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D9 G - Prosatexte untersuchen und strukturiert beschreiben

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D9 G - Prosatexte untersuchen und strukturiert beschreiben




Einleitung

Prosatexte begegnen Dir in vielen Formen: als Kurzgeschichte, Erzählung, Novelle, Roman oder auch als kurze erzählende Szene. Prosa bedeutet zunächst, dass ein Text nicht in Versen wie ein Gedicht geschrieben ist. Beim Untersuchen eines Prosatextes geht es darum, genau zu lesen und wichtige Informationen geordnet herauszuarbeiten.

In diesem aiMOOC lernst Du ein einfaches Verfahren für Klasse 9 auf G-Niveau. Du untersuchst einen Prosatext Schritt für Schritt nach sieben Bereichen:

  1. Thema: Worum geht es im Kern?
  2. Handlung: Was geschieht?
  3. Figuren: Wer handelt und wie verhalten sich die Personen?
  4. Ort: Wo spielt das Geschehen?
  5. Zeit: Wann spielt es und wie lange dauert es?
  6. Sprache: Wie ist der Text geschrieben?
  7. Textbeleg: Woran im Text kannst Du Deine Aussage zeigen?

Am Ende kannst Du Deine Ergebnisse übersichtlich in einer strukturierten Beschreibung darstellen. Dabei musst Du nicht jedes schwierige Fachwort kennen. Entscheidend ist: genau lesen, passende Aussagen treffen und sie mit einfachen Textbelegen absichern.


Was ist ein Prosatext?

Ein Prosatext ist ein Text in ungebundener Sprache. Anders als ein Gedicht besteht er normalerweise nicht aus Versen und Strophen. Zur erzählenden Prosa gehören zum Beispiel Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Romane.

Für Deine Untersuchung ist vor allem wichtig, dass in einem Prosatext meist etwas erzählt wird. Es gibt Figuren, Ereignisse, Orte und Zeiten. Außerdem entscheidet die sprachliche Gestaltung darüber, wie das Geschehen auf Dich wirkt.

Nicht jeder Prosatext enthält alle Informationen ausdrücklich. Manchmal musst Du aus einzelnen Hinweisen schließen, wie eine Figur fühlt, welche Stimmung herrscht oder wann und wo das Geschehen spielt. Solche Schlüsse müssen aber immer zum Text passen.


Untersuchen statt nur nacherzählen

Eine reine Inhaltsangabe beantwortet vor allem die Frage: Was passiert? Eine Untersuchung geht weiter. Du fragst zusätzlich:

  1. Warum ist eine bestimmte Figur wichtig?
  2. Welche Bedeutung hat der Ort?
  3. Welche Zeitangaben fallen auf?
  4. Welche Wörter oder Sätze erzeugen eine bestimmte Stimmung?
  5. Welche Textstelle belegt meine Aussage?

Eine gute Untersuchung verbindet deshalb Beobachtung und Beleg.


Das 7-Felder-Verfahren

Das folgende Verfahren hilft Dir, auch bei unbekannten Prosatexten den Überblick zu behalten.

Feld Leitfrage Was Du notierst
Thema Worum geht es im Kern? Ein kurzer Satz zum zentralen Inhalt oder Problem
Handlung Was geschieht? Die wichtigsten Ereignisse in sinnvoller Reihenfolge
Figuren Wer handelt? Eigenschaften, Verhalten, Beziehungen und Veränderungen
Ort Wo spielt das Geschehen? Genannte oder erschließbare Orte und ihre Wirkung
Zeit Wann und wie lange spielt das Geschehen? Tageszeit, Jahreszeit, Epoche, Dauer und Reihenfolge
Sprache Wie ist der Text geschrieben? Auffällige Wörter, Sätze, Wiederholungen, Vergleiche oder Dialoge
Textbeleg Woran erkenne ich das? Kurzes Zitat oder genaue Zeilenangabe

Merksatz: Erst feststellen, was Du im Text erkennst. Danach zeigen, woran Du es erkennst.


Schritt 1: Das Thema bestimmen

Das Thema ist nicht dasselbe wie die gesamte Handlung. Das Thema sagt knapp, worum es im Kern geht.

