Alannah Myles - Black Velvet

Alannah Myles - Black Velvet
Einleitung
„Black Velvet“ ist ein 1989 veröffentlichter Song der kanadischen Sängerin Alannah Myles. Geschrieben wurde er von Christopher Ward und David Tyson, produziert von Tyson. Der Song verbindet Bluesrock, Rock, Country- und Roots-Anklänge mit einer sehr zugänglichen Pop-Dramaturgie. Inhaltlich ist er eine Hommage an Elvis Presley und zugleich ein Beispiel dafür, wie Popmusik historische Erinnerung, Starkult und musikalische Mythen in Klang und Bildsprache verwandelt.[1]
Dieser aiMOOC untersucht genau die bekannte Studioaufnahme von Alannah Myles und trennt dabei belegte Produktionsfakten von höranalytischen Deutungen. Du erfährst, wie der Song entstand, warum sein Bassklang ungewöhnlich ist, welche Rolle der Shuffle-Groove spielt, wie Stimme, Harmonik und Arrangement Spannung erzeugen und weshalb das Stück für Myles' Karriere so wichtig wurde.
Urheberrechtlicher Hinweis: Der vollständige Liedtext und die Originalpartitur werden hier bewusst nicht wiedergegeben. Geschützte Lyrics werden nur in minimalen, für die Analyse nötigen Ausschnitten zitiert. Die deutschsprachige Inhaltserschließung ist eine zusammenfassende Paraphrase und keine zeilenweise Übersetzung. Die Notenbeispiele mit der MediaWiki-Erweiterung Score sind kurze, selbst erstellte Analysebeispiele und keine Transkriptionen der geschützten Melodie.

Alannah Myles. Foto: Mike F. Campbell, CC BY 2.5, Wikimedia Commons.[2]
Offizielles Musikvideo auf dem Official Artist Channel von Alannah Myles. Das Video ist urheberrechtlich geschützt und wird hier lediglich über die offizielle YouTube-Quelle eingebettet; es ist keine frei lizenzierte OER-Datei.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehung von „Black Velvet“ in den zeitgeschichtlichen Kontext einordnen, den Shuffle-Groove hörend erkennen, zentrale Merkmale von Melodie und Harmonik beschreiben, Gesang und Instrumentierung analysieren, Studio- und Livefassungen vergleichen, Textthemen ohne vollständige Lyrics erschließen, Produktionsentscheidungen kritisch beurteilen und zwischen frei lizenzierten Medien und lediglich legal eingebetteten offiziellen Medien unterscheiden.
Steckbrief der Aufnahme
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Interpretin | Alannah Myles |
| Song | Black Velvet |
| Veröffentlichung | 1989; internationaler Durchbruch 1989/1990 |
| Album | Alannah Myles |
| Autoren | Christopher Ward und David Tyson |
| Produzent | David Tyson |
| Inhaltlicher Bezug | Elvis Presley, Memphis, Rock-'n'-Roll-Kultur und Fankult |
| Stil | Bluesrock mit Roots-, Country- und Pop-Elementen |
| Grundcharakter | langsamer bis mittlerer, triolisch schwingender Shuffle |
| Tonales Zentrum der Strophen | überwiegend Es-Moll |
| Besonderheit des Bassklangs | fretlessartig klingender, programmierter Keyboard-Bass |
Christopher Ward erinnert sich, der Song sei ausdrücklich mit Myles' Stimme im Sinn geschrieben worden. Ausgangspunkt war ein Shuffle-Gitarrenfeeling, mit dem er bereits längere Zeit experimentiert hatte.[3]
Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext
Die Memphis-Reise als Ausgangspunkt
1987, zum zehnten Todestag von Elvis Presley, arbeitete Christopher Ward als VJ bei MuchMusic. Für einen Beitrag fuhr er nach eigenen Angaben mit einem Greyhound-Bus, etwa vierzig Elvis-Fans und einem Kameramann nach Memphis. Während der Reise notierte er Beobachtungen und Eindrücke. Teile dieser Notizen wurden später zur Grundlage des Songtexts.[3]
Der Song entstand also nicht als abstrakte historische Erzählung über Presley, sondern aus der Beobachtung einer noch lebendigen Fankultur. Ward beschreibt das kurze Textmotiv „new religion“ ausdrücklich als Bild für Rock 'n' Roll.[3] Diese Aussage ist für die Interpretation wichtig: Der Song erzählt nicht nur von einer berühmten Person, sondern auch davon, wie populäre Musik für Fans gemeinschaftsstiftende, beinahe ritualisierte Bedeutung erhalten kann.

