Baden-Württemberg 2050 (Zukunftsszenarien für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt; Oberstufe Studium; Projektlernen; vie

Baden-Württemberg 2050 (Zukunftsszenarien für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt; Oberstufe Studium; Projektlernen; vie
Baden-Württemberg 2050 (Zukunftsszenarien für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt; Oberstufe/Studium; Projektlernen; viele Medien; Sprache angepasst; mittellanger Text; exakt diesen Titel übernehmen)
Einleitung
Wie könnte Baden-Württemberg im Jahr 2050 aussehen? Diese Frage lässt sich nicht mit einer einzigen Prognose beantworten. Bevölkerungsentwicklung, Migration, technischer Fortschritt, globale Märkte, politische Entscheidungen, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Klimawandel beeinflussen sich gegenseitig. Zukunftsszenarien sind deshalb keine Vorhersagen, sondern begründete, in sich stimmige Möglichkeitsbilder. Sie helfen Dir, Annahmen sichtbar zu machen, Folgen abzuschätzen und Handlungsoptionen zu vergleichen.
Dieser aiMOOC richtet sich an die Oberstufe und an Studierende. Du arbeitest mit aktuellen Daten, unterscheidest zwischen Trend, Ziel und Szenario, analysierst Zielkonflikte und entwickelst im Projekt ein eigenes „Baden-Württemberg 2050“. Der Schwerpunkt liegt auf den drei eng miteinander verbundenen Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Stand der verwendeten amtlichen Eckdaten ist überwiegend 2025/2026.

Baden-Württemberg ist ein dicht besiedeltes, wirtschaftsstarkes und zugleich landschaftlich vielfältiges Land. Ballungsräume wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau stehen neben ländlichen Räumen, Mittelgebirgen, Agrarlandschaften und großen Waldgebieten. Gerade diese Vielfalt macht Zukunftsfragen räumlich unterschiedlich: Was für eine Großstadt sinnvoll ist, muss für den Schwarzwald, die Schwäbische Alb oder den Bodenseeraum nicht dieselbe Lösung sein.
Ausgangslage: Was ist bereits absehbar?
Gesellschaft und Demografie
Die amtliche Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg ist eine Wenn-dann-Rechnung. Sie arbeitet mit Annahmen zu Geburten, Sterblichkeit und Wanderungen. Ausgangspunkt der aktuellen Berechnung ist der Bevölkerungsstand Ende 2023. In der Hauptvariante steigt die Bevölkerung von rund 11,231 Millionen Menschen im Jahr 2023 auf rund 11,732 Millionen im Jahr 2050. Die untere Variante liegt 2050 bei rund 11,263 Millionen, die obere bei rund 12,207 Millionen. Gerade diese Spannweite zeigt: Zuwanderung ist für die künftige Bevölkerungszahl ein zentraler Unsicherheitsfaktor.[1]
Auch die Altersstruktur verändert sich. In der Hauptvariante liegt das Durchschnittsalter 2050 bei 45,8 Jahren. Der Anteil der unter 20-Jährigen wird mit 18 Prozent angegeben, der Anteil der 60-Jährigen und Älteren mit 32 Prozent. Die Zahl der Menschen ab 85 Jahren könnte von 369.000 im Jahr 2023 auf 616.000 im Jahr 2050 steigen.[2] Daraus folgen Fragen nach Pflege, barrierefreiem Wohnen, medizinischer Versorgung, Fachkräften, Bildung, kommunalen Haushalten und Generationengerechtigkeit.

Die Grafik zeigt die historische Bevölkerungsentwicklung und keine Zukunftsprognose. Für Szenarien ist diese Unterscheidung wichtig: Vergangenheit ist beobachtet, Vorausberechnung ist modelliert, Szenario ist gestaltet.
