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Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze - Wums Gesang

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Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze - Wums Gesang




Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze – Wums Gesang


Einleitung

Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze ist ein humoristischer deutschsprachiger Novelty-Song aus dem Jahr 1972, der unter dem Interpretennamen Wums Gesang veröffentlicht wurde. Hinter Wums Stimme steht Vicco von Bülow alias Loriot, der die populäre Zeichentrickfigur Wum geschaffen, gezeichnet, getextet und gesprochen hatte. Die Aufnahme verbindet Sprechgesang, Elemente des Swing, Old-Time-Jazz-Klangfarben und die Ästhetik einer Fernsehfigur mit einer für eine Single ungewöhnlich starken öffentlichen Wirkung: Der Titel stand neun Wochen an der Spitze der deutschen Singlecharts und wurde mit einer Goldenen Schallplatte verbunden.[1][2]

Der aiMOOC untersucht genau diese Aufnahme und trennt dabei sorgfältig zwischen belegten Veröffentlichungsdaten, höranalytischen Beobachtungen und späteren Coverfassungen. Vollständige geschützte Liedtexte oder eine vollständige Partitur werden bewusst nicht wiedergegeben. Kurze Notenbeispiele in der MediaWiki-Erweiterung Score sind selbst erstellt und dienen ausschließlich dazu, musikalische Prinzipien zu erklären.

Freies Symbolbild einer 45-U/min-Single, Wikimedia Commons, Public Domain.


Steckbrief der Aufnahme

Merkmal Angabe
Exakter Titel Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze
Interpret Wums Gesang; auf Plattenlabels findet sich auch die Schreibweise Wum's Gesang
Stimme Vicco von Bülow als Wum
Jahr 1972
Label Ariola
Format 7-Zoll-Single, 45 U/min, Stereo
Katalognummer 12 328 AU
Weitere Single-Seite Ich bin ein kleiner Hund
Text Loriot
Musik Bert Claus, Jean Thomé und Elvira Ochoa werden in einschlägigen Quellen genannt
Stil humoristischer Pop, Swing-/Old-Time-Jazz-Anklänge, Sprechgesang
Spieldauer Wiederveröffentlichungen führen ungefähr 2:45 bis 2:47 Minuten

Die konkrete Ariola-Single von 1972 ist als 7-Zoll-45-U/min-Veröffentlichung mit der Katalognummer 12 328 AU dokumentiert. Eine Sammlerdatenbank weist zudem darauf hin, dass die Reihenfolge der beiden Titel auf Hülle und Label voneinander abweichen kann und dass der Künstlername auf der Hülle als „Wums Gesang“, auf den Labels aber als „Wum's Gesang“ erscheint.[3]


Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext

Wum entstand im Umfeld der ZDF-Spielshow Drei mal Neun, die von 1970 bis 1974 von Wim Thoelke moderiert wurde. Die Figur war eng mit der damaligen Aktion Sorgenkind verbunden, aus der später die Aktion Mensch hervorging. Unterhaltung, Quiz, Wohltätigkeitslotterie und Fernsehfiguren wurden dabei in einem Format verbunden, das für das westdeutsche Fernsehen der frühen 1970er Jahre charakteristisch war.[4]

Freies Foto eines Röhrenfernsehers als Symbol für die Fernsehgeschichte; Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Loriot entwickelte Wum nicht als realen Sänger, sondern als gezeichnete Figur mit einer klar erkennbaren Stimme und Persönlichkeit. Die offizielle Loriot-Seite nennt Wum und später Wendelin als Figuren, die über viele Jahre von Loriot selbst gesprochen wurden. Für die Musikaufnahme bedeutete dies: Ein fiktiver Hund wurde als Interpret vermarktet, während der tatsächliche Vortrag von Loriot stammte.[1]

Die Single erschien in einer Zeit, in der deutschsprachiger Schlager, internationale Popmusik, Fernsehunterhaltung und komische Musik nebeneinander ein großes Massenpublikum erreichten. Dass eine gezeichnete Fernsehfigur einen Nummer-eins-Hit erzielen konnte, zeigt die enorme Reichweite des linearen Fernsehens und die enge Verbindung von Fernsehpräsenz und Schallplattenmarkt in dieser Epoche.


