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Komplexe Prompts zielgerichtet entwickeln

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Komplexe Prompts zielgerichtet entwickeln



Komplexe Prompts zielgerichtet entwickeln

Ein guter Prompt ist kein Zauberspruch. Er ist ein Baustein in einem kontrollierten Arbeitsprozess: Du klärst zuerst das Ziel, wählst passende Werkzeuge, gibst relevanten Kontext, legst Qualitätskriterien fest, prüfst Ergebnisse und verbesserst Deine Vorgehensweise. In diesem aiMOOC lernst Du, komplexe Prompts zielgerichtet zu entwickeln, ohne das eigene Denken an eine KI abzugeben.

Der Kurs richtet sich besonders an Lernende der Klasse 8 und ist für etwa 1–2 Unterrichtsstunden angelegt. Er verbindet Informatik, Deutsch, Mathematik, Technik, Geschichte, Kunst, Ethik, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft. Im Mittelpunkt stehen verständliche Anwendungssituationen, Quellenkritik, Datenschutz, Fairness, Projektmanagement und die Frage: Welche Aufgabe übernimmt der Mensch, welche ein Werkzeug – und wer trägt am Ende die Verantwortung?

Datei:Generative KI in 2 Minuten erklärt.webm


Lernziele

Nach diesem Lernkurs kannst Du einen komplexen Arbeitsauftrag in überprüfbare Teilaufgaben zerlegen, ein geeignetes Werkzeug auswählen und einen Prompt so formulieren, dass Ziel, Kontext, Kriterien, Ausgabeformat und Grenzen deutlich werden. Du kannst erkennen, wann Rückfragen nötig sind, Ergebnisse mit Quellen und anderen Werkzeugen prüfen, einen Prompt anhand von Tests verbessern und Deine Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren.

Du sollst am Ende nicht nur einen fertigen Prompt besitzen. Wichtiger ist, dass Du erklären kannst, warum Du bestimmte Informationen aufgenommen, ein bestimmtes Werkzeug gewählt, bestimmte Prüfschritte eingebaut und eine bestimmte Lösung verworfen oder verbessert hast.


Unterrichtsplanung für 1–2 Stunden

Phase Zeit Lernaktivität Schwerpunkt
Aktivierung und Diagnose 5–10 Minuten Zwei unterschiedlich genaue Prompts vergleichen und Schwächen markieren Sprache, Zielklarheit, Vorwissen
Einführung 15 Minuten Prompt-Bausteine, Werkzeugwahl und Mensch-KI-Arbeitsteilung kennenlernen Informatik, Deutsch, Ethik
Geführtes Beispiel 15 Minuten Einen unklaren Prompt schrittweise verbessern Kriterien, Rückfragen, Ausgabeformat
Anwendungssituation 25–35 Minuten PISA-nahe Entscheidungssituation bearbeiten Mathematik, Technik, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft
Test und Iteration 10–15 Minuten Ergebnisse prüfen, Prompt überarbeiten und Änderungen begründen Quellenkritik, Projektsteuerung
Reflexion und Transfer 10 Minuten Eigene Lösung erklären und auf ein anderes Fach übertragen Human Agency, Transparenz


Aktivierung und Diagnose: Welcher Prompt ist besser steuerbar?

Vergleiche diese beiden Arbeitsaufträge:

Prompt A: Erkläre künstliche Intelligenz.

Prompt B: Erkläre einer 8. Klasse in höchstens 120 Wörtern, was generative KI ist. Verwende ein Alltagsbeispiel, unterscheide Eingabe und Ausgabe und nenne zwei Gründe, warum eine KI-Antwort überprüft werden muss. Wenn eine Information unsicher ist, kennzeichne sie statt etwas zu erfinden.

Entscheide nicht nur, welcher Prompt wahrscheinlich die passendere Antwort erzeugt. Markiere auch, welche Informationen die Steuerbarkeit erhöhen. Achte besonders auf Zielgruppe, Umfang, Inhalt, Qualitätskriterien und den Umgang mit Unsicherheit.


Was ist ein komplexer Prompt?

Ein Prompt ist eine Eingabe oder Anweisung, mit der ein KI-System zu einer bestimmten Aufgabe aufgefordert wird. Ein komplexer Prompt enthält mehrere zusammenhängende Anforderungen. Er kann zum Beispiel verlangen, Daten auszuwerten, Quellen zu unterscheiden, ein bestimmtes Format einzuhalten, Unsicherheiten sichtbar zu machen und vor der Bearbeitung Rückfragen zu stellen.