Graceland in Memphis. Foto: Joseph Novak, CC BY 2.0, Wikimedia Commons.[4]
Vom Reiseeindruck zum Song
David Tyson und Christopher Ward arbeiteten an Material für Myles' Debütalbum. Ward berichtete später, Tyson habe angemerkt, dass ihnen ein Shuffle-Stück fehle. Ward spielte daraufhin Material vor, das bereits den charakteristischen Groove trug. Myles erkannte darin sofort ein Stück, das zu ihr passte.[5]
Die Verbindung aus Elvis-Thema und moderner Rockproduktion ist typisch für einen wichtigen Zug der späten 1980er Jahre: ältere amerikanische Rock-, Blues- und Country-Traditionen wurden in zeitgenössischer Studiotechnik neu inszeniert. Bei „Black Velvet“ entsteht daraus kein nostalgischer Stilkopie-Song, sondern eine Mischung aus rückwärtsgewandter Bildwelt und präziser, radiotauglicher Produktion.
Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme
Die folgenden Besonderheiten sind nicht bloß allgemeine Aussagen über Bluesrock, sondern für die bekannte Studioaufnahme dokumentiert:
| Besonderheit | Beleg und Bedeutung |
|---|---|
| 1. Der scheinbare Fretless-Bass ist kein normal eingespielter Fretless-Bass. | Der auffällig knurrende, gleitende Bassklang wurde laut Bonedo als programmierter Keyboard-Bass erzeugt. Bassist Steve Webster spielte zwar auf den übrigen Albumtracks, aber gerade bei „Black Velvet“ zeichnete Produzent und Co-Autor David Tyson für den programmierten Bass verantwortlich.[6] Das ist besonders bemerkenswert, weil der Klang sehr überzeugend wie ein bundloser E-Bass wirkt. |
| 2. Die endgültige Wirkung entstand nach vielen Versuchen durch radikale Reduktion. | Myles erinnerte sich 2020 an viele Takes und Versuch-und-Irrtum. Eine zunächst stärker rockorientierte Fassung wurde in einem späten Produktionsschritt auf Gesang, Bass und Schlagzeug zurückgeführt. Gegen fünf Uhr morgens hätten sie schließlich den gewünschten Track erreicht.[7] Die Aufnahme zeigt damit, dass ein wirkungsvolles Arrangement nicht durch möglichst viele Spuren entstehen muss. |
| 3. Der Shuffle war bereits beim Komponieren der musikalische Anker. | Ward bezeichnet den Shuffle-Groove als Ausgangspunkt und musikalischen Anker des Stücks. Das rhythmische Gefühl war also kein nachträglich hinzugefügtes Studiomerkmal, sondern Teil der kompositorischen DNA.[3] |
| 4. Die Aufnahme entstand nicht an nur einem einzigen Ort. | Ward berichtet, dass der Song in verschiedenen Studios in Toronto aufgenommen wurde; produziert wurde er von David Tyson.[3] Das passt zu der für große Albumproduktionen der Zeit typischen Arbeitsweise, einzelne Produktionsschritte an mehreren spezialisierten Orten zu realisieren. |
| 5. Der Song wurde gezielt für Myles' Stimme geschrieben. | Ward sagt ausdrücklich, der Song sei mit ihrer Stimme im Sinn entstanden, weil ihre Vorliebe für bluesige Ausdrucksweisen bekannt war.[3] Komposition und Interpretation lassen sich hier deshalb nicht sinnvoll voneinander trennen. |
Stil und Genre
„Black Velvet“ wird häufig als Bluesrock beziehungsweise bluesige Rockballade eingeordnet. Der Song enthält jedoch mehrere Stilschichten:
- Bluesrock: Bluesfärbungen, Gitarrenfills, rauer Vokalklang und Shuffle-Groove bilden das klangliche Fundament.
- Country und Roots: Die erzählte Welt des amerikanischen Südens, die zurückgenommene Strophenwirkung und einzelne instrumentale Gesten erinnern an Roots- und Country-Traditionen.
- Popmusik: Der Refrain ist klar konturiert, wiedererkennbar und produktionstechnisch auf starke Radiowirkung ausgerichtet.
- Rockmusik: Schlagzeug, elektrische Gitarre, vokale Zuspitzung und das Gitarrensolo steigern den Song in Richtung Rock.
Die Genrebezeichnung ist deshalb am sinnvollsten als Bluesrock mit Roots- und Pop-Crossover zu verstehen. Eine einzige Schublade erfasst die Aufnahme nur unvollständig.
Rhythmus und Groove
Der Shuffle als Kern
Das wichtigste rhythmische Merkmal ist der triolisch schwingende Shuffle. Statt die Achtel gleichmäßig zu teilen, entsteht ein lang-kurz-artiges Gefühl. Gerade diese Verzögerung verleiht dem Song seine schwere, rollende Bewegung.