Wum als Fernsehfigur und Medienereignis

Wum war nicht nur eine Begleitfigur. Die Popularität des Hundes war so groß, dass sein Auftritt in den Sendungen zeitlich vorverlegt wurde, damit auch Kinder ihn sehen konnten. Später blieb Wum in der Nachfolgesendung Der große Preis präsent. Damit ist die Single Teil eines frühen Beispiels für medienübergreifende Figurenverwertung: Eine TV-Figur wurde zur Schallplattenfigur, zum Chartinterpreten und langfristig zu einem Bestandteil von Loriots Werkbiografie.[2]

Loriot-Denkmal in Stuttgart; Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.


Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme


Besonderheit 1: Loriot singt nicht als Loriot, sondern als Wum

Für die Aufnahme ist nicht einfach „Loriot“ als gewöhnlicher Sänger zu hören. Der Vortrag erfolgt in der charakteristischen Wum-Stimme und wird in Quellen ausdrücklich als Sprechgesang beschrieben. Dadurch liegt die Pointe bereits in der Performancesituation: Eine Zeichentrickfigur tritt klanglich wie ein eigenständiger Popinterpret auf.[2][5]

Freie Mikrofon-Grafik; Wikimedia Commons, CC0.


Besonderheit 2: Old-Time-Jazz-Farbe durch Banjo und Klarinette

Eine zeitungsjournalistische Beschreibung charakterisiert den Klang ausdrücklich als an Old Time Jazz erinnernd und nennt Banjo und Klarinette als prägende Instrumente. Das passt zur swingenden, bewusst altmodisch wirkenden Klangwelt, die den trockenen Sprechgesang kontrastiert.[6]

Banjo-Grafik; Wikimedia Commons, CC0.

Klarinette in Einzelteilen; Wikimedia Commons, CC0.


Besonderheit 3: Musikalische Anlehnung an einen Jazzstandard von 1917

Mehrere Quellen nennen eine Anlehnung der Musik an The Darktown Strutters' Ball von Shelton Brooks, einen 1917 veröffentlichten, vom Ragtime und frühen Jazz geprägten Song. Die Verbindung erklärt einen Teil der bewusst historisierenden Swing-Sprache der Wum-Aufnahme. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Text oder vollständige Melodie des älteren Stücks im aiMOOC reproduziert werden dürfen.[2][7]

Der historische Titel enthält einen Begriff, der aus dem rassifizierten Sprachgebrauch der damaligen USA stammt. Für die Analyse ist deshalb wichtig, den musikalischen Quellenbezug zu benennen, ohne historische Stereotype unkritisch zu übernehmen. Shelton Brooks war ein schwarzer kanadisch-amerikanischer Songwriter; sein 1917 veröffentlichter Titel wurde zu einem frühen Jazzstandard.[8]


Besonderheit 4: Späte Halbton-Steigerung als Arrangement-Effekt

Automatische und halbautomatische Akkordanalyse-Angebote erkennen für weite Teile der Aufnahme G-Dur beziehungsweise Akkorde aus diesem Umfeld und markieren gegen Ende eine Anhebung um einen Halbton nach As-Dur beziehungsweise Gis-Dur. Diese sogenannte Truck-Driver-Modulation ist ein typischer Pop- und Schlager-Effekt: Ein bereits bekanntes Formmodell erscheint plötzlich etwas höher und dadurch gesteigert. Da solche Dienste fehleranfällig sind, wird die Modulation hier als höranalytisch zu überprüfende, durch mehrere Akkordquellen gestützte Beobachtung behandelt und nicht als editorisch gesicherte Partiturangabe.[9][10]


Besonderheit 5: Außergewöhnliche Chart- und Verkaufsgeschichte einer Cartoonfigur

Die Single erreichte zum Jahreswechsel 1972/73 für neun Wochen Platz eins der deutschen Singlecharts. Die offizielle Loriot-Seite nennt eine Goldene Schallplatte; eine aktuelle Loriot-Publikationsseite beziffert die Verkäufe des Liedes mit 1,3 Millionen Exemplaren.[11][12]

Damit ist die Aufnahme nicht nur eine musikalische Kuriosität, sondern ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie stark eine fiktive Fernsehfigur in den Tonträgermarkt hineinwirken konnte.