Komplex bedeutet dabei nicht automatisch lang. Ein langer Prompt kann schlecht sein, wenn er widersprüchlich oder unklar ist. Ein kürzerer Prompt kann sehr leistungsfähig sein, wenn Ziel, Kontext und Kriterien eindeutig sind.

Merksatz: Promptqualität verbessert die Steuerung einer KI, aber sie garantiert keine Wahrheit. Fakten, Berechnungen und Entscheidungen müssen weiterhin geprüft werden.


Die acht Bausteine eines zielgerichteten Prompts

Baustein Leitfrage Beispiel
Ziel Was soll am Ende erreicht sein? Eine begründete Empfehlung für die Schulkonferenz vorbereiten
Kontext Welche Situation und Zielgruppe sind wichtig? Klasse 8, Schulprojekt, begrenztes Budget
Material und Daten Welche Informationen dürfen verwendet werden? Eine vorgegebene Datentabelle und zwei geprüfte Quellen
Kriterien Woran erkennst Du eine gute Antwort? Kosten korrekt, Unsicherheiten sichtbar, Gegenargumente berücksichtigt
Grenzen Was darf nicht passieren? Keine personenbezogenen Daten erfinden oder ergänzen
Ausgabeformat Wie soll das Ergebnis aussehen? Tabelle plus kurze Begründung
Rückfragen Was soll geschehen, wenn Informationen fehlen? Stelle höchstens drei Rückfragen, bevor Du Annahmen triffst
Prüfung und Iteration Wie wird die Antwort getestet und verbessert? Rechenweg prüfen, Quellen vergleichen, zweite Prompt-Version testen

Ein häufiger Fehler besteht darin, sofort eine Lösung zu verlangen. Besser ist es, die Arbeitsweise zu steuern: Welche Informationen sind sicher? Welche fehlen? Welche Berechnung gehört in ein genaues Rechenwerkzeug? Welche Entscheidung muss ein Mensch treffen?


Beispiel: Vom Wunsch zum kontrollierten Arbeitsauftrag

Unklarer Auftrag: Plane eine gute Präsentation über Kinderarbeit.

Der Auftrag lässt viele Fragen offen: Für welches Fach? Welche Zeit und Region? Welche Quellen? Welche Länge? Soll die KI recherchieren, strukturieren oder schreiben? Wie wird verhindert, dass ungesicherte Behauptungen übernommen werden?

Verbesserte Fassung: Erstelle noch nicht die Präsentation. Hilf mir zuerst, für eine 8. Klasse im Fach Geschichte eine Gliederung zum Thema Kinderarbeit in der Industrialisierung zu planen. Nutze nur Informationen aus den von mir bereitgestellten Quellen. Unterscheide Ursachen, Arbeitsbedingungen, Reformen und Folgen. Markiere Stellen, für die meine Quellen nicht ausreichen. Schlage eine Gliederung mit fünf Abschnitten vor und stelle vorher höchstens drei Rückfragen, falls Zeitraum oder Quellenlage unklar sind.

Die verbesserte Fassung verhindert nicht jede mögliche Fehlleistung. Sie macht aber sichtbar, welche Aufgabe die KI überhaupt übernehmen soll und wo die Kontrolle beim Menschen bleibt.


Werkzeugwahl: Nicht jede Aufgabe gehört in einen Chat

Ein kontrollierter KI-Arbeitsprozess beginnt vor dem Prompt mit der Frage: Welches Werkzeug passt zur Teilaufgabe?

Teilaufgabe Passendes Werkzeug Warum? Wann nicht?
Eine aktuelle Zahl oder historische Quelle finden Suchmaschine, Bibliothek, Lexikon oder bereitgestellte Quelle Herkunft und Aktualität sind prüfbar Nicht allein auf eine frei formulierte KI-Antwort verlassen
Prozentwerte, Kosten oder Mittelwerte berechnen Taschenrechner oder Tabellenkalkulation Rechenoperationen sind reproduzierbar Sprachmodelle nicht als einzigen Rechner verwenden
Ideen ordnen oder Formulierungsvarianten entwickeln Generative Text-KI Kann Alternativen und Strukturen erzeugen Nicht ungeprüft als Faktenquelle verwenden
Ein Diagramm aus eigenen Daten erzeugen Tabellenkalkulation oder Datenwerkzeug Daten und Darstellung bleiben kontrollierbar Keine erfundenen Daten ergänzen lassen
Ein Bildkonzept ausprobieren Bildwerkzeug oder eigene Gestaltung Varianten lassen sich schnell vergleichen Rechte, Kennzeichnung und Fairness beachten
Werte abwägen oder eine Entscheidung verantworten Menschliche Diskussion Interessen, Folgen und Verantwortung brauchen Urteil Nicht vollständig an ein KI-System delegieren


Mensch-KI-Arbeitsteilung

Die sinnvolle Frage lautet nicht: Was kann die KI alles übernehmen? Die bessere Frage lautet: Welche Arbeitsteilung verbessert mein Denken, ohne Verantwortung zu verschleiern?