Wirtschaft und Arbeit
Baden-Württemberg gehört zu den am stärksten industrialisierten Regionen Europas. 2024 entfielen 38,1 Prozent der Bruttowertschöpfung auf das Produzierende Gewerbe; allein das Verarbeitende Gewerbe erreichte 30,6 Prozent. Damit hängen Wohlstand, Steuereinnahmen und viele Arbeitsplätze stark von industrieller Wettbewerbsfähigkeit ab.[3]
2025 exportierten Unternehmen aus Baden-Württemberg Waren im Wert von rund 241,4 Milliarden Euro. Kraftwagen und Kraftwagenteile blieben mit 50,5 Milliarden Euro die bedeutendste Ausfuhrgruppe, gefolgt von Maschinen mit 45,9 Milliarden Euro. Zugleich gingen die Ausfuhren dieser Schlüsselbranchen gegenüber dem Vorjahr zurück.[4] Für 2050 stellt sich daher nicht nur die Frage, wie viel Industrie im Land produziert, sondern was, mit welcher Energie, mit welchen Qualifikationen und in welchen globalen Wertschöpfungsnetzen.

Automobilindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Software, Gesundheitswirtschaft und wissenschaftsnahe Dienstleistungen können sich bis 2050 stark verändern. Künstliche Intelligenz, Robotik, Quantentechnologien, neue Materialien, Kreislaufwirtschaft und klimaneutrale Produktionsverfahren eröffnen Chancen, erzeugen aber auch Anpassungsdruck. Entscheidend ist, ob Unternehmen, Hochschulen, Beschäftigte und Politik den Strukturwandel rechtzeitig gestalten.
Klima, Wasser, Wald und Biodiversität
Baden-Württemberg hat sich bereits erwärmt. Nach Angaben des Umweltministeriums stieg die Durchschnittstemperatur im Land im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts um etwas mehr als 1 °C. Sommertage wurden häufiger, Eistage seltener; zugleich zeigen sich Veränderungen im jahreszeitlichen Niederschlag.[5]
Für die nahe Zukunft 2021 bis 2050 zeigt die Anpassungsstrategie des Landes je nach Klimaszenario eine weitere Erwärmung gegenüber 1971 bis 2000. Unter RCP 4.5 wird eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um etwa 0,7 bis 1,4 °C, unter RCP 8.5 um etwa 0,8 bis 1,8 °C angegeben. Diese Spannweiten sind keine exakte Vorhersage für das Jahr 2050, sondern Ergebnisse von Modellensembles für einen Zeitraum.[6]

Dürre- und Niedrigwasserperioden können Nutzungskonflikte um Wasser verschärfen. Städte müssen sich zugleich auf Hitze, Starkregen und Überflutung vorbereiten. Konzepte wie Schwammstadt, Entsiegelung, blau-grüne Infrastruktur und wassersensible Stadtentwicklung verbinden Klimaanpassung mit Aufenthaltsqualität und Biodiversität.[7]

Wälder sind zugleich Lebensraum, Erholungsraum, Kohlenstoffspeicher und Rohstoffquelle. Die LUBW weist darauf hin, dass steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge Waldökosysteme, Landwirtschaft, Biodiversität, Wasserhaushalt und menschliche Gesundheit bereits beeinflussen. Klimaanpassung im Wald zielt deshalb unter anderem auf stabilere, strukturreiche und standortgerechte Bestände.[8]
Energie und Klimaneutralität
Das Klimagesetz Baden-Württemberg sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken und bis 2040 Netto-Treibhausgasneutralität zu erreichen.[9] Das bedeutet: Ein Szenario für 2050 muss nicht nur fragen, ob mehr erneuerbarer Strom erzeugt wird, sondern auch, wie Gebäude beheizt, industrielle Prozesse betrieben, Netze ausgebaut, Speicher eingesetzt und unvermeidbare Restemissionen behandelt werden.


Energiepolitik erzeugt räumliche Zielkonflikte. Windenergie, Photovoltaik, Netze, Speicher und neue Wärmeinfrastrukturen benötigen Flächen und Akzeptanz. Gleichzeitig können erneuerbare Energien regionale Wertschöpfung stärken. Bis 2050 wird deshalb entscheidend sein, wie Energie-, Natur-, Landschafts- und Beteiligungsinteressen miteinander verbunden werden.