Quellen notieren das Metrum unterschiedlich: verbreitete Songanalysen fassen den Puls als 4/4-Takt mit triolischer Unterteilung auf, während eine Bassanalyse bei Bonedo mit einer 6/8-Lesart arbeitet.[6] Für den Unterricht ist die entscheidende Beobachtung nicht die Wahl einer einzigen Notationskonvention, sondern das deutlich hörbare ternäre beziehungsweise triolische Bewegungsgefühl.
Score-Beispiel 1: selbst erfundener Shuffle-Rhythmus
Das folgende Beispiel ist keine Rhythmustranskription von „Black Velvet“. Es demonstriert nur das Prinzip einer triolischen Unterteilung im 4/4-Takt.

Sprich dazu gleichmäßig eins-und-a, zwei-und-a, drei-und-a, vier-und-a. Lässt Du jeweils die mittlere Triolenposition frei, hörst Du ein Grundmodell des Shuffle-Gefühls.
Mikro-Timing und Wirkung
In der Originalaufnahme wirkt der Groove nicht hektisch. Bass, Schlagzeug und Gesang lassen hörbar Raum zwischen den Ereignissen. Dadurch entsteht eine schwer wirkende, beinahe körperliche Bewegung. Für die Höranalyse kannst Du beobachten, ob der Gesang exakt auf dem Schlag, leicht davor oder leicht dahinter empfunden wird. Solche Mikro-Timing-Eindrücke sind Interpretationen des Hörens und sollten nicht mit exakt gemessenen Studiowerten verwechselt werden.
Melodie und Harmonik
Tonales Zentrum und Bluesfärbung
Die Strophen kreisen überwiegend um Es-Moll. Eine musikpädagogische Analyse von Bonedo beschreibt dabei auch Akkorde, die als Färbungen aus der parallelen Durwelt verstanden werden können. Im Refrain verschiebt sich der harmonische Schwerpunkt in Richtung As-Moll, bevor die Musik wieder zum Ausgangsbereich zurückfindet.[6]
Das ist für die Wirkung bedeutsam: Die Strophe kann dadurch dunkel und konzentriert bleiben, während der Refrain harmonisch weiter aufgezogen wirkt.
Score-Beispiel 2: selbst erstellte Moll-Pentatonik
Diese kurze Skalenfigur zeigt lediglich eine Es-Moll-Pentatonik als typisches Tonmaterial für blues- und rocknahe Improvisation. Sie entspricht nicht der Melodie des Songs.

Beim Hören von „Black Velvet“ kannst Du nun untersuchen, ob melodische Wendungen eher stufenweise, pentatonisch oder durch expressive Sprünge geprägt wirken. Die konkrete Gesangsmelodie sollst Du dabei hörend beschreiben, nicht vollständig abschreiben.
Score-Beispiel 3: selbst erfundene Dur-Moll-Färbung
Auch dieses Beispiel stammt nicht aus „Black Velvet“. Es zeigt in C und F lediglich, wie die Veränderung der Terz einen Mollklang unmittelbar in einen Durklang verwandelt.

Die Übung hilft Dir zu verstehen, was gemeint ist, wenn eine Analyse von Mollzentrum und entlehnten Durfärbungen spricht.
Melodische Dramaturgie
Höranalytisch wirkt die Strophe eher erzählend und kontrolliert. Die melodische Bewegung bleibt lange nah am Groove, während der Refrain stärker exponiert wird. Entscheidend ist weniger virtuose Melodik als die Kombination aus Wiederholung, Klangfarbe und vokaler Intensivierung. Der Wiedererkennungswert entsteht daher aus dem Zusammenwirken von Bassmotiv, Groove, Stimmfarbe und Refrainkontur.
Gesang
Myles' Gesang ist ein zentrales Gestaltungsmittel. Die Stimme kann in derselben Aufnahme dunkel, rau und fast sprechend wirken, sich aber in exponierten Momenten deutlich öffnen. Die Canadian Songwriters Hall of Fame hebt gerade die sinnliche und kraftvolle Qualität ihrer Interpretation hervor.[1]
Achte beim Hören auf vier Ebenen:
- Stimmklang: rauchige, bluesnahe Klangfarbe statt glatt-neutraler Popstimme.
- Dynamik: zurückgenommene Strophen stehen stärker projizierten Refrainpassagen gegenüber.
- Artikulation: Konsonanten und Vokale werden nicht nur sprachlich, sondern rhythmisch eingesetzt.
