BK5 - Kunstwerke im Original und digital erleben

BK5 - Kunstwerke im Original und digital erleben
BK5 - Kunstwerke im Original und digital erleben
Einleitung
Wie groß ist die Mona Lisa wirklich? Sie wirkt auf vielen Bildschirmen fast so groß wie jedes andere Bild – im Original misst sie aber nur etwa 77 × 53 cm. Michelangelos David dagegen ist mit seinem Sockel 517 cm hoch. Und Vincent van Goghs Sternennacht besitzt eine Oberfläche aus sichtbaren, teilweise kräftig aufgetragenen Pinselstrichen, die auf einem flachen Bildschirm ganz anders wirkt als vor dem echten Gemälde.
In diesem aiMOOC untersuchst Du, was sich verändert, wenn Du ein Kunstwerk im Museum, als Fotografie oder auf einem Bildschirm betrachtest. Du lernst, besonders auf Größe, Material, Oberfläche, Raum, Standort und Präsentation zu achten. Dabei arbeitest Du wie eine Kunstforscherin oder ein Kunstforscher: Du beobachtest genau, vergleichst verschiedene Darstellungen, misst nach, bewegst Dich virtuell durch Museumsräume und begründest Deine eigene Wahrnehmung.

Ein Museum ist nicht nur ein Gebäude, in dem Bilder hängen. Die Größe eines Raumes, die Farbe der Wände, die Beleuchtung, der Abstand zu einem Werk, ein Rahmen, ein Sockel, eine Schutzverglasung und sogar andere Besucherinnen und Besucher beeinflussen, wie Du ein Kunstwerk wahrnimmst.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Original und Reproduktion unterscheiden und erklären, welche Informationen bei einer Wiedergabe verloren gehen oder neu hinzukommen.
- die tatsächliche Größe, das Material und die Oberfläche eines Kunstwerks untersuchen.
- beschreiben, wie Raum, Standort und Präsentation die Wirkung eines Kunstwerks verändern.
- ein Kunstwerk im Museum, auf einem Foto und auf einem Bildschirm vergleichen.
- digitale Möglichkeiten wie Zoom, 360°-Ansicht, virtuelle Rundgänge und vergrößerte Detailansichten sinnvoll nutzen.
- begründen, warum ein digitales Bild sehr hilfreich sein kann, das Original aber nicht vollständig ersetzt.
- eigene Museumsaufgaben bearbeiten und Ergebnisse auf dem Niveau G, M oder E präsentieren.
Differenzierung G, M und E
| Niveau | Was Du vor allem tust | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| G – Grundlegendes Niveau | erkennen, benennen, messen, zuordnen und mit einfachen Sätzen beschreiben | „Das Werk ist aus Marmor. Es ist höher als ein Mensch.“ |
| M – Mittleres Niveau | vergleichen, Unterschiede erklären und Beobachtungen mit Fachbegriffen begründen | „Auf dem Foto fehlt der körperlich erfahrbare Größenunterschied, weil der Maßstab nicht eindeutig erkennbar ist.“ |
| E – Erweitertes Niveau | bewerten, Wirkungen untersuchen, Präsentationen hinterfragen und eigene Lösungen entwickeln | „Die digitale Vergrößerung zeigt Oberflächendetails besser, erzeugt aber einen Maßstab, den das Original nicht besitzt.“ |
Du kannst bei vielen Aufgaben auf einem passenden Niveau beginnen und danach auf ein höheres Niveau wechseln.
Original, Foto und Bildschirm
Ein Original ist das tatsächlich vorhandene Kunstwerk. Bei einem Gemälde gehören dazu zum Beispiel der Bildträger, die Farbschichten, der Rahmen, Alterungsspuren und die reale Größe. Bei einer Skulptur gehören auch Volumen, Gewicht, Material, Rundumansicht und der Standort dazu.
Eine Fotografie zeigt dagegen nur eine ausgewählte Ansicht. Die Fotografin oder der Fotograf entscheidet über Blickwinkel, Abstand, Ausschnitt, Belichtung und Zeitpunkt. Farben können sich verändern. Ein Foto kann ein Kunstwerk dokumentieren, aber es ist nicht das Kunstwerk selbst.