Mobilität und Raum
Der Verkehrssektor verursacht in Baden-Württemberg rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen. Für 2030 hat das Verkehrsministerium unter anderem folgende Ziele formuliert: jedes zweite Auto klimaneutral, Verdopplung des öffentlichen Verkehrs, ein Fünftel weniger Kfz-Verkehr in Stadt und Land sowie jeder zweite Weg zu Fuß oder mit dem Rad.[10]

Für 2050 ist die Frage größer als die Wahl des Antriebs. Mobilität hängt mit Siedlungsstruktur, Wohnkosten, Arbeitsorten, Lieferketten, digitaler Infrastruktur und sozialer Teilhabe zusammen. Eine kompakte Stadt kann kurze Wege ermöglichen; ländliche Räume benötigen andere Lösungen, etwa verlässliche Bahn- und Busangebote, flexible Bedienformen, Radverbindungen oder gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge.
Wie Zukunftsszenarien entstehen
Ein Szenario ist dann nützlich, wenn es transparent, plausibel, widerspruchsarm und überprüfbar ist. Du trennst dafür drei Ebenen:
| Ebene | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Beobachtung | Was ist heute messbar? | Altersstruktur, Industrieanteil, Emissionen, Flächennutzung |
| Projektion oder Ziel | Was ergibt ein Modell oder was wurde politisch beschlossen? | Bevölkerungsvorausberechnung 2050 oder Klimaneutralitätsziel 2040 |
| Szenario | Was könnte geschehen, wenn mehrere Entwicklungen zusammenwirken? | Hohe Zuwanderung, erfolgreiche Weiterbildung und schneller Ausbau klimaneutraler Industrie |
Zentrale Treiber sind demografische Entwicklung, Migration, Produktivität, technologische Innovation, globale Handelsbeziehungen, Energie- und Rohstoffpreise, Klimapolitik, Klimafolgen, gesellschaftliche Akzeptanz, Bildungs- und Forschungsstärke sowie staatliche und kommunale Handlungsfähigkeit. Besonders wichtig sind Treiber, die sowohl große Wirkung als auch große Unsicherheit besitzen.
Leitplanken für 2050
Nicht alles ist völlig offen. Klimafolgen, bestehende Siedlungsstrukturen, gebaute Infrastruktur und demografische Prozesse wirken über Jahrzehnte. Gleichzeitig können politische Entscheidungen und Innovationen Entwicklungen deutlich verändern. Gute Szenarien kombinieren deshalb Pfadabhängigkeit mit Handlungsspielraum.
Für diesen aiMOOC werden drei Szenarien verwendet. Sie sind bewusst zugespitzt. Keines ist eine Prognose und keines ist vollständig „gut“ oder „schlecht“. Ihre Funktion besteht darin, Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Szenario A: Transformationsland
Im Szenario Transformationsland gelingt es Baden-Württemberg, industrielle Stärke mit Klimaneutralität, Bildung und sozialer Teilhabe zu verbinden. Unternehmen investieren früh in elektrische Prozesse, Kreislaufwirtschaft, Software, KI, Robotik und ressourcenschonende Produkte. Hochschulen, berufliche Bildung und Weiterbildung sind eng mit Betrieben vernetzt. Beschäftigte können häufiger zwischen Tätigkeiten und Branchen wechseln, ohne dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt zu fallen.
Die Energieversorgung ist stärker erneuerbar und stärker elektrifiziert. Kommunale Wärmeplanung, Wärmenetze, Wärmepumpen, Speicher und effizientere Gebäude reduzieren den fossilen Energiebedarf. Industrieflächen werden dichter und multifunktionaler genutzt; Dach- und Parkplatzflächen spielen für Photovoltaik eine größere Rolle. Neue Anlagen werden nicht konfliktfrei gebaut, aber transparente Planung und frühe Bürgerbeteiligung erhöhen die Akzeptanz.
Gesellschaftlich wird Alterung durch barrierefreie Quartiere, Prävention, digitale Assistenz, professionelle Pflege und nachbarschaftliche Netze aufgefangen. Zuwanderung wird als dauerhafte Gestaltungsaufgabe behandelt: Spracherwerb, Anerkennung von Qualifikationen, Bildung, Wohnraum und politische Teilhabe werden miteinander verknüpft.
