BK6 - KI-Kurator für eine Ausstellung prüfen

BK6 - KI-Kurator für eine Ausstellung prüfen
BK6 - KI-Kurator für eine Ausstellung prüfen
Einleitung
Stell Dir vor, Deine Klasse darf eine kleine Kunstausstellung zusammenstellen. Es gibt viele mögliche Kunstwerke, aber nur wenige Plätze. Welche Werke passen zusammen? Welche erzählen eine spannende Geschichte? Und was passiert, wenn eine KI die Auswahl vorschlägt?
In diesem aiMOOC übernimmst Du die Rolle eines jungen Kurators bzw. einer jungen Kuratorin. Kuratieren bedeutet nicht einfach, „schöne Bilder“ auszuwählen. In Museen gehören zur kuratorischen Arbeit unter anderem das Entwickeln von Ausstellungsideen, das Auswählen und Einordnen von Werken sowie die fachliche Betreuung von Sammlungen und Ausstellungen. Eine KI kann bei Sortierung, Ideenfindung und Formulierung helfen. Die Verantwortung für die Auswahl, die Prüfung von Informationen und die Begründung bleibt aber bei Menschen.
Du lernst deshalb einen vollständigen Prüfweg kennen: Vorschlagen lassen – prüfen – vergleichen – begründen – selbst entscheiden. Am Ende entwickelst Du eine eigene kuratorische Entscheidung und kannst erklären, warum Deine Ausstellung überzeugender ist als eine ungeprüfte KI-Auswahl.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Kuratieren: erklären, was eine kuratorische Entscheidung ausmacht.
- Künstliche Intelligenz: KI-Vorschläge als Hilfsmittel nutzen, ohne sie automatisch für richtig zu halten.
- Bildanalyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Kunstwerken erkennen.
- Ausstellung: Werke zu einer nachvollziehbaren Leitidee gruppieren.
- Bias: mögliche einseitige oder verzerrte Auswahlmuster erkennen.
- Urheberrecht und Provenienz: nach Herkunft, Angaben und Nutzungsbedingungen eines Bildes fragen.
- Argumentation: eine Auswahl mit Kriterien und Beobachtungen begründen.
Differenzierung G/M/E
Die Aufgaben sind für Klasse 6 differenziert. G steht für grundlegendes Niveau, M für mittleres Niveau und E für erweitertes Niveau.
| Niveau | Schwerpunkt | Hilfen | Erwartung |
|---|---|---|---|
| G | Erkennen, Zuordnen, einfache Begründungen | Satzstarter, wenige Kriterien, klare Auswahl | Du nennst Beobachtungen und begründest mit mindestens einem passenden Kriterium. |
| M | Vergleichen, gewichten, verbessern | Kriterienraster und Vergleichstabellen | Du vergleichst mehrere Möglichkeiten und begründest, warum eine Auswahl stärker ist. |
| E | Prüfen, hinterfragen, eigene Kriterien entwickeln | offene Prüffragen und Zusatzkriterien | Du erkennst mögliche Verzerrungen, ergänzt fehlende Perspektiven und verteidigst eine eigene kuratorische Entscheidung. |
Was macht ein Kurator oder eine Kuratorin?
Ein Kurator oder eine Kuratorin entwickelt Zusammenhänge zwischen Werken. Eine Ausstellung braucht meist eine Leitidee: eine Frage, ein Thema oder eine Geschichte, die erklärt, warum die ausgewählten Werke gemeinsam gezeigt werden. Dabei können Werke ähnlich sein, aber auch bewusst einen Kontrast bilden.
Ein guter kuratorischer Prozess fragt zum Beispiel:
- Passt das Werk wirklich zur Leitidee?
- Was kann das Publikum daran entdecken?
- Ergänzt das Werk die anderen Exponate oder wiederholt es nur Bekanntes?
- Sind verschiedene Zeiten, Kulturen, Techniken oder Sichtweisen sinnvoll vertreten?
- Sind Titel, Urheber, Entstehungszeit und Herkunft verlässlich geprüft?