Eine Bildschirmdarstellung fügt weitere Veränderungen hinzu. Ein kleines Tablet, ein großes Display und ein Smartphone zeigen dasselbe Werk in unterschiedlichen Größen. Bildschirmhelligkeit, Farbeinstellungen, Auflösung und Zoom beeinflussen, was Du wahrnimmst.
| Merkmal | Original | Foto | Bildschirmdarstellung |
|---|---|---|---|
| Größe | tatsächliche Größe körperlich erfahrbar | Maßstab oft unklar | Darstellung kann beliebig vergrößert oder verkleinert werden |
| Material | direkt als Holz, Leinwand, Marmor, Metall oder anderes Material vorhanden | Material nur abgebildet | Material nur als Lichtpunkte und Bildinformation sichtbar |
| Oberfläche | Erhebungen, Glanz, Mattheit und Alterung können aus wechselnden Blickwinkeln wirken | eine feste Ansicht | Zoom kann Details vergrößern, ersetzt aber nicht die stoffliche Oberfläche |
| Raum | Du stehst tatsächlich vor dem Werk | Raum kann gezeigt, weggelassen oder angeschnitten sein | Raum kann als Foto, Video, 360°-Ansicht oder virtueller Rundgang simuliert werden |
| Standort | tatsächlicher Ort des Werkes | kann dokumentiert oder verborgen werden | kann durch Texte, Karten und virtuelle Rundgänge ergänzt werden |
| Präsentation | Rahmen, Sockel, Licht, Abstand, Wandfarbe und Nachbarwerke wirken direkt mit | nur das fotografierte Arrangement ist sichtbar | Darstellung kann zusätzlich durch Interface, Zoom, Vollbild und Bildschirmformat verändert werden |
Denkexperiment: Ein Kunstwerk passt immer auf den Bildschirm?
Stell Dir vor, auf Deinem Bildschirm erscheinen nacheinander eine Briefmarke, die Mona Lisa und Michelangelos David. Alle drei können auf dem Bildschirm fast gleich groß dargestellt werden. Daraus folgt: Die Größe einer Bildschirmabbildung ist nicht automatisch die Größe des Originals.
Ein guter Größenvergleich braucht deshalb einen Maßstab. Menschen, Türen, Bodenplatten, Meterangaben oder bekannte Gegenstände können Dir helfen.
Forschungsfrage 1: Wie groß ist das Kunstwerk wirklich?

Leonardo da Vincis Mona Lisa entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Bild ist etwa 77 cm hoch und 53 cm breit und wurde mit Ölfarbe auf eine Pappelholztafel gemalt. Im Louvre in Paris wird es so präsentiert, dass Besucherinnen und Besucher Abstand halten müssen. Auf vielen Reproduktionen fehlt dieser räumliche Zusammenhang.

Das zweite Bild zeigt nicht nur die Mona Lisa, sondern auch Menschen im Raum. Plötzlich lässt sich die reale Größe besser einschätzen. Gleichzeitig erkennst Du, dass das Erlebnis des Originals auch von Entfernung, Menschenmenge und Präsentation geprägt wird.
Originalgrößen-Experiment im Klassenraum
Nimm Maßband, Kreppband oder Schnur.
- Klebe ein Rechteck von ungefähr 77 × 53 cm an die Wand. So groß ist die Mona Lisa ungefähr.
- Markiere daneben ein Rechteck von 73,7 × 92,1 cm. Das entspricht ungefähr van Goghs Sternennacht.
- Markiere anschließend an einer hohen Wand oder mit einer langen Schnur 517 cm. So hoch ist Michelangelos David mit seinem Sockel.
- Stelle Dich in zwei bis drei Metern Abstand davor.
- Fotografiere die Markierungen aus demselben Abstand und vergleiche das Foto mit Deinem Eindruck im Raum.
G: Nenne, welches Werk am kleinsten und welches am größten ist.
M: Erkläre, warum die Größenunterschiede auf drei einzelnen Bildschirmfotos leicht verschwinden können.
E: Entwickle eine Bildidee, mit der die drei Originalgrößen auf einem einzigen Foto fair vergleichbar werden.
Forschungsfrage 2: Aus welchem Material besteht das Kunstwerk?
Material ist nicht nur „das, woraus etwas gemacht ist“. Es beeinflusst Farbe, Gewicht, Alterung, Oberfläche und die Möglichkeiten der Gestaltung.
Beispiele:
- Mona Lisa: Ölfarbe auf Pappelholz.
- Sternennacht: Ölfarbe auf Leinwand.
- David: weißer Marmor.

Michelangelos David wurde zwischen 1501 und 1504 aus weißem Marmor geschaffen. Die Skulptur ist 517 cm hoch. Im Museumsraum kannst Du sie nicht nur von vorne sehen, sondern ihren Körper als räumliches Volumen erleben.