Beispiele für mögliche Themen sind:

  1. Freundschaft und Streit
  2. Familie und Konflikte
  3. Mut in einer schwierigen Situation
  4. Ausgrenzung in einer Gruppe
  5. Entscheidungen und ihre Folgen
  6. Erwachsenwerden
  7. Verantwortung

Ein Thema formulierst Du am besten als kurzen Satz.

Zu ungenau: „Es geht um einen Jungen.“

Besser: „Der Text handelt von einem Jugendlichen, der sich entscheiden muss, ob er einem Freund hilft.“

Achte darauf, das Thema nicht zu groß zu machen. Wenn im Text ein Streit zwischen zwei Freunden vorkommt, muss das Thema nicht sofort „der Sinn des Lebens“ sein.


Hilfsfragen zum Thema

  1. Welches Problem steht im Mittelpunkt?
  2. Was beschäftigt die Hauptfigur besonders?
  3. Was verändert sich im Verlauf der Handlung?
  4. Welche Frage könnte der Text bei Leserinnen und Lesern auslösen?


Schritt 2: Die Handlung untersuchen

Die Handlung besteht aus den wichtigen Ereignissen des Textes. Du musst nicht jede Kleinigkeit nennen. Konzentriere Dich darauf, was für den Verlauf wichtig ist.

Eine Spannungskurve wie die abgebildete Freytag-Pyramide kann helfen, über Aufbau und Wendepunkte nachzudenken. Sie stammt ursprünglich aus der Dramentheorie und passt deshalb nicht automatisch auf jeden Prosatext. Für Deine Untersuchung genügt oft eine einfachere Einteilung:

  1. Ausgangssituation: Wie beginnt der Text?
  2. Entwicklung: Was verändert sich?
  3. Wendepunkt oder wichtigster Moment: Wo wird eine Entscheidung, ein Konflikt oder eine Überraschung besonders wichtig?
  4. Ende: Wie endet die Situation?

Bei einer kurzen Inhaltsübersicht schreibst Du im Präsens und konzentrierst Dich auf das Wesentliche.


Handlung knapp wiedergeben

Eine gute knappe Handlung könnte so aussehen:

„Mara wartet nach Schulschluss auf ihren Freund Ben. Als Ben nicht erscheint, entdeckt sie dessen liegen gelassenen Rucksack. Sie sucht ihn und findet ihn schließlich auf dem Sportplatz. Dort erfährt sie, dass Ben einem jüngeren Schüler geholfen hat.“

Diese Zusammenfassung nennt die entscheidenden Ereignisse, ohne jede Einzelheit nachzuerzählen.


Schritt 3: Figuren untersuchen

Figuren sind die Personen oder Wesen, die in einem Text handeln. Untersuche nicht nur, wer vorkommt, sondern auch, wie sich die Figuren verhalten.

Wichtige Bereiche sind:

  1. Eigenschaften: freundlich, unsicher, mutig, wütend, aufmerksam, egoistisch oder hilfsbereit
  2. Verhalten: Was tut die Figur?
  3. Gedanken und Gefühle: Was denkt oder empfindet sie?
  4. Beziehungen: Wie steht sie zu anderen Figuren?
  5. Entwicklung: Verändert sie sich?

Eine Eigenschaft sollte möglichst durch eine Handlung, Äußerung oder Textstelle gestützt werden.

Schwach: „Lina ist nett.“

Besser: „Lina wirkt hilfsbereit, weil sie trotz des Regens stehen bleibt und dem verletzten Jungen hilft.“


Direkte und indirekte Figurenbeschreibung

Eine Figur kann direkt beschrieben werden. Dann nennt der Text eine Eigenschaft ausdrücklich, zum Beispiel: „Er war ungeduldig.“

Eine Figur kann auch indirekt beschrieben werden. Dann musst Du aus Verhalten, Sprache oder Gedanken auf eine Eigenschaft schließen. Wenn eine Figur zum Beispiel dreimal nachfragt, ob alles in Ordnung ist, kann das zeigen, dass sie besorgt ist.

Bei einer indirekten Beschreibung ist ein Textbeleg besonders wichtig.


Schritt 4: Den Ort untersuchen

Der Ort ist der Raum, in dem die Handlung stattfindet. Manchmal wird er genau genannt, manchmal musst Du ihn aus Hinweisen erschließen.

