IM6 - Professionelle KI-Bildprompts

IM6 - Professionelle KI-Bildprompts
IM6 - Professionelle KI-Bildprompts
Einleitung
Ein KI-Bildprompt ist eine möglichst klare Beschreibung dafür, welches Bild ein Text-zu-Bild-System erzeugen soll. Ein guter Prompt sagt nicht nur, was zu sehen sein soll, sondern auch wo, wie, aus welcher Richtung, mit welchem Licht, aus welchem Material und für welchen Zweck das Bild gedacht ist.
In diesem aiMOOC trainierst Du sieben Bausteine professioneller Bildprompts: Motiv, Umgebung, Komposition, Perspektive, Licht, Material und Zweck. Du lernst außerdem, Bildvarianten gezielt zu erzeugen, Ergebnisse zu vergleichen und einen Prompt schrittweise zu verbessern. Die Beispiele sind für die Klasse 6 formuliert und eignen sich für Medienbildung, Kunst, Informatik, Deutsch, Geschichte und Technik.
Ein wichtiges Ziel lautet: Nicht möglichst viele Wörter machen einen Prompt gut, sondern passende und eindeutige Angaben. Ein KI-Bild kann überzeugend aussehen und trotzdem falsche Details enthalten. Deshalb prüfst Du besonders historische und technische Darstellungen immer mit verlässlichen Quellen.
Was bedeutet Prompt-Engineering?
Prompt-Engineering bezeichnet das bewusste Formulieren und Verbessern von Eingaben für ein KI-System. Bei einem Bildprompt beschreibst Du das gewünschte Ergebnis mit Sprache. Text-zu-Bild-Systeme können daraus neue Bilder erzeugen. Dabei können bereits kleine Änderungen an Wörtern, Reihenfolge oder Bildaufbau zu deutlich anderen Ergebnissen führen.
Für den Unterricht ist deshalb eine Vergleichsmethode besonders nützlich: Ändere bei einer neuen Variante möglichst nur einen Baustein und beobachte, was sich im Bild verändert. So kannst Du die Wirkung von Perspektive, Licht oder Material besser erkennen.
Der Prompt-Baukasten
Ein einfacher Bauplan lautet:
Zweck + Motiv + Umgebung + Komposition + Perspektive + Licht + Material + Format
Eine mögliche Satzschablone ist:
Erzeuge ein Bild für [Zweck]. Zeige [Motiv] in [Umgebung]. Ordne die Bildelemente als [Komposition] an. Zeige die Szene aus [Perspektive]. Verwende [Licht]. Die sichtbaren Oberflächen wirken wie [Material]. Nutze [Format] und lasse [wichtige freie Fläche] frei.
Du musst nicht immer alle Bausteine verwenden. Für ein Kursbild ist zum Beispiel freie Fläche für eine Überschrift wichtig. Für eine technische Visualisierung sind dagegen klare Form, sachliche Perspektive und überprüfbare Details wichtiger.
Promptkarten: Sieben Bausteine
| Promptkarte | Leitfrage | Einfache Beispiele | Profi-Tipp |
|---|---|---|---|
| Motiv | Was ist die Hauptsache im Bild? | ein roter Rucksack, ein Lernroboter, eine Pflanze, ein Modellhaus | Nenne Form, Anzahl, Farbe und wichtige Merkmale nur dann, wenn sie wirklich gebraucht werden. |
| Umgebung | Wo befindet sich das Motiv? | Klassenzimmer, Werkraum, Waldweg, Labor, neutraler Hintergrund | Die Umgebung soll zum Zweck passen und das Motiv nicht verdecken. |
| Komposition | Wie sind die Dinge im Bild angeordnet? | mittig, Drittelregel, symmetrisch, viel Freiraum rechts, Vordergrund und Hintergrund | Plane bewusst Platz für Überschriften, Pfeile oder Beschriftungen. |
| Perspektive | Von wo aus schauen wir? | Augenhöhe, Froschperspektive, Vogelperspektive, Draufsicht, Nahaufnahme, isometrisch | Perspektive verändert, was wichtig, groß, nah oder übersichtlich wirkt. |
| Licht | Woher kommt das Licht und welche Stimmung erzeugt es? | weiches Tageslicht, warmes Seitenlicht, Gegenlicht, gleichmäßiges Studiolicht | Beschreibe Richtung und Härte des Lichts, nicht nur „schönes Licht“. |
| Material | Wie wirken Oberflächen? | mattes Holz, glatter Kunststoff, gebürstetes Metall, rauer Stein, transparentes Glas | Material und Licht gehören zusammen, weil Oberflächen Licht unterschiedlich reflektieren. |
| Zweck | Wofür wird das Bild gebraucht? | Kursbild, Plakat, Produktentwurf, Storyboard, Rekonstruktion, technische Visualisierung | Der Zweck bestimmt oft Seitenverhältnis, Detailgrad, freie Flächen und Darstellungsstil. |
Motiv: Sag klar, was wirklich wichtig ist
Ein schwacher Prompt lautet: „Ein cooles Ding für die Schule.“ Die KI muss zu viel erraten.