- Kann die Auswahl verständlich und fair begründet werden?
Das Video der Art Gallery of Grande Prairie erklärt die Arbeit eines Museumskurators. Achte beim Anschauen besonders darauf, welche Entscheidungen Menschen treffen müssen.
Kuratieren ist mehr als Sortieren
Sortieren bedeutet, Dinge nach einem Merkmal zu ordnen. Kuratieren geht weiter: Du entscheidest, welcher Zusammenhang wichtig ist, was gezeigt wird, was nicht gezeigt wird und in welcher Reihenfolge das Publikum die Werke erlebt. Deshalb ist eine Auswahl nie völlig neutral. Schon die Frage „Welche Werke gelten als wichtig?“ kann bestimmte Künstler, Regionen, Zeiten oder Medien stärker sichtbar machen als andere.
Dieses Video zeigt beispielhaft, wie eine Ausstellung kuratiert werden kann. Nutze es als Beobachtungsmaterial: Welche Entscheidungen betreffen Thema, Auswahl, Anordnung und Wirkung?
Medienpool: mögliche Werke für die Ausstellung
Die folgenden Werke bilden unseren Kandidaten-Pool. Sie unterscheiden sich in Zeit, Technik, Kulturraum, Darstellungsweise und Thema. Die Abbildungen stammen aus Wikimedia Commons. Für eine echte Veröffentlichung musst Du die Angaben und Nutzungsbedingungen auf der jeweiligen Dateiseite prüfen.
Werk 1: Leonardo da Vinci – Mona Lisa

Beobachtungsfragen: Wohin richtet sich der Blick? Welche Wirkung haben Körperhaltung, Hintergrund und Gesichtsausdruck? Für welche Ausstellungsthemen könnte ein berühmtes Porträt geeignet sein?
Werk 2: Johannes Vermeer – Mädchen mit dem Perlenohrring

Beobachtungsfragen: Welche Rolle spielen Licht, Blick und Hintergrund? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennst Du zur Mona Lisa?
Werk 3: Vincent van Gogh – Sternennacht

Beobachtungsfragen: Wie wirken Linien, Farben und Bewegung? Ist das Bild eher ruhig oder dynamisch? Begründe mit sichtbaren Merkmalen.
Werk 4: Katsushika Hokusai – Die große Welle vor Kanagawa

Beobachtungsfragen: Wie entsteht Spannung zwischen Welle, Booten und Berg? Welche Rolle spielt Bewegung? Wie unterscheidet sich der Farbholzschnitt von einem Ölgemälde?
Werk 5: Wassily Kandinsky – Composition VIII

Beobachtungsfragen: Welche Formen, Linien und Richtungen fallen auf? Wie kann ein abstraktes Werk in eine Ausstellung passen, die nicht nur Gegenstände oder Menschen zeigt?
Werk 6: Büste der Nofretete

Beobachtungsfragen: Was verändert sich, wenn statt eines gemalten Porträts ein dreidimensionales Objekt betrachtet wird? Welche Fragen zu Material, Alter, Herkunft und Museumspräsentation entstehen?
Werk 7: Michelangelo – David

Beobachtungsfragen: Welche Wirkung hat eine Skulptur im Raum? Welche Perspektiven müsste man bei einer echten Ausstellung berücksichtigen, wenn ein Werk von mehreren Seiten betrachtet werden kann?
Werk 8: KI-generierte Bildwelt – Galaxie im Schwimmbecken

Das Bild wurde mit einem Bildgenerator aus einer Texteingabe erzeugt. Vergleiche es nicht nur nach „gefällt mir / gefällt mir nicht“, sondern nach denselben bildnerischen Kriterien wie andere Werke: Komposition, Farbe, Raum, Motiv, Wirkung und Bezug zur Leitidee.
Werk 9: KI-Variation der Mona Lisa

Hier ist besonders wichtig: Eine KI-Variation kann wie ein bekanntes Werk wirken, ist aber nicht dasselbe Werk. Prüfe deshalb Titel, Entstehungsweise, Quelle und Kennzeichnung. Frage außerdem, ob die Ausstellung Original, Reproduktion, Bearbeitung und KI-Variation klar unterscheidet.
