Zum Inhalt springen

D9 G - Prüfungstraining B3 Lyrik

Aus MOOCsWiki Staging
Version vom 10. September 2026, 20:24 Uhr von Glanz (Diskussion | Beiträge) (aiMOOC über GPT aiMOOC Action erstellt)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
aiMOOC-Siegel

D9 G - Prüfungstraining B3 Lyrik



D9 G - Prüfungstraining B3 Lyrik


Einleitung

Dieser aiMOOC bereitet Dich auf eine prüfungsnahe Arbeit mit lyrischen Texten in Klasse 9 auf G-Niveau vor. Im Mittelpunkt stehen die drei Bereiche Textverständnis, literarisches Verstehen und Sprachgebrauch. Genau diese drei Bereiche werden in Baden-Württemberg für Teil B, Aufgabe 3 der Hauptschulabschlussprüfung genannt, wenn dort ein Gedicht oder ein Prosatext vorgelegt wird. Die Aufgaben hier sind keine Original-Prüfungsaufgaben, sondern neu formulierte Trainingsaufgaben mit vergleichbarer Arbeitsweise.

Du lernst, ein Gedicht aufmerksam zu lesen, Aussagen mit Versangaben zu belegen, sprachliche Bilder zu verstehen, einfache formale Merkmale zu erkennen und Deine Antworten klar und vollständig zu formulieren. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Fachbegriffe auswendig zu lernen. Entscheidend ist, dass Du Textbeobachtung, Wirkung und Deutung sinnvoll miteinander verbindest.

Für die Gedichttexte gilt: Verwendet werden ausschließlich gemeinfreie Gedichte oder für diesen aiMOOC neu geschriebene Gedichte. So kannst Du mit vollständigen Texten arbeiten, ohne auf geschützte Prüfungs- oder Schulbuchtexte angewiesen zu sein.

Datei:Lyrische Gedichte (IA 10110192bsb).pdf

Das historische Gedichtbuch auf Wikimedia Commons zeigt: Lyrik ist eine sehr alte Form des sprachlichen Gestaltens. Für Deine Prüfung ist aber vor allem wichtig, wie Du einen konkreten Text Schritt für Schritt erschließt.


Was Du für B3 Lyrik können solltest

Im Prüfungstraining arbeitest Du nicht mit einer langen freien Gedichtinterpretation wie in einer Oberstufenklausur. Stattdessen beantwortest Du klar formulierte Einzelaufgaben. Typisch ist, dass Du Informationen direkt aus dem Text entnimmst, Zusammenhänge erklärst und sprachliche Gestaltung untersuchst.

  1. Textverständnis: Du findest Informationen im Gedicht, ordnest Aussagen einer Strophe oder einem Vers zu, fasst Inhalte in eigenen Worten zusammen und erkennst Entwicklungen.
  2. Literarisches Verstehen: Du deutest das lyrische Sprechen, Stimmung, Bilder, Gegensätze, Wiederholungen, Reime oder andere Gestaltungsmittel und erklärst ihre Wirkung.
  3. Sprachgebrauch: Du untersuchst Wörter und Formulierungen im Zusammenhang, erklärst Bedeutungen, findest passende Ersatzwörter und formulierst verständliche, sprachlich richtige Antworten.
  4. Textbelege: Du stützt Aussagen mit kurzen Zitaten oder Versangaben, wenn die Aufgabe dies verlangt.
  5. Operatoren: Du achtest genau auf Arbeitsaufträge wie nennen, beschreiben, erklären, belegen, vergleichen oder formulieren.


Der wichtigste Unterschied: Finden, Erklären, Deuten

Finden bedeutet: Die Information steht direkt im Text. Du musst sie sicher erkennen.

Erklären bedeutet: Du beschreibst einen Zusammenhang mit eigenen Worten. Eine bloße Abschrift des Verses reicht nicht.

Deuten bedeutet: Du gehst einen Schritt weiter und erklärst, welche Bedeutung oder Wirkung eine Formulierung haben kann. Eine Deutung muss zum Text passen und sollte durch eine Textstelle gestützt werden.

Ein hilfreiches Grundmuster lautet:

Beobachtung → Textbeleg → Wirkung oder Bedeutung

Beispiel: Im Gedicht wird die Straße als handelnd dargestellt. Dadurch wirkt die Umgebung lebendig und spiegelt die Stimmung des lyrischen Sprechers.