Ein stärkerer Prompt lautet: „Ein kompakter, wiederverwendbarer Stiftehalter mit drei Fächern, abgerundeten Kanten und einer deutlich sichtbaren Trageschlaufe.“
Der zweite Prompt nennt ein klares Motiv und beobachtbare Merkmale. Vermeide dabei Widersprüche wie „winzig und riesig“ oder unnötige Adjektive, die nichts zum Bild beitragen.
Umgebung: Der Schauplatz erzählt mit
Dasselbe Motiv wirkt in einer anderen Umgebung sofort anders. Ein Stiftehalter auf einem neutralen Studiotisch eignet sich gut für einen Produktentwurf. Derselbe Stiftehalter in einem vollen Klassenzimmer erzählt eher eine Alltagsszene.
Eine hilfreiche Regel lautet: Umgebung ergänzt das Motiv, statt mit ihm um Aufmerksamkeit zu kämpfen.
Komposition: Wo steht was im Bild?
Bildkomposition beschreibt die Anordnung der sichtbaren Elemente. Du kannst ein Motiv mittig platzieren, symmetrisch aufbauen, mit Vordergrund und Hintergrund arbeiten oder bewusst leere Fläche einplanen.
Eine bekannte Orientierung ist die Drittelregel. Dabei stellst Du Dir das Bild als Raster aus drei Spalten und drei Reihen vor. Wichtige Bildelemente können an Linien oder Schnittpunkten liegen.

Ein passender Prompt-Zusatz wäre: „Motiv auf dem linken Schnittpunkt der Drittelregel, rechts viel ruhige freie Fläche für eine Überschrift.“
Perspektive: Der Blickwinkel verändert die Wirkung
Die Perspektive legt fest, von wo aus die Szene betrachtet wird. Für Bildprompts sind besonders diese Varianten nützlich:
| Perspektive | Wirkung | Beispiel für einen Prompt-Zusatz |
|---|---|---|
| Augenhöhe | ruhig und direkt | auf Augenhöhe, natürlicher Blick |
| Froschperspektive | Blick von unten, Motiv wirkt größer | sehr niedrige Kameraposition, Blick leicht nach oben |
| Vogelperspektive | Überblick von oben | hoher Blickwinkel, Blick schräg nach unten |
| Draufsicht | ordnet Flächen und Gegenstände klar | senkrechte Ansicht von oben, top-down |
| Nahaufnahme | zeigt Details | enger Bildausschnitt, Oberfläche deutlich sichtbar |
| Totale | zeigt Motiv und Umgebung zusammen | weiter Bildausschnitt, ganze Szene sichtbar |
| Isometrische Darstellung | wirkt technisch und übersichtlich | isometrische Ansicht, klare Kanten, sachliche Darstellung |


Licht: Richtung, Härte und Stimmung
Licht macht Formen erkennbar und beeinflusst die Stimmung. Für einen sachlichen Produktentwurf ist weiches, gleichmäßiges Licht oft nützlich. Für ein dramatisches Plakat kann seitliches Licht mit deutlicheren Schatten geeigneter sein.
Bei der klassischen Drei-Punkt-Beleuchtung werden Hauptlicht, Aufhelllicht und Gegenlicht kombiniert. Du musst diese Technik nicht immer einsetzen, aber sie zeigt gut, dass Licht mehrere Aufgaben haben kann: Formen sichtbar machen, Schatten steuern und ein Motiv vom Hintergrund trennen.

Ein präziser Lichtbaustein könnte lauten: „weiches Hauptlicht von links vorne, schwaches Aufhelllicht von rechts, dezentes Gegenlicht, keine harten Schatten.“
Material: Oberflächen sichtbar machen
Materialien sehen verschieden aus, weil Form, Farbe, Rauheit, Transparenz und Lichtreflexion unterschiedlich zusammenwirken. Eine matte Oberfläche streut Licht anders als eine spiegelnde.