Werk 10: KI-generierte futuristische Stadt

Dieses Bild eignet sich für Fragen nach Zukunftsbildern, Technikfantasien und der Rolle von Bildgeneratoren. Prüfe auch hier die Commons-Dateiseite, bevor Du Angaben zu Entstehung und Lizenz übernimmst.
Wie kann KI beim Kuratieren helfen?
Eine generative KI kann aus einer Liste von Werken Vorschläge bilden, Überschriften erfinden, Gemeinsamkeiten beschreiben oder Gegenargumente sammeln. Sie kann jedoch Informationen falsch zuordnen, wichtige Werke übersehen, bekannte Beispiele bevorzugen oder unklare Begründungen liefern. Darum wird der KI-Vorschlag in diesem aiMOOC nicht als Lösung, sondern als prüfbare Hypothese behandelt.
Beispiel-Prompt für einen KI-Kurator
Du bist eine Assistenz für eine Schulausstellung in Klasse 6. Bilde aus dem vorgegebenen Medienpool drei unterschiedliche Werkgruppen. Jede Werkgruppe soll eine klare Leitidee haben. Nenne zu jeder Gruppe vier passende Werke und begründe jedes Werk mit einem sichtbaren Merkmal. Kennzeichne Unsicherheiten. Erfinde keine Quellenangaben. Nenne außerdem ein Werk, das Du bewusst nicht auswählst, und begründe die Entscheidung.
Wichtig: Wenn Du selbst eine KI benutzt, gib keine persönlichen Daten ein. Prüfe sachliche Angaben an verlässlichen Quellen und behandle KI-Ausgaben als Vorschläge.
Drei simulierte KI-Auswahlvorschläge
Die folgenden Vorschläge sind didaktisch simulierte KI-Ausgaben. Sie zeigen typische Stärken und Schwächen, die Du prüfen sollst. Es wird nicht behauptet, dass ein bestimmtes KI-System genau diese Auswahl erzeugt hat.
KI-Vorschlag A: „Blicke und Identität“
| Werk | KI-Begründung | Deine erste Prüffrage |
|---|---|---|
| Mona Lisa | Der Blick und der Gesichtsausdruck lenken die Aufmerksamkeit auf die dargestellte Person. | Passt das Werk wegen sichtbarer Merkmale zur Leitidee oder nur wegen seiner Berühmtheit? |
| Mädchen mit dem Perlenohrring | Blick, Licht und Nähe erzeugen eine starke Begegnung mit der Figur. | Welche konkrete Gemeinsamkeit mit der Mona Lisa ist sichtbar? |
| Nofretete | Das dreidimensionale Bildnis erweitert das Thema Identität um Skulptur. | Welche Unterschiede zwischen Porträt und Büste sind für die Ausstellung wichtig? |
| David | Die Figur zeigt Körperhaltung und Selbstinszenierung. | Ist „Identität“ hier wirklich die beste Leitidee oder wäre „Menschenbilder“ genauer? |
Mögliche Schwäche: Die Gruppe konzentriert sich stark auf berühmte Darstellungen einzelner Menschen. Andere Kulturen und Zeiten sind zwar vertreten, aber die Leitidee muss präziser begründet werden.
KI-Vorschlag B: „Bewegung und Energie“
| Werk | KI-Begründung | Deine erste Prüffrage |
|---|---|---|
| Die große Welle vor Kanagawa | Die geschwungene Welle erzeugt starke Bewegung. | Welche Linien und Formen tragen die Bewegung? |
| Sternennacht | Wirbelnde Linien lassen den Himmel lebendig erscheinen. | Ist die Bewegung tatsächlich ähnlich wie bei der Welle oder nur oberflächlich vergleichbar? |
| Composition VIII | Diagonalen, Kreise und Linien schaffen visuelle Spannung. | Wie kann abstrakte Bewegung beschrieben werden, ohne Dinge hineinzuerfinden? |
| KI-generierte Galaxie im Schwimmbecken | Licht, Spiegelung und kosmische Formen erzeugen Dynamik. | Ergänzt das KI-Bild die Gruppe oder stört es die kunsthistorische Vergleichbarkeit? |
Mögliche Stärke: Die Gruppe verbindet gegenständliche und abstrakte Bildwelten über sichtbare Gestaltungsmittel.