Umweltpolitik verbindet Schutz und Anpassung. Städte entsiegeln Flächen, speichern Regenwasser und schaffen Schatten. In Land- und Forstwirtschaft steigt die Vielfalt von Kulturen, Baumarten und Bewirtschaftungsformen. Biotopverbünde erleichtern Arten das Ausweichen. Dieses Szenario hat hohe Investitionskosten, setzt langfristig aber auf geringere Klima- und Importabhängigkeiten.
Frühe Signale für dieses Szenario wären schnellere Emissionsminderungen, wachsende Investitionen in Netze und Speicher, erfolgreiche Weiterbildungsquoten, stabile kommunale Finanzen, steigende Flächenproduktivität und messbare Fortschritte bei Klimaanpassung und Biotopverbund.
Szenario B: Ungleiches Innovationsland
Im Szenario Ungleiches Innovationsland bleibt Baden-Württemberg technologisch leistungsfähig, doch die Gewinne der Transformation verteilen sich ungleich. Erfolgreiche Forschungs- und Unternehmensstandorte ziehen Kapital und hochqualifizierte Arbeitskräfte an. Andere Regionen verlieren industrielle Arbeitsplätze oder können neue Branchen nur teilweise aufbauen. Wohnkosten in dynamischen Zentren steigen, während einige periphere Räume mit Leerständen, Fachkräftemangel und dünnerer Daseinsvorsorge kämpfen.
Die Wirtschaft wächst vor allem dort, wo digitale Infrastruktur, Forschung, Unternehmensnetzwerke und qualifizierte Arbeitskräfte zusammentreffen. Automatisierung erhöht die Produktivität, verändert aber Berufsbilder schnell. Wer Zugang zu Weiterbildung besitzt, profitiert stärker; andere Gruppen erleben häufiger unsichere Übergänge.
Klimaschutz schreitet technisch voran, doch Flächen- und Verteilungskonflikte nehmen zu. Wohlhabende Haushalte können energetische Sanierungen und neue Mobilitätsangebote leichter nutzen. Kommunen mit schwacher Finanzlage haben weniger Spielraum für Hitzeschutz, ÖPNV oder klimaangepasste Infrastruktur. Die ökologische Transformation ist daher räumlich fleckig.
Dieses Szenario zeigt, dass Innovation allein keine soziale Nachhaltigkeit garantiert. Eine zentrale politische Frage lautet: Wie werden Kosten, Chancen und Infrastruktur so verteilt, dass Transformation nicht zur neuen Trennlinie zwischen Regionen und sozialen Gruppen wird?
Szenario C: Klima unter Druck
Im Szenario Klima unter Druck verlaufen Emissionsminderung, Infrastrukturumbau und Klimaanpassung zu langsam. Hitze, Trockenperioden, Starkregen und Niedrigwasser belasten häufiger Städte, Landwirtschaft, Wälder, Gewässer und Verkehrswege. Hohe Anpassungskosten treffen auf begrenzte kommunale Haushalte. Versicherbarkeit, Kühlung, Wasserverfügbarkeit und robuste Infrastruktur gewinnen im Alltag an Bedeutung.
Wirtschaftlich werden Unternehmen stärker mit Energie-, Wasser- und Lieferkettenrisiken konfrontiert. Besonders verletzlich sind Produktionsweisen, die große Mengen Energie, Kühlwasser oder verlässlich funktionierende internationale Lieferketten benötigen. Gleichzeitig wächst ein Markt für Anpassungstechnologien: Wasserrecycling, Gebäudekühlung ohne hohen Energieverbrauch, Monitoring, neue Werkstoffe, klimaangepasste Landwirtschaft und robuste Infrastrukturen.
Gesellschaftlich verschärfen sich Verteilungsfragen. Hitze trifft Menschen unterschiedlich, abhängig von Alter, Gesundheit, Wohnlage und Zugang zu Grünräumen. Regionen konkurrieren zeitweise stärker um Wasser. Natur- und Artenschutz geraten unter Druck, weil Ökosysteme mehrere Belastungen gleichzeitig verkraften müssen.