Bei einer zweidimensionalen Bildschirmabbildung wird aus dem dreidimensionalen Marmorobjekt wieder ein flaches Bild. Eine 360°-Ansicht kann mehrere Blickrichtungen zeigen, doch der echte Stein, sein Gewicht, seine Temperatur und seine räumliche Präsenz bleiben körperlich nicht erfahrbar.
Material-Detektiv
Untersuche eine Abbildung eines Kunstwerks.
G: Wähle aus: Holz, Leinwand, Stein, Metall, Papier oder unbekannt. Begründe Deine Vermutung mit einem sichtbaren Hinweis.
M: Beschreibe zwei Eigenschaften, die das Material für die Gestaltung ermöglicht.
E: Erkläre, welche Materialeigenschaften auf einem Bildschirm besonders leicht missverstanden werden können.
Forschungsfrage 3: Wie sieht die Oberfläche aus?
Bei einem Gemälde kann die Oberfläche glatt, rau, matt, glänzend, dünn bemalt oder stark reliefartig sein. Der Fachbegriff für deutlich sichtbare, dickere Farbschichten lautet häufig Impasto.

Vincent van Goghs Sternennacht entstand 1889. Das Gemälde ist 73,7 × 92,1 cm groß und wurde mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt.

Eine Detailaufnahme macht Pinselspuren und Farbrichtungen deutlicher sichtbar. Digitale Vergrößerungen sind hier besonders nützlich: Du kannst Details untersuchen, die im Museum wegen Sicherheitsabstand oder Besucherandrang schwer zu sehen wären. Trotzdem entsteht beim Zoomen eine neue Bildschirmgröße. Ein Pinselstrich kann plötzlich so groß wie Deine Hand erscheinen, obwohl er im Original viel kleiner ist.
Das Video des Museum of Modern Art zeigt die Sternennacht als Museumswerk und hilft dabei, Bildwirkung und Werkdaten miteinander zu verbinden.
Zoom-Labor
Öffne die digitale hochauflösende Ansicht der Sternennacht:
Sternennacht bei Google Arts & Culture
G: Suche drei unterschiedliche Arten von Pinselstrichen.
M: Vergleiche einen stark vergrößerten Ausschnitt mit der Gesamtansicht. Was erkennst Du im Detail besser, was verlierst Du dabei aus dem Blick?
E: Beurteile die Aussage: „Mit starkem Zoom sehe ich das Kunstwerk besser als im Museum.“ Formuliere mindestens ein Argument dafür und eines dagegen.
Forschungsfrage 4: Wie verändert der Raum die Wirkung?
Ein Kunstwerk steht nie einfach „nirgendwo“. Selbst eine weiße Museumswand ist eine bewusste Umgebung. Die Raumhöhe, Beleuchtung, Wandfarbe, Geräusche, Laufwege und die Nähe anderer Werke beeinflussen Deine Aufmerksamkeit.

Die Darstellung der Großen Galerie des Louvre aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine historische Form der Kunstpräsentation. Viele Werke hängen relativ dicht beieinander. Vergleiche das mit heutigen Museumsräumen, in denen häufig größere Abstände zwischen einzelnen Werken eingesetzt werden.

G: Nenne drei Dinge im Raum, die nicht zum Kunstwerk selbst gehören.
M: Erkläre, wie Licht und Abstand Deine Aufmerksamkeit lenken können.
E: Entwirf zwei völlig unterschiedliche Räume für dasselbe Kunstwerk und erkläre, wie sich dadurch seine Wirkung verändern würde.
Forschungsfrage 5: Was bedeuten Standort und Präsentation?
Der Standort ist der Ort, an dem sich ein Werk befindet. Die Präsentation beschreibt, wie es dort gezeigt wird.
Zur Präsentation können gehören:
- Rahmen oder Sockel
- Wandfarbe und Raumhöhe
- Beleuchtung
- Schutzglas oder Absperrungen
- Entfernung zum Publikum
- Beschriftung und Audioguide
- Nachbarwerke
- Blickrichtung und Weg durch den Raum

Bei der Mona Lisa ist der Abstand des Publikums Teil der heutigen Erfahrung. Viele Menschen versuchen gleichzeitig, das kleine Bild zu sehen oder zu fotografieren.

Hier wird zusätzlich sichtbar, wie das Smartphone zwischen Mensch und Original tritt. Die Kamera kann helfen, eine Erinnerung festzuhalten. Gleichzeitig kann sie dazu führen, dass jemand stärker auf den Bildschirm als auf das Original schaut.
