist ein zentrales Ziel der Texterschließung? (Textinhalt und Zusammenhänge verstehen) (!Den Text möglichst schnell auswendig lernen) (!Jeden Satz vollständig abschreiben) (!Nur unbekannte Wörter zählen)




Was solltest Du zu Beginn einer Texterschließung tun? (Einen Überblick über den Text gewinnen) (!Sofort jeden Satz analysieren) (!Nur den letzten Absatz lesen) (!Alle Wörter farbig markieren)




Was ist ein Sinnabschnitt? (Ein inhaltlich zusammengehörender Teil eines Textes) (!Ein einzelner Buchstabe am Rand) (!Eine beliebige Anzahl von Zeilen) (!Nur die Überschrift eines Textes)




Was bedeutet Scanning beim Lesen? (Gezielt nach bestimmten Informationen suchen) (!Den gesamten Text auswendig aufsagen) (!Nur die Satzzeichen lesen) (!Jeden Satz rückwärts lesen)




Was ist ein Schlüsselbegriff? (Ein für das Textverständnis besonders wichtiger Begriff) (!Ein Wort mit besonders vielen Buchstaben) (!Das erste Wort jedes Absatzes) (!Ein Begriff ohne Bezug zum Thema)




Wozu dient eine Randnotiz? (Den Inhalt eines Abschnitts kurz festzuhalten) (!Den gesamten Absatz abzuschreiben) (!Nur Rechtschreibfehler zu sammeln) (!Die Seitenzahl zu ersetzen)




Was beschreibt die Kernaussage? (Die wichtigste Aussage eines Textes oder Abschnitts) (!Die Länge eines Textes) (!Die Anzahl der Absätze) (!Die Schriftart des Textes)




Wie gehst Du mit einem unbekannten Wort sinnvoll um? (Du prüfst zuerst den Zusammenhang und klärst es bei Bedarf nach) (!Du brichst das Lesen sofort ab) (!Du ignorierst grundsätzlich jedes unbekannte Wort) (!Du ersetzt es immer durch ein zufälliges Wort)




Welche Frage passt besonders zur Erschließung eines Sachtextes? (Wie wird eine Aussage begründet) (!Welche Farbe hat das Papier) (!Wie viele Buchstaben hat der Titel) (!Wie schwer ist das Buch)




Wozu dient eine Belegstelle? (Sie weist eine Aussage am Text nach) (!Sie ersetzt die Kernaussage) (!Sie macht das Lesen überflüssig) (!Sie zeigt nur die Seitenzahl)





Memory

Skimming Überblick gewinnen
Scanning gezielte Information suchen
Sinnabschnitt inhaltlich zusammengehörender Textteil
Kernaussage wichtigste Aussage
Randnotiz kurze Bemerkung neben dem Text
Schlüsselwort zentraler Begriff
Belegstelle Textstelle als Nachweis





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Arbeitsschritt
Titel und Überschriften betrachten Orientieren
Leitfragen formulieren Fragen stellen
Abschnitt für Abschnitt untersuchen Genau lesen
Schlüsselbegriffe hervorheben Markieren
Kernaussage mit eigenen Worten wiedergeben Zusammenfassen




...


Kreuzworträtsel

Kernaussage Wie heißt die wichtigste Aussage eines Textes oder Abschnitts?
Scanning Wie nennt man das gezielte Suchen nach bestimmten Informationen?
Abschnitt Wie heißt ein abgegrenzter Teil eines Textes?
Randnotiz Wie heißt eine kurze Bemerkung neben einer Textstelle?
Lesestrategie Wie heißt ein planvolles Vorgehen beim Lesen?
Textbeleg Wie heißt eine Textstelle, mit der eine Aussage nachgewiesen wird?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Bei der Texterschließung verschaffst Du Dir zuerst einen