Stil und Genre

Der Titel lässt sich nicht sinnvoll nur als Schlager oder nur als Jazz bezeichnen. Seine Wirkung entsteht gerade aus der Kombination mehrerer Ebenen:

  1. Novelty-Song: Der komische Einfall und die Figurenrolle stehen im Zentrum.
  2. Swing und Old-Time-Jazz: Banjo, Klarinettenfarbe und die historische Bezugslinie zum frühen Jazz prägen das Klangbild.
  3. Sprechgesang: Die Stimme folgt stark dem Sprachrhythmus und der Pointe.
  4. Schlager und Fernsehpop: Kurze Form, deutliche Wiederholungen und eine leicht wiedererkennbare Figur entsprechen dem Unterhaltungskontext der frühen 1970er Jahre.

Gerade diese Mischung ist didaktisch interessant: Genre ist nicht nur eine Frage der Akkorde, sondern auch der Stimme, Instrumentierung, Medienfigur, Zielgruppe und Aufführungssituation.


Musikalische Analyse


Melodie

Die Melodie ist eng an die Sprachbewegung des Textes gekoppelt. Der Vortrag wirkt weniger wie eine ausladende Schlagerkantilene als wie rhythmisch organisierte Rede mit melodischen Fixpunkten. Das passt zu Loriots Wum-Figur: Verständlichkeit, Timing und Pointe sind wichtiger als virtuoser Gesang.

Typisch ist eine klare Periodik. Sprachphrasen werden so gesetzt, dass der harmonische Verlauf gut hörbar bleibt. Dadurch wirkt die Musik eingängig, obwohl die komische Wirkung durch überraschende Textgedanken entsteht.


Harmonik

Verbreitete Akkordanalysen führen die Aufnahme überwiegend im Umfeld von G-Dur. Besonders typisch sind die Funktionen Tonika, Subdominante, Dominante sowie eine Zwischendominante. Ein häufig notiertes Modell lässt sich funktional als I – IV – V/V – V7 beschreiben.

Das folgende Score-Beispiel ist keine Transkription der Originalmelodie. Es ist ein selbst erstelltes Harmonielehrmodell, das lediglich zeigt, wie eine solche Funktionsfolge klingen kann:


\relative c' {
  \key g \major
  \time 4/4
  <g b d>1 |
  <c e g>1 |
  <a cis e g>1 |
  <d fis a c>1 |
}

Analyse: G-Dur wirkt als Ruhepunkt. C-Dur erweitert den Klangraum zur Subdominante. A7 wirkt als Zwischendominante und zieht zu D7. D7 führt zurück zur Tonika G-Dur. Diese Funktionsharmonik ist für viele populäre Stile leicht nachvollziehbar und unterstützt die klare Form.


Modulation als Steigerung

Das nächste kurze, selbst erstellte Beispiel zeigt nur das Prinzip einer Halbtonsteigerung von G-Dur nach As-Dur. Auch dieses Beispiel gibt nicht die Originalmelodie wieder:


\relative c' {
  \time 4/4
  \key g \major
  <g b d>1 |
  <d fis a c>1 |
  \bar "||"
  \key aes \major
  <aes c ees>1 |
  <ees g bes des>1 |
}

Durch die Anhebung gewinnt ein wiederkehrendes Formmodell subjektiv neue Energie, obwohl Struktur und Rhythmus weitgehend vertraut bleiben können.


Rhythmus und Metrum

Der Titel steht in einem geraden Vierviertel-Gefühl mit Swing- beziehungsweise Shuffle-Nähe. Bei der Tempomessung zeigt sich ein interessantes Analyseproblem: Ein Dienst nennt ungefähr 158 BPM, andere Analysen zählen ungefähr 80 BPM. Beide Angaben können auf denselben musikalischen Puls verweisen, wenn einmal die schnelleren Zählzeiten und einmal das Halftime-Gefühl gezählt werden.[9][10]

Das folgende Score-Beispiel ist ein vollständig selbst erfundenes Rhythmusmodell. Es demonstriert nur den Wechsel von gleichmäßigen Achteln und akzentuierten Sprachimpulsen:


\relative c' {
  \time 4/4
  c8-> c c c c-> c c c |
  c4-> r8 c c4-> r8 c |
}

Beim Hören kannst Du prüfen, ob Du eher in ungefähr 80 großen Schlägen pro Minute oder in ungefähr doppelt so vielen kleineren Pulsen mitzählen möchtest.