Frage Dich:

  1. Wo befinden sich die Figuren?
  2. Wechselt der Ort?
  3. Ist der Ort eng, weit, laut, ruhig, hell oder dunkel?
  4. Passt der Ort zur Stimmung?
  5. Beeinflusst der Ort das Verhalten der Figuren?

Ein Ort ist nicht nur Hintergrund. Ein leerer Bahnhof spät am Abend kann zum Beispiel Unsicherheit erzeugen. Ein voller Schulhof kann Gruppendruck sichtbar machen.

Beispiel: „Der verlassene Flur verstärkt die angespannte Stimmung, weil die Figur dort allein ist.“


Schritt 5: Die Zeit untersuchen

Die Zeit kann mehrere Dinge bedeuten. Für G-Niveau reichen zunächst drei Fragen:

  1. Wann? Spielt die Handlung morgens, abends, im Winter oder in einer bestimmten Epoche?
  2. Wie lange? Dauert das Geschehen wenige Minuten, einen Tag oder mehrere Jahre?
  3. In welcher Reihenfolge? Wird alles nacheinander erzählt oder gibt es Erinnerungen an früher?

Wenn ein Text plötzlich von einem früheren Ereignis berichtet, handelt es sich um einen Rückblick. Wenn auf etwas Zukünftiges hingewiesen wird, kann es sich um eine Vorausdeutung handeln. Für Deine Beschreibung reicht es oft, solche Stellen verständlich zu benennen, auch wenn Du das Fachwort einmal nicht weißt.

Beispiel: „Die Handlung spielt an einem Abend und dauert nur wenige Minuten. Durch die Erinnerung an den Streit vom Vortag erfährt man, warum die Figur nervös ist.“


Schritt 6: Die Sprache untersuchen

Bei der Sprache fragst Du: Wie wirkt der Text und wodurch entsteht diese Wirkung?

Achte besonders auf leicht erkennbare Merkmale:

  1. Wortwahl: eher einfach, sachlich, freundlich, hart, traurig oder umgangssprachlich
  2. Satzlänge: viele kurze oder viele lange Sätze
  3. Wiederholungen: Wörter oder Satzteile kommen mehrfach vor
  4. Vergleiche: etwas wird mit etwas anderem verglichen
  5. Direkte Rede: Figuren sprechen unmittelbar
  6. Fragen und Ausrufe: können Unsicherheit, Spannung oder starke Gefühle zeigen
  7. Verben: schnelle Tätigkeitsverben können Tempo erzeugen
  8. Adjektive: können Personen, Orte und Stimmungen genauer beschreiben

Du musst nicht möglichst viele sprachliche Mittel finden. Wichtiger ist, dass Du wenige passende Beobachtungen erklärst.

Nur benennen: „Es gibt kurze Sätze.“

Besser untersuchen: „Die kurzen Sätze lassen die Szene hektisch wirken.“


Einfache sprachliche Mittel

Sprachliches Mittel Einfach erklärt Mögliche Wirkung
Wiederholung Ein Wort oder Ausdruck kommt mehrfach vor. Etwas wird betont.
Vergleich Zwei Dinge werden mit „wie“ oder „als“ verbunden. Eine Vorstellung wird anschaulicher.
Metapher Ein Ausdruck wird bildlich verwendet. Ein Gefühl oder Zustand wird anschaulich.
Direkte Rede Eine Figur spricht wörtlich. Die Szene wirkt lebendig und unmittelbar.
Kurzer Satz Ein Satz enthält nur wenige Wörter. Tempo, Spannung oder Entschlossenheit können verstärkt werden.
Frage Eine Figur oder Erzählinstanz stellt eine Frage. Unsicherheit oder Nachdenken können sichtbar werden.

Die Wirkung hängt immer vom Zusammenhang ab. Ein kurzer Satz ist nicht automatisch spannend. Prüfe, was an der konkreten Stelle geschieht.


Schritt 7: Einfache Textbelege verwenden

Ein Textbeleg zeigt, dass Deine Aussage wirklich aus dem Text kommt. Du kannst einen kurzen Ausdruck zitieren oder eine Zeilenangabe nennen.