Mögliche Schwäche: Die KI-Begründung muss genau am Bild überprüft werden. Ein schönes Schlagwort wie „Energie“ reicht nicht.
KI-Vorschlag C: „Original, Variation, Zukunft“
| Werk | KI-Begründung | Deine erste Prüffrage |
|---|---|---|
| Mona Lisa | Das historische Werk dient als Bezugspunkt. | Welche Informationen zum Original müssen sicher sein? |
| KI-Variation der Mona Lisa | Die Variation zeigt, wie ein bekanntes Motiv durch generative KI verändert werden kann. | Wird klar gekennzeichnet, dass es nicht das Original ist? |
| KI-generierte futuristische Stadt | Das Bild eröffnet eine Vorstellung von Zukunft. | Welche Gestaltungsmittel erzeugen den Eindruck „Zukunft“? |
| Composition VIII | Abstraktion zeigt, dass Kunst schon lange nicht nur Wirklichkeit abbildet. | Ist die Verbindung zur KI-Thematik stark genug oder nur nachträglich konstruiert? |
Mögliche Stärke: Die Gruppe macht die Rolle von Bildentstehung und Deutung selbst zum Thema.
Mögliche Schwäche: Zwei KI-Bilder können die Perspektive verengen. Die Ausstellung braucht eine klare Erklärung, warum gerade diese Kombination sinnvoll ist.
KI-Auswahl prüfen: das Kriterienraster
Bewerte jeden KI-Vorschlag nicht nach Bauchgefühl allein, sondern mit überprüfbaren Kriterien. Nutze für Klasse 6 die Skala 2 = überzeugt, 1 = teilweise, 0 = noch nicht überzeugend.
| Kriterium | 2 Punkte | 1 Punkt | 0 Punkte | Leitfrage |
|---|---|---|---|---|
| Themenbezug | Jedes Werk trägt klar zur Leitidee bei. | Manche Bezüge bleiben allgemein. | Mehrere Werke passen kaum. | Warum gehört genau dieses Werk hinein? |
| Sichtbare Belege | Begründungen nennen konkrete Bildmerkmale. | Einige Aussagen sind am Bild prüfbar. | Begründungen bleiben nur Schlagworte. | Was sehe ich, das die Aussage stützt? |
| Vielfalt | Die Auswahl bietet sinnvolle Unterschiede. | Es gibt etwas Abwechslung. | Die Werke sind sehr einseitig. | Welche Zeiten, Techniken, Kulturräume und Bildarten kommen vor? |
| Zusammenhang | Die Werke ergänzen oder kontrastieren sich nachvollziehbar. | Der Zusammenhang ist teilweise klar. | Die Gruppe wirkt zufällig. | Welche Beziehung besteht zwischen den Werken? |
| Verlässlichkeit | Angaben sind überprüft und Unsicherheiten gekennzeichnet. | Einige Angaben müssen noch geprüft werden. | Ungeprüfte Behauptungen werden übernommen. | Woher wissen wir Titel, Urheber und Entstehungsart? |
| Vermittlung | Die Auswahl ist für Besucher verständlich und spannend erklärbar. | Eine Erklärung ist möglich, aber noch unklar. | Die Idee lässt sich kaum vermitteln. | Welche Frage sollen Besucher nach dem Rundgang beantworten können? |
Zusatzraster für M und E
| Zusatzkriterium | M | E |
|---|---|---|
| Gewichtung | Entscheide, welche zwei Kriterien besonders wichtig sind. | Begründe, warum manche Kriterien stärker zählen als andere. |
| Bias-Prüfung | Suche nach auffälligen Wiederholungen oder Lücken. | Erkläre, wie Bekanntheit, verfügbare Daten oder vorgegebene Werklisten die Auswahl beeinflussen können. |
| Fehlende Perspektive | Ergänze ein Werk aus dem vorhandenen Pool. | Formuliere, welche Perspektive außerhalb des Pools zusätzlich recherchiert werden müsste. |
| Gegenargument | Nenne einen Einwand gegen die KI-Auswahl. | Antworte auf den stärksten Einwand und überarbeite daraufhin Deine Entscheidung. |
Was bedeutet Bias bei einer KI-Auswahl?