- Phrasierung: manche Töne scheinen in den Groove hineinzulehnen, wodurch die Stimme eng mit dem Shuffle verbunden bleibt.
Weil Ward das Stück mit Myles' Stimme im Sinn schrieb, lässt sich die Gesangsgestaltung als Teil der Komposition selbst verstehen und nicht bloß als spätere Interpretation.[3]
Instrumentierung
Die Aufnahme lebt von einer vergleichsweise klaren Rollenverteilung.
| Klangquelle | Funktion |
|---|---|
| Programmierter Keyboard-Bass | Wiedererkennbares tiefes Fundament; fretlessartige Gleit- und Klangwirkung |
| Schlagzeug | Stabilisiert den schweren Shuffle und schafft Raum |
| Elektrische Gitarren | Bluesige Fills, Akzente und solistische Verdichtung |
| Keyboard beziehungsweise Orgelklänge | Färben Zwischenräume und verbreitern den Klang, ohne den Groove zu überladen |
| Leadgesang | Erzählt, verdichtet und trägt den größten emotionalen Kontrast |
| Begleitstimmen | Verdichten ausgewählte Höhepunkte |
Besonders lehrreich ist, dass der Bass nicht so erzeugt wurde, wie er zunächst klingt. Das Beispiel zeigt, weshalb Klangquelle und gehörte Klangassoziation in einer Produktionsanalyse getrennt werden sollten.[6]
Arrangement und Produktion
Reduktion statt Überladung
Die Aussage von Myles, die Produktion sei nach vielen Versuchen auf Gesang, Bass und Schlagzeug reduziert worden, liefert einen wichtigen Schlüssel zum Arrangement.[7] Die Aufnahme wirkt nicht deshalb groß, weil ständig alle Instrumente spielen, sondern weil zusätzliche Farben gezielt hinzukommen.
Ein typisches Prinzip lautet hier: erst Groove etablieren, dann Dichte steigern. Wenn Gitarren- oder Keyboardfarben erscheinen, besitzen sie deshalb mehr Gewicht.
Räumliche Dramaturgie
Im Arrangement lassen sich drei Ebenen unterscheiden:
- Fundament: Bass und Schlagzeug halten den Groove konstant.
- Erzählraum: In den Strophen bleibt genügend Platz für die Stimme.
- Steigerung: Refrain, zusätzliche Gitarren, vokale Intensität und Soloabschnitte erweitern die Textur.
Dieses Prinzip kannst Du auf viele Produktionen übertragen: Ein Arrangement gewinnt häufig durch Kontrast zwischen Leerraum und Verdichtung.
Songform
Eine sinnvolle höranalytische Gliederung der bekannten Aufnahme lautet ungefähr:
| Abschnitt | Funktion im Arrangement |
|---|---|
| Intro | Etabliert Klangfarbe und Groove |
| Strophe 1 | Erzählerische Einführung mit geringer Dichte |
| Übergangsbereich | Harmonische und dynamische Vorbereitung |
| Refrain | Größere vokale und harmonische Öffnung |
| Strophe 2 | Rückkehr zur erzählenden Grundtextur |
| Übergang und Refrain | Wiederholung mit wachsender Vertrautheit |
| Bridge beziehungsweise Kontrastteil | Unterbricht die bisherige Periodik und erhöht die Spannung |
| Gitarrensolo | Instrumentale Zuspitzung |
| Schlussrefrains | Maximale Wiedererkennung und Steigerung |
| Outro | Löst die Form aus dem letzten Refrain heraus |
Je nach Analysequelle können Übergangsabschnitte anders benannt oder zusammengefasst werden. Wichtig ist daher, Deine Segmentierung mit hörbaren Veränderungen zu begründen.
Textthemen und Bildsprache
Der Songtext verbindet drei große Themenfelder:
- Elvis Presley als historische und popkulturelle Figur.
- Memphis und der amerikanische Süden als imaginierte Klanglandschaft.
- Fankultur und Rock 'n' Roll als gemeinschaftsstiftende Erfahrung.
Der Text arbeitet mit Hitze, Dunkelheit, Musikmedien, Reise- und Erinnerungsszenen. Diese Bilder erzeugen weniger eine dokumentarische Biografie als eine atmosphärische Legende. Elvis erscheint zugleich als realer Musiker, Erinnerungsfigur und Projektionsfläche.
Das sehr kurze Zitat „new religion“ bezeichnet nach Christopher Ward den Rock 'n' Roll selbst.[3] Gerade diese Metapher macht sichtbar, wie der Song Musikbegeisterung mit Ritual, Verehrung und Gemeinschaft verknüpft.