Werkzeugkasten Lyrik für G-Niveau


Vers, Strophe und lyrisches Sprechen

Ein Vers ist eine Zeile im Gedicht. Mehrere Verse können eine Strophe bilden. Der Sprecher oder die Sprecherin im Gedicht wird häufig als lyrisches Ich bezeichnet, wenn ein „Ich“ spricht. Wichtig: Das lyrische Ich ist nicht automatisch mit dem Autor oder der Autorin gleichzusetzen.

Frage Dich beim Lesen:

  1. Wer spricht?
  2. Worüber spricht diese Stimme?
  3. Welche Gefühle oder Einstellungen werden deutlich?
  4. Verändert sich die Stimmung im Verlauf des Gedichts?


Reim und Klang

Ein Reim entsteht, wenn Wortenden ähnlich klingen. Häufige Reimordnungen sind Paarreim, Kreuzreim und umarmender Reim. Für G-Niveau genügt es oft, ein auffälliges Reimmuster zu erkennen oder zu beschreiben. Noch wichtiger ist die Frage nach der Wirkung: Ein regelmäßiger Klang kann ruhig, geschlossen oder einprägsam wirken; ein fehlender oder gebrochener Reim kann Unruhe oder Offenheit unterstützen.


Sprachliche Bilder und Gestaltungsmittel

Eine Metapher überträgt eine Bedeutung bildhaft, ohne ausdrücklich „wie“ zu verwenden. Eine Personifikation lässt Tiere, Dinge oder Naturerscheinungen menschlich handeln. Ein Vergleich verbindet zwei Bereiche meistens mit „wie“ oder „als“. Eine Wiederholung kann einen Gedanken verstärken. Ein Gegensatz kann Unterschiede besonders deutlich machen.

Für die Prüfung genügt es nicht, nur den Fachbegriff zu nennen. Schreibe zusätzlich, was die Stelle im Gedicht bewirkt.

Beispiel: „Die Straße gähnt“ ist eine Personifikation. Die Straße erhält eine menschliche Handlung. Dadurch wirkt der frühe Morgen müde und langsam.


Wortwahl und Stimmung

Achte besonders auf Wörter, die Gefühle, Farben, Geräusche, Bewegung oder Ruhe ausdrücken. Mehrere Wörter aus demselben Bedeutungsbereich können eine bestimmte Stimmung erzeugen.

Beispiel: Wörter wie „grau“, „müde“, „still“ und „Regen“ können eine gedrückte oder ruhige Morgenstimmung aufbauen. Wörter wie „hell“, „warm“, „leuchten“ und „wachsen“ können einen Wandel zu Hoffnung oder Zuversicht anzeigen.


Die 5-Schritt-Methode für die Prüfung

  1. Aufgabe zuerst lesen: Markiere den Operator und kläre, was genau verlangt wird.
  2. Passende Textstelle suchen: Arbeite mit Versnummern und markiere Schlüsselwörter.
  3. Antwort in eigenen Worten formulieren: Schreibe nicht unnötig lang, aber vollständig.
  4. Beleg ergänzen: Wenn „belege“ oder „am Text“ verlangt wird, nenne Versangabe oder kurzes Zitat.
  5. Kontrollieren: Prüfe Inhalt, Satzbau, Rechtschreibung und ob Du wirklich alle Teilfragen beantwortet hast.

Ein guter Prüfungssatz verbindet Inhalt und Textbezug: „Das lyrische Ich wirkt zunächst unsicher, weil es still wartet und sein müdes Spiegelbild betrachtet.“


Trainingsgedicht 1: Johann Wolfgang von Goethe – Gefunden

Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Gefunden“ ist gemeinfrei. Die folgende Fassung orientiert sich am überlieferten Text; einzelne Schreibweisen sind für das Training behutsam modernisiert. Goethe lebte von 1749 bis 1832.

Gefunden

Ich ging im Walde
so für mich hin,
und nichts zu suchen,
das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
ein Blümchen stehn,
wie Sterne leuchtend,
wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
den Würzlein aus,
zum Garten trug ich's
am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
am stillen Ort;
nun zweigt es immer
und blüht so fort.

Johann Wolfgang von Goethe, „Gefunden“, gemeinfrei; Rechtschreibung für das Training behutsam modernisiert.