Algorithmischer Bias bezeichnet systematische Verzerrungen in algorithmischen Ergebnissen. Für eine Schulausstellung bedeutet das nicht automatisch, dass eine KI „absichtlich unfair“ handelt. Eine Auswahl kann einseitig werden, weil schon der Auftrag, die Daten, die bekannte Kunstgeschichte oder die verfügbare Werkliste einseitig sind.
Ein einfaches Beispiel: Wenn der Medienpool fast nur weltberühmte europäische Gemälde enthält, kann auch eine scheinbar überzeugende KI-Auswahl diese Einseitigkeit fortsetzen. Darum prüfst Du nicht nur Was hat die KI ausgewählt?, sondern auch Welche Möglichkeiten hatte sie überhaupt? und Was fehlt?
Fünf Warnsignale für eine ungeprüfte KI-Kuration
- Nur Berühmtheit: Die Auswahl besteht fast nur aus sehr bekannten Werken, ohne dass deren Rolle für die Leitidee erklärt wird.
- Schlagwort-Begründungen: Wörter wie „dynamisch“, „modern“ oder „emotional“ werden benutzt, ohne sichtbare Merkmale zu nennen.
- Erfundene Sicherheit: Unsichere Angaben werden wie sichere Fakten formuliert.
- Zu wenig Vielfalt: Technik, Zeit, Herkunft oder Perspektive wiederholen sich, obwohl Alternativen vorhanden wären.
- Keine Auslassungsbegründung: Die KI erklärt nicht, warum andere Werke nicht gewählt wurden.
Von der KI-Auswahl zur eigenen kuratorischen Entscheidung
Eine gute eigene Entscheidung muss nicht völlig anders sein als der KI-Vorschlag. Entscheidend ist, dass Du selbst prüfst, veränderst und begründest.
Schritt 1: Lege Deine Leitfrage fest
Beispiele:
- „Wie zeigen Künstler Bewegung, obwohl ein Bild stillsteht?“
- „Wie verändert sich das Menschenbild zwischen Porträt, Büste und Skulptur?“
- „Was unterscheidet ein historisches Original von einer KI-Variation?“
- „Wie entstehen Bildwelten zwischen Beobachtung, Fantasie und Abstraktion?“
Schritt 2: Wähle vier bis sechs Werke
Wähle nur Werke, die Du mit sichtbaren Merkmalen und einer nachvollziehbaren Funktion in der Ausstellung begründen kannst. Ein Werk darf auch bewusst als Kontrast dienen. Schreibe dann ausdrücklich, worin der Kontrast besteht.
Schritt 3: Begründe die Reihenfolge
Überlege, was Besucher zuerst sehen und welche Frage dadurch entsteht. Danach kann ein ähnliches Werk folgen, ein Gegenbeispiel oder eine überraschende Veränderung. So entsteht eine kleine Dramaturgie der Ausstellung.