Für einen Bildprompt sind konkrete Materialwörter hilfreich:
| Zu ungenau | Präziser |
|---|---|
| schönes Holz | helles, mattes Holz mit sichtbarer Maserung |
| Metall | gebürstetes Aluminium mit sanften Reflexionen |
| Plastik | glatter, halbtransparenter Kunststoff |
| Stein | rauer grauer Stein mit kleinen unregelmäßigen Poren |
| Stoff | gewebter Baumwollstoff mit sichtbarer Faserstruktur |
Zweck: Ein Bild braucht eine Aufgabe
Ein professioneller Prompt nennt möglichst früh, wofür das Bild gebraucht wird. Dadurch kannst Du Komposition und Format passend planen.
Ein Kursbild braucht eine klare Hauptidee und Platz für einen Titel. Ein Plakat braucht starke Fernwirkung. Ein Storyboard muss Szenen schnell verständlich machen. Eine technische Darstellung braucht Übersicht und überprüfbare Details.
Das Prompt-Labor
Ein Motiv, viele Bildvarianten
Nimm als Grundmotiv: „Ein roter, wiederverwendbarer Trinkbecher mit Deckel.“ Ändere jeweils nur einen wichtigen Baustein.
| Variante | Was wird verändert? | Prompt-Ergänzung | Beobachtungsfrage |
|---|---|---|---|
| A | Ausgangsbild | roter wiederverwendbarer Trinkbecher mit Deckel auf neutralem Hintergrund | Was ist noch unklar? |
| B | Umgebung | auf einem hellen Schultisch neben einem geschlossenen Heft | Lenkt die Umgebung ab oder hilft sie? |
| C | Komposition | Becher links im Bild, rechts viel freie Fläche | Ist genug Platz für Text? |
| D | Drittelregel | Becher am linken unteren Schnittpunkt der Drittelregel | Verändert sich die Bildspannung? |
| E | Augenhöhe | Kamera auf Höhe der Bechermitte | Wirkt das Produkt neutral? |
| F | Froschperspektive | niedrige Kameraposition, leichter Blick nach oben | Wirkt der Becher größer? |
| G | Vogelperspektive | Blick schräg von oben | Welche Formteile werden besser sichtbar? |
| H | Draufsicht | exakt von oben, geordnete Fläche | Ist der Deckel gut erkennbar? |
| I | Nahaufnahme | enger Ausschnitt auf Deckel und Materialoberfläche | Welche Details werden wichtig? |
| J | Licht | weiches Seitenlicht von links, sanfte Schatten | Wird die Form deutlicher? |
| K | Material | matter roter Kunststoff mit feiner Oberflächenstruktur | Wirkt das Material glaubwürdiger? |
| L | Zweck | Produktentwurf für eine Schulpräsentation, sauberer Hintergrund, keine Schrift im Bild | Passt das Bild zum Einsatz? |
Das ist ein kontrollierter Vergleich: Du veränderst möglichst nur eine Sache. Wenn Du gleichzeitig Perspektive, Licht, Umgebung und Material austauschst, weißt Du später nicht, welche Änderung die Wirkung verursacht hat.
Die 4-Schritte-Methode zum Verbessern
| Schritt | Deine Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Anschauen | Was sehe ich wirklich? | Der Becher ist zu klein und der Hintergrund zu unruhig. |
| 2. Benennen | Welcher Prompt-Baustein verursacht das Problem? | Komposition und Umgebung. |
| 3. Ändern | Welche eine Änderung teste ich zuerst? | „Becher groß im Vordergrund, neutraler Hintergrund.“ |
| 4. Vergleichen | Ist Variante B näher am Zweck als Variante A? | Ja, das Produkt ist deutlicher erkennbar. |
Wenn das Ergebnis noch nicht passt, startest Du eine weitere Runde. Diese Wiederholung nennt man Iteration.
Prompt-Debugging: Von unklar zu präzise
| Version | Prompt | Problem oder Verbesserung |
|---|---|---|
| P0 | Mach ein tolles Bild von einem Roboter. | Motiv und Zweck sind zu unklar. |
| P1 | Ein kleiner Lernroboter für ein Kursbild. | Zweck ist ergänzt. |
| P2 | Ein kleiner Lernroboter auf einem Schultisch, Kursbild, ruhiger Hintergrund. | Umgebung ist klarer. |
| P3 | Ein kleiner Lernroboter auf einem Schultisch, links im Bild, rechts freie Fläche für die Überschrift, Augenhöhe. | Komposition und Perspektive sind ergänzt. |
| P4 | Ein kleiner Lernroboter aus mattem Kunststoff auf einem Schultisch, links im Bild, rechts freie Fläche, Augenhöhe, weiches Tageslicht von links, Kursbild im Querformat. | Material, Licht und Format sind ergänzt. |
Die längste Version ist nicht automatisch die beste. Sie ist nur dann besser, wenn die zusätzlichen Angaben tatsächlich zum Zweck beitragen.