Blickwechsel: Erst schauen, dann fotografieren
Wenn Fotografieren im Museum erlaubt ist, probiere folgende Reihenfolge:
- Betrachte das Werk zunächst 30 Sekunden ohne Kamera.
- Nenne drei Einzelheiten, die Dir auffallen.
- Betrachte anschließend eine Fotografie des Werkes.
- Vergleiche, was Du im Original und was Du auf dem Foto bemerkst.
- Beachte immer die Museumsregeln. Blitzlicht, Berühren oder Fotografieren können je nach Museum eingeschränkt oder verboten sein.
Forschungsfrage 6: Was kann ein Bildschirm besonders gut – und was nicht?
Digitale Kunstvermittlung kann Dinge ermöglichen, die im Museum schwer oder gar nicht möglich sind.
Digitale Stärken sind zum Beispiel:
- sehr starke Vergrößerung
- Vergleich mehrerer Kunstwerke nebeneinander
- Zugriff von überall
- 360°-Rundgänge
- Untertitel, Audiobeschreibungen und Zusatzinformationen
- Verknüpfungen zu Künstlerinnen, Künstlern, Orten und Zeiten
- digitale Rekonstruktionen und 3D-Modelle
Grenzen digitaler Darstellungen sind zum Beispiel:
- reale Größe wird leicht verändert
- Gewicht und Material sind nicht körperlich erfahrbar
- Oberfläche wird auf eine leuchtende Fläche übertragen
- Bildschirmfarben können vom Original abweichen
- Museumsraum, Geräusche und Mitmenschen werden nur teilweise wiedergegeben
- der eigene Körper bewegt sich nicht auf dieselbe Weise um das Original
Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Digital und original sind nicht Gegner. Sie können sich sinnvoll ergänzen.
Virtuelle Museumsräume und 360°-Ansichten
360°-Erkundung: Louvre Abu Dhabi
Bei einem 360°-Video kannst Du die Blickrichtung selbst verändern. Dadurch wird der Raum stärker erfahrbar als in einem gewöhnlichen Foto. Achte trotzdem darauf: Du fühlst weder echte Entfernung noch Raumtemperatur und bewegst Dich nicht tatsächlich zwischen den Objekten.
Museumsauftrag:
G: Drehe die Ansicht in mindestens drei Richtungen und nenne, was sich jeweils im Raum befindet.
M: Suche eine Stelle, an der Architektur und Kunstwerk zusammenwirken. Beschreibe diesen Zusammenhang.
E: Beurteile, wie überzeugend das 360°-Video räumliche Größe vermittelt. Welche Hinweise helfen, welche fehlen?
Virtueller Rundgang: Van Gogh Museum
Ein gefilmter Rundgang durch Museumsräume zeigt Dir Reihenfolge, Wandabstände und Präsentation. Anders als bei einem interaktiven 360°-Rundgang bestimmt hier jedoch die Kameraführung weitgehend, wohin Du blickst.
G: Finde drei verschiedene Präsentationsformen.
M: Beobachte, wie die Kamera durch den Raum geführt wird. Welche Werke erscheinen besonders wichtig?
E: Entwickle eine alternative Kameraführung, bei der Du stärker auf Größenverhältnisse und Oberflächen aufmerksam machen würdest.
Interaktiver Rundgang: Louvre
Der Louvre bietet virtuelle Rundgänge durch Museumsräume und Ausstellungen an:
Virtuelle Rundgänge des Louvre
Auftrag: Wähle einen Raum und suche drei Hinweise darauf, wie Besucherinnen und Besucher gelenkt werden. Achte auf Türen, Wege, Blickachsen, Licht und die Stellung der Objekte.
Interaktiver Rundgang: Rijksmuseum
Das Rijksmuseum ist bei Google Arts & Culture mit virtuellen Museumsansichten vertreten:
Rijksmuseum bei Google Arts & Culture
G: Suche einen Raum mit mehreren Kunstwerken und beschreibe seine Grundform.
M: Wähle zwei Werke im selben Raum und vergleiche ihre Präsentation.
E: Entscheide, welches Werk aus Deiner Sicht durch seinen Standort am stärksten hervorgehoben wird. Begründe mit mindestens drei räumlichen Beobachtungen.
Originalgröße digital ausprobieren
Google Arts & Culture bietet für manche Werke einen Art Projector. Dabei wird versucht, das Werk in seiner tatsächlichen Größe in einen realen Raum einzublenden.