Sinngemäße Inhaltserschließung statt vollständiger Übersetzung
Eine vollständige Übersetzung des geschützten Liedtexts wird hier nicht wiedergegeben. Inhaltlich lässt sich der Verlauf jedoch so erschließen:
Zu Beginn wird eine heiße, südlich geprägte Umgebung entworfen. Musik gehört selbstverständlich zu dieser Welt und bildet den kulturellen Hintergrund für die spätere Elvis-Erzählung. Anschließend rückt die Faszination um den jungen Musiker stärker in den Mittelpunkt. Der Song schildert, wie aus individueller Begabung ein Massenphänomen wird und wie Fans diese Entwicklung emotional miterleben.
Später verdichtet sich die Erzählung zu Erinnerung und Verlust. Die historische Person wird zur Ikone, deren Wirkung über den Tod hinaus fortbesteht. Der Refrain fasst diese Wirkung nicht biografisch, sondern über eine dunkle, sinnliche Material- und Farbasssoziation zusammen. „Black Velvet“ funktioniert damit als Titelbild für Eleganz, Dunkelheit, Körperlichkeit, Nostalgie und Starkult.
Diese Paraphrase dient der Inhaltserschließung. Sie ersetzt weder den Originaltext noch eine vollständige Übersetzung.
Musikvideo und visuelle Inszenierung
Das offizielle Video bietet einen zusätzlichen Analysekanal. Beobachte insbesondere den Wechsel zwischen Performancebildern und einer Bildwelt, die ländliche beziehungsweise roots-orientierte Assoziationen erzeugt. Vergleiche anschließend, welche Elemente des Videos den historischen Elvis-Bezug direkt zeigen und welche lediglich eine passende Atmosphäre herstellen.
Eine medienkritische Frage lautet: Wirkt der Song für Dich anders, wenn Du ihn ohne Video hörst? Notiere zuerst drei Höreindrücke ohne Bild und vergleiche sie anschließend mit drei Eindrücken nach dem Video.
Vergleich von Studio-, Live- und Neufassung
Offizielle Livefassung
Liveaufnahme von Alannah Myles aus der frühen Erfolgsphase; offizieller Künstlerkanal.
Bei einer Livefassung verändern sich zwangsläufig mehrere Produktionsbedingungen. Studioprogrammierung wird durch das Zusammenspiel einer Bühnenband ersetzt, Instrumente reagieren stärker aufeinander und die Stimme muss sich in einem realen Aufführungsraum durchsetzen.
Vergleiche beim Hören:
| Kriterium | Studioaufnahme | Livefassung |
|---|---|---|
| Bass | programmierter, sehr kontrollierter fretlessartiger Klang | stärker von realem Anschlag und Bühnendynamik geprägt |
| Groove | stark kontrolliert und produktionstechnisch fixiert | wirkt durch das Zusammenspiel der Band flexibler |
| Gesang | detailliert produzierbar und mehrfach aufnehmbar | entsteht in einem durchgehenden Aufführungszusammenhang |
| Raum | künstlich gestalteter Studioklang | hörbare Bühnen- und Publikumsdimension |
| Wirkung | konzentriert, dicht und radiotauglich | unmittelbarer und performativer |
Diese Unterschiede sind höranalytische Beobachtungen. Sie sollen am Video überprüft und mit Zeitmarken belegt werden.
Neudeutung 2021
Zur Aufnahme in die Canadian Songwriters Hall of Fame entstand 2021 eine neue Version mit Co-Autor Christopher Ward, Serena Ryder und Damhnait Doyle. Sie wurde im Revolution Recording Studio in Toronto aufgenommen und von Arun Chaturvedi produziert.[8]
Diese Version ist besonders geeignet, um zu untersuchen, welche Merkmale einen Song trotz verändertem Arrangement identifizierbar machen. Achte auf Verteilung der Gesangsparts, Dichte, Instrumentalfarben und darauf, wie der Song als Erinnerungsstück anders wirkt als die Hitproduktion von 1989.
Rezeption und Bedeutung
„Black Velvet“ wurde zum zentralen internationalen Erfolg von Alannah Myles. Die Canadian Songwriters Hall of Fame beschreibt den Titel als weltweiten Durchbruch und nahm ihn 2021 in ihren Kanon auf.[1]
Bei den 33rd Annual Grammy Awards 1991 gewann Myles mit „Black Velvet“ den Grammy in der damaligen Kategorie Best Rock Vocal Performance, Female.[9] Bei den Juno Awards wurde „Black Velvet“ 1990 als Single of the Year ausgezeichnet.[10]
In Großbritannien erreichte der Titel Platz 2 und blieb 16 Wochen in den offiziellen Top 100.[11] In den USA erreichte der Song Platz 1 der Billboard Hot 100; die Canadian Songwriters Hall of Fame nennt März 1990 als Zeitpunkt des Spitzenplatzes.[8]
Die vielen späteren Interpretationen durch andere Sängerinnen und Sänger zeigen, dass der Song seine Identität nicht nur aus der ursprünglichen Studiotechnik bezieht. Seine Kombination aus Shuffle, markanter Bassidee, vokaler Dramaturgie und klarer Refrainarchitektur lässt sich in andere Arrangements übertragen.