Schritt 4: Formuliere Wandtexte
Ein Wandtext für Klasse 6 sollte kurz, verständlich und überprüfbar sein. Er kann enthalten:
- Titel bzw. Bezeichnung des Werkes
- Urheber oder zugeschriebene Urheberschaft
- Entstehungszeit bzw. Kennzeichnung „KI-generiert“
- eine Beobachtungsfrage
- einen Satz zur Rolle des Werkes in Deiner Ausstellung
Schritt 5: Prüfe Deine Entscheidung gegen die KI
Vergleiche:
| Frage | KI-Vorschlag | Meine Entscheidung |
|---|---|---|
| Welche Leitidee ist klarer? | ||
| Welche Begründungen sind besser am Bild nachweisbar? | ||
| Welche Auswahl ist vielfältiger? | ||
| Wo wurden Angaben überprüft? | ||
| Welche Auslassung ist bewusst begründet? | ||
| Welche Ausstellung würde ich einem Publikum zeigen? |
Satzstarter für die Begründung
G:
- „Ich wähle das Werk ..., weil man ... erkennen kann.“
- „Das Werk passt zur Leitidee ..., weil ...“
- „Ich tausche ... gegen ... aus, weil ...“
M:
- „Im Vergleich zu ... zeigt ... stärker ..., erkennbar an ...“
- „Der KI-Vorschlag überzeugt beim Kriterium ..., aber noch nicht bei ...“
- „Für meine Reihenfolge ist ... zuerst sinnvoll, weil ...“
E:
- „Die KI-Auswahl könnte durch ... verzerrt sein, weil ...“
- „Ich gewichte das Kriterium ... stärker als ..., da ...“
- „Ein möglicher Einwand gegen meine Auswahl lautet ...; ich antworte darauf mit ...“
Mini-Fall: Prüfe eine problematische KI-Antwort
Eine fiktive KI sagt: „Die beste Ausstellung besteht aus Mona Lisa, Mädchen mit dem Perlenohrring, David und Nofretete, weil dies die vier wichtigsten Kunstwerke der Welt sind.“
Prüfe diese Aussage. Das Wort „wichtigsten“ wird nicht erklärt. Die vier Werke unterscheiden sich zwar stark, aber es fehlen transparente Kriterien dafür, warum genau sie „die wichtigsten“ sein sollen. Eine gute Überarbeitung könnte die Behauptung ersetzen durch eine begrenzte, prüfbare Leitidee wie „Vier unterschiedliche Formen des Menschenbildes“ und jedes Werk über sichtbare Merkmale sowie gesicherte Basisangaben begründen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist die wichtigste Aufgabe bei der Prüfung eines KI-Kurationsvorschlags? (Den Vorschlag mit nachvollziehbaren Kriterien und Quellen prüfen) (!Den Vorschlag unverändert übernehmen) (!Nur das bekannteste Werk auswählen) (!Nur nach Lieblingsfarben entscheiden)
Was ist eine Leitidee in einer Ausstellung? (Ein gemeinsamer gedanklicher Zusammenhang der ausgewählten Werke) (!Die Preisliste des Museums) (!Die Reihenfolge der Künstlernamen im Alphabet) (!Die Größe des Ausstellungsraums)
Welche Begründung ist am besten überprüfbar? (Die geschwungenen Linien der Welle erzeugen sichtbar Bewegung) (!Das Bild ist einfach das beste) (!Die KI findet dieses Werk besonders modern) (!Alle Menschen mögen dieses Bild)
Was bedeutet Bias bei einer KI-Auswahl am ehesten? (Eine systematische Verzerrung oder Einseitigkeit der Ergebnisse) (!Eine besonders schöne Bildfarbe) (!Eine zufällige Museumsbeleuchtung) (!Eine sichere historische Jahreszahl)
Warum kann ein berühmtes Werk trotzdem aus einer Ausstellung ausgeschlossen werden? (Weil es möglicherweise nicht gut zur Leitidee und zu den Kriterien passt) (!Weil berühmte Werke grundsätzlich verboten sind) (!Weil eine KI nie berühmte Werke nennen darf) (!Weil Ausstellungen nur neue Werke zeigen)