Art Projector zur Sternennacht
G: Vergleiche die eingeblendete Größe mit einem Tisch, einer Tür oder einer Person.
M: Erkläre, warum diese Darstellung beim Einschätzen der Originalgröße hilfreicher sein kann als ein normales Vollbild.
E: Beurteile, welche Größeninformation trotzdem unsicher bleiben kann, wenn Kamera, Entfernung oder Displaygröße nicht richtig erfasst werden.
Drei Fallstudien
Fallstudie A: Mona Lisa – klein, berühmt, stark geschützt
Werk: Leonardo da Vinci, Mona Lisa, um 1503–1519.
Größe: ungefähr 77 × 53 cm.
Material: Ölfarbe auf Pappelholz.
Standort: Musée du Louvre, Paris.
Wichtige Beobachtung: Im Internet erscheint die Mona Lisa oft bildschirmfüllend. Im Louvre wirkt sie im Verhältnis zum großen Raum und zur Besuchermenge deutlich kleiner. Die Präsentation mit Abstand und Schutz beeinflusst die Begegnung.
G: Beschreibe die Form und ungefähre Größe.
M: Vergleiche Werkabbildung und Museumsfoto.
E: Bewerte, ob die berühmte digitale Bildpräsenz falsche Erwartungen an die Größe des Originals erzeugen kann.
Fallstudie B: Sternennacht – Bildschirmzoom und echte Maloberfläche
Werk: Vincent van Gogh, The Starry Night / Sternennacht, 1889.
Größe: 73,7 × 92,1 cm.
Material: Ölfarbe auf Leinwand.
Standort: Museum of Modern Art, New York.
Das MoMA stellt auch digitale Vertiefungen bereit, darunter Detailansichten und eine 3D-orientierte Untersuchung der Oberfläche.
MoMA Virtual Views: Van Gogh’s Starry Night
G: Finde zwei Stellen, an denen Pinselrichtungen besonders deutlich sind.
M: Erkläre, warum schräges Licht oder eine 3D-Ansicht mehr über die Oberfläche zeigen kann als eine flache Reproduktion.
E: Diskutiere, ob eine digitale 3D-Erfassung eher eine Reproduktion, ein Messinstrument oder ein eigenes digitales Objekt ist.
Fallstudie C: David – ein Körper im Raum
Werk: Michelangelo, David, 1501–1504.
Größe: 517 cm Höhe mit Sockel.
Material: weißer Marmor.
Standort: Galleria dell’Accademia, Florenz.

Eine Skulptur besitzt Vorderseite, Rückseite und Seitenansichten. Du kannst um sie herumgehen und erlebst, wie sich Proportionen verändern. Eine einzelne Fotografie friert dagegen nur einen Blickpunkt ein.
G: Beschreibe zwei Größenhinweise im Museumsfoto.
M: Erkläre, warum eine Frontalaufnahme den David anders wirken lässt als ein Rundgang.
E: Plane eine digitale Darstellung aus mindestens vier Blickpunkten, mit der die räumliche Wirkung möglichst gut vermittelt wird.
Museumswerkstatt: Sechs Beobachtungsstationen
Arbeite allein, zu zweit oder in einer Gruppe. Wähle ein Original im Museum oder ein Kunstwerk aus einem virtuellen Rundgang.
| Station | Leitfrage | Beobachtung |
|---|---|---|
| Größe | Wie groß ist das Werk wirklich? | Maße suchen, Größenvergleich mit Mensch, Tür oder Raum herstellen |
| Material | Woraus besteht das Werk? | Holz, Leinwand, Stein, Metall, Papier oder anderes Material bestimmen |
| Oberfläche | Wie wirkt die Oberfläche? | glatt, rau, matt, glänzend, reliefartig oder mit sichtbaren Spuren beschreiben |
| Raum | Wie beeinflusst der Raum das Werk? | Licht, Wand, Boden, Decke, Abstand und Nachbarwerke untersuchen |
| Standort | Warum könnte das Werk genau hier stehen oder hängen? | Blickrichtung, Weg, Eingang, Zentrum oder Randlage beachten |
| Präsentation | Wie wird Aufmerksamkeit erzeugt? | Rahmen, Sockel, Schutz, Texttafel, Beleuchtung und Abstand analysieren |
G-Auftrag: Kunst-Check
Erstelle eine Karte mit sechs Feldern: Größe, Material, Oberfläche, Raum, Standort und Präsentation. Notiere in jedem Feld mindestens eine Beobachtung.