Bedeutung im Werk von Alannah Myles
Für Myles wurde „Black Velvet“ zum Signaturstück. Das Lied verband ihre bluesorientierte Stimme mit einer klaren Popproduktion und machte sie international bekannt. Gerade weil Ward den Song für ihre Stimme konzipierte, eignet er sich besonders gut, um die Wechselwirkung von Songwriting, Interpretation und Künstlerprofil zu untersuchen.[3]
Der Erfolg darf dabei nicht dazu führen, das Werk der Sängerin auf einen einzigen Titel zu reduzieren. Für die Musikanalyse ist vielmehr interessant, warum gerade dieses Stück so stark mit ihrem Namen verbunden wurde: Komposition, Klangdesign, visuelle Inszenierung, internationale Charts und Auszeichnungen verstärkten sich gegenseitig.
Hörleitfaden
Höre die Studioaufnahme mindestens dreimal mit jeweils anderem Fokus.
- Rhythmus: Klopfe nur den Grundpuls und achte anschließend auf die triolische Unterteilung.
- Bass: Verfolge ausschließlich den tiefen Klang und notiere Stellen, an denen er für Dich besonders „fretlessartig“ wirkt.
- Gesang: Markiere Abschnitte mit zurückgenommener und mit kraftvoller Stimme.
- Arrangement: Notiere, wann neue Klangfarben hinzukommen oder wieder verschwinden.
- Form: Begründe Deine Abschnittsgrenzen nicht mit dem Liedtext, sondern mit hörbaren musikalischen Veränderungen.
- Produktion: Überlege, welche Wirkung verloren ginge, wenn der Song dauerhaft mit vielen Gitarrenspuren gefüllt wäre.
Medienkompetenz und rechtssichere Nutzung
Die in diesem aiMOOC verwendeten Medien haben unterschiedliche Rechtslagen:
- Wikimedia-Commons-Bilder: Die eingebundenen Dateien besitzen freie Lizenzen. Bei Weiterverwendung musst Du die jeweilige Lizenz und die vorgeschriebene Namensnennung beachten. Das Myles-Foto ist CC BY 2.5, das Graceland-Foto CC BY 2.0.[2][4]
- YouTube-Videos: Die eingebetteten offiziellen Videos sind keine OER. Sie werden nicht kopiert oder neu veröffentlicht, sondern über ihre Plattformquelle eingebettet.
- Score-Beispiele: Die drei Notenbeispiele in diesem aiMOOC wurden eigens für Lernzwecke erstellt. Sie zeigen allgemeine musikalische Prinzipien und reproduzieren keine geschützte Songmelodie.
- Lyrics: Es werden nur minimale Textfragmente zur Analyse zitiert. Die Inhaltserschließung erfolgt zusammenfassend und ersetzt den Originaltext nicht.