Die Handschrift eines anderen Goethe-Gedichts erinnert daran, dass Gedichte gestaltete Texte sind: Wortwahl, Zeilenumbrüche und Wiederholungen sind nicht zufällig. In einer Prüfung untersuchst Du genau solche Entscheidungen.


Erste Orientierung am Gedicht

Das Gedicht erzählt eine kleine Handlung: Eine Person geht ohne besondere Absicht in den Wald, entdeckt eine Blume, möchte sie zunächst pflücken, entscheidet sich nach der vorgestellten Rede der Blume aber anders und setzt sie an einem geschützten Ort wieder ein. Aus einem möglichen Zerstören wird ein Bewahren.

Für das Verstehen sind drei Schritte wichtig: Begegnung – Entscheidung – Veränderung. Die Blume ist nicht nur ein Gegenstand. Durch ihre Rede wird sie personifiziert und erhält eine eigene Stimme.


Prüfungstraining B3 – Set 1

Arbeitsweise: Bearbeite die Aufgaben möglichst ohne Hilfen. Plane für dieses Trainingsset ungefähr 35 bis 45 Minuten. Diese Zeitangabe ist eine Lernempfehlung, keine amtliche Vorgabe.


A Textverständnis

  1. Inhalt erfassen: Beschreibe in zwei bis drei Sätzen, was im Gedicht geschieht.
  2. Reihenfolge erkennen: Nenne die drei wichtigsten Handlungsschritte in der richtigen Reihenfolge.
  3. Textstelle finden: In welcher Strophe ändert die sprechende Person ihren ursprünglichen Plan? Erkläre kurz, woran Du das erkennst.
  4. Wortbedeutung: Was bedeutet „Welken“ im Zusammenhang des Gedichts?
  5. Bezug herstellen: Worauf bezieht sich das Wort „es“ in „nun zweigt es immer“?


B Literarisches Verstehen

  1. Personifikation: Erkläre, warum die Blume als Personifikation verstanden werden kann. Belege Deine Antwort mit einer Textstelle.
  2. Vergleich: Untersuche die beiden Vergleiche „wie Sterne leuchtend“ und „wie Äuglein schön“. Welche Wirkung haben sie auf die Darstellung der Blume?
  3. Entwicklung: Beschreibe, wie sich das Verhalten der sprechenden Person gegenüber der Blume verändert.
  4. Aussage: Formuliere eine mögliche Aussage des Gedichts zum Umgang mit Natur.
  5. Titel deuten: Erkläre, warum der Titel „Gefunden“ mehr bedeuten kann als nur „eine Blume entdeckt“.


C Sprachgebrauch

  1. Synonym: Finde ein passendes heutiges Wort für „Blümchen“ im Zusammenhang des Gedichts und erkläre, welche Wirkung die Verkleinerungsform hat.
  2. Satz umformulieren: Formuliere „Soll ich zum Welken gebrochen sein?“ als sachliche Aussage ohne Frageform.
  3. Wortfeld: Nenne drei Wörter aus dem Gedicht, die zum Wortfeld Natur gehören.
  4. Präzise formulieren: Verbessere den ungenauen Satz „Die Blume ist schön und deshalb macht der Mann etwas anderes.“ Schreibe einen genauen Satz mit Textbezug.
  5. Belegen: Ergänze den Satz sinnvoll: „Die sprechende Person entscheidet sich schließlich für das Bewahren der Blume, weil …“


Musterlösungen zu Set 1

Die Musterlösungen zeigen mögliche gute Antworten. Andere Formulierungen können ebenfalls richtig sein, wenn sie zum Text passen.


Lösungen A Textverständnis

  1. Die sprechende Person geht ohne Suchabsicht durch den Wald, entdeckt eine Blume und möchte sie pflücken. Nach der vorgestellten Rede der Blume gräbt sie die Pflanze mit Wurzeln aus, bringt sie zum Haus und pflanzt sie dort wieder ein.
  2. Die drei Schritte sind: Entdeckung der Blume, geplanter Abbruch beziehungsweise geplantes Pflücken, schonendes Umsetzen und Weiterwachsen.
  3. Die Veränderung wird besonders ab der dritten Strophe deutlich. Nach der Frage der Blume wird sie nicht abgebrochen, sondern mit Wurzeln ausgegraben und neu eingepflanzt.
  4. „Welken“ bedeutet, dass eine Pflanze ihre Frische verliert, schlaff wird und schließlich eingehen kann.
  5. „Es“ bezieht sich auf die Blume beziehungsweise die umgesetzte Pflanze.