M-Auftrag: Vergleich Original und digital
Vergleiche dasselbe Kunstwerk in zwei Formen, zum Beispiel Museum und Smartphone oder Museumsfoto und virtuelle Tour. Formuliere zu jedem der sechs Merkmale einen Unterschied oder eine Gemeinsamkeit.
E-Auftrag: Kuratorin oder Kurator
Entwickle eine neue Präsentation für dasselbe Kunstwerk. Entscheide über Wandfarbe, Beleuchtung, Abstand, Beschriftung, Nachbarwerke und Blickrichtung. Begründe jede Entscheidung mit der gewünschten Wirkung.
Fotografie als Übersetzung
Eine Fotografie ist keine neutrale Kopie. Sie übersetzt ein räumliches, materielles Objekt in ein zweidimensionales Bild.
Dabei verändern sich unter anderem:
- der Ausschnitt
- die Perspektive
- die Helligkeit
- der Kontrast
- die Farbwiedergabe
- die sichtbare Größe
- der räumliche Zusammenhang
Eine frontale Aufnahme eines Gemäldes kann besonders sachlich wirken. Eine schräge Aufnahme kann dagegen Rahmen, Tiefe und Oberflächenreflexe zeigen. Bei einer Skulptur entscheidet der Blickwinkel noch stärker darüber, welche Körperformen sichtbar sind.
Kameraexperiment
Wähle einen Gegenstand im Klassenraum, der wie ein „Kunstwerk“ behandelt wird.
G: Fotografiere ihn einmal frontal und einmal schräg.
M: Fotografiere ihn zusätzlich aus großer Nähe und aus großer Entfernung. Vergleiche die Wirkung.
E: Erstelle vier Aufnahmen, die denselben Gegenstand absichtlich völlig unterschiedlich erscheinen lassen. Erkläre danach, welche fotografischen Entscheidungen dafür verantwortlich sind.
Bildschirm als eigenes Medium
Ein Bildschirm zeigt Bilder mit Licht. Seine Darstellung hängt von Technik und Einstellungen ab. Deshalb können zwei Geräte dieselbe digitale Datei unterschiedlich zeigen.
Beobachte zum Beispiel:
- Bildschirmgröße
- Helligkeit
- Kontrast
- Farbstimmung
- Auflösung
- Betrachtungsabstand
- Hoch- oder Querformat
- Vollbild oder Ansicht mit Menüs
Versuch: Öffne dasselbe Kunstbild auf zwei unterschiedlichen Geräten. Stelle die Geräte nebeneinander und beschreibe mindestens drei Unterschiede. Verändere keine Einstellungen, wenn das Gerät nicht Dir gehört.
Museumsetikette und verantwortliches Erkunden
Damit Kunstwerke geschützt bleiben und alle Besucherinnen und Besucher gut sehen können, gelten in Museen Regeln.
- Berühre Kunstwerke nicht, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist.
- Halte Absperrungen und markierte Abstände ein.
- Beachte Foto- und Filmregeln des jeweiligen Museums.
- Verwende kein Blitzlicht, wenn es verboten ist.
- Nimm Rücksicht auf andere Menschen und blockiere Wege nicht unnötig.