Die MediaWiki-Erweiterung Score dient der Darstellung von Musiknotation auf Wikiseiten.[12]
Quellen und Nachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Canadian Songwriters Hall of Fame: 1990's Billboard Chart Topper „Black Velvet“ joins the Canadian Songwriters Hall of Fame
- ↑ 2,0 2,1 Wikimedia Commons: File:Alannah Myles.jpg
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Billboard Canada: Christopher Ward On „Black Velvet“ and Songwriting In General
- ↑ 4,0 4,1 Wikimedia Commons: File:Graceland Memphis Tennessee.jpg
- ↑ Billboard Canada: Songwriter Christopher Ward's Velvet Touch In Redux
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Bonedo: Bass-Workshop „Black Velvet“
- ↑ 7,0 7,1 7NEWS: 30 years of „Black Velvet“
- ↑ 8,0 8,1 Canadian Songwriters Hall of Fame: New „Black Velvet“ Video
- ↑ GRAMMY: Best Rock Vocal Performance, Female – 1991
- ↑ JUNO Awards: Past Nominees + Winners
- ↑ Official Charts: Black Velvet – Alannah Myles
- ↑ MediaWiki: Extension:Score
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb Black Velvet? (David Tyson und Christopher Ward) (!Alannah Myles und Elvis Presley) (!Steve Webster und Jørn Andersen) (!Serena Ryder und Damhnait Doyle)
Welches Erlebnis inspirierte Christopher Ward wesentlich zum Text? (Eine Memphis-Reise mit Elvis-Fans) (!Eine Tournee durch Australien) (!Ein Konzert der Beatles in London) (!Eine Studioaufnahme in Nashville)
Welches rhythmische Grundgefühl prägt die Aufnahme? (Ein Shuffle) (!Ein gerader Disco-Beat) (!Ein Reggae-Offbeat) (!Ein schneller Punkbeat)
Was ist am Bassklang der Studioaufnahme besonders? (Er stammt von einem programmierten Keyboard-Bass) (!Er wurde ausschließlich auf Kontrabass gespielt) (!Er besteht nur aus einer Gitarrenspur) (!Er wurde vollständig von einem Orchester eingespielt)
Wer produzierte die bekannte Studioaufnahme? (David Tyson) (!Christopher Ward) (!Elvis Presley) (!Serena Ryder)
In welchem tonalen Bereich liegen die Strophen überwiegend? (Es-Moll) (!C-Dur) (!A-Dur) (!Fis-Dur)
Wofür steht die Formulierung new religion laut Christopher Ward? (Für Rock n Roll) (!Für klassische Oper) (!Für Rundfunktechnik) (!Für einen Plattenladen)
Welche Auszeichnung erhielt Myles für Black Velvet bei den Grammy Awards 1991? (Best Rock Vocal Performance Female) (!Album of the Year) (!Best Classical Album) (!Best Jazz Instrumental Solo)
Welche kanadische Auszeichnung erhielt Black Velvet 1990? (Juno Single of the Year) (!Juno Classical Album of the Year) (!Juno Comedy Album of the Year) (!Juno Children's Album of the Year)
Welche Person steht im Zentrum der historischen Bildwelt des Songs? (Elvis Presley) (!Johann Sebastian Bach) (!David Bowie) (!Bob Marley)
Memory
| Shuffle | Triolisch schwingender Groove |
| David Tyson | Produzent und Co-Autor |
| Christopher Ward | Co-Autor und Memphis-Reisender |
| Keyboard-Bass | Fretlessartig klingendes Fundament |
| Graceland | Elvis-Ort in Memphis |
| Es-Moll | Tonales Strophenzentrum |
| Grammy | Rock-Gesangsauszeichnung 1991 |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Shufflecharakter | Rhythmus |
| Programmierter Bass | Produktion |
| Es-Moll | Harmonik |
| Rauhe Klangfarbe | Gesang |
| Elvis-Hommage | Textthema |
Kreuzworträtsel
| Memphis | In welche Stadt führte Wards prägende Reise mit Elvis-Fans? |
| Tyson | Wie lautet der Nachname des Produzenten und Co-Autors? |
| Shuffle | Wie heißt das triolisch schwingende rhythmische Grundgefühl? |
| Graceland | Wie heißt Elvis Presleys berühmter Wohnsitz in Memphis? |
| Hammond | Welcher Orgeltyp steht beispielhaft für eine klassische Rock-Klangfarbe? |
| Presley | Wie lautet der Nachname der Person, der der Song musikalisch huldigt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die offizielle Studioaufnahme und notiere fünf hörbare Veränderungen in Instrumentierung oder Dynamik. Verwende Zeitmarken.
- Shuffle: Klatsche einen geraden Achtelpuls und anschließend einen triolischen Shuffle. Nimm beide Varianten auf und beschreibe den Unterschied.
- Bildanalyse: Vergleiche das frei lizenzierte Graceland-Foto mit der Bildwelt des offiziellen Musikvideos. Welche Vorstellungen von Elvis-Kultur entstehen?
- Stimmfarbe: Suche drei Stellen mit unterschiedlicher vokaler Intensität und beschreibe sie mit Fachbegriffen, ohne Lyrics abzuschreiben.
Standard
- Studio-Live-Vergleich: Vergleiche Studio- und Livefassung anhand von Bass, Groove, Stimme, Raum und Dynamik. Belege jede Beobachtung mit einer Zeitmarke.
- Arrangement: Erstelle in einer DAW oder mit Instrumenten einen eigenen acht Takte langen Shuffle. Verwende nur selbst erfundene Melodien und Akkordfolgen.
- Musikvideoanalyse: Untersuche, wie Schnitt, Performance und ländliche Bildmotive die Wahrnehmung des Songs beeinflussen. Trenne Beschreibung und Interpretation.
- Zeitzeugeninterview: Befrage eine Person, die Musik um 1990 bewusst erlebt hat, zur damaligen Wahrnehmung des Songs. Vergleiche Erinnerung und nachprüfbare Chartdaten.