Was sollte bei einem KI-generierten Bild deutlich gekennzeichnet werden? (Dass und wie es als KI-generiertes Bild entstanden ist) (!Dass es automatisch ein historisches Original ist) (!Dass es keine Quelle benötigt) (!Dass es immer von einem Maler gemalt wurde)
Welches Kriterium prüft, ob konkrete Bildmerkmale die Begründung stützen? (Sichtbare Belege) (!Eintrittspreis) (!Raumtemperatur) (!Alphabetische Ordnung)
Was ist ein sinnvoller Kontrast in einer Ausstellung? (Ein bewusst gewählter Unterschied, der die Leitidee deutlicher macht) (!Ein Fehler in der Beschriftung) (!Eine zufällige Lücke an der Wand) (!Ein Werk ohne jeden Bezug zum Thema)
Welche Frage hilft bei der Prüfung von Vielfalt? (Welche Zeiten, Techniken und Perspektiven sind vertreten oder fehlen) (!Welches Werk hat den kürzesten Titel) (!Welcher Dateiname ist alphabetisch zuerst) (!Welche Wand ist am nächsten zur Tür)
Wann wird aus einem KI-Vorschlag eine eigene kuratorische Entscheidung? (Wenn Du prüfst, auswählst, veränderst und Deine Entscheidung begründest) (!Wenn Du den KI-Text kopierst) (!Wenn Du nur die Reihenfolge zufällig änderst) (!Wenn Du keine Kriterien nennst)
Memory
| Kurator | plant und begründet eine Ausstellung |
| Leitidee | verbindet ausgewählte Werke gedanklich |
| Kriterium | dient als nachvollziehbarer Prüfmaßstab |
| Provenienz | bezeichnet die Herkunft eines Werkes |
| Bias | beschreibt eine systematische Verzerrung |
| Kontrast | setzt einen bewussten Unterschied |
| Werkgruppe | fasst passende Exponate zusammen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Themenbezug | Passt das Werk zur Leitidee? |
| Bildbeleg | Welche sichtbare Form, Farbe, Linie oder Figur stützt die Aussage? |
| Vielfalt | Welche unterschiedlichen Zeiten, Techniken oder Perspektiven sind vertreten? |
| Verlässlichkeit | Sind Titel, Urheber, Entstehungsart und Quellen geprüft? |
| Vermittlung | Können Besucher den Zusammenhang verstehen und weiterdenken? |
Kreuzworträtsel
| Kurator | Wer plant und begründet die Auswahl einer Ausstellung? |
| Auswahl | Wie heißt die Entscheidung darüber, welche Werke gezeigt werden? |
| Leitidee | Welches Wort bezeichnet den gemeinsamen Gedanken einer Ausstellung? |
| Provenienz | Wie heißt die nachvollziehbare Herkunftsgeschichte eines Kunstwerks? |
| Vielfalt | Welches Kriterium fragt nach unterschiedlichen Perspektiven und Werkarten? |
| Begründung | Was erklärt nachvollziehbar, warum ein Werk ausgewählt wurde? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht – G
- Bildvergleich: Wähle zwei Werke aus dem Medienpool und notiere drei sichtbare Gemeinsamkeiten oder Unterschiede.
- Leitidee: Erfinde für drei Werke einen Ausstellungstitel und begründe ihn in zwei Sätzen.
- Kriterienraster: Bewerte KI-Vorschlag A mit den Kriterien Themenbezug, sichtbare Belege und Vielfalt.
- Wandtext: Schreibe für ein Werk einen kurzen Wandtext mit einer Beobachtungsfrage für Besucher.
Standard – M
- Werkgruppe: Ersetze in KI-Vorschlag B ein Werk durch ein anderes aus dem Medienpool und begründe, warum die Gruppe dadurch stärker wird.
- Ausstellungsdramaturgie: Lege eine Reihenfolge für vier Werke fest und erkläre, welche Gedanken beim Rundgang entstehen sollen.
- Quellenkritik: Wähle ein Werk und überprüfe Titel, Urheber, Entstehungszeit sowie Bildquelle auf einer verlässlichen Seite.
- KI-Vergleich: Lass eine KI zwei unterschiedliche Werkgruppen aus derselben Liste vorschlagen und vergleiche, welche Kriterien sie sichtbar verwendet.