Gesang und Sprechgesang

Wums Stimme ist das zentrale Wiedererkennungsmerkmal. Sie ist keine neutrale Erzählerstimme, sondern eine Rollenstimme. Dadurch entstehen mehrere Ebenen gleichzeitig:

  1. Die Worte stammen aus der Perspektive einer gezeichneten Hundefigur.
  2. Loriots trockene Artikulation macht den Gegensatz zwischen banalen Beobachtungen und großer musikalischer Begleitung komisch.
  3. Die Stimme bleibt deutlich im Vordergrund und trägt das Timing der Pointen.
  4. Der Sprechgesang verbindet gesprochene Sprache, rhythmische Präzision und kurze melodische Wendungen.

Der Effekt erinnert in einzelnen rhythmischen Momenten an spätere Formen des rhythmisierten Sprechens. Es wäre jedoch historisch falsch, das Stück deshalb schlicht als frühen Rap zu bezeichnen. Treffender ist: Es zeigt, dass rhythmischer Sprechvortrag in populärer Musik lange vor dem kommerziellen Durchbruch des Hip-Hop existierte.


Instrumentierung

Belegt sind vor allem die klangprägenden Hinweise auf Banjo und Klarinette. Die Besetzung unterstützt eine bewusst ältere Jazz- und Unterhaltungsästhetik. Für weitere Instrumente liegen in den hier geprüften frei zugänglichen Quellen keine vollständigen Studiocredits vor. Daher werden keine Namen von Studiomusikerinnen oder Studiomusikern erfunden.

Freie Grammophon-Grafik; Wikimedia Commons, CC0.


Arrangement

Das Arrangement ist kompakt und auf Wiedererkennbarkeit ausgerichtet. Die wesentlichen Bausteine sind:

  1. kurze Einleitung,
  2. strophische Textabschnitte,
  3. wiederkehrende vokale beziehungsweise instrumentale Zwischenrufe,
  4. erneute Strophengruppen,
  5. instrumentale Überleitungen,
  6. späte harmonische Steigerung,
  7. kurzer Abschluss.

Besonders wirksam ist der Gegensatz zwischen der altmodisch-beschwingten Begleitung und den lakonischen Textgedanken. Das Arrangement nimmt die Figur musikalisch ernst genug, damit der Witz nicht wie eine bloße Geräuschkulisse wirkt.


Produktion

Die Originalveröffentlichung ist als Stereo-Single katalogisiert. Die Produktionsästhetik dient der Sprachverständlichkeit: Wums Stimme bleibt klar präsent, während die akustisch wirkende Begleitung den stilistischen Rahmen liefert. Ein belastbarer öffentlicher Nachweis zu Tonstudio, Toningenieur oder vollständiger Sessionbesetzung konnte in den hier ausgewerteten Quellen nicht gefunden werden. Diese Lücke wird ausdrücklich offengelegt, statt ungesicherte Angaben zu ergänzen.


Songform

Ohne vollständigen Liedtext lässt sich die Form dennoch erschließen. Die Aufnahme arbeitet mit mehreren kurzen vierzeiligen Strophen, die zu größeren Gruppen zusammengefasst sind. Zwischen solchen Gruppen stehen wiederkehrende vokale oder instrumentale Signale. Dadurch entsteht eine strophische Form mit Ritornell-Funktion. Gegen Ende erhöht die Halbton-Modulation den Steigerungseffekt.

Die Form ist für einen Novelty-Song sehr zweckmäßig: Jede Strophe kann eine neue Pointe entwickeln, während die wiederkehrenden musikalischen Elemente die Einheit bewahren.


Textthemen und Bildsprache

Der Text ist deutschsprachig; eine Übersetzung ist deshalb nicht nötig. Für den aiMOOC genügt als kurzes Zitat der titelidentische Satz „Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze“. Der vollständige Liedtext wird aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben.