Lösungen B Literarisches Verstehen

  1. Die Blume spricht wie ein Mensch: „Soll ich zum Welken gebrochen sein?“ Dadurch erhält sie eine Stimme und wirkt schutzbedürftig.
  2. Die Vergleiche mit Sternen und Augen lassen die Blume hell, schön und wertvoll erscheinen. Sie wird dadurch besonders aufmerksam wahrgenommen.
  3. Zuerst möchte die sprechende Person die Blume brechen. Danach nimmt sie Rücksicht auf die Pflanze und setzt sie so um, dass sie weiterleben kann.
  4. Eine mögliche Aussage lautet: Natur sollte nicht nur genommen oder zerstört, sondern achtsam behandelt und bewahrt werden.
  5. Der Titel kann neben dem Entdecken der Blume auch für eine neue Einsicht stehen: Die Person „findet“ einen anderen Umgang mit dem Lebendigen.


Lösungen C Sprachgebrauch

  1. Ein heutiges Ersatzwort wäre „kleine Blume“. Die Verkleinerungsform „Blümchen“ lässt die Pflanze zart, freundlich und schutzbedürftig wirken.
  2. Sachlich könnte der Satz lauten: „Wenn du mich abbrichst, werde ich welken.“
  3. Zum Wortfeld Natur gehören zum Beispiel „Wald“, „Schatten“, „Blümchen“, „Würzlein“ und „Garten“.
  4. Eine genauere Formulierung wäre: „Die sprechende Person empfindet die Blume als besonders schön und entscheidet sich nach ihrer personifizierten Rede dagegen, sie abzubrechen.“
  5. Eine passende Ergänzung wäre: „…, weil sie die Pflanze mit ihren Wurzeln ausgräbt, an einen neuen Ort bringt und dort wieder einpflanzt.“


Trainingsgedicht 2: Haltestelle, sieben Uhr

Das folgende Gedicht wurde für diesen aiMOOC neu geschrieben. Es ist bewusst alltagsnah und enthält typische sprachliche Mittel, die Du auf G-Niveau erkennen und erklären kannst.

Haltestelle, sieben Uhr

Der Morgen hängt noch grau am Zaun,
die Straße gähnt im Regenlicht.
Ich zieh die Kapuze tief ins Gesicht
und hör den Tropfen auf den Steinen zu.

Der Bus kommt brummend um die Ecke,
sein Licht schiebt gelbe Streifen vor.
Ich stehe still, als ob ich stecke,
doch Stimmen ziehen mich zum Tor.

Im Fenster schwimmt mein müdes Bild,
die Häuser laufen rückwärts fort.
Dann wird der Himmel langsam mild,
und Schule wächst am nächsten Ort.

Ich atme ein. Die Türen gehn.
Ein neuer Tag steigt mit mir aus.
Noch kann ich nicht sein Ende sehn,
doch plötzlich sieht er heller aus.

Neu geschrieben für diesen aiMOOC.


Was an diesem Gedicht auffällt

Der Text beginnt mit Müdigkeit und grauem Regen. Mehrere Dinge werden personifiziert: Der Morgen „hängt“, die Straße „gähnt“, die Häuser „laufen“, die Schule „wächst“ und der Tag „steigt“ aus. Diese sprachlichen Bilder verbinden die Außenwelt mit der Stimmung des lyrischen Ichs. Im Verlauf verändert sich die Atmosphäre: Aus Grau und Müdigkeit wird am Ende ein vorsichtiger, heller Blick auf den Tag.


Prüfungssimulation B3 – Set 2

Bearbeite zuerst alle Aufgaben ohne die Lösungshinweise weiter unten. Schreibe bei Erklärungen vollständige Sätze.


A Textverständnis

  1. Sprecher erkennen: Wo befindet sich das lyrische Ich am Anfang des Gedichts und wohin bewegt es sich?
  2. Stimmung erfassen: Nenne zwei Textstellen, die am Anfang Müdigkeit oder Unlust zeigen.
  3. Entwicklung beschreiben: Wie verändert sich die Stimmung bis zur letzten Strophe?
  4. Versbezug: Was passiert in „Die Türen gehn“?
  5. Inhalt zusammenfassen: Fasse das Gedicht in höchstens drei Sätzen zusammen.