Die einfachste Formel lautet:

Aussage + Beleg + Erklärung

Beispiel:

„Noah wirkt nervös. Das erkennt man an der Formulierung ‚seine Hände zitterten‘. Dadurch wird seine Unsicherheit deutlich.“

Bei einem Text mit Zeilennummern kannst Du zusätzlich schreiben: „... (Z. 12–13).“

Wähle möglichst kurze Belege. Ein Textbeleg soll Deine Aussage stützen, nicht einen ganzen Absatz ersetzen.


Satzanfänge für Textbelege

  1. Beleg einführen: „Das erkennt man an ...“
  2. Zeile nennen: „In Zeile ... wird deutlich, dass ...“
  3. Zitat nutzen: „Die Formulierung ‚...‘ zeigt ...“
  4. Wirkung beschreiben: „Dadurch wirkt ...“
  5. Zusammenhang erklären: „Dies passt dazu, dass ...“


Das Verfahren an einem Beispiel

Der folgende kurze Prosatext wurde für diese Übung erstellt.

Übungstext: „Der Schlüssel“

Z. 1 Als Sami die Haustür erreichte, bemerkte er, dass sein Schlüssel nicht in der Jackentasche war. Z. 2 Er tastete noch einmal alle Taschen ab. Nichts. Z. 3 Hinter den Fenstern des Hauses brannte kein Licht. Z. 4 „Nicht heute“, murmelte er und sah zum dunklen Himmel. Z. 5 Dann erinnerte er sich an die Bank vor der Turnhalle, auf der er am Nachmittag gesessen hatte. Z. 6 Er rannte zurück zur Schule. Z. 7 Auf der Bank lag der Schlüssel und glänzte im Licht der Straßenlaterne. Z. 8 Sami lachte, steckte ihn ein und ging langsamer nach Hause.


Thema im Beispiel

Das Thema lässt sich so formulieren:

„Der Text handelt von einer unangenehmen Alltagssituation, in der Sami ein Problem selbst löst.“

Auch „Unsicherheit und Erleichterung nach dem Wiederfinden eines verlorenen Gegenstands“ wäre eine passende Formulierung.


Handlung im Beispiel

Die Handlung ist einfach aufgebaut: Sami bemerkt den Verlust seines Schlüssels, sucht zunächst in seinen Taschen, erinnert sich dann an die Bank vor der Turnhalle, läuft zurück und findet den Schlüssel.

Der wichtigste Umschwung liegt in Zeile 5. Dort erinnert Sami sich an den möglichen Ort des Schlüssels. Ab diesem Moment hat er eine Lösung.


Figur im Beispiel

Sami wirkt zunächst nervös und später erleichtert. Dass er „alle Taschen“ noch einmal abtastet, zeigt seine Unruhe. Am Ende „lacht“ er und geht „langsamer“ nach Hause. Diese Veränderung zeigt, dass die Anspannung verschwunden ist.


Ort im Beispiel

Die Handlung spielt zuerst vor Samis Wohnhaus und danach bei der Schule. Der dunkle Bereich vor dem Haus verstärkt zunächst die unangenehme Situation. Die Bank vor der Turnhalle wird später zum Ort der Lösung.


Zeit im Beispiel

Die Handlung spielt offenbar am Abend, denn es ist dunkel und eine Straßenlaterne leuchtet. Das Geschehen dauert nur eine kurze Zeit. In Zeile 5 gibt es außerdem eine Erinnerung an den Nachmittag.


Sprache im Beispiel

Die kurzen Sätze „Nichts.“ und „Er rannte zurück zur Schule.“ machen die Situation knapp und schnell. Die direkte Rede „Nicht heute“ zeigt Samis Ärger. Am Ende wird das Tempo ruhiger, weil Sami „langsamer“ nach Hause geht.


Textbelege im Beispiel

Eine vollständige Aussage mit Beleg kann so aussehen:

„Sami ist am Anfang angespannt. Das erkennt man daran, dass er seine Taschen wiederholt durchsucht und ‚Nicht heute‘ sagt. Am Ende ist er erleichtert, denn er ‚lacht‘ und geht ‚langsamer‘ nach Hause.“

So entsteht aus einzelnen Beobachtungen eine nachvollziehbare Beschreibung.


Einen Prosatext strukturiert beschreiben

Nach der Untersuchung ordnest Du Deine Ergebnisse. Eine einfache Struktur besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.