Hauskatze als freies Symbolbild; Wikimedia Commons, Public Domain.

Inhaltlich entsteht Komik aus der Perspektive eines Hundes, der menschliche Wünsche, Alltagsbeobachtungen und gesellschaftliche Rollen miteinander vermischt. Wichtige Themen sind:

  1. Tierische Perspektive: Wum denkt als Hund und zugleich wie ein Mensch.
  2. Parodie auf Liebeslieder: sentimentale Schlagerkonventionen werden ironisch kommentiert.
  3. Alltagsabsurdität: kleine, banale Situationen werden mit großer Selbstverständlichkeit präsentiert.
  4. Selbstinszenierung: Wum entwirft immer neue Rollen für sich.
  5. Politische Anspielung: Die damalige Bundeshauptstadt Bonn erscheint als Teil einer Größenfantasie.
  6. Sprachkomik: Reime und unerwartete Schlusswendungen tragen die Pointen.

Die Bildsprache lebt vom Kontrast. Ein Tier erhält bürgerliche Wünsche, kulturelle Ambitionen und politische Vorstellungen. Dadurch wird menschliches Verhalten aus einer scheinbar naiven Außenperspektive gespiegelt – ein Verfahren, das gut zu Loriots allgemeinem Interesse an den Absurditäten des Alltags passt.


Rezeption und Bedeutung

Der kommerzielle Erfolg war außergewöhnlich. Die Aufnahme stand neun Wochen auf Platz eins der deutschen Singlecharts. Chartquellen führen insgesamt 28 Wochen in der deutschen Hitparade; die Loriot-Nachlassseite nennt 1,3 Millionen verkaufte Exemplare und eine Goldene Schallplatte.[13][11]

Im Werk Loriots ist der Titel deshalb doppelt bedeutsam: Er gehört einerseits zu den populärsten Ausprägungen der Figur Wum, andererseits ist er ein seltenes Beispiel dafür, dass eine von Loriot geschaffene Cartoonfigur selbst die Popcharts dominierte. Die offizielle Loriot-Seite zählt die Goldene Schallplatte ausdrücklich zu Wums Erfolgen.[1]

Die Aufnahme ist zugleich ein Beispiel für frühe medienübergreifende Popkultur: Fernsehen erzeugte Bekanntheit, eine Figur wurde als Musikinterpret vermarktet, die Schallplatte verstärkte wiederum die Popularität der Fernsehfigur.


Original und Coverfassungen im Vergleich


Originalaufnahme von Wums Gesang, 1972

Die Originalaufnahme lebt von der unverwechselbaren Rollenstimme, dem Sprechgesang und der komischen Verbindung aus Cartoonfigur und Old-Time-Jazz-Klang. Gängige Streaming-Wiederveröffentlichungen führen eine Spieldauer von etwa 2:45 Minuten.[14]


Nachspielung des Orchesters Udo Reichel, 1972

Eine dokumentierte Nachspielung stammt vom Orchester Udo Reichel mit Reiner Brönneke als Sänger. Die Hörspielforscher führen sie ausdrücklich als nachgespielte Fassung des Wum-Titels und nennen eine Spieldauer von ungefähr 2:44 Minuten.[15]

Der wichtigste Unterschied ist bereits personell klar: Statt Loriots Wum-Stimme ist ein anderer Sänger beteiligt. Dadurch verschiebt sich die Wirkung von der originalen Figurenperformance zu einer Coverinterpretation.


James Last, 1973

James Last nahm den Titel für das Album Sing mit auf. Die Fassung ist dort nur ungefähr 1:35 Minuten lang und Teil eines auf Mitsingen und Medley-Wirkung ausgerichteten Albumkonzepts. Für die Aufnahme sind James Last als Produzent, Dirigent und Arrangeur sowie Peter Klemt als Toningenieur angegeben.[16]

Das offizielle Hörbeispiel stammt aus dem offiziellen Künstlerkanal und wird nicht als OER ausgegeben; die Rechte verbleiben beim Rechteinhaber:

Beim Vergleich solltest Du besonders auf drei Punkte achten: Fehlt die Wum-Rollenstimme? Wie verändert sich die Instrumentendichte? Welche Wirkung hat die deutlich kürzere Form?