B Literarisches Verstehen

  1. Personifikation erkennen: Nenne zwei Personifikationen und erkläre jeweils ihre Wirkung.
  2. Vergleich untersuchen: Welche Wirkung hat „als ob ich stecke“ auf die Darstellung des lyrischen Ichs?
  3. Bildsprache deuten: Deute den Vers „und Schule wächst am nächsten Ort“.
  4. Gegensatz erkennen: Stelle den Anfang und das Ende des Gedichts gegenüber. Welche Entwicklung wird dadurch sichtbar?
  5. Titel erklären: Warum passt der sachlich klingende Titel „Haltestelle, sieben Uhr“ zu einem Gedicht über eine innere Veränderung?


C Sprachgebrauch

  1. Wortbedeutung erklären: Was bedeutet „mild“ in „Dann wird der Himmel langsam mild“?
  2. Wirkung von Verben: Untersuche die Verben „gähnt“, „schiebt“, „schwimmt“, „laufen“, „wächst“ und „steigt“. Was fällt auf?
  3. Umformulieren: Formuliere „Ein neuer Tag steigt mit mir aus“ ohne Bildsprache.
  4. Satzverknüpfung: Verbinde sinnvoll: „Das lyrische Ich ist am Anfang müde. Am Ende wirkt es zuversichtlicher.“ Verwende eine passende Konjunktion.
  5. Präzision: Formuliere einen vollständigen Deutungssatz zum letzten Vers.


Musterlösungen zu Set 2


Lösungen A Textverständnis

  1. Am Anfang wartet das lyrische Ich an einer Haltestelle. Es fährt mit dem Bus in Richtung Schule.
  2. Müdigkeit oder Unlust zeigen zum Beispiel „grau“, „die Straße gähnt“, „müdes Bild“ und das stille Warten.
  3. Die Stimmung wird schrittweise heller. Am Ende erscheint der neue Tag nicht mehr nur belastend, sondern offener und hoffnungsvoller.
  4. Die Bustüren öffnen sich, und das lyrische Ich steigt aus.
  5. Das lyrische Ich fährt an einem grauen Morgen mit dem Bus zur Schule. Während der Fahrt verändert sich seine Wahrnehmung. Am Ende blickt es etwas zuversichtlicher auf den neuen Tag.


Lösungen B Literarisches Verstehen

  1. „Die Straße gähnt“ personifiziert die Straße und verstärkt die Müdigkeit des Morgens. „Die Häuser laufen rückwärts fort“ überträgt die Bewegung des Busses auf die Häuser und macht die Fahrt anschaulich.
  2. „Als ob ich stecke“ zeigt, dass sich das lyrische Ich innerlich unbeweglich oder blockiert fühlt.
  3. Die Schule „wächst“ nicht wirklich. Durch die Annäherung im Bus wird sie größer und näher; zugleich rückt die Aufgabe des Tages immer stärker ins Bewusstsein.
  4. Am Anfang dominieren Grau, Regen und Müdigkeit. Am Ende wird der Tag „heller“. Damit wird eine innere Entwicklung von Unlust zu vorsichtiger Zuversicht sichtbar.
  5. Der Titel nennt nur Ort und Zeit. Gerade dadurch wirkt die innere Veränderung wie etwas, das in einer ganz normalen Alltagssituation entstehen kann.


Lösungen C Sprachgebrauch

  1. „Mild“ bedeutet hier freundlicher, weniger düster oder weniger hart.
  2. Viele Verben geben unbelebten Dingen Bewegung oder menschliche Eigenschaften. Dadurch wird die Umgebung lebendig und mit der Wahrnehmung des lyrischen Ichs verbunden.
  3. Ohne Bildsprache könnte man schreiben: „Ich steige aus dem Bus und beginne meinen neuen Schultag.“
  4. Eine mögliche Verbindung lautet: „Das lyrische Ich ist am Anfang müde, aber am Ende wirkt es zuversichtlicher.“
  5. Ein möglicher Deutungssatz lautet: „Der letzte Vers zeigt, dass sich nicht nur die Helligkeit des Morgens, sondern auch die Einstellung des lyrischen Ichs zum bevorstehenden Tag verändert.“