Einleitung

In die Einleitung gehören nur die wichtigsten Grundinformationen:

  1. Textsorte
  2. Titel
  3. Autorin oder Autor, falls angegeben
  4. Erscheinungsjahr, falls angegeben
  5. Thema in einem Satz

Mustersatz:

„In der Kurzgeschichte ‚...‘ von ... geht es um ...“

Wenn Autor oder Jahr nicht angegeben sind, erfindest Du nichts.


Hauptteil

Im Hauptteil beschreibst Du die Untersuchungsergebnisse in einer sinnvollen Reihenfolge:

  1. Handlung knapp wiedergeben
  2. Hauptfiguren beschreiben
  3. Ort und Zeit erklären
  4. auffällige Sprache untersuchen
  5. wichtige Aussagen mit Textbelegen sichern

Du musst nicht jedes Feld gleich lang behandeln. Schreibe dort mehr, wo der Text besonders viele Hinweise bietet.


Schluss

Im Schluss kannst Du knapp zusammenfassen, welche Wirkung oder Aussage der Text für Dich hat. Bleibe aber am Text.

Beispiel:

„Insgesamt zeigt die Geschichte, wie sich die Stimmung der Hauptfigur von Unsicherheit zu Erleichterung verändert. Besonders die kurzen Sätze am Anfang unterstützen die angespannte Wirkung.“


Ein Schreibplan für Klassenarbeiten

Phase Aufgabe Kontrollfrage
Lesen Text einmal vollständig lesen. Was passiert grundsätzlich?
Markieren Hinweise zu Thema, Figuren, Ort, Zeit und Sprache kennzeichnen. Welche Stellen sind besonders wichtig?
Ordnen Stichwörter in die sieben Felder eintragen. Habe ich zu jedem wichtigen Bereich etwas?
Belegen Zu wichtigen Aussagen kurze Textstellen suchen. Woran kann ich meine Aussage zeigen?
Schreiben Einleitung, Hauptteil und Schluss formulieren. Ist die Reihenfolge verständlich?
Prüfen Inhalt, Sprache und Belege kontrollieren. Habe ich Behauptungen ohne Textbeleg?


Häufige Fehler vermeiden

  1. Nacherzählung statt Untersuchung: Erzähle nicht jede Einzelheit nach, sondern wähle Wichtiges aus.
  2. Textbeleg fehlt: Zeige an einer passenden Stelle, worauf Deine Aussage beruht.
  3. Zitat zu lang: Nutze möglichst kurze, passende Textstellen.
  4. Figurenbeschreibung ohne Begründung: Schreibe nicht nur „Sie ist nett“, sondern erkläre, woran Du das erkennst.
  5. Sprache nur benennen: Erkläre die Wirkung eines sprachlichen Merkmals.
  6. Ort und Zeit vergessen: Prüfe auch indirekte Hinweise wie Dunkelheit, Wetter, Uhrzeiten oder typische Gegenstände.
  7. Autor und Erzähler verwechseln: Die Stimme, die erzählt, ist nicht automatisch die Autorin oder der Autor.


Zusatz: Wer erzählt?

Für eine einfache Prosatextuntersuchung kann eine zusätzliche Frage hilfreich sein: Wer erzählt das Geschehen?

Bei einer Ich-Erzählung tritt ein „Ich“ als erzählende Figur auf. Bei einer Erzählung in der dritten Person werden Figuren meist mit „er“ oder „sie“ bezeichnet. Entscheidend ist außerdem, wie viel die erzählende Stimme über Gedanken und Gefühle weiß.

Für G-Niveau genügt zunächst:

  1. Gibt es ein erzählendes „Ich“?
  2. Erfahren wir die Gedanken einer bestimmten Figur?
  3. Wissen wir nur, was äußerlich passiert?
  4. Weiß die erzählende Stimme mehr als die Figuren?

Diese Beobachtungen können Dir helfen, die Wirkung eines Textes besser zu erklären.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt das Thema eines Prosatextes? (Den zentralen Inhalt oder das zentrale Problem) (!Jede einzelne Handlung in genauer Reihenfolge) (!Nur den Ort der Handlung) (!Nur die Namen der Figuren)




Was gehört zu einer knappen Untersuchung der Handlung? (Die wichtigsten Ereignisse) (!Jede Nebensache) (!Nur direkte Rede) (!Nur sprachliche Mittel)




Wodurch lässt sich eine Figur gut beschreiben? (Durch Verhalten, Gedanken, Gefühle und Textbelege) (!Nur durch ihren Namen) (!Nur durch die Textlänge) (!Nur durch den Handlungsort)




Welche Frage hilft bei der Untersuchung des Ortes? (Wo spielt das Geschehen und wie wirkt dieser Ort?) (!Wie viele Seiten hat der Text?) (!Wie heißt der Verlag?) (!Welche Note bekommt der Text?)