Dieses Szenario macht sichtbar, dass unterlassener Klimaschutz nicht bedeutet, Kosten zu vermeiden. Kosten verschieben sich vielmehr in Richtung Schäden, Reparatur, Gesundheitsbelastung und Anpassung.

Vergleich der drei Szenarien
| Dimension | Transformationsland | Ungleiches Innovationsland | Klima unter Druck |
|---|---|---|---|
| Gesellschaft | Hohe Teilhabe, Weiterbildung und klimaangepasste Daseinsvorsorge | Stärkere Unterschiede nach Region, Einkommen und Qualifikation | Wachsende Belastungen durch Hitze, Kosten und Infrastrukturprobleme |
| Wirtschaft | Klimaneutrale Industrie, Kreislaufwirtschaft und breite Innovation | Hochproduktive Zentren, aber stärkere regionale Disparitäten | Höhere Anpassungs- und Schadenskosten, mehr Versorgungsrisiken |
| Umwelt | Starker Ausbau von Schutz, Renaturierung und Anpassung | Fortschritte, aber räumlich ungleich | Häufigere Nutzungskonflikte und stärkere Belastung von Ökosystemen |
| Mobilität | Attraktiver Umweltverbund und vernetzte Angebote | Gute Angebote vor allem in starken Zentren | Infrastruktur störanfälliger, Umbau verzögert |
| Politische Kernfrage | Wie bleibt Transformation dauerhaft finanzierbar und akzeptiert? | Wie werden Chancen und Lasten gerechter verteilt? | Wie werden Schäden begrenzt und kritische Systeme geschützt? |
Die Szenarien können sich auch mischen. Baden-Württemberg 2050 könnte in Stuttgart andere Merkmale zeigen als im ländlichen Raum, in einer prosperierenden Technologieregion andere als in einer Region mit starkem Strukturbruch. Szenariodenken zwingt Dich deshalb, räumliche Maßstäbe mitzudenken.
Zentrale Zielkonflikte bis 2050
Wohnen, Flächen und Natur
Mehr Wohnraum kann soziale Entlastung bringen, beansprucht aber Fläche, Material und Infrastruktur. Nachverdichtung spart Außenfläche, kann jedoch Hitzeprobleme verschärfen, wenn Grün- und Freiräume fehlen. Zukunftsfähige Planung muss deshalb Wohnungsbau, Entsiegelung, Klimaanpassung und kurze Wege gemeinsam betrachten.
Energie, Landschaft und Beteiligung
Wind- und Solarenergie reduzieren langfristig fossile Abhängigkeiten, verändern aber Landschaften und Flächennutzungen. Konflikte werden nicht dadurch gelöst, dass eine Seite „recht“ bekommt. Entscheidend sind nachvollziehbare Kriterien, faire Verfahren, Naturverträglichkeit und lokale Nutzenmodelle.
Industrie, Beschäftigung und Geschwindigkeit
Ein langsamer Umbau kann bestehende Arbeitsplätze kurzfristig schützen, erhöht aber das Risiko technologischer Rückstände. Ein sehr schneller Umbau kann Unternehmen und Beschäftigte überfordern. Politik und Wirtschaft müssen deshalb Investitionen, Qualifizierung, Infrastruktur und soziale Sicherung zeitlich aufeinander abstimmen.
Wasser zwischen Nutzung und Schutz
Trinkwasser, Landwirtschaft, Industrie, Energie, Gewässerökologie und Städte benötigen Wasser. In trockenen Phasen können diese Interessen stärker konkurrieren. Die Zukunftsfrage lautet nicht nur „Wer bekommt wie viel?“, sondern auch „Wie lässt sich Verbrauch vermeiden, Wasser mehrfach nutzen, speichern und ökologisch verträglich bewirtschaften?“.