Häufige Fehler und wie Du sie vermeidest

  1. Zu allgemein antworten: Schreibe nicht nur „Das Gedicht ist traurig“, sondern nenne ein Textsignal und erkläre die Wirkung.
  2. Nur Fachbegriffe aufzählen: „Personifikation“ allein genügt nicht; beschreibe, was personifiziert wird und warum das wichtig ist.
  3. Autor und lyrisches Ich verwechseln: Schreibe bei der Textstimme lieber „lyrisches Ich“ oder „sprechende Person“.
  4. Aufgabe nicht vollständig lesen: Bei „Nenne und erkläre“ brauchst Du mindestens zwei Schritte.
  5. Ohne Textbezug deuten: Eine Deutung muss am Gedicht nachvollziehbar sein.
  6. Zu lange Antworten schreiben: G-Niveau bedeutet nicht oberflächlich, sondern klar, verständlich und passend zur Aufgabe.
  7. Versangaben vergessen: Wenn ein Beleg verlangt wird, nenne die entsprechende Stelle.
  8. Unvollständige Sätze: Bei Erklär- und Deutungsaufgaben sind vollständige Sätze meist die sicherste Form.


Formulierungshilfen

  1. Inhalt: „In der ersten Strophe wird beschrieben, dass …“
  2. Entwicklung: „Zunächst …, später …, am Ende …“
  3. Beleg: „Das erkennt man an der Formulierung … in Vers …“
  4. Sprachliches Mittel: „Die Personifikation … lässt … wirken.“
  5. Vergleich: „Durch den Vergleich mit … wird deutlich, dass …“
  6. Stimmung: „Die Wörter … und … erzeugen eine … Stimmung.“
  7. Deutung: „Die Textstelle kann so verstanden werden, dass …“
  8. Titel: „Der Titel passt zum Gedicht, weil …“
  9. Gegensatz: „Während am Anfang …, zeigt das Ende …“
  10. Fazit: „Insgesamt wird deutlich, dass …“


Mini-Training: Nur die Antwort verbessern

Lies jeweils die schwache Antwort und verbessere sie.

  1. Schwach: „Die Straße gähnt. Das ist ein Stilmittel.“ – Besser: Benenne die Personifikation und erkläre ihre Wirkung auf die Morgenstimmung.
  2. Schwach: „Am Ende ist es besser.“ – Besser: Beschreibe genau, welche Wörter den Stimmungswechsel zeigen.
  3. Schwach: „Goethe findet eine Blume.“ – Besser: Vermeide die Gleichsetzung von Autor und Sprecher und formuliere mit „sprechende Person“.
  4. Schwach: „Das bedeutet Natur.“ – Besser: Formuliere eine überprüfbare Aussage und stütze sie am Text.
  5. Schwach: „Der Vergleich ist schön.“ – Besser: Erkläre, welche Eigenschaft durch den Vergleich hervorgehoben wird.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche drei Bereiche trainiert B3 Lyrik in diesem aiMOOC? (Textverständnis, literarisches Verstehen und Sprachgebrauch) (!Rechtschreibung, Zeichnen und Mathematik) (!Biografie, Geschichte und Geografie) (!Lesetempo, Diktat und Handschrift)




Was ist ein Vers? (Eine einzelne Zeile eines Gedichts) (!Der Titel eines Gedichts) (!Eine Gruppe von Kapiteln) (!Ein Reimwort am Gedichtende)




Was ist eine Personifikation? (Ein unbelebter Gegenstand oder eine Naturerscheinung handelt menschlich) (!Zwei Wörter haben dieselbe Endung) (!Ein Satz wird besonders kurz) (!Der Autor nennt sein Geburtsjahr)




Welche Formulierung ist ein Vergleich? (Wie Sterne leuchtend) (!Die Straße gähnt) (!Der Morgen hängt) (!Schule wächst)




Was solltest Du bei einer Deutung tun? (Eine mögliche Bedeutung erklären und am Text begründen) (!Nur den Gedichttitel abschreiben) (!Nur einen Fachbegriff nennen) (!Die Biografie des Autors erfinden)




Worauf bezieht sich das lyrische Ich? (Auf die sprechende Stimme im Gedicht) (!Immer auf den Autor selbst) (!Immer auf die Leserin) (!Nur auf die Überschrift)




Warum ist ein Textbeleg hilfreich? (Er macht Deine Aussage am Gedicht nachvollziehbar) (!Er ersetzt jede Erklärung) (!Er macht die Antwort automatisch länger) (!Er verhindert eigene Formulierungen)