Optionale Ausschlüsse
Manche Bildsysteme können auch Angaben berücksichtigen, was nicht erscheinen soll. Solche Ausschlüsse sind nützlich, wenn sie ein klares Problem lösen.
Beispiele sind: „keine Wasserzeichen“, „keine zusätzlichen Gegenstände“, „keine Schrift im Bild“, „keine modernen Objekte“.
Verlasse Dich trotzdem nicht darauf, dass jeder Ausschluss zuverlässig umgesetzt wird. Prüfe das Bild nach der Erstellung.
Sechs professionelle Use-Cases
Use-Case 1: Kursbild
Ein Kursbild soll das Thema schnell zeigen und darf nicht zu unruhig sein. Für Überschriften braucht es freie Fläche.
Promptkarte Kursbild:
| Baustein | Auswahl |
|---|---|
| Zweck | Kursbild für einen Schul-MOOC |
| Motiv | freundlicher Lernroboter mit Bildkarte |
| Umgebung | ruhiger moderner Lernraum |
| Komposition | Motiv links, rechts freie Fläche |
| Perspektive | Augenhöhe |
| Licht | weiches Tageslicht |
| Material | matter Kunststoff und Papier |
| Format | 16:9 Querformat |
Beispielprompt: Erzeuge ein Kursbild für einen Schul-MOOC. Zeige einen kleinen freundlichen Lernroboter mit einer Bildkarte in einem ruhigen Lernraum. Platziere den Roboter links, lasse rechts viel freie Fläche für einen später eingefügten Titel. Augenhöhe, weiches Tageslicht, matte Oberflächen, klare Formen, 16:9 Querformat, keine Schrift im Bild.
Use-Case 2: Plakat
Ein Plakat muss aus einiger Entfernung funktionieren. Deshalb helfen ein klares Hauptmotiv, eine einfache Farbidee und freie Bereiche für Text.
Beispielprompt: Plakatmotiv für einen schulischen Umwelttag. Eine einzelne junge Pflanze wächst aus einer stilisierten Erdkugel. Zentraler Blickfang, klare Silhouette, ruhiger Hintergrund, leichte Untersicht, warmes Seitenlicht, natürliche Blattoberfläche, oben und unten freie Fläche für später gesetzte Überschriften, Hochformat. Keine Schrift und keine Logos im Bild.
Wichtig: Lass Überschriften und längere Texte möglichst außerhalb des KI-Bildes setzen. So kannst Du Rechtschreibung, Lesbarkeit und Inhalt selbst kontrollieren.
Use-Case 3: Produktentwurf
Ein KI-Bild kann eine Idee für ein Produkt visualisieren. Es ersetzt aber keinen funktionsfähigen Bauplan.
Beispielprompt: Produktentwurf für einen modularen Stiftehalter für den Schreibtisch. Drei verschieden hohe Fächer, abgerundete Kanten, kleine Trageschlaufe, kompakte Form. Neutraler Studiohintergrund, isometrische Ansicht, weiches gleichmäßiges Licht, mattes helles Holz und ein Einsatz aus recyceltem Kunststoff, sachliche Darstellung, 4:3 Querformat.
Erstelle danach Varianten, bei denen Du jeweils nur Material, Farbe, Anzahl der Fächer oder Perspektive änderst. Vergleiche, welche Variante den Zweck am besten erfüllt.
Use-Case 4: Storyboard
Ein Storyboard zeigt geplante Szenen in einzelnen Bildern. Wichtig ist, dass Figuren, Raum und Blickrichtung zwischen den Bildern verständlich bleiben.

Beispielprompt für sechs Felder: Erzeuge sechs einfache Storyboard-Bilder für eine kurze Szene: Eine Schülerin entdeckt im Werkraum eine ungewöhnliche Pflanze, schaut sie genauer an und holt eine Lupe. Einheitliche Figur und gleiche Kleidung in allen Bildern. Bild 1 Totale des Raums, Bild 2 Halbnahe, Bild 3 Nahaufnahme der Pflanze, Bild 4 Blick über die Schulter, Bild 5 Detail der Lupe, Bild 6 Totale als Abschluss. Schlichte Graustufen, klare Konturen, 16:9 je Bild, keine Sprechblasen.