Was kann bei der Untersuchung der Zeit wichtig sein? (Wann die Handlung spielt und wie lange sie dauert) (!Welche Schriftart verwendet wird) (!Wie teuer das Buch war) (!Wie viele Buchstaben ein Satz hat)




Was solltest Du bei einem sprachlichen Merkmal zusätzlich erklären? (Seine Wirkung im Text) (!Die Farbe des Buchcovers) (!Das Alter des Lesers) (!Die Seitenzahl des Buches)




Wozu dient ein Textbeleg? (Er stützt eine Aussage über den Text) (!Er ersetzt die gesamte Untersuchung) (!Er nennt die persönliche Lieblingsfigur) (!Er verlängert den Text ohne Grund)




Welche Formel hilft bei einer einfachen Analyseaussage? (Aussage plus Beleg plus Erklärung) (!Titel plus Seitenzahl plus Preis) (!Figur plus Autor plus Verlag) (!Ort plus Datum plus Unterschrift)




Was ist beim Beschreiben der Handlung sinnvoll? (Die wichtigsten Ereignisse in einer verständlichen Reihenfolge nennen) (!Alle Sätze des Textes abschreiben) (!Nur das Ende nennen) (!Nur Adjektive sammeln)




Was gehört zu einer strukturierten Beschreibung eines Prosatextes? (Einleitung, Hauptteil und Schluss) (!Nur eine Überschrift) (!Nur eine Liste mit Figuren) (!Nur ein langes Zitat)





Memory

Thema zentrale Aussage
Handlung wichtige Ereignisse
Figur Verhalten und Eigenschaften
Handlungsort Raum des Geschehens
Erzählzeit Zeitpunkt und Dauer
Sprachgestaltung Wirkung der Ausdrucksweise
Textbeleg Nachweis am Text





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zentrales Problem Thema
Ereignisfolge Handlung
Eigenschaften und Verhalten Figuren
Schauplatz Ort
Dauer und Zeitpunkt Zeit
Wortwahl und Satzbau Sprache
Kurzes Zitat Textbeleg






Kreuzworträtsel

Handlung Wie nennt man die wichtigen Ereignisse eines Prosatextes zusammen?
Figuren Wer handelt in einer erzählten Geschichte?
Schauplatz Wie nennt man den Ort des Geschehens mit einem anderen Wort?
Sprache Was untersuchst Du bei Wortwahl und Satzbau?
Textbeleg Wie heißt ein Nachweis für eine Aussage am Text?
Vergleich Welches sprachliche Mittel verbindet oft zwei Dinge mit dem Wort wie?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Das

nennt den zentralen Inhalt oder das zentrale Problem eines Prosatextes. Bei der

konzentrierst Du Dich auf die wichtigsten Ereignisse. Eine

untersuchst Du mithilfe ihres Verhaltens, ihrer Aussagen, Gedanken und Gefühle. Der

zeigt, wo das Geschehen stattfindet. Die

kann Hinweise auf Zeitpunkt, Dauer und Reihenfolge des Geschehens geben. Bei der

achtest Du zum Beispiel auf Wortwahl, Satzlänge und direkte Rede. Ein

stützt Deine Aussage durch eine passende Stelle im Text. Eine besonders einfache Untersuchungsformel lautet Aussage plus

plus Erklärung. Im Hauptteil verbindest Du Deine Beobachtungen zu einer

Beschreibung.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Thema bestimmen: Lies eine kurze selbst gewählte Erzählung und formuliere ihr Thema in genau einem Satz.
  2. Handlung ordnen: Schreibe fünf Sätze, die nur die wichtigsten Ereignisse eines Prosatextes wiedergeben.
  3. Figurenkarte: Gestalte eine Figurenkarte mit Name, drei Eigenschaften und je einem passenden Textbeleg.
  4. Ort und Zeit: Markiere in einem Prosatext alle Hinweise auf Ort und Zeit und erkläre zwei davon in eigenen Worten.