Aufgabe Mensch KI oder anderes Werkzeug
Ziel festlegen entscheidet über Zweck und Bedeutung kann bei der Formulierung helfen
Relevante Daten auswählen prüft Herkunft, Relevanz und Datenschutz kann Material ordnen
Rechnen prüft Methode und Plausibilität Rechner oder Tabelle führt Berechnung aus
Ideen entwickeln bewertet Originalität und Passung kann Varianten vorschlagen
Fakten bewerten vergleicht Quellen und trägt Verantwortung kann Widersprüche markieren, aber nicht endgültig entscheiden
Entscheidung treffen wägt Folgen, Werte und Interessen ab kann Optionen und Argumente strukturieren
Ergebnis veröffentlichen prüft Richtigkeit, Rechte und Transparenz liefert höchstens einen Entwurf

Die Abbildung zur Mensch-Computer-Interaktion macht einen wichtigen Punkt sichtbar: Eingaben und Ausgaben wirken aufeinander zurück. Bei einer KI-Anwendung ist die erste Antwort deshalb selten das Ende des Prozesses.


Projektsteuerung: Prompting als Arbeitsprozess

Ein stabiler Ablauf kann so aussehen:

Phase Leitfrage Nachweis
Auftrag klären Was ist das Problem und für wen wird es gelöst? Ein-Satz-Ziel
Informationen prüfen Welche Daten und Quellen liegen vor? Quellenliste oder Materialauswahl
Werkzeug wählen Was soll Mensch, KI, Suche oder Rechner übernehmen? Werkzeugentscheidung mit Begründung
Prompt entwerfen Sind Ziel, Kontext, Kriterien und Format klar? Prompt Version 1
Testen Erfüllt das Ergebnis die Kriterien? Testnotizen
Verbessern Welche Änderung behebt welchen Fehler? Prompt Version 2
Entscheiden und dokumentieren Welche Lösung wird übernommen und warum? Begründung plus Prüfspur

Die Rückkopplung ist entscheidend: Ein Ergebnis wird mit Kriterien verglichen. Aus Fehlern oder Lücken entsteht nicht sofort ein neuer, längerer Prompt, sondern zunächst eine Diagnose. Vielleicht fehlte Kontext. Vielleicht war das falsche Werkzeug gewählt. Vielleicht waren die Daten unvollständig.


Rückfragen statt Raten

Ein komplexer Prompt sollte nicht so tun, als seien alle Informationen vollständig. Eine einfache Regel ist:

Wenn wesentliche Angaben zu Ziel, Daten oder Kriterien fehlen, stelle zuerst höchstens drei gezielte Rückfragen. Wenn keine Rückfrage nötig ist, beginne direkt.

Gute Rückfragen verkleinern die Unsicherheit. Schlechte Rückfragen wiederholen nur den Auftrag. Frage zum Beispiel nicht: „Soll ich das gut machen?“, sondern: „Soll die Kostenrechnung nur die Anschaffung oder auch die Pflege über fünf Jahre berücksichtigen?“


Ausgabeformate bewusst wählen

Das Ausgabeformat ist kein Schmuck. Es bestimmt, ob Du ein Ergebnis gut prüfen kannst. Für einen Vergleich eignet sich oft eine Tabelle. Für einen argumentativen Text kann eine Struktur aus These, Beleg, Gegenargument und Schluss sinnvoll sein. Für Programmcode können Tests und Kommentare wichtiger sein als eine lange Erklärung.

Ein überprüfbarer Auftrag könnte lauten: Gib zuerst eine Tabelle mit Daten, Berechnung, Quelle und Unsicherheit aus. Formuliere danach eine Empfehlung in höchstens fünf Sätzen. Liste anschließend zwei offene Fragen auf.


Kriterien statt bloßer Zufriedenheit

Die Frage „Gefällt mir die Antwort?“ reicht für eine Qualitätsprüfung nicht aus. Lege Kriterien fest, bevor Du testest.