Beim Storyboard ist Konsistenz wichtig. Wenn sich eine Figur oder ein Gegenstand ungewollt verändert, notierst Du das Problem und ergänzt die unveränderlichen Merkmale im nächsten Prompt.
Use-Case 5: Historische Rekonstruktion
Eine historische Rekonstruktion darf nicht so präsentiert werden, als wäre sie eine echte Fotografie aus der Vergangenheit. Nutze vorher geprüfte Quellen und kennzeichne das Ergebnis deutlich.
Ein sicherer Arbeitsablauf lautet: Zuerst Informationen aus Schulbuch, Museum, Archiv oder seriöser Fachquelle sammeln. Dann nur diese überprüften Merkmale in den Prompt aufnehmen. Anschließend das fertige Bild mit den Quellen vergleichen.
Beispielprompt: Didaktische Rekonstruktion eines historischen Stadttores auf Grundlage eines vorgegebenen Quellenblatts. Verwende nur die dort beschriebenen Baumerkmale, Materialien und Gegenstände. Augenhöhe, sachliche Gesamtansicht, neutrales Tageslicht, keine modernen Gegenstände, keine erfundenen Wappen oder Beschriftungen. Das Bild ist eine Lernvisualisierung und keine historische Fotografie.
Unter das fertige Bild gehört deutlich: „KI-Rekonstruktion – keine historische Fotografie. Einzelheiten können trotz Quellenarbeit unsicher oder hypothetisch sein.“
Wenn ein Detail nicht belegt ist, kennzeichnest Du es als unsicher, statt es als Tatsache auszugeben.
Use-Case 6: Technische Visualisierung
Technische Bilder sollen Aufbau und Beziehung von Teilen möglichst klar zeigen. Eine isometrische Darstellung oder eine Explosionszeichnung kann dafür nützlich sein.


Beispielprompt: Sachliche technische Visualisierung eines einfachen dreiteiligen Stiftehalters. Isometrische Explosionsdarstellung, die drei Bauteile leicht voneinander getrennt, klare Kanten, gleichmäßiges neutrales Licht, weißer Hintergrund, keine dekorativen Elemente, keine erfundenen Maße, keine Beschriftung im Bild.
Bei einer technischen Visualisierung gilt besonders: KI-Bilder können Bauteile falsch verbinden, Maße erfinden oder unmögliche Formen zeigen. Prüfe deshalb das Ergebnis an einem echten Gegenstand, einer Zeichnung oder einer verlässlichen Anleitung. Nutze KI-Bilder nicht als ungeprüfte Bau- oder Sicherheitsanweisung.
Perspektiven und Komposition professionell einsetzen
Perspektive als Bedeutungswerkzeug
Perspektive ist nicht nur eine Kamerafrage. Sie entscheidet, welche Informationen sichtbar werden. Eine Draufsicht eignet sich gut für eine Anordnung auf einem Tisch. Eine Nahaufnahme zeigt Materialdetails. Eine Totale erklärt den Raum. Eine isometrische Darstellung kann bei technischen Objekten helfen, mehrere Seiten gleichzeitig zu erkennen.