Projektlernen: Zukunftslabor Baden-Württemberg 2050
Du entwickelst in einem Team ein eigenes, datenbasiertes Szenario. Das Ziel ist kein Science-Fiction-Text, sondern ein plausibles Zukunftsbild mit überprüfbaren Annahmen, räumlicher Perspektive und konkreten Entscheidungen.
| Projektphase | Arbeitsauftrag | Mögliches Produkt |
|---|---|---|
| 1. Diagnose | Untersucht einen Landkreis, eine Stadt oder eine Teilregion mit Daten zu Bevölkerung, Wirtschaft, Verkehr, Energie und Umwelt. | Datenprofil mit Karte und fünf Kennzahlen |
| 2. Treiberanalyse | Wählt fünf wichtige Treiber und bewertet Wirkung sowie Unsicherheit. | Treibermatrix |
| 3. Szenariologik | Formuliert zwei besonders unsichere Schlüsselfaktoren und entwickelt daraus alternative Zukunftspfade. | Szenariomatrix |
| 4. Zukunftsbild | Beschreibt Alltag, Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur im Jahr 2050. | Bericht, Podcast, Video, Ausstellung oder digitale Storymap |
| 5. Politikpaket | Entwickelt Maßnahmen für 2030, 2040 und 2050 und benennt Zielkonflikte. | Maßnahmenplan |
| 6. Stresstest | Prüft das Szenario gegen eine Krise, etwa Dürre, Energiepreisschock, starke Zuwanderung oder Branchenbruch. | Resilienzcheck |
| 7. Bürgerforum | Verteilt Rollen und verhandelt einen Kompromiss. | Moderierte Zukunftskonferenz |
| 8. Reflexion | Trennt Daten, Annahmen, Werturteile und Unsicherheiten. | Reflexionsprotokoll |
Eine überzeugende Projektarbeit zeigt Quellenkritik, stellt widersprüchliche Interessen fair dar und benennt Unsicherheit. Gute Szenarien haben außerdem Indikatoren: messbare Größen, an denen Du in den 2030er- und 2040er-Jahren erkennen könntest, ob sich die Realität eher in Richtung des Szenarios bewegt.
Quellen und Datengrundlage
Für die Arbeit mit Zukunftsszenarien solltest Du nach Möglichkeit Primärquellen und amtliche Daten verwenden. Besonders geeignet sind das Statistische Landesamt, die LUBW, Fachministerien des Landes, wissenschaftliche Institute und kommunale Datenportale. Wikipedia eignet sich als Einstieg und zur Orientierung, sollte bei strittigen oder aktuellen Zahlen aber durch Originalquellen ergänzt werden.
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsvorausberechnung, 2025
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Altersstruktur bis 2060, 2025
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Wirtschaftsleistung 2024
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Exporte 2025
- ↑ Umweltministerium Baden-Württemberg: Klimawandel in Baden-Württemberg
- ↑ Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Baden-Württemberg, 2023
- ↑ Umweltministerium Baden-Württemberg: Urbanes Wasserressourcenmanagement
- ↑ LUBW: Klimafolgen in Baden-Württemberg
- ↑ Klimaschutz in Baden-Württemberg
- ↑ Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg: Ziele der Verkehrswende bis 2030
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt ein Zukunftsszenario am treffendsten? (Ein begründetes und in sich stimmiges Möglichkeitsbild) (!Eine sichere Vorhersage des Jahres 2050) (!Eine reine Wunschliste ohne Annahmen) (!Eine historische Statistik)
Welche drei Größen steuern die amtliche Bevölkerungsvorausberechnung besonders? (Geburten Sterblichkeit und Wanderungen) (!Wahlbeteiligung Exportquote und Waldfläche) (!Temperatur Windgeschwindigkeit und Sonnenschein) (!Patente Steuern und Schienenkilometer)
Wie hoch ist die Bevölkerung Baden-Württembergs 2050 in der aktuellen Hauptvariante ungefähr? (11,7 Millionen) (!8,2 Millionen) (!15,9 Millionen) (!20,4 Millionen)
Welches Klimaziel gilt in Baden-Württemberg für 2040? (Netto Treibhausgasneutralität) (!Verdopplung aller Straßenflächen) (!Vollständiger Verzicht auf Stromnetze) (!Abschaffung des öffentlichen Verkehrs)