Kriterium Prüffrage Möglicher Nachweis
Richtigkeit Stimmen Fakten und Berechnungen? Quelle oder Rechenweg
Relevanz Beantwortet die Ausgabe wirklich die Aufgabe? Abgleich mit Ziel
Vollständigkeit Fehlen wichtige Bedingungen? Kriterienliste
Verständlichkeit Passt Sprache und Aufbau zur Zielgruppe? Lesetest durch Mitschüler
Fairness Werden Gruppen einseitig dargestellt oder benachteiligt? Perspektivvergleich
Sicherheit Werden sensible Daten oder riskante Handlungen vermieden? Datenschutz- und Sicherheitscheck
Transparenz Ist erkennbar, was Quelle, Berechnung, Annahme oder KI-Vorschlag ist? Dokumentierte Prüfspur


Quellenkritik und kritisches Denken

KI-Ausgaben können überzeugend klingen und trotzdem ungenau, veraltet, einseitig oder erfunden sein. Darum gelten die Regeln der Quellenkritik auch bei KI-Unterstützung. Prüfe, woher eine Information stammt, ob eine Quelle tatsächlich existiert, ob sie zur Fragestellung passt und ob andere vertrauenswürdige Quellen zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Kritisches Denken bedeutet hier nicht, jede KI-Antwort abzulehnen. Es bedeutet, Behauptungen zu analysieren, Belege zu bewerten, Alternativen zu prüfen und eine begründete Entscheidung zu treffen.


Sicherheit, Datenschutz und Fairness

Gib keine Passwörter, geheimen Zugangsdaten oder unnötige personenbezogene Informationen in einen Prompt ein. In schulischen Aufgaben solltest Du Namen, Gesundheitsdaten, private Nachrichten oder andere sensible Angaben nur dann verarbeiten, wenn dies erlaubt, notwendig und geschützt ist. Beachte außerdem schulische Regeln und die Bedingungen des verwendeten Dienstes.

Fairness betrifft nicht nur Beleidigungen. Auch Auswahlkriterien können unfair sein. Ein Prompt wie „Wähle die beste Person für eine Aufgabe“ bleibt unklar, wenn „beste“ nicht definiert ist. Besser sind nachvollziehbare Kriterien, die für alle gleich gelten.

Human Agency bedeutet: Du behältst die Kontrolle über Ziel, Prüfung und Entscheidung. Ein KI-System darf Dich unterstützen, aber nicht unbemerkt Deine Maßstäbe festlegen.


Warum Prompt Injection ein Sicherheitsproblem ist

Bei manchen KI-Systemen können Texte, Webseiten oder Dateien Anweisungen enthalten, die mit Deinem eigentlichen Auftrag konkurrieren. Das nennt man Prompt Injection. Deshalb sollte ein Arbeitsprozess zwischen vertrauenswürdigen Anweisungen und zu prüfenden Inhalten unterscheiden. Fremder Inhalt ist nicht automatisch eine Anweisung, der gefolgt werden darf.

Für die Schule reicht als Grundregel: Behandle Inhalte aus unbekannten Quellen als Daten, nicht als Befehle. Prüfe besonders sorgfältig, bevor ein System Dateien versendet, Daten verändert, etwas kauft oder eine andere folgenreiche Aktion ausführt.


Fächerübergreifende Bezüge

Fach Verbindung zum Thema Beispiel
Informatik Eingabe, Ausgabe, Algorithmus, Werkzeugwahl, Sicherheit Prozessschritte und Prüfpunkte modellieren
Deutsch präzise Sprache, Argumentation, Adressatenbezug denselben Inhalt für verschiedene Zielgruppen formulieren
Mathematik Daten, Bedingungen, Kosten und Plausibilität KI-Vorschlag mit eigener Rechnung kontrollieren
Technik Systemdenken, Planung und Testen Arbeitsablauf mit Rückkopplung entwerfen
Geschichte Quellenkritik und Perspektiven historische Aussagen nur mit bereitgestellten Quellen prüfen
Kunst Gestaltungskriterien und Bildsprache Bildidee mit klaren visuellen Kriterien beschreiben
Ethik Verantwortung, Fairness und Menschenwürde entscheiden, welche Aufgaben nicht delegiert werden sollen
Gemeinschaftskunde Interessen, Beteiligung und demokratische Entscheidung Schulprojekt mit unterschiedlichen Perspektiven abwägen
Wirtschaft Effizienz, Kosten, Nutzen und Verantwortung Werkzeugwahl nicht nur nach Geschwindigkeit beurteilen


Anschauliches Beispiel: Derselbe Auftrag in drei Entwicklungsstufen

Stufe 1 – zu offen: Schreibe etwas über erneuerbare Energien.