Moderne Kinder- und Partyfassung

Eine 2026 veröffentlichte Fassung von Simone Sommerland, Karsten Glück und den Kita-Fröschen zeigt, dass der Titel auch Jahrzehnte später in einem Kinder- und Party-Kontext weiterverwendet wird. Das YouTube-Audio wird offiziell durch den Rechteinhaber bereitgestellt:

Ein Vergleich mit dem Original kann zeigen, wie sich Zielgruppe, Stimmideal, Produktionsästhetik und musikalische Funktion verändern, obwohl derselbe Song zugrunde liegt.


Medienkompetenz und Urheberrecht

Dieser aiMOOC folgt bewusst einem restriktiven Medienprinzip:

  1. Vollständige Liedtexte werden nicht wiedergegeben.
  2. Die Originalmelodie wird nicht vollständig notiert.
  3. Score-Beispiele sind selbst erstellt und erklären nur Analyseprinzipien.
  4. Eingebettete Bilder stammen aus Wikimedia Commons und besitzen freie Lizenzen oder Public-Domain-Status.
  5. YouTube wird nur für offiziell bereitgestellte Cover-Hörbeispiele genutzt.
  6. Die Originalaufnahme wird über offizielle Streaming-Nachweise belegt, ohne einen offensichtlich nicht autorisierten Fan-Upload einzubetten.

Freie Klangwellen-Grafik; Wikimedia Commons, CC0.


Quellenkritik

Nicht jede Internetquelle besitzt denselben Aussagewert. Für diesen aiMOOC wurden deshalb verschiedene Quellentypen kombiniert:

  1. Primärnahe Quellen: Loriots offizielle Nachlassseite für Werk- und Erfolgsgeschichte.
  2. Bibliografische und Tonträgerdaten: MusicBrainz, Sammlerdatenbanken und dokumentierte Plattenmetadaten.
  3. Chartquellen: Listen der deutschen Nummer-eins-Hits und Chartdatenbanken.
  4. Musikanalytische Hilfsquellen: Chordify und ChordU nur für überprüfbare Hinweise zu Tonart, Tempozählung und Modulation; solche automatisierten Analysen werden ausdrücklich nicht wie eine kritische Partiturausgabe behandelt.
  5. Historischer Kontext: Bundeszentrale für politische Bildung und Library of Congress.

Wo Quellen voneinander abweichen oder Angaben fehlen, wird die Unsicherheit benannt. Das gilt besonders für vollständige Studiocredits und automatisch ermittelte BPM-Werte.


Nachprüfbare Quellen

  1. LORIOT – Werke: Wum und Goldene Schallplatte
  2. LORIOT – Wum: 1,3 Millionen verkaufte Exemplare
  3. Wikipedia – Wum
  4. Wikipedia – Nummer-eins-Hits 1972
  5. Chartsurfer – Chartdaten
  6. Tonträgerdaten zur Ariola-Single 12 328 AU
  7. MusicBrainz – Wiederveröffentlichung und Laufzeit
  8. B.Z. – Old-Time-Jazz, Banjo, Klarinette und Sprechgesang
  9. bpb – Spielshows, Aktion Sorgenkind und Wum
  10. Library of Congress – The Darktown Strutters' Ball, 1917
  11. Hörspielforscher – Udo-Reichel-Nachspielung
  12. Spotify – Wums Gesang, offizieller Streaming-Nachweis
  13. YouTube – James Last, offizieller Künstlerkanal
  14. YouTube – Simone Sommerland, offiziell bereitgestelltes Audio
  15. Wikimedia Commons – Banjo.svg, CC0
  16. Wikimedia Commons – 45 rpm record.png, Public Domain
  17. Wikimedia Commons – Domestic Cat.jpg, Public Domain
  18. Wikimedia Commons – Loriot-Denkmal.jpg, CC BY-SA 3.0
  19. Wikimedia Commons – Old CRT Television Set.jpg, CC BY-SA 4.0
  20. Wikimedia Commons – Microphone.svg, CC0
  21. Wikimedia Commons – Klarinette, CC0
  22. Wikimedia Commons – Klangwelle, CC0