Welche Entwicklung zeigt das Gedicht Haltestelle, sieben Uhr? (Von Müdigkeit zu vorsichtiger Zuversicht) (!Von Freude zu großer Wut) (!Von Sommerhitze zu Schneefall) (!Von einer Feier zu einer Reise)




Was bedeutet Welken bei einer Pflanze? (Die Pflanze verliert Frische und kann eingehen) (!Die Pflanze wächst besonders schnell) (!Die Pflanze wird neu eingepflanzt) (!Die Pflanze beginnt zu sprechen)




Welche Antwort ist für eine Wirkungsfrage am besten? (Das sprachliche Mittel benennen und seine Wirkung im Zusammenhang erklären) (!Nur die Verszahl nennen) (!Nur schreiben dass die Stelle schön ist) (!Nur den Fachbegriff hinschreiben)





Memory

Vers einzelne Gedichtzeile
Strophe Gruppe mehrerer Verse
Personifikation Vermenschlichung
Metapher bildhafte Übertragung
Vergleich Verbindung mit wie oder als
Textbeleg Nachweis am Gedicht
lyrisches Ich sprechende Stimme
Stimmung gefühlsmäßige Wirkung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Textverständnis Informationen finden und Inhalt erfassen
Literarisches Verstehen Gestaltung und Bedeutung deuten
Sprachgebrauch Wörter und Formulierungen untersuchen
Textbeleg Aussage am Gedicht nachweisen
Deutung mögliche Bedeutung nachvollziehbar erklären





Kreuzworträtsel

Metapher Wie heißt eine bildhafte Übertragung ohne ausdrückliches Vergleichswort?
Vergleich Wie heißt ein sprachliches Mittel mit wie oder als?
Strophe Wie heißt eine Gruppe mehrerer Verse?
Sprecher Wie nennt man vereinfacht die Stimme, die im Gedicht spricht?
Kreuzreim Wie heißt das Reimschema mit abwechselnd reimenden Versen?
Personifikation Wie heißt die Vermenschlichung von Dingen oder Natur?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Gedicht besteht aus einzelnen

und kann in mehrere Strophen gegliedert sein. Die sprechende Stimme wird häufig als

bezeichnet. Eine Vermenschlichung nennt man

. Ein sprachliches Bild ohne ausdrückliches Vergleichswort kann eine

sein. Bei einer Prüfungsantwort solltest Du Beobachtungen möglichst durch einen

absichern. Eine gute Deutung verbindet Textbeobachtung und

. Beim Operator „erklären“ reicht reines Abschreiben

. Vor der Abgabe solltest Du prüfen, ob Deine Antwort alle

erfüllt.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Stimmungswörter sammeln: Markiere in „Haltestelle, sieben Uhr“ alle Wörter, die Müdigkeit oder Helligkeit ausdrücken. Ordne sie zwei Feldern zu.
  2. Vorlesen: Lies eines der beiden Gedichte laut vor. Verändere Tempo und Betonung so, dass der Stimmungswechsel hörbar wird.
  3. Bildidee: Gestalte ein kleines Bild oder Fotoarrangement zu einer Metapher oder Personifikation aus dem Trainingsgedicht.
  4. Vierzeiler: Schreibe einen eigenen Vierzeiler über einen Schulmorgen und baue eine Personifikation ein.


Standard

  1. Aufgabenautor: Erfinde drei neue B3-Aufgaben zu „Gefunden“: eine zum Textverständnis, eine zum literarischen Verstehen und eine zum Sprachgebrauch.
  2. Gedichtvergleich: Vergleiche die Entwicklung in „Gefunden“ und „Haltestelle, sieben Uhr“. Was verändert sich jeweils bei der sprechenden Person?
  3. Audioaufnahme: Nimm eine eigene Lesung von „Haltestelle, sieben Uhr“ auf und begründe anschließend zwei Entscheidungen zu Betonung oder Sprechtempo.
  4. Sprachliche Bilder im Alltag: Sammle fünf Personifikationen oder Metaphern aus Alltagssprache, Werbung oder eigenen Gesprächen und erkläre ihre Wirkung.