Stufe 2 – besser: Erkläre einer 8. Klasse Vor- und Nachteile von Solarenergie in 200 Wörtern.

Stufe 3 – kontrollierter Arbeitsauftrag: Erstelle noch keinen fertigen Vortrag. Entwickle für eine 8. Klasse eine Gliederung zu Chancen und Grenzen von Solarenergie in Deutschland. Nutze nur die von mir bereitgestellten Quellen. Trenne technische, wirtschaftliche und ökologische Kriterien. Markiere Widersprüche zwischen Quellen. Gib das Ergebnis als Tabelle mit den Spalten Aussage, Beleg, Unsicherheit und offene Frage aus. Stelle vor Beginn höchstens drei Rückfragen, falls Quellen oder Ziel unklar sind.

Der wichtigste Unterschied liegt nicht in besonders „cleveren“ Wörtern. Die dritte Fassung legt Arbeitsgrenzen und Prüfbarkeit fest.


PISA-nahe Anwendungssituation: Ein kühlerer Schulhof

Die folgende Situation ist didaktisch vereinfacht. Die Werte sind fiktive Falldaten und keine Produktangaben.

Deine Schule möchte den Schulhof an heißen Tagen angenehmer machen. Für die erste Ausbaustufe stehen 9.000 Euro zur Verfügung. Eine Lösung soll möglichst viel Schatten schaffen, Sitzplätze bieten, langfristige Umweltwirkungen berücksichtigen und innerhalb des Budgets bleiben.

Maßnahme Anschaffung Schatten sofort Schatten später Sitzplätze Pflege pro Jahr Ökologischer Zusatznutzen
A Sonnensegel 4.500 Euro 45 m² 45 m² 0 120 Euro niedrig
B Drei Bäume mit Rundbank 5.200 Euro 20 m² 50 m² 12 450 Euro hoch
C Begrünte Pergola 7.000 Euro 35 m² 35 m² 10 250 Euro mittel
D Zwei überdachte Bänke 3.800 Euro 25 m² 25 m² 12 80 Euro niedrig

Die Schulgemeinschaft hat festgelegt: Es sollen mindestens 35 m² sofortiger Schatten und mindestens 8 Sitzplätze entstehen. Außerdem sollen nicht nur Anschaffungskosten, sondern auch Pflegekosten über mehrere Jahre betrachtet werden.


Arbeitsauftrag zur Anwendungssituation

  1. Problemanalyse: Bestimme zuerst selbst, welche Einzelmaßnahmen oder Kombinationen die Mindestbedingungen erfüllen könnten.
  2. Werkzeugwahl: Entscheide, welche Rechnungen Du mit Taschenrechner oder Tabelle durchführen willst und welche Aufgaben eine generative KI unterstützen darf.
  3. Promptentwurf: Formuliere einen Prompt, der die Daten nicht verändert, fehlende Angaben kenntlich macht und eine nachvollziehbare Tabelle verlangt.
  4. Prüfung: Kontrolliere mindestens eine Kostenrechnung ohne KI und vergleiche sie mit dem erzeugten Ergebnis.
  5. Entscheidung: Formuliere eine eigene Empfehlung und begründe, warum Du bestimmte Kriterien stärker oder schwächer gewichtest.

Ein möglicher Start für Deinen Prompt lautet:

Ziel: Unterstütze mich beim Vergleichen von Maßnahmen für einen Schulhof. Datenbasis: Verwende ausschließlich die folgende Tabelle. Kriterien: Budget höchstens 9.000 Euro, mindestens 35 m² sofortiger Schatten und mindestens 8 Sitzplätze. Berechne für passende Lösungen zusätzlich die Gesamtkosten über fünf Jahre aus Anschaffung plus Pflege. Ausgabe: Tabelle mit Lösung, Bedingungen erfüllt, Fünfjahreskosten, Vorteil, Nachteil und Unsicherheit. Grenze: Erfinde keine fehlenden Daten. Rückfragen: Wenn eine Entscheidung ohne zusätzliche Annahme nicht möglich ist, frage nach, statt eine Annahme zu verstecken.

Wichtig: Die KI darf Optionen strukturieren. Die abschließende Wertentscheidung bleibt bei Dir und Deiner Lerngruppe.


Testen und iterativ verbessern

Ein Prompt ist erst dann gut bewertet, wenn er an einer echten Aufgabe getestet wurde. Dokumentiere mindestens zwei Versionen.