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer spricht und singt die Figur Wum in der Originalaufnahme? (Loriot) (!Wim Thoelke) (!James Last) (!Reiner Brönneke)




In welchem Jahr erschien die bekannte Ariola-Single? (1972) (!1965) (!1979) (!1988)




Welche Vortragsweise ist für Wums Stimme besonders charakteristisch? (Sprechgesang) (!Opernarie) (!Falsettchor) (!Instrumentalsolo)




Welche Instrumente werden als prägende Old-Time-Jazz-Klangfarben der Aufnahme genannt? (Banjo und Klarinette) (!Synthesizer und Drumcomputer) (!E-Gitarre und Mellotron) (!Sitar und Tabla)




Mit welchem älteren Stück wird die musikalische Anlage in Quellen in Verbindung gebracht? (The Darktown Strutters Ball) (!Blue Monday) (!Autobahn) (!Take on Me)




Wie lange stand der Titel an der Spitze der deutschen Singlecharts? (Neun Wochen) (!Eine Woche) (!Drei Wochen) (!Zwanzig Wochen)




Welches Label veröffentlichte die Single von 1972? (Ariola) (!Motown) (!ECM) (!Blue Note)




Welche Funktion hat die späte Halbtonsteigerung im Arrangement vor allem? (Sie erzeugt einen Steigerungseffekt) (!Sie beendet den Rhythmus vollständig) (!Sie macht den Titel atonal) (!Sie entfernt die Tonika aus dem Stück)




Warum enthält dieser aiMOOC keine vollständige Originalpartitur? (Weil nur kurze selbst erstellte Analysebeispiele verwendet werden) (!Weil das Stück keine Harmonie besitzt) (!Weil Notenschrift im Internet verboten ist) (!Weil das Lied rein instrumental ist)




Was macht den Titel mediengeschichtlich besonders interessant? (Eine Fernseh-Cartoonfigur wurde zum erfolgreichen Platteninterpreten) (!Er war die erste digitale Streamingveröffentlichung Deutschlands) (!Er wurde ausschließlich im Kino verbreitet) (!Er entstand als Computerspielmusik)





Memory

Wum Zeichentrickhund
Loriot Stimme
Banjo Old-Time-Jazz-Klangfarbe
Ariola Plattenlabel
Modulation Halbtonsteigerung
Sprechgesang Sprachrhythmischer Vortrag





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Wum Fernsehfigur
Sprechgesang Stimmgestaltung
Banjo Instrumentierung
G-Dur Ausgangstonart der verbreiteten Analyse
As-Dur späte Steigerungstonart der verbreiteten Analyse
Ariola Tonträgerlabel





Kreuzworträtsel

Loriot Wer lieh Wum in der Originalaufnahme seine Stimme?
Ariola Wie hieß das Label der Single?
Banjo Welches Zupfinstrument prägt den Old-Time-Jazz-Eindruck?
Swing Welcher Stilbegriff beschreibt einen Teil der rhythmischen Klangwelt?
Wendelin Wie heißt Wums späterer Elefanten-Partner?
Modulation Wie heißt ein Wechsel in eine andere Tonart?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Aufnahme erschien im Jahr

.
Die Figur Wum wurde von

gesprochen.
Der Vortrag wird in Quellen als

beschrieben.
Zu den charakteristischen Instrumentalfarben gehört das

.
Als weiteres prägendes Instrument wird die

genannt.
Die Single erschien beim Label

.
Der Titel stand neun Wochen auf Platz

der deutschen Charts.
Ein älteres musikalisches Bezugsstück stammt von Shelton

.
Eine späte Erhöhung der Tonart nennt man

.
Die Score-Beispiele dieses aiMOOCs sind bewusst

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre eine legal zugängliche Fassung und notiere, wann Stimme, Banjo, Klarinette und Zwischenrufe besonders auffallen.
  2. Figurenanalyse: Beschreibe, wie sich die Wirkung verändert, wenn Du Dir denselben Text von einem Menschen statt von einer Cartoonfigur vorgestellt denkst.
  3. Rhythmusübung: Klatsche denselben Ausschnitt einmal mit ungefähr 80 großen Pulsen und einmal mit ungefähr doppelt so vielen kleinen Pulsen und erkläre den Unterschied.
  4. Medienvergleich: Vergleiche ein frei lizenziertes Bild eines Röhrenfernsehers mit heutigen Streaming-Oberflächen und beschreibe, wie sich Musikkonsum verändert hat.