Warum ist die Industrie für Baden-Württemberg besonders wichtig? (Sie hat einen hohen Anteil an der Wertschöpfung und am Export) (!Sie ersetzt vollständig den Dienstleistungssektor) (!Sie beschäftigt ausschließlich Menschen in Stuttgart) (!Sie benötigt keine internationalen Märkte)
Was ist ein typischer Zielkonflikt der Energiewende? (Erneuerbare Energie ausbauen und zugleich Natur und Landschaft schützen) (!Mehr Energie erzeugen und gleichzeitig Strom verbieten) (!Weniger Verkehr und zugleich längere Wege erzwingen) (!Mehr Bildung und gleichzeitig Lernen abschaffen)
Welche Idee gehört zur klimaangepassten Stadtentwicklung? (Regenwasser speichern Entsiegelung fördern und Schatten schaffen) (!Alle Grünflächen versiegeln) (!Niederschlag möglichst schnell aus der Stadt ableiten) (!Gebäude ohne Hitzeschutz planen)
Was kennzeichnet das Szenario Ungleiches Innovationsland? (Technischer Erfolg bei gleichzeitig stärkeren sozialen und regionalen Unterschieden) (!Völliger Stillstand aller Technologien) (!Identische Lebensbedingungen in allen Regionen) (!Ein Ende jeder wirtschaftlichen Spezialisierung)
Warum sind Indikatoren in einem Zukunftsprojekt wichtig? (Sie machen Entwicklungen beobachtbar und Szenarien überprüfbar) (!Sie ersetzen jede Begründung) (!Sie verhindern unterschiedliche Szenarien) (!Sie machen Quellen überflüssig)
Was bedeutet ein Stresstest für ein Zukunftsszenario? (Es wird geprüft wie robust das Szenario gegenüber einer zusätzlichen Krise ist) (!Das Szenario wird ohne Daten auswendig gelernt) (!Alle Annahmen werden als sicher erklärt) (!Nur das schönste Zukunftsbild wird bewertet)
Memory
| Bevölkerungsvorausberechnung | Geburten Sterblichkeit Wanderungen |
| Klimaanpassung | Umgang mit unvermeidbaren Klimafolgen |
| Strukturwandel | Veränderung von Branchen und Tätigkeiten |
| Schwammstadt | Wasser speichern versickern und verdunsten |
| Kreislaufwirtschaft | Materialien möglichst lange im Nutzungskreislauf halten |
| Resilienz | Fähigkeit Störungen zu bewältigen und sich anzupassen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Demografie | Entwicklung von Bevölkerungszahl und Altersstruktur |
| Dekarbonisierung | Verringerung fossiler Treibhausgasemissionen |
| Digitalisierung | Vernetzung von Daten Prozessen und Technologien |
| Biotopverbund | Verbindung von Lebensräumen |
| Daseinsvorsorge | Grundlegende öffentliche und soziale Versorgung |
Kreuzworträtsel
| Szenario | Wie heißt ein begründetes Möglichkeitsbild der Zukunft? |
| Migration | Welcher Begriff bezeichnet die räumliche Wanderung von Menschen? |
| Resilienz | Wie heißt die Fähigkeit eines Systems mit Störungen umzugehen? |
| Industrie | Welcher Wirtschaftsbereich prägt Baden-Württemberg besonders stark? |
| Anpassung | Wie heißt der Umgang mit bereits unvermeidbaren Klimafolgen? |
| Kreislauf | Welches Wort ergänzt den Begriff der Wirtschaft die Materialien möglichst lange nutzt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zukunftsschlagzeile: Entwirf eine Titelseite aus dem Jahr 2050 mit drei Schlagzeilen zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt und markiere, welche Annahmen dahinterstehen.
- Fotodokumentation: Fotografiere in Deiner Umgebung fünf Orte, an denen Zukunftsfragen bereits sichtbar sind, etwa Mobilität, Wohnen, Energie, Hitze oder Flächennutzung, und erläutere ihre Bedeutung.
- Datensteckbrief: Erstelle für Deine Stadt oder Deinen Landkreis einen Steckbrief mit fünf aktuellen Kennzahlen und erkläre, warum jede Kennzahl für 2050 relevant sein könnte.
- Medienvergleich: Vergleiche zwei der eingebetteten Videos hinsichtlich Perspektive, Quelle, Bildsprache und Zukunftsannahmen.