Version Beobachtung Änderung Begründung Wirkung
1 Antwort nennt Kosten, aber keine Unsicherheit Unsicherheit als eigene Spalte verlangen Annahmen sollen sichtbar werden Ergebnis wird besser prüfbar
2 Rechnung ist nachvollziehbar, aber eine Quelle fehlt Quellenangabe oder Kennzeichnung „Quelle nicht vorhanden“ verlangen erfundene Belege vermeiden Herkunft wird transparenter

Auch bei kreativen Aufgaben ist Iteration sinnvoll: Du vergleichst nicht nur „schön“ und „nicht schön“, sondern prüfst zuvor festgelegte Kriterien wie Zielgruppe, Stil, Inhalt, Perspektive und Rechte.


Selbstkontrolle: Der Prompt-Check

Bewerte Deinen Prompt vor der Abgabe. Für jede Zeile kannst Du 0 Punkte für „fehlt“, 1 Punkt für „teilweise“ und 2 Punkte für „klar erfüllt“ vergeben.

Prüfkriterium Kontrollfrage
Ziel Ist eindeutig, was erreicht werden soll?
Kontext Sind Situation und Zielgruppe genannt?
Daten Ist klar, welche Informationen verwendet werden dürfen?
Kriterien Kann ich später prüfen, ob die Ausgabe gut ist?
Werkzeug Nutze ich für Rechnen, Recherche und Generieren jeweils passende Werkzeuge?
Rückfragen Ist geregelt, was bei fehlenden Informationen passiert?
Sicherheit Werden persönliche Daten, Rechte und Risiken berücksichtigt?
Transparenz Kann ich erklären, welche Teile vom Menschen und welche vom Werkzeug stammen?
Iteration Habe ich das Ergebnis getestet und mindestens eine Verbesserung begründet?

Ein hoher Punktwert ist kein Beweis für Wahrheit. Er zeigt nur, dass Dein Prozess gut vorbereitet ist. Die eigentliche Qualitätskontrolle erfolgt am Ergebnis, an Quellen und an nachvollziehbaren Tests.


Reflexion und Transfer

Beantworte nach der Arbeit drei Fragen in ganzen Sätzen: Welche Entscheidung im Arbeitsprozess war wichtiger als die genaue Formulierung eines einzelnen Satzes im Prompt? An welcher Stelle hätte eine falsche Werkzeugwahl zu einem schlechten Ergebnis führen können? Welche Prüfung würdest Du bei einer Aufgabe aus einem anderen Fach ergänzen?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was macht einen komplexen Prompt besonders gut steuerbar? (Klare Ziele Kontext Kriterien und Ausgabeformate) (!Möglichst viele Fachbegriffe ohne Erklärung) (!Eine besonders lange Einleitung) (!Das Vermeiden jeder Qualitätskontrolle)




Warum sollte eine Berechnung häufig mit einem Rechner oder einer Tabelle geprüft werden? (Weil genaue Rechenwerkzeuge Ergebnisse reproduzierbar machen) (!Weil Sprachmodelle niemals Zahlen ausgeben können) (!Weil Tabellen keine Eingabedaten benötigen) (!Weil Quellenkritik nur in Mathematik vorkommt)




Was ist eine sinnvolle Reaktion auf fehlende wichtige Informationen? (Gezielte Rückfragen stellen) (!Unbekannte Werte stillschweigend erfinden) (!Die Aufgabe unabhängig vom Ziel beantworten) (!Alle Kriterien aus dem Prompt entfernen)




Welche Aufgabe bleibt bei einer verantwortlichen Mensch-KI-Arbeitsteilung beim Menschen? (Die abschließende Bewertung und Verantwortung) (!Jede einzelne Textkorrektur) (!Jede technische Berechnung) (!Das automatische Sortieren von Stichworten)




Warum werden Qualitätskriterien vor dem Test festgelegt? (Damit Ergebnisse nachvollziehbar bewertet werden können) (!Damit jede Antwort automatisch richtig wird) (!Damit keine Quellen mehr geprüft werden müssen) (!Damit ein Prompt möglichst kompliziert klingt)




Was bedeutet Iteration beim Prompting? (Ein Ergebnis prüfen und den Prozess gezielt verbessern) (!Den gleichen Prompt ohne Prüfung beliebig oft senden) (!Jede Antwort sofort übernehmen) (!Nur die Schriftart des Ergebnisses verändern)




Welche Aussage zur Promptqualität ist richtig? (Ein guter Prompt erhöht die Steuerbarkeit aber garantiert keine Wahrheit) (!Ein guter Prompt macht Quellen überflüssig) (!Ein langer Prompt ist immer besser als ein kurzer) (!Ein guter Prompt verhindert jede Unsicherheit)