Beim Prompten fragst Du deshalb nicht zuerst: „Welche Perspektive sieht cool aus?“ Sondern: „Welche Perspektive zeigt die Information, die mein Bild vermitteln soll?“
Kompositionskarten
| Kompositionskarte | Geeignet für | Prompt-Zusatz |
|---|---|---|
| Zentral | Produkt, Symbol, ruhiges Titelmotiv | Hauptmotiv genau in der Mitte, klarer Rand |
| Drittelregel | Plakat, Landschaft, lebendige Szene | Motiv auf einer Drittellinie, Blickraum in Bewegungsrichtung |
| Symmetrie | Architektur, Muster, technische Ordnung | streng symmetrischer Bildaufbau |
| Freiraum | Kursbild, Plakat mit späterem Text | rechte Bildhälfte ruhig und frei |
| Vordergrund-Mittelgrund-Hintergrund | räumliche Szene | deutlich gestaffelte Tiefenebenen |
| Diagonal | Bewegung und Dynamik | Hauptlinie verläuft diagonal durch das Bild |
Licht und Material als Team
Lichtkarten
| Lichtkarte | Wirkung | Passender Einsatz |
|---|---|---|
| Weiches Frontlicht | wenig harte Schatten, gut lesbare Form | Kursbild, Produktentwurf |
| Seitenlicht | betont Form und Struktur | Materialstudie, Porträt eines Gegenstands |
| Gegenlicht | betont Umriss und Atmosphäre | Plakat, erzählerische Szene |
| Tageslicht | natürlich und unaufdringlich | Lernszene, historische Rekonstruktion |
| Gleichmäßiges Licht | sachlich und übersichtlich | technische Visualisierung |
Materialkarten
| Material | Sichtbare Eigenschaft im Prompt | Möglicher Lichtwunsch |
|---|---|---|
| Mattes Holz | Maserung, geringe Spiegelung | weiches Seitenlicht |
| Gebürstetes Metall | feine lineare Struktur, kontrollierte Reflexe | großes weiches Licht |
| Rauer Stein | unregelmäßige Oberfläche | seitliches Licht für Struktur |
| Glas | Transparenz und Reflexion | klarer Hintergrund und kontrollierte Lichtkanten |
| Stoff | Faser- und Faltenstruktur | weiches Licht |
Professionelle Promptkarten zum Ausfüllen
Promptkarte A: Basis
| Feld | Deine Eintragung |
|---|---|
| Zweck | ______________________________ |
| Motiv | ______________________________ |
| Umgebung | ______________________________ |
| Komposition | ______________________________ |
| Perspektive | ______________________________ |
| Licht | ______________________________ |
| Material | ______________________________ |
| Format | ______________________________ |
Promptkarte B: Varianten-Test
| Feld | Variante 1 | Variante 2 | Was bleibt gleich? |
|---|---|---|---|
| Perspektive | __________________ | __________________ | Motiv, Umgebung, Licht |
| Licht | __________________ | __________________ | Motiv, Perspektive, Material |
| Material | __________________ | __________________ | Form, Perspektive, Komposition |
| Komposition | __________________ | __________________ | Motiv, Licht, Material |
Promptkarte C: Qualitätscheck
| Prüffrage | Ja | Noch ändern |
|---|---|---|
| Ist das Hauptmotiv eindeutig erkennbar? | □ | □ |
| Passt die Umgebung zum Zweck? | □ | □ |
| Unterstützt die Komposition die Aussage? | □ | □ |
| Zeigt die Perspektive die wichtigen Informationen? | □ | □ |
| Passt das Licht zur gewünschten Wirkung? | □ | □ |
| Wirkt das Material nachvollziehbar? | □ | □ |
| Gibt es störende oder erfundene Details? | □ | □ |
| Ist genug freie Fläche für späteren Text vorhanden? | □ | □ |
| Müssen Fakten oder technische Details überprüft werden? | □ | □ |
| Ist eine Kennzeichnung als KI-Bild oder Rekonstruktion nötig? | □ | □ |
Sicher und verantwortungsvoll arbeiten
Nutze im Unterricht nur KI-Werkzeuge, die von Schule oder Lehrkraft freigegeben sind. Lade keine privaten Fotos anderer Personen ohne Erlaubnis hoch und gib keine persönlichen Daten in einen Bildprompt ein.
Erzeuge keine täuschenden Bilder von Mitschülerinnen, Mitschülern oder Lehrkräften. Bei historischen Rekonstruktionen und anderen sachlich wirkenden Bildern muss klar bleiben, dass das Bild erzeugt oder rekonstruiert wurde.
Beschreibe Bildstile lieber mit sichtbaren Eigenschaften wie „Aquarell, weiche Farbübergänge, grobe Papierstruktur“ statt eine lebende Künstlerin oder einen lebenden Künstler nachzuahmen.