Standard

  1. Coververgleich: Vergleiche die Wum-Aufnahme mit der James-Last-Fassung hinsichtlich Stimme, Dauer, Instrumentierung und Funktion.
  2. Harmonieanalyse: Spiele das selbst erstellte I-IV-V/V-V7-Modell und erkläre, warum die Zwischendominante Spannung erzeugt.
  3. Songform: Erstelle ein Formdiagramm mit Einleitung, Strophengruppen, Zwischenrufen, Steigerung und Schluss, ohne den Liedtext abzuschreiben.
  4. Urheberrecht: Entwickle für eine Schulpräsentation ein Medienkonzept, das nur freie Bilder, eigene Notenbeispiele und offizielle Hörlinks verwendet.


Schwer

  1. Mediengeschichte: Untersuche, wie Fernsehen, Wohltätigkeitslotterie und Schallplattenmarkt in den frühen 1970er Jahren zusammenwirkten.
  2. Quellenkritik: Vergleiche mindestens vier Quellen zu Verkaufszahlen, Charts, Besetzung und musikalischer Analyse und bewerte ihre Zuverlässigkeit.
  3. Arrangementprojekt: Komponiere eine eigene acht- bis sechzehntaktige Novelty-Song-Begleitung im Swing-Stil, ohne die Originalmelodie zu übernehmen, und dokumentiere Deine Entscheidungen.
  4. Forschungsinterview: Befrage eine Person, die frühe 1970er-Jahre-Fernsehunterhaltung bewusst erlebt hat, und gleiche Erinnerungen anschließend mit überprüfbaren Quellen ab.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Musik und Medien: Erkläre, warum der Erfolg der Single ohne die vorherige Bekanntheit Wums im Fernsehen vermutlich anders verlaufen wäre. Trenne belegte Fakten von Deiner begründeten Hypothese.
  2. Analyse Sprechgesang: Vergleiche Wums Vortrag mit einer modernen Form rhythmischen Sprechens. Benenne Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ohne beide Genres gleichzusetzen.
  3. Arrangement und Wirkung: Erkläre an einem selbst gewählten Hörbeispiel, warum eine Halbtonsteigerung gegen Ende eines Songs als Intensivierung wahrgenommen werden kann.
  4. Quellenbewertung: Beurteile, welche Quelle Du für die Frage nach Chartplatzierungen, welche für Instrumentierung und welche für Tonträgerdaten bevorzugen würdest und begründe Deine Auswahl.
  5. Urheberrechtlicher Transfer: Plane eine Unterrichtsseite zu einem anderen urheberrechtlich geschützten Popsong, ohne vollständige Lyrics oder Partituren zu übernehmen.
  6. Historischer Vergleich: Vergleiche die Medienlogik einer Fernsehfigur mit Nummer-eins-Single von 1972 mit einer heutigen viralen Figur aus sozialen Medien. Arbeite strukturelle Unterschiede heraus.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:

  1. die Entstehung der Aufnahme in den Kontext von Wum, Loriot, Drei mal Neun und Aktion Sorgenkind einordnen kannst,
  2. mindestens drei auf die konkrete Aufnahme bezogene Besonderheiten mit Quellen belegen kannst,
  3. Sprechgesang, Swing-/Old-Time-Jazz-Anklänge und Novelty-Song als unterschiedliche Analyseebenen erklären kannst,
  4. Grundzüge von Harmonik, Rhythmus, Instrumentierung, Arrangement und Form beschreiben kannst,
  5. eine Halbton-Modulation funktional deuten kannst,
  6. zwischen Originalaufnahme und Coverfassung unterscheiden kannst,
  7. Textthemen paraphrasieren kannst, ohne geschützte Liedtexte vollständig zu reproduzieren,
  8. freie Medien, offizielle Hörbeispiele und unsichere Drittquellen kritisch unterscheiden kannst,
  9. Quellenangaben nachvollziehbar dokumentieren kannst.




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