Was verbessert die Transparenz eines KI-gestützten Arbeitsprozesses? (Versionen Änderungen Quellen und Prüfungen dokumentieren) (!Alle Zwischenschritte löschen) (!Nur das Endergebnis zeigen) (!Unsicherheiten aus der Ausgabe entfernen)




Welche Handlung schützt die Privatsphäre am besten? (Unnötige personenbezogene Daten nicht eingeben) (!Private Daten durch mehr Details ergänzen) (!Passwörter als Kontext verwenden) (!Namen automatisch aus anderen Quellen hinzufügen)




Was ist bei einer PISA-nahen Anwendungssituation besonders wichtig? (Daten anwenden abwägen prüfen und begründet entscheiden) (!Nur Definitionen auswendig wiedergeben) (!Die längste Antwort auswählen) (!Eine Lösung ohne Begründung übernehmen)





Memory

Ziel gewünschtes Ergebnis
Kontext relevante Ausgangssituation
Kriterium Maßstab zur Qualitätsprüfung
Rückfrage Klärung einer fehlenden Angabe
Iteration gezielte Verbesserung nach einem Test
Quellenkritik Prüfung von Herkunft und Verlässlichkeit
Transparenz nachvollziehbare Dokumentation des Vorgehens





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Taschenrechner exakte Kostenberechnung
Suchmaschine aktuelle Quelle finden
Text-KI Formulierungsvarianten entwickeln
Mensch Wertentscheidung verantworten
Tabellenkalkulation Daten vergleichen und nachvollziehbar auswerten




...


Kreuzworträtsel

Zielsetzung Wie heißt die klare Festlegung dessen, was am Ende erreicht werden soll?
Kontext Wie heißt die Information über Situation und Zielgruppe?
Kriterien Wie heißen Maßstäbe, mit denen die Qualität eines Ergebnisses geprüft wird?
Quellenkritik Wie heißt die Prüfung von Herkunft, Aussagekraft und Zuverlässigkeit einer Information?
Iteration Wie heißt die gezielte Wiederholung mit Verbesserung nach einem Test?
Transparenz Wie heißt die Nachvollziehbarkeit von Quellen, Änderungen und Entscheidungen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein komplexer Prompt beginnt mit einem klaren

. Die Ausgangssituation und die Zielgruppe gehören zum

. Ob eine Antwort gut ist, wird mit vorher festgelegten

geprüft. Für genaue Berechnungen sollte ein geeignetes

verwendet werden. Wenn entscheidende Informationen fehlen, helfen gezielte

. Die Herkunft einer Behauptung wird durch

untersucht. Eine verbesserte zweite Fassung entsteht durch

. Personenbezogene Informationen müssen durch sorgfältigen

geschützt werden. Die abschließende Bewertung und Verantwortung bleibt beim

. Änderungen und Prüfungen sollten für andere durch

nachvollziehbar sein.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Prompt-Detektiv: Vergleiche zwei Prompts aus einem Schulfach und markiere Ziel, Kontext, Kriterien und Ausgabeformat. Erkläre, welche Angabe am meisten zur Steuerbarkeit beiträgt.
  2. Rückfragen entwickeln: Erfinde zu einem unvollständigen Arbeitsauftrag drei gezielte Rückfragen, die echte Unsicherheiten verringern.
  3. Ausgabeformat vergleichen: Lass denselben Inhalt einmal als Fließtext und einmal als Tabelle strukturieren. Entscheide, welches Format sich besser prüfen lässt, und begründe Deine Wahl.
  4. Werkzeugwahl: Ordne fünf schulische Teilaufgaben den Werkzeugen Mensch, Suche, Rechner, Tabelle und generative KI zu und begründe jede Zuordnung.


Standard

  1. Mathe-Prüfprompt: Entwickle zu einer Kostenaufgabe einen Prompt, bei dem die KI den Lösungsweg erklärt, aber Du die Rechnung mit einem anderen Werkzeug kontrollierst. Dokumentiere Abweichungen.
  2. Geschichtsquellen prüfen: Gib einer KI zwei kurze historische Quellen und formuliere einen Prompt, der Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Unsicherheiten herausarbeitet, ohne neue Fakten hinzuzuerfinden.
  3. Kunst-Briefing: Entwickle ein Bildbriefing für ein Plakat zu einem Schulthema. Lege Zielgruppe, Botschaft, Bildaufbau, Stilgrenzen und Kriterien für eine faire Darstellung fest.
  4. Entscheidungsbaum für Werkzeuge: Zeichne einen Entscheidungsbaum, der bei den Fragen „Muss ich recherchieren?“, „Muss ich exakt rechnen?“, „Brauche ich Ideen?“ und „Muss ein Mensch entscheiden?“ zu passenden Werkzeugen führt.