Schwer

  1. Prüfungssimulation erstellen: Schreibe ein eigenes Gedicht mit drei Strophen und entwickle dazu ein vollständiges B3-Trainingsset mit Lösungen.
  2. Interpretationsvergleich: Formuliere zwei unterschiedliche, aber jeweils textnahe Deutungen des Titels „Gefunden“ und entscheide begründet, welche Dich mehr überzeugt.
  3. Medienprojekt: Produziere ein kurzes Erklärvideo zum Muster „Beobachtung – Beleg – Wirkung“ und verwende mindestens zwei eigene Beispiele.
  4. Transfer: Wähle ein weiteres gemeinfreies Gedicht aus Wikisource. Entwickle fünf Aufgaben auf G-Niveau und begründe, warum der Text für Klasse 9 geeignet ist.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Deutungsweg: Untersuche eine Personifikation aus „Haltestelle, sieben Uhr“. Zeige Schritt für Schritt, wie Du von der Textstelle zu einer begründeten Wirkungsaussage kommst.
  2. Vergleich der Sprecherhaltung: Vergleiche, wie die sprechenden Personen in „Gefunden“ und „Haltestelle, sieben Uhr“ auf ihre Umgebung reagieren. Nenne Gemeinsamkeit und Unterschied mit Belegen.
  3. Fehlerdiagnose: Eine Schülerin schreibt: „Die Straße gähnt, also ist die Straße müde.“ Erkläre, was an der Antwort noch fehlt, und verbessere sie zu einer vollständigen Deutung.
  4. Sprachtransfer: Formuliere eine bildhafte Zeile aus einem Trainingsgedicht sachlich um. Erkläre anschließend, was durch die sachliche Formulierung verloren geht.
  5. Prüfungsstrategie: Du hast noch zehn Minuten und drei Aufgaben offen. Entwickle eine sinnvolle Reihenfolge für Dein weiteres Vorgehen und begründe sie.
  6. Titeldeutung: Erkläre, wie ein sachlicher oder kurzer Gedichttitel eine tiefere Bedeutung erhalten kann. Beziehe Dich auf mindestens eines der Trainingsgedichte.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du folgende Leistungen zeigen kannst:

  1. Du kannst den Inhalt eines Gedichts knapp und in eigenen Worten wiedergeben.
  2. Du kannst Informationen mit passenden Versstellen belegen.
  3. Du kannst das lyrische Ich oder die sprechende Stimme vom Autor unterscheiden.
  4. Du kannst zentrale Gestaltungsmittel wie Vergleich, Personifikation, Metapher und Wiederholung erkennen.
  5. Du kannst nicht nur ein Stilmittel benennen, sondern seine Wirkung im Textzusammenhang erklären.
  6. Du kannst eine Stimmungsentwicklung oder einen Gegensatz im Gedicht beschreiben.
  7. Du kannst Wortbedeutungen aus dem Zusammenhang erschließen.
  8. Du kannst ungenaue Antworten präzisieren und in vollständigen Sätzen formulieren.
  9. Du kannst eine einfache, textnahe Deutung entwickeln.
  10. Du kannst die Arbeitsaufträge verschiedener Operatoren sicher unterscheiden.




OERs zum Thema

Zum Weiterlernen eignen sich außerdem Gedicht, Lyrik, Vers, Strophe, Reim, Metapher, Personifikation, Vergleich, Lyrisches Ich und Gedichtinterpretation.

Die YouTube-Videos dienen als zusätzliche Lernhilfen. Für die Bearbeitung der Prüfungssets reicht der Lerntext dieses aiMOOCs aus.


Quellen und Transparenz

Die Trainingsstruktur orientiert sich an öffentlich beschriebenen Anforderungen der Hauptschulabschlussprüfung Deutsch in Baden-Württemberg: Bei Teil B, Aufgabe 3 wird ein Gedicht oder Prosatext mit Aufgaben zu Textverständnis, literarischem Verstehen und Sprachgebrauch bearbeitet. Die hier formulierten Aufgaben sind vollständig neu und keine übernommenen Originalprüfungsaufgaben.

Das Gedicht „Gefunden“ von Johann Wolfgang von Goethe ist gemeinfrei. Als Textgrundlage wurde die überlieferte Fassung bei Wikisource herangezogen und für dieses G-Niveau-Training orthografisch behutsam modernisiert. „Haltestelle, sieben Uhr“ wurde eigens für diesen aiMOOC neu geschrieben.

Die eingebundenen historischen Bilddateien stammen von Wikimedia Commons. Die verwendeten Goethe-Darstellungen beziehungsweise Handschriften sind dort als gemeinfrei gekennzeichnet.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...