Standard

  1. Textbelege finden: Formuliere fünf Aussagen über einen Prosatext und ergänze zu jeder Aussage einen kurzen Textbeleg.
  2. Sprachdetektiv: Suche drei auffällige sprachliche Merkmale und erkläre jeweils ihre Wirkung auf die Szene.
  3. Vergleich von Figuren: Vergleiche zwei Figuren danach, wie sie sich in einem Konflikt verhalten, und belege Deine Aussagen.
  4. Szenenplan: Erstelle zu einer Kurzgeschichte einen Plan aus Ausgangssituation, Entwicklung, wichtigstem Moment und Ende.


Schwer

  1. Perspektivwechsel: Schreibe eine wichtige Szene aus der Sicht einer anderen Figur neu und erkläre anschließend, was sich dadurch verändert.
  2. Ort verändern: Verlege eine Szene an einen deutlich anderen Ort und untersuche, wie sich Stimmung und Verhalten der Figuren dadurch verändern würden.
  3. Videoanalyse: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Erklärvideo, in dem Du das 7-Felder-Verfahren an einem kurzen selbst gewählten Prosatext zeigst.
  4. Eigene Kurzprosa: Schreibe einen kurzen Prosatext mit klar erkennbarem Thema, Ort, Zeit, zwei Figuren und mindestens zwei bewusst eingesetzten sprachlichen Mitteln. Tausche den Text mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler und lasst Euch gegenseitig untersuchen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer – unbekannter Text: Du erhältst einen kurzen unbekannten Prosatext. Formuliere zuerst das Thema und begründe anschließend, welche zwei Handlungsschritte für das Verständnis am wichtigsten sind.
  2. Figuren und Belege: Erkläre anhand von zwei Textstellen, wie sich eine Figur im Verlauf eines Textes verändert. Zeige dabei, was am Anfang anders ist als am Ende.
  3. Ort und Wirkung: Untersuche, wie ein bestimmter Schauplatz die Stimmung einer Szene beeinflusst. Verändere den Ort gedanklich und erkläre, welche Wirkung dadurch verloren ginge oder neu entstünde.
  4. Zeit und Spannung: Erkläre, wie eine Erinnerung, ein Zeitsprung oder eine sehr kurze erzählte Zeit die Wirkung einer Szene verändern kann.
  5. Sprache und Wirkung: Vergleiche zwei kurze Abschnitte mit unterschiedlicher Satzlänge oder Wortwahl. Erkläre, welcher Abschnitt ruhiger, hektischer oder spannender wirkt und warum.
  6. Beleg prüfen: Du erhältst drei Aussagen zu einem Prosatext und mehrere Textstellen. Entscheide, welcher Beleg jeweils am besten passt, und begründe Deine Auswahl.
  7. Struktur verbessern: Überarbeite eine ungeordnete Prosatextbeschreibung so, dass Einleitung, Handlung, Figuren, Ort, Zeit, Sprache und Belege sinnvoll angeordnet sind.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du einen unbekannten Prosatext selbstständig und geordnet untersuchen kannst.

  1. Thema: Du formulierst den zentralen Inhalt oder das Problem in einem verständlichen Satz.
  2. Handlung: Du gibst die wichtigsten Ereignisse knapp und in sinnvoller Reihenfolge wieder.
  3. Figuren: Du beschreibst Eigenschaften, Verhalten, Gedanken, Gefühle oder Beziehungen.
  4. Ort: Du benennst wichtige Schauplätze und kannst ihre Wirkung erklären.
  5. Zeit: Du erkennst Hinweise auf Zeitpunkt, Dauer und Reihenfolge.
  6. Sprache: Du findest einfache sprachliche Auffälligkeiten und erklärst ihre Wirkung.
  7. Textbeleg: Du sicherst wichtige Aussagen mit kurzen Zitaten oder Zeilenangaben.
  8. Textaufbau: Du ordnest Deine Ergebnisse in Einleitung, Hauptteil und Schluss.
  9. Fachsprache: Du verwendest einfache Fachbegriffe korrekt und verständlich.
  10. Überarbeitung: Du prüfst, ob Deine Aussagen zum Text passen und ausreichend belegt sind.




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