Schwer
- Harmonieanalyse: Entwickle eine eigene harmonische Skizze, die Mollzentrum und Durfärbung kontrastiert. Verwende keine Originalakkordfolge vollständig und erkläre die Funktion Deiner Akkorde.
- Produktionsanalyse: Baue zwei Versionen desselben selbst komponierten Grooves: einmal mit echtem Bass, einmal mit programmiertem Bass. Vergleiche Attack, Sustain, Artikulation und Raumwirkung.
- Quellenkritik: Vergleiche Aussagen von Ward, Myles, Grammy, Juno und einer Sekundärquelle. Ordne jede Information als Primäraussage, institutionellen Nachweis oder journalistische Analyse ein.
- Re-Arrangement: Entwirf ein Konzept für eine neue Version von „Black Velvet“, ohne geschützte Audio- oder Notenbestandteile zu kopieren. Begründe Besetzung, Groove, Dramaturgie und eine rechtssichere Medienstrategie.


Lernkontrolle
- Produktion und Wahrnehmung: Erkläre, warum der programmierte Keyboard-Bass für Hörerinnen und Hörer trotzdem wie ein reales Fretless-Instrument wirken kann. Beziehe Klangparameter und Erwartungshaltung ein.
- Reduktion im Arrangement: Übertrage die Produktionsidee „weniger Spuren, mehr Wirkung“ auf einen selbst gewählten Song. Welche zwei Klangquellen würdest Du entfernen und warum?
- Rhythmustransfer: Erkläre, wie sich die Wirkung derselben Melodie verändern würde, wenn ein Shuffle durch gerade Achtel ersetzt würde.
- Text und Erinnerungskultur: Untersuche, wie ein Popsong eine historische Person gleichzeitig erinnern und mythologisieren kann. Nenne Chancen und Grenzen solcher Darstellungen.
- Studio und Live: Entwickle Kriterien, mit denen sich eine Studio- und eine Livefassung fair vergleichen lassen, ohne eine der beiden grundsätzlich als besser zu bewerten.
- Urheberrecht und OER: Erstelle für ein eigenes Musiklernprojekt einen Medienplan. Kennzeichne, welche Inhalte frei lizenziert, selbst erstellt, nur verlinkt oder nur kurz zitiert werden dürfen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind besonders wichtig:
- Entstehungsgeschichte: Du kannst Wards Memphis-Reise und den Elvis-Bezug quellenbasiert erklären.
- Aufnahmespezifische Besonderheiten: Du kannst mindestens drei konkrete Merkmale der Studioaufnahme belegen, darunter den programmierten Bass und die späte Reduktion des Arrangements.
- Musikalische Analyse: Du kannst Shuffle, tonales Zentrum, Form, Instrumentierung und vokale Dramaturgie fachsprachlich beschreiben.
- Hörbeleg: Du belegst zentrale Beobachtungen mit nachvollziehbaren Zeitmarken aus einer offiziellen Aufnahme.
- Vergleichskompetenz: Du kannst Studio-, Live- und Neufassung nach denselben Kriterien vergleichen.
- Quellenkritik: Du unterscheidest Künstlerinterview, institutionelle Auszeichnungsdaten, Fachanalyse und eigene Hörinterpretation.
- Medienrecht: Du kannst zwischen OER, offizieller Einbettung, Zitat und nicht zulässiger Vollübernahme unterscheiden.
- Transfer: Du überträgst mindestens ein Produktions- oder Analyseprinzip auf ein selbst geschaffenes musikalisches Beispiel.
OERs zum Thema
Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel kann als Ausgangspunkt für weitere Recherche dienen. Prüfe Detailangaben nach Möglichkeit zusätzlich mit Primär- oder Institutionenquellen.
Weiterführende Quellen
- Billboard Canada – Interview mit Christopher Ward: Entstehung, Shuffle, Memphis-Reise, Produktion.
- 7NEWS – Interview mit Alannah Myles: viele Takes, Reduktion und Produktionsprozess.
- Canadian Songwriters Hall of Fame: Entstehung, Rezeption und Hall-of-Fame-Aufnahme.
- Bonedo – Bass-Workshop: Bassklang, harmonische und rhythmische Fachanalyse.
- GRAMMY: institutioneller Nachweis zur Auszeichnung 1991.
- JUNO Awards: institutioneller Nachweis zu „Single of the Year“ 1990.
- Official Charts: britische Chartdaten.
- Wikimedia Commons – Alannah Myles: CC BY 2.5.
- Wikimedia Commons – Graceland: CC BY 2.0.
- MediaWiki – Extension:Score: technische Dokumentation zur Notendarstellung.
Verknüpfte Lernbereiche
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