Standard
- Szenariomatrix: Wähle zwei besonders unsichere Treiber und entwickle daraus vier kurze Zukunftsbilder für eine Region Baden-Württembergs.
- Intergenerationelles Interview: Befrage eine jüngere und eine ältere Person dazu, wie sich Arbeit, Mobilität und Umwelt bis 2050 verändern könnten, und vergleiche Erwartungen und Werte.
- Raumplanungsentwurf: Zeichne einen Plan für ein klimaangepasstes Quartier 2050 mit Wohnen, Grün, Wasser, Mobilität, Energie und sozialer Infrastruktur.
- Zielkonflikt-Debatte: Organisiert eine Debatte zu einem Windpark, einer neuen Wohnbaufläche oder einem Industriegebiet und verteilt Rollen aus Politik, Wirtschaft, Naturschutz und Bürgerschaft.
Schwer
- Regionaler Zukunftsbericht: Entwickelt für einen Landkreis ein datenbasiertes Szenario 2050 mit Ausgangslage, Treibern, Unsicherheiten, Maßnahmen und Indikatoren.
- Transformationsbudget: Entwerft ein fiktives Investitionsbudget für eine Kommune und begründet, wie Mittel zwischen Klimaanpassung, Bildung, Pflege, Verkehr, Wohnen und Digitalisierung verteilt werden.
- Stresstest 2050: Prüft Euer Szenario gegen eine Kombination aus Dürre, starkem Zuzug und industriellem Strukturbruch und überarbeitet anschließend die Maßnahmen.
- Zukunftskonferenz: Führt eine mehrstufige Bürgerkonferenz durch, in der verschiedene Gruppen einen gemeinsamen Gesellschaftsvertrag für Baden-Württemberg 2050 aushandeln.


Lernkontrolle
- Szenarien bewerten: Erkläre, warum zwei Szenarien mit denselben Ausgangsdaten zu unterschiedlichen Zukunftsbildern gelangen können, und bewerte, welche Annahmen besonders entscheidend sind.
- Demografie und Wirtschaft verknüpfen: Analysiere, wie Alterung und Migration gleichzeitig Fachkräfteangebot, Wohnungsmarkt, Bildung und Pflege beeinflussen können.
- Klimaschutz und Industrie verbinden: Entwickle eine Strategie, mit der ein Industriestandort Emissionen senkt, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung unnötig zu gefährden.
- Raumkonflikt lösen: Entwirf einen begründeten Kompromiss zwischen Wohnungsbau, erneuerbaren Energien, Landwirtschaft und Naturschutz für eine wachsende Kommune.
- Resilienz vergleichen: Vergleiche die drei Szenarien hinsichtlich ihrer Fähigkeit, auf eine mehrjährige Dürre zu reagieren, und begründe Deine Rangfolge.
- Indikatorensystem entwickeln: Formuliere sechs messbare Indikatoren, mit denen eine Kommune von 2030 bis 2050 beobachten kann, ob ihre Transformation sozial und ökologisch gelingt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten reproduzierst, sondern mit Unsicherheit, Daten und Zielkonflikten arbeiten kannst.
- Begriffe sicher verwenden: Szenario, Projektion, Trend, Ziel, Treiber, Resilienz, Transformation und Indikator fachlich unterscheiden.
- Daten interpretieren: Amtliche Kennzahlen korrekt lesen und ihre Grenzen erklären.
- Quellen bewerten: Primärquellen, Medienberichte und Meinungsbeiträge unterscheiden und Aktualität prüfen.
- Zusammenhänge analysieren: Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Raumplanung miteinander verknüpfen.
- Szenario entwickeln: Ein plausibles Zukunftsbild mit transparenten Annahmen und Alternativen erstellen.
- Zielkonflikte abwägen: Betroffene Gruppen, Nutzen, Kosten und Nebenfolgen berücksichtigen.
- Transfer leisten: Erkenntnisse auf eine konkrete Kommune oder Region übertragen.
- Reflektieren: Zwischen empirischen Aussagen und eigenen Werturteilen unterscheiden.
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