Bei schulischen Faktenbildern gilt: Bildwirkung ist kein Beweis für Richtigkeit. Je realistischer ein falsches Detail aussieht, desto wichtiger ist die Prüfung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Baustein beschreibt die Hauptsache, die im Bild zu sehen sein soll? (Motiv) (!Licht) (!Zweck) (!Format)
Warum sollte der Zweck eines Bildes möglichst früh feststehen? (Er beeinflusst Komposition, Format und Detailgrad) (!Er legt immer die Farbe Rot fest) (!Er ersetzt die Kontrolle des Ergebnisses) (!Er macht Perspektive überflüssig)
Was beschreibt eine Froschperspektive? (Einen Blick von einer niedrigen Position nach oben) (!Einen senkrechten Blick von oben) (!Eine völlig flache technische Zeichnung) (!Eine Aufnahme ohne Motiv)
Wozu dient die Drittelregel? (Sie hilft bei der Anordnung wichtiger Bildelemente) (!Sie bestimmt das Material eines Gegenstands) (!Sie prüft historische Quellen) (!Sie berechnet die Dateigröße)
Wie verbesserst Du einen Prompt besonders gut nachvollziehbar? (Du änderst möglichst nur einen Baustein und vergleichst) (!Du änderst immer alle Bausteine gleichzeitig) (!Du entfernst das Motiv) (!Du vermeidest jede Kontrolle)
Welche Lichtangabe ist besonders präzise? (Weiches Seitenlicht von links mit sanften Schatten) (!Schönes Licht) (!Irgendwie hell) (!Normales Bild)
Welche Beschreibung nennt ein Material besonders anschaulich? (Mattes Holz mit sichtbarer Maserung) (!Tolles Zeug) (!Irgendetwas Braunes) (!Ein schönes Ding)
Was gehört zu einer verantwortungsvollen historischen Rekonstruktion? (Sie wird als KI-Rekonstruktion gekennzeichnet und mit Quellen geprüft) (!Sie wird als echte historische Fotografie ausgegeben) (!Unsichere Details werden als sicher behauptet) (!Quellen werden absichtlich ignoriert)
Was musst Du bei einer technischen KI-Visualisierung besonders beachten? (Bauteile und Details müssen mit verlässlichen Informationen geprüft werden) (!Jede erzeugte Verbindung ist automatisch korrekt) (!Maße dürfen frei erfunden werden) (!Eine Prüfung ist nur bei bunten Bildern nötig)
Warum sind gleichbleibende Merkmale in einem Storyboard wichtig? (Damit Figuren und Gegenstände über mehrere Bilder wiedererkennbar bleiben) (!Damit jedes Bild ein völlig anderes Motiv zeigt) (!Damit keine Perspektive verwendet wird) (!Damit jedes Bild ohne Zusammenhang steht)
Memory
| Motiv | Hauptgegenstand |
| Umgebung | Schauplatz |
| Komposition | Anordnung |
| Perspektive | Blickrichtung |
| Licht | Stimmung |
| Material | Oberflächenwirkung |
| Zweck | Einsatzgebiet |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Froschperspektive | Blick von einer niedrigen Position nach oben |
| Vogelperspektive | Blick aus erhöhter Position nach unten |
| Nahaufnahme | enger Bildausschnitt für sichtbare Details |
| Totale | weiter Bildausschnitt mit ganzer Szene |
| Drittelregel | Anordnung an gedachten Rasterlinien |
| Draufsicht | senkrechter Blick von oben |
| Isometrie | räumlich wirkende technische Darstellung |
...
Kreuzworträtsel
| Motiv | Wie heißt der Hauptgegenstand eines Bildprompts? |
| Umgebung | Wie heißt der Schauplatz, in dem sich das Motiv befindet? |
| Komposition | Wie heißt die Anordnung der Bildelemente? |
| Perspektive | Wie heißt die Richtung, aus der eine Szene betrachtet wird? |
| Gegenlicht | Wie heißt Licht, das von hinter dem Motiv kommt? |
| Isometrie | Wie heißt eine häufig genutzte räumliche Darstellungsform für technische Objekte? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Motivkarte: Wähle drei Gegenstände aus Deinem Schulalltag und formuliere zu jedem einen eindeutigen Motiv-Baustein mit Form, Farbe und einem wichtigen Merkmal.
- Perspektivwechsel: Zeichne denselben einfachen Gegenstand aus Augenhöhe, von oben und von unten. Formuliere anschließend je einen passenden Perspektiv-Baustein.
- Lichtdetektiv: Beobachte einen Gegenstand am Fenster und unter einer Lampe. Beschreibe in zwei Sätzen, wie sich Schatten und Oberfläche verändern.
- Prompt-Puzzle: Schreibe einen vollständigen Prompt aus den sieben Bausteinen Motiv, Umgebung, Komposition, Perspektive, Licht, Material und Zweck.
Standard
- Kursbild gestalten: Entwickle drei Promptvarianten für dasselbe Kursbild. Verändere nur die Komposition und entscheide begründet, welche Variante am meisten Platz für einen Titel lässt.
- Plakatvergleich: Erstelle oder skizziere zwei Plakatideen mit demselben Motiv. Eine nutzt zentrale Komposition, die andere die Drittelregel. Vergleiche ihre Wirkung.