- Behandle auch digitale Reproduktionen verantwortungsvoll und achte auf Urheber- und Nutzungsrechte.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt die Größe eines Kunstwerks am zuverlässigsten? (Die tatsächlichen Maße des Originals) (!Die Breite der Bildschirmansicht) (!Die Zahl der Bildpunkte im Foto) (!Die Größe des Browserfensters)
Woraus besteht Leonardo da Vincis Mona Lisa? (Ölfarbe auf einer Holztafel) (!Acrylfarbe auf Kunststoff) (!Marmor auf einem Sockel) (!Tusche auf Metall)
Was ist bei einer Skulptur im Original besonders erfahrbar? (Ihr räumliches Volumen aus verschiedenen Blickrichtungen) (!Nur eine festgelegte Vorderansicht) (!Nur die Zahl der digitalen Pixel) (!Nur der Dateiname der Abbildung)
Welche Eigenschaft kann digitaler Zoom besonders gut unterstützen? (Die Untersuchung kleiner Bilddetails) (!Das echte Gewicht eines Marmors) (!Die tatsächliche Raumtemperatur) (!Den Geruch eines Museumsraums)
Was gehört zur Präsentation eines Kunstwerks im Museum? (Beleuchtung, Abstand und Rahmen oder Sockel) (!Nur der Name der Künstlerin oder des Künstlers) (!Nur das Alter der betrachtenden Person) (!Nur die Internetverbindung des Museums)
Warum kann ein Foto die Originalgröße eines Kunstwerks schwer vermitteln? (Weil der Maßstab ohne Vergleichshinweise unklar sein kann) (!Weil jedes Foto automatisch schwarzweiß ist) (!Weil Fotografien keine Formen zeigen können) (!Weil jedes Foto genau so groß wie das Original ist)
Welche Aussage zur Oberfläche eines Gemäldes ist richtig? (Pinselspuren können im Original je nach Licht und Blickwinkel räumlich wirken) (!Eine Bildschirmoberfläche besteht aus derselben Farbe wie das Gemälde) (!Zoom vergrößert die echte Farbschicht des Originals) (!Oberflächen sind bei allen Gemälden völlig glatt)
Was ist eine Stärke eines virtuellen 360-Grad-Rundgangs? (Man kann verschiedene Blickrichtungen in einem Raum erkunden) (!Man spürt automatisch das Gewicht jeder Skulptur) (!Man berührt die Originalmaterialien) (!Man erlebt immer exakt dieselbe Körperwahrnehmung wie vor Ort)
Welcher Vergleich untersucht Original und digitale Darstellung sinnvoll? (Größe, Material, Oberfläche, Raum, Standort und Präsentation vergleichen) (!Nur zählen, wie viele Buchstaben der Werktitel hat) (!Nur prüfen, ob das WLAN schnell ist) (!Nur die Farbe des Browserrahmens beschreiben)
Welche Aussage fasst den aiMOOC am besten zusammen? (Digitale Darstellungen und Originale können sich ergänzen, sind aber nicht identisch) (!Ein Bildschirm ersetzt jedes Original vollständig) (!Nur Originale können Informationen über Kunst vermitteln) (!Fotografien verändern niemals die Wahrnehmung eines Kunstwerks)
Memory
| Original | tatsächliches Kunstwerk |
| Reproduktion | Wiedergabe eines Kunstwerks |
| Marmor | Material des David |
| Leinwand | Bildträger der Sternennacht |
| Maßstab | Hilfe zum Einschätzen der Größe |
| Sockel | erhöhte Präsentationsfläche einer Skulptur |
| Zoom | digitale Detailvergrößerung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Größe | tatsächliche Ausdehnung des Kunstwerks |
| Material | Stoff, aus dem das Werk besteht |
| Oberfläche | sichtbare und fühlbar gedachte Beschaffenheit der Außenseite |
| Raum | Umgebung, in der das Werk wahrgenommen wird |
| Standort | Ort, an dem sich das Kunstwerk befindet |
| Präsentation | Art und Weise, wie das Werk gezeigt wird |
Kreuzworträtsel
| Original | Wie heißt das tatsächlich vorhandene Kunstwerk im Gegensatz zur Wiedergabe? |
| Bildschirm | Worauf kann ein digitales Kunstbild leuchtend dargestellt werden? |
| Marmor | Aus welchem Steinmaterial besteht Michelangelos David? |
| Leinwand | Welcher Bildträger wurde für van Goghs Sternennacht verwendet? |
| Museum | An welchem Ort werden Kunstwerke gesammelt und ausgestellt? |
| Massstab | Was hilft Dir dabei, reale Größen in Abbildungen besser einzuschätzen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht – G-Niveau
- Größenvergleich: Zeichne auf Packpapier zwei Rechtecke in den Originalmaßen der Mona Lisa und der Sternennacht. Stelle Dich daneben und dokumentiere, wie sich Deine Vorstellung von den Werken verändert.
- Materialdetektiv: Suche fünf Kunstwerke aus einem Museum oder einer digitalen Sammlung und ordne jedem ein vermutetes Material zu. Prüfe anschließend die Werkangaben.
- Museumsraum: Wähle ein Bild eines Ausstellungsraums und markiere mindestens fünf Dinge, die die Wirkung eines Kunstwerks beeinflussen können.
- Blickwinkel: Fotografiere einen ungefährlichen Alltagsgegenstand von vorne, von der Seite und schräg. Beschreibe, welche Forminformationen sich verändern.
Standard – M-Niveau
- Original und Reproduktion: Erstelle eine Vergleichstabelle zu einem Kunstwerk mit den Spalten Original, Foto und Bildschirm. Untersuche Größe, Material, Oberfläche, Raum, Standort und Präsentation.