Schwer – E
- Algorithmic Bias: Untersuche, welche Perspektiven im vorgegebenen Medienpool überrepräsentiert oder unterrepräsentiert sein könnten, und schlage eine gezielte Ergänzung vor.
- Kuratorisches Konzept: Entwickle eine eigene Ausstellung mit fünf Werken, Leitfrage, Reihenfolge und kurzer Begründung für jedes Werk.
- Gegenargument: Formuliere das stärkste Gegenargument gegen Deine eigene Auswahl und überarbeite anschließend mindestens eine Entscheidung.
- Ausstellungsvideo: Produziere ein ein- bis zweiminütiges Erklärvideo, in dem Du Deine kuratorische Entscheidung vorstellst und einen KI-Vorschlag kritisch vergleichst.


Lernkontrolle
- Transfer: Neue Werkgruppe: Du erhältst ein zusätzliches, unbekanntes Kunstwerk. Entscheide, zu welcher der drei Werkgruppen es am ehesten passt oder ob eine neue Gruppe nötig ist. Begründe ausschließlich mit sichtbaren Merkmalen und der Leitidee.
- Transfer: KI widersprechen: Eine KI behauptet, ein Werk passe „perfekt“ zur Ausstellung. Entwickle mindestens drei Prüffragen, mit denen Du diese Aussage untersuchst.
- Transfer: Kriterienkonflikt: Ein Werk passt hervorragend zum Thema, macht die Ausstellung aber weniger vielfältig. Entscheide, ob es gezeigt werden soll, und begründe Deine Gewichtung der Kriterien.
- Transfer: Besucherperspektive: Entwirf eine Änderung an Reihenfolge oder Wandtext, damit jüngere Besucher den Zusammenhang besser verstehen. Erkläre, warum Deine Änderung wirkt.
- Transfer: Fehlende Perspektive: Analysiere eine Werkgruppe auf mögliche Lücken. Beschreibe, welche Art von Werk Du ergänzen würdest, ohne einfach nur „noch ein berühmtes Werk“ zu wählen.
- Transfer: Mensch und KI: Formuliere eine Regel dafür, welche Aufgaben eine KI bei der Ausstellungsvorbereitung übernehmen darf und welche Entscheidung beim Menschen bleiben sollte. Begründe die Grenze.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du formulierst eine klare Leitidee für eine kleine Ausstellung.
- Du wählst vier bis sechs Werke nachvollziehbar aus.
- Du begründest jedes Werk mit mindestens einem sichtbaren Merkmal.
- Du nutzt ein Kriterienraster und dokumentierst Deine Bewertung.
- Du prüfst mindestens einen KI-Vorschlag kritisch und veränderst ihn begründet.
- Du kennzeichnest KI-generierte Bilder und überprüfst wichtige Sachangaben.
- Du benennst mindestens eine mögliche Einseitigkeit oder Lücke in der Auswahl.
- Du erklärst die Reihenfolge Deiner Werke als bewusste Ausstellungsdramaturgie.
- Du formulierst kurze, verständliche Wandtexte oder Audiotexte.
- Du vergleichst abschließend die KI-Auswahl mit Deiner eigenen kuratorischen Entscheidung und begründest, welche Lösung Du vertreten kannst.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
Zusammenfassung
Ein KI-Kurator kann Ideen liefern, Werkgruppen vorschlagen und Begründungen formulieren. Das macht ihn zu einem nützlichen Werkzeug, aber nicht automatisch zu einer verlässlichen Entscheidungsinstanz. Gute Kuration braucht eine überprüfbare Leitidee, sichtbare Belege, Quellenprüfung, bewusste Vielfalt und eine begründete Auswahl. Besonders wichtig ist, dass Du auch fragst, was fehlt, welche Annahmen hinter dem Vorschlag stehen und welche Entscheidung Du selbst vertreten kannst.
Die Kernformel dieses aiMOOCs lautet deshalb: KI vorschlagen lassen – Kriterien anwenden – Fehler und Lücken suchen – Auswahl verbessern – eigene Entscheidung begründen.
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