Schwer

  1. A-B-Test für Prompts: Entwickle zwei unterschiedliche Prompt-Versionen für dieselbe Aufgabe, teste beide mit identischen Daten und werte anhand vorher festgelegter Kriterien aus, welche Version besser funktioniert.
  2. Workflow-Audit: Analysiere einen KI-gestützten Schulworkflow und finde mindestens drei Stellen, an denen eine Qualitäts-, Datenschutz- oder Fairnessprüfung eingebaut werden sollte.
  3. Fairness-Test: Entwickle einen Prompt für eine Auswahl- oder Empfehlungssituation, identifiziere mögliche Benachteiligungen und überarbeite Kriterien so, dass die Entscheidung nachvollziehbarer und fairer wird.
  4. Eigenes KI-Projekt: Wähle eine reale schulische Problemstellung, entwickle eine eigene Mensch-KI-Arbeitsteilung, teste Deinen Prompt mindestens zweimal, verbessere ihn und dokumentiere Ziel, Werkzeuge, Quellen, Kriterien, Änderungen, Ergebnis und begründete Endentscheidung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer auf ein neues Fach: Übertrage das Prompt-Schema auf eine Aufgabe aus einem anderen Fach und begründe, welche Bausteine gleich bleiben und welche sich ändern müssen.
  2. Fehlerdiagnose: Du erhältst einen Prompt, dessen Antwort zwar sprachlich gut klingt, aber falsche Zahlen enthält. Entwickle einen verbesserten Arbeitsprozess und erkläre, warum nicht nur der Wortlaut des Prompts verändert werden sollte.
  3. Mensch-KI-Grenze: Beurteile eine Situation, in der eine KI zwischen zwei schulischen Projekten entscheiden soll, welches finanziert wird. Lege fest, welche Teile delegiert werden dürfen und welche nicht.
  4. Quellenkonflikt: Zwei Quellen widersprechen sich und die KI wählt ohne Begründung eine davon. Entwickle Kriterien und einen Prompt, mit denen der Widerspruch transparent untersucht werden kann.
  5. Projektsteuerung: Plane einen Ablauf von Auftrag bis Veröffentlichung für ein KI-gestütztes Gruppenprojekt. Baue mindestens zwei Prüfpunkte und einen menschlichen Freigabeschritt ein.
  6. Iterative Verbesserung: Vergleiche Prompt Version 1 und Version 2 eines Projekts und erkläre anhand der Ergebnisse, welche Änderung ursächlich zu einer besseren Prüfbarkeit geführt hat.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur einen „guten Prompt“ abgibst, sondern Deinen gesamten Arbeitsprozess sichtbar machst.

  1. Zieldefinition: Formuliere ein klares Problem und ein überprüfbares Ergebnis.
  2. Werkzeugbegründung: Erkläre, warum Du für Recherche, Berechnung, Generierung oder Entscheidung bestimmte Werkzeuge gewählt hast.
  3. Prompt-Versionen: Zeige mindestens zwei Entwicklungsstufen und erläutere die Änderungen.
  4. Qualitätskriterien: Lege vor dem Test fest, woran Du eine gute Ausgabe erkennst.
  5. Prüfung: Kontrolliere mindestens eine wichtige Behauptung oder Berechnung unabhängig vom KI-Ergebnis.
  6. Mensch-KI-Arbeitsteilung: Kennzeichne, welche Entscheidungen bei Dir geblieben sind.
  7. Reflexion: Beschreibe einen Fehler, eine Unsicherheit oder eine verworfene Lösung und erkläre, was Du daraus verbessert hast.
  8. Transparenz: Mache Quellen, Annahmen, Werkzeugnutzung und wesentliche Änderungen nachvollziehbar.




OERs zum Thema


Freie und weiterführende Medien

Die in diesem aiMOOC eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien eignen sich zur Visualisierung von Mensch-Computer-Interaktion, Feedback, kritischem Denken, generativer KI und Sicherheitsfragen. Verwende Medien nicht nur dekorativ: Formuliere vor dem Ansehen eine Beobachtungsfrage und halte danach fest, welche Information das Medium für Deine Aufgabe tatsächlich liefert.


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