über den Text. Eine Frage an den Text macht das Lesen

. Inhaltlich zusammengehörende Textteile nennt man

. Besonders wichtige Wörter können als

markiert werden. Kurze Hinweise neben einem Abschnitt heißen

. Die wichtigste Aussage eines Textes oder Abschnitts ist die

. Beim gezielten Suchen nach einer bestimmten Information nutzt Du das

. Eine Aussage über den Text sollte möglichst durch eine

gestützt werden. Am Ende gibst Du die wichtigsten Inhalte in

wieder.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Schlüsselbegriffe finden: Wähle einen kurzen Schulbuchtext aus und markiere höchstens acht Schlüsselbegriffe. Begründe Deine Auswahl.
  2. Zwischenüberschriften formulieren: Teile einen Text in drei bis fünf Sinnabschnitte und gib jedem Abschnitt eine passende Zwischenüberschrift.
  3. W-Fragen entwickeln: Formuliere zu einem kurzen Sachtext fünf sinnvolle W-Fragen und beantworte sie mit Textinformationen.
  4. Randnotizen erstellen: Schreibe zu jedem Absatz eines kurzen Textes eine Randnotiz mit höchstens fünf Wörtern.


Standard

  1. Kernaussage formulieren: Formuliere die Kernaussage eines Textes in einem Satz und nenne zwei passende Belegstellen.
  2. Lesestrategien vergleichen: Bearbeite denselben Text einmal orientierend und einmal genau. Beschreibe, welche Informationen Du jeweils erhältst.
  3. Concept-Map erstellen: Erstelle aus den Schlüsselbegriffen eines Sachtextes eine Concept-Map mit sinnvollen Verbindungen.
  4. Literarischen Text erschließen: Wähle eine kurze Erzählung und notiere Handlung, Figuren, Stimmung und zwei sprachliche Auffälligkeiten.


Schwer

  1. Texterschließung erklären: Produziere ein kurzes Erklärvideo, in dem Du Deine eigene Vorgehensweise bei einer Texterschließung an einem Beispiel demonstrierst.
  2. Digitale Quelle prüfen: Untersuche einen Online-Text zunächst inhaltlich und prüfe anschließend Autor, Institution, Datum und weitere Quellen. Trenne beide Arbeitsschritte deutlich.
  3. Strategietest durchführen: Lass zwei Personen denselben Text mit unterschiedlichen Lesestrategien bearbeiten und vergleiche anschließend ihre Ergebnisse.
  4. Methodenkritik verfassen: Beurteile an zwei unterschiedlichen Texten, welche Schritte der Texterschließung besonders nützlich sind und wo die Methode angepasst werden muss.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Unbekannten Text erschließen: Bearbeite einen neuen Text und dokumentiere, wie Du vom ersten Überblick zur Kernaussage gelangst. Begründe jeden Arbeitsschritt.
  2. Markierungen beurteilen: Vergleiche zwei unterschiedlich markierte Versionen desselben Textes. Erkläre, welche Markierungen das Verständnis besser unterstützen und warum.
  3. Kernaussagen prüfen: Du erhältst drei mögliche Kernaussagen zu einem Text. Prüfe jede Aussage anhand konkreter Textstellen und überarbeite ungenaue Formulierungen.
  4. Textsorten übertragen: Zeige an einem Sachtext und einem literarischen Text, welche Erschließungsschritte gleich bleiben und welche Leitfragen sich verändern.
  5. Zusammenfassung verbessern: Überarbeite eine fehlerhafte Zusammenfassung, die Nebensachen enthält und wichtige Zusammenhänge auslässt. Begründe Deine Änderungen.
  6. Quellenkritik abgrenzen: Erkläre an einem Online-Artikel, welche Erkenntnisse aus der Texterschließung stammen und welche erst durch die Prüfung der Quelle entstehen.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern eine Texterschließung selbstständig durchführen und begründen kannst.

  1. Du kannst einen unbekannten Text zunächst orientierend erfassen.
  2. Du kannst sinnvolle Leitfragen an einen Text formulieren.
  3. Du kannst Sinnabschnitte, Schlüsselbegriffe und Kernaussagen erkennen.
  4. Du kannst Randnotizen und Zusammenfassungen in eigenen Worten erstellen.
  5. Du kannst Aussagen mit passenden Textstellen belegen.
  6. Du kannst Deine Lesestrategie an Sachtexte, literarische Texte und digitale Texte anpassen.




OERs zum Thema

Weitere Grundlagen findest Du unter Lesestrategie, Lesekompetenz und SQ3R-Methode.



Verknüpfte Lernbereiche


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