- Virtueller Museumsrundgang: Besuche einen virtuellen Museumsraum und dokumentiere Deinen Weg mit einer einfachen Skizze. Markiere drei Stellen, an denen die Raumgestaltung Deine Aufmerksamkeit lenkt.
- Oberflächenforschung: Nutze eine hochauflösende Kunstabbildung. Wähle drei Detailausschnitte und erkläre, was der Zoom sichtbar macht und was er über die echte Materialoberfläche nicht beweisen kann.
- Museumskritik: Vergleiche zwei Präsentationen verschiedener Kunstwerke. Untersuche Licht, Abstand, Rahmen oder Sockel und entscheide, welche Präsentation für Dich verständlicher ist.
Schwer – E-Niveau
- Digitale Ausstellung: Plane eine kleine digitale Ausstellung mit drei Werken. Lege Reihenfolge, Bildschirmformat, Zoommöglichkeiten und Zusatzinformationen fest und begründe Deine Entscheidungen.
- Kuratorisches Konzept: Entwirf für ein einziges Kunstwerk zwei gegensätzliche Museumspräsentationen. Eine soll ruhig und intim wirken, die andere monumental und spektakulär.
- Medienkritik: Produziere ein kurzes Video oder eine Audioaufnahme zur Frage „Kann ein Bildschirm ein Original ersetzen?“. Verwende mindestens drei konkrete Beobachtungen aus diesem aiMOOC.
- Museumsforschung: Führe ein Interview mit einer Museumsmitarbeiterin, einem Museumsmitarbeiter, einer Kunstlehrkraft oder einer Besucherin beziehungsweise einem Besucher. Frage danach, was beim digitalen Betrachten von Kunst gewonnen und verloren wird.


Lernkontrolle
- Transfer Größenwirkung: Ein sehr kleines Gemälde wird auf einer riesigen digitalen Leinwand gezeigt. Erkläre, wie sich die Wirkung verändern kann, obwohl das Motiv gleich bleibt.
- Transfer Materialwirkung: Du sollst einer Person, die eine Marmorskulptur nur vom Smartphone kennt, die Materialwirkung vermitteln. Entwickle drei zusätzliche Informationsformen und begründe ihre Auswahl.
- Transfer Raumwirkung: Dasselbe Bild wird einmal in einem engen dunklen Raum und einmal in einer großen hellen Halle gezeigt. Beschreibe mögliche Wirkungsunterschiede und begründe sie.
- Transfer Präsentation: Ein Museum entfernt Rahmen, Beschriftung und Absperrung aus einer digitalen Simulation. Erkläre, welche Informationen über das reale Museumserlebnis dadurch fehlen.
- Transfer Fotografie: Zwei Fotos derselben Skulptur sehen sehr verschieden aus. Entwickle mindestens vier mögliche Ursachen, ohne anzunehmen, dass die Skulptur verändert wurde.
- Transfer Bewertung: Formuliere eine begründete Empfehlung für eine Schulklasse: Wann sollte sie zuerst digital erkunden und wann möglichst das Original besuchen?
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern zeigen kannst, wie Kunstwahrnehmung von Medium und Umgebung abhängt.
Ein überzeugender Lernnachweis enthält:
- eine sichere Unterscheidung zwischen Original, Fotografie und Bildschirmdarstellung
- eine Untersuchung der sechs Merkmale Größe, Material, Oberfläche, Raum, Standort und Präsentation
- mindestens einen nachvollziehbaren Originalgrößen-Vergleich
- mindestens einen Vergleich eines zweidimensionalen und eines dreidimensionalen Kunstwerks
- eine Erklärung, welche Vorteile digitale Vergrößerung und virtuelle Rundgänge bieten
- eine Erklärung der Grenzen digitaler Darstellungen
- passende Fachbegriffe
- eigene Beobachtungen statt nur abgeschriebener Informationen
- eine begründete persönliche Bewertung
- einen klaren Bezug zu mindestens einem konkreten Kunstwerk
OERs zum Thema
Wikipedia zum Kunstmuseum:
Weitere frei zugängliche oder öffentlich erreichbare Lernangebote:
- Virtuelle Rundgänge des Louvre
- Virtuelle Ansichten des Rijksmuseums bei Google Arts & Culture
- Hochauflösende Sternennacht bei Google Arts & Culture
- Art Projector zur Originalgröße der Sternennacht
- MoMA Virtual Views zur Sternennacht
- Galleria dell’Accademia: Michelangelos David
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