- Produktentwurf: Entwickle einen Stiftehalter oder eine Aufbewahrungsbox. Erzeuge drei Varianten, bei denen Du jeweils nur das Material änderst, und dokumentiere die Unterschiede.
- Storyboard: Plane eine kurze Geschichte in sechs Bildern. Lege vorab feste Merkmale für Figur, Kleidung, Gegenstand und Raum fest und kontrolliere anschließend die Bildkonsistenz.
Schwer
- Historische Rekonstruktion: Wähle ein historisches Bauwerk oder einen Alltagsgegenstand, sammle mindestens zwei verlässliche Quellen und formuliere einen Prompt, der nur belegte Merkmale nutzt. Kennzeichne das Ergebnis deutlich als KI-Rekonstruktion.
- Technische Visualisierung: Erstelle eine isometrische oder explodierte Darstellung eines einfachen Gegenstands. Vergleiche anschließend jedes sichtbare Bauteil mit dem echten Objekt oder einer verlässlichen Zeichnung.
- Prompt-Testreihe: Entwirf eine Versuchsreihe mit mindestens sechs Bildvarianten. Ändere pro Schritt nur eine Variable und führe eine Tabelle mit Beobachtung, Vermutung und nächster Änderung.
- Bildredaktion: Tauscht in Kleingruppen je einen Prompt. Prüft gegenseitig Motiv, Umgebung, Komposition, Perspektive, Licht, Material, Zweck und mögliche Fehlinformationen. Überarbeitet danach den Prompt mit Begründung.


Lernkontrolle
- Promptdiagnose: Du erhältst den Prompt „Mach ein cooles Bild von einem Fahrrad für die Schule.“ Erkläre mindestens vier Unklarheiten und formuliere eine bessere Version für ein Kursbild.
- Perspektive und Zweck: Ein Produkt soll gleichzeitig von oben übersichtlich und von der Seite räumlich verständlich sein. Vergleiche Draufsicht und Isometrie und begründe, welche Darstellung Du für welche Information verwenden würdest.
- Fehleranalyse: Eine technische KI-Grafik zeigt vier Bauteile, obwohl das echte Objekt nur drei besitzt. Beschreibe einen Prüf- und Verbesserungsprozess, ohne einfach zu behaupten, die KI werde es beim nächsten Versuch automatisch richtig machen.
- Historische Verantwortung: Eine sehr realistische KI-Darstellung einer mittelalterlichen Straße soll in einer Präsentation verwendet werden. Formuliere eine passende Kennzeichnung und erkläre, welche Details vor der Nutzung überprüft werden müssen.
- Variantenentscheidung: Zwei Plakatbilder haben dasselbe Motiv. Bild A ist mittig und symmetrisch, Bild B nutzt die Drittelregel und lässt rechts viel freie Fläche. Entscheide für ein Plakat mit späterem Text und begründe Deine Wahl.
- Material und Licht: Erkläre, warum derselbe Lichtprompt bei Glas und mattem Holz unterschiedlich wirken kann. Formuliere für beide Materialien einen geeigneten Lichtbaustein.
- Storyboard-Konsistenz: In sechs Storyboard-Bildern wechseln Farbe und Form eines wichtigen Gegenstands. Entwickle eine Promptstrategie, mit der Du diese Fehler systematisch verringern und prüfen kannst.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachwörter kennst, sondern professionelle Bildentscheidungen begründen und überprüfen kannst.
- Du kannst einen Bildprompt aus Motiv, Umgebung, Komposition, Perspektive, Licht, Material und Zweck aufbauen.
- Du kannst mindestens vier unterschiedliche Perspektiven passend zu einer Bildaufgabe auswählen und ihre Wirkung erklären.
- Du kannst Bildvarianten kontrolliert vergleichen, indem Du pro Test möglichst nur einen Baustein änderst.
- Du kannst einen unklaren Prompt analysieren, überarbeiten und die Änderungen begründen.
- Du kannst für Kursbild, Plakat, Produktentwurf und Storyboard passende Promptkarten erstellen.
- Du kannst historische KI-Rekonstruktionen korrekt kennzeichnen und mit Quellen überprüfen.
- Du kannst technische Visualisierungen kritisch prüfen und erkennst, dass ein KI-Bild keinen verlässlichen Bauplan ersetzt.
- Du kannst Datenschutz, Kennzeichnung und verantwortungsvollen Umgang mit Bildern anderer